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Excuse me do we know us?




Autor: Kristina
Genre: Romantik
Altersfreigabe: 16
Hauptpersonen: Cassie, Tom, Sophie und Bill
Disclaimer: Tokio Hotel, so wie alle öffentliche Orte gehören nicht mir.
Claimer: Cassie, Sophie, Alex, Marc, Basti, Franzi, Sue, der Bandname 'Indigo' und die Story sind von mir frei erfunden und gehören somit mir.

Inhaltsangabe:

Sie sieht gut aus. Sie sieht anders aus. Sie wehrt sich mit ihrem Styl demonstrativ gegen all die Groupies in der ersten Reihe. Und genau das imponiert ihm.



Prolog


Sie hatte es tatsächlich geschafft.
Sie stand mal wieder in der ersten Reihe. Die ganzen Tussen um sie herum musterten sie argwöhnisch. Sie wusste, dass sie auffiel und genau das wollte sie. Ohne auf die anderen zu achten, wartete sie auf den Beginn. Nervös zupfte sie an ihrem schwarzen T-Shirt und strich ihre schwarz-grau karierte Bermuda glatt.
Gerade als sie ihre schwarzen Converse-Chucks musterte, erklangen die ersten Gitarrentöne und sofort hatte die Bühne ihre Aufmerksamkeit gewonnen. Nach den ersten drei Liedern, Bill machte gerade eine Ansage und die Fans schrieen, stand sie immer noch, man konnte fast sagen regungslos, da. Ihr Blick war auf ihn fixiert und er hatte sie tatsächlich schon gesehen.
Immer wieder hatte er ihr kurze, fast schüchterne Blicke zu geworfen. Er war erstaunt darüber, dass so ein Mädchen in der ersten Reihe stand. Und er musste zugeben, dass er sie hübsch fand mir ihren glatten blonden Haaren, den knallroten Spitzen und dem schwarzen T-Shirt mit dem Hello Kitty Aufdruck. Jedes Mal wenn er sie ansah, schenkte sie ihm ein kleines, mädchenhaftes Lächeln und erreichte damit das, was sie wollte.
Zwischen dem eigentlichen Ende und der Zugabe bat er einen Securitymann das Mädchen ins Hotel und in sein Zimmer zu schleusen.
Er war sich sicher, heute Abend wollte er nur sie. Als er schon seit über einer viertel Stunde in seinem Zimmer am Fenster stand, klopfte es endlich an der Tür. Eilig machte er sich quer durch den Raum zu jener und öffnete sie überschwänglich. Ein schüchtern lächelndes Mädchen stand im Flur und blickte ihn auffordernd an. Er machte ihr platz, sodass sie eintreten konnte. Kurz sah sie sich um, wandte sich jedoch wieder zu ihm und lächelte freundlich.
"Schön hast du es hier!"
"Ja, ich weiß."
Er war ein paar Schritte auf sie zu gegangen und hielt ihrem Blick stand.
"Ich bin übrigens Cassie."
Sie streckte ihm die Hand hin, die er sofort ergriff und sie so zu sich heran zog.
"Ich bin Tom, aber das weißt du sicherlich."
Das Mädchen konnte schon nicht mehr antworten, seine Lippen lagen schon auf ihren und fingen sanft an diese zu massieren.
Für Beide war klar, dass es nur heute war, dass es nur Spaß war und so gaben sie sich dem jeweils anderen hingabevoll hin.
Mittlerweile waren sie am Bett angekommen. Cassie stieß mit ihren Beinen gegen den Rahmen und knickte in den Knien einfach ab. Da ihre Hände in Toms T-Shirt krallten, zog sie ihn auf sich. Seine Lippen lieb kosteten ihren Hals und nachdem das schwarze Hello Kitty T-Shirt verschwunden war, auch ihr Dekollete und ihren Bauch. Ab und zu ließ sie einen wohltuenden Seufzer ab und ließ ihre Hände seinen Oberkörper entlang fahren. Tom machte sich an ihrer Hose zu schaffen und zog sie ihr schlussendlich aus. Für einen Moment ließ er seinen Blick über ihren Körper gleiten. Sie war schön, einwandfrei. Fast so schön um sich zu verlieben.
Sie hatte sich aufgesetzt und streifte ihm das T-Shirt über den Kopf. Die Kappe fiel dabei ebenso auf den Boden. Die Schnalle vom Gürtel und der Knopf und Reißverschluss der Hose waren schnell offen und lagen nach ein paar Sekunden neben den anderen Sachen. Tom schob Cassie sanft, aber bestimmend weiter auf das große Bett und während er sie auf den Mund küsste, die linke Hand auf ihrer Hüfte ruhte, öffnete er mit der rechten geschickt den BH. Achtlos schmiss er ihn hinter sich.
Seine Lippen berührten ihre Brüste, liebevoll knabberte er an den Brustwarzen, saugte daran, bis sie steif waren. Cassie zog ihn zu sich nach oben um ihn zu küssen. Ihre Hände wanderten seinen Oberkörper entlang. An einem ihrer Oberschenkel spürte sie schon eine leichte Regung Toms. Ihre Hände gingen weiter auf Erkundungstour und hatten schnell gefunden, was sie gesucht hatten, den Bund seiner Boxershorts. Ruckartig riss sie ihm diese herunter und strich ihm über seine Erregung. Lustvoll musste er stöhnen. Er wollte sie jetzt.
Hastig zog er aus dem Schränkchen neben dem Bett ein Kondom und stülpte es sich über. Derweil hatte Cassie sich von ihrem Tanger befreit und wartete sehnlichst auf Tom. Dieser drang auch gleich darauf in sie ein und fing an sich zu bewegen. Mit seinen Händen massierte er ihre Brüste und sie musste immer wieder aufstöhnen. Cassie hatte ihre Hände auf Toms Po ruhen und drückte ihn somit noch mehr in sich und zu sich. Sie hatte sich seinem Rhythmus angepasst, musste in den Kuss hinein stöhnen. Die Bewegungen wurden härter und schneller, die Küsse wilder und heftiger. Laut aufstöhnend ergoss er sich in ihr und küsste sie noch einmal heftig und wild. Währenddessen fand seine rechte Hand zu ihrer Vagina und befriedigte sie nun ebenfalls.
Kurz bevor sie zu ihrem Höhepunkt kam, streckte sie ihm ihren Oberkörper entgegen. Ihre Atmung war schnell, wie seine. Während sie immer wieder laut aufstöhnte, küsste er ihre Brüste und ihren Hals. Erlösend ließ sie sich zurück in die Kissen fallen. Ihre Finger krallten immer noch im Laken. Er ließ sich auf sie gleiten und küsste sie noch einmal, bevor er sich dann aus ihr zog und sich neben sie legte. Er war sprachlos. Er hatte es sich schon toll vorgestellt, aber so, damit hatte er nicht gerechnet.
Schnell war er eingeschlafen. Als er am nächsten Morgen aufwacht, war sie nicht mehr da. Unbeeindruckt zuckte er mit den Schultern und ging sich dann gemütlich im Bad fertig machen.

Kapitel 1


*4 Jahre später*

"Jungs! Ich möchte euch endlich mal die neue Gruppe vorstellen."
David scheuchte seine Jungs durch das ganze Studio in einen Raum, der einem Wohnzimmer glich. Der Lärmpegel wurde abrupt gesenkt. Auf den verschiedenen Sitzmöglichkeiten saßen fünf Personen herum. Verwundert wurde David gemustert.
"Meintest du nicht immer, dass es drei…"
Doch Tom kam nicht weiter. Durch die Tür hinter ihnen trat ein schlankes Mädchen ein.
"Sorry David, musste Dunja grad noch was erklären…"
David nickte dem Mädchen zu, welches sich nun auf einen Sessel fallen ließ.
"Also, das sind Indigo."
Die vier Jungs musterten die sechs Personen, die nacheinander die Hand zum Gruß hoben und sich vorstellten.
"Hi, ich bin Franzi."
"Ich bin Alex."
"Ich bin der Marc."
"Basti."
"Ich bin Sue."
"Und ich bin Cassie."
Das Mädchen sah schnell weg, als Toms Blick sie traf.
"So, Jungs, Indigo werden dann, wie abgesprochen, mit euch auf Tour gehen, für heute ist dann erst einmal frei…"
Cassie war aufgesprungen und wollte schon raus gehen, da hielt David sie zurück.
"Ach Cassie, das mit Sophie geht übrigens klar."
"Ja gut, danke."
Dann war sie verschwunden. Die vier Jungs schauten ihr verdutzt nach. Der Rest von Indigo stand nun auch auf und verließ nach einander den Raum. Auch die anderen vier machten sich jetzt auf den Weg nach draußen und suchten die Küche auf, in der sie auf Cassie und Dunja trafen.
"Dunja, seit wann hast du denn ein Kind?"
Tom schüttelte überrascht den Kopf und nahm sich aus dem Kühlschrank etwas zu essen. Währenddessen war Bill zu Dunja gegangen und stupste dem Mädchen, welches Dunja auf dem Arm hatte, an die Nase. Das kleine Mädchen musste lachen und grinste Bill dann an. Cassie besah sich das alles kritisch an und nahm Dunja dann das Kleinkind ab.
"Momi, wer ist das?"
"Das ist Bill… der Sänger von der Band, mit der wir auf Tour gehen werden…"
"Und wer bist du, wenn ich fragen darf?"
Bill lächelte das kleine Mädchen lieb an und wartete auf eine Antwort.
"Ich bin Sophie… und drei Jahre alt…"
Tom musste die ganze Zeit grinsen. Sein Bruder hatte schon immer etwas an Kleinkindern gefunden. Aber auch er musste zugeben, dass diese Sophie ganz niedlich aussah. Ihre Augen erinnerten ihn irgendwie an seine eigenen.
"Bill, willste auch was trinken?"
"Joa, ne Cola…"
Tom nickte nur mit dem Kopf und füllte dann zwei Gläser mit Cola. Bill wandte sich noch einmal zu Dunja.
"Sie ist gar nicht deine Tochter? Hab ich das richtig verstanden?"
Dunja nickte mit dem Kopf.
"Genau… na ja, ich muss dann mal… noch ein wenig meinem Job nachgehen…"
Grinsend verabschiedete sie sich von den dreien, Gustav und Georg waren schon lange wieder aus der Küche verschwunden. Tom gesellte sich zu der kleinen Runde und betrachtete Sophie eine ganze Weile.
"Sie ist deine Tochter?"
Er wandte sich an Cassie und sah sie fragend an. Cassie schluckte einmal kurz bevor sie mit dem Kopf nickte.
"Ja, sie ist meine Tochter…"
"Und wie alt bist du? Immerhin ist sie ja schon drei…"
Bill mischte sich in das Gespräch mit ein, er fand Cassie vom ersten Moment an sehr sympathisch.
"Ich bin 20."
"Mh… zwei Jahre jünger wie wir…"
"Jop… so ist das…"
Tom war am rechnen, kam aber irgendwie total durcheinander, wieso wusste er selbst nicht.
"Dann… Moment… dann hast du sie mit 17 bekommen?"
"Genau… mit 16 schwanger mit 17 das Kind und mit 20 nichts…"
Sie grinste die Jungs verschmitzt an und strich ihrer Tochter einmal über den Kopf.
"Momi, wer ist denn der?"
Sophie zeigte auf Tom.
"Das ist Tom."
"Ist der auch in der Band?"
"Ja."
"Cool… was sind das für komische Dinger da, die da so runter hängen?"
Cassie musste auflachen.
"Das, mein Schatz, sind seine Haare…"
Sophie machte große Augen und starrte Tom förmlich an.
"CASSIE!"
Genervt seufzte die Gerufene auf.
"WAS?"
"WIR WOLLTEN NOCH MAL RAUS… KOMMST DU MIT?"
"ESSEN?"
"JOP."
"GUT, ICH KOMME!"
Dann wandte sie sich wieder zu den Zwillingen.
"Ja, dann muss ich wohl mal wieder… man sieht sich…"
Bill nickte nachdenklich mit dem Kopf.
"Na ja, wenn ihr essen gehen wollt, kann ich vielleicht mit?"
"Klar…"
"Momi, können wir zu McDonalds?"
"Wenn es sein muss…"
"Ja…"
Freudig klatschte die Kleine ihre Hände zusammen.
Cassie ließ Sophie runter und ging ihrer Tochter nach, die schon dabei war sich ihre Schuhe anzuziehen.
"Momi, wo ist meine Jacke?"
"Bestimmt im Zimmer."
Sophie stand vom Boden auf und rannte in das Zimmer ihrer Mutter und sich. Tatsächlich lag ihre Jacke dort rum. Freudig zog sie sich diese an und kam lächelnd zurück in den Flur. Cassie streifte sich gerade eine schwarze Lederjacke über, ihre Vans hatte sie schon an.
"Na dann wollen wir mal."
Sie schnappte sich eine größere schwarze Tasche, zog einen Schlüssel heraus, nahm die Hand ihrer Tochter und ging mir ihr durch die Haustür, die Treppe hinunter nach draußen. Bill und Tom trotteten den Zweien hinterher und staunten nicht schlecht, als sie vor einem schwarzen Porsche, um genau zu sein einem Cayenne, stehen blieben.
"Ah ja…"
Tom musterte das Auto von vorne bis hinten.
"Und so was kannst du dir leisten?"
"Geschenk von meinen Eltern zu meinem Achtzehnten."
Die zwei Jungs nickten nur. Cassie schnallte ihre Tochter in den Kindersitz und setzte sich dann hinter das Steuer. Die anderen aus der Band saßen in zwei Autos verteilt und warteten auf Cassie.
"Kommt ihr jetzt mit?"
"Ähh ja klar… Tom?"
Bill schaute seinen Bruder fragend an, der einen Augenblick überlegte.
"Klar."
"Gut… fahrt ihr bei einem von uns mit oder mit eurem Auto?"
Ein grinsender Bill sah sie an und machte sich auf den Weg zum Beifahrersitz. Er mochte Cassie vom ersten Augenblick an. Sie strahlte so etwas Gewisses aus, was er einfach mochte.
"Wenn es dir nichts ausmacht, lass ich mich von dir kutschieren."
Er hatte die Tür schon geöffnet und sah in das Auto hinein.
"Na dann mach mal hinne…"
"Dann komm ich auch mit…"
Tom öffnete die rechte hintere Tür und setzte sich neben Sophie. Cassie startete den Motor und fuhr vom Gelände runter. Da sie etwas außerhalb von Hamburg wohnten, musste sie ein ganzes Stück fahren, bis sie endlich da waren, wo sie hin wollten.
Bill war von dem Auto ganz begeistert.
"Tom, warum hast du dir denn nicht auch so ein Auto gekauft? Das ist doch viel toller als dein Cadillac…"
"Kauf dir doch selber so ein Auto, wenn du es so toll findest… deinen Führerschein hast du ja bald…"
Bill kratzte sich gedankenverloren am Kopf, warum sollte er es nicht tun.
Sophie beobachtete die Jungs die ganze Zeit. Sie fand, die Zwei sahen komisch aus. Obwohl sie das von ihrer Mutter schon kannte, da ihre Haare auch mit drei verschiedenen Farben gefärbt waren.
"Momi, wann sind wir da?"
"Gleich mein Schatz…"
Sie standen gerade an einer roten Ampel und Cassie sah in den Rückspiegel, sie ahnte schon, dass sie die anderen auf der Autobahn abgehängt hatten. Das passierte ihr jedes Mal, sie fuhr einfach zu schnell oder einfach schneller als die anderen.
Cassie parkte das Auto ein und stieg dann aus. Ihre Tochter hatte sich schon abgeschnallt und als ihre Mutter die Tür öffnet krabbelt sie aus dem Auto heraus. Sophie blieb neben ihrer Mutter stehen und wartete darauf, dass diese losging.
"Wo sind denn die anderen?"
Bill und Tom stellten sich neben die Zwei.
"Die kommen sicherlich gleich."
Just in dem Moment fuhren zwei Autos auf den Parkplatz und hielten neben Cassies Auto.
Franzi stieg aus dem ersten Auto aus und sah Cassie böse an.
"Wie oft haben wir dir gesagt, du sollt nicht so schnell fahren?"
"Ja tut mir leid… aber ihr kennt den Weg doch auch alleine oder?"
Frech grinste sie ihre Freundin an und zusammen machten sie sich auf den Weg in den McDonalds.

Kapitel 2


Sophie aß friedlich ihr Happy Meal vor sich hin. Von den Gesprächen der Großen bekam sie nicht viel mit.
"Sag mal Cassie, was sagt eigentlich Sophies Vater dazu, dass du sie mit nach Hamburg und auf Tour mit nimmst?"
Cassie verschluckte sich an ihrer Cola und sah dann zu Bill.
"Na ja, wie soll ich sagen."
Verlegen kratzte sie sich im Nacken.
"Er weiß noch nicht einmal, dass er eine Tochter hat… war ein One-Night-Stand."
"Achso… mich würde ja mal interessieren wie viel Kinder Tom mit seinen ganzen One-Night-Stands schon gezeugt hat."
"Apüh… gar keins!"
Tom funkelte seinen Bruder kurz an und aß dann weiter. Cassie hatte sich zu ihrer Tochter gedreht und unterdrückte die aufkommenden Tränen. Behutsam strich sie Sophie über den Kopf. Diese genoss die Zärtlichkeit ihrer Mutter, bekam sie sie doch nicht oft zu spüren.
"Momi, können wir noch ein bisschen einkaufen gehen?"
Mit ihren großen braunen Augen sah sie ihre Mutter an.
"Klar…"
Ein Lächeln bildete sich auf dem Gesicht des kleinen Mädchens. Sie steckte sich die letzte Pommes in den Mund und schaute ihre Mutter aufordernd an. Cassie musste kurz auflachen und wandte sich ihren Bandmitgliedern zu.
"Ich werde dann mal gehen. Ihr könnt sicher Bill und Tom mitnehme."
Ein Nicken bestätigte ihre Aussage und kurze Zeit später saß sie mit Sophie in ihrem Wagen.
"Na dann wollen wir uns mal in das Getümmel stürmen was."
Sie grinste in den Rückspiegel und betrachtete ihre Tochter. Ein Wunder, dass noch niemandem die Ähnlichkeit mit Tom aufgefallen war. Gedankenverloren steckte sie den Schlüssel in das Zündloch und startete den Motor. Wieder einmal viel zu schnell raste sie über die Autobahn zu einem Parkhaus ganz in der Nähe der Geschäfte.
Sophie zog ihre Mutter an der Hand hinter sich her.
"Momi, hier möchte ich rein."
Die Kleine zeigte auf ein Laden vor ihnen. Cassie stöhnte laut auf, wo sonst hätte ihre Tochter auch rein gewollt, wenn nicht in den Laden in dem es die teuerste Mode gab. Sie nahm Sophie auf den Arm und trat mit ihr in den Laden.
"Oh Cassie, schön sie einmal wieder zu sehen. Die Kleine wird auch immer größer."
"Hallo Lisa, ja so ist das. Gibt’s irgendwas Neues?"
"Ja einen Moment, ich hole es."
Nach einer halben Ewigkeit, so kam es zumindest Cassie vor, kam Lisa mit einem Kleiderständer zurück. Sophie betrachtete die Klamotten mit großen Augen. Doch nichts von all dem wollte ihr so richtig gefallen.
"Momi, das sieht doch alles so komisch aus, ich hätte gerne was in schwarz, mit einem tollen Print darauf."
Cassie nickte mit dem Kopf, Lisa wuselte währenddessen im Laden herum.
"Lisa, haben sie vielleicht Hello Kitty T-Shirts?"
Mit verschiedenen dieser Art kam Lisa zurück zu den beiden und Sophies Augen fingen an zu strahlen. Sie deutete auf ein schlichtes schwarzes T-Shirt mit einem einfachen Hello Kitty Aufdruck.
"Momi, das hast du doch auch oder?"
"Mhh… das müsste das sein ja."
"Dann mag ich das jetzt auch haben."
"Gut."
Cassie nahm das T-Shirt in die Hand, welches Lisa ihr entgegenhielt. Auf dem Weg zur Kasse streifte Cassies Blick die neue Bademode. Bei einem schwarzen Triangelbikini mit goldenen Streifen, die schräg verliefen, blieb ihr Blick hängen. Mit ein paar wenigen Schritten war sie dort angekommen und zog den Bikini hervor. Kritisch musterte sie ihn.
Sophie fing an rum zu quengeln und so beschloss Cassie den Bikini einfach mit zu nehmen.
Auf dem Weg zurück zum Auto kamen sie an einer Eisdiele vorbei.
"Willst du noch ein Eis Süße?"
"Jaaaa… ich mag Erdbeere."
Cassie bestellte für sich zwei Kugeln Schokolade und für ihre Tochter eine Kugel Erdbeere im Becher.
"Aber nicht kleckern."
Sophie nickte lächelnd und fing an ihr Eis zu essen. Als sie am Auto ankamen, war das Eis schon leer.
"Und jetzt Momi?"
"Vielleicht gibt’s ja noch was in der Wohnung."
Cassie setzte ihre Tochter in den Kindersitz, schnallte sie an und stieg selber ein. Die Autofahrt verlief ruhig, doch sobald sie die Tür zur Wohnung öffneten wurde es ungemein laut.
"Man Cassie! Wir versuchen dich die ganze Zeit zu erreichen! Die Tour wurde verschoben!"
"Tschuldigung… aber meine Tochter hat ja wohl mal ein Recht darauf etwas mit mir zu unternehmen!"
Sue funkelte Cassie wütend an.
"Schön für dich, wir haben aber einen Job zu erledigen! Und da passt eben so eine Göre nicht mit rein!"
"Wie hast du meine Tochter gerade genannt?!"
Cassie ließ ihre Sachen fallen und schubste Sue an den Schultern zurück, sodass diese an die Wand stieß.
"Cassie, komm runter!"
"Ich sag dir mal was du Möchtegernsternchen! Ohne mich, da wärt ihr ein Scheißdreck, und wer hier runter kommen soll, das ist eine andere Frage!"
Sie löste ihre Finger von Sues T-Shirt, drehte sich um und hob ihre Sachen auf. Sie wollte gerade nach der Hand ihrer Tochter greifen, als ihr auffiel, dass diese weg war.
"Sophie?!"
Ihre Harare schwangen nur so herum, als sie sich noch einmal zu Sue um drehte und sie anzischte.
"Ich hasse dich."
Dann stampfte sie in ihr Zimmer davon. Doch da war ihre Tochter auch nicht. Die Einkaufstasche und ihre Tasche schmiss sie auf das große Bett. Ihre Schuhe pfefferte sie in eine Ecke, die Jacke gleich hinter her. Während sie sich auf den Weg zu Alex Zimmer machte, drehte sie ihre Haare zu einem Dutt. Vorsichtig klopfte sie an die Tür.
"Ja?"
"Alex, ist Sophie bei dir?"
Die Tür wurde mit Schwung geöffnet und ein verdutzter Alex stand vor ihr.
"Eigentlich ja nicht. Was ist denn passiert?"
"Ach nichts… hatte nur ein wenig Stress mit Sue."
"Ah, das war also das Geschreie. Na ja, guck doch mal in der Küche nach."
"Was sollte sie da wollen? Bis jetzt ist sie immer zu dir gekommen."
"Ich weiß… aber raus ist sie sicherlich nicht, also brauchst du dir keine großen Gedanken darüber machen."
Cassie verdrehte ihre Augen.
"Hab du mal ein Kind."
Ohne auf eine Antwort und jegliches zu warten, drehte sie sich um und ging weiter suchen. In ihrer Bandwohnung war Sophie nirgends zu finden. So begab sie sich die Wendeltreppe hinunter ins Studio. Vielleicht saß sie ja dort im Wohnzimmer, doch auch dort war Fehlanzeige. Überhaupt war es still hier. Da sah sie die Küchentür angelehnt. Verdutzt darüber, dass diese so weit geschlossen war, ging sie auf die Tür zu und öffnete sie einen kleinen Spalt.
"Immer wird meine Momi wegen mir angemotzt…"
"Die meinen das bestimmt nicht immer so."
"Doch. Einmal, da hat sie so großen Ärger bekommen, da ist sie ohne mich weg gefahren… ich war ganz lange alleine."
"Allein?"
"Bei Oma und Opa, aber das ist nicht das gleiche… ich bin gerne mit Momi hier."
Cassie sah wie Bill Sophie auf den Arm nahm und ihr beruhigend über den Rücken strich. Sie spürte einen Stich in ihrem Herzen. Wie lange war es schon her, dass sie getröstet wurde. Wie lange war es schon her, dass sie vor jemandem geweint hatte.
Mitten in ihren Gedanken nahm sie eine Hand auf ihrer Schulter war.
"Alles klar?"
Sie konnte nur nicken.
"Sicher? Ich mein… ach auch egal. Wenn du doch mal reden willst, mein Zimmer ist das ganz am Ende."
"Dein Reden kenne ich."
Cassie drehte sich mit einem gequälten Lächeln zu Tom um.
"Na ja, ich meinte jetzt das normale reden."
Nervös zupfte er an seinen T-Shirt herum, wusste er doch eigentlich selbst, wo das reden enden würde. Doch war er sich auch nicht sicher, ob er mit diesem Mädchen im Bett landen möchte, schließlich musste er fast drei ganze Monate mit ihr durch Europa reisen. Mit einem letzten Lächeln drehte er sich um und ging zu seinem Zimmer.
"Weißt du, eigentlich hat hier jeder etwas gegen mein Kind."
Er hatte nicht bemerkt, dass sie ihm gefolgt war und erschrak sich leicht, als sie einfach so anfing zu reden. Ohne groß Aufgefordert zu sein, setzte Cassie sich auf das Bett, welches ihrem glich. Tom ließ sich ein Stück von ihr entfernt nieder.
"Nur die Erwachsenen nicht… Dunja kümmert sich so gerne um sie und auch David hat keine Probleme damit, wenn sie hier ist und irgendwo habe ich das Gefühl, dass er es sogar toll findet. Manchmal da spielt er nämlich sogar mit ihr und dann ist er immer total locker drauf und so. Nur die anderen aus der Band sind dagegen. Ich weiß nicht wieso, vielleicht weil sie neidisch sind."
"Sind alle dagegen?"
Tom war ein Stück näher zu ihr gerückt.
"Alex nicht, Alex ist das gewohnt."
"Wie kann man so etwas gewohnt sein?"
"Alex ist mein Bruder. Er hat mir sehr geholfen, als Sophie auf die Welt kam und eigentlich ist sie immer zu ihm, wenn es bei etwas Streit gab. Nur heute nicht, ich weiß einfach nicht mehr, was hier los ist."
"Hattest du schon öfter Streit mit den anderen wegen ihr?"
"Schon… aber das hat sich in Grenzen gehalten, meistens war sie schon im Bett."
Mit einem Seufzer ließ sie sich nach hinten fallen und starrte die Decke an. Die weiße Decke erinnerte sie an das Hotelzimmer. Ein kleines Lächeln bildete sich auf ihren Lippen.
"Über was denkst du nach?"
"An eine Nacht vor ungefähr vier Jahren."
Tom grinste vor sich hin. Heute Morgen erst musste er selbst an eine Nacht vor vier Jahren denken. Er hatte in einem kleinen Buch vermerkt wann er seit Beginn ihrer Karriere ein Mädchen gehabt hatte. Meist hatte er noch eine kleine Bemerkung dazu geschrieben und eben diese Nacht vor vier Jahren war im stark in Erinnerung geblieben. Natürlich war es irgendwo abartig so ein Buch zu führen, doch er machte es trotzdem.
Vorsichtig strich er Cassie über die Wange. Obwohl sie lächelte, waren Tränen über ihr Gesicht geflossen.
"Deshalb musst du doch nicht weinen."
Er legte sich neben sie und sah sie einfach nur an. Dieses markelose Gesicht kam ihm so bekannt vor und auch der Name, es würde passen und war doch surreal. Wäre sie ein Groupie, hätte er sie sicherlich flachgelegt.
Cassie hatte sich auf die Seite gelegt und konnte Tom so frontal in das Gesicht blicken. Seinem Gesichtsausdruck nach schien er nachzudenken. Selbst wieder in Gedanken fuhr sie seine Konturen nach, was bei ihm eine Gänsehaut erzeugte und ihn an vor vier Jahren denken ließ. Er hielt ihre Hand fest und zog sie ein Stück näher zu sich.
"Wie kann es passiere, dass so jemand wie du keinen Freund hat?"
"Vielleicht, weil ich noch nicht den Richtigen gefunden habe?"
Tom nickte verständnisvoll mit dem Kopf.
"Du brauchst gar nicht so zu gucken, du legst doch alles flach, was nicht bis fünf auf den Bäumen ist."
"Das stimmt nicht, ich lege nicht jede flach. Weißt du, vor vier Jahre da habe ich mit einem Mädchen geschlafen, die war wirklich toll, ich weiß nicht mehr als ihren Namen, und danach war es wirklich komisch mit jemanden anderen zu schlafen. War nicht so toll, hat mich nicht so richtig angemacht. Keine Ahnung was das war, ich war auch nicht enttäuscht, als sie morgens nicht mehr da war, erst später dann. Ich rede wirres Zeugs."
"Das stimmt, aber ich glaube, ich kann dir folgen."
Wieder berührten ihre Finger sein Gesicht und fuhren die Konturen seiner Lippen nach. Tom blieb regungslos liegen und genoss die Berührungen. Dieses Mädchen hatte etwas an sich, etwas was ihn reizte und jedoch auch wieder schüchtern machte. Cassie musste unweigerlich lächeln. Vor vier Jahren hätte er das nicht einfach so über sich ergehen lassen. Mit der Zeit gewann Tom sein Selbstbewusst sein wieder und näherte sich mit seinem Gesicht Cassies. Seine linke Hand platzierte er auf ihrer Hüfte, die andere unter ihrem Kopf. Cassie schlang ihre Arme um seinen Nacken und drückte sachte ihre Lippen auf seine.

Kapitel 3

Tom drückte Cassie auf den Rücken. Seine Hände wanderten unter ihr T-Shirt. Als er es ihr ausziehen wollte, hielt sie seine Hände mit ihren fest und schaute ihm in die Augen.
"Tut mir Leid, aber ich hab auch meiner Tochter gegenüber eine Verantwortung."
Tom nickte nur mit dem Kopf und ließ von ihr ab.
"Schade."
Cassie lächelte ihn gequält an und hauchte ihm noch einen Kuss auf die Lippen, bevor sie aus dem Zimmer verschwand und einen verwirrten Tom zurück ließ. Seine Lippen kribbelten und er war glücklich, was er eigentlich noch nie nach nur küssen war. Nachdenklich kratzte er sich am Kopf. Er verstand sich selbst nicht mehr. Vom Flur klangen keine Geräusche zu ihm hin. Nicht einmal Bills Stimme vernahm er. Oder bildete er sich das nur ein?
Cassie war sofort auf ihr Zimmer verschwunden, ihre Tochter war immer noch nicht da. Sie vernahm ein leises Klopfen an der Tür.
"Mhh…?"
Mit einem Knarren öffnete sich die Tür.
"Hey Kleine."
Ihr Bruder trat ein und lies sich neben sie auf das Bett fallen. Einen Moment beobachtete Alex seine Schwester, dann zog er sie in seine Arme.
"Das wird schon wieder… die kriegen sich schon ein…"
"Hmm…"
"Hast du sie denn schon gefunden?"
"Sie war vorhin in der Küche… bei Bill."
Eine Stille überzog den Raum. Cassie hing wieder einmal ihren üblichen Gedanken nach. Sollte sie doch mal mit Alex darüber reden? Vielleicht würde er sie ja verstehen.
"Entschuldigt bitte die Störung. Aber hier wollte jemand zu seiner Mama."
Cassie hatte gar nicht mitbekommen, dass Bill in ihre Zimmer eingetreten war. Freudig hüpfte die kleine Sophie auf sie zu und wollte von ihr auf den Schoß genommen werden. Da sie jedoch nicht wirklich reagierte, hob Alex sie auf seinen Schoß.
"Ich komme gleich wieder."
Kurz strich sie ihrer Tochter über den Kopf und hauchte ihr einen Kuss auf die Haare. Schwerfällig erhob Cassie sich und ging hinter Bill aus dem Zimmer. Ihr war bewusst, dass er mit ihr reden wollte. Schweigend folgte sie ihm in das Wohnzimmer eine Etage tiefer und ließ sich auf das große Sofa fallen. Bill nahm auf einem Sessel platz und beobachtete die junge Mutter einige Momente.
"Sag mal Cassie, weißt du wirklich nicht, wer Sophies Vater ist?"
Sie zuckte kurz zusammen. Was sollte sie sagen?
"Ich weiß, dass wir uns nicht besonders kennen, aber ich glaube, dass du innerlich daran kaputt gehst."
"Naja, ich denke, er will es gar nicht wissen…"
"Meinst du? Wenn meine Vermutung richtig ist, dann kann ich dir nur sagen, dass er nicht besonders begeistert sein wird, sich aber sicherlich um sie kümmern wird."
"Ach Gott, du hast doch keine Ahnung Bill."
"Vielleicht ja doch… immerhin weiß ich, was Tom mir mal nach einer Nacht und einige Wochen später erzählt hat. Kann natürlich sein, dass du dieses Mädchen nicht warst, aber ich glaube schon."
Schnaubend ließ Cassie einen unterdrückten Schrei aus. Das konnte doch alles nicht wahr sein.
"Mein Gott ja! Tom ist ihr Vater!"
"Hat dich das heute Mittag gekränkt? Hat Tom dich gekränkt?"
Sie öffnete ihren Mund um etwas auf Bills Frage zu antworten, da ging die Tür auf.
"Was ist mit mir?"
Fertig mit den Nerven schlug sie ihre Hände vor ihr Gesicht. Da hatte Bill ihr etwas eingebrockt.
"Nichts Tom, wir unterhalten uns gerade nur ein wenig."
Bill lächelte seinen Bruder kurz an, wusste er doch genau, dass Tom merkte, dass er ihn anlog, wenn auch nur teilweise.
"Schon klar, deshalb wurde auch mein Name genannt… und das Wort gekränkt… Bill spiel mir nichts vor!"
Cassie stand auf und schaute von einem zum anderen.
"Ich gehe jetzt wohl lieber."
Eilig lief sie an Tom vorbei, hinaus aus dem Raum und die Treppe nach oben in ihr Zimmer. Alex war mit ihrer Tochter verschwunden. Was für alle Beteiligten sicherlich auch besser so war.
Tränen rannen ihr über das Gesicht. Mit aller Kraft drückte sie ein Kissen an sich und rollte sich auf dem Bett zusammen. Sie hätte es ahnen müssen. Und doch verstand sie nicht, wie Bill hinter all das gekommen war. Sie hatten sich nicht mal einen halben Tag gesehen und kennengelernt, da wusste er schon über sie bescheid. Seine Worte hatten sie jedoch auch neugierig werden lassen. Was Tom wohl so alles erzählt hatte? Ihn darauf ansprechen konnte sie auch nicht, dann wusste er Bescheid und das wollte sie nun ja verhindern.
Alles war still, von nirgendwo her drang ein Laut zu ihr durch. Mitten in ihren Gedanken fing sie an zu singen, das was ihr in denn Sinn kam:

Keiner weiß, wie’s Dir geht,
Keiner da, der Dich versteht,
Der Tag war dunkel und allein,
Du schreibst Hilfe mit Deinem Blut,
Obwohl es immer wieder weh tut,
Du machst die Augen zu
Und alles bleibt gleich…

Die ersten Zeilen von ‚An deiner Seite’ klangen durch das kleine Zimmer. Durch das Fenster konnte sie beobachten, wie sich der Himmel zu zog und es anfing zu regnen. In ihrem Kopf war es leer. Sie war in mitten einem Zwiespalt, aus dem sie so schnell auch nicht wieder raus kommen werden würde. Ihr Blick schweifte durch den Raum und blieb an diversen Spielen für Kleinkinder hängen. Ihre Tochter liebte es zu spielen und Cassie merkte mal wieder, wie wenig sie sich doch um ihre Tochter kümmerte.
Ein paar Minuten später klopfte Cassie an die Tür ihres Bruders und trat, ohne auf ein 'Herein' oder ähnliches zuwarten, ein.
"Hey, stör ich euch…"
"Momi!!!"
Sophie rannte ihrer Mutter, die in die Hocke gegangen war, glücklich in die Arme. Cassies Bruder Alex betrachtete das Schauspiel lächelnd.
"Momi, spielen wir was?"
"Natürlich, was möchtest du denn spielen?"
"Mein Winnie Puh Spiel!"
Cassie grinste ihren Bruder kurz an und stand mit Sophie im Arm auf um in ihr Zimmer zugehen.
"Momi, darf Alex auch mitspielen?"
"Frag ihn doch mal, ob er mitspielen möchte."
Ihre Tochter wandte sich in ihren Armen und sah zu ihrem Onkel.
"Alex magst du mit mir spielen?"
Alex lächelte seine Nichte an und nickte kurz mit dem Kopf.
"Ich komm gleich nach, geht ihr ins Wohnzimmer nach unten?"
"Ich denke schon."
Cassie ließ Sophie runter, da diese anfing herum zu zappeln. Sobald Sophie Boden unter den Füßen spürte rannte sie in das Zimmer ihrer Mutter und sich und holte sich das Winnie Puh Uno.
"Das kleine Kinder immer so rennen müssen."
Kopfschüttelnd machte Cassie sich nach dieser Aussage auf den Weg zur Treppe, an der ihre Tochter schon auf sie wartete. Sie griff nach der kleinen Hand und zusammen stiegen sie die Treppe nach unten. Im Wohnzimmer trafen sie auf Bill. Cassie stockte für einen Moment der Atem.
"Hey Bill…"
"Hey Cassie…"
Er lächelte sie an und schaute dann zu Sophie, die freudig auf ihn zu kam.
"Bill, spielst du mit mir?"
"Was magst du denn spielen?"
"Das da."
Sie hielt ihm das Spiel unter die Nase und grinste vor sich hin. Cassie hatte sich währenddessen auf die Kante eines der Sofas gleiten lassen und wartete auf Alex, dieser ließ auch nicht lange auf sich warten. Alex setzte sich auf das andere Sofa und sah erwartungsvoll in die Runde. Sophie krabbelte neben ihrer Mutter auf das Sofa und hielt ihr das Spiel hin. Cassie packte die Karten aus und mischte sie durch.
"Ich spiel mit meiner Momi zusammen."
Sophie war glücklich, dass ihre Mutter endlich mal wieder mit ihr spielte. Cassie verteilte die Karten und nahm dann ihre und die ihrer Tochter auf die Hand. Sophie krabbelte auf den Schoß ihrer Mutter, um besser in die Karten schauen zu können. Sie kuschelte sich ein wenig an Cassie und ein seliges Lächeln umspielte ihre Lippen.
In mitten eines Spiels ging die Tür auf und der Rest der jungen Erwachsenen trat ein.
"Hier seid ihr."
Tom ließ sich auf der einen Lehne des Sessels, auf dem Bill saß, nieder und schaute bei ihm in die Karten. Georg und Gustav gesellten sich zu Alex und zogen ihn auf, da er am verlieren war. Basti und Marc hockten sich im Schneidersitz auf den Boden des Zimmers und die zwei Mädchen, Sue und Franzi, setzten sich neben Cassie und Sophie. Sue beachtete Cassie mit keinem einzigen Blick und auch Cassie versuchte Sue so weit es ging zu ignorieren. Eine unangenehme Spannung entstand. Und obwohl Sophie gerade mal 3 Jahre alt war, bemerkte sie diese Spannung.
"Momi, ist Duni da?"
Cassie musste über Dunjas Spitznamen grinsen.
"Schau doch mal im Gästezimmer nach mhh..."
Mit einem Nicken verschwand die Kleine aus dem Zimmer und klopfte am Ende des Ganges an eine Tür.
"Wir müssen reden."
Sue stand auf und stellte sich so, dass alle sie sehen konnten.
"So geht es nicht weiter, Cassie! Das Balg stört hier jeden, wann raffst du das endlich!"
Cassie saß schweigend auf ihrem Platz und sah stur gerade aus in Bill und Toms Richtung. Alex erhob sich von seinem Platz und ließ sich neben seiner Schwester nieder.
"Die einzigen, die Sophie stört, sind du, Franzi, Basti und Marc… und das ist ja wohl die Unterzahl."
"Jetzt vielleicht, aber nicht, wenn wir in ein, zwei Jahren unsere eigene Tour haben!"
"Glaubst du wirklich, dass wir es so weit schaffen? Sei doch mal ganz ehrlich!"
"Natürlich schaffen wir das!"
Cassie stöhnte genervt auf. Diese Diskussion würde nur wieder in einem Streit enden, so wie immer.
"Was willst du von mir Sue?"
"Was ich will? Bist du so blöd oder tust du nur so! Ich will, dass dieses kleine Biest endlich verschwindet!"
"Ja? Soll ich dir mal was sagen Sue."
Cassie blieb zu ihrem erstaunen relativ ruhig und gelassen. Ihr Blick lag auf Sue.
"Wenn Sophie verschwinden soll, werde ich auch gehen und dann seht ihr ziemlich doof aus, findest du nicht? Ich mein, eine Band ohne Sängerin? Wer will das schon."
Mit einem kühlen Lächeln stand Cassie auf, drehte sich zur Tür, sodass ihre Haare einmal hin und her schwangen und verschwand durch die Tür. Sekunden später hörte man ein Klopfen und Stimmen. Dann konnten sie die Schritte auf der Treppe hören. Das letzte was sie vernahmen, war das Zuschlagen einer Tür, dann war es mucksmäuschenstill.

Kapitel 4

Cassie zog unter ihrem Bett eine große Tasche hervor und schmiss ihre wichtigsten Sachen hinein, ebenfalls ein paar Sachen von ihrer Tochter landeten in der Tasche. Sophie sah ihr mit großen Augen dabei zu.
"Momi? Gab es Streit?"
Cassie sah kurz auf und lächelte ihre Tochter traurig an.
"Ja mein Schatz, leider… wir nehmen uns jetzt einfach mal eine Auszeit. Was hältst du davon?"
"Schön… fahren wir weg?"
"Mhh… erst einmal nach Hause und dann sehen wir weiter."
Sie zog den Reißverschluss der Tasche zu, schnappte sich ihre Jacke, in die sie hineinschlüpfte und streifte sich ein paar Ballerinas über die Füße. Dann zog sie Sophie eine Jacke über und band ihr die Schuhe zu.
"Komm Kleine, wir fahren…"
Sophie griff nach der Hand ihrer Muter und folgte ihr schweigen. Sehnsüchtig ließ sie ihren Blick zur Treppe gleiten. Sie würde sich so gerne noch von Bill und von Alex verabschieden. Doch sie lief ihrer Mutter einfach schweigend hinterher.
Im Auto ließ Cassie ihren Tränen freien lauf. Sophie sah ihre Mutter hilflos an und wusste nicht was geschah. Nachdem die ersten Tränen getrocknet waren, startete Cassie den Motor und fuhr auf dem schnellsten Weg zur Autobahn. Dort trat sie auf das Gaspedal. Nach gut vier Stunden kam Cassie mit ihrer Tochter in Frankfurt vor einer großen Villa an. Für einige Momente saß sie einfach nur still in diesem Auto und starrte die Villa an. Sie gab sich einen Ruck und öffnete ihre Autotür, trat hinaus und öffnete die Tür hinter sich. Sie schnallte ihre Tochter ab, setzte sie auf den Boden und holte die Taschen aus dem Kofferraum. Sophie war schon zur Tür verschwunden und versuchte an die Klingel zu komme. Da sie dies aber nicht schaffte, wartete sie auf ihre Mutter, dass sie endlich die Tür aufschloss und sie zu ihren Großeltern konnte. Aber Cassie lies auf sich warten. Sie konnte es immer noch nicht glauben, dass sie einfach so gefahren war und nun hier vor ihrem Zuhause stand. Mit langsamen Schritten ging sie auf die Tür zu, vor der Sophie wartete. Die Taschen stellte sein eben sich, zog den Haustürschlüssel aus ihrer Tasche und schloss die Tür auf. Sophie rannte gleich in das Haus hinein und in das geräumige Wohnzimmer. Cassie vernahm die Stimme ihrer Mutter. Ihr Vater war sicherlich noch arbeiten. Bevor sie ihrer Tochter in das Wohnzimmer folgte, begab Cassie sich in den zweiten Stock um dort die Taschen los zu werden. Als erstes brachte sie die Sachen ihrer Tochter in deren Zimmer, ihre in ihres. Den Rest würde sie später noch ausräumen und wegräumen. Schnell hatte sie sich etwas Bequemes angezogen und ging hinunter in das Wohnzimmer. Ihre Mutter erwartete sie schon an der Tür. Das traurige Gesicht ihrer Tochter machte ihr ein wenig Angst.
"Alles in Ordnung Cassie?"
"Ist schon in Ordnung Mum."
Cassie drängelte sich an ihrer Mutter vorbei und sah sich nach ihrer Tochter um.
"Mum, wo ist Sophie?"
"Die ist draußen. Wieso?"
"Könntest du heute eventuell mal auf sie auspassen? Ich würde gerne noch einmal weg."
Sie richtete ihren Blick auf ihre Mutter. Erwartungsvoll sah sie sie an und wartete auf eine Antwort.
"Ja, ok."
Cassie lächelte kurz und hauchte ihrer Mutter einen Kuss auf die Wange.
"Danke Mum."
Damit verschwand sie wieder nach oben in ihr Zimmer und suchte sich ein passendes Outfit zusammen. In ihrem Bad zog sie sich um, schlüpfte aus ihren Sportsachen in eine Hotpants aus Jeans und in ein braunes Babydoll. Mit ein paar Handgriffen war sie dezent geschminkt, ihre Augenlider glänzten in einem Braunton, die Wimpern waren mit schwarzer Mascara getuscht und ihre Lippen zierte eine rote Farbe. Ihre Haare band sie mit einem Zopfband zu einem Pferdeschwanz.
Wieder in ihrem Zimmer nahm sie sich aus ihrer Tasche ein paar schwarze Peeptoes und schlüpfte hinein. Ihr Handy und ihr Portmonee steckte sie in eine kleine schwarze Tasche. Dann nahm sie sich noch ihren Autoschlüssel und verschwand hinunter und aus der Haustür hinaus. Im Auto drehte sie das Radio auf volle Lautstärke und fuhr zu einer ihrer Lieblingsdiskotheken. Am 'Nachtleben' angekommen, parkte sie das Auto und ging die letzten Meter zu Fuß. Die Schlange war groß, doch das interessierte Cassie nicht besonders. Sie ging an den warteten Menschen vorbei zum Türsteher. Dieser sah sie schon kommen und öffnete ihr, sobald sie da war, die Tür. Hinter sich vernahm das junge Mädchen verärgerte und aufgebrachte Stimmen. Darüber konnte sie nur müde lächeln. In der Disco war es schon relativ voll und Cassie hatte schnell ein paar Leute gefunden, die sie kannte. Zusammen saßen sie an der Bar und tranken einen Cocktail nach dem anderen. Irgendwann ließ Cassie ihren Blick durch die Menge schweifen. Als er an einer Person hingen blieb, stockte ihr Atem für einen Moment. Sie entschuldigte sich bei den Leuten und schlängelte sich einen Weg durch die Menge zu jener Person. Kurz bevor sie ankam, erblickte sie noch ein paar mehr Personen. Wut stieg in ihr auf. Egal wo sie war, sie war nie alleine. Mit den Händen in die Hüfte gestemmt, stellte sie sich vor den Leuten auf.
"Was wollt ihr hier?"
Ein Zischen klang durch ihre zusammen gebissenen Zähne.
"Mum hat gesagt, du seiest noch einmal weg."
Alex sah seine Schwester lächelnd an und kam einen Schritt näher auf sie zu.
"Achja? Und was gibt dir das Recht, hier aufzutauchen?! Vielleicht wollte ich ja alleine sein!"
"Ach, komm schon Cassie, du weißt genauso gut wie ich, dass du das sicherlich nicht sein willst."
Cassie schnaubte kurz auf. Sie hasste diese Seite von ihrem Bruder. Sie hasste es, wenn er so tat, als ob alles, was er sagte, der Wahrheit entsprechen würde. Ihre Augen durchbohrten ihren Bruder. Sie ging ein paar Schritte zurück und drehte sich dann mit einem Schwung um und ging den Weg, den sie gekommen war zurück. An der Bar waren ihre Bekannten immer noch da und lächelten sie freundlich an, als sie wieder kam. Cassie ließ sich auf den Hocker nieder, trank ihr Glas leer, legte Geld auf den Tresen und verabschiedete sich. Am Ausgang wartete Alex auf sie, zusammen mit Bill, Tom, Gustav und Georg. Ohne sie groß zu beachten, ging sie an ihnen vorbei. Dem Türsteher schenkte sie noch ein Lächeln. An der nächsten Seitenstraße bog sie ein, immer noch dicht gefolgt von ihren Bruder und Tokio Hotel. Mit der automatischen Endrieglung öffnete sie ihr Auto und stieg kurz darauf ein. Sie zündete den Motor und legte einen Gang ein. Mit viel zu schneller Geschwindigkeit raste sie an den fünf Personen vorbei, durch die Stadt nach Hause.
Als sie die Tür aufschloss, war es still im Haus. Ihre Eltern schienen zu schlafen und auch Sophie war schon in ihrem Bett. Leise steig sie die Treppen nach oben in den zweiten Stock und in ihr Zimmer. Dort zog sie ihre Peeptoes aus und entledigte sich ihrer Klamotten. Aus ihrem Schrank zog sie eine bequeme Hotpants und ein Top, in das sie beides schlüpfte. Im Bad schminkte sie sich schnell ab, wusch ihr Gesicht und putzte sich die Zähne. Das Zopfband, welches sich in ihren Haaren befand, zog sie hinaus und legte es in eine Schale zu anderen. Auf den Fußspitzen ging sie den Flur entlang und öffnete leise die Tür des Zimmers ihrer Tochter. Sophie lag seelenruhig in ihrem Bett und schlief. Auf Cassies Lippen legte sich ein Lächeln. Sie strich ihr kurz über den Kopf und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. Dann verschwand sie wieder in ihrem Zimmer. Für einen Moment drang in das sonst dunkle Zimmer Licht hinein. Cassie wusste, dass das das Auto ihres Bruders war. Sie ließ den Rollladen herunter und legte sich in ihr Bett. Von unten drangen Stimmen zu ihr hoch und sie wartete darauf, dass es an ihrer Tür klopfte und ihre Tochter eintrat. Die Stimmen wurden lauter und Cassie wurde noch wütender, als sie es eh schon war. Da klopfte es tatsächlich an ihrer Tür und keine Sekunde später stand Sophie im Türrahmen und sah zu ihrer Mutter.
"Momi?"
"Ja mein Schatz."
"Die sind so laut…"
"Ich weiß, komm her."
Cassie hob die Decke ein wenig an und Sophie krabbelte zu ihr darunter. Sie kuschelte sich an ihre Mutter und war fast wieder eingeschlafen, als es schon wieder an der Tür klopfte.
"Cassie, wir wissen, dass du noch nicht schläfst."
Sophie hob ihren Kopf. Ihre Augen glänzten. Sie freute sich, dass ihr Onkel hier war.
"Man Alex! Hier ist vielleicht ein kleines Kind, das jetzt zum zweiten Mal wegen euch Deppen wach ist!"
Die Tür öffnete sich einen Spalt und Alex steckte seinen Kopf in das Zimmer.
"Tschuldigung…"
Er trat nun ganz ein, gefolgt von Bill und Tom. Als Sophie Bill erblickt hatte, war sie sofort aus dem Bett gesprungen und auf ihn zu gestürmt. Bill hob sie in seine Arme und strich ihr über die Wange. Glücklich lächelte Sophie zu ihrer Mutter, die sich leicht genervt aufsetzte. Nach Tom traten auch Gustav und Georg ein. Alex hatte es sich währenddessen auf einem Sofa bequem gemacht. Bill folgte seinem Beispiel und auch Gustav und Georg. Nur Tom ließ sich auf die Bettkante nieder und sah zu Cassie. Wären sie jetzt alleine, würde es sicher zu Sache gehen. Cassie bemerkte Toms Blick und wollte schon etwas sagen. Sie verkniff es sich jedoch, sonst hätte sie sich selber verraten und das wollte sie auf keinen Fall.
"Sophie, du musst jetzt aber schlafen. Es ist schon spät."
Cassie stand auf und ging auf das Sofa zu um Bill Sophie abzunehmen. Sophie fing an rumzuquengeln. Genervt griff sich ihre Mutter an den Kopf.
"Bill, kannst du sie in ihr Zimmer bringen?"
Der Angesprochene nickte mit dem Kopf und folgte Cassie. Ohne großes Murren ließ Sophie sich von Bill ins Bett legen und zudecken. Bill gab ihr noch einen Kuss auf die Wange und verschwand dann. Cassie trat an das Bett und lächelte zu ihrer Tochter hinunter.
"Du brauchst keine Angst zu haben Schatz, die sind morgen auch noch da."
Zufrieden grinste Sophie ihre Mutter an und nach einem Kuss von ihr schloss sie ihre Augen und war schnell eingeschlafen. Cassie vernahm hinter sich ein Knarren, sie drehte sich um und blickte in Bills Gesicht.
"Kann ich mal kurz mit dir reden?"
"Klar…"
Sie ging an ihm vorbei und direkt auf ein anders Zimmer zu. Bill staunte nicht schlecht, als sie in eine Küche kamen. Cassie nahm Bills erstaunten Blick wahr und lächelte vor sich hin.
"Das hier oben ist meine Wohnung, die im ersten Stock Alex und unten meinen Eltern."
"Man, so was hätte ich auch gerne."
Bill setze sich auf einen Stuhl und sah sich noch einmal um. Cassie stellte ihm ein Glas vor sich und goss ihm Wasser ein.
"Was andres hab ich im Moment nicht."
"Kein Problem."
Sich selbst goss Cassie ebenfalls etwas ein, dann ließ sie sich gegenüber von Bill auf einen Stuhl nieder.
"Also, worüber willst du reden?"
"Ähm… über Sophies Vater… weißt du, du hast gesagt, du wüsstest nicht wer es ist… ich… ich glaube dir das aber nicht."
Unsicher blickte Cassie Bill mit ihren Augen an. Was wusste er?
"Weißt du, ich glaube… also, Tom hat mir vorhin erzählt, dass er so ein komisches Buch hat. Keine Ahnung, wieso er es mir plötzlich erzählen wollte. Ich hab mir das mal angeschaut und dann ist mir da ein Name aufgefallen."
Tränen bildeten sich in Cassies Augen. Mit ihren Händen hielt sie sich ihre Ohren zu.
"Hör auf Bill, bitte… ich kann das nicht hören."
Eine Träne fand ihren Weg aus dem Auge und floss über ihre Wange. Bill war aufgestanden und ging neben Cassie in die Hocke. Er wischte ihr über die Wange und nahm sie dann in den Arm.
"Tut mir leid, wusste nicht, dass dir das so nahe geht."
"Sie war ja eigentlich gar nicht geplant!"
"Wolltest du abtreiben?"
"Nein, zu keiner Zeit, sie ist mein ganzer Stolz. Auch wenn ihr Vater ein Arschloch ist."
Bill nickte grinsend. Da musste er ihr zustimmen.
"Aber meinst du nicht, dass er das Recht darauf hat, es zu erfahren und auch Sophie?"
"Wahrscheinlich, aber er will doch gar kein Kind."
Cassie löste sich aus Bills Umarmung und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht.
"Er ahnt es schon."
Bill erhob sich wieder und trank sein Glas aus. Dabei beobachtete er Cassie. Diese saß zusammengekauert auf ihrem Stuhl und dachte nach. Als Bill an ihr vorbei ging, strich er ihr noch einmal kurz über den Arm.
"Tu, was du für richtig hältst. Ich werde nichts sagen."
Dann war es in der Küche still. Auch aus Cassies Zimmer drang kein Laut zu ihr herüber. Ihr Blick war noch immer von den Tränen verschleiert. In der Hand hielt sie das Glas, welches sie mit einem Zug leer trank.

Kapitel 5

Lange saß Cassie noch auf dem Stuhl in der Küche. Es wurde draußen schon wieder fast hell, als sie sich in ihr Bett legte und einschlief. Doch lange schlafen war ihr nicht gegönnt. Die Tür wurde mit einem lauten Knall geöffnet und kurz darauf sprang etwas auf Cassies Bett herum.
"Sophie!"
Cassie war aufgeschreckt und saß kerzengerade in ihrem Bett. Ihre Tochter hielt sofort still und sah ihre Mutter an.
"Sophie, wie oft habe ich dir gesagt, dass du das nicht machen sollst. Davon gehen die Betten kaputt."
Sophie nickte nur mit dem Kopf und hüpfte weiterhin gutgelaunt auf dem Bett herum. Stöhnend ließ Cassie sich zurück in die weichen Kissen fallen.
"Sophie, kannst du nicht deinen lieben Onkel ein wenig nerven?"
"Der ist nicht in seinem Zimmer, Momi."
"Häää?"
Sofort setzte sich die junge Mutter wieder auf und schaute ihre Tochter verdutzt an.
"Wie, der ist nicht in seinem Zimmer?"
"Der ist schon unten, mit den anderen."
Als sie aufstand, verließ ein erneutes Stöhnen ihren Mund. Wie konnte man nur so früh, schon so gut drauf sein. Aus ihrem Schrank kramte sie eine schwarze Jogginghose und ein schlichtes dunkelrotes Top.
"Na dann komm, gehen wir mal ins Bad."
Sophie folgte ihrer Mutter und im Bad machten sich die Zwei schnell fertig. Sobald sie aus dem Bad kamen, schnappte Sophie sich Cassies Hand und zog sie hinter sich her zur Treppe. Dort blieb sie erwartungsvoll stehen. Cassie hob ihre Tochter hoch und ging mit ihr auf dem Arm ins Erdgeschoss, wo aus der Küche Stimmen zu ihnen drangen. Bevor sie die Küche betraten, ließ Cassie Sophie auf den Boden. Sie drückte die Türklinke hinunter und öffnete die Tür. Sophie stürmte sofort in den großen, geräumigen Raum und begrüßte alle mit einer Umarmung. Nicht so gut gelaunt, wie ihre Tochter, betrat Cassie das Zimmer. Schweigend kippte sie sich in eine Tasse Kaffee, tat ein wenig Milch und Zucker hinein. Während sie ihren Blick nach draußen schweifen ließ, nippte sie an der Tasse. Das heiße Getränkt tat ihr gut und sie merkte, wie sie ein wenig wacher wurde. Nach ein paar weiteren Minuten stellte sie die Tasse auf die Anrichte neben sich, nahm sich aus der Brötchentüte ein Brötchen und nachdem sie es aufgeschnitten hatte, beschmierte sie es mit Nutella.
"Sophie, was willst du essen?"
Da sie keine Antwort bekam, schaute Cassie kurz auf und musste erst einmal schlucken. Sophie saß bei Tom auf dem Schoß, dieser hatte ihr anscheinend auch ein Brötchen mit Nutella gemacht und nun aß sie jenes munter. Sie war im Gesicht über und über mit Nutella verschmiert und auch ihre Finger waren eher braun als hautfarben. Aber das war Cassie ja schon gewöhnt. Ihr tat es eher weh Tom so mit ihr umgehen zu sehen. Hastig aß Cassie ihr Brötchen auf und stellte Teller sowie die Tasse in die Spülmaschine.
"I-Ich geh dann mal ins Bad."
Ihre Stimme klang brüchig. Sie wandte sich zum Gehen.
"Momi?"
"Du hast doch hier genügend Leute, die mit dir spielen."
Sophie sah ihrer Mutter traurig hinterher. Oft hatte sie Cassie in den letzten Monaten in so einem ähnlichen Verhalten erlebt. Auch wenn sie nicht wusste, was das zu bedeuten hatte, war sie traurig über dieses Verhalten. Jedes Mal hatte Cassie sie dann zu anderen Leuten geschickt und ist alleine irgendwohin verschwunden. Alex blickte seiner Schwester hinter her. Er kannte diese Situation ebenfalls. Und auch er hatte keine Ahnung, was in diesem Moment in ihr vorging. So gerne er es wissen wollte, Cassie hatte nie mit ihm geredet.
Bill hatte Cassie beobachtet, wie sie Tom und Sophie mit einem verletzten Blick angeschaut hatte und wie sie dann hastig aufgegessen hatte, um aus diesem Raum zu verschwinden. Ihm war bewusst, was Cassie zur Flucht getrieben hatte.
"Sag mal, Alex, weißt du eigentlich wer Sophies Vater ist?"
Der Angesprochene schüttelte vehement den Kopf. Noch eine Sache, die seine Schwester ihm verheimlichte. Sophie hatte bei dem Wort Vater aufgehorcht. Aber als kein Name fiel, sofort wieder weggeschaut. Sie lehnte sich ein wenig nach hinten und kuschelte sich an Tom, der seine Arme um die Kleine legte. Alle Blicke ruhten auf Sophie, wie sie da so vor sich hinlächelnd auf Toms Schoß und in seinen Armen saß.
"Momi sagt immer, mein Papi, der will mich nicht.Und Momi meint auch immer, er wüsste gar nicht, dass es mich gibt und er will ja auch gar keine Kinder."
Alex und Tom schauten das kleine Mädchen verdutzt an. Bill hingegen nickte nur wissen mit dem Kopf. Natürlich fiel Tom dies auf und er hatte seit gestern ein komisches Gefühl, Bill verheimlichte ihm etwas und das gefiel ihm ganz und gar nicht. Sophie bewegte sich und Tom ließ seinen Blick zu ihr schweifen.
"Ich mag runter."
Ihre Stimme klang bittend, bei ihrer Mutter wäre es sicherlich wieder quengelnd gewesen. Tom hob sie von sich runter auf den Boden und sah ihr nach, wie sie die Küche verließ und die Treppe hinauf rannte. Dann wandte er sich zu Bill.
"Bill, ich glaube, wir müssen mal reden."
Alex war aufgestanden und hatte das Geschirr weggeräumt.
"Ich geh dann mal ins Wohnzimmer."
Er öffnete die geschlossene Tür, die die Küche vom Wohnzimmer trennte und schloss sie hinter sich gleich wieder.
"Was gibt’s?"
"Ich glaube, nein ich weiß es…. Du verschweigst mir etwas."
Bill hatte nicht damit gerechnet, dass Tom ihn so direkt darauf ansprechen würde. Er musste schlucken, sein Blick ging nervös durch den Raum. Am Fenster blieb er hängen. War eben das Wetter noch einigermaßen schön, zogen sich nun die Wolken zusammen und es sah nach Regen aus.
"Naja, also… ich… ich kann es dir nicht sagen Tom."
Bill schaute nun seinem Zwillingsbruder direkt in die Augen. Es bedrückte ihn, dass er nicht sprechen durfte.
"Bill, ich sehe doch, dass du damit nicht klar kommst."
Schweigen herrschte in der Küche. Tom stand auf und setzte sich neben Bill. Vorsichtig legte er seine linke Hand auf seine rechte, die auf dem Tisch lag.
"Bill, sag es mir, bitte… ich bin dein Bruder, wir konnten doch sonst auch immer über alles reden."
"Ich weiß, aber das ist nun mal nicht meine Sache und ich hab es ihr ja auch versprochen…"
"Wer ist ihr, Bill?"
Bill schien einen Augenblick zu überlegen.
"Tom, was würdest du machen, wenn du nun Vater wärst?"
"Ich, Vater? Kann gar nicht sein. Ich hab immer verhütet."
"Und wenn da mal was schief gegangen ist?"
"Bill, worauf willst du hinaus?"
Bill senkte seinen Blick.
"Auf eine Nacht vor vier Jahren."
Er flüsterte, fast schon tonlos sagte er diese Worte. Tom schien total verpeilt und schaute seinen Bruder fragend an.
"Vor vier Jahren? Kann ich mich nicht dran…"
Entsetzt schlug er sich die Hand auf den Mund. Vor vier Jahren, da hatte er doch noch mit Cassie drüber geredet. War sie es doch gewesen? Aber wieso hatte sie dann nichts gesagt?
"Bill, sag mir nicht, dass das die Cassie ist und dass Sophie mein Kind ist."
Bill schaute Tom nur schweigend an und nach ein paar Minuten stand er auf. Tom hatte dieses Schweigen wie schon oft deuten können und er ließ seinen Kopf auf seine verschränkten Arme, die auf dem Tisch lagen, fallen. Bill hatte sein Versprechen gehalten. Er hatte Tom nicht gesagt, dass er Sophies Vater war, er hatte ihm nur einen Tipp gegeben. Auch Tom stand nach einer Weile auf. Draußen im Flur schlüpfte er in seine Schuhe und zog sich seine Jacke drüber. Ohne ein weiteres Wort verschwand er durch die Tür. Fast gegenüber des Hauses war ein riesiger Park. Auch wenn er eigentlich die Natur hasste, zog ihn etwas in den Park. Er ging den Weg entlang und kam irgendwann an einem großen Spielplatz an. Verwundert blieb er stehen. Waren das nicht Cassie und Sophie? Wollte Cassie nicht ins Bad? Neugierig ging er ein paar Schritte näher. Er wollte nicht entdeckt werden, also blieb er noch weit genug von den beiden entfernt. Tom beobachtete Cassie und Sophie, wie sie im Sandkasten spielten und mit Förmchen irgendwelche Dinge machten. Seine innere Stimme machte sich bemerkbar. Hatte er es nicht schon gestern geahnt, als sie da neben ihm lag? Hatte er es nicht schon geahnt, als er Sophie das erste Mal gesehen hatte? Er war so mit seinen Gedanken beschäftigt, dass er nicht bemerkt hatte, wie Cassie ihn entdeckt hatte und auf ihn zu gegangen war.
"Hallo Tom, was machst du denn hier?"
Tom schreckte aus seinen Gedanken auf und sah Cassie mit großen Augen an. Sophie war nicht bei ihr, er sah sich um und entdeckte sie bei der Rutsche mit einem anderen Mädchen. Cassie war seinem Blick gefolgt.
"Das ist eine Freundin von ihr."
Der Vater ihrer Tochter nickte monoton mit dem Kopf.
"Achso, weswegen ich hier bin… ich musste mal nachdenken…"
"Ja, das hab ich gemerkt."
Ein kleines Lächeln bildete sich auf Cassies Lippen.
"Ja, wahrscheinlich… sag mal, weißt du wirklich nicht, wer Sophies Vater ist."
Tom blickte zu Cassie hinunter, die ein paar Zentimeter kleiner war als er.
"Bill hat es dir gesagt oder?"
"Nein, er meinte nur, was jetzt wären, wenn ich nun Vater wäre und das Verhütung ja auch mal schief laufen kann und wollte mit all dem auf eine Nacht vor vier Jahren hin."
Cassie nickte mit gesenktem Blick.
"Die Nacht, von der du mir erzählt hast, nicht wahr."
Tom schwieg. Irgendwie konnte er es noch immer nicht wahr haben. Cassie war das Mädchen, das ihm damals den Kopf so verdreht hatte, dass er einfach keinen Lust mehr an den folgenden One Night Stands hatte. Die junge Mutter hatte sich von Tom weggedreht und sah ihrer Tochter beim Rutsche zu und wie sie sich mit ihrer Freundin amüsierte. Sie spürte eine Hand auf ihrer Taille und lehnte sich ein wenig nach links.
"Tut mir leid."
"Naja, es hätte auch schlimmer kommen können. Glaubst du nicht?"
"Mhh… mag sein."
Auf der einen Seite fühlte Cassie sich wohl, so bei Tom im Arm, auf der anderen Seite quälte sie das schlechte Gewissen. Aus den Augenwinkeln konnte sie Jungendliche, vielleicht zwei, drei Jahre jünger als sie erkennen. Sie zeigten mit den Fingern auf sie und Cassie konnte sich schon denken, wieso. Sachte löste sie sich wieder von Tom, schaute ihn kurz lächelnd an und ging dann zu ihrer Tochter. Als Tom wirre, und vor allem hohe Stimmen hörte, war ihm klar, wieso Cassie gegangen war. Er setzte sein übliches Grinsen auf und drehte sich zu den Mädchen um. Diese blieben kurz vor ihm stehen und hielten ihm diverse Sachen zum Unterschreiben hin. Ohne großes Murren unterschrieb er alles und wandte sich dann wieder ab. Doch die Mädchen blieben stehen.
"Was wollt ihr denn noch?"
Er war ein wenig genervt. Er hätte gerne noch ein wenig mit Cassie geredet oder einfach ihre Nähe gespürt und dieses angenehme Kribbeln in sich, was ihn einfach nur glücklich machte. Aber stattdessen mussten ihn irgendwelche noch pubertierenden Mädchen nerven.
"Ach nichts, eine Freundin holt nur schnell eine Digicam."
Tom nickte kurz und ließ seinen Blick wieder auf Cassie und Sophie ruhen. Er fand es faszinierend wie Cassie mit der Kleinen umging. Nach einer Weile, in der er immer noch von den Mädchen angestarrt wurde, wandte er sich diesen wieder zu.
"Wann ist denn eure Freundin wieder da."
In dem Moment sah er ein Mädchen auf sie zu kommen. Das Gesicht kam ihm bekannt vor. Er überlegte fieberhaft, woher.
"Hallo Tom…"
Sie lächelte ihn überheblich an und drückte einem anderen Mädchen die Digicam in die Hand. Dann stellte sie sich neben Tom und schmiegte sich an ihn. Tom war ein wenig überfordert und blieb einfach regungslos stehen.
"Kennst du mich denn nicht mehr?"
Das Mädchen sah ihn mit Tränen in den Augen an.
"Ähh… also…"
"Ich bin es, Sina…"
In Toms Gehirn fing es an zu rattern. Er wusste doch, dass er dieses Mädchen irgendwoher kannte.
"Ähh ja, genau Sina…"
"Warum hast du dich denn nichtgemeldet?"
"Naja weißt du, wir haben im Moment ein bisschen viel Stress… neues Album, Tourvorbereitung, die neue Vorband und so weiter… deshalb muss ich jetzt auch leider wieder los."
Er hob kurz seine Hand zum Gruß und steuerte direkt auf Cassie und Sophie zu. Die Mädchen ließen es sich nicht nehmen, die drei zu fotografieren. Schlecht gelaunt zogen sie nach etlichen Minuten von dannen.
Tom war mittlerweile bei Cassie angekommen. Diese schaute nur kurz auf und widmete sich dann ihrer Tochter wieder.
"Na, die eine scheinst du ja wohl besser zu kennen, was."
"Ich bin ein freier Mensch und kann tun und lassen, was ich will. Außerdem wusste ich da noch nicht, dass ich Vater bin, dann wäre das sicherlich nicht vorgekommen."
Er ließ sich neben Cassie in den Sand fallen und strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht.
"Bist du eifersüchtig?"
"Ganz sicher nicht, wieso sollte ich auch."
"Keine Ahnung, warum bist du damals mit mir in die Kiste gesprungen."
"Weiß nicht, wollte es halt so… hab mir eh keine großen Hoffnungen gemacht."
Er schaute sie leicht belustigt an. Jedes Mädchen, das mit ihm im Bett landete, machte sich irgendwelche Hoffnungen.
"Du brauchst gar nicht so zu gucken. Ich hab mir wirklich keine Hoffnungen gemacht, sonst wäre ich sicherlich nicht mit dir ins Bett gegangen."
Tom zog sie zu sich, streckte das eine Bein links und das andere rechts neben ihr aus, schlang seine Arme um sie und legte seinen Kopf auf ihre Schultern.
"Jaja…"
"Was wird das hier, wenn ich fragen darf."
"Keine Ahnung, hatte gerade das Bedürfnis danach."
"Denkst du etwa, dass du mich so noch einmal ins Bett bekommst? Da muss ich dich leider enttäuschen. Damals, dass war wirklich nicht schlecht, aber ich bin älter geworden und würde es sicherlich nicht noch einmal mache."
"Schade eigentlich… auch nicht in einer Beziehung?"
"In was für einer Beziehung?"
Cassie grinste vor sich hin, worauf Tom auch immer hinaus wollte, es machte Spaß sich so mit ihm zu unterhalten.
"Ach man Cassie, so macht das doch überhaupt keinen Spaß!"
"Tja so ist das…"
Beleidigt zog Tom einen Schmollmund. Nachdem er mit dem Schmollen aufgehört hatte, fing er an Cassie am Hals zu küssen.
"Tom, kannst du damit bitte aufhören, hier sind lauter kleine Kinder und außerdem will ich das nicht."
"Überhaupt nicht… darf ich dich an gestern Mittag erinnern?"
"Da war ich durch den Wind, also, da war ich nicht ich."
"Klar… das hat man gemerkt."
Trotzdem ließ Tom von ihr ab, seine Arme hatte er jedoch immer noch um sie geschlungen, dagegen hatte sie ja schließlich nichts gesagt. Er beobachtete, genau wie Cassie, Sophie, wie sie unbeirrt im Sand spielte. Mitten in seinen Gedanken spürte er einen stärkeren Druck auf seiner Brust. Als er seinen Blick nach unten senkte, sah er, dass Cassie sich an ihn gelehnt hatte und lächelnd die Augen geschlossen hielt.
"Jaja, und du willst mir weiß machen, dass du das nicht willst."
Cassies Lächeln verstärkte sich, ihre Augen blieben weiter hin geschlossen. Tom strich ihr behutsam über den Bauch. Cassie konnte seinen Herzschlag hören. Sie genoss die sichtliche Ruhe und sog Toms Geruch tief in sich ein. Wer wusste schon, wann sie die nächste Gelegenheit dazu bekam.

Kapitel 6

Sophie schaute ihre Eltern an. Ihren Kopf hielt sie schief und ihre Augen hatten sich geweitet. Ein Grinsen bildete sich auf ihrem Gesicht. Freudig klatschte sie in ihre Hände und spielte dann weiter im Sand. Cassie musste beim Anblick ihrer Tochter lachen und auch Tom
schmunzelte leicht vor sich hin.
"Cassie!"
Die Gerufene sah sich fragend um.
"Lina!"
Freudig löste sie sich von Tom, sprang auf und rannte zur Besagten. Strahlend nahmen die Zwei sich in den Arm.
"Was machst du denn hier? Ich dachte deine Ausbildung dauert noch eine Weile."
Cassie begutachtete ihre Freundin und lächelte sie dann lieb an.
"Naja, ich war schon früher fertig und bin dann halt schon zurückgekommen. Universal hat mir hier einen Job angeboten."
"Das ist ja super! Warum guckst du so niedergeschlagen?"
"Mhh… Universal Hamburg… irgendeine neue Band, die mit Tokio Hotel auf Tour geht und auch von David Jost zum größten Teil gemanagt wird."
"Tja, dann würde ich mal sagen, willkommen im Team, ich hoffe, du hast nichts gegen ein dreijähriges Kind."
Lina sah Cassie mit großen Augen an. Dann schlug sie sich mit der flachen Hand auf die Stirn und grinste Cassie frech an.
"Hammer… ist das da drüben Sophie? Und dein Freund?"
"Mein Freund nicht, aber Sophie ja…"
Cassie schnappte sich Linas Arm und zog sie hinter sich her zu ihrer Tochter und zu Tom. Sophie blickte Lina neugierig an.
"Momi, wer ist das?"
"Das ist Lina, erinnerst du dich noch?"
Das kleine Mädchen dachte für einen Moment nach. Als sich ihr Gesichtsausdruck aufhellte, sprang sie Lina in die Arme.
"Wo warst du denn so lange?"
"Ich war im Ausland und habe eine Ausbildung gemacht."
Wissend nickte Sophie, was die anderen drei Erwachsenen zu einem Lächeln zwang.
"Und das ist Tom, den du dann noch näher kennen lernen wirst."
Tom war aufgestanden und hielt Lina nun die Hand hin.
"Ich weiß zwar nicht wer du bist, aber trotzdem nett dich kennen zu lernen."
Cassie stieß ihm in die Seite und funkelte ihn sauer an.
"Das ist Lina, meine beste Freundin!"
"Oh, ich verstehe."
Ungeniert legte Tom einen Arm um Cassies Taille. Er hatte gesehen wie Lina auf ihn gezeigt hatte und wie Cassie sie erschrocken angesehen hatte. Es war nicht schwer für ihn zu raten, was Lina Cassie gefragt hatte. Auch wenn es Cassie ein wenig unangenehm war so mit Tom hier zu stehen, ließ sie Toms Arm dort liegen. Sophie war noch immer bei Lina auf dem Arm und lächelte ihre Mutter an.
"Momi, ich mag heim."
Cassie strich ihrer Tochter durch die Haare.
"Und da wird dann gebadet."
"Oh ja!"
Aus Sophies Haaren bröselte Sand heraus und auch ihre Klamotten waren voll mit Sand. Cassie setzte sich in Bewegung. Tom lief neben ihr her, den Arm hatte er wieder zu sich genommen. Auf der anderen Seite von Cassie lief Lina mit Sophie auf dem Arm. Die Drei schwiegen vor sich hin. Cassie würde ihre Freundin so gerne so viel fragen und ihr so viel erzählen, aber da Tom in der Nähe war, hielt sie lieber ihren Mund. Tom hatte keine Ahnung was er hätte sagen können und so blieb er lieber auch still. Lina unterhielt sich ein wenig mit Sophie. Sie hatte so viel von ihr verpasst, das machte sie schon ein wenig traurig.
Irgendwann hatte Tom zögerlich nach Cassies Hand gegriffen, diese drückte kurz leicht zu und schaute lächelnd zu Tom. Das Kribbeln in ihrem Bauch verdrängte sie. Zu oft war sie auf solche Typen wie Tom reingefallen.
Bevor sie an der Haustür zum Stehen kamen, zog Cassie aus ihrer Hosentasche einen Schlüssel und konnte so die Tür gleich aufschließen. Ihre Schuhe ließ sie im Flur stehen, Sophies legte sie daneben. Lina zog sich ihre Schuhe ebenfalls aus, stellte sie aber geordnet vor die Garderobe. Tom tat es ihr gleich, sie waren hier ja schließlich nur zu besuch. Cassie machte sich dicht gefolgt von Tom und Lina, die Sophie an der Hand hielt, auf den Weg in den ersten Stock. Vor einer Tür blieb sie stehen. Sie hob ihre Hand und klopfte an.
"Herein."
Sobald sie die Stimme ihres Bruders gehört hatte, öffnete sie die Tür und trat ein. Schweigend setzte sie sich auf das kleinere Sofa und nahm ihre Tochter, die auf sie zugelaufen kam, auf den Schoß. Tom ließ sich neben ihr nieder. Langsam aber sicher machte er Cassie ein wenig Angst. Lina ließ sich auf den Sessel fallen und sah sich um.
"Hier hat sich aber nicht viel verändert."
Frech grinste sie Alex an.
"Mir geht es gut, danke der Nachfrage."
Beide brachen in ein Lachen aus und beruhigten sich erst nach einer Weile wieder. Alex war von dem anderen Sofa, das etwas größer war und auf dem auch Bill saß, aufgestanden und umarmte nun Lina. Dann setzte er sich wieder auf seinen Platz.
"Wie war’s im Ausland?"
"Ja, total cool… bin halt jetzt schon wieder hier, weil Universal mir einen Job angeboten hat…"
Diesmal war es Cassie, die leise lachte. Glücklich drückte sie ihrer Tochter einen Kuss auf die Haare. Alex schaute verwundert von Lina zu Cassie und wieder zu Lina.
"Kann mir einer sagen, wieso die so gut drauf ist?"
"Kann ich dir erklären, ich bin wieder da und werde auch so schnell nicht mehr verschwinden."
"Ich dachte, du hättest einen Job von Universal…"
"Ja, in Hamburg."
Lina nickte überschwänglich mit ihrem Kopf. Alex entwichen jegliche Gesichtszüge.
"Nee oder? Heißt das jetzt, dass ich euch beide vierundzwanzig Stunden am Tag am Hals habe?"
"Klaro!"
Wie aus einem Mund sprachen Cassie und Lina das Wort aus. Dann trat eine Stille in den Raum ein. Cassie schloss ihre Augen und lehnte sich zurück. Alex sah zum Fenster hinaus und hing seinen Gedanken nach. Bill und Tom tauschten diverse Blicke aus und Lina beobachtete alle. Sophie saß auf dem Schoß ihrer Mutter, die Ellenbogen auf den Beinen abgestützt, den Kopf auf die Hände und starrte den Fernseher an.
"Momi, darf ich raus gehen?"
Cassie öffnete kurz ihre Augen und blickte zu ihrer Tochter hinunter.
"Wenn’s sein muss… aber pass auf ja? Und denk dran, nachher wird noch gebadet."
Sophie rutschte von den Beinen ihrer Mutter und lief zur Tür, dort drehte sie sich noch einmal um.
"Bis nachher Momi."
Sie winkte ihrer Mutter zu, dann war sie verschwunden. Dafür stand nun Cassie auf.
"Ich geh dann auch mal nach oben."
Fragend schaute sie ihre beste Freundin an.
"Bist du mir böse, wenn ich noch ein bisschen hier bleibe?"
"Nein, quatsch. Ich wollte eh in die Wanne."
Cassie ging zu Lina, hauchte ihr mit einem 'Schön, dass du wieder da bist.' einen Kuss auf die Wange und verschwand durch die Tür. Tom sah ihr nachdenklich nach. Lina räusperte sich. Da keiner reagierte, räusperte sie sich noch einmal etwas lauter. Die drei Jungs sahen mit einem verpeilten Blick auf.
"Was ist los?"
Alex stand auf und lief zum Fenster. Von dort sah er wieder zu Lina.
"Ähm… eigentlich wollte ich nur eine Person auf etwas hinweisen, aber ich glaube, so was funktioniert nur bei Mädchen."
Sie kratzte sich am Kopf und grinste Tom kurz an. Dieser schien langsam zu verstehen.
"Öhhm… also… ich geh mal… aufs Klo."
Tom stand auf und begab sich zur Tür.
"Wo ist denn das Klo?"
Fragend drehte er sich zu Alex und sah ihn an.
"Hier oder oben?"
Alex grinste Tom an und erklärte ihm dann den Weg zu Cassies Bad. Erst mit schnellen, großen Schritten, zum Ende hin jedoch mit langsameren und kleinen Schritten näherte Tom sich dem Bad. Er vernahm ein Summen und vorsichtig klopfte er an die Tür.
"Ja?"
Cassie öffnete die Tür. Ein Lächeln legte sich auf ihre Lippen, als sie Tom sah.
"Ähhmm… ich… also… ja… öhh…"
"Willst du vielleicht erst einmal rein kommen?"
Cassie ging ein paar Schritte zurück und machte ihm somit platz. Zögerlich trat Tom ein und sah sich um. Es roch nach Rosen, die große Eckbadewanne war mit Wasser gefüllt und eine Schaumschicht hatte sich gebildet, das Licht war ein wenig gedämmt, aus dem Radio erklangen leise Töne. Für Tom war das totales Neuland.
"Machst du das immer, wenn du baden gehst?"
"Klar… warum denn nicht, will ja schließlich ein wenig entspannen."
Tom nickte nur mit dem Kopf. Auch wenn er nie der Typ für so einen Kitsch gewesen war, jetzt war er es sicherlich und das lag sicherlich nicht am Bad, sondern an Cassie. Diese ließ gerade ihren Bademantel vor der Wanne auf den Boden gleiten und stieg dann in die Wanne. Ihr Körper war von dem Schaum umgeben und nur ihr Kopf schaute aus dem ganzen Schaum heraus. Tom kam ein paar Schritte näher und setzte sich dann auf den Wannenrand. Cassie spürte ein Kribbeln, das immer stärker wurde, obwohl Tom sie noch nicht einmal berührt hatte. In eine Hand nahm er ein wenig Schaum und warf ihn auf Cassie.
"Ey! Willst du hier aufmucken?!"
Cassies Arme schnellten aus dem Wasser und spitzten Tom mit Wasser und Schaum voll. Ein bisschen Schaum verfing sich in seinen Haaren. Cassie beugte sich zu ihm und wollte Tom den Schaum aus den Haaren entfernen. Dieser schnappte sich ihren Arm und zog sie zu sich. Er selbst hatte sich schon ein wenig nach unten gebeugt. Vorsichtig legte er seine Lippen auf ihre und fing an diese leicht zu massieren. Da Tom ihren Arm wieder losgelassen hatte, konnte sie ihre Arme um seinen Hals schlingen und zeigte ihm so, dass er nicht aufhören sollte sie zu küssen. Als Tom sich von Cassie löste, war sein T-Shirt nass. Er betrachtete es kritisch und sah dann zu Cassie.
"Das war jetzt nicht nett."
Cassie grinste ihn nur frech an.
"Ist ja nicht mein Problem."
Cassie ließ ihre Hände durch das Wasser gleiten und blickte verträumt die Wand ihr gegenüber an. Tom lauschte der Musik, die aus dem Radio kam. Seine Lippen zierte ein kleines Lächeln. Sein T-Shirt war schon wieder am trocknen. Seine eine Hand fand den Weg zu Cassies Haaren und strich ihr durch diese. Sie lehnte sich ein wenig gegen Tom und schloss ihre Augen. Zufrieden seufzte sie auf. Zum zweiten Mal an diesem Tag sog sie Toms Geruch tief in sich hinein.
"Willst du mir immer noch weiß machen, dass du das nicht willst?"
"Was nicht wollen?"
Cassie grinste Tom frech an und spielte verführerisch mit einer Haarsträhne. Tom grinste nur zurück und verschränkte die Arme vor seiner Brust.
"Willst du damit irgendetwas bezwecken?"
"Ich? Seh ich so aus?"
"Wer weiß, auf alle Fälle noch besser als vor vier Jahren."
Die junge Erwachsene zog einen Schmollmund.
"Fandest du mich damals etwa hässlich?"
"Ich habe gesagt, noch besser als damals."
Bei Tom auf dem Gesicht bildete sich ein freches Grinsen. Er stand auf und ging ein paar Schritte. Sein Blick jedoch blieb stets auf Cassie und auch Cassie sah Tom durch dringlich an.
Nach einer Weile ließ Tom sich wieder auf dem Wannenrand nieder. Er setzte an um etwas zu sagen, schloss jedoch wieder seinen Mund, als er in Cassies dunkelblaue, tiefgründige Augen sah. Cassie hatte es sich wieder in der Badewanne bequem gemacht und da Tom nichts sagte, schloss sie wieder ihre Augen und lauschte den leisen Musikklängen. Tom lehnte sich an die Wand hinter sich und beobachtete Cassie. Ein leichtes Kribbeln durchzog seinen Körper. Ohne, dass Cassie es bemerkte, stand er auf und verschwand aus dem Zimmer. Er konnte nicht länger in ihrer Nähe sein, das hätte ihn noch in den Wahnsinn getrieben.

Kapitel 7

Irgendwann schreckte Cassie aus ihren Gedanken auf und sah sich irritiert um. Doch nirgendwo fand sie Tom. Er war wie vom Erdboden verschwunden. Cassie fing an zu frösteln. Sie erhob sich, stieg aus der Wanne und griff nach einem großen Handtuch. Leicht zitternd kuschelte sie sich in das Handtuch. Mit wenigen Schritten stand sie am Waschbecken. Mit einer Hand wischte sie über den Spiegel, sodass sie sich sehen konnte. Ein paar Strähnen hingen ihr ins Gesicht, die Spitzen ihrer Haare waren nass. Sie nahm sich ein Haargummi, band ihre Haare zu einem lockeren Dutt und trocknete sich dann ab. Eine schwarze dreiviertel Sporthose und ein gelbes Mickey Maus T-Shirt und Unterwäsche lagen auf einer Kommode. Sie schlüpfte in diese hinein und betrachtete sich noch einmal im Spiegel. Irgendwie störte sie ihre Haarfarbe, diese verschiedenen Farben, die sie damals schon gehabt hatte. Sie beschloss morgen zum Friseur zu gehen und sich ihre Haare zu färben. Das nasse Handtuch schmiss sie in einen Wäschekorb, so auch ihre anderen Klamotten. Dann drückte sie die Türklinge herunter und trat hinaus. Sie schreckte kurz zurück. Tom stand an der Wand gegenüber der Tür und sah sie lächelnd an. Cassie lächelte schüchtern zurück. Galant drückte Tom sich von der Wand ab und kam ein paar Schritte auf Cassie zu. Diese stieß an die Wand und blieb regungslos stehen. Tom war noch immer wenige Schritte von ihr entfernt, die er jedoch nach wenigen Sekunden ebenfalls gegangen war. Seine Hände stützten sich links und rechts neben Cassies Kopf ab. Sein Blick war direkt in ihren gerichtet. Ein eisernes Schweigen herrschte im Flur. Ganz langsam und sachte legte Tom seine Lippen auf Cassies. Er übte einen leichten Druck aus. Cassie stand wie versteinert da, trotzdem erwiderte sie Toms Kuss. Sie wusste, dass es falsch war und doch fühlte es sich richtig an. Nach einer Weile drückte Cassie Tom sanft aber bestimmend von sich.
"Da-Das geht nicht…"
Irritiert blickte Tom Cassie an. Er verstand sie nicht. Im Bad hatte sie ihn doch auch geküsst, was ging nun daran nicht mehr? Cassie bemerkte seinen Blick und sah verlegen auf den Boden.
"Glaubst du, dass ich denke, dass du das nur machst, weil ich der Tom bin?"
Cassie nickte unmerklich mit dem Kopf. Tom bekam es trotzdem mit. Vorsichtig griff er nach ihrer Hand und drückte sie sanft, so dass Cassie aufschaute.
"Ich glaube es aber nicht. Dafür habe ich dich in den paar Stunden schon ganz gut kennen gelernt."
Tom neigte seinen Kopf ein wenig und blickte Cassie schweigend an. Er war sich bewusst, was er tat, er war sich bewusst, dass er gerade sein Image brach. Aber er war sich auch bewusst, dass er genau das wollte. Die junge Mutter entzog Tom ihre Hand und ging auf ihr Zimmer zu. Doch Tom holte sie schnell ein und hielt sie an der Schulter zurück.
"Cassie, jetzt warte doch. Meinst du nicht, dass wir alt genug zum reden sind?"
Cassie lies ihren Kopf hängen. Genau davor hatte sie doch Angst.
"Hast du Angst davor?"
"Woher weißt du das?"
"Weiß nicht, hab das so gespürt…"
Sie öffnete ihre Zimmertür und trat, dicht gefolgt von Tom, in das Zimmer. Nachdenklich ließ sie sich auf das Bett fallen. Tom stand unschlüssig im Raum.
"Dachte, du wolltest reden?"
"Ähm ja… also… ich… ehrlich… bin grad ein wenig… verwirrt."
Cassie blickte Tom irritiert an. Sie hatte gerade keine Ahnung, was Tom wollte, geschweige denn, was er meinte. Nach ein paar Minuten des Schweigens ließ Cassie sich nach hinten fallen und starrte die Decke an. Tom stand noch immer ein wenig verwirrt im Raum. Dann setzte er sich jedoch in Bewegung und ging die wenigen Schritte zum Bett. Zögernd ließ er sich auf die Bettkante nieder und senkte seinen Blick gen Boden. Kurz darauf spürte er eine Hand, die nach seinem linken Arm griff und ihn nach hinten zog. Er ließ sich fallen. Als er lag, wandte er seinen Kopf zur Seite und schaute in zwei leuchtende Augen. Ein flaues Gefühl machte sich in ihm breit. Auch wenn er es immer noch nicht zu geben wollte, er war in sie verliebt. Mit seiner rechten Hand strich Tom ihr über die Wange und hauchte ihr einen kleinen Kuss auf die Lippen.
"Du bist echt was Besonderes Cassie…"
Cassie lächelte Tom lieb an und rückte ein Stück näher zu ihm. Tom schlang seine Arme um sie und drückte sie an sich. Am liebsten würde er dieses Gefühl, welches er im Moment hatte, für immer in sich behalten. Und auch Cassie würde er so gerne immer bei sich haben.
"Cassie…"
"Mhh…"
"Ich… also… du… und ich…"
"Was denn?"
Sie löste sich von ihm und blickte ihn an. Ein wenig traurig war sie schon, dass der schöne Moment durch Toms Stottern zerstört worden war.
"Also, was… was würdest du machen, wenn ich jetzt sagen würde, ich hätte mich in dich verliebt…"
Cassies Blick wandelte sich von einem zufriedenen in einen eher geschockten Blick. Was sollte sie da zu sagen oder denken?
"Hast du es denn?"
"Ja…"
Nur ein Hauchen verließ Toms Lippen. Nervös kaute Cassie an einem Fingernagel. Natürlich, sie hatte ebenfalls schon ihre Gefühle für Tom bemerkt, auch wenn sie sie versucht hatte zu verdrängen. Es hatte einfach keinen Sinn. Das Stück, was sie von Tom zurückgerückt war, rückte sie nun wieder zu ihm. Behutsam legte sie ihre Arme um seinen Nacken und drückte ihm ihre Lippen auf den Mund. Toms Hände gingen unter ihrem T-Shirt auf Erkundungstour. Sie waren mit dem, was sie vorfanden, sehr zufrieden und ein Grinsen stahl sich auf Toms Lippen. Cassies Finger kraulten Tom ein wenig im Nacken. Schüchtern lächelten die Zwei sich an. Verlegen biss Cassie sich auf die Unterlippen, trotzdem lächelte sie noch immer. Das Gefühl in ihrem Bauch wurde immer extremer und machte sie glücklich.
"Meinst du, wir könnten das schaffen?"
Cassie wurde ernst, sie hatte Angst vor einer festen Bindung mit Tom.
"Wenn wir es beide wollen bestimmt. Außerdem haben wir Bill und Alex auf unserer Seite und Gustav und Georg auch, was soll da noch schief gehen?"
Die junge Erwachsene zuckte mit den Schultern. Die ganze Situation war für sie total irreal und sie hatte immer noch keine Ahnung, wie sie damit umgehen sollte. Nach einer Weile des Schweigens richtete Cassie sich wieder auf. Tom sah sie verwundert an.
"Was ist denn?"
"Nichts, ich wollte nur mal nach meiner… ähh… sorry… unserer Tochter schauen gehen."
Er lächelte sie lieb an und stand auf. Für ihn schon selbstverständlich hielt er Cassie seine Hand hin, die sie sofort ergriff. Händchen haltend gingen sie zurück in Alex sein Wohnzimmer. Doch dort fanden sie nur Lina, Bill und Alex. Die Drei grinsten fröhlich vor sich hin, als sie die Zwei Händchen haltend erblickten. Cassie sah sich um, dann fiel es ihr wieder ein. Ihre Tochter wollte ja raus gehen. Ihr Blick blieb an ihrem Bruder hängen, dieser sah zum Fenster hinaus. Er spürte den Blick seiner Schwester, aber drehte sich nicht um.
"Sophie schaukelt, falls du das wissen wolltest."
"Mhh, danke… ich geh mal runter."
Sie löste ihre Hand von Toms, lächelte ihn noch einmal verliebt an und verschwand. Tom sah ihr kurz nach, folgte ihr dann jedoch kopfschüttelnd.
An der Schaukel hatte Tom Cassie eingeholte. Er schlang seine Arme von hinten um sie und legte seinen Kopf auf ihrem ab. Cassies Gesicht zierte ein kleines Lächeln. Sophie beachtete ihre Eltern nicht sonderlich, sondern schaukelte fröhlich vor sich hin. Aus der Ferne vernahm Cassie ein leichtes Grummeln.
"Sophie, Süße, lass uns mal rein gehen."
Sophie blickte ihre Mutter mit ihrem Dackelblick, den sie eindeutig von Tom hatte, an.
"Schau mal mein Schatz, es wird gleich Gewittern und wir wollen ja nicht nass werden…"
Das leuchtete dem kleinen Mädchen ein. Sie ließ die Schaukel ausschaukeln, sprang herunter und griff nach der Hand ihrer Mutter. Mit ihrer anderen Hand griff sie nach der Hand von Tom. Sophie zog die Zwei hinter sich her in das Haus und setzte sich auf das große Sofa im Wohnzimmer.
"Ich hab Hunger Mama…"
"Ist gut, Oma macht gleich bestimmt was zu Essen."
Tom hatte sich neben seine Tochter gelegt, die sich an ihn gekuschelt hatte. Cassie war zur Stereoanlage gegangen und machte nun leise Musik an. Dann setzte sie sich auf die andere Seite ihrer Tochter. Tom legte einen Arm um ihre Schulter und zog sie ein Stück näher zu sich. Die leisen Musikklänge erfüllten den Raum.
"Wie wird das jetzt?"
Cassie starrte gerade aus die weiße Wand an.
"Wie meinst du das?"
Tom wandte seinen Blick zu ihr.
"Wie wird das mit uns."
"Wie soll das werden. Wir werden gemeinsam auf Tour fahren und dann sehen wir mal weiter. Ihr seid doch viel in Hamburg, wir auch."
Cassie stieß ihre ganze Luft aus der Nase aus und atmete dann wieder tief ein.
"Oder meinst du eher, wie das vor den anderen und allgemein laufen soll?"
"Tom, du bist berühmt, ich fast davor… die Presse hat schon einen Narren an meiner Tochter gefasst. Sie wollen wissen, wer der Vater ist und alles und das, obwohl wir noch nicht einmal richtig berühmt sind."
"Willst du mich verleugnen?"
Tom klang bissig. Das konnte er gerade nicht ganz verstehen. Er zog sofort seinen Arm weg, drückte seine Tochter, die ja nichts dafür konnte, sanft von sich und stand wütend auf.
"Nein… nein, so war das nicht gemeint."
Cassie sah Tom mit einem flehenden Blick an. Sie hoffte und betete, dass er jetzt nicht gehen würde und sie dieses dumme Gespräch aus dem Weg schaffen konnten.
"Nein, wie denn dann?"
"Naja, ich will einfach keine Beziehung, die nur aus der Presse lebt. Und meinst du nicht, dass, wenn raus kommt, dass Sophie deine Tochter ist, eventuell andere kommen und meinen, sie hätten eine Tochter von dir? Was dann vielleicht sogar stimmt. Glaubst du nicht, dass eure Fans alles versuchen werden uns dann wieder auseinander zu bringen?"
Tom wurde immer fassungsloser. Das konnte er sich ganz und gar nicht vorstellen.
"Schau nicht so, ich kenne das Tom. Ich war lang genug Fan von euch. Ich war mitten drin und ich habe wirklich viel mitbekommen."
Nachdenklich ließ Tom sich zurück auf das Sofa fallen.
"Gibt es wirklich so Fans, die unser Glück zerstören wollen?"
"Sicherlich, es sind zwar nur wenige, aber die können auch sehr viel ausrichten."
Tom nickte mit dem Kopf. Er hätte so gerne zu Cassie und Sophie gestanden, aber unter diesen Aspekten?
"Ok, dann… dann sollten wir es vielleicht erst einmal für und behalten. Wäre das in Ordnung für dich?"
Cassie konnte wieder lächeln. Als Antwort hauchte sie Tom einen Kuss auf den Mund. Sophie hatte dem allen schweigen zu gesehen. Ihr Blick hing an Tom. Sie hatte das Wort Vater mit dem Bezug auf ihn mitgekriegt.
"Daddy?"
Fragend blickte die Kleine ihren Vater an. Tom lächelte sie lieb an und strich ihr über den Kopf.
"Ja…"
Die Augen des kleinen Mädchens fingen an zu strahlen. Endlich hatte sie einen Vater, ihren Vater.
"Bitte lächeln!"
Überrascht blickten die Drei in Richtung Tür aus der die Stimme kam. Da erleuchtete ein greller Blitz schon das Zimmer. Und als die Drei endlich auch lächelten noch einmal. Alex grinste die Drei frech an.
"Eine süße Familie seid ihr."
Bevor seine Schwester auf in losgehen konnte, eile er aus dem Raum hoch in seine Etage. Cassie rannte ihm trotzdem hinterher und holte ihn in seinem Zimmer ein. Als Rache kitzelte sie ihn einmal durch. Es war schon oft für sie ein Vorteil, dass ihr Bruder so kitzelig war und sie nicht. Die anderen kamen nach einer Weile zu ihnen ins Zimmer und machten es sich auf den Sitzmöglichkeiten bequem. Cassie setzte sich neben Tom, der Sophie auf dem Schoß hatte. Überglücklich kuschelte Cassie sich an Tom und schloss ihre Augen. Wieder einmal sog sie seinen Geruch in sich auf. Sie liebte es einfach, wie er roch.

Kapitel 8

Obwohl es erst später Nachmittag war und Cassie um diese Uhrzeit normalerweise immer munter war, schlief sie in Toms Armen ein. Sein Geruch hatte sich in ihr gefestigt, sie spürte Tom neben sich und eine Decke über sich. Sie kuschelte sich näher zu Tom, dieser fing an ihr über die Haare zu streichen und ihr kleine Küsse auf die Stirn zu geben. Wohlig seufzte Cassie auf und öffnete lächelnd ihre Augen.
"Hey, du bist ja wach…"
Tom lächelte sie lieb an und hauchte ihr einen Kuss auf die Lippen, den Cassie nur zu gern erwiderte.
"Bill hat mit David telefoniert. Er fände es sehr nett von uns, wenn wir noch heute zurückfahren würden."
"Mhh…"
Cassie schloss ihre Augen und legte ihren Kopf auf Toms Brust. Toms Hand fand ihren Weg zu ihrem Rücken, den sie auf und ab strich.
"Lass uns aufstehen, Cassie."
"Ich mag aber nicht… mag viel lieber hier liegen bleiben."
"Bequem?"
Ein freches Grinsen zierte Cassies Lippen.
"Allerdings."
Trotzdem setzte sie sich auf und schaute auf Tom hinunter. Dieser beugte sich ein wenig vor und die Lippen der beiden trafen sich erneut. In Tom, wie auch in Cassie, kribbelte es und tausend von Schmetterlingen flogen durch den Bauch. Cassie verschränkte eine Hand mit Toms und zog ihn hinter sich her aus dem Bett heraus. Ihre Koffer standen noch gepackt im Zimmer herum. Tom nahm einen und Cassie den anderen. Als sie aus der Tür heraustraten, klangen laute Stimmen von unten zu ihnen nach oben. Es interessierte sie nicht weiter und sie brachten die Koffer nach unten und nach draußen zu Cassies Auto.
Cassie wollte gerade zurück ins Haus gehen, als sie zufällig auf die andere Straßenseite blickte und ihr Blitzlichtgewitter die Sicht versperrte. Wie erstarrt stand sie auf ihrem Platz und konnte sich nicht bewegen. Eine Hand umschloss ihren Arm und zerrte sie hinter sich her ins Haus. Erst als sie die Tür ins Schloss fallen hörte, realisierte sie, was da draußen vor sich gegangen war. Ihre Augen weiteten sich und Tränen steigen ihr in die Augen. Woher wussten die ganzen Paparazzi dass sie hier waren?
Sie erinnerte sich an diese Mädchen im Park, hatten sie vielleicht auch eins von ihnen zusammen gemacht?
"Tom… ich…"
"Verstehe schon… du willst es nicht, nicht wahr?"
"Tut mir leid…"
Sie wandte sich von Tom ab und entfernte mit ihrer Hand einige Tränen, die sich auf ihren Wangen wieder fanden. Tom umfasste sanft ihre Schulter. Er wollte sie so nicht gehen lassen. So lange hatte er darauf gewartet, so lange hatte er gebraucht, um zu wissen, dass er sie liebte.
"Cassie, bitte, gib uns doch wenigstens eine Chance."
Cassie schüttelte schweigend ihren Kopf. Sie hatte Angst, daran kaputt zu gehen und davor, von Tom enttäuscht zu werden.
"Cassie, bitte, ich – ich liebe… dich…"
Neue Tränen bildeten sich in ihren Augen und rannen über ihre Wangen. Langsam wandte sie sich unter Toms Griff und blickte ihn lange in die Augen, bevor sie ihren Mund öffnete um etwas zu sagen. Doch kein Wort kam über ihre Lippen und so drückte sie sie, nach kurzem Zögern, auf Toms. Dieser schlang seine Arme um sie und schmiegte Cassie so noch näher an sich. Er liebte das Gefühl, welches ihn erfüllte, wenn er Cassie im Arm hatte und sie küsste. Sie lösten sich voneinander und sahen einander lächelnd an.
Die Stille wurde jäh von den Geräuschen aus dem Wohnzimmer unterbrochen. Cassie griff nach Toms Hand und führte ihn hinter sich her ins Wohnzimmer. Dort fanden sie die anderen vor, die gerade durch die Terrassentür herein kamen. Sophie strahlte vor sich hin, hatte ihre kleine Hand in Gustavs. Alex schloss hinter sich die Tür und erblickte Cassie und Tom als erstes. Er lächelte seiner Schwester aufmunternd zu.
"Was ist los Kleine?"
Cassie atmete einmal tief ein, um nicht gleich auszurasten.
"Draußen waren lauter Paparazzi."
Die Gesichtszüge der anderen verhärteten sich. Alex ballte seine Hände zu Fäusten.
"Das kann doch nicht wahr sein! Woher wissen die das schon wieder?!"
Tom kratze sich verlegen am Nacken.
"Naja, vorhin im Park, da waren so kleine Mädels… die wollten noch ein paar Fotos mit mir machen und vielleicht – vielleicht haben die ja…"
Er brach ab, als er die Gesichter der anderen sah. Sie schienen ihm zu glauben und so wollte er nicht weiter reden. Er konnte es sich nicht vorstellen, aber wie hätte es sonst sein sollen.


Kapitel 9

Ein paar Stunden später saßen sie alle in den Autos, Tom und Bill zusammen mit Sophie und Cassie in ihrem Auto, Alex mit Gustav und Georg in dessen Auto. Sophie schlief in ihrem Kindersitz, im Arm hatte sie einen kleinen Teddy. Als Cassie das Auto startete, drehte sie sich noch einmal nach links und wank ihrer besten Freundin zu. Lina würde erst in ein paar Tagen nachkommen. Sie musste noch einiges klären und ihre Sachen zusammenpacken.
Bis zur Autobahn fuhr Cassie brav hinter ihrem Bruder her, sie wollte ihn nicht schon da abhängen. Sobald sie jedoch die Autobahnauffahrt verlassen hatten, schaltete Cassie das Auto hoch und rauschte an ihrem Bruder vorbei, der fuhr ihr einfach zu langsam.
"Meinst du nicht, dass du ein wenig zu schnell bist?"
Cassie grinste kurz zu Tom und konzentrierte sich dann wieder auf das Fahren. Die Straße war fast leer, hier mal ein Auto, da mal ein Auto.
"Nee, ich fahr noch nicht mal 200 h/km Junge, das ist nicht schnell."
"Ja ja, schon gut…"
Tom stöpselte sich seine Ohrhörer von seinem iPod in die Ohren und hörte ein wenig Musik. Bill tat es ihm gleich. Cassie hatte sich eine Cd leise angemacht, sie wollte Sophie nicht wecken. Ihr Handy steckte sie in einer ruhigen Minute in die Freisprechanlage, wer wusste schon, wann Alex sie anrief, dass sie am nächsten Rasthof mal halten sollte.
Die Cd war fast zu ende, die ersten Töne des letzten Tracks erklangen. Es war Cassies Lieblingslied, auch wenn es schon uralt war und sie viele schlechte Erinnerungen daran hatte. Leise summte sie die Melodie mit und lies die vereinzelten Tränen, die sich aus ihren Augen stahlen, ihren Weg über ihr Gesicht bahnen. Sie hatte nicht bemerkt, dass Tom sie beobachtete, sonst hätte sie die Tränen sicherlich aufgehalten. Erst als ihr eine Träne weggewischt wurde, blickte sie überrascht zu Tom.
"Ich dachte, du schläfst…"
"Nee, so müde bin ich dann auch nicht."
Er lächelte seine Freundin an. Doch war sie überhaupt seine Freundin?
"Sonst alles klar bei dir Cassie?"
"Ja ja… nur schlechte Erinnerungen an den Song…"
Ihr war bewusst, dass Lügen nichts bringen würde. Tom gab sich damit zu frieden und sah wieder nah vorne. Eine ruhige und leise Melodie riss die beiden aus den Gedanken. Cassie nahm das Telefongespräch an.
"Hee du, wo seid ihr grade?"
"Ähh… Moment…"
Cassie sah sich kurz um.
"Fast bei Göttingen…"
Ihr kam es gar nicht so lange vor und dabei waren sie schon locker zwei Stunden unterwegs.
"Gut, ähm… könntest du dann da mal halten? Ich brauch mal einen Kaffee… oder so was in der Art."
"Ja, kein Ding… aber dann drück mal auf das Gaspedal… ist nichts los auf den Straßen."
Cassie vernahm nur noch ein genervtes Stöhnen, dann hatte ihr Bruder aufgelegt.
Nach knapp zehn Minuten kam das erste Auto auf dem Rasthof Göttingen zum Stehen. Cassie schaltete den Motor aus und lehnte sich zurück. Ihre Augen schloss sie für einen kurzen Moment. Eigentlich war sie müde, vielleicht sollte sie einen der Jungs fahren lassen, obwohl, ihr armes Auto. Sie verwarf den Gedanken wieder und spürte einen warmen Atem an ihrer Wange. Tom hatte sich zu ihr gebeugt und drückte ihr seine Lippen auf die Wange. Lächelnd öffnete Cassie ihre Augen und drehte ihren Kopf ein wenig nach rechts. Ihr Blick traf den seinen. Sie zogen sich förmlich an und als ihre Lippen endlich aufeinander trafen, explodierte es förmlich in ihnen. Toms Hand strich sanft über Cassies Wange, die andere ruhte auf ihrer Taille. Cassie schlang ihre Arme um seinen Nacken und ihre Zungen fingen an ein leidenschaftliches Spiel zu spielen. Erst als die Scheinwerfer eines Autos sie für einen Moment belichteten, lösten sie sich von einander und schauten sich eine Weile schweigend an. Cassie drückte ihre Lippen noch einmal kurz auf seine, ehe sie sich umdrehte und schaute, ob ihre Tochter noch schlief. Als ihr Blick für einen Moment Bill streifte, musste sie lächeln. Auch er schlief seelenruhig mit einem Lächeln auf den Lippen vor sich hin.
"Lass uns mal raus… Das wird wohl Alex gewesen sein."
Die junge Erwachsene strich ihrem Gegenüber zärtlich über die Wange, ehe sie die Tür öffnete und hinausstieg. Ein kalter Wind schlug ihr entgegen. Eine Gänsehaut zierte ihre nackten Arme, aber das war ihr egal. Sie atmete die kühle Luft tief in sich ein und streckte sich dann einmal ausgiebig. Ihren Blick ließ sie über den Parkplatz schweifen. Alex stand ein paar Parkplätze weiter. Georg stieg gerade aus der Beifahrerseite aus und sah zu ihr rüber. Er hob kurz seine Hand und lächelte ihr zu, dann drehte er sich zu Gustav und Alex, die sich neben ihm befanden. Cassie ging ein paar Schritte am Auto entlang und wartete am Ende des Autos auf Tom, der auch nicht lange auf sich warten ließ. Lächelnd griff sie nach seiner Hand, in der anderen hielt sie den Autoschlüssel, mit dem sie das Auto verriegelte. Gemeinsam machten sie sich Hand in Hand auf den Weg zum anderen Auto.
"Moah Cassie, das hat vielleicht ewig gedauert… sonst bist du doch auch viel schneller…"
"Na und… ich werde alt…"
Frech grinste sie ihren Bruder an und zog dann Tom hinter sich her zur Raststätte. An einem Automaten holte sie sich einen Kaffee und an dem Kiosk etwas Schokolade. Die anderen saßen schon an einem Tisch und tranken ihren Kaffee. Cassie gesellte sich zu ihnen. Dreist, wie sie nun mal oft war, setzte sie sich auf Toms Schoß. Sie hatte keine Lust, sich einen Stuhl vom Nebentisch zu holen und so war es die einfachste Lösung für ihr Problem. Tom stöhnte unter der unerwarteten Last auf.
"Willst du mir damit sagen, dass ich zu dick bin?"
"Quatsch…"
Tom schlang seine Arme um Cassie und platzierte seinen Kopf auf ihrer Schulter. Cassie lehnte sich ein wenig zurück, pustete ein bisschen in ihren Kaffee und nahm dann einen Schluck. Obwohl Cassie ihren Kaffee als letztes begonnen hatte zu trinken, war sie als erstes fertig. Sie stellte die Tasse auf den Tisch und öffnete die Schokoladenverpackung. Für einen kurzen Moment betrachtete sie die Schokolade, ehe sie sich etwas abbrach und sich in den Mund schob. Fragend hielt sie die Tafel Schokolade in die Runde, doch alle schüttelten mit dem Kopf.
"Wir sind nicht so verfressen wie du Sis…"
"Ach, fick dich doch ins Knie Alter…"
Beleidigt aß Cassie noch ein Stück Schokolade und dann noch eins, bis die Tafel leer war. Glücklich blickte sie die anderen an.
"Jetzt kann es weiter gehen…"
Freudig klatschte sie in die Hände, was Tom zum Lachen brachte. Cassies Blick wurde ernst, sie stemmte ihre Hände auf der Hüfte ab und Tom hielt sofort inne.
"Lachst du mich etwa aus?"
"Nein! Wie kommst du darauf?"
"Lüg nicht. Hast du mich ausgelacht?"
"Nein."
"Und warum hast du dann gelacht?"
"Weil mich das irgendwie an Bill erinnert hat. Der hat das auch mal gemacht… vor ein paar Jahren und so… und ich find das lustig…"
Cassie zog eine Augenbraue nach oben und musterte Tom kritisch.
"Na gut, dann glaub ich dir das mal…"
Ihre Lippen formten ein Grinsen und Tom stand nun auch auf. Sein Gesicht kam des ihren sehr nahe, doch Tom machte nicht anstallt ihr seine Lippen aufzudrücken. Sie standen eine ganze Weile so da, bis Cassie die restlichen Zentimeter überwand und ihre Lippen sachte auf seine legte. Durch ein Räuspern wurden die zwei jäh unterbrochen.
"Du bist doch nur neidisch…"
Frech grinste Cassie ihren Bruder an und kniff ihn in die Wange.
"Auf was? Auf Tom?"
"Klar, auf Tom… stell dich nicht blöd Alex…"
Alex zuckte nur mit den Schultern und verschwand mit Gustav und Georg nach draußen zum Auto. Eine Hand griff nach Cassies und drückte sie sanft. Hand in Hand machten auch Cassie und Tom sich auf den Weg zum Auto. Die anderen drei waren schon längst wieder auf der Autobahn. Cassie schloss das Auto auf und stieg ein, Tom tat es ihr gleich. Bill und Sophie schliefen noch immer seelenruhig vor sich hin.
"Schau mal, vor dir im Fach müssten noch ein paar Cd’s liegen… kannst dir ja eine aussuchen und sie dann an machen…"
Cassie lächelte Tom lieb an und startete dann ebenfalls das Auto, um kurz darauf den Rasthof zu verlassen und über die leere Autobahn zu rasen. Es dauerte nicht lange, da hatten sie Alex schon wieder eingeholt, doch dieses Mal schaltete Cassie runter und fuhr brav hinter ihrem Bruder her. Tom hatte derweil ihre Cd’s durchsucht und schob nun eine in den davor her gesehenen Schlitz. Sanfte Töne klangen aus den Lautsprechern.
"Was hast du rein gemacht?"
"So einen Mix… du hast da nur drauf geschrieben Liebeslieder…"
Ohne den Blick von der Straße zu wenden, lächelte Cassie Tom zu.
"Du hättest ruhig auch etwas anderes anmachen können…"
"Nöö… ich finde, das passt doch ganz gut…"
Tom wandte seinen Kopf zu ihr und sah sie verliebt an. Ja, er musste sich eingestehen, er war zum ersten Mal richtig verliebt, mit allem drum und dran und es war ihm noch nicht einmal peinlich. Er hing seinen Gedanken nach und dachte an Bills Worte, die er früher immer zu Fragen, die eine Freundin oder ähnliches betreffend, geantwortet hat. Er würde auf die große Liebe warten, auf die Liebe auf den ersten Blick. Tom hatte nie an so etwas geglaubt, auch damals nicht, als er mit Cassie ins Bett gestiegen war. Heute wusste er es besser. Er hatte sich schon damals in Cassie verliebt. Und er wusste, dass er Glück gehabt hatte, dass er sie wieder getroffen hatte, aber vielleicht war es auch das Schicksal gewesen. Mit der Gesamtsituation zufrieden, lehnte er sich zurück und schloss die Augen. Er verbannte all seine Gedanken aus dem Kopf und horchte den Klängen der Lieder. Tom merkte, wie er müde wurde und vor sich hindöste. Als Cassie kurz zu Tom schaute, schien er zu schlafen. Ein kleines Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. Die Cd war schon lange zu ende und im Auto war es still. Cassie setzte, wie ihr Bruder vor ihr, den Blinker. Jetzt war es nur noch eine gute Viertelstunde bis sie an ihrem zweiten Zuhause ankamen. Und auch wenn Cassie die Möglichkeit hatte, Alex zu überholen, ließ sie es bleiben. Sie war selber ein wenig müde und hatte keine Lust in ihrem Trott noch einen Unfall zu bauen.
Es war kurz vor Mitternacht als die zwei Autos vor dem großen Haus zum Stehen kamen. Cassie stützte sich am Lenkrad ab und musterte das Haus. Eigentlich hatte sie gar keine Lust da jetzt hinein zu gehen, aber sie musste. Die anderen drei waren schon langst aus dem Auto und lehnten nun an diesem. Ihre Blicke gingen in den Sternenklaren Himmel. Mit einem Seufzer stieg auch Cassie aus. Sie öffnete die Tür hinter sich und hob ihre Tochter vorsichtig aus dem Kindersitz. Und obwohl sie sehr vorsichtig war, wachte Sophie auf. Verschlafen brummelte sie etwas vor sich hin. Hilflos drehte sie sich zu Alex, der auch gleich zu ihr eilte.
"Kannst du sie vielleicht rein bringen und in ihr Bett legen?"
"Natürlich."
Alex nahm seiner Schwester die schon wieder halbschlafende Sophie ab und brachte sie in das Haus. Cassie ging um ihr Auto herum und öffnete die Beifahrertür. Sanft strich sie Tom über die Wange und hauchte ihm einen Kuss auf die Lippen.
"Hey Tom, aufwachen, wir sind da…"
Tom gab nur ein Grummeln von sich und wandte sich unter Cassies Hand, die noch immer über seine Wange strich.
"Oh man, ihr seid auch alle gleich…"
Wieder drückte sie Tom ihre Lippen auf, doch dieses mal ein wenig fester und er reagierte nach einer halben Ewigkeit. Tom schlang seine Arme um sie und zog sie zu sich. Seine Zunge stupste immer wieder an ihre Unterlippe und Cassie öffnete ihren Mund ein wenig, sodass sie den Weg zu ihrer Zunge fand. Ihre Zungen neckten sich immer wieder gegenseitig und ab und zu spielte Cassie ein wenig mit Toms Piercing. Irgendwann löste Cassie sich von Tom und richtete sich wieder auf.
"Na komm, dein Bruder muss auch noch geweckt werden… und ich würde echt sehr gerne in mein Bett…"
Tom grinste sie nur verschmitzt an und stieg aus dem Auto aus. Er öffnete die Tür hinter sich und rüttelte an Bills Schulter.
"Eh, Kleiner… wach werden… wir sind wieder in Hamburg…"
Tom rüttelte noch einmal an Bills Schultern, welcher langsam seine Augen öffnete.
"Moah Tom… geht das auch noch unsanfter…"
Mit einem finsteren Blick bewegte er seine rechte Schulter, die von Toms Rütteln ein wenig weh tat. Cassie konnte darüber nur lächeln. Als Bill dann endlich ausgestiegen war, holten sie die Taschen aus dem Kofferraum. Cassie verriegelte das Auto und sie machten sich auf den Weg in die Bandwohnungen. Tom beleitete Cassie noch zu ihrem Zimmer und stellte dort eine Tasche ab. Bill war sofort in sein Zimmer verschwunden. Sein Blick blieb an dem leeren Kinderbett hängen.
"Wo ist denn Sophie?"
"Wahrscheinlich bei Alex… sie ist immer so anhänglich wenn sie schläft und man sie dann aus ihren tiefen Schlaf holt…"
"Achso…"
Tom ließ sich auf Cassies Bett nieder und schaute ihr zu, wie sie noch ein paar Sachen aus den Taschen wegräumte. Dann zog sie sich aus und schlüpfte in eine Hot Pans und in ein Top. Als sie sich zum Bett drehte, lag Tom eingewickelt in der Decke auf ihrem Bett. Seine Klamotten lagen auf dem Fußboden. Cassie hob sie hoch und hing sie über einen Stuhl, dann legte sie sich zu Tom und kuschelte sich an ihn. Tom schlang seufzend seine Arme um sie und deckte sie mit der Decke ein wenig zu.
"Schlaf gut Süße…"
"Mhh… du auch Tom…"
Tom war schnell eingeschlafen, doch Cassie lag noch lange in seinen Armen wach. Es hatte sich so viel in so kurzer Zeit verändert, dass sie das noch nicht alles verarbeitet hatte. Doch auch sie schlief irgendwann mit einem glücklichen Lächeln auf dem Gesicht ein.

Kapitel 10

Am nächsten Morgen wurden Cassie und Tom von David persönlich geweckt. Er schmiss die beiden regelrecht aus dem Bett und erwartete sie in einer Stunde im Studio. Cassie sprang hastig aus dem Bett.
"Hat der denn einen Knall? In einer Stunde! Das schaffe ich ja nie!"
Tom grinste nur keck vor sich hin. Cassie war echt süß, wenn sie da so total müde rumirrte.
"Komm runter Cassie, Zähne putzen, Anziehen und fertig."
Die junge Erwachsene blieb mitten in ihren Bewegungen stehen und starrte Tom leicht geistesabwesend an.
"Hallo? Ich habe ein kleines Kind, das muss ebenfalls fertig gemacht werden und frühstücken. Mit einem Kind brauchst du mehr Zeit als ohne."
Tom hatte sich aufgesetzt. Er griff nach Cassies Armen und zog sie auf seinen Schoß. Zärtlich hauchte er ihr ein paar Küsse in den Nacken. Cassie entspannte sich ein wenig und seufzte wohlig auf.
"Du machst jetzt als erstes Sophie fertig, dann kann ich mit ihr was frühstücken und derweil machst du dich fertig, ok Süße?"
"Hmm…"
Cassie hatte ihre Augen geschlossen und sich ein wenig an Tom gekuschelt. Nach einer Weile stand sie auf und verließ, dicht gefolgt von Tom, das Zimmer. Während Cassie jedoch an Alex’ Tür stehen blieb, verschwand Tom nach unten in sein Zimmer. Als Cassie in das Zimmer trat, schlief ihr Bruder noch. Sophie spielte ruhig mit ein paar Sachen auf dem Boden. Da sie jedoch die Tür gehört hatte, schaute sie auf. Ein Lächeln zierte ihr Gesicht. Sie sprang vom Boden auf und rannte ihrer Mutter in die Arme.
"Momi!"
"Pssht, weck Alex nicht auf, sonst wird der heute so unfreundlich."
Die Kleine grinste frech zu ihrer Mutter, blieb aber still. Cassie erhob sich mit Sophie auf dem Arm und trug sie ins Bad. In der Wohnung war es noch ruhig, anscheinend schliefen die anderen alle noch. Cassie half ihrer Tochter ein wenig beim Fertigmachen und beim Anziehen. Gerade als sie Sophie die blonden Haare kämmte und zu einem Zopf band, trat Tom in ihr Zimmer. Für einen Moment blieb er an der Tür stehen und beobachtete die zwei. Sophie erblickte Tom als erste und grinste ihn an.
"Timo!"
Nun blickte auch Cassie auf und lächelte ihren Freund lieb an.
"Na los Sophie, du gehst jetzt mit Tom frühstücken, dann kann ich mich nämlich fertig machen."
Sophie stand auf und ging zu Tom. Dieser hielt ihr seine Hand hin, die sie sofort ergriff. Zusammen machten sie sich auf den Weg in die Küche. Derweil nahm Cassie sich aus ihrem Schrank frische Unterwäsche, eine schwarze Jogginghose und ein pinkes Top. Dann verschwand sie im Bad um sich fertig zu machen. Eine gute viertel Stunde später betrat sie die Küche und ließ sich neben Tom nieder. Tom beugte sich ein wenig zu ihr herüber und drückte ihr sanft seine Lippen auf. Cassie erwiderte den Kuss nur zu gerne.
"Hmm, du schmeckst nach Erdbeere."
Die junge Erwachsene grinste Tom frech an, nahm sich ein Brötchen und beschmierte es mit Nutella.
Nachdem sie alle gemütlich gefrühstückt hatten, machten sich die drei, Sophie in der Mitte von Tom und Cassie, auf den Weg ins Studiowohnzimmer.
David und der Rest der beiden Bands saßen schon auf den ganzen Sitzmöglichkeiten. Als Sophie Bill erblickte, rannte sie schon fast grinsend auf ihn zu. Bill hob sie auf seinen Schoß und lächelte kurz zu Sophies Eltern. Tom ließ sich auf einen Stuhl nieder und zog Cassie auf seinen Schoß. Diese schmiegte sich ein wenig an ihn und schloss müde ihre Augen. Es herrschte ein eisernes Schweigen im Raum, bis Dunja noch eintrat. David klatschte einmal in die Hände, er hatte lächelnd Tom und Cassie beobachtet.
"Dann kann es ja los gehen."
Zögernd wandte er sich zu dem jungen Paar.
"Ich habe schon so einige Anrufe bekommen, wollt ihr euch dazu schon äußern oder lieber noch ein wenig warten?"
Cassie schwieg, sie ließ ihren Blick durch die Runde gleiten. Sue blickte sie nur hasserfüllt an, Franzi hingegen und die Jungs schienen sich für die zwei zu freuen.
"Na ja, vielleicht sollten wir einen Teil der Tour abwarten, ich möchte nicht, dass Cassie oder Sophie irgendetwas passiert."
Cassie blickte verlegen lächelnd auf den Boden. Sie spürte Toms Arme, wie sie sich um ihren Bauch schlangen und sein Kinn auf ihrer Schulter. Die anderen sagten nichts.
"Gut, dann kommen wir doch mal zur Tour. Wir haben noch ein paar Konzerte vorne dran gehängt. Sicherlich habt ihr mitbekommen, dass sich einige Fans beschwert haben, dass es nur wenige Konzerte in Deutschland gibt und so haben wir noch ein paar Hallen für ein Konzert gebucht. Ich hoffe, dass es für euch in Ordnung ist?"
David blickte zu erst zu Bill, dann zu Georg und Gustav und zum Schluss zu Tom. Alle vier nickten mit dem Kopf. Wenn es um die deutschen Fans ging, waren sie eigentlich immer einverstanden. Schließlich waren sie es, die sie so weit gebracht hatten. Für einen Moment war es wieder ruhig im Raum, nur ein leises Klimpern war zu vernehmen, Sophie spielte an Bills Armbändern herum.
Cassie musste grinsen und seufzte leise auf. Tom strich ihr mit einer Hand über den flachen Bauch und hauchte ihr einen Kuss in den Nacken. Eine feine Gänsehaut zog sich über ihren Körper und Tom musste schmunzeln. Cassie hörte Sue irgendetwas vor sich hin murmeln, doch so wirklich interessierte es sie nicht. David setzte wieder zum Reden an.
"Ich habe für Indigo übrigens eine neue Mitarbeiterin eingestellt. Sie wird Dunja ein wenig unterstützen und sie hat ihre Ausbildung in Amerika absolviert, übrigens bei Universal."
Cassie sah zu ihrem Bruder und ihre Lippen bildeten ein Lächeln. Alex hingegen schaute etwas verwirrt.
"USA? Ich dachte, sie wollte nach Frankreich?"
"War sie ja auch, aber die haben sie weiter nach Amerika geschickt, weil sie sie doch nicht gebraucht hatten."
"Und wieso erfahr ich so etwas immer erst, wenn es vorbei ist?"
Vorwurfsvoll blickte Alex seine Schwester an. Es war doch immer das Gleiche mit den Zweien.
"Musst du Lina fragen."
David hatte dem Gespräch verwundert zu gehört.
"Ihr kenn sie schon?"
"Allerdings."
Alex und Cassie schauten David grinsend an. Auch die anderen Mitglieder Indigos nickten mit dem Kopf. Sophie hatte aufgehört mit Bills Armbändern zu spielen und ihren Kopf gehoben. Glücklich lächelte sie zur Tür, doch niemand kam herein. Cassie lachte kurz auf, ehe sie sich zu ihrer Tochter wandte und sie lieb anschaute.
"Schatz, Lina kommt erst in ein paar Tagen, aber sie geht mit dir dann bestimmt auf den Spielplatz und Eis essen, bis dahin musst du dich noch mit uns zufrieden geben."
Sophie nickte lächelnd mit dem Kopf.
"OK, Bill mag bestimmt mit mir gehen und du und Tomi und Alex…"
Cassie nickte nun ebenfalls mit dem Kopf und wandte sich zu David und Dunja.
"Wann kommt Lina denn an, da wollte sie mir nicht sagen."
"So weit ich weiß morgen. So dass ich sie noch ein wenig in die ganzen Sahen einweißen kann."
Cassie blickte nur schweigen zu Franzi, in deren Augen sich Tränen gebildet hatten. Ihre Hände hatte sie zu Fäusten geballt.
"Du hattest also Kontakt zu ihr, ja?"
"Ja, wieso auch nicht. Wir sind beste Freundinnen."
"Ach ja?! Und ich? Ich bin NUR ihre Schwester oder wie?!"
Eine Träne verirrte sich aus Franzis Auge und rann ihr über die Wange.
"Ich weiß es nicht Franzi. Sie wollte mir auch nie den Grund nennen."
"Hat sie dich denn wenigstens immer nach meinem Befinden gefragt, was ich so mache?"
"Ja, jedes Mal wenn wir telefoniert haben und auch in den Mails, die sie mir geschrieben hat. Aber sie weiß nicht, dass du hier bist und mittlerweile auch bei Indigo singst."
Cassie senkte ihren Blick gen Boden. Sie hatte angenommen, Lina hätte sich vor ihrer Anreise bei ihrer kleinen Schwester gemeldet, dem war ha aber nun nicht so. Trotzdem war sie auch der Meinung, dass sie sich daraus halten sollte und dass es eine Sache zwischen den beiden war. Da gerade mal wieder Schweigen im Zimmer war, meldete sich Dunja zu Wort.
"Bevor ich es vergesse, wir werden das erste Album von Indigo schon einmal vorab auf den Konzerten beim Tokio Hotel Merchandisstand verkaufen. So kommt sie dann schon einmal unter die Leute und die CD wird ja dann Mitte der Tour veröffentlicht. Das war es dann auch erst einmal von uns, noch einen schönen Tag."
Dunja und David verließen das Wohnzimmer und ließen die Band alleine.
Cassie stand auf und lief im Zimmer auf und ab.
"Kannst du das nicht machen, wenn du alleine bist?"
Sue sah giftig zu Cassie, diese jedoch ignorierte Sue einfach. Irgendwann blieb sie stehen und lehnte sich an eine Wand. Gedankenverloren strich sie sich mit den Händen über das Gesicht.
"Momi?"
Sophie schaute ein wenig traurig zu ihrer Mutter, sie merkte, dass ihr etwas zu schaffen machte.
"Ja?"
"Was denkst du?"
"Nicht so wichtig."
Cassie ging in die Hocke und ließ sich von ihrer Tochter, die von Bills Schoß gekrabbelt war und zu ihr gekommen war, in den Arm nehmen. Sophies kleine Arme reichten nicht ganz herum und so hob Cassie ihre Tochter hoch und Sophie schlang ihre Arme um ihren Hals.
"Ich geh dann auch mal in mein Zimmer."
Cassie wandte sich zur Tür und verschwand mit Sophie hinaus. Tom blieb noch einige Minuten sitzen. Er spürte einen Blick auf sich ruhen und suchte nach diesem. Als er ihn gefunden hatte, zog er nur eine Augenbraue nach oben. Sue lächelte ihn verführerisch an und spielte mit einer Haarsträhne. Tom schüttelte nur mit dem Kopf, stand auf und verließ ebenfalls den Raum. Mit den Händen in den Hosentaschen machte er sich auf den Weg zu Cassies Zimmer. Als er vor der Tür zum Stehen kam, klopfte er zaghaft an. Ein leises 'Ja' drang zu ihm heraus und er öffnete die Tür, so dass er eintreten konnte. Schweigend ließ er sich neben Cassie, die Sophie beim Malen zuschaute, auf das Bett nieder. Ihr Blick verschleierte sich und sie lehnte sich an Tom, der sofort einen Arm um sie legte. Eine ganze Weile schwiegen sie vor sich hin.
"Weißt du, Lina war kein Wunschkind, um genau zu sein ist sie bei einer Vergewaltigung entstanden und auch wenn Franzi nur ein Jahr jünger ist, sie war ein Wunschkind. Lina hat das immer zu spüren bekommen. Irgendwann hat Franzi es auch bemerkt und sich gegen dieses Lieblingskind sein gewehrt. Franzi liebt ihre Schwester, sie hat ihr immer alles anvertraut, aber Lina kam nie damit zu recht, dass sie immer nur die zweite Geige spielte, egal wie sehr sie sich angestrengt hatte, es war nie gut genug. Franzi weiß nicht, dass Lina ein Vergewaltigungskind ist und sie weiß auch nicht, dass Lina sich eigentlich ein neues Leben ohne ihre Familie aufbauen wollte. Ich war in den letzten zwei Jahren oft davor Franzi alles zu erzählen, aber Lina war und ist und wird auch immer meine beste Freundin bleiben. Natürlich verbindet mich mit Franzi auch etwas, eine Freundschaft auf geschwisterlicher Ebene, aber eben nur eine Freundschaft. Aber wenn Lina morgen ankommt, wird sie Franzi gar nicht erkennen, auf der einen Seite, weil sie sich so verändert hat, auf der anderen, weil sie sie nicht erkennen will."
Cassie hatte leise gesprochen, so dass Tom es gerade so verstehen konnte. Sie wollte nicht, dass Sophie es mit bekam und es eventuell sogar verstehen würde. Sie war noch zu klein für solch ein Geschehen.
Tom wusste nicht, was er dazu sagen sollte und so schwieg er lieber. Er legte seinen Zeigefinger unter Cassies Kinn und drehte ihren Kopf so, dass sie ihn ansehen musste. Liebevoll strich er ihr über die rechte Wange, berührte mit seinen Lippen die andere Wange und schmiegte dann seine rechte leicht an ihre linke. Ein paar Tränen waren Cassie aus den Augen getropft. Froh, dass Tom einfach nur da war, schlang sie ihre Arme um seinen Nacken und drückte sich an ihn. Tom strich ihr beruhigend über den Rücken. Seinen Blick hatte er auf die Kleine gerichtet, noch hatte sie nicht gemerkt, dass eine ernste Stimmung im Raum lag und Cassie an den gesagten Worten zu knabbern hatte. Cassie hob ihren Kopf von Toms Schulter und ihre Wangen berührten sich für einen Moment.
"Danke…"
Nur ein Hauchen hatte ihre Lippen verlassen und sie löste bei Tom eine Gänsehaut aus. Er liebte dieses Gefühl.
"Ich liebe dich Cassie."
Die zwei sahen sich eine ganze Weile schweigend an, ehe sie in einen leidenschaftlichen Kuss versanken. Sophie beobachtete dies alles lächelnd und wandte sich dann wieder glücklich ihrem Bild zu.

Kapitel 11

Der Nachmittag verlief ruhig. Cassie und Tom lagen aneinander gekuschelt auf ihrem Bett. Sophie malte seelenruhig Bild für Bild vor sich hin. Sie wusste schon, was sie mit den ganzen Bildern, man sollte es vielleicht lieber viel buntes Gekritzel auf weißem Papier nennen, machen wollte.
Auch die anderen jungen Erwachsenen hatten sich in ihre Zimmer zurückgezogen. Franzi lag auf ihrem Bett, die Hände krallten sich krampfhaft im Bettlaken fest. Das Kopfkissen war schon total durchnässt und Franzi wusste nicht, was sie denken sollte. Vielleicht sollte sie noch einmal mit Cassie reden. Als sie mit ihren Händen über ihr Gesicht strich, verschmierte sie ihre ganze Schminke über ihr Gesicht. Noch einmal schniefte Franzi, ehe sie sich erhob und auf de Weg zu Cassies Zimmer machte. Sie klopfte an und öffnete sofort die Tür.
"Du, Cassie, ich glaube wir…"
Franzi brach ab, als sie Cassie und Tom im Bett liegen sah. Cassie hatte sich ein wenig aufgerichtet und stützte sich mit den Armen ab.
"Tschuldigung, wollte nicht stören."
Sie drehte sich um und verschwand wieder aus dem Zimmer. Die junge Mutter murmelte etwas vor sich hin, was sich wie 'Du störst nicht.' Anhörte.
"Was glaubst du, wollte sie?"
"Wegen Lina, sie glaubt mir nicht."
"Hmm, das ist natürlich nicht so toll."
"Na ja, ich werde trotzdem nichts sagen, dass ist ihre Sache."
Cassie kuschelte sich wieder in Toms Arme und schloss ihre Augen. Tom strich ihr liebevoll über den Rücken. Sophie blickte zu ihren Eltern, ließ ihre Stifte auf den Boden fallen und krabbelte zu ihren auf das Bett. Ein wenig unsanft drückte sie sich zwischen Cassie und Tom und grinste dann glücklich vor sich hin.
Die dreisame Ruhe wurde von einem Klingeln unterbrochen. Cassie und Tom schauten sich kurz an, ehe sie sich dann vom Bett erhoben. Sophie war eingeschlafen.
"Wer ist das?"
Tom zuckte ratlos mit den Schultern, tastete nach ihrer Hand und zusammen machten sie sich auf den Weg an die Tür. Die anderen waren schon vor jener und um jemanden versammelt. Cassie erkannte einen dunklen Haarschopf und fing sofort an zu lächeln. Sie löste ihre Hand von Toms und drängte sich durch dir anderen hindurch.
"´Lina!"
"Cassie!"
Die zwei fielen sich lachend in die Arme. Alex schlug theatralisch die Hände über dem Kopf zusammen. Sie taten ja gerade so, als ob sie sich eine halbe Ewigkeit nicht mehr gesehen hätten.
"Leute, ihr habt euch gestern gesehen und ihr benehmt euch so, als ob ihr euch das letzte Mal an Linas Abflug gesehen hättet."
Cassie und Lina sahen sich nur grinsend an und zuckten dann gleichgültig mit den Schultern.
"Wo ist denn Sophie, Cassie?"
"Die schläft."
Lina nickte mit dem Kopf und folgte ihrer besten Freundin, als diese sich zurück zu Tom drängte, ihre Hand in seine legte und sich die beiden nach unten ins Wohnzimmer begaben. Cassie hatte Franzis Blicke gesehen, nicht nur sie, sondern auch Lina hatte sich ein wenig verändert.
"Das ist also vorerst mein neues Zuhause, ja."
Die drei hatten sich auf die Sofas gesetzt und Cassie wartete darauf, dass die Tür aufging und die anderen hereinkamen. Es dauerte nicht lange bis die anderen samt Bill, Gustav und Georg eintraten und sich ebenfalls setzten. Franzi blieb an der Tür stehen und zog so Lina Blick auf sich. Ein wenig verwundert schaute Lina zu Franzi.
"Hallo Lina, nett dich auch mal wieder zu sehen."
Fragend hob Lina eine Augenbraue, sie hatte keine Ahnung wer das war oder wollte sie vielleicht einfach keine Ahnung haben? Aber Cassie hätte ihr das doch sicherlich erzählt, immer hin waren sie beste Freundinnen und das schon seit der Krabbelgruppe. Trotzdem suchte Lina Franzis Hals mit ihrem Blick ab und fand schlussendlich das, was sie eigentlich nicht finden wollte. Sie schluckte kurz, ehe sie ihren Blick wieder hob und Franzi in die Augen sah.
"Hallo Franziska, schön Leben ohne mich gehabt?"
Keine Emotionen, keine Anzeichen darauf, wie überrascht oder verwundert Lina war, ihre Schwester hier anzutreffen.
"Nein, du denn ohne deine Familie?"
"Allerdings, ja. Und es hätte ruhige auch so bleiben können."
Lina ließ ihren Blick kurz zu Cassie schweifen, die nur beschämt zur Seite schaute und ein paar aufkommende Tränen unterdrückte. Nach einer Weile richtete Cassie ihren Blick auf das Fenster. Die Dämmerung war schön längst angebrochen. Ein helles Rot tauchte Hamburg in ein anderes Licht.
"Ich geh dann mal zu Sophie."
Cassie stand auf, beugte sich ein wenig zu Tom herunter und drückte ihm sanft ihre Lippen auf seine. Dann wandte sie sich zu Alex, hauchte ihm einen Kuss auf die Wange und drehte sich zu Lina. Zögerlich ging sie auf sie zu und gab auch ihr einen Kuss auf die Wange. Ohne sich noch einmal umzudrehen, verließ Cassie das Zimmer, stieg die Wendeltreppe nach oben und verschwand in ihrem Zimmer. Sophie lag noch immer auf Cassies Bett und schlief. Die junge Mutter zog ihrer Tochter die Klamotten aus, steckte sie in einen Schlafanzug und legte sie vorsichtig in ihr eigenes Bett. Noch die Bettdecke über Sophie gelegt und Cassie konnte sich nachdenklich auf ihren Sessel fallen lassen. Sie saß zwischen zwei Stühlen. Auf der einen Seite war Franzi und die Band, auf der anderen Lina, ihre beste Freundin. Aber Cassie wusste nicht, was sie machen sollte, aber sie wusste, wenn sie nichts tat, würde es nur noch schlimmer werden. Sie brauchte unbedingt jemanden zum Reden, aber Tom wollte sie nicht noch mehr damit belasten und Alex war ja eigentlich in der gleichen Situation wie sie und er wusste über Linas Geschichte nicht bescheid. Blieb nur noch Bill, von ihm wusste sie zumindest, dass er auch etwas für sich behalten konnte, wenn man ihn darum bat. Gustav und Georg kannte sie für so ein Problem noch nicht gut genug.
Cassie knete nervös ihre Hände. Immer noch war sie ratlos. Nach einer halben Ewigkeit erhob sie sich vom Sessel und verließ leise, sie wollte ihre Tochter ja nicht aufwecken, das Zimmer. Mit langsamen Schritten begab sie sich nach unten in die Bandwohnung der anderen. Intuitiv steuerte Cassie das Zimmer neben Toms an und als sie anklopfte, öffnete ihr Bill. Er lächelte sie lieb an und ließ sie eintreten.
"Mach es dir bequem, willst du was trinken?"
Cassie setzte sich kerzengerade auf einen Sessel und sah sich um.
"Gerne, vielleicht eine Cola?"
Bill stellte zwei Gläser auf den kleinen Glastisch, der zwischen zwei schwarzen Sesseln stand. Bevor er sich auf den anderen Sessel setzte, goss er in jedes der Gläser Cola ein.
"Ich hab mir schon gedacht, dass du noch kommst."
"Und ich hab mit gedacht, dass du dir das denkst und hab mich aufgerafft um zu kommen."
Die zwei grinsten sich belustigt an, wurden dann jedoch sofort wieder ernst.
"Magst du mir sagen, was los ist?"
"Na ja, Tom hat dir sicherlich schon das von Lina erzählt oder?"
Cassie blickte Bill an und spielte nervös mit einer Haarsträhne. Bill nickte ihr nur schweigen zu. Das war schon komisch wie sie sich nach nur wenigen Tagen schon kannten, fast so, als würden sie sich schon ewig kennen oder sich schon einmal gekannt haben.
"Gut, dann kann ich den Teil ja schon einmal weglassen."
Die junge Erwachsene atmete erleichtert aus und machte es sich nun auf dem Sessel bequem. Bill trank einen Schluck aus seinem Glas.
"Ok, also, ich weiß nicht… halte ich zu Franzi und somit zur Band, setzte ich meine Freundschaft zu Lina aufs Spiel, halte ich aber zu Lina, verrate ich so gesehen die Band. Ach man! Das ist doch alles scheiße!"
Cassie war aufgestanden und schlug nun mit der geballten Faust gegen die Wand. Von neben an drangen Geräusche herüber und eine Tür knallte, dass ging Bills auf.
"Bill, alles…"
Tom blickte zu Cassie, die wie versteinert neben der Wand stand. Sie hatte wohl die falsche Wand gewählt. Ein wenig Blut tropfte auf den Boden. Der Schlag war zu hart für die zierliche Hand gewesen.
"Cassie, was machst du da?"
Bill war währenddessen aufgestanden und reichte Cassie ein Taschentuch. Jene nahm das Tempo dankend an und tupfte über die kleine Wunde. Ihr Gesicht bekam wieder ihre normale Farbe und Cassie ließ sich auf den Boden gleiten. Tom war sofort bei seiner Freundin und kniete sich neben sie. Die erste Träne fand ihren Weg auf den Boden. Eine zweite folgte, eine dritte und viele mehr ebenso. Sanft zog Tom Cassie in eine Umarmung, strich ihr liebevoll über Haare und Rücken, dich Cassie wollte sich einfach nicht beruhigen. Zu lange saß alles tief in ihr und kam nicht heraus. Aber das es jetzt passierte, wo sie eh schon vor der entscheidenden Frage stand, brachte sie noch mehr durcheinander.
Nach einer Weile waren auch die letzten Tränen getrocknet und die zwei erhoben sich vom Boden. Bill saß auf dem Sesseln und hatte wie auch Cassie und Tom geschwiegen.
"Wieder gut?"
Tom strich seiner Freundin, die ihm kurz zu lächelte, eine Strähne hinter das Ohr und hauchte ihr einen Kuss auf die Wange. Der schwarzhaarige besah alles mit einem Lächeln. Im Grunde genommen wusste er schon immer, dass Tom so war wie er selbst. Bill freute sich für Tom, vor allem aber für Cassie, dass sie endlich jemanden hatte, der ihr den nötigen Halt gab. Ganz in seinen Gedanken hatte Bill gar nicht gemerkt, wie er fragend von zwei jungen Erwachsenen gemustert wurde.
"Bill! Wo bist du schon wieder mit deinen Gedanken?"
Überrascht sah Bill auf, grinste dann frech zu den zweien.
"Bei euch, wieso? Ging es um was Wichtiges?"
Cassie und auch Tom schüttelten kurz ihren Kopf. Tom beugte sich zu Cassie herunter und legte sachte seine Lippen auf ihre und übte ein wenig Druck aus.
"Ich geh dann wieder, wollte euch ja nicht stören."
Er lächelte noch einmal lieb zu seiner Freundin, nickte seinem Bruder zu und verschwand aus dem Zimmer. Cassie ließ sich wieder auf den Sessel gleiten und trank einen Schluck. Dann sah sie ein wenig beschämt auf.
"Tut mir leid."
"Kein Problem, wer weiß, vielleicht sollte es so kommen. Aber kommen wir lieber zu deinem Problem zurück. Ich denke, du weißt, dass es eine Sache zwischen den zweien ist und du nicht sonderlich viel ausrichten kannst. Eventuell solltest du mit Lina reden, aber mehr nicht. Wie lange kennst du Lina schon? Wahrscheinlich fast dein Leben lang. Meine Meinung, erkläre ihr alles in Ruhe und sag ihr, du stehst hinter ihr."
Cassie schwieg. Sie dachte über Bills Worte nach. Hatte sie nicht selbst auch so gedacht? Wieso aber war sie dann hier? Vielleicht, weil sie bestärkt werden wollte bei dem, was sie vor hatte. Irgendwann nickte sie mit dem Kopf. Ihre Lippen formten sich zu einem kleinen Lächeln und ehe sie Bills Zimmer verließ, drückte sie ihn kurz an sich und hauchte ihm einen Kuss auf die Wange.
"Danke Bill, du warst mir eine große Hilfe."
Zufrieden sah Bill Cassie hinterher. Er war sich ganz sicher sie schon einmal getroffen zu haben. Cassie dachte nicht im Geringsten an so etwas, sie nannte es einfach Schicksal. Bevor sie wieder in ihr Zimmer gehe wollte, wollte sie noch einmal kurz bei Tom vorbei schauen. Leise klopfte sie an die Tür und trat ein. Tom lag schon in seinem Bett und blickte überrascht zu Cassie, als diese hereingekommen war.
"Hey."
Cassie trat an Toms Bett und setzte sich auf die Bettkante. Zärtlich fuhr sie seine Gesichtskonturen nach.
"Na, alles wieder klar bei dir?"
Zur Bestätigung legte sie sachte ihre Lippen auf seine. Von draußen drang ein Donner in das fast dunkle Zimmer. Cassie hoffte, dass ihre Tochter tief uns fest schließ, doch die sollte nur hoffen. Kurz darauf ging die Tür auf und das kleine Mädchen trat ein.
"Momi? Ich kann nicht schlafen, ich hab Angst."
"Na komm her, Süße."
Cassie hob ihre Tochter auf ihren Schoß und wiegte sie ein wenig hin und her. Es dauerte nicht lange und Sophie war wieder eingeschlafen, draußen begann es nun richtig zu gewittern. Tom strich seiner Tochter über die Wange und richtete sich dann auf. Behutsam legte er seine Arme von hinten um Cassie und seinen Kopf auf ihre Schulter.
"Hattest du früher auch Angst bei Gewittern?"
"Ja, ich bin dann immer zu Alex ins Bett gekrabbelt, der hat mich erst mal ausgelacht und mich dann in den Arm genommen, so sind wir dann wieder eingeschlafen."
"Wie süß… Bill hatte auch immer ein wenig Angst und hat mich so lange wach gehalten bis es weg war oder er hat auch bei mir im Bett gelegen und geschlafen, aber das ist schon Ewigkeiten her. Damals waren wir noch Kleinkinder, vielleicht so alt wie Sophie."
Cassie lächelte nur, so etwas hatte sie sich schon gedacht. Sie legte Sophie vorsichtig auf das große Bett und kuschelte sich an Tom, dieser gab ihr ein paar Küsse in den Nacken. Mit seinen Händen strich er ihr über den Bauch und schob ihr Shirt ein wenig hoch. Dann seine Hände fanden den Weg unter ihr Shirt.
"Tom…"
"Hmm…"
"Hier ist ein kleines Kind."
Cassie entzog sich Toms Streicheleinheiten und drehte sich um, so dass sie sich auf seinen Schoß setzten konnte.

Kapitel 12

Draußen gewitterte es noch immer und auch Regen hatte eingesetzt. Immer wieder erhellte ein Blitz das Zimmer, was Cassie und Tom jedoch nicht störte. Sie hatten gerade da weiter gemacht, wo Tom aufgehört hatte, als Cassie sich von ihm gelöst hatte. Sophie schlief tief und fest. Sie hatte eine Zipfelecke der Bettdecke in ihren kleinen Händen und drückte sie fest an sich.
Durch Zufall fiel Cassies Blick auf ihre Tochter und für einen Moment verfing sie sich in ihren Gedanken. Tom bemerkte dies natürlich und stupste Cassie an.
"Hee, Cassie, nicht ablenken lassen."
Irritiert schaute Cassie zu ihrem Freund. Sie hatte gerade keine Ahung, worum er geht. Sie ließ ihren Blick wieder zu ihrer Tochter gleiten und ein seliges Lächeln schlich sich auf ihre Lippen. Der Hopper folgte ihrem Blick und auch er musste unweigerlich lächeln.
"So habe ich früher auch geschlafen. Meine Eltern haben Fotos davon gemacht."
Tom wandte seinen Blick zu Cassie und hauchte ihr einen Kuss auf die Wange.
"Die musst du mir unbedingt mal zeigen."
"Wenn wir wieder mal in Frankfurt sind…"
Die junge Mutter schlang ihre Arme um Toms Oberkörper und drückte sich an ihn. Sie fühlte sich in seiner Nähe so wohl, so geborgen und behütet. Mit der Zeit wurden ihre Augenlider müder und sie merkte, wie sie langsam wegdämmerte.
Unsanft wurde Cassie in den Bauch getreten. Es fühlte sich genauso an wie damals, als Sophia ihr immer gegen den Bauch getreten und geboxt hatte. Müde öffnete die blonde ihre Augen und erblickte ihre Tochter, wie sie im Schlaf nach ihr trat. Das Morgenrot schimmerte durch das Fester und Cassie sah sich um. Sie war eindeutig nicht in ihrem Zimmer, jedoch konnte sie Tom nirgendwo sehen. Da ihre Tochter noch immer nach ihr trat, hielt sie vorsichtig die Beine der Kleinen fest und redete ihr gut zu. Zu ihrem Glück half dies auch und sie konnte beruhigt aufstehen. Mit einem kurzen Blick zu Sophie verließ sie das Zimmer und drückte leise die Türklinge von Bills Zimmer hinunter. Ein liebes Lächeln umspielte ihre Lippen, als sie Tom und Bill in dessen Bett vorfand. Sie erinnerte sich an gestern, sie musste wohl bei Tom im Arm eingeschlafen sein und dieser hatte sie dann in sein Bett gelegt. Anscheinend hatte er es zu eng gefunden und war zu seinem Bruder gegangen. Cassie schritt zum Fenster und zog die Vorhänge weg.
"Guten Morgen ihr zwei… sicher, dass die ganzen Twincest-Fanfictions nicht doch wahr sind?"
Bill, wie auch Tom saßen sofort kerzengerade im Bett und starrten das zierliche Mädchen an. Ihre Augen fingen an zu leuchten und Cassie brach in ein schallendes Lachen aus. Es wirkte so fröhlich und glücklich, was sie in diesem Moment eindeutig auch war. Nachdem sie sich wieder beruhigt hatte, setzte sie sich auf die Bettkante und drückte Tom ihre Lippen auf die seine. Bill ließ sich zurück in das weiche Kissen fallen und drehte sich zur Wand hin. Das brauchte er so früh morgens noch nicht.
"Na los, aufstehen ihr zwei Schlafmützen."
"Cassie…"
Bills Stimme klang wehleidig. Er war fast schon wieder am schlafen.
"Es ist noch nicht mal zehn…"
"Ich weiß, aber ich bin jetzt wach…"
"Was ist denn das für ein Argument?"
Tom blickte seine Freundin fragend an und zog sie ruckartig zu sich.
"Na, ein super tolles, findest du nicht?"
Lächelnd spielte sie mit einer Haarsträhne.
"Leute! Das ist mein Zimmer, hier treib ihr es mir nicht! Außerdem bin ich auch noch hier im Raum! Das wäre widerlich!"
Cassie musste unweigerlich wieder anfangen zu lachen, zog Tom an den Händen vom Bett und hinter sich her in sein Zimmer. Sophie saß munter auf Toms Bett und sang irgendetwas vor sich hin. Als sie ihre Eltern erblickte, fing sie an zu strahlen und rannte förmlich auf sie zu. Ihre Mutter nahm sie auf den Arm und drückte ihr einen Kuss auf die Wange, ebenso Tom. Dann ließ sie sich wieder auf den Boden setzten und rannte in Bills Zimmer. Cassie und Tom vernahmen nur noch ein genervtes Stöhnen, ehe sich die Tür zu Toms Zimmer hinter ihnen schloss und verschlossen wurde.
Tom zog Cassie zu sich und küsste sie sanft auf die Lippen. Seine Finger spielten mit ihrem T-Shirtsaum. Cassies Hände glitten über seinen nackten Oberkörper und verfingen sich dann in seinen offenen Dreadlocks. Als sie sich kurz von einander lösten, um für einen Moment einzuatmen, schob Tom Cassies Shirt ein Stück nach oben und zog es ihr schlussendlich aus. Ihre Lippen fanden wieder den Weg zueinander, ebenso ihre Zungen, die sich immer wieder gegenseitig neckten, bevor sie in ein leidenschaftliches Spiel versanken. Tom strich Cassie sachte die Seite entlang und der jungen Erwachsenen entwich ein wohliger Seufzer.
"Das hast du damals schon geliebt…"
Es war nur ein Nuscheln, was zwischen zwei Küssen hervorkam, brachte Cassie jedoch zum Lächeln. Das er sich daran noch erinnern konnte, war für sie unerklärlich. Tom drehte die zwei um, so dass nun Cassie gegen die Tür gelehnt stand. Er drückte sie ein Stück weiter dagegen und stellte sich zwischen ihre Beine. Da er so wieso nur in Boxershorts geschlafen hatte und eben nur diese anhatte, fand er, war es an der Zeit, Cassie nun ebenfalls ihrer Hose zu entledigen. Mit einem geschickten Griff hatte er ihr die schwarze Jogginghose von den Hüften gezogen und diese lag nun auf dem Boden. Cassie streifte sie sich von den Füßen und schlang ein Bein um Toms Hüfte.
Schweigend sahen sie sich an. Das Verlangen war eindeutig in ihren Augen zu sehen und Tom merkte schon eine leichte Regung bei sich.
"Es ist nicht mal zehn Uhr und du bist putzmunter."
Cassie grinste ihren Freund frech an und spielte wieder ein wenig verführerisch mit einer Haarsträhne.
"Tja, woran das wohl liegt."
Auch Tom grinste frech zu seiner Freundin und versiegelte ihre Lippen mit seinen. Seine Hände strichen ihre BH-Träger von den Schultern und öffneten den Verschluss. Der BH fand den gleichen Weg auf den Boden, wie das Shirt und die Hose. Als auch seine Boxershorts und ihr Tanga auf dem Boden lagen, löste Tom sich von Cassie und kramte aus seinem Nachtschrank ein Kondom heraus. Cassie schnappte es sich und zog Tom wieder zu sich. Verlangend drückte sie ihre Lippen auf seine und stupste mit ihrer Zunge gegen seine, die auf das Spiel liebend gerne einstieg. Mit ihren Fingernägeln und der Kondomverpackung kratzte sie Tom über den Rücken, was ihn zum Aufstöhnen brachte. Auch wenn es ihm ein wenig wehtat, erregte ihn das gerade noch viel mehr.
Hart drückte er Cassie gegen die Tür und massierte mit seinen Händen ihre Brüste.
"Hoffentlich…"
Cassie wurde von einem Kuss unterbrochen und auch ihre weiteren Versuche etwas zu sagen, scheiterten kläglich. Toms Erregung war deutlich zu spüren und auch Cassie merkte dies an ihrem Oberschenkel. Frech grinste sie in einen Kuss hinein und ließ eine Hand nach unten gleiten. Vorsichtig umschloss sie sein Glied und fing langsam an ihre Hand zu bewegen. Tom entwich ein Stöhnen, was jedoch durch einen Kuss von Cassie unterbrochen wurde. Mit der Zeit wurde er immer mehr machtlos über seinen Körper und seine Hände ruhten in Cassies Haare. Seine Lippen jedoch saugten sich an Cassies Hals fest und erst nachdem ein gelungener Knutschfleck dort prangte, ließen sie ab um sich einen Weg über Cassies Gesicht zu ihren Lippen zu suchen.
Nach einer Weile blieb Cassie mitten in ihren Bewegungen stehen und blickte Tom einfach nur an. Ihr Blick sagte nichts aus, was Tom noch mehr aus der Bahn warf.
"Was…"
Toms Verstand schwand immer mehr und er wusste selber nicht, was ihn so machtlos machte. War das die Liebe, von der er immer gedacht hatte, dass es sie nicht gibt? Dieses Gefühl von Wärme, von Geborgenheit, von Zufriedenheit? Es schüttelte seinen Kopf um die Gedanken los zu werden. Er vernahm ein Rascheln und spürte, wie ihm etwas über seine Erregung gestülpt wurde. Dann schlang sich ein Bein um seine Hüfte und wie von selbst drang er in Cassie ein.

Kapitel 13

Eng aneinander gekuschelt lagen Cassie und Tom auf seinem Bett und von einer weißen Decke wurden sie umhüllt. Ein Klopfen durchbrach die zweisame Ruhe und Tom stöhnte genervt auf. Er schlug die Decke weg, stand auf, zog sich eine Boxershorts an und öffnete die Tür. Seine Tochter stand an der Tür und sah ihn mit großen Augen an.
"Ist Momi auch da?"
"Die liegt im Bett."
Tom ging in die Hocke und nahm die Kleine auf den Arm. Zusammen mit ihr ging er zurück zum Bett. Der Tür hatte er mit dem Fuß einen Tritt gegeben, so dass sie zufiel. Währendessen war Cassie ebenfalls schnell in ihre Unterwäsche geschlüpft. Sophie wand sich in Toms Armen und wurde runter gelassen. Sie hüpfte ein wenig auf dem Bett herum und setzte sich dann auf den Schoß ihrer Mutter.
"Momi, David sagt, wir müssen packen…"
Cassie, die ihrer Tochter über den Kopf gestrichen hatte, hielt in ihren Bewegungen inne.
"Ohh… hat er dir auch gesagt wieso?"
Die Kleine wurde von ihr auf das Bett gesetzt. Während sie ihre Klamotten zusammen suchte und sie anzog, blickte sie zu ihrer Tochter.
"Nöö… doch, er will heute wegfahren… Momi, wo fahren wir denn hin?"
Die junge Mutter stöhnte genervt auf. Sie lehnte sich an die Wand hinter ihr und ließ sich an ihr hinunter gleiten. Sophie blickte ihre Mutter ratlos an und hüpfte dann vom Bett. Als sie sich neben ihre Mutter setzte, sah sie eine kleine Träne aus dem Augenwinkel herausrollen. Mit ihrer kleinen Hand strich sie diese weg und schaute Cassie fragend an.
"Ach Sophie… du willst gar nicht wissen, wo wir jetzt hin fahren…"
"Muss ich zu Oma und Opa?"
Das Entsetzten war Sophie eindeutig in das Gesicht geschrieben.
"Nein mein Schatz, du kommst mit… weißt du, ich hab dir doch mal erzählt, dass wir mit Bill, Tom, Gustav und Georg auf Tour fahren nicht wahr?"
Sophie nickte schweigend.
"Und da müssen wir jetzt früher los, weil noch ein paar neue Konzerte dazu gekommen sind."
"Aber… aber… hast du nicht versprochen, mit mir noch ein wenig zu unternehmen in Hamburg."
"Ja…"
Cassies Stimme war brüchig und sie merkte, wie sie nun endgültig versagte. Tom ließ sich auf der anderen Seite von Cassie nieder und legte einen Arm um sie. Traurig lehnte sie sich an ihn und schloss ihre Augen.
"Sophie, wie wäre es denn, wenn wir in Paris ein wenig was unternehmen? Wir sind in nächster Zeit zur Tourprobe dort in der Nähe und haben sicherlich auch ein paar Tage frei."
Sophies Augen wurden groß, Paris, davon hatte ihre Mama schon einmal erzählt.
"Wir? Du, Momi und ich ja? Wie eine Familie."
Das leuchten aus Sophies Augen wurde immer mehr und ihr ganzes Gesicht strahlte.
"Wie eine Familie."
Auch Cassies Lippen zierte ein kleines Lächeln. Sie löste sich sachte von Tom und strich ihrer Tochter über die Haare. Mühsam erhob sie sich und hob Sophie hoch auf ihren Arm.
"Dann lassen wir den Daddy doch mal packen hm…"
Ihre Tochter nickte mit dem Kopf und blickte zu Tom. Sie spitze ihren Mund zu einem Kussmund und Tom streckte ihr lächelnd seine Wange hin. Bevor die zwei jedoch das Zimmer verließen, drückte er Cassie seine Lippen auf ihre.
Die Tür schloss sich inter den zweien und Cassie blickte nachdenklich zu Bills Zimmer.
"Momi, Bill packt auch schon."
"Ach so, dann ist ja gut… dann lass uns mal hoch gehen und noch ein bisschen von unseren Sachen packen."
Cassie ließ ihre Tochter auf den Boden, diese rannte auch gleich zur Treppe und stieg diese langsam nach oben. Ihre Hand klammerte fest am Geländer fest. Ihre Mutter stieg hinter ihr die Stufen nach oben. Im Zimmer angekommen, öffnete Cassie die Kleiderschranktür und begutachtete die Klamotten, die sie darin vorfand. Das meiste war ja schon in den Taschen verstaunt, von ihrem hastigen Aufbruch nach Hause. Wehmütig kramte Cassie eine weitere große Tasche unter dem Bett hervor und fing an die restlichen Sachen einzuräumen. Sophie spielte derweil mit ein paar Spielsachen.
"Schatz, was willst du denn für Spiele mit nehmen?"
Die blonde Frau saß mittlerweile auf dem Boden und hatte ihrer Tochter eine Weile beim Spielen zu gesehen. Sophie brachte Spiel nach Spiel zu ihrer Mutter, diese packte die Spiele in die Tasche, in der noch ein wenig Platz war, ein.
"Sophie, hat David auch erwähnt, wann wir losfahren?"
"Weiß nicht so genau, er meinte, so schnell wie möglich."
Cassie ließ einen kurzen Schrei von sich. Das konnte sich ja dann nur noch um Stunden handeln. Sophie musste grinsen, sie wusste genau, was ihre Mutter gerade dachte.
"Ich bring die Sachen mal raus zum Bus."
"Momi, schlafen wir bei Bill und Tom?"
"Honey, ich weiß nicht ob das geht… aber ich kann ja mal David fragen."
Die Kleine war schon wieder in ihren Spielsachen vertieft und bekam noch nicht einmal mit, wie Cassie Tasche für Tasche raus brachte. Die letzte Tasche ließ sie auf den Boden fallen und setzte sich darauf. Ihren Kopf stützte sie mit ihren Händen ab und starrte genervt in der Gegend herum. Saki und Tobi waren dabei, die Koffer in die Tourbusse zu packen.
"Los Cassie, ich will wenigstens schon mal das ganze Zeugs hier weghaben, wenn die anderen kommen…"
"Hmm…"
Cassie blickte Saki nur mit großen Augen an, sie hatte keine Ahnung was er von ihr wollte. Als er dann jedoch auf die Tasche zeigte, verstand sie sofort und erhob sich. Und auch erst jetzt bemerkte sie, dass Saki ihre ganzen Taschen in einen Tokio Hotel Tourbus verstaut hatte.
"Ähh… Saki? Wieso sind meine Sachen in 'nem TH-Tourbus?"
"Na, wie David gesagt hat, dass du und Sophie bei Bill und Tom schlafen werdet. Alex und öhh, na, dieses neue Mädchen… Lina, richtig? Die zwei schlafen auf alle Fälle bei Georg und Gustav, die anderen vier in eurem Tourbus."
"Na super…"
Sie legte ihren Kopf in den Nacken und starrte den blauen Himmel an. Da würde sie ja kein Auge zu bekommen. Wenigstens würde ihre Tochter die Tour über glücklich sein.
"Vielleicht könntest du deinen Bandmitgliedern mal Feuer unter dem Hintern machen. Die Jungs haben ihre Sachen ebenfalls schon alle raus gebracht nur deine lieben Bandmitglieder nicht."
"Lieb trifft es wohl sehr gut… ich tu mein bestes. Bis dann Saki. Tschüss Tobi."
Sie wank den beiden noch einmal kurz zu und machte sich auf den Weg in die Bandwohnung. Laut klopfte sie an das erste Zimmer. Ein verschlafener Basti öffnete ihr die Tür. Er hatte nicht sonderlich viel an und Cassie verdrehte nur ihre Augen, als dieser sie verschmitzt anschaute.
"Einsam?"
"Vergiss es Basti, das haben wir doch schon geklärt. Ich soll nur von Saki bescheid geben, dass ihr doch bitte die Koffer zum Tourbus bringt."
"Ach so, schade… aber falls du es dir noch einmal anders überlegst… du weißt ja, wo du mich findest."
Basti grinste Cassie noch einmal frech an, ehe er die Tür schloss um sich anzuziehen und seine Sachen fertig zu packen. Cassie ging zum nächsten Zimmer und klopfte auch da an. Sue öffnete ihr und blickte sie nur giftig an.
"Was willst du Schlampe?"
Cassie überhörte Sues Bemerkung und ihren abfälligen Ton.
"Du sollst deine Sachen zum Tourbus bringe."
Ohne noch weiter etwas zu sagen, wandte Cassie sich von Sue ab und ging zum nächsten Zimmer. So ging es weiter bis sie schlussendlich vor Linas Tür stand. Mit einem mulmigen Gefühl klopfte sie an die Tür und nachdem sie herein gebeten wurde, trat sie ein.
"Lina, ähm… also… ich soll eigentlich nur bescheid geben, dass du deine Koffer bitte runter zu Saki und Tobi bringen sollst…"
Fragend schaute Lina ihre beste Freundin an.
"Wer sind die denn?"
"Oh, das weißt du ja noch gar nicht. Bodyguards von den Jungs… Tobi wird auch ein wenig für uns zuständig sein, aber erst mal werden wir ja sicherlich keine brauchen."
"Ach so, ok…"
Lina wandte sich von Cassie ab, sie war immer noch ein wenig sauer.
"Man Lina! Mach es mir doch nicht noch schwerer, als es so schon ist!"
"Ich soll es dir schwer machen? Du hast mich belogen Cassie!"
"Ich weiß und es tut mir auch sehr leid, aber ich wusste einfach nicht, was ich machen sollte… Franzi ist für mich wie eine Schwester! Sie hat wirklich darunter gelitten…"
"Ach ja? Und was denkst du, wie es mir wohl geht, he? Und außerdem, was willst DU mir damit sagen?! Dass du zu Franzi hältst oder was?"
"Nein! Aber das müsstest du ja wohl mittlerweile wissen oder? Verdammt Lina, wir haben schon so ganz andere Situationen gemeistert! Erinnerst du dich, als wir noch klein waren und wir wegen des Jobs meines Vaters für mehr als ein Jahr nach Magdeburg mussten? Was hat es an unserer Freundschaft geändert? Nichts oder? Es hat uns noch viel mehr zusammen geschweißt! Warum verstehst DU mich nicht… auf der einen Seite steht die Band, die sind so wieso alle grade nicht nett zu mir, weil Sophie mit auf Tour kommt und dann bist du da auf der anderen. Glaubst du, für mich ist es einfach? Ich habe dir immer gesagt egal was kommt, ich werde hinter dir stehen und ich habe es immer ernst gemeint, aber wenn du mir jetzt so dumm kommst, dann werde ich mir das noch mal sehr gut überlegen!"
Cassie schenkte Lina einen letzten Blick, ehe sie die Tür hinter sich zu knallte und schnurstracks den Weg zu Bills Zimmer einschlug. Ohne groß anzuklopfen, trat sie ein. Bill saß gerade an seinem Tisch und schien etwas zu schreiben. Als er die Tür zu fallen hörte, schreckte er auf. Wütend blickte er zur Tür, als er jedoch Cassie erblickte, die nicht gerade glücklich aussah, verwandelte sich seine Wut schlagartig in Besorgnis. Er stand von seinem Stuhl auf und ging auf Cassie zu. Sie ließ geschehen, dass er sie in den Arm nahm und ihr beruhigend über den Rücken strich.
"Was ist passiert Cassie?"
"Sie hasst mich… sie hasst mich einfach…"
Cassie konnte ein Schluchzen nicht unterdrücken und ein Bach von Tränen rann ihr über das Gesicht. Tom, der gerade an dem Zimmer vorbei kam, wunderte sich ein wenig. Er hatte laute Stimmen gehört und die eine eindeutig als Cassies identifiziert. Leise klopfte er an und trat ein. Obwohl er nicht viel mitbekommen hatte, wusste er, dass sie mit Lina einen Streit gehabt hatte. Bill guckte ratlos zu seinem Bruder, der jedoch auch nur mit den Schultern zuckte. Tom trat einen Schritt naher und schlag ebenfalls sein Arme um Cassie. So standen sie da eine ganze Weile, Cassie in der Mitte der beiden, die sie versuchten zu trösten.

Kapitel 14

Cassie drückte ihr Gesicht tief in das Kissen. Es war von ihren Tränen schon total durchnässt.
"Mensch Cassie! Komm jetzt endlich! Wir wollen Soundcheck machen!"
Einer aus der Band rief schon eine ganze Weile nach ihr, doch sie gab einfach kein Mucks von sich. Sie wollte nicht, sie hatte genug. Kein einziges Wort hatte sie mit Lina gesprochen, genauso wenig wie mit denen aus ihrer Band. Auch Tom gegenüber ist sie ein wenig verschlossener geworden. Das blonde Mädchen vernahm Schritte, diese entfernten sie aber von der Treppe. Kurz darauf jedoch stieg jemand die Treppe hinauf. Hastig zog Cassie den Vorhang von ihrer Koje zu und vergrub ihr Gesicht wieder im Kissen. Sie wollte doch einfach nur alleine. Ihr Gefühl verriet ihr, wer sich ihrer Koje näherte. Sie konnte ihn schon förmlich spüren, es war eigenartig. Klar, sie waren zusammen, aber niemals zuvor hatte Cassie so etwas gefühlt oder gespürt. Das zwischen ihnen war etwas ganz Besonderes, vielleicht lag es auch ein wenig an Sophie, die sie auf eine gewisse Art ebenfalls verband.
"Hey, mein Schatz…"
Tom ließ sich auf die Kante des kleinen Bettes nieder. Behutsam strich er seiner Freundin über die Haare und den Rücken. Er merkte, dass sie leicht zitterte.
"Hast du schon wieder geweint?"
Die blonde Frau antwortete ihm nicht. Tom hatte damit gerechnet.
"Was ist denn mit dir los Cassie? Rede doch bitte mit mir, ich mache mir wirklich Sorgen um dich. Vertraust du mir denn nicht?"
Cassie schwieg weiterhin eisern vor sich hin. Nur griff sie mit ihrer rechten Hand nach Toms und drückte sie leicht. Ihren Kopf schmiegte sie leicht an seinen Oberschenkel.
"Ach Cassie, was soll ich denn noch alles machen hm…"
"Carry me home…"
Die junge Erwachsene flüsterte die Worte nur. Tom verstand nur ein Gemurmel und blickte seine Freundin, die sich aufgerichtet hatte, fragend an. Cassie ließ ihre Beine aus der Koje baumeln. Ihre Hände griffen links und rechts neben ihren Oberschenkeln, so, als ob sie Halt geben wollten. Cassie hatte ihren Blick starr auf ihre Beine gerichtet. Nach einer Weile hob sie jedoch doch ihren Blick und schaute zu Tom.
"Bring mich heim Tom…"
Passend zu ihren Worten fing im Hintergrund ihr Handy an zu klingeln, 'Carry me home' von King Family ertönte leise. Tom wusste nicht, was er darauf antworten sollte. Als er sah, wie sich eine Träne aus Cassies Auge stahl, legte er tröstend einen Arm um sie und zog sie an sich. Liebevoll strich er ihr über den Oberarm und hauchte ihr kleine Küsse auf die Haare.
"Wenn ich könnte, würde ich es gerne tun, mein Schatz. Aber du weißt genauso gut wie ich, dass wir nicht einfach so gehen können… Außerdem ist es doch dein Traum."
Der Dreadhead hörte, wie Cassie schluckte. Wieso, wusste er jedoch nicht.
"Ja, schon… aber nicht für diesen Preis… schau, ich habe eine Tochter… meine eigene Familie… bei uns ist es nicht so, wie bei euch. Ich gehöre nicht in die Bandfamilie, obwohl ich sie gegründet habe. Was will ich hier noch…"
Cassie senkte ihren Kopf wieder nach unten, was dachte Tom jetzt wohl von hier.
"Was willst du mir damit sagen Cassie? Verdammt! Ich dachte wir wären ein Paar und das ist ja wohl Grund genug hier zu bleiben!"
Aufgebracht stand Tom auf und seine Augen funkelten Cassie wütend an.
"Nein, also ja… ach man Tom! Versuch doch wenigstens auch einmal mich zu verstehen! Lina redet nicht mehr mit mir, die Band ist sauer auf mich… mir macht es keinen Spaß mehr mit ihnen zusammen auf der Bühne zu rocken… wenigstens ein paar Tage Tom… nur ein paar Tage."
Traurig blickten zwei blaue Augen Tom an. Dieser ließ keine Gefühlsregung von sich.
"Dann fahr ich halt alleine!"
Als Cassie sich von Tom abwandte, schlugen ihm sachte ihre Haare ins Gesicht. Der süßliche Geruch ihres Haarshampoos stieg ihm in die Nase. Doch als er nach ihrem Arm greifen wollte, war sie schon außer Reichweite und Tom hörte nur noch, wie ein Koffer zu schnappte und die Tür des Busses zu ging. So schnell er konnte, schnappte er sich seine Koffer, die er nicht wirklich ausgepackt hatte, und rannte Cassie so gut es ging hinterher.
"Jetzt warte halt mal Cassie!"
Die Blonde blieb abrupt stehen, sodass Tom fast in sie hineinrannte.
"Ich komme mit, aber lass uns zu meinen Eltern fahren. Alex hatte vorhin gemeint, eure Eltern wären auf Reise."
"Hmm, wenn’s sein muss… wo ist denn Sophie?"
"Ich denke mal bei Bill, ich geh sie schnell holen ja? Wen du magst, kannst du ja schon mal zu Saki gehen."
Cassie nickte und als Tom gehen wollte, zog sie ihn sanft am Arm zurück um ihm ihre Lippen auf seine zu drücken.
"Danke Tom, du bist echt was Besonderes. Ich liebe dich."
Tom lächelte sie nur glücklich an und machte sich auf den Weg zu Bill. Cassie bewegte sich in die entgegengesetzte Richtung. Saki saß mit ein paar der anderen Bodyguards zusammen. Als er Cassie erblickte stand er sofort auf und lief ihr entgegen.
"Cassie, was kann ich für dich tun?"
"Ähm… also… na ja… kannst, also… magst du vielleicht Tom, Sophie und mich zu Toms Eltern fahren?"
Verlegen schaute Cassie weg, ihre Hände knetete sie nervös.
"Natürlich, auch wenn ich weiß, dass das mit David nicht abgeklärt ist. Komm, lass uns schon mal zum Van gehen, Tom kommt ja sicherlich gleich."
Cassie folgte Saki nur nickend. Sobald die Tür des Vans offen war, stieg sie ein und verkrümelte sich in die hinterste Ecke. Kurz darauf vernahm sie Stimmen, die immer lauter werden. Eine war eindeutig Tom seine und die andere glich dieser verdächtig und auch Sophies Stimme konnte Cassie erkennen. Da sie nicht wirklich angesprochen werden wollte, steckte sie sich die Kopfhörer ihres iPods in die Ohren und lauschte der Musik, die laut in ihre Ohren dröhnte. Obwohl sie darauf bedacht war, dass die Schiebetür gleich weiter aufgeschoben werden würde, erschrak sie doch ein wenig, tat dann aber so, als ob sie es nicht gemerkt hatte.
Tom ließ sich neben ihr nieder, Bill setzte sich mit Sophie eine Reihe vor dem Paar hin. Da Cassie nicht auf Toms Rufe hin etwas erwiderte, wedelte er ihr mit seiner Hand vor dem Gesicht herum, doch auch das bekam diese kaum mit, zu sehr war sie in ihren Gedanken, die urplötzlich da waren, die so absurd waren. Sie wusste gar nicht, wieso sie gerade jetzt wieder daran denken musste. Erst als Tom sie am Arm packte, schreckte sie aus ihren Gedanken auf, nahm den Kopfhörer aus ihrem rechten Ohr und blickte Tom fragend an.
"Ich versuche die ganze Zeit mit dir zu reden, wo bist du schon wieder mit deinen ganzen Gedanken?"
Ein leicht verwirrter Blick traf den Toms. Sie wusste nicht, was er von ihr wollte.
"Ähm… ähh…"
"Oh man, an was hast du gedacht?"
"Na ja… also, schau mal… ich hab mal 'ne Zeit lang… also… da war ich noch ein wenig kleiner, da sind wir mal wegen des Jobs meines Vaters für ein gutes Jahr nach Magdeburg gezogen, aber ich war wirklich noch klein… vier oder fünf… ich hab zwei nette Jungs kennen gelernt, also Alex hat sie kennen gelernt, und so ich halt auch… hab mich gut mit ihnen verstanden und na ja, war 'ne tolle Zeit, einer von ihnen war ganz süß…"
"Muss ich mir da jetzt Sorgen machen?"
Tom grinste seine Freundin frech an.
"Nein, ich habe danach nie wieder etwas von ihnen gehört…"
"Ach so, dann ist ja gut. Aber ich hab auch mal so jemanden kennen gelernt, also ein Mädchen, da war ich auch erst sechs oder so… aber sie ist dann wieder mit ihrer Familie weggezogen."
Cassie gab nur ein unverständliches Gemurmel von sich wieder und steckte sich den Knopf wieder ins Ohr. Tom legte einen Arm um ihre Schulter und Cassie kuschelte sich an ihn. Ihren Kopf bettete sie auf seiner Schulter und sie schloss zufrieden ihre Augen.
Von der Fahrt bekam Cassie nicht viel mit und auch ihre Tochter schlief tief und fest.
Erst als der Van hielt, weckte Tom sie auf. Er rüttelte leicht an ihrer Schulter, da sie jedoch nicht reagierte, drückte er ihr ihre Lippen auf ihre und übte leicht Druck aus. Doch auch darauf reagierte Cassie nicht. Währenddessen hatte Bill Sophie schon aus dem Van und in das Einfamilienhaus getragen. Seine Mutter hatte ihm das kleine Mädchen abgenommen und sie in Toms Zimmer auf sein Bett gelegt, für das junge Paar hatte sie Toms großes Schlafsofa schon ausgezogen und bezogen.
Bill trat wieder hinaus in die angenehme Nacht. Saki reichte ihm zwei Koffer, die er auch brav in das Haus trug. Wieder am Auto sah er, dass Tom immer noch versuchte Cassie zu wecken.
"Mein Gott Junge, trag sie doch einfach…"
"Damit sie mich dann wieder anmotzt oder wie? Nee du…"
"Dann lass es halt bleiben, dann musst du wohl mit ihr hier bleiben und im Van schlafen."
Tom blickte grimmig zu Bill, legte ein Arm unter Cassies Beine und einen um ihre Schulter und hob sie ein wenig hoch. Mit ihr auf dem Arm kletterte er aus dem Van und ging auf das Haus zu. Bill trottete mit erneut zwei Koffern hinter den zweien her.
Vorsichtig legte Tom seine Freundin auf das Schlafsofa ab und versuchte sie von ihren Klamotten zu befreien. Aus seinem Kleiderschrank zerrte er ein T-Shirt heraus und zog es Cassie über. Nachdem er sich dann ebenfalls umgezogen hatte und seiner Tochter einen Kuss auf die Stirn gegeben hatte, legte er sich neben die blonde Frau und deckte sie und sich zu. Von Cassie vernahm er komische Laute und er spürte, wie sie sich an ihn schmiegte.
"Ja ja, wohl doch wach hm…"
Cassie verzog ihre Lippen kurz zu einem Grinsen, was Tom aber nicht mit bekam. Als sich zwei Arme um ihren zierlichen Körper schlangen und sie noch näher an die männliche Person zogen, dauerte es nicht lange und Cassie war im Land der Träume.

Kapitel 15

Durch ein ungewohntes Geräusch wurde Cassie geweckt. Erst nach einer Weile konnte sie es als ein Bellen identifizieren. Müde sah sie sich um und stellte fest, dass sie sich in einem ihr
fremdem Zimmer befand. Ohne weiter darauf zu achten, stand sie auf und suchte sich ein paar Klamotten zusammen, in die sie dann hinein schlüpfte. Noch mit halbgeschlossenen Augen öffnete Cassie die Zimmertür und trat hinaus. Sie ging den Flur entlang, in die Richtung, aus der ihr Stimmen entgegen kamen. Als sie ihren Blick hob, blieb sie wie erstarrt stehen. Eine Familie blickte ihr strahlend von einem Bild entgegen. Ihre Hand zitterte leicht, als sie näher an das Bild trat und mit der Hand über die Personen strich. Konnte es sein? Die junge Frau konnte es sich beim besten Willen nicht vorstellen.
Erst als sie hinter sich Schritte wahr nahm, ließ sie ihre Hand nach unten sinken und tat so, als ob nichts geschehen war. Mit einem Lächeln drehte sie sich um und sie konnte Bill erblicken.
"Morgen Cassie…"
"Guten Morgen Bill."
Bill blieb vor ihr stehen und beobachtete sie kritisch. Sie hatte wohl nicht bemerkt, dass er sie vorher ebenfalls schon beobachtete hatte.
"Das Bild ist vor Jahren entstanden… Tom und ich waren sechs oder so, von dem Mädchen habe ich keine großartigen Erinnerungen mehr, Mum hat nur mal erzählt, dass ihre Familie wohl nur für ein Jahr hier war oder so…"
Cassie nickte nur monoton mit dem Kopf. Sie wollte jetzt nicht darüber reden.
"Wo ist denn Tom?"
Der junge Mann deutete hinter sich und Cassie verschwand mit einem kurzen Lächeln, welches sie ihm schenkte, in die angegebene Richtung und fand sich kurz darauf in einer geräumigen Küche wieder. Tom saß an einem runden Esstisch, Sophie neben ihm. Das Gesicht des kleinen Mädchens fing an zu strahlen, als sie ihre Mutter erblickte.
"Momi, Tom und ich haben schon gefrühstückt."
Cassie lächelte ihre Tochter liebevoll an und strich ihr über den Kopf.
"Man sieht es meine Süße…"
Nachdem sie Sophie einen Kuss gegeben hatte, drückte sie ihre Lippen auf Toms und spielte mit seinem Piercing.
"Hast du mal wieder Erdbeermarmelade gegessen?"
Die zwei hatten sich von einander gelöst und Tom hatte Cassie auf seinen Schoß gezogen. Er liebkostete mit seinen Lippen ihren Nacken.
"Was heißt hier mal wieder?"
Wieder hauchte er ihr kleine Küsse in den Nacken, was bei Cassie eine Gänsehaut erzeugte. Cassie seufzte nur zufrieden auf und kuschelte sich ein wenig mehr an Tom.
Nach einer Weile löste sie sich von ihrem Freund und beschmierte sich ein Toast mit Nutella.
"Dicker geht wohl nicht hm…"
"Doch, aber das reicht."
Die blonde Frau grinste frech vor sich hin und biss genüsslich von ihrem Toast ab. Cassie war gerade fertig mit Essen, als eine Frau mittlerem Alter in die Küche trat. Für einen Moment blieb Cassie die Spucke weg, dann lächelte sie die Frau nett an.
"Hallo, du musst Cassie sein, richtig?"
Cassie nickte nur mit dem Kopf und schüttelte die ihr hingehaltene Hand.
"Ich bin Simone. Bill und Toms Mutter."
Ein 'Das weiß ich.' lag Cassie auf der Zunge, sie verkniff es sich jedoch. Da Sophie noch immer am Essen war, kuschelte sich die junge Frau wieder an ihren Freund und genoss seine Nähe. Sie bemerkte die Blicke von Simone, die sie sichtlich nervös machten.
"Ähm, Cassie, darf ich dich was fragen?"
Überrascht sah Cassie zu Simone auf.
"Ja natürlich."
"Also, ich möchte dir ja nicht zu nahe treten, aber Bill hatte mit vor einer Weile etwas erzählt und ich habe auch das Gefühl, dass ich dich kenne… Cassandra?"
Cassie musste sich räuspern, ehe sie mit Mühe ein gehauchtes Ja über die Lippen bekam.
Tom blickte nur verwirrt von seiner Mutter zu seiner Freundin und wieder zurück und auch Sophie hatte ein Fragezeichen deutlich in ihr Gesicht geschrieben.
"Momi? Wer ist Cassandra?"
"Ich mein Schatz…"
Cassie stand von Toms Schoß auf und hob ihre Tochter auf ihren Arm.
"Lass uns mal ins Bad gehen."
Mit einem undefinierbaren Blick sah Tom seiner Freundin und seiner Tochter hinter her.
"Mum, hieß sie nicht auch Cassandra?"
"Ja Tom."
Seine Mutter verließ ohne ein weiteres Wort die Küche. Schon als sie gestern Abend Sophie gesehen hatte, hatte sie es geahnt. Sie sah ihrer Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten. Cassie sah damals, als sie fünf war, genauso aus wie Sophie nun.
Bill betrat nach kurzem Zögern die Küche. Sein Blick haftete an Tom.
"Glaubst du, es war Schicksal Bill?"
Obwohl Tom Bill nicht gehört oder gesehen hatte, wusste er, dass er da war.
"Ich weiß nicht. Aber ich finde es schön. Wir haben uns damals doch sehr gut mit ihr verstanden und schon als ich sie zum ersten Mal gesehen habe, dachte ich, sie zu kennen. Sie kam mir so vertraut vor, als wir mit einander gesprochen haben."
"Ja, aber irgendwie habe ich da nicht so drauf geachtet, wie du, anscheinend."
"Tom, lass mich dir einen Tipp geben: Sprich sie erst einmal nicht darauf an. Als sie das Foto gesehen hatte, war sie doch sehr traurig… Lass ihr ein wenig Zeit, sie wird von selbst kommen und mit dir darüber sprechen wollen."
Bill vernahm von Tom nur ein kurzes Nicken. Schweigend ließ er sich ihm gegenüber nieder und faltete andächtig seine Hand auf dem Tisch.
"Moah Bill! Komm ja nicht auf die Idee, Psychologe zu spielen!"
Der schwarzhaarige konnte sich ein kurzes Auflachen nicht verkneifen und heimste sich so einen strafenden Blick von Tom ein.
"Schon gut Tom, aber ich glaube, was Cassie betrifft, könntest du den öfters mal brauchen."
Mit einem frechen Grinsen stand Bill wieder auf und verschwand aus der Küche.
Tom stütze seine Arme auf dem Tisch ab und legte seinen Kopf in die ineinander verschränkten Hände. Warum war es ihm nicht aufgefallen, wenn doch selbst Bill etwas bemerkt hatte. Er hatte sie damals doch sehr gemocht und auch irgendwie lange noch an sie gedacht. Nachdem ihm die ganzen Gedanken auf den Nerv gingen, stand Tom nun auch auf, räumte das Geschirr weg und begab sich auf sein Zimmer.
Zu seinem Verwundern fand er Cassie und Sophie dort schon vor.
"Na das ging aber schnell…"
Cassie drehte sich mit einem mißlungenen Lächeln zu Tom um.
"Nein, du warst wohl zu lange mit deinen Gedanken beschäftigt."
Tom quittierte dies nur mit einem Gemurmel und ließ sich auf sein Bett nieder. Sophie hopste munter durch sein Zimmer und Cassie sah sich ein wenig um. Auf seinem Schreibtisch fand Cassie ein Foto vor, es war kurz vor ihrem Umzug zurück nach Frankfurt entstanden. Mit einem Lächeln kramte sie ihr Portmonee aus ihrer Tasche, öffnete es und hielt es Tom hin. Dieser fing ebenfalls an zu lächeln.
"Ein schönes Foto oder?"
"Jaha, wenn man bedenkt, wie normal du da noch warst…"
"Willst du damit etwa sagen, dass ich jetzt nicht mehr normal bin?!"
"Na ja, normal ist auf alle Fälle etwas anderes."
Tom zog Cassie zu sich und fing sie an durch zu kitzeln. Auch Sophie kam zu ihnen geeilt und kitzelte ihre Mutter ein wenig. Als Cassie jedoch Sophie in die Hände bekam und sie auf ihren Schoß hob, wurde das kleine Mädchen durchgekitzelt.
Durch das ganze Gelache aufmerksam geworden, kam kurz darauf Bill in Toms Zimmer.
"Was geht denn hier bitte ab?"
"Kitzelattacke!"
Die kleine Familie stürzte sich lachend auf Bill, der kaum eine Sekunde später ebenfalls lachend auf dem Boden lag. Erst als dieser kaum noch Luft bekam, ließen Tom, Cassie und Sophie von ihm ab.
"Moah, das war echt fies!"
Cassie setzte sich aufrecht hin und lehnte sich an die Wand. Tom tat es ihr gleich. Bill blieb auf dem Boden liegen und Sophie hatte sich an ihn gekuschelt. Ein Schweigen durchzog den Raum, jedoch störte es niemanden und so beließen sie es eine Weile lang dabei.

Kapitel 16

"Momi, Hunger."
Sophie war aufgestanden und schmiss sich nun auf die Beine ihrer Mutter. Diese seufzte laut auf, ehe sie ihre Tochter von sich schob, aufstand und sie hoch hob. Nach kurzem Überlegen setzte sie Sophie jedoch wieder auf den Boden.
"Du bist alt genug um selbst zu laufen."
Das kleine Mädchen zog nur eine Schnute, stand dann auf und lief ihrer Mutter voraus in die Küche. Die Zwillinge blieben zurück.
Bill starrte eine Weile lang die Decke an. Toms Blick ruhte auf seinem jüngeren Zwilling. Dieser setzte sich irgendwann auf und stütze seine Hände hinter sich ab.
"Was ist los Tom?"
Der Dreadhead schwieg und starrte weiterhin Bill an. Es schien, als ob er gar nicht anwesend war. Bill kannte das schon und stellte immer seine Frage.
"Boah Bill! Halt deine verdammte Klappe!"
Sofort war Bill still. Unsicher kaute der jüngere auf seiner Unterlippe herum.
"Tschuldige, war nicht so gemeint."
Bill nickte nur mit dem Kopf und ließ sich mit dem Oberkörper zurück auf den Boden gleiten. Schweigend starrte er wieder die weiße Decke an.
"Man Bill! Es tut mir leid!"
"Ja ja, schon gut."
"Bill verdammt! Jetzt sei doch nicht schon wieder gleich so eingeschnappt!"
"Ich bin nicht eingeschnappt."
Damit richtete Bill sich wieder auf. Kurz blickte er zu Tom, ehe er dann aufstand und das Zimmer verließ. In seinem Zimmer angekommen, schaltete Bill seine Stereoanlage leise an und legte sich auf sein Bett.
Tom zog beleidigt eine Schnute. Das war so typisch für seinen kleineren Bruder. Aber er war doch auch selbst daran schuld, wenn er nicht einsehen wollte, dass Tom nicht reden wollte.
Nach einer Weile wunderte er sich, wo seine Freundin und Tochter blieben und so erhob er sich vom Boden und schlenderte gemütlich in die Küche. Doch dort fand er seine zwei Mädels nicht vor. Verwundert darüber drehte er sich einmal im Kreis um sich selber. Schulter zuckend füllte er ein Glas mit Saft und trank einen Schluck davon. Dabei ließ er seinen Blick durch das Fenster zum Gartentor schweifen. Einige Fans standen auf der gegenüberliegenden Seite. Sein Blick glitt weiter zur Garage, da erblickte er Cassie mit Sophie. Sofort wandte er seinen Blick zurück zu den anderen Mädchen. Er konnte von Glück reden, dass diese Cassie noch nicht erblickt hatten.
Hastig kramte er sein Handy aus seiner rechten Hosentasche und wählte die Nummer seiner Freundin. Angespannt beobachtete er dabei die Situation draußen. Hinter sich vernahm er ein Klingeln, Cassie hatte ihr Handy im Haus gelassen.
Mit jedem Schritt den Cassie mit Sophie auf die Straße und somit auch auf die Mädchen zu ging, wurde Tom nervöser. Er kannte die Mädchen schon. Sie waren öfters da gewesen und hatten schon des Öfteren bei den wenigen Freunden, die mal vorbei kamen, wenn sie zu Hause waren, zu geschlagen. Er wollte sich gar nicht vorstellen, was geschah, wenn sie Cassie erblickten. Die Gerüchte brodelten immer noch und sie hatten noch immer kein Statement dazu genommen, was die Sache sicherlich noch verschärfte.
"Bill!!!"
Tom wandte seinen Blick kurz vom Fenster ab und sah in den Flur, doch Bills Tür öffnete sich nicht.
"BILL!!!"
Doch auch danach kam kein Mucks von Bill, der hörte schließlich Musik und war in seinen Gedanken verfangen. Also rief Tom noch einmal, lauter und schriller und tatsächlich kam Bill kurz darauf besorgt aus seinem Zimmer. Als er jedoch Tom putzmunter in der Küche stehen sah, stemmte er leicht sauer seine Hände auf der Hüfte ab.
"Man! Da reißt du mich aus den Gedanken und dabei geht es dir bestens!"
"Mir ja! Aber Cassie ist mit Sophie draußen und diese Mädchen stehen auf der anderen Straßenseite."
"Wozu gibt es Handys?"
"Hat sie hier irgendwo liegen gelassen."
Jetzt war es an Bill einen leisen Schrei loszulassen. So schnell es ging, war er in seine Schuhe geschlüpft und zur Haustür heraus gerannt. Unbemerkt schlich er sich an der Hauswand zur Garage. Cassie und Sophie waren noch nicht ganz vorne angekommen.
"Psst. Hey, Sophie."
Bill hatte sich auf den Boden gehockt und hoffte, Sophies Aufmerksamkeit zu bekommen. Was nach einer Weile auch klappte. Die Kleine blieb stehen und drehte sich zu Bill um. Fragend blickte sie ihn an. Bill lächelte sie lieb an und deutete ihr, zurück zu kommen. Sophie zog an der Hose ihrer Mutter, die sich darauf hin auch umdrehte und Bill überrascht anblickte. Cassie deutete hinter sich zur Straße, doch Bill schüttelte nur mit dem Kopf. Die junge Frau jedoch zuckte nur desinteressiert mit ihren Schultern und ging weiter. Ihre Tochter was schon längst zu Bill gerannt.
Tom, der das ganze von dem Küchenfenster aus beobachtet hatte, konnte nicht verstehen, wieso Cassie einfach weiter ging. Sein Blick wanderte wieder zu den Mädchen, die so langsam ihre Sachen zusammen packten und gehen wollten. Nervös knetete er seine Hände und betete, dass sie endlich gehen würden. Aber Cassie war eher auf der Straße, als die Mädchen weg waren. Als sie sie erblickten, ließen sie ihre Sachen fallen und kamen ihr bedrohlich nahe. Tom konnte leider nicht hören, was sie sagten und es war vielleicht auch besser so. Er hörte die Haustür und kurz drauf spürte er, wie etwas an seiner Hose zog. Ruckartig blickte er nach unten, seine Tochter lächelte ihn frech an. Tom lächelte kurz gezwungen zurück und hob sie dann hoch. Seinen Blick wandte er wieder nach draußen.
"Daddy? Was ist denn los?"
Sophie blickte ihren Vater fragend und mit großen Augen an.
"Na ja, weißt du, da sind ein paar Fans… anscheinend ist schon wieder durchgesickert, dass wir hier sind und dann haben sie da gecampt. Jetzt reden sie gerade mit Cassie, aber ich kann leider nicht hören was."
"Dann lass uns doch auch raus gehen. Die machen doch nichts Schlimmes."
Nachdem sie den Blick von Tom gesehen hatte, fügte sie noch ein leises 'Oder doch?' und bekam ein wenig Angst.
"Sie dürfen Momi nichts tun, Momi hat ihnen doch auch nichts getan."
Sophie strampelte ein wenig und rutsche so ein Stück von Toms Arm, der sie daraufhin auf den Boden absetzte. Das kleine Mädchen drehte sich um und rannte zurück in den Flur. Der Dreadhead sah wieder nach draußen, doch er konnte niemanden sehen. Panik überkam ihn, zumindest ein wenig. Auch er ging nun eiligen Schrittes in den Flur, schlüpfte in seine Schuhe und trat nach draußen. Schnell war er am Gartentor angekommen und konnte nun die kleine Gruppe wieder sehen. Sie hatten Cassie umzingelt und stießen sie immer wieder leicht an. Es tat ihm weh zu sehen, was ihre Fans taten. Er hatte immer gedacht, dass sie sich freuen würden, wenn einer von ihnen glücklich wäre. Dass es nun er war, der vergeben war, war natürlich überraschend und er konnte es selbst immer noch nicht ganz begreifen, aber er war voll und ganz zufrieden mit seiner Situation. Mit dieser, die sich vor ihm abspielte jedoch nicht. Er ging ein paar Schritte näher auf sie zu und baute sich dann ganz in ihrer Nähe auf.
"Darf ich fragen, was ihr hier tut und mit Cassie macht?"
Erschrocken fuhren die Mädchen zusammen und drehten sich dann Zähne knirschend um.
"Nichts, an sich. Die kleine Schlampe soll nur ihre Finger von euch lassen."
Ein blondes schlankes Mädchen war aus der Gruppe heraus getreten und stand Tom grinsend gegenüber. Die anderen nickten nur zustimmend mit ihren Köpfen.
"Ach ja? Und wieso sollte sie das machen?"
Das Mädchen trat noch einen Schritt näher und es trennten sie nur noch ein paar Zentimeter.
"Weil sie nicht zu euch passt, weil ihr uns gehört, weil ICH diejenige bin, die für dich bestimmt ist und nicht dieses kleine Flittchen."
"Meinst du nicht, dass ich da noch ein Wörtchen mit reden kann. Immerhin ist das mein Leben und meine Privatsphäre, die euch nichts angeht, und jetzt komm bloß nicht damit, wir würden unsere Fans jetzt nicht mehr mögen. Ich liebe Cassie, dass das klar ist und egal was ihr unternehmt, ihr werdet uns nicht auseinander bekommen. Ich bin echt enttäuscht. Ich habe unsere Fans immer in Schutz genommen, weil ich dachte, dass sie sich für uns freuen würden, aber wie man sieht, hatte Cassie wohl doch recht, dass wohl nur ein Teil sich freuen würde."
Schnaubend drehte sich die Blonde zu Cassie um und strafte sie mit bissigen Blicken, was diese, wie auch schon zu vor, nicht sonderlich störte. Cassie ignorierte dieses Mädchen einfach, doch wer sie kannte, wusste sich eines besseren zu belehren.
Tom schritt an den Mädchen vorbei, griff nach Cassies Hand und zog sie hinter sich her auf das Grundstück.
"DU MIESE KLEINE SCHKAMPE! DAFÜR WIRST DU BÜSSEN!"
Obwohl sie es nicht wollte, senkte Cassie ein wenig traurig ihren Kopf. Sie musste sich ein paar Tränen wegblinzeln. Ihr Freund strich ihr liebevoll mit dem Daumen über den Handrücken. Er konnte einfach nicht glauben, wie Fans von ihnen drauf waren und dass sie eine glückliche Beziehung zerstören wollten.
Im Haus zog er Cassie in seine Arme und drückte sie fest an sich.
"Hey, die werden sich schon nicht trauen, etwas zu machen. Die sind viel zu wenige dafür."
Cassie schlang schweigend ihre Arme um seinen Oberkörper und kuschelte sich in sein Shirt.

Kapitel 17


Bill trat aus dem Wohnzimmer zu ihnen, Sophia auf seinem Arm. Cassie bemerkte die Zwei nicht, Tom hingegen sah seinen Bruder etwas erschüttert an.
"Momi? Was ist?"
Erschrocken zuckte die blonde Frau zusammen, löste sich von Tom und wandte sich um.
"Ähm… nichts mein Schatz, nichts."
"Das glaube ich dir aber nicht."
Sophia hob ihren Zeigefinger während sie sprach und sah ihre Mutter ernst an. Der Dreadhead konnte nur schwer ein Grinsen unterdrücken und spielte, um sich abzulenken, ein wenig mit seinem Lippenpiercing. Cassie setzte an um etwas zu sagen, schloss dann jedoch wieder ihren Mund und sah schweigend zu ihrer Tochter. Nervös band spielte sie mit ihren Haaren, band sie schlussendlich zu einem lockeren Dutt. Ohne einen weiteren Blick drehte sie sich nach rechts und ging den Gang entlang, bis sie an Toms Zimmer ankam, in das sie verschwand. Sie schmiss sich auf das Bett ihres Freundes und drückte ihr Gesicht in das Kissen. Es war einer der seltenen Momente, an denen Cassie alles hasste; sich, ihr Leben, wie sie aussah und besonders ihre Tochter. Am liebsten wollte sie schreien, doch kein einziger Ton kam über ihre Lippen. Das Kissen war noch immer fest an ihr Gesicht gedrückt. Sie verfluche den Tag, an dem sie ihren Plattenvertrag unterschrieb und noch mehr verfluchte sie den Tag, an dem sie mit Tom im Bett gelandet war.
Nachdem ein paar weitere Minuten verstrichen waren, in denen sie nichts hörte, stand Cassie auf und verließ leise das Zimmer. Im Flur war niemand vorzufinden und auch sonst war es sehr ruhig. Vorsichtig ging Cassie ein paar Schritte in die Nähe des Wohnzimmers, doch auch dort war niemand. Mit wenigen Schritten hatte sie das Zimmer durchquert und kam an der Terrassentür an. Schnell war diese geöffnet und Cassie konnte in den Garten hinaustreten. Eine leichte Brise umspielte ihre Haare und die junge Frau atmete tief die frische Luft ein. Sie ging ein paar Schritte über die Wiese und setzte sich dann darauf. Das Gras war feucht, was Cassie jedoch wenig interessierte. Ihr Blick glitt zum Himmel. Keine Wolke war zu sehen und die Sonnenstrahlen blendeten sie ein wenig. Sie schloss ihre Augen und legte sich auf den Rücken. Die blonde junge Frau streckte Beine und Arme von sich und genoss den Duft der Blumen und dem Gras, das mit der Zeit trocken wurde. Cassie liebte es draußen in der Natur, woran das lag, wusste keiner so genau, und jeder wunderte sich, wenn es sie ansah, dass sie die Natur liebte. Sie sah einfach nicht so aus, schließlich kam sie aus der Stadt. Aber vielleicht war genau dies der Grund, wieso sie gerne in der Natur war. Ihre Oma war früher immer mit ihr in einen Park gegangen und auch ihre Mutter war viel mit ihr dort gewesen. Sie vermisste diese Zeit. Sie konnte sich noch genau an diese Tage erinnern. Alex war im Fußballtraining und Cassie hatten dann mit ihrer Mutter immer einen Spaziergang durch den Park gemacht. Es war der Tag, an dem sie Lina wieder gesehen hatte. Diese war ebenfalls mit ihrer Mutter im Park unterwegs. Sie hatten nur wenig Kontakt gehabt, Cassie war mit ihrer Familie wegen des Jobs ihres Vaters weggezogen und nun, nach gut einem Jahr, wieder zurück. Ein paar Mal hatten sie telefoniert, und sich immer geschworen beste Freundinnen zu bleiben. Cassie hatte es nicht als wichtig empfunden, Lina zu sagen, wann sie wieder kommt oder dass sie wieder da ist. So viel auch die Begrüßung aus.
Die junge Frau kann sich noch an jede einzelne Bewegung und Handlung erinnern. Lina hatte sie stürmisch umarmt und war dann jedoch sofort ein paar Schritte von ihr gewichen und hatte ihre Hände angesäuert in die Hüfte gestemmt. Ihre dunklen Augen hatten sich zu Schlitzen geformt und funkelten Cassie wütend an. Dieser waren ein paar Tränen in die Augen gestiegen, sie hatte keine Ahnung, was dort vor sich ging. Linas Blick damals hatte sich in Cassie gebrannt, wie ein Feuermal. Je mehr sie daran dachte, desto klarer wurde ihr, dass ihre Freundschaft damals schon einen Knacks bekommen hatte. Aber sie hatte doch einfach nur nicht darüber nachgedacht, sie war sich sicher gewesen, Lina würde das nicht stören, nicht zu wissen, wann sie wieder kommt.
Hastig zog sie ihr Handy aus ihrer Hosentasche und wählte die Nummer ihrer besten Freundin. Doch diese drückte sie einfach nur weg. Auch die nächsten Versuche scheiterten kläglich. Cassie ließ ihren Arm zurück auf die Wiese fallen und starrte den wolkenlosen Himmel an. Lag Lina denn überhaupt nichts mehr an ihrer Freundschaft?
"Was machst du hier?!", das waren Linas Worte damals gewesen. Sie klang sauer, traurig und irgendwie kalt. Cassie hatte nur beschämst auf den Boden geschaut. Am nächsten Tag im Kindergarten hatte Lina sie nicht beachtet, sie hatte einfach mit den anderen gespielt, Cassie hatte nur schweigend in einer Ecke gesessen und nichts getan.
Passten sie doch nicht so gut zusammen, wie sie immer gedacht hatten? Waren sie zu verschieden um beste Freundinnen zu sein?
Tränen stiegen Cassie in die Augen, als sie an einen Morgen der darauf folgenden Tage dachte. Sie war in den Kindergarten gekommen, doch Lina war nicht dagewesen. Die Kindergärtnerin hatte ihr erklärt, dass diese nun in einen anderen Kindergarten gehen würde. In diesem Moment hatte Cassie ihre Freundschaft für beendet gesehen. Sie hatte ihre Gedanken an Lina verbannt und mit den anderen Kindern ihrer Gruppe angefangen zu spielen. Von ihrer Mutter hatte sie erfahren, dass Lina jetzt wohl diejenige war, die alleine in ihrem neuen Kindergarten herumsaß und nichts tat. Auf eine gewisse Weiße hatte es Cassie damals gefreut, dies zu hören. Heute konnte sie darüber nur den Kopf schütteln. All das nur wegen ein paar Worten, die nicht ausgesprochen worden waren. Cassie wurde klar, dass Lina gar nicht so stark war, wie sie immer getan hatte. Im Grunde war es genau anders herum gewesen. Cassie war immer diejenige gewesen, die auf die anderen zugegangen war, die offen war und neue Freundschaften geschlossen hatte, die gekämpft hatte.
Sie erinnerte sich noch genau an ihren ersten Schultag. Lina und sie hatten so getan, als ob sie sich nicht kennen würden, Cassie hatte sich zu anderen gestellt und sich mit ihnen unterhalten. Lina hatte nur mit gesenktem Kopf alleine neben dran gestanden.
Erst als sie nebeneinander gesetzt worden waren, hatten sie wieder angefangen mit einander zu reden, doch nie über das Vorgefallene. Der wohl größte Fehler, den sie je begangen hatten, wie Cassie bemerkte, als sie in ihren Erinnerungen schwelgte. Sie entdeckte immer mehr Fehler, nicht nur an Lina, sondern auch an sich. Sie hatte es hingenommen, dass Lina kein Wort über das Geschehene verlor und ebenfalls nichts dazu gesagt. Doch wusste sie all die Jahre, dass es Lina mehr beschäftigte, als sie es zugeben wollte und dass sie wohl immer der Meinung war, dass sie Cassie nicht all zu wichtig war. Aber Lina war immer die wichtigste Person neben Alex für sie gewesen. Sie hatte ihr vertraut, sie geliebt wie eine Schwester. Sie war die erste gewesen, die von ihrer Schwangerschaft wusste, die einzige, die wusste, dass Tom Kaulitz der Vater von Sophie war. Aber irgendwie hatte Lina das nie schätzen können. Und als Cassie mit Alex dann eine Band gegründet hatte, hatte sie sich nur eingeschnappt von ihnen abgewandt und sie eine Weile lang ignoriert. Da sich Cassie irgendwie schuldig gefühlt hatte, hatte sie für Lina ein Lied geschrieben. Später, als sie ihren Plattenvertrag bekommen hatten, hatte sie es ins Englische übersetzt. Lina hatte sowohl die deutsche wie auch die englische Version bekommen. Sie hatte sich gefreut, zumindest ein wenig. Erst nachdem sie die aufgenommene Version gehört hatte, hatte Cassie Lina Freude förmlich spüren können. Sie hatte sich geehrt gefühlt, und ein Stück weit begriffen, dass sie Cassie wohl doch ziemlich wichtig war. Seit langem kam Cassie der Text des Liedes wieder in den Kopf. Sie schloss ihre Augen und summte leise den Text vor sich hin.

It’s good to know
You’ve got a friend
A girl you like
To hold her hand
We talk, we smile – she’s honest and kind
We laugh, we cry – we speak the same mind

Sie waren immer füreinander da gewesen, auch wenn so viel geschehen war. Sie waren wie Schwestern. Sie haben gestritten und sich danach ohne Worte vertragen, auch wenn die Sachen nun immer noch zwischen ihnen standen.

We are chatting at school
Talk later by phone
Anytime – all
Joy and sorrow
I can’t wait
To see her tomorrow

Eine zeitlang war es nur Wunschdenken von Cassie, die letzten Jahre war es Wirklichkeit.

Last night, she stayed over
We were joking around
Make me giggle is
What she can
I can’t wait
To see her again
Lina hatte oft bei Cassie übernachtet. Sie hatten immer viel Spaß gehabt und oft Streiche an Alex gespielt. Lina konnte Cassie immer wieder aufmuntern und ebenso andersherum.

To cry on her shoulder
Is cheering me up
Only she
Understand what I fear
I can’t wait
Until she is here

Irgendwie hoffte Cassie, dass Lina sich melden würde, dass sie sich aussprechen konnten, dass sie gemeinsam weinen konnten und es ihnen danach wieder besser ging. So wie früher.

Traurig öffnete sie wieder ihre Augen und erschrak leicht.
"Das ist schön, den Text meine ich. Hast du ihn selber geschrieben."
"Ja, für Lina."
Bill legte sich neben sie und starrte wie sie in den Himmel.
"Was hat sie dazu gesagt?"
"Als ich ihr den Text gegeben hatte, war sie nicht sonderlich erfreut, erst nachdem sie die aufgenommene englische Version bekommen hatte, hat sie verstanden, wie wichtig sie mir ist und das sie mit ihrer Meinung wohl falsch lag."
"Und trotzdem habt ihr wieder Streit."
"Na ja, es ist viel vorgefallen. Aber ich möchte jetzt nicht darüber reden, bitte."
Cassie setzte sich auf und sah zu Bill hinunter.
"Ich geh dann mal wieder rein. Ich bin Sophie noch eine Antwort schuldig."
Bill nickte ihr nur zu und sah wieder zum klaren Himmelblau. Irgendwie schien es ihn zu faszinieren. Das blonde Mädchen erhob sich und verschwand im Haus. Von dort aus beobachtete sie noch eine Weile den Schwarzhaarigen, der einfach nur da lag. Ein kleines Lächeln schlich sich auf ihre Lippen, irgendwie brachte sie all die Lebenseinstellungen der Zwillinge und auch irgendwie die der beiden anderen durcheinander.

Kapitel 19


Cassie suchte im ganzen Haus nach Tom und Sophie, doch sie konnte sie nirgends finden. Missmutig schmiss sie sich auf Toms Bett und vergrub ihr Gesicht im Kissen. Eine Weile lag sie still da, ehe sie sich ihr Handy schnappte und Tom anrief, der ging jedoch nicht an sein Handy. Leicht angesäuert legte sie ihr Handy auf das Nachtschränkchen und drehte sich auf den Rücken. Wo war er wohl hin und vor allem, wo war Sophie. Cassie war verwirrt, war Tom doch selber dafür, lieber nicht raus zu gehen. Nach einer halben Ewigkeit erhob sie sich wieder vom Bett, ihr Blick schweifte durch den Raum. Es war chaotisch, überall lagen Klamotten von ihrem Freund und irgendwelche Dvd’s flogen durch Toms Zimmer. Tief ausatmend stemmte sie ihre Hände neben sich ab und baumelte mit ihren Beinen. Sie könnte zu Bill gehen, ihn fragen, wo Tom sein könnte, aber sie verspürte keine Lust jetzt aufzustehen und den Schwarzhaarigen zu suchen. Letzten Endes stand die Blonde dann doch auf und machte sich auf den Weg nach Bill zu schauen. Im Garten war er jedoch nicht mehr. Schulter zuckend ging sie zielstrebig auf Bills Zimmer zu und klopfte an. Dieser rief sie herein und Cassie betrat den Raum und erblickte Bill, wie er mit geschlossenen Augen auf dem Sofa lag. Er lag nicht wirklich, er hang irgendwie. Seine Beine lagen auf der Sitzfläche, seine Füße berührten die Lehne, sein Oberkörper lag auf dem Boden. Cassie konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.

"Was tust du da Bill?"

Der jüngere Zwilling blickte grinsend auf: "Ich entspanne…"

Cassie begab sich in die gleiche Position wie Bill und verschränkte ihre Hände auf ihrem Bauch. Ihren Blick richtete sie auf die weiße Decke.

"Weißt du wo Tom ist? Ich kann ihn nicht erreichen…"

"Keine Ahnung, ich dachte in seinem Zimmer."

"Nein, dort ist er nicht, da war ich eben. Und Sophie ist dort auch nicht."

"Wie? Sophie auch nicht?"

Bill drehte überrascht seinen Kopf zu Cassie, seine Augen weiteten sich. Dann schien er kurz nachzudenken.

"Na ja, vielleicht ist er mit ihr auf den Spielplatz. Es gibt hier so einen ganz kleinen… aber eigentlich ist er ganz schön."

"Hmm… vielleicht… aber wieso geht er dann nicht an sein Handy?"

Der Schwarzhaarige zuckte nur ratlos mit den Schultern und drehte seinen Kopf wieder nach vorne, sodass er wieder die Decke ansah.

"Soll ich dich zum Spielplatz bringen?"

Die junge Frau merkte, dass Bill ihr irgendwie ausweichen wollte.

"Bill.", ihre Stimme klang fordernd, ihr Blick wurde hart. Der Angesprochene erwiderte nichts, sondern stand auf und verließ das Zimmer. Cassie folgte ihm schnell, schlüpfte, wie er, in ihre Schuhe, zog sich ihre dünne Sommerjacke über und trat nach Bill durch die Haustür. Dieser verließ zielstrebig das Grundstück und lief die Straße hinunter, an den zwei Häusern vorbei, bis er weiter ins Dorf kam. Cassie schritt ihm gemütlich hinterher. Der warme Wind umspielte ihre Haare und sie sog den angenehmen Duft der Bäume, die um sie herum standen, tief in sich auf. Auf einmal bog Bill nach links ab. Cassie fand sich kurz darauf zwischen den Bäumen wieder. Weit hinten konnte sie Schaukeln und andere Dinge erkennen. Auch Tom war dort mit Sophie, die auf einer der Schaukeln saß und gerade von einem Mädchen angeschubst wurde. Cassie verspürte den Drang Tom eine zu scheuern und diesem Mädchen gleich mit. Sie hasste es, wenn fremde Leute, ohne dass sie dabei war, irgendetwas mit Sophie machten. Sie beschleunigte ihre Schritte, holte Bill ein und kam noch vor ihm am Spielplatz an. Das dunkelhaarige Mädchen hatte sie schon erblickt und sie nur komisch angeschaut. Unbeirrt schubste sie Sophie immer wieder an und schielte glücklich lächelnd zu Tom. Gesprächsfetzen klangen zu Cassie hinüber.

"Cassie, es ist nicht so, wie es aussieht."

"Doch Bill und du wusstest es. Vielleicht hätte ich auf meinen Verstand hören sollen und auf Linas letzte Worte, bevor sie ihr Studium angefangen hatte."

Ihre Augen wurden feucht. Wütend stampfte sie auf die drei Personen zu. Cassie war nicht zu überhören und so sahen auch Tom und Sophie auf. Ihrer Tochter stahl sich ein Lächeln auf die Lippen und sie sprang von der Schaukel herunter.

"Momi! Wo warst du denn?"

Sophie rannte ihrer Mutter in die Arme und drückte ihre kleinen Lippen auf Cassies Wange. Ihre kleinen Hände hatten sich in den Haaren ihrer Mutter verfangen. Die blonde junge Frau hob ihre Tochter auf ihren Arm und drückte sie an sich. So schnell würde sie sie nie weder aus den Augen lassen.

"Ich war im Garten mein Schatz, und dann seid ihr nicht mehr da gewesen."

"Hmm, ja… die da drüben", Sophie zeigte auf das Mädchen, welches bei Tom stand, "hatte geklingelt und dann ist Tom auch gleich mit mir ihr hinterher gegangen. Sie hat sich total komisch benommen. Sie meinte, ich solle sie Mama nennen, aber du bist doch meine Momi oder?"

Cassie nickte nur mit dem Kopf und strafte Tom mit ihren Blicken.

"Momi, können wir nach Hause? Mir gefällt es hier nicht. Und kann Bill nicht mitkommen? Der ist wenigstens nett…"

"Mal schauen Maus, vielleicht fahren wir auch zurück zu den anderen, ich muss mich endlich mal mit Lina aussprechen, weißt du, wir haben nämlich einen heftigen Streit, der mir sehr nahe geht."

"Tut dir das im Herzen weh?"

Die junge Mutter verzog für einen kleinen Moment ihre Lippen zu einem Lächeln und nickte kurz mit ihrem Kopf. Ohne noch einmal zu ihrem Freund, ob er das noch war, wusste Cassie nicht, zu schauen, drehte sie sich auf dem Absatz um und ging den Weg, den sie mit Bill hierher gegangen war, zurück zum Haus.



Nachdenklich lag sie mit Sophie auf dem Gras im Garten. War es von Anfang an ein Spiel für Tom gewesen? Wusste er, was er ihr damit antat oder Sophie? Und vor allem, wer war dieses Mädchen? So viele Fragen die Cassie nicht losließen. Würde sie sie jemals beantwortet bekommen? Sie wusste es nicht, denn das Taxi war schon bestellt und in ein paar Stunden würde es zurück zu den anderen gehen. Sie hoffte inständig, dass Lina ihr verzeihen könnte, denn sie merkte mehr denn je, dass sie sie brauchte.

"Momi? Bist du sauer auf Tom?"

"Ach Schatz, das kann ich dir gar nicht sagen, ich weiß ja im Grunde genommen gar nicht, was genau passiert ist, aber ja, irgendwo bin ich auch sauer, weil es war nicht nett, was er getan hat. Er ist einfach mit dir gegangen und hat keine Nachricht hinterlassen…"

Cassie drehte sich zu ihrer Tochter und blickte sie traurig an. Sophie strich ihrer Mutter mit ihrer kleinen Hand über die Wange. Sie mochte es nicht, wenn ihre Mutter traurig war und sie wollte auch nicht, dass sie jetzt weinte. Die zwei bemerkten nicht, wie jemand zu ihnen trat und sich hinter Sophie setzte. Cassie liefen entliche Tränen über das Gesicht, ihr Blick war verschleiert und alles um sie herum war wir weggeblendet.

"Vielleicht haben wir uns überschätzt, gehofft das aus den Differenzen Liebe wächst, doch ich weiß nicht, ob das reicht, wie viel zeit uns noch bleibt, es kommt wie’s kommen muss…"

Sie wollte die letzten Zeilen nicht singen, war sich doch nicht sicher, ob sie bis zum Schluss kämpfen wollte. Vielleicht hatte sie sich zu sehr in ihrer Traumwelt verschanzt, vielleicht war Tom doch nicht so, wie sie ihn in den letzten Wochen kennengelernt hatte, vielleicht war er doch so, wie er immer in den Medien dargestellt wurde, auch wenn sie es nicht wahrhaben wollte.

"Cassie…"

Die Angesprochene schniefte laut auf, ehe sie ihren Blick hob und in das Gesicht der Person blickte, die sie angesprochen hatte.

"Was willst du noch? Wir sind fertig miteinander…"

"Nein Cassie, lass mich doch wenigstens erklären…"

Die blonde Frau schüttelte nur den Kopf, erhob sich und ging, dicht gefolgt von ihrer Tochter, ins Haus zurück. Sie musste die paar Sachen, die sie aufgepackt hatte, wieder einpacken, denn das Taxi sollte ja bald kommen.



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