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Love an angel
(by Mäggie)


(Header stammt vom Autor selbst)


Hauptpersonen: Enomis & Bill
Nebencharaktere: Tom, Larissa, Georg, Gustav, David; später auch Mäggi und Bienchen
Jugendfrei?: einige intime Szenen, einzele mit Gewalt
Inhaltsangabe: Ein Engel wird auf die Erde geschickt um eine wichtige Prüfung zu bestehen. Dabei lernt der Engel Enomis Bill kennen und sieht die guten als auch die schlechten Seiten des Lebens. Ob sie mit Bill nun für immer zusammen bleiben kann, steht dabei jedoch nur in den Sternen geschrieben.

Prolog


Am Himmel gibt es immer irgendwo Wolken. Egal wo… Irgendwo regnet es immer. Und genau dort befinden sich auch bestimmte Wolkeninseln, die sich niemals auflösen werden, denn nur dort lebt Etwas, was wir nur durch unsere Fantasie kennen. Die meisten glauben nicht, dass Sie wirklich existieren. Aber es gibt auch welche, die meinen sogar schon welche gesehen zu haben. Nur ein Licht, nur ein Glitzern und man denkt, man habe es geträumt…


Es war ein Morgen wie jeder andere, als ich von meinem großen Bruder Arius geweckt wurde.
„Wach schon auf Enomis, heute ist dein Jahrestag!“ Arius schüttelte mich sanft an meiner Schulter. Ich wälzte mich in meinem weichen Wolkenbett.
„Ich bin ja schon waaahaaach!“, gab ich meinem großen Bruder zurück.
„Jahrestag…“, seufzte ich… Das war der Tag, an dem ich 16 Jahre alt wurde.

Geburtstag sagten die Menschen dazu, doch ich wurde vor 16 Jahren nicht geboren, sondern erschaffen.
Wie Engel erschaffen werden?
Wenn einem Menschen ein so großes und unrechtes Leid zugefügt wurde, dass er dadurch starb, wurde ein Engel aus seinem Herzen erschaffen.
Ich kam aus dem Herzen eines kleinem Mädchens, das ihre ganze Familie verlor und schwer leiden musste, bis das Junge leben von ihr ein erlösendes Ende fand.

„Du kommst noch zu spät zur sechzehnten Jahresversammlung!“ Endlich lösten sich Arius Hände von mir und er verließ mein Zimmer.

Das sechzehnte Jahresfest war etwas Besonderes für jeden Engel. Ich sollte nämlich eine Probezeit auf der Erde bekommen um so zu sagen eine Ausbildung als Schutzengel zu machen. Wenn ich das denken der Menschen besser verstand, konnte ich ihnen besser ins Herz blicken und ihre Gefühle und Handlungen besser verstehen. Engel konnten sogar schon ihre Gedanken lesen.

Als ich mich schließlich angezogen hatte und meine weiß schimmernde Haut unter einem silbernem Kleid versteckt hatte, ging ich direkt in die riesige Versammlungshalle, in der alle Engel dieser Wolkeninsel saßen.
Ich war die Jüngste von allen hier und daher war es auch etwas sehr Besonderes für die anderen, mich auf die Erde zu schicken.
Als ich die Halle betrat, erstrahlte alles in Weiß und alle Engel saßen in einem Halbkreis zum Eingang hin.
Es waren vielleicht gerade mal 25 Engel oder so und alle sahen zum Eingang hin, zu mir.
Ein Engel Empfang mich schon direkt und führte mich in die Mitte des Halbkreises, sodass mich jeder sehen konnte.
Der Engel, der mich führte, hatte die schönsten größten Flügel und hieß Samalea.
Er war der Leitengel dieser Wolkeninsel und fing an zu sprechen: „Willkommen Enomis. Du weißt wieso du hier bist und dass du heute zu den Menschen musst. Ich hoffe dir sind die Regeln bewusst. Soll ich sie dir dennoch noch ein Mal nennen?“
Ich schaute ihn mit meinen strahlend blauen Augen an, bis ich schließlich Nickte.
„Du darfst niemanden Körperlich verletzten, es sei den, es ist Notwehr oder um jemand anderem zu helfen.
Du darfst den Lebewesen in ihr Herz sehen und ihre Gedanken lesen und sollst sie studieren. Vergiss diese Hauptaufgabe nicht!
Du solltest auch niemanden sagen, wer du wirklich bist, weil dir niemand glauben würde und du solltest dir bewusst sein, dass dein Aussehen sich verändert, sobald du die Erde berührt hast.“
Samalea nannte noch ein paar Regeln. Ich kannte sie ja in und auswendig und hörte daher gar nicht mehr richtig zu. Ich dachte nur an die Erde und wie sie sein würde…
„Du darfst dich nicht verlieben, weil du sonst vielleicht nie mehr zurück kannst! Sollte es wirklich passieren, dass du auf der Erde bleibst, behältst du trotzdem deine Kräfte. Aber deine Flügel werden dich für immer verlassen haben.
Deine Zeit auf der Erde dauert nur so lange an, wie wir es für nötig halten und du kannst nur wieder zurück, wenn du es auch willst.“
Ich nickte wieder nur und sah mir die ganzen Engel an, die um mich herum saßen. Nach einigen weiteren Reden, Anweisungen und Verabschiedungen wie von Arius, öffnete Samalea ein Loch vor mir im Boden.
Mit einem letzten Blick auf meinem Bruder sprang ich in das Loch und das letzte was ich fühlte war eine angenehme Kühle auf meiner Haut.

Als ich wieder zu mir kam, lag ich auf einem harten Boden und als ich meine Augen öffnete, umgab mich eine graue Welt aus Häusern und Straßen. Wo war ich nur gelandet?
Ich stand auf und sah mich um. Es war Nacht und es regnete.
Ich war auf jeden Fall in einer großen Stadt gelandet und sah meinen Körper entlang hinunter an. Ich hatte Schuhe an… Lustig… Und eine enge Jeanshose. Ungewohnt!
Obenrum hatte ich ein T-Shirt an, dass schwarz war und auch dem mit Silber verzieht Sofia stand… War das ein Zeichen, dass ich nun so hieß?
Naja… Mir war schon bewusst, dass mein Name für Menschen ungewöhnlich sein musste aber Sofia? Nee… Geht ja gar nicht. Das klang so komisch.
Ich sah mir wieder die Gegend genauer an. Keine Menschenseele.
Wie spät es wohl sein musste?
Eine ganze Zeit lang striff ich dann nur so in der Gegend umher und sah mir alles genau an. Der Regen ließ nach und hörte schließlich ganz auf.
Einige Leuchtreklamen zierten die Straßen sowie Straßenlaternen… Und wow! Die Sterne sahen von hier gar nicht mal so anders aus, als wie von den Wolken!


1. Kapitel


Weiter weg sah ich einen Mann gehen. Er schien nett zu sein und ich steuerte direkt auf ihn zu. Menschen konnte man durch ihre Augen in ihr Herz sehen und so suchte ich Blickkontakt mit dem Mann, der mich aber nicht war zu nehmen schien.
„Ähmm… Mister? Können sie mir sagen wie spät es ist?“ Verunsichert sah ich ihn an.
Er blickte mich kein einziges Mal an, hatte nur ein gefühlloses Lächeln in seinem Gesicht und ich trat einige Schritte zurück. Ein ungewohnt komisches Gefühl machte sich in mir breit, aber ich versuchte es erneut. „Mister?“, er sah hoch. Jedoch sah er mir mehr auf meine Brust als ins Gesicht was mich doch ein wenig missmutiger machte und ich wollte schon wieder gehen, als er irgendetwas nuschelte.
„Wie bitte?“ Erneut wandte ich mich an ihn.
Genauer betrachtet konnte der Mann zwischen 40 und 50 Jahre alt sein und hatte alte kaputte Sachen an. Er war stark gebaut aber keineswegs dick und er musste getrunken haben denn einen Schwall von Alkohol kam mir entgegen, als er sich knapp vor mich stellte und mir zwanzig nach 11 Uhr sagte. Er hatte eine raue Stimme und ich ging sofort wieder einen Schritt von ihm weg.
„Äh… Danke.“ Ich schluckte leicht und ging weiter. Keine Ahnung wohin, aber Hauptsache weg von diesem komischen Mann.
Als ich einige Ecken und Straßen hinter mir hatte, sah ich mich erneut genauer um.
Weitere Leuchtreklamen… Was war das eben für ein komisches Gefühl? Als Engel kannte man so etwas eigentlich ja nicht… Aber ich fühlte mich unsicher und Ängstlich. Woher kam das nur?
Dann vernahm ich Musik. Nur dumpf und leise aus einer Tür zu hören, auf die ich dann geradewegs zuging. Ein großer Mann in einem Anzug stand am Eingang und kontrollierte die Menschen die hinein gehen wollten. Über dieser Tür leuchtete der Name dieses Clubs in rot und ich beschloss es zu versuchen, hinein zu kommen.
Als ich dann vorne bei diesem Mann ankam, fragte er nach meinem Ausweis… War dass das stück Plastikpapier, was die Menschen vor mir immer her zeigen mussten? Unsicher kramte ich in meiner Hosentasche und tatsächlich hatte ich auch so ein komisches Ding.
Innerlich betete ich ein leises Danke hoch zu Samalea, der sicher dafür gesorgt hatte, dass ich dieses komische Ding hatte.
Ich sah es mir genauer an. Darauf hieß ich Sofia Weiß und dann überreichte ich es auch schon dem Mann an der Tür.
Skeptisch betrachtete er meinen Ausweis im fahlen Licht und gab in mir schließlich wieder. Mit der Hand machte er eine Geste, dass ich hinein gehen durfte.
Drinnen war es stickig und verraucht. Viele Menschen hatten diese Zigaretten im Mund die so einen ekligen Qualm produzierten.
Ich durchsuchte meine anderen Hosentaschen weiter um zu sehen, was sie mir noch mitgegeben haben.
Grüne Scheine. Zum Bezahlen nicht? Alles was ich bisher über Menschen wusste, habe ich nur aus Büchern die mir helfen sollten mich auf meine Prüfung vorzubereiten.
In solchen Clubs wie hier begannen die meisten Sünden schon mit dem Alkohol… Menschen werden dadurch unzurechnungsfähiger.
Verstand ich nicht so ganz... Wie soll ein Mensch von einem normalen Getränk anfangen zu schwanken und so?
Also setzte ich mich an die Theke und die Bedienung kam schon auf mich zu. Sie sah mich auffordernd an.
„Ähmm… Dasselbe wie der da.“ Unauffällig zeigte ich auf den schwarzhaarigen Typen neben mir, der mich nicht beachtete.
Die Kellnerin nickte verstehend und kurze Zeit später hatte ich auch so ein komisches grünes Zeugs vor mir stehen.
Auf der Karte schlug ich nach und fand das Getränk unter Saurer- Apfel.
Alkoholisch, also perfekt.
Als ich neugierig an meinem Strohalm saugte, wollte ich das Zeug zuerst gleich wieder ausspucken, doch Schluckte es tapfer runter und streckte kurz darauf die Zunge aus. Der Typ neben mir musste mich nun beobachtet haben den er lachte kurz auf und sah mich neugierig an.
Peinlich lächelte ich ihm entgegen und drehte mich von ihm weg, um seinen Blicken zu entgehen und schnappte mir mein Getränk und Trank erneut daraus um den Schwarzhaarigen davon zu überzeugen, dass es mir schmeckte und er mich nicht länger so ansehen musste. Ich wollte keinesfalls auffallend wirken!
Nach einigen Schlücken, fing der Saure- Apfel aber an, eigentlich ziemlich gut zu schmecken und ich trank es langsam leer, während ich die umliegenden Leute beobachtete. Es gab welche die nur rauchten… Welche die tanzten… und viele die tranken und redeten. Viele neugierige Blicke von Männern streiften mich.
Ich erkannte, dass viele Menschen hier waren um ihren Alltag zu entgehen und um etwas Spaß zu haben. Andere wiederum, sollten nicht hier sein und tranken sich viel zu voll, sodass sie sich auf den Toiletten übergaben.
Wobei ich gerade an Toilette dachte… Ich sollte dort auch mal hin gehen.
Ich stellte mein leeres Glas auf den Tresen und verschwand hinter der Tür auf der eine weiße Umrahmung einer Frau zu sehen war.

Nach dem ich das erst Mal auf der Toilette war und meine Blase wieder leichter war, trat ich ans Waschbecken und starrte in den Spiegel.
War ich das?
Ich hatte menschliche Hautfarbe, die zwar etwas heller war als die der anderen aber nicht mehr mein gewohntes Weiß hatte. Mein Gesicht sah noch ziemlich gleich aus und meine Augenfarbe strahlte noch immer in demselben Blau, was mich beruhigte… Doch meine Haare… Die waren in einem komischen Braunton und gingen mir bis zur Brust über die Schulter runter. Vorher reichten meine weißen langen Haare fast bis zu meinen Knien.
Also hässlich fand ich mich nicht, aber ungewohnt allemal. Dann kam eine Frau aus einer der Toilettenkabinen und stellte sich neben mich ans Waschbecken. Sie sah mich komisch an, weil ich meinen Bauch so intensiv begutachtete und schnell zog ich mein Oberteil wieder runter. Ich beobachtete die Frau, wie sie sich skeptisch im Spiegel betrachtete, sich ihren Lippenstift nach zog und dann ging. Sie hatte braune lange Haare, aber viele Falten unter ihren Augen. Sie schien viel zu rauchen und ihre Fingernägel waren lang gefeilt und rot lackiert. Hübsch fand ich die ja nicht gerade…
Draußen setzte ich mich wieder auf meinen Platz an der Theke neben dem einen selben Typen, der mich unentwegt ansah und Blickkontakt mit mir haben wollte. Etwas schüchtern schaute ich ihn dann auch genauer von der Seite an.
Er hatte etwas dunklere Haut als ich und seine Haare standen ihm ein wenig vom Kopf ab. Er hatte ein süßes Gesicht und tiefbraune Augen, die er schwarz umschminkt hatte.


2. Kapitel


Er sah mich total fasziniert an, als hätte ich irgendetwas Besonderes in meinen Augen… Was wollte der von mir? Gegenseitig sahen wir uns kurz so an und der Moment schien mir irgendwie peinlich zu sein. Also drehte ich mich wieder von ihm weg. Als ich mich wieder so umsah, blieben meine Blicke an den Leuten hängen, die Tanzten. Ausgelassen und betrunken wankten sie hin und her. Die einen wilder, die anderen fast gar nicht. Dann viel mir ein Typ auf, der mich schon vorher so angesehen hatte. Als sich unsere Blicke trafen, stand er auf und kam auf mich zu. Unsicher sah ich mich nach hinten um. Kam der wirklich auf mich zu? Hinter mir stand zumindest niemand und zu dem Schwarzhaarigen wollte der sicher nicht. Braune kurze Haare, ein lockeres Hemd und eine enge Jenas, trug der Typ und als er vor mir stand, hielt er mir auffordernd seine Hand entgegen.
„Wollen wir tanzen?“, fragte er. Tanzen? Naja… Ich konnte eigentlich nicht tanzen oder so… Aber ich nickte und stand auf. Ein Versuch war es ja mal wert. Als dieser Typ mich an der Hand nahm und zur Tanzfläche schieben wollte, zog er mich näher an sich ran und umschlang meine Hüften. Irgendwie kam der mir damit schon zu nahe und ich wollte das nicht. Aber wie reagiert man in solch einer Situation? Verunsichert sah ich ihn an und plötzlich spürte ich seine Hand an meinem Hintern. Reflexartig holte ich einmal mit der Hand aus und schlug dem Mann ins Gesicht. Hoppla! Das wollte ich nicht! Von meiner Reaktion selbst erschrocken, sah ich den Typen an, der mich entsetzt anstarrte.
„Was sollte dass denn jetzt?“, fragte er entrüstet. Ich zuckte mit den Schultern. Er schien wütend zu werden und mit großen Augen sah ich ihn an, als er auch ausholen wollte.
„Sag mal, geht’s noch? Man schlägt keine Mädchen!“, sagte eine Stimme laut um die Musik zu übertönen und hielt die Hand des Mannes fest, mit der er schon ausgeholt hatte. Der Mann drehte sich um und der Schwarzhaarige stand hinter ihm. Dann schnaubte der Braunhaarige kurz und zog ab. Was war dass eben? Ich… Er… Er hätte mich fast geschlagen… Ich hab ihn geschlagen! Durfte ich dass den? Der Schwarzhaarige jedenfalls nahm mich an der Hand und zog mich auf meinen alten Platz zurück. Er setzte sich neben mich. Er sah mich wieder nur so an, als habe er sich in meinen Augen verloren… Ich überlegte mir schon ihm zu winken.
„Ich bin Bill, hey!“ Er riss sich selbst aus seinen Gedanken und reichte mir seine Hand. Dass er mich nicht mehr so anstarrte erleichterte mich.
„Ich bin Enomis…“ Hatte ich das gerade wirklich gesagt? Eigentlich sollte ich doch Sofia sagen.
Ach was soll’s, jetzt war’s auch schon zu spät.
„Außergewöhnlich.“, sagte Bill und lächelte warm.
Seine Augen verrieten, wie sensibel er war und zeigten wie er wirklich ist.
„Woher kommst du? Ich hab dich noch nie gesehen?“ Bill winkte neben bei die Bedienung zu sich.
„Ich komme aus…“ Weiter kam ich nicht…
Was sollte ich sagen?
Da viel mir Bonn ein, der Stadt in der Arius war. Er erzählte mir immer davon, wie er seine Erfahrungen dort gesammelt hatte.
Bill bestellte währenddessen und sah mich dann wieder erwatungsvoll an.
„Ich komme aus Bonn.“ Ich versuchte weiter durch Bills Augen in sein Herz sehen zu können, aber meine Fähigkeiten hatte ich noch nicht so ganz unter Kontrolle.
„Und du?“, gab ich zurück, damit sich unser Gespräch nicht verlor.
„Ich komme von hier.“
Die Kellnerin stellte ihm zwei Gläser von Sauerer- Apfel hin.
Bill schob mir ein Glas lächelnd entgegen.
„Danke…“ Freundlich war Bill allemal. Also trank ich aus dem Glas und Bill und ich kamen so ein wenig ins Gespräch.
„Du scheinst noch nicht lange hier zu Wohnen. Ich hab dich noch nie gesehen. Bei den Typen hier in der Gegend solltest du vorsichtiger sein!“ Bill nahm wieder einen Schluck aus seinem Glas.
„Ich ähmm… Bin erst seit heute hier.“ Und das war noch nicht mal gelogen.
„Was hat dich nach hier verschlagen?“
„Ein neues Leben. Weit weg von meiner Familie. Etwas Abstand von dem, wo ich aufgewachsen bin. Bist du eigentlich jeden Abend hier?“ Ich erfand einfach irgendetwas, was mir gerade so ein viel und konnte nur hoffen, dass es Bill glauben würde.
„Nein nur jeden Freitag. Ein bisschen Auszeit von dem Alltag tut gut. Wer gehört den alles zu deiner Familie?“
„Mein großer Bruder und meinem Vater. Und woraus besteht deine Familie?“
„Eigentlich auch nur noch aus meinem Bruder Tom. Wir sind Zwillinge. Aber da ist noch unsere Mutter, zu der wir regelmäßig Kontakt haben.“
„Wo ist dein Bruder?“
„Der sitzt da hinten, mit den Dreads…“ Bill zeigte auf einen Typen mit dicken blonden Strähnen, der etwas angetrunken mit einer Frau redete. Er gestikulierte lustig mit seinen Händen…
„Ihr seht euch aber wenig ähnlich.“, stellte ich fest.
„Das liegt daran, dass wir uns verschieden stylen.“

Wir redeten noch ein ganzes Stück miteinander und auch wenn ich Bill sehr mochte… Ich hatte nicht länger Lust hier zu bleiben.
Ich wurde irgendwie müde. Das war ein Gefühl, dass ich schon jetzt nicht mochte. Es machte mich so träge.
Das wahren alle überhaupt neuen Gefühle für mich. Auf Toilette gehen, Hunger, Durst und jetzt diese Müdigkeit…
Ich verabschiedete mich von Bill, der mich überraschend sogar umarmte.
Als ich den Club wieder verließ, überlegte ich, wo ich nun schlafen sollte. Am bestem nahm ich mir an den Menschen die auf der Straße lebten ein Beispiel und suche mir… etwas Abgelegenes und Trockenes.

Als ich meine Augen öffnete, musste ich mich kurz noch mal erinnern, was mich dazu brachte, auf einem Karton in so einer Art Gasse zu schlafen.
Die Sonne schien schon hoch vom Himmel auf mich herab und die Wolken hatten sich weiter bewegt.
Ich fühlte mich unwohl und setzte mich auf. Was soll ich den jetzt hier machen?
Ich hatte echt keine Ideen und wollte wieder nach hause. Zu meinem Bruder!
Klar… Er war ja nicht mein richtiger, aber alle Engel wurden in Gruppen aufgeteilt, so genannte Familien und ich wurde Arius zugeteilt.
Ich vermisste seine grünen Augen und die Art, wie sanft er mich morgens weckte.
Meine Augen füllten sich mit Wasser… Ich meine Tränen… Wo kamen die denn so plötzlich her? Ich hatte noch nie so eine Traurigkeit in mir gespürt, ob das daran lag, dass ich nun weinte? Ging es den anderen Engeln am Anfang auch so? Und der harte Boden war so unbequem und kalt. Ich war eigentlich meines Himmelbetts gewohnt, was ich erst jetzt zu schätzen wusste. Dann spürte ich wie sich mein Magen beschwerte und fühlte Hunger.
Woran lag das nur? Ich wusste weit aus weniger als ich dachte.
Ich beschloss nach einer ganzen Weile mir die Tränen aus meinem Gesicht zu wischen und mich noch mal umzusehen. Es war Nacht als ich mich das letzte Mal umgesehen hatte und es hatte ja auch noch geregnet. Die Stadt hier schien mir so grau und trostlos.
Also machte ich mir Mut.
Auf einer wieder belebten Straße lief ich zwischen den Menschen her und beobachtete sie.
Viel Hektik und Unruhe.
Gestresst liefen die Menschen hier umher.
Bill gestern hatte eigentlich eine ziemliche Ruhe ausgestrahlt. Er kam eher ausgeglichener rüber.
Wie komm ich denn jetzt auf den?
Bill…
Wo der jetzt wohl war?


3. Kapitel


Meine Blicke verlor sich zwischen den Menschen. Ich hatte Bill gedanklich vor meinen Augen.
Als ich wieder die Wirklichkeit um mich herum wahrnahm, beschloss ich mich auf die Stühle an der Straße eines Kaffees zu setzten. Von dort aus hatte ich besseren Blick auf die Menschen.
Ich schaute mir die Karte zum Bestellen an und als ich mich entschieden hatte, was ich nehmen würde, schaute ich wieder zur Straße hin zu den Menschen.
Sommerlich gekleidet liefen sie mit hautengen Sachen oder einfach nur wenig bekleidet durch die Stadt.
Jeder der Menschen war so mit sich selbst beschäftigt, dass sie mich nicht mal richtig wahrnahmen.
Eine Kellnerin kam auf mich zu. Ich sah ihr durchdringend in die Augen. Ich spürte, wie ihr ein
- Wow. -
durch ihre Gedanken ging. Sie sah mich lange an, was mir fast unangenehm war.
- Geile Augenfarbe! -, dachte sie.
Ach deshalb schaute sie mich so interessiert an. Es schien nicht jeder eine kräftige Augenfarbe zu besitzen. Die meisten Augenfarben waren trüb und mit grau untergemischt.
Das Zeichnet die Sorgen ihrer Herzen in ihre Augen.

„Sie wünschen?“, sagte die Kellnerin nach kurzem Zögern zu mir.
„Ähmm… Einen Kaffe bitte und ein Stück Schokoladenkuchen.“, antwortete ich kurz und beobachtete wieder die ganzen Menschen, die knapp an mir vorbei gingen.

Als die Kellnerin mir meine Sachen brachte, bezahlte ich gleich.
Der Kuchen schmeckt wirklich gut und mein Magen hatte nicht mehr das dringende Bedürfnis zu essen.
Der Kaffe schmeckte ziemlich komisch, bitter. Aber ich hab gelesen, der soll morgens bei den Menschen gut ankommen, wegen seines Koffeins.
Und es schien wirklich so zu sein, dass ich nachher wacher war.
Den ganzen Tag brachte ich damit zu, heraus zu finden, was die Menschen dachten.
Frauen waren nur mit ihrem Aussehen beschäftigt…
Wobei… Wie sah ich nun eigentlich aus? Meine Haare mussten ziemlich zerzaust sein und meine Klamotten befleckt. Auf dem Boden schlafen hinterlässt sicher Spuren. Aber das interessierte mich eher weniger. Ich konnte den anderen doch egal sein.
Männer brachten ihre Gedanken dann eher damit zu, sich Sorgen um ihre Familien zu machen, oder dachten über Autos, Motoren, Computer und … Nackte Frauen nach… Musste ich dass verstehen? Hoffentlich nicht!

Am Abend legte ich mich in einem Park auf eine Bank und beobachtete die Sonne, wie sie sich dem Horizont entgegen neigte und alle warmen Farben der Welt in den Himmel malte. Auch die Wolken wurden in diese Farben eingetaucht und es sah aus, als würde man dieses Bild nur Träumen können. Im Gegensatz zu den Grauen Häusern und Straßen war dass wirklich einzigartig.
Ich hatte wieder Hunger.
Hörte dass den nie auf?
Ich wollte mir später irgendwo etwas holen.
Der Park wurde immer Menschenleerer und irgendwann, als es schon ganz dunkel war, waren alle Menschen weg. Die Wolken versteckten die Sterne…Wie schade, ich hätte sie so gerne betrachtet.
Als ich mich von der Bank aufsetzte, stand nur noch einer hier im Park.
Ein Mann der ziemlich ungepflegt aussah.
Moment mal…
War dass nicht der Unheimliche von gestern am Abend?
Ich versuchte ihn genauer zu erkennen, da er etwas weiter weg stand, doch es war schon fast zu dunkel und nur fahles Licht kam von den Straßen her.
Der Mann kam direkt auf mich zu und setzte sich neben mich.
Er war die Ruhe selbst und ich beobachtete, was er vorhaben könnte.
Ich hatte keinen Augenkontakt mit ihm und das mit den Gedankenlesen musste ich wohl noch üben.
Er vermied es immer mich an zu sehen, seine Gedanken und sein Herz blieben mir verschlossen.
Das macht ihn interessant und unheimlich zugleich.
Wir saßen eine ganze Weile nur nebeneinander und er starrte auf meine Beine…
Wieso auch immer…
Ich wollte eigentlich aufstehen und weg gehen, aber musste noch überlegen, wo ich denn hin wollte?
Er murmelte etwas Unverständliches und legte dann einer seiner Hände auf meinen Schoß.
Das löste in mir ein ungutes Gefühl aus.
Was wollte er nur?
„Geht’s ihnen gut?“ Ich tippte ihm auf die Schulter, wobei ich mir etwas dumm vorkam.
„Hmm…“, gab er nur von sich, als würde er darüber nachdenken und plötzlich nahm er seine Hand wieder weg, um mich wenige Momente später zurück auf die Bank zudrücken, sodass ich nicht mehr saß, sondern lag.
Der Mann setzte sich auf mich, und hielt meine Hände fest.
Mein Herz schlug schneller und ich wurde merklich nervös.
Was wollte er nur von mir? Und dann sah er mir endlich in die Augen.
Ein Schauer durchfuhr meinen ganzen Körper als währe es hier auf einmal viel kälter geworden.
Dieser Mensch hatte mehr Böses als Gutes in sich und hatte auch mehr Böses als Gutes erlebt.
Ich wollte ihn von mir runter schubsen. Er hatte nichts Gutes vor, dass sah ich ihm jetzt genau an und bekam Panik.
„Geh runter!“ Ich versuchte mich zu drehen und zu wenden, aber er hielt mich kontrolliert unter sich fest.
„Gehen sie runter oder ich schreie!“ Wenn ich hier sterben würde, hätte ich als Schutzengel keine Chancen. Ich würde zwar wieder zurück in den Himmel kommen… Aber ich wäre durchgefallen und ein Schutzengel werden zu dürfen, war immer mein Traum.
Ein Liebesbote wollte ich nicht werden und ein Todesengel erstrecht nicht!
Der Mann hielt mir nun nur noch mit einer Hand meine beiden Hände Fest und zog mir mein Oberteil hoch bis über die Brust. Er hatte echt große Hände, im Gegensatz zu meinen zierlichen Händen.
„ARGH!“ Ich schrie laut um den Mann vielleicht Angst einjagen zu können. Ich wollte mich auch auf keinen Fall von ihm berühren lassen, dass gehörte nicht zu meiner Prüfung!
Der Man zuckte kurz zusammen, ließ sich dann aber nicht weiter beirren.
Er kratze über meine Haut und berührte meine Brust, auf eine unangenehme und schmerzhafte Art und Weise.
Ich schrie erneut. Wieso hörte mich denn niemand? Wieso half mir denn keiner? Waren Menschen so egoistisch?
Ich versuchte mich mit meinen Händen los zu reißen, was mir nicht gelang und der Mann machte sich an meiner Hose zu Schaffen. Er saß auf meinen Beinen, die dadurch genau so bewegungsunfähig waren wie meine Arme.
Es schien noch immer niemand meine Schreie zu hören und sie verebbten in der Dunkelheit.
Endlich schaffte ich es eine Hand zu lösen und schlug wie wild auf ihn ein. Er ließ meine zweite Hand reflexartig los und ich stieß ihn rückwärts, von mir und von der Bank hinunter.
Dann sprang ich auf, zog meine Sachen schnell zurrecht und lief los.
Der Mann sprang schnell auf und war dicht hinter mir. Keuchend atmete ich die kühle Nachtluft ein und aus.


4. Kapitel


Er schien etwas schneller zu sein als ich, denn er holte mich ein und brachte mich zu Fall.
Ich spürte einen harten Aufprall an meiner Schulter und rollte über den Kiesweg, wobei sich die Steine in meine Haut zu bohren schienen. Ich blieb auf dem Rücken liegen.
Der Mann stürzte sich wie ein Tier wieder auf mich und hielt mich wieder fest. Hart drückte er mich auf den Boden.
Ich schrie erneut und trat mit meinen Beinen wild um mich, doch erwischte ihn nicht, da er ja schon wieder auf mir saß. War dass jetzt etwa mein Schicksal? Gab es gar kein entrinnen vor diesem Geschehen? Musste das einfach so sein?

Nein!
Plötzlich wurde er von mir herunter gerissen. Ich stand unheimlich schnell und holprig auf und lief los. Ich wollte in irgendeine Richtung weg laufen, doch nach einigen wenigen Metern blieb ich wieder stehen. Wer hatte mich eigentlich gerettet? Ich drehte mich um.
Der Mann boxte sich mit einem anderem, der mir wohl helfen wollte.
Ich versteckte mich sicherheitshalber hinter einem dicken Baumstamm und beobachtete das Ganze. Ich erkannte nur schemenhaft, wer dort stehen konnte. Umrisse, wie wandelnde Schatten, sahen die zwei Gestalten aus.
Aber mein Retter war niemand, den ich zuerkennen vermochte.
Schließlich hatte der eine bösartige Mann den anderen, der mir helfen wollte, niedergeschlagen und sah sich nach mir um. Ich verbarg mich nun ganz hinter dem Baum und er sah mich nicht. Nervös atmete ich ruhig ein und aus und versuchte mich zu beruhigen. Ich konnte förmlich hören, wie er näher auf mich zu kam und schloss meine Augen, in der Hoffnung, dass er mich einfach nicht sehen würde. Ich hörte ihn keuchen von dem Kampf. Dann verstummte das Keuchen plötzlich und nichts war mehr zu hören. Nur der Wind, der sein Spiel mit den Blättern der Baumkronen trieb. Ich traute mich erst gar nicht nach zu sehen, ob er denn nun weg war. Ich traute mich noch nicht mal meine Augen zu öffnen.
Als ich nach wenigen Minuten aber doch wieder hervor sah, lag da nur noch der Niedergeschlagene.
Er schien bewusstlos zu sein.
Endlich war der Schock vorüber und erst jetzt dachte ich wieder richtig nach.
Mich hatte gerade ein Mann angegriffen…
Und wieder wollte ich nur nach Hause. Aber ich konnte doch jetzt nicht schon aufgeben!
Unkontrolliert stiegen mir Tränen ins Gesicht.
Also meinem Bruder ist das nicht passiert. Habe ich etwas falsch gemacht?
Zögernd ging ich zu dem Mann hin, der dort am Boden lag, und kniete mich neben ihm.
Im wenigen Licht erkannte ich, dass es nicht mal ein Mann war, sondern ein Typ… Und ich kannte ihn doch! Es war der Zwillingsbruder des einen da… Bill…
Das hier ist der mit den dicken Harrsträhnen.
Er blinzelte und ich wischte mir schnell mit dem Handrücken die Tränen aus dem Gesicht, was wenig brachte, denn erneut wurden meine geröteten Wangen mit Tränen benetzt.
Erleichtert, dass er noch lebte, atmete ich auf.
Er hatte eine Wunde an der Stirn und blutete ein wenig.
Benommen setzte er sich auf und starrte mich wirr an.
„Wo ist der Kerl?“, brachte er nur hervor und hielt sich den Kopf.
„Weg...“ Zögernd sah ich ihn an.
„Du blutest.“
„Passiert schon mal. Wie geht’s dir?“ Er richtete sich auf und half mir auch hoch.
„Dank dir gut. Ich hatte echt Angst. Danke… Und ich heiße E… Sofia. Und du?“
„Kein Problem. Ich heiße Tom. Ähmm… Wo wohnst du? Ich bringe dich noch nach Hause… Wenn du willst.“
Wo wohne ich den? Hier überall. Was sag ich den jetzt?
„Ich… Wohne nirgendwo.“
„Wie meinst du das?“ Tom sah mich schief an.
„Ich wohne hier überall und nirgendwo.“
„Also auf der Straße?“ Unsicher was Tom tun sollte, sah er mich an. Nachhause bringen viel ja aus.
„Ja.“
„Magst du mit zu mir kommen?“
„Wenn ich darf?“, lächelte ich ihn freundlich an.
Toms Gedanken spielten fieberhaft darum, wie er mir helfen konnte. Er versuchte auch zu erkennen, wie ich aussah, aber die Dunkelheit hier im Park ließ es nicht zu.
Tom war genau wie sein Bruder. Sensibel. Aber er schien es nicht so zu zeigen. Das tiefe Braun in seinen Augen war sehr wenig mit grau unterlegt.
„Klar darfst du mit kommen.“, er lächelte auch.
Ich erwiderte sein Lächeln und er nahm mich unsicher an der Hand.
„Wo wohnst du den? Ist das weit weg?“, fragte ich.
„Nein, nur zwei Straßen weiter. Du hattest echt Glück, dass ich in der Nähe war.“
„Was machst du denn alleine in einem Park?“
„Das sollte eine Abkürzung nach Hause sein, ich komme gerade von einem Club. Und was macht eine junge Dame wie du hier so alleine? Ist doch viel zu gefährlich.“
„Ich wollte eigentlich auf einer Parkbank schlafen… Aber der Typ hatte das wohl anders gedacht.“
Tom lächelte leicht.
Als wir wieder auf die Straße kamen und unter den Straßenlaternen durch ging, sah ich nur gerade aus.
Tom würde mich bestimmt auch wegen meiner Augenfarbe so anstarren.
Ich spürte seine neugierigen Blicke über mich wandern:
„Wie alt bist du eigentlich?“
„Seit gestern 16. und du?“
„Herzlichen Glückwunsch nachträglich. Ich bin 18“ Er drückte mein Hand etwas fester, ließ sie gleich aber auch wieder etwas lockerer.
„Danke.“
„Und woher kommst du? Du wohnst sicher nicht schon immer hier auf den Straßen oder?“
„Öhmm… Ich komme aus Bonn. Bin gestern erst nach hier gekommen.“
„Was hast du vorher in Bonn gemacht?“
„Nichts.“
Tom merkte wohl, dass ich nicht drüber reden wollte… oder besser gesagt nicht konnte. Ich könnte jetzt alles Mögliche aus Bonn erfinden, aber ich wollte nicht Gefahr laufen, mir selbst irgendwann zu widersprechen.
„Und wie gefällt es dir hier?“
„Ich würde sagen, Jesus ist ein Lottogewinner dagegen.“
Tom lachte: „Naja und abgesehen von dem von vorhin?“
„Die Stadt ist so grau und… Die Menschen hier sind sehr unruhig. Es ist ungewohnt und ich vermisse meine Familie.“
Tom schien nach zu denken, denn er sagte nichts weiter. Ich hätte ihm gerne in die Augen gesehen, aber wenn ich zu ihm hin sah, sah er gerade wo anders hin.
„Wir sind da.“, sagte er schließlich und wir blieben vor einem mehrstöckigen Gebäude stehen.
Er ließ meine Hand los.
Schön sah es von Außen ja nicht aus und als er die Tür aufsperrte, führte ein enger Treppengang in der Mitte des Gebäudes hoch.
Wir gingen an einigen Türen vorbei bis er sagte:
„Hier ist es!“
Er sperrte nun eine weitere Tür auf. Ich fragte mich für einen Moment, ob er alleine hier wohnte… Ich beantwortete mir meine Frage kurz selbst mit einem ‚Ja, sicher’.
„Ladys first. Einfach den Flur entlang bis ins Wohnzimmer gehen.“
Er hielt mir auffordernd die Tür offen.
Sollte ich wirklich hineingehen?


5. Kapitel


Ich war mir nicht sicher, ging aber dann doch an ihm vorbei und sah mich in der Wohnung um.
Der Flur hatte links und rechts Spiegel und war etwas enger.
Als ich mich so im Spiegel sah, ging es eigentlich noch, wie ich aussah. Meine Haare waren gar nicht so zerzaust, sondern hingen noch relativ glatt hinunter. Meine Sachen waren leicht befleckt etwas schlabberig.
Mein Gesicht war leicht verschmutzt und über meine eine Schulter, verteilten sich Schrammen, von dem Sturz vorhin.
Im Wohnzimmer angekommen, sah es eigentlich ganz schön so aus.
Eine schöne Einrichtung in warmen Farben.
Die Wände Gelb, die Couch rot und der Teppich orange. Ein paar Schränke, ein Tisch mit Dekorationen aus Blumen und Stühlen…
Ein Fernseher, eine Stereoanlage und ein großes Fenster. Gegenüber der Couch an der Wand war noch eine große Leinwand.
„Willst du dich vielleicht duschen?“ Tom machte überall das Licht an.
„Gerne.“ Wozu auch immer. Ich musste mich noch nie duschen.
„Dann komm mit.“
Im Bad angekommen zeigte er mir alles.
„Hier sind Handtücher, das ist für deine Haare und das ist ein Körpershampoo. Und du brauchst noch was zum Anziehen…“
Er sah mich nachdenklich an.
Von meinen Beinen hoch bis in mein Gesicht und ich schaute ihm genau in die Augen, wie nun er mir ja auch.
- Boa, was hat die für schöne Augen? -
Ich musste lächeln.
- Dir passt vielleicht mein blaues Nike-T-Shirt… -, überlegte er weiter.
„Warte kurz.“ Er verschwand zur Tür hinaus.
Als er wieder kam hatte er nicht nur ein blaues überdimensionales T-Shirt mit sondern auch eine Boxershort.
„Das ist dein T-Shirt und das ist deine Boxershort für heute. Hast du eigentlich noch irgendwo andere Anziehsachen?“
„Nein.“
„Ich bin dann mal kurz weg, lass dir beim Duschen ruhig Zeit, okay?“
Er sah mir intensiv in meine Augen, als wolle er wissen was ich dachte, dabei hatte er vor noch in die Stadt zu gehen und ein offenes Modegeschäft zu suchen… für mich.
Er schätzte meine Größe ein.
„Ähmm… okay. Bis nachher dann… Und noch mal danke.“, sagte ich leise.
Ich war schon immer sehr schüchtern und mochte es nie im Mittelpunkt zu stehen, daher war ich auch froh, dass er mich jetzt etwas alleine ließ.
Ich zog mich dann aus und stellte mich unter die Dusche. Schnell erkannte ich, dass das eine Teil zum Drehen die Temperatur einstellte und das andere Teil die Menge des Wassers regelte.
Ich drehte voll auf und entspannte mich unter dem schönen, warmen Wasser, das meinen Körper wie einen Schleier umgab.
Langsam wusch ich mich dann mit den Sachen ab, die mir Tom gegeben hatte und trocknete mich dann ab.
Als ich Toms Sachen angezogen hatte, schaute ich in den Spiegel hier im Bad und kämmte mir meine Haare mit der Bürste neben dem Waschbecken.
Ich setzte mich dann im Wohnzimmer auf die Couch, um auf Tom zu warten, und die Uhr sagte mir, dass gerade mal kurz nach 10 war.
Toms T-Shirt war ein richtiges Zelt und ich zupfte daran etwas herum. Da es so locker saß, war es richtig bequem!
Ich legte mich dann hin und wollte etwas dösen, doch schlief dabei sofort ein.
Schließlich wachte ich ungefähr zwei Stunden später wieder auf und spürte die Anwesenheit von zwei anderen. Ob das auch eine Fähigkeit war? Oder war das eher so was wie Instinkt, dass ich bemerkte, dass zwei hier standen?
Ich hielt die Augen noch geschlossen.
„Woher hast du sie?“, fragte plötzlich eine Stimme.
„Ich hab ihr geholfen.“, sagte die andere Stimme.
„Wie geholfen?“ Ich erkannte die Stimme… Bill? Und die andere gehörte Tom.
„Ein Mann ist im Park ist über sie her gefallen und ich hab ihr halt geholfen.“
„Das sieht man. Du hast ne Wunde über der Augenbraue.“
„Ich weiß… Ich hab sie ja schon ausgewaschen und es tut auch gar nicht mal mehr weh.“
„Wusstest du, dass ich sie gestern schon in nem Club kennen gelernt habe?“
„Echt? Da, wo ich mit war?“
„Ja und ich hab sie sogar auf dich aufmerksam gemacht, aber du warst mit einer Anderen beschäftigt.“ Bill betonte die beiden Wörter einer Anderer.
„Verarschen?“ Tom fand das lustig. Zufälle gab es…
„Sicher nicht. Hast du sie mitgebracht, weil das eine deiner neuen Freundinnen ist oder hat sie kein Zuhause?“ Das mit ‚kein Zuhause’ war eher ironisch gemeint, doch Tom antwortete ernst.
„Kein Zuhause. Außerdem, nur weil ich ein Mädchen mitbringe, heißt es nicht, dass ich nur das Eine mit ihr vorhabe.“, verteidigte sich Tom.
„Hmm… Hast du die Sachen da für sie gekauft?“
„Klar, glaubst du, ich lass sie so in meinen Sachen draußen rumlaufen?“
„Wie lieb von dir. Was meinst du, wann sie wach wird?“
„Morgen…“
Sie schienen echt zu denken, dass ich noch schlafe, was mich schon ein wenig zum Schmunzeln brachte.
Beide sahen mich natürlich unentwegt an und es entging ihnen natürlich nicht, dass ich lächelte, also konnte ich jetzt auch genau so gut meine Augen auch aufmachen.
Als ich beide nebeneinander stehend knapp vor mir sah, setzte ich mich auf und strich mir meine noch feuchten Haare aus dem Gesicht.
„Ähmm… Wie geht’s dir?“ Bill setzte sich neben mich. Anscheinend wohnte er auch hier…
„Gut…“ Ich sah Tom an, der noch immer vor mir stand.
„Hast du Hunger… Durst?“ Tom überlegte, was er mir bringen könnte.
„Ja.“
„Magst du was Bestimmtes?“
„Nein, ist mir egal…“ Ich lächelte Tom entgegen, der in die Küche ging und dann sah ich Bill an, der mir prüfend entgegen blickte.
„Schön dich wieder zu sehen.“ Unterbrach ich die Stille zwischen uns und er hatte keine Ahnung, was er sagen sollte, und nickte nur.
Er sah mir unentwegt in die Augen.
Es nervte mich schon fast ein wenig, aber ich war ebenfalls von seinen Augen beeindruckt. Braune Augen gab es unter Engel nicht.
Tom kam schon ziemlich schnell wieder zurück und brachte mir ein Marmeladenbrot und einen… Kaffee mit.
Dankend sah ich ihm entgegen und trank erst einen Schluck vom Kaffee. Der schmeckte süß und war wunderbar warm. Ganz anders als der, den ich heute Morgen getrunken hatte.
Ich trank gleich schon fast die ganze Tasse aus, so gut schmeckte das.
„Ich hab dir noch nen Kaffee gemacht.“ Tom gab Bill auch eine Tasse und hatte sich selbst auch noch einen Kaffe gemacht.
„Danke. Was machst du eigentlich morgen?“ Bill stellte seine Tasse nach einem kurzen Schluck auf den Tisch.
„Ich wollte eigentlich mit Freunden ins Kino. Und du?“ Tom setzte sich neben Bill.
„Ich kann ja was mit Enomis machen.“ Bill wendete sich an mich.
Tom sah mich verwirrt an.
„Enomis? Ich denke du heißt Sofia.“
Ich spürte, wie mein Gesicht rot an lief. Toll gemacht Enomis, was machst du denn jetzt? Am besten im Boden versinken…


6. Kapitel


„Ähmm…“, stotterte ich, „Ich… habe zwei Namen… Sofia Enomis. Und manchmal sage ich meinen ersten und manchmal meinen zweiten Namen.“, redete ich mich schnell raus und biss dann wieder in mein Marmeladenbrot.
„Wie nennen dich den die meisten?“ Bill sah mich neugierig an.
„Enomis.“ Und schon ist es passiert. Ich hatte mir selbst widersprochen. Woher sollte ich auch wissen, dass ich bei den beiden gemeinsam landen würde. Sofia… Enomis… Tzz…
„Hast du auch einen Nachnamen?“ Bill nahm wieder seine Tasse in die Hand und trank ein paar Schlücke.
„Nein.“ Ich lehnte mich zurück, als ich mein Brot aufgegessen hatte. Ich hatte ganz vergessen, was auf meinem Ausweis stand. Sofia Weiß, als war Weiß mein Nachname.
„Kennst du hier überhaupt jemanden? Hast du hier Freunde, Familie…?“
„Nein.“
„Was machst du dann hier?“ Nun redete Tom wieder.
„Ich ähmm… Keine Ahnung.“
„Weißt du, wie du hier her gekommen bist?“
„Nein. Wieso fragt ihr das alles?“ Die Fragen nervten mich. Ich durfte doch nicht sagen, dass ich von den Wolken kam und ein Engel war. Außerdem würden die mich eh nur für verrückt halten. Super toll.
„Weil wir nicht wissen, wer du bist.“ Bill und Tom sahen sich ratlos an.
„Naja, ich geh dann mal schlafen…“ Bill stellte seine leere Tasse weg.
„Gute Nacht…“ Als Bill aufstand hörte ich, wie er noch leise Enomis nuschelte. Dann verschwand er durch eine Tür neben der Küche. War sicher sein Zimmer.
„Ich geh auch schlafen. Du bist sicher auch noch müde.“ Tom stand auf und wartete anscheinend auf eine Antwort.
Ich nickte.
„Ich geb dir noch ne Decke und ein Kissen.“ Er holte aus einen der Schränke wie schon gesagt Decke und Kissen raus und reichte mir das ganze Zeug.
„Danke für den Kaffee und auch gute Nacht.“
„Das nennt man Kakao und auch gute Nacht…“ Er musste grinsen und ging dann auch auf der anderen Seite der Küche durch eine Tür. Hoppla… Kakao also. Ich wunderte mich schon, warum der Kaffee so süß schmeckte.
Ich legte mir meine Sachen zurecht und wollte wirklich schlafen… Aber es ging nicht. Anscheinend hatte ich mich schon ausgeschlafen.
Ich schloss die Augen und wälzte mich mindestens eine halbe Stunde lang nur hin und her. Seufzend setzte ich mich wieder auf. Und jetzt… Musste ich aufs Klo!
Wo war die Toilette?
Auf der Suche nach der Toilette geriet ich erst in so nen Besenschrank. War voll mit Putzzeug und eine Waschmaschine stand darin samt einem Trockner. Sah hier wie in einem Dschungel aus. Wüst und durcheinander.
Die nächste Tür war richtig.
Als ich dann kurze Zeit wieder auf dem Sofa saß, war mit einschlafen immer noch nichts. Also beschloss ich zu sehen, ob Bill schon schlief.
So leise wie möglich, und das war erstaunlich leise, öffnete ich Bills Zimmertür und schaute nur ins Dunkle.
Durch Umrisse erkannte ich, dass da ein ziemlich großes Bett stand und ein paar Schränke. Leise schloss ich die Tür wieder hinter mir und stellte mich vor das Bett. Durchs Fenster leuchteten die Leuchtreklamen der Geschäfte und das Licht der Straßenlaternen schwach bis hier ins Zimmer hinein.
Bill atmete gleichmäßig ruhig und schlief daher wahrscheinlich schon.
Er lag in einem breiten Bett für Pärchen oder so und ich setzte mich ins Bett neben ihn. Er lag nah an der Wand.
Es war schön, nicht allein zu sein und ich fühlte mich schon viel wohler.
Schließlich wurde ich dann auch müde und legte mich neben Bill unter die Decke. Er lag mit dem Rücken zu mir und war wunderbar warm. Ich kuschelte mich dicht an seinen Rücken und schlief auch schon gleich ein.

Als ich dann wieder aufwachte und schlagartig meine Augen öffnete, war Bill leicht über mich gebeugt und schaute mich an. Ich lag auf dem Rücken und erschrak mich erst total, weil er mir so nahe war.
„Guten Morgen.“, sagte er leise und lächelte mich freundlich an.
„Wie bist du den in mein Bett gekommen, ohne dass ich das gemerkt habe?“
„Du hast Geschlafen.“ Was sonst?
„Aber normalerweise werde ich immer voll schnell wach. Bei Tom merke ich das alleine schon, wenn der aufs Klo geht.“
Bei der Bemerkung muss ich grinsen.
Engel konnten nun mal gut leise sein.
„Ist Tom schon wach?“
„Ja, wir haben sogar schon gefrühstückt. Du schläfst wie ein Murmeltier.“
Er war noch immer so über mich gebeugt und wir sahen uns unentwegt in die Augen, total fasziniert voneinander.
„Du bist mir echt ein Rätsel…“ Bill wendete sich von mir ab und stand auf.
„Deine Sachen liegen auf dem Stuhl, ich hoffe sie passen dir. Komm dann auch mal raus zum Frühstücken.“ Er lächelte noch immer und verließ das Zimmer.

Ich stellte fest, dass die Sachen mir wirklich gut passten. Ein schwarzweißes T-Shirt und dazu eine coole Jeans… Sogar Unterwäsche, wie peinlich…
Aber es passte. Tom dachte echt an alles…
Als ich ins Wohnzimmer kam, war der Tisch mit vielen Sachen gedeckt wie Butter, Brot, Marmelade, Wurst, Käse… Eine Kanne mit Milch, Kakaopulver… Kaffee und noch einiges Mehr. Bill und Tom saßen auch an dem Tisch, beide mit einem Kaffee in der Hand.
„Guten Morgen, setzt dich ruhig.“ Tom zog neben sich einen Stuhl hervor,
„Nimm dir, was du willst, steht alles für dich noch hier.“
Ich setzte mich schüchtern neben ihn und suchte mir den Kakao zusammen und ein Marmeladenbrot. Das von gestern hat einfach nur total gut geschmeckt.
„Ich bin dann jetzt weg. Bye ihr zwei und viel Spaß.“ Tom zwinkerte mir zu, räumte sein Geschirr vom Frühstück in die Küche und war dann weg.
„Du hast mich heute voll erschreckt. Als ich aufwachte, dachte ich erst Tom liegt neben mir.“
Bei dem Gedanken musste ich lachen.
„Du redest nicht viel, oder?“
Ich schüttelte den Kopf. Was sollte ich denn auch sagen? In seinen Augen war abzulesen, dass er sich fragte, ob ich drogenabhängig wäre oder eine Prostituierte wäre. Wie nett!
Okay, was sollte man auch von einem Mädchen denken, das man vorher noch nie gesehen hatte und plötzlich bei einem Zuhause rum saß?
„Ich… Ich hätte nichts zu erzählen. Was machst du eigentlich immer so?“
„Ich geh Arbeiten. Sind ja gerade Sommerferien, da habe ich mir frei genommen. Und da gehe ich halt öfters mit Freunden weg… Oder Besuche meine Eltern… Schreibe Songs…“
„Was für Songs?“
Seine Gedanken verunsicherten mich etwas.
- Entweder erkennt die mich wirklich nicht oder sie spielt mir was vor.-
Wieso sollte ich ihn erkennen? Er schien also berühmt zu sein oder so…
„Ich spiele in einer Band namens Tokio Hotel und Singe halt eben Songs, die ich selbst geschrieben habe.“
„Singst du mir was vor?“
Wenn er wirklich so bekannt sein musste, musste er ja auch gut singen können oder?
„Später vielleicht.“
„Wieso? Ist doch sonst keiner da.“ Enttäuscht sah ich ihn an.
„Hmm… keine Lust, aber wenn du willst, kann ich dich morgen zu unserer Bandprobe mitnehmen.“
„Find ich cool!“
Nachdem ich gegessen hatte, räumten wir gemeinsam alles wieder in die Küche.
„Heute ist so’n Gammeltag für mich, das heißt ich gucke mir heute den ganzen Tag nur DVD’s an. Ist das okay für dich?“
„Ja..“ Nein. Ich würde viel lieber wieder meine Flügel haben.
„Hast du einen Lieblingsfilm?“
„Nein, nehmen wir einfach deinen Lieblingsfilm.“
„Okay.“ Er lächelte breit. Dann setzte ich mich auf die Couch und er schaltete so einen komischen Projektor oder so etwas ein, was ein Bild auf eine große Leinwand gegenüber an die Wand warf.
„So was habe ich noch nie gesehen…“
„Echt nicht?“, entgegnete mir Bill.
Wupps, hatte ich das laut gesagt?
„Nein… Und worüber geht der Film?“
„Über Geheimagenten. Mr. & Mrs. Smith heißt der und ist mein absoluter Lieblingsfilm.“
Er setzte sich dicht neben mich und legte einen Arm hinter mich über das Sofa.


7. Kapitel


Der Film war richtig gut und am liebstem hätte ich mir den noch mal angesehen, aber Bill hatte noch ein paar andere Filme und legte schon einen Neuen ein.
„Welcher Film kommt jetzt?“
Bill setzte sich wieder genau so neben mich wie vor her.
„Das ist ein… Horrorfilm oder so und heißt Disturbia.“
„Wie Horror?“
„Hmm… Kann man nicht sagen. Um ehrlich zu sein, ich hab mir den gestern erst besorgt. Lass dich überraschen.“
Der Film fing relativ gut an, doch nach einiger Zeit, wurde der richtig unheimlich und ohne dass ich das merkte, bin ich immer weiter zu Bill hingerutscht und er hatte seinen Arm schon um meine Schultern gelegt.
„Bin ich froh, dass das nur ein Film war!“, sagte ich als der Film zu Ende war und merkte erst jetzt, dass ich schon richtig in Bills Armen lag.
Meinetwegen konnte ich gerne so sitzen bleiben, das war irgendwie schön so. Mein Kopf lehnte an seiner Brust und ich hörte seinen schnellen Herzschlag.
Musste wohl vom Film kommen.
Ich merkte, wie er sich dann entspannte und mit seiner Hand über meinen Oberarm streichelte.
Ich schlang nun auch einen Arm um seinen Bauch und kuschelte mich noch mehr an ihn.
„Du bist voll die Schmusekatze“, schmunzelte er.
„Sag mal, glaubst du an Engel?“, platze es aus mir raus.
„Wie kommst du jetzt darauf?“
„Weiß nicht. Sag doch.“
„Engel… Darüber habe ich noch nie so nachgedacht. Aber ich denke schon.“
„Glaubst du auch an Gott?“
„Nein, an den nicht so ganz. Sonst würde ich ja auch in die Kirche gehen.“
Stimmt ja… Die Menschen gingen ja in Kirchen und hatten eine Bibel… Wenn sie nur wüssten, dass Engel keine Gottesboten sind sondern Beschützer. Die Geschichten aus der Bibel wurden viel zu oft umgeschrieben, sodass sie nicht mehr der Wahrheit entsprachen.
„Wann ist das nächste Mal eine Messe?“
„Willst du in die Kirche gehen?“
„Ja. Ich war noch nie in einer.“
„Ähmm… am Samstag. Also Morgen. Dann kannst du direkt nach der Bandprobe hin.“
„Kommst du nicht mit?“
Bill lachte.
„Ich denke eher nicht. Aber wenn du willst.“
„Ja, bitte. Alleine traue ich mich nicht“
„Wovor hast du Angst?“
„Mir ist es einfach lieber, wenn du mitkommst.“, sagte ich so leise, dass er es schon fast nicht mehr hören konnte.
„Gut, dann gehen wir morgen in die Kirche. Soll ich uns eine Pizza bestellen? Ich muss zugeben, ich kann nicht gut kochen.“
„Hast du’s schon mal versucht?“
„Was?“
„Kochen.“
„Ist schon was länger her.“
„Dann lass es uns wenigstens mal versuchen, wenn wir’s nicht hinkriegen, können wir uns noch immer eine Pizza bestellen. Okay?“
„Auf deine Verantwortung.“
Sein Brustkorb wippte leicht, weil er ein wenig lachen musste.
„Was sollen wir überhaupt kochen?“
„Hast du keine Rezepte?“
„Hmm… Doch…“ Bill kramte in einer Schublade und holte schließlich ein Rezept für selbst gemachte Pizza hervor.
„Du stehst auf Pizza, kann das sein?“
„Aber voll.“ Er streckte leicht seine Zunge aus. Und ein Zungenpiercing blitzte mir entgegen. Wieso hatte er bitte ein Metallteil in seiner Zunge stecken? War wohl ein Schönheitsideal oder so.
Der Teig war schnell gemacht und Bill hatte alles Zuhause, was man brauchte.
„Meinst du das ist richtig so?“
„So steht das im Rezept…“
„Das sieht komisch aus.“, grinste ich. Ich hatte echt keine Ahnung von Pizza und von Kochen erst Recht nicht. Aber es machte richtig Spaß.
„Und jetzt kommt der Belag… Was willst du drauf?“
„Keine Ahnung… Von allem etwas. Oder gibt es etwas, was du gar nicht magst?“
„Hmm…Oliven… Die sind mir zu bitter.“
„Okay…“
„Also nehmen mir Salami, Champions, auf jeden Fall Ketschup und Käse…“
„Klingt doch schon mal lecker.“
„Jopp, und jetzt muss alles noch eine ganze Weile lang in den Ofen. Was machen wir so lange?“
„Sing mir jetzt was vor!“
„Och nöö…“
„Wieso nicht?“
„Keine Lust…“
„Das hast du vorhin schon gesagt, jetzt komm schon!“
„Warte doch bis morgen ab. Dann hörst du mich so wie so bei der Bandprobe.“
„Menno.“
Bill lachte.
„Dann lass uns lieber mal was zu Trinken Mixen. Wie wär’s mit Kiba?“
„Woraus besteht das?“
„Aus Kirschsaft und Bananensaft… Ich geb aber immer etwas Wodka dazu, deshalb sagen Tom und ich dazu auch manchmal Kibawo.“
„Klingt gut.“
Bananensaft so wie auch Kirschsaft schmeckten einzeln gut… aber als ich einen Schluck vom Wodka nahm, musste ich kräftig husten. Es brannte den Hals hinunter und schmeckte widerlich. Aber ein merkwürdig warmes Gefühl machte sich dann in meinem Bauch breit.
„Noch nie Wodka getrunken?“, lachte Bill.
Mit Tränen angelaufenen Augen schüttelte ich den Kopf.
- Du bist komisch. Kein Alkohol, keine Drogen, anscheinend auch keine Prostituierte… Zum Glück. Woher kommst du nur? -
Bill schaute mich noch immer breit grinsend an, als ich den Wodka wieder weg stellte und von dem Kiba probierte.
„Das schmeckt echt gut!“
„Deshalb mixen wir das ja auch.“ Bill wuschelte mir durch die Haare wobei ich mich aus Reflex duckte und anfing zu kichern.
Ähmm… kichern? Seit wann kichere ich denn?
„Wie süß.“, kam es von Bill, „So die Pizza müsste jetzt aber auch langsam fertig sein.“
Bill sah in den Ofen.
„Japp, fertig.“
„Bin gespannt ob die auch schmeckt, obwohl du ja nicht kochen kannst.“ Das ‚nicht kochen’ betonte ich.
„Wann hab ich den gesagt, dass ich nicht kochen kann?“, fragte er ironisch, was ich nicht verstand.
„Vorhin auf dem Sofa?“, meinte ich etwas verwirrt.
„Ich weiß.“
„Wieso fragst du dann?“
Bill lachte.
„Um dich zu ärgern.“
„Du bist lustig!“, sagte ich sarkastisch.
Waren Menschen immer so verwirrend?
Nachdem wir die Pizza in Stücke geteilt hatten und uns an den Tisch mit unserer Kibawo setzten, sah die Pizza eigentlich gut aus.
„Und schmeckt’s?“, fragte ich Bill, der als erstes hinein biss.
„Nein, überhaupt nicht!“ Bill verzog das Gesicht.
„Wirklich?“ Ich runzelte die Stirn und sah auf das Stück auf meinem Teller.
Dann brach Bill in schallendes Gelächter aus.
„Dein Blick! Hammer! Wie du deine Pizza angeguckt hast!“
Ich verschränkte die Arme beleidigt vor meiner Brust und lehnte mich im Stuhl zurück.
„Das war doch nur ein Scherz, sie schmeckt gut.“
„Du bist doof.“ Ich streckte ihm die Zunge aus.
„Und du bist voll knuffig!“ Er biss noch mal in seine Pizza und auch ich nahm jetzt einen Bissen davon.
Hey, lecker war sie wirklich.
„Von wegen du kannst nicht kochen!“
„Das hat nur hingehauen, weil du mir geholfen hast“ Bill zwinkerte mir zu.
Wir aßen fast die ganze Pizza auf, bis ein Schlüsselklappern an der Tür zu hören war und Tom kam Sekunden später durch den Flur. Aber nicht alleine. Er hatte ein Mädchen bei sich.


8. Kapitel


Sie war ziemlich dünn und hatte kurze gelbblonde Haare. Sie trug ein schwarzes Netztop, unter dem ihr BH unübersehbar in rot hervor Blitze. Und als ob das noch nicht aufreizend genug gewesen wäre, hatte sie einen Minirock an mit Lederstiefel, die einen hohen spitzen Absatz hatten.
„Hey.“, begrüße Bill die beiden nur kurz und schenkte ihnen keine weitere Aufmerksamkeit.
Ich jedoch starrte geradezu dieses Mädchen oder diese Frau an und bemerkte es nicht mal.
„Hey.“, kam es nur kurz von den beiden zurück, und Tom zog das Mädchen direkt durch das Wohnzimmer in sein Zimmer. Betrunken grinste er dabei und das Mädchen stolperte fast nur.
„Ähmm…“, fing ich an.
„Frag nicht!“
„Okay…“ Dann lese ich halt seine Gedanken.
Bill seufzte.
- Das er auch immer solche Weiber aufreißen muss. Kein Wunder, dass er sich noch nie richtig verliebt hat. Und dass er Enomis nicht angebaggert hat, grenzt an einem Wunder. –
Eigentlich wollte ich fragen warum er sie angeschleppt hatte, aber Bill schien nicht weiter darüber nachdenken zu wollen und trank schließlich seine Kibawo leer.
„Freust du dich schon auf deine Bandprobe?“ Ich versuchte etwas abzulenken.
„Ja, natürlich. Die Band ist unzertrennlich und wir sind alle die besten Freunde… Ich freue mich immer, wenn ich Georg und Gustav sehe.“
„Was spielen die beiden den?“
„Georg spielt Bass und Gustav Schlagzeug.“
Wir tranken die ganze Zeit unentwegt Kibawo, wo eigentlich mehr Wodka als alles andere drinnen war und schon nach einer guten Stunde, fing bei mir alles etwas an zu schwanken.
„Ih glaub, ih bin krank…“ Ich fasste mir an die Stirn.
„Hä, nein, wieso denn?“
„Mir is so komisch warm und es dreht sich alles.“, lallte ich.
„Ohne Scheiß, du warst noch nie betrunken.“ Bill schien der Alkohol nicht so viel ausgemacht zu haben.
„Jaa… Das Saurererere-Apfeldingens da war das erste Alkoholische, was ich getrunken hab.“
Ich konnte gar nicht mehr richtig reden, meine Zunge war fast schon selbstständig und ich gestikulierte mit den Händen umher.
„Du solltest echt nichts mehr Trinken… Dabei hattest du gerade Mal dreieinhalb Gläser.“
„Tzz…“ Ich trank mein Glas noch aus.
„Es ist schon halb ein Uhr morgens, bist du nicht müde?“
„Hmm… Ih überleges mi noch, kay?“
„Also Alkohol verträgst du schon mal nicht so gut.“, lachte Bill.
Dann ging Toms Zimmertür wieder auf. Nicht Tom kam raus sondern seine komische Freundin, die nun wieder gehen wollte.
„Bye.“, sagte sie kurz und verschwand schon zur Tür hinaus.
„Tschühüs!!!“ Ich winkte ihr nach. Dann sah ich Bill wieder an.
„Was…“, fing ich an.
„Nahaein!“
„Du weischt gar nit, was ih fragn will!“
„Ich seh dir aber an, dass es etwas mit Tom zu tun hat.“
„Aber was mascht der denn mit den Mädel?“
„Wie was macht der mit dem Mädchen? Kannst du dir dass nicht denken?“
„Ne, sag scho!“
„Hmm… Später, ich bin müde.“
Während ich noch in meinem Stuhl hing, räumte Bill alles weg in die Küche.
Dann ging er ins Bad und ich begab mich torkelnd in sein Zimmer.
Frag mich eigentlich wieso, ich sollte doch auf dem Sofa schlafen nicht?
Aber als ich in Bills Bett lag, war das so schön entspannend, dass ich direkt wegdöste.

Ich merkte dann noch, wie Bill mir nur die Hose auszog und mich dann zudeckte.

Als ich am nächsten Morgen aufwachte, lag Bill noch neben mir. Er schlief noch und hatte einen Arm um mich geschlungen.
Ich hielt mir den Kopf. Er schien explodieren zu wollen, aber weshalb? Ich begab mich zuerst auf die Toilette und dann in die Küche um etwas zu trinken, wo mir Tom begegnete, der sich ebenfalls was zu trinken holen wollte.
„Na schon wach.“, gab er von sich und schüttete sich Mineralwasser ein.
„Japp… Aber voll Kopfschmerzen.“
„Zu viel getrunken?“
„Bekommt man davon Kopfweh?“
„Klar!“ Tom sah mich lächelnd an.
Dann gab er mir ein Glas Wasser und kramte eine kleine weiße Tablette hervor.
„Schluck das mit Wasser einfach runter.“
„Und dann geht’s mir besser?“
„Japp.“
„Danke.“ Wie sollte mir so ein kleines Ding helfen? Misstrauisch schluckte ich es einfach.
Tom verdrückte sich wieder in sein Zimmer. Vielleicht um weiter zu schlafen. In seinen Augen war abzulesen, dass er gut geschlafen hatte. Ob das an dem Mädchen gestern lag?
Als ich mein Glas ausgetrunken hatte, ging ich wieder zurück in Bills Zimmer und legte mich neben ihn.
Er schlief immer noch und lag auf seinem Rücken.
Ich legte mich seitlich zu ihm hin und schlag einen Arm und ein Bein um ihn und legte meinen Kopf auf seine Brust.
Das war sooo schööön und er hatte so einen tollen eigenen Geruch.
Ich hätte direkt wieder einschlafen können, wenn ich nicht schon ausgeschlafen gewesen währe.
Nach einer halben Stunde dösen, waren meine Kopfschmerzen wie weggeblasen und ich merkte, dass Bill gleich aufwachen würde. Seine Atmung war nicht mehr ganz so ruhig und er rieb sich aus Reflex mit einer Hand die Augen.
„Guten Morgen.“, sagte ich leise, bewegte mich aber kein bisschen von ihm weg und schaute ihn noch nicht mal an.
„Guten Morgen auch.“ Er streckte sich unter mir.
„Wie geht’s dir?“
„Ein schönes Erwachen, also gut und dir?“
„Auch, hast du keine Kopfschmerzen oder so?“
„Hatte ich, aber Tom hat mir eine Tablette gegeben.“
„Ach, war der schon wach?“
„Ja, aber dann ist er wieder ins Bett gegangen. Wann müssen wir denn zu der Bandprobe?“
„In…“, Bill sah auf seinen Wecker, „EINER HALBEN STUNDE?!“
Er sprang aus dem Bett, wobei er mich unsanft aus dem Bett auf den Boden warf und war ins Bad verschwunden.
„Autsch…“, entfuhr es mir. Danke auch.
Ich beschloss mich dann auch mal um zu ziehen und nahm mir ein rotes T-Shirt, dass mir Tom auch mitgebracht hatte und die Jeans von gestern. Dann ging ich mal gucken, was Bill im Bad so lange machte.
Er hatte sich schon geschminkt und war gerade an seinen Haaren beschäftigt. Er hatte zwar T-Shirt und Boxershort an, aber keine Hose…
„Sorry wegen eben!“ Bill zog mich zu sich und gab mir einen leichten Kuss auf die Wange, bevor er sich wieder seinen Haaren zuwandte…
Er schien mich wohl sehr zu mögen…
Mit einem breiten Lächeln stellte ich mich neben ihn und kämmte mir die Haare.
Dann war er mit seinen fertig.
„Darf ich?“ Er nahm mir die Bürste aus der Hand.
Ich nickte, was auch immer er vorhatte.
Er kämmte meine Haare ein paar Mal zusammen und fing dann an einen Zopf zu flechten.
Mit einem kleinen Haargummi band er dann das Ende zusammen.
„Cool danke!“, sagte ich und betrachtete meinen Zopf im Spiegel.
Dann zog er sich noch Schmuck und Hose an, packte sich etwas Geld und seinen Haustürschlüssel und zog mich mit sich aus der Haustür.
„Und Tom?“, fragte ich, als wir die Treppen hinunter gingen.
„Der ist vorhin sicher nicht wieder schlafen gegangen, der ist sicher schon da.“
„Sind wir schon zu spät?“
„Ein bisschen…“

Als wir dann einige Straßen weiter vor einem großen Gebäude ankamen und durch einen Seiteneingang hinein kamen, kam uns Tom schon entgegen: „Du bist ne ganze halbe Stunde zu spät.“
„Ich weiß… Aber keiner hat mich geweckt!“, rechtfertigte sich Bill.
„Eine halbe Stunde ist doch kein ein bisschen zu spät?“ Ich schaute Bill an.
„Hey, besser als nie oder?“ Er zuckte mit den Schultern und nahm das ziemlich gelassen.
Dann gingen wir Tom nach. Schließlich standen wir in einem Raum mit Boxen, Mikrophon, E-Bass, E-Gitarre und Schlagzeug. Der Raum war nicht mal klein und an der Wand gegenüber vom Mikrophon stand ein Sofa. Auf dem saßen zwei Typen.
„Darf ich vorstellen Enomis, dass sind Georg und Gustav. Georg und Gustav, das ist Enomis.“
„Außergewöhnlicher Name…“, sagte Gustav und schüttelte mir die Hand.
„Hey“, sagte auch Georg und schüttelte mir ebenfalls die Hand.
„Können wir dann anfangen?“ Gustav schien ungeduldig.
„Ja klar, Enomis, du kannst hier auf dem Sofa sitzen bleiben.“ Bill stellte sich vor sein Mikro.
„Dass Tom mal ein Mädchen mitbringt ist ja normal, aber du Bill? Seit wann schleppst du Weiber ab?“ Georg schnappte sich seinen Bass.
„Hey, Tom hat sie gestern mitgebracht.“, verteidigte er sich grinsend.
„Aber ich hab nichts Schlimmes mit ihr gemacht!“ Tom stand schon bereit mit seiner Gitarre und hob unschuldig seine Hände in die Luft.


9. Kapitel


„Jaja!“, gab Gustav seinen Senf dazu, „Das sagt man dann!“
Ich lehnte mich zurück und war gespannt, ob die Musik mir überhaupt gefallen würde.
„Was spielen wir als erstes?“ Tom schaute zwischen seinen Bandkollegen hin und her.
„Hmm… Ich brech aus.“ Kaum hatte Bill das gesagt, fing Gustav an mit seinen Schlägern den Tackt zu schlagen und fing an zu spielen. Schließlich kamen auch Gitarre und Bass dazu bis Bills Stimme endlich ertönte.

Ich hab heut’n ander’n Plan
Und der geht dich gar nichts an
Ich halt in fest in meiner Hand
Mit dem Rücken an der Wand


Seine Stimme war… Überwältigend und er sang es so, als würde es sein Herz singen, wenn es könnte.
Er hatte wenig grau in seinen Augen, weil er alle seine schlechten Gefühle einfach in Songs steckte und sie dadurch besser verarbeitete.
Beeindruckend, wenn man denkt, wie viele Menschen es gibt, die alles in sich hinein fressen, aber Bill?
Der schreit es ja praktisch aus sich raus und das konnte nur gut sein.

Ich brech aus!

Nach dem er zu Ende gesungen hatte, sah er mich erwartungsvoll an.
„Ihr seid wirklich gut!“ Ich strahlte Bill förmlich entgegen.
Als ich aber Georg entgegen sah, verschwand mein Strahlen ein wenig. Ich sollte mich mehr unter die Leute mischen, denn ich schien hier wirklich bei jemandem gelandet zu sein, den wirklich jeder kannte.
- Natürlich sind wir gut, oder hat sie uns noch nie gehört? -
Bill… und Tokio Hotel.

„Ähmm… Bill?“ Ich stand auf und ging zu ihm hin.
„Ich geh noch mal kurz in die Stadt, wie lange bist du noch hier?“
„Zwei Stunden…“
„Ich komme dann wieder, bevor ihr weg seid, okay?“
„Mach das. Bis später.“ Er drückte mir wieder einen leichten Kuss auf die Wange. Mein Strahlen war wieder voll und ganz zu sehen und ich ging nach draußen.
Um ein paar Ecken eröffnete sich mir eine Einkaufsstraße und ich ging direkt in einen Kiosk. Zeitungen, Süßkram, Zigaretten und Eis… Ich wühlte mal durch die Zeitschriften und direkt viel mir eines ins Auge, dass den Namen Bravo trug. Bill war auf der Titelseite zu sehen und als ich das Heft hervor nahm und die Seiten aufschlug, in denen es um Tokio Hotel ging, war ich mehr als nur erstaunt.

Tokio Hotel in einem Fotoshooting mit Interview.

Bravo: Wie geht es jetzt nach eurer Tour weiter?

Bill: Unsere Tour durch die USA ist jetzt gerade erst vorbei und wir haben uns für Sommerferien entschieden und ich denke Deutschland wird sich danach umso mehr freuen, dass wir dann hier wieder Konzerte geben werden.
Dann haben wir auch wieder etwas Zeit für uns selbst.

Tom: Und die ganzen Mädchen. (grinst)

Bravo: Wo geht’s im Urlaub den hin?

Tom: Wie immer verraten wir das nicht! Denn wenn wir sagen würden wie z.B. dass wir zu den Malediven fahren würden, gäbe es bestimmt mehr als hunderte von Fans, die dort dann auch hinfahren würden. Da hätte ich ja gar keine Ruhe mehr. (alle lachen)

Bill: Aber wir lassen unsere Fans natürlich nicht im Stich. Von all unseren Urlauben gibt es immer Fotos und ich denke, dass wird dieses mal nicht anders sein. Also sie können sich schon mal auf etwas freuen.


Ich hatte keine Lust weiter zu lesen und schaute mir stattdessen die Bilder in der Zeitschrift an. Auf allen Bildern sah Tokio Hotel toll aus und auf allen Bildern stand Bill immer so ziemlich vorne.
Neben mir standen zwei Mädchen, gerade mal so alt wie ich die mir über die Schulter ins Heft schauten und dann anfingen mit:
„Ihhh! Tokio Hotel!“
„Was habt ihr gegen die?“, fragte ich auf ihre Reaktion. Mir war es ein Rätsel, das die Mädchen so reagierten und einen Zicken-Ton anschlugen. Ich dachte Tokio Hotel seien so beliebt…
„Die sind doch mal voll Schwul! Wie kannst du die nur mögen?“, sagte die Blonde.
„Ist das nicht meine Sache, was ich mag oder nicht?“ Ich betrachtete die beiden Mädchen genauer. Kurze Röcke, knappe Oberteile, vollkommen übergeschminkt und lange Haare. Das andere Mädchen hatte schwarze Haare.
„Es ist nicht nur deine Sache, es ist die Sache von ganz Europa und USA! Schließlich kennt die ja jeder.“
Die Blonde, die die ganze Zeit mich so blöd anmachte, fuchtelte vor meinem Gesicht mit ihren Händen herum.
„Nimm deine Hände bitte runter, sonst verletzt du noch jemanden mit deinen langen Fingernägeln!“, sagte ich vorsichtig.
Ich hatte einen ziemlich ruhigen Ton im Gegensatz zu ihr und das schien sie noch mehr zu provozieren.
„Eigentlich gehörten euch allen TH-Fans die Augen ausgestochen, damit man euren schlechten Typengeschmack nicht mehr ertragen muss!“
„Da hättest du aber viel zu tun! Schließlich gibt es mehr Fans als nur mich.“, gab ich kühl zurück. Das andere Mädchen lachte die ganze Zeit in einem sehr hohen Ton und hörte ihrer Freundin zu.
„Sei nicht so vorlaut oder willst du dir eine einfangen?“
„Du hast mich hier doch so dumm angemacht, ich weiß gar nicht, was du willst.“
Die Blonde schien es zu genießen ihre Wut an mir aus zu lassen, als hätte sie einen schlechten Tag gehabt oder so.
Instinktiv duckte ich mich, als sie plötzlich mit der flachen Hand ausholte. Sie schlug ins Leere. Wie übertrieben war die denn?
Wollte sie mich gerade ernsthaft schlagen?
Noch ehe ich mich versah, hohle sie noch ein zweites Mal aus und ich fing ihre Hand kurz vor meinem Gesicht mit meiner Hand ab.
„Nicht so aggressiv!“, lächelte ich und sah sie durchdringend an und sie riss ihre Hand zurück. Als hätte ich sie irgendwie zutiefst beleidigt oder so, machte sie einen Rückzieher und ging aus dem Laden. Sie zog ihre Freundin mit sich und meinte nur: „Die ist es nicht wert!“
Ich legte das Heft mit Tokio Hotel wieder weg.
Was war das bitte eben? Als ob die zwei nichts Besseres zu tun hätten…
Als ich zum Tresen sah, hinter dem der Kassierer stand, schaute er mich etwas irritiert an und ich verließ lieber mal den Laden um seinen Blicken zu entgehen.
Ich ging ein wenig weiter über die Fußgängerzone und sah mich über die Straßen um. Nur wenige Leute liefen hier herum.
Ich sah die zwei Zicken von vorhin wieder. Sie standen weiter weg vor einem Mädchen, dass ein Tokio Hotel T-Shirt trug. Das Mädchen schien ziemlich eingeschüchtert zu sein und strich sich schüchtern mit einer Hand durch ihr blond gelocktes Haar. Sie war nicht gerade schlank, sah aber total hübsch aus.
Unauffällig beschloss ich näher zu gehen und hörte sofort, wie die eine Blonde wieder rum zickte.
„Hast du Geschmacksverkalkung oder was?“, sagte die Zicke laut und das Mädchen schüttelte kaum merklich ihren Kopf.
„Ich kann dich nicht höööören!“, blafften die zwei Mädchen sie gemeinsam an.
So, das reichte. Wie kann man nur so egoistisch und eingebildet sein?!
Was fällt diesen blöden Zicken eigentlich ein?
Ich ging geradewegs auf sie zu und sie bemerkten mich nicht, bis ich dann zwischen dem Mädchen und den Zicken stand.


10. Kapitel


„Was hörst du eigentlich so für Musik?!“, fragte ich.
Ich hatte meine Stimme laut erhoben, sprach dennoch ruhig.
„Us5, die wesentlich besser sind und nicht so Schwul wie Bill!“
„Ihhh! Us5, wie kannst du das nur hören? Hast du Geschmacksverkalkung oder was?“, machte ich die Mädchen nach und machte dabei eine abwertende Handgeste.
Sie sahen mich böse an.
Wieder fing sie an mit ihren Händen herum zu fuchteln: „Du solltest besser deinen Mund halten du Lesbe, beim nächsten Mal schlage ich nämlich wirklich zu!“
„Das sagt die Richtige!“, lachte ich.
Und wie voraus zu sehen holte sie schon wieder aus.
Ich wich mit meinem Kopf einige Zentimeter zurück, sodass sie mich nur knapp verfehlte.
„Lern mal richtig zu zuschlagen.“ Ich lachte noch immer.
Das brachte die Blondine voll aus der Fassung und sie wollte nach meinen Haaren greifen und mich kratzen.

Noch ehe ich reagierte, stand plötzlich das eine Mädchen, das die Zicke vorher fertig gemacht hatte, neben mir und schlug die Hand von der Zicke weg, die geradewegs auf mich zuschnellte.
„Lass uns doch einfach in Ruhe, sonst bist du gleich diejenige, die sich eine einfängt!“, sagte das Mädchen mit dem Tokio Hotel T-Shirt und die Zicke wollte sie ins jetzt kratzen.
Das hatte sie natürlich überhaupt nicht vorher sehen können so wie ich und ich schubste die Zicke kräftig zurück, bevor ihre Fingernägel auch nur in die nähe vom Gesicht des Mädchens kamen.
Die und ihre Fingernägel… Hilfe!
Einige Menschen, die weiter weg standen, sahen schon aufmerksam zu uns und überlegten, ob sie sich einmischen sollten.
Die Zicke schaukelte nach hinten, verlor das Gleichgewicht auf ihren hohen Absätzen und landete alles andere als elegant auf ihrem Hintern.
„Gibt’s auf!“ So viel Selbstbewusstsein, wie ich im Moment hatte, habe ich noch nie gehabt und mit festem sicherem Blick sah ich auf die Zicke herab. So kannte ich mich ja eigentlich gar nicht…
Ihre komische Freundin half ihr sofort auf die Beine und beide machten kehrt. Mit schnellen Schritten verschwanden sie um die nächste Ecke.
„Wow… Danke!“, das Mädchen, dass neben mir stand, viel mir in die Arme.
„Kein Problem!“, grinste ich schüchtern.
Wenn sie mir schon so in den Armen lag und auch noch Tokio Hotel Fan war, konnte ich mich auch genau so gut mit ihr anfreunden… oder?
Also streckte ich ihr nach der Umarmung meine Hand entgegen:
„Hey, ich bin Enomis.“
„Ich heiße Larissa. Enomis… Schöner Name. Passt zu deinen schönen Augen.“
„Danke.“
Larissa hatte grüne Augen und sie waren auch nur wenig von grau unterlegt… aber dafür mehr mit braun vermischt. Sie schien ziemlich schüchtern zu sein und ihr Selbstbewusstsein ließ zu wünschen übrig.
„Wie geht’s dir?“, fragte ich sie.
„Gut… Dank dir!“
„Hab ich gern gemacht. Sag mal, wohnst du hier?“
„Ja direkt ein paar Straßen weiter.“
Dass hier aber alles auch immer in der Nähe lag. Mussten Großstädte wohl so an sich haben.
„Ähmm… wollen wir was trinken gehen?“, fragte sie mich.
„Ja gerne.“
„Lust auf einen Kiba? Ich kenne ein tolles Kaffee hier in der Nähe.“
„Ja klar. Ich hab aber nur noch eine Stunde Zeit.“
„Das macht nichts!“
Larissa war auch so einer der netten Menschen. Ich musste schon feststellen, dass sich das nicht richtig aufteilte. Entweder wahren Menschen selbstgefällig und unfair oder die Freundlichkeit in Person.
Als wir dann in einem Kaffee saßen und uns zwei Kiba’s bestellten versuchte ich ein Gespräch in gang zu bringen.
„Seit wann bist du Tokio Hotel Fan?“
„Seit ich das aller erste Mal ihren ersten Song im Fernsehn gesehen habe. Also seit 3 Jahren“
„Wow, das nenn ich einen Fan.“
„Und du?“
„Hmm… Um ehrlich zu sein, erst seit heute. Ich habe vor her noch nie einen Song von ihnen gehört. Aber als Bill anfing zu singen… Unglaublich.“
„Und was war vorher?“
„Ich habe nie so richtig Musik gehört oder mich dafür interessiert. Aber Tokio Hotel scheinen wirklich jeden in ihren Bann zu ziehen.“
„Fast jeden. Das Monster von vorhin mochte sie sicher nicht.“
Wir lachten.
„Was hat die eigentlich als Erstes zu dir gesagt?“
„Hmm… Sie kam so direkt auf mich zu und meinte dann nur, von wegen TH-Fan, kauf dir mal anständige Klamotten!“
„Die soll sich erst mal richtig anziehen. Sieht ja voll schlampig aus.“
„Mit dem Tonnen von Make up in ihrem Gesicht.“
„Das ist dir auch aufgefallen? Naja, war ja auch nicht zu übersehen.“ Ich muss schon sagen. Es war lustig sich über das Mädchen kaputt zu lachen, aber ich wechselte schon gleich wieder das Thema auf Tokio Hotel zurück.
„Ich hab gehört, TH sind im Urlaub?“
„Ja, aber keiner weiß so genau wo. Hier in Deutschland sicher nicht.“
„Meinst du, die würden hier auffallen?“
„Nein… nicht so wirklich. Es gibt viele, die sich so kleiden wie Bill und Tom und sich so Stylen und schminken, die sehen fast voll genau so aus wie Bill und Tom!“
„Warum machen sie das?“
„Weil Bill und Tom ihre Vorbilder sind. Sie wollen so sein wie sie.“
„Und wen magst du am liebstem?“
„Ich kann mich zwischen Bill und Tom nicht entscheiden.“
„Willst du dich nicht entscheiden?“
„Nein, wozu auch? Selbst wenn ich denen über den weg laufen würde… Die würden eh keine Notiz von mir nehmen.“
„Hast du sie den schon mal getroffen?“
„Nein… Ich war auf einem Konzert von ihnen. Da stand ich aber ziemlich weit weg von der Bühne.“
Und wir redeten und redeten und ich hörte viel von Toms Machogehabe und dass Bill der Sensiblere war. Georg war mehr so der Erwachsene und Gustav der Spaßvogel. Gut verteilt würde ich sagen. Dann sah ich auf meine Uhr. In einer halben Stunde würde ihre Probe zu Ende sein.
„Duhu? Ich muss los… Können wir uns mal wieder treffen?“
„Klar… Morgen?“
„Von mir aus. Zwei Uhr wieder hier?“
„Japp, bye.“
„Bye, bye.“ Wir umarmten uns zum Abschied.
Zurück bei Gustav, Georg, Tom und Bill setzte ich mich wieder auf die Couch. Sie waren gerade mitten in einem Song…

Ich bin da…
Wenn du willst…
Ganz egal …
Wo du bist…
Ich bin an deiner Seite…
Nur für eine Weile…


Als der Song endete, endete auch schon die Bandprobe und ich umarmte Bill zur Begrüßung, als er auf mich zukam.
„Und was hast du bis jetzt so gemacht?“, fragte er und hielt mich noch immer in seinen Armen.
„Ich hab dich in der Bravo gesehen.“ Leicht stieß ich mich von ihm ab und löste so unsere Umarmung.
„Ich wusste nicht, dass ihr so erfolgreich seid… Wieso hast du das nie gesagt?“
„Weiß nicht…“ Ich las von seinen Augen ab, dass das nicht die Antwort war, die er hätte gerne geben wollten. Seine Gründe waren eher: Weil er dachte, ich würde ihn nur verarschen und wenn ich ihn nicht verarsche, könnte ich ihn nachher nicht mehr mögen…Außerdem gab er nie damit an.
„Ich finde das schön, dass ihr so bekannt seid… Aber dass ich das nicht mitbekommen habe… Ist ja fast peinlich.“, sagte ich leise.
- Wow, sie hat wirklich nicht nur so getan! -, ging es ihm erleichtert durch den Kopf.
„Du bist echt was Besonderes.“, sagte er dann ebenfalls so leise.


11. Kapitel


„Gehen wir jetzt in die Kirche?“, fragte ich schließlich.
„Ja klar.“ Wir verabschiedeten uns noch von den anderen und standen dann auch schon wenig später vor einer Kirche…
Die Kirche war nicht sehr groß, aber ein wunderschöner Engel zierte die Wand neben dem Eingang. Ich betrachtete ihn lange, er war zwar nur Aufgemalt, hatte aber Ähnlichkeit mit Samalea.
„Bist du Katholisch oder Evangelisch?“, unterbrach Bill meine Gedanken.
„Macht das einen Unterschied?“
„Nicht so wirklich. Aber die Kirche hier ist Katholisch, nur damit du’s weißt.“
„Hmhm…“, gab ich zurück und wir gingen in die Kirche. Die meisten Menschen saßen schon und Bill und ich setzten uns irgendwo in die Mitte.
Fast alle sahen uns total komisch an. Zumindest Bill.
Die ganze Messe war soooo langweilig. Die ganze Zeit das Gefasel von einem Gott. Doch dann wurde eine Geschichte von einem Engel vorgelesen. Ein Engel, der auf die Erde nieder kam und eine Botschaft brachte. Und das war das einzige Mal, wo ich wirklich aufmerksam war. Bill und ich blieben nach der Messe noch sitzen und ich betrachtete hinter dem Altar die ganzen Verzierungen und Gemälde an den Wänden. Wunderschöne Engel in Gold und Silber.
Wir waren dann einer der Letzten, die hinausgingen.
„Das war ja öde. Wieso tun Leute das?“
„Was?“
„Na in die Kirche gehen.“
„Weil sie an Gott glauben.“
„Das Thema kommt mir doof vor.“
„Ist es ja auch.“ Bill nahm mich an der Hand und wir gingen zurück in seine Wohnung.
Dort angekommen, waren komische Geräusche zu hören.
„Na super, als ob das nicht leiser ginge.“ Bill verdrehte die Augen.
„Was ist denn?“
„Tom hat schon wieder eine Neue in seinem Bett, kann man ja laut genug hören. Das nervt schon ein wenig. Die hört sich an wie ein sterbendes Meerschweinchen.“
Auf seine Bemerkung hin musste ich breit grinsen.
Bill dachte daran, dass er nie ein Mädchen einfach so flach legen würde. Aber oft wünschte er sich doch schon jemanden, der einfach nur bei ihm war.
„Ich hab heute ein Mädchen kennen gelernt, sie heißt Larissa und fährt voll auf Tokio Hotel ab.“, sagte ich, als sich Bill und ich auf die Couch gesetzt hatten.
„Wie hast du die denn kennen gelernt?“
„Auf der Straße wurde die so voll von zwei Mädchen blöd angemacht, weil sie ein Tokio Hotel T-Shirt anhatte.“
„Das passiert leider öfters. Ich kann dagegen sagen, was ich will. Menschen verstehen es einfach nicht.“
„Was verstehen sie nicht?“
„Dass man sich auch vertragen kann, egal wie anders man ist. Und es gibt gar keinen, wirklich überhaupt keinen Grund, warum man sich um Geschmack streiten sollte. Das ist Ansichtssache, mehr nicht.“
„Stimmt… Naja… Und auf jeden Fall hab ich dem Mädchen geholfen und dann sind wir zusammen noch Kiba trinken gegangen. Morgen treffe ich mich wieder mit der.“
„Okay… Dann geh ich mal mit Tom was shoppen. Das ist total cool, dass jeder denkt, wir währen nur Doppelgänger von uns selbst.“
„Ich hab in der Bravo gelesen, dass es von euch Urlaubsfotos geben soll. Wer Fotografiert euch den hier?“
„Keiner. Tom und ich verbringen unsere letzte Urlaubswoche in der Karibik, dort werden die Fotographen sicher nur so auf uns warten.“
„Woher weißt du das?“
„Weil wir da schon mal waren. Das ist irgendwie halt so. Bin schon wieder voll müde. In den Ferien hole ich immer meinen ganzen Schlaf nach, den ich sonst nicht habe. Schläfst du heute wieder bei mir?“
„Wenn du willst?“
Bill lächelte nur.
- Sicher will ich! -
Als er sich Abgeschminkt hatte und wir uns umgezogen hatten, kuschelten wir uns dicht aneinander ins Bett.
Ich merkte, wie er es genoss wieder kuscheln zu können und streichelte mir die ganze zeit angenehm durch meine Haare, worauf ich sofort einschlief.

Mitten in der Nacht wurde ich wach. Ich hörte jemanden in der Küche. Bill neben mir schlief noch und wir lagen noch immer nahe und kuschelnd beieinander. Langsam rutschte ich von ihm weg, um ihn nicht zu wecken und schlich zur Tür. Die öffnete ich einen Spaltbreit und lugte hindurch. Ein wildfremdes Mädchen war zu sehen… Und Tom.
Ob das die von vorhin war oder das jetzt wieder eine Neue war? Ich sah nur, wie sie so leise wie möglich mit Tom schimpfte, damit ich und Bill sie wahrscheinlich nicht hören konnten.
Das Mädchen sah ziemlich wütend auf Tom aus und ging dann auch schon wenig später durch die Tür.
„Wer war das?“ Ich öffnete die Tür ganz und ging zu Tom.
„Eine alte Freundin, die ich wieder getroffen habe.“
„Und wieso war sie so sauer auf dich?“
„Das verstehst du nicht…“ Wieso waren Menschen nur so kompliziert… Er würde es mir so oder so verraten.
- Ich hätte sie echt nicht so anbaggern soll’n… Sie war richtig hübsch… -
Er seufzte.
- Was rede ich mir den da ein, Enomis ist auch hübsch, also nur weil sie hübsch ist, kann ich sie ja nicht gleich… Ich sollte echt mal was Abstand von Frauen gewinnen… -
„Wieso guckst du mich so komisch an?“, sagte er plötzlich.
„Du hast schöne haselnussbraune Augen.“, sagte ich als Ausrede und lächelte. Aber eigentlich war es ja noch nicht mal gelogen. Seine Augen waren wirklich schön!
Ihm war wohl gerade nicht so zum lächeln. Er schien sich nicht richtig gut zu fühlen…
Ich hab mal gelesen, dass Umarmungen Wunder wirken können…
Ich ging also einen großen Schritt auf ihn zu und schloss meine Arme um seine Hüfte und drückte mich an ihn.
Er war erst etwas irritiert, dann legte er aber auch seine Hände um mich und stütze seinen Kopf auf meinem. Ich war echt ein ganzer Kopf kleiner als er. Lustig. Er und Bill waren größer als ich und dadurch fühlte ich mich immer so beschützt.
Er entspannte sich auch merklich. Ob das an mir lag?
Als wir dann eine ganze Weile so da standen, sagte er schließlich: „Ich geh wieder ins Bett. Schlaf gut Kleine.“
- Bei dir fühlt man sich voll wohl… Komisch. -, dachte er währenddessen.
„Schlaf du auch gut.“, lächelte ich und er ging wieder ins Bett.
Also dann lag es wirklich an mir, dass sich Bill auch immer entspannte wenn ich ihn umarmte oder wir kuschelten.
Von der Kälte rieb ich mir nun über meine Schultern und mir viel plötzlich auf, dass meine tiefen Schlürfwunden an meiner Schulter verschwunden waren, ohne auch nur Narben zu hinterlassen. Wie lange die wohl schon weg waren…
Also Toms Wunde am Kopf war noch immer am Verheilen.
Ich schlich mal Tom nach in sein Zimmer um mir seine Wunde genauer an zu sehen.
Er lag schon im Bett, ob er wohl auch schon schlief?
Glaube ich kaum…
Aber noch ehe ich wieder gehen konnte um zu warten, bis er eingeschlafen war, drehte er sich und schaute zu mir her zur Tür.
„Was ist denn?“, sagte er schon fast flüsternd.
„Nichts… Ich… Kann nicht schlafen.“ Ich konnte wirklich noch nicht wieder einschlafen.
Ich ging zu Tom neben das Bett und er rutschte zurück zur Wand um mir Platz zu machen. Sein Bett war genau so groß wie Bills und ich legte mich nun neben Tom. Dann wartete ich halt hier, bis er eingeschlafen ist.
Tom lag seitlich zu mir und ich seitlich zu ihm. Im Dunkeln konnte ich nur die Umrisse von ihm erkennen und er legte einen Arm um meine Hüften.
Dann zog er mich etwas näher zu sich hin und flüsterte ein kleines „Gute Nacht“, bevor er einschlief, was einige wenige Minuten später passierte. Ich strich ihm vorsichtig mit einer Hand über die Stirn, bis ich über seiner linken Augenbraue die Wunde spürte und legte meine ganze Handfläche darauf. Das fühlte sich komisch an und in meiner Hand kribbelte es ein wenig… Plötzlich bildete sich unter meiner Handfläche so was wie ein Lichtklumpen, der sich über die ganze Wunde kurz ausbreitete. Als ich mit meiner Hand erschrocken weg zuckte, war Toms Wunde gar nicht mehr da.
Scheiße, was hab ich den jetzt angestellt?


12. Kapitel


Noch ehe Tom vielleicht wach werden könnte, schlich ich mich lieber zur Tür hinaus. Ich setzte mich aufs Sofa und dachte nach.
Ich wusste gar nicht, dass Engel im stande waren Wunden zu heilen… Gehörte dass zur Prüfung? Auf der Erde seine Fähigkeiten entdecken und auszubilden? Und wenn ich auffliege, kann ich nie mehr zurück…
Scheiße… Naja, Toms Wunde ist jetzt futsch!

Unter den Gedanken, muss ich irgendwann eingeschlafen sein, als ich wieder aufwachte schien schon die warme Sonne durchs Fenster auf meinen gesamten Körper… Angenehm und warm war es… Die strahlen tänzelten mir über meine Haut und brannten in meinen Augen.
Noch schien keiner wach zu sein, also suchte ich sämtliche Sachen zusammen und Deckte den Tisch. Alles war in der Küche wild verteilt. Marmelade fand man im Kühlschrank, flüssige Schokolade, wo Nutella stand, in einer Schublade… Wie jetzt das mit dem Kaffee und Kakao ging, wusste ich nicht. Ich deckte aber sonst alles auf und auch Teller und Besteck für Bill und Tom… Die Teller waren weiter oben und das Besteck in der Schublade unten… Wieso konnten Teller und Besteck nicht zusammen sein? Als ich fertig war wartete ich eine Viertelstunde. Keiner Wach. Aber es war doch schon 11 Uhr!
Also ab in Bills Zimmer… Die Sonne schien auch bei ihm durchs Fenster und genau aufs Bett, aber er schlief tief und fest.
Ich setzte mich neben ihn und versuchte ihn zu wecken.
„Bihill…“, fing ich leise an, doch er rührte sich nicht. Er lag auf dem Rücken und seine Haare hingen ihm süß, aber wirr ins Gesicht. Ich strich sie beiseite und fing noch mal an: „Bill?“
Die Sonnenstrahlen legten sich auf seine Haut und er sah irgendwie süß aus…Ähmm? Süß? Nein Enomis! Schlag dir dass gleich wieder aus dem Kopf! Du hast eine Mission! Schutzengel werden! Ich schüttelte meinen Kopf und fuhr mit dem Wecken fort.
Nun sagte etwas lauter seinen Namen… Ist der tot? Abgesehen davon, dass er Atmete passierte nämlich gar nichts.
Schmunzelnd musste ich an das Märchen Dornröschen denken, von dem ich nicht gelesen sondern mal gehört habe… Wachküssen…
Soll ich wirklich? Engel küssen eigentlich nicht… Aber die kuscheln auch noch nicht mal…
Ich kann ihn ja mal wenigstens auf die Wange küssen, schließlich ist er ja noch nicht tot, nur fast. Irgendwie…
Als ich dann meine Lippen sanft auf seine Wangen drückte, spürte ich, wie er grinste.
Ich setzte mich dann schnell wieder auf und er schlug seine Augen auf.
Mit einem kurzen Seitenblickt auf den Wecker schloss er wieder seine Augen.
„Wieso bist du schon wach? Ist ja fast noch Nacht!“
„Bist du wahnsinnig? Es ist schon fast Mittag und schon längst Vormittag. Und du schläfst noch…“
„Mhhh…“, gab er von sich und drehte sich weg von mir, „Muss ich jetzt echt aufstehen?“
„Ja! Und du musst mir helfen.“
„Wobei denn helfen?“, er schlug seine Augen wieder auf.
„Ich weiß nicht wie man einen Kakao oder Kaffe macht.“, flüsterte ich.
Er lachte: „Echt nicht?“
„Nein.“
„Wo kommst du nur her…“, er schüttelte leicht den Kopf und stand auf.
Ich ging ihm nach in die Küche. Verschlafen und nur in T-Shirt und Boxershort zeigte er auf ein schwarzes Teil, dass auf der Ablage stand:
„Guck mal. Also das ist eine Kaffeemaschine und wenn du Kaffee machen willst, tust du hier Wasser rein, dann legst du diese Kaffeepets hinein und schaltest das ein. Wenn du zwei Kaffees machen willst, legst du zwei Pets hinein. Und dann einfach auf den Startknopf drücken okay?“
„Okay…“, ich machte dann alles so, wie es Bill mir gesagt hat und machte zwei Kaffee. Prüfend stand er daneben und sah mir zu.
„Einfach oder?“, sagte er.
„Jopp und wie geht jetzt ein Kakao?“
„Du hast doch schon einen Kaffeee?“
„Der schmeckt mir nicht so…“
„Kakao… Du nimmst das Pulver und tust drei Löffel davon in eine Tasse. Dann Milch drauf und in die Mikrowelle. Das stellst du dann hier auf eine Minuten ein und drückst da auf Start.“
„Okay…“
Während Bill mir dann zusah, machte ich meinen Kakao. Und wir setzten uns an den Tisch. Nach wenigen Sekunden aber sprang ich schon wieder auf:
„Ich bring den zweiten Kaffee mal Tom.“
„Okay. Der freut sich sicher.“, Bill lächelte.
Vorsichtig ging ich mit dem Kaffe in Toms Zimmer und setzte mich neben ihn ins Bett. Er schlief genau so fest wie Bill vorher, also hilft nur richtiges Wecken.
Er schlug sofort die Augen auf, als ich ihn einen kurzen Kuss auf die Wange gedrückt hatte. Fast wie bei Dornröschen.
„Guten MORGEN!“, rief ich und er wollte sich schon das Kissen aufs Gesicht drücken, aber ich hielt ihm den Kaffee entgegen.
„Für mich?“, fragte er überrascht.
„Klar.“
„Danke!“ Er setzte sich auf und strahlte mich an.
„Draußen ist schon Frühstück auf dem Tisch und Bill ist auch schon wach.“
„Wie hast du den denn wach gekriegt?“
„Frag mich nicht.“, lachte ich und gab Tom seinen Kaffee.
„Ich komm dann gleich raus.“, sagte er und ich ging wieder zu Bill, damit sich Tom anziehen konnte.
„Und hast du Tom wach gekriegt?“
„Natürlich.“
Ich machte mir wieder ein Marmeladenbrot und biss gerade rein, als Tom hinter mir stand.
„Sag mal Bill, fällt dir auch auf, dass sie fast nur Marmeladenbrote isst?“, grinste er und setzte sich neben mich.
„Wenn es ihr schmeckt.“ Bill zwinkerte mir zu.
„Du warst schon lange nicht mehr freiwillig so früh wach.“, schmunzelte Tom.
„Das liegt an Enomis. Die wusste nicht wie man Kaffee und Kakao macht.“
„Wie süß… Aber eigentlich weiß man das.“
„Ich kann nichts dafür, wenn ich auch noch nie vorher so was getrunken habe.“, verteidigte ich mich grinsend.
„Is schon okay… Jetzt weißt du’s ja.“ Bill lächelte mich an.
„Und was macht ihr heute?“, brachte ich gähnend heraus.
„Wir fahren zu unseren Eltern. Kommst du mit?“ Tom stupste mich in die Hüfte.
„Nein, ich hab mich mit Larissa verabredet, die ist voll der Fan von Tokio Hotel und ist total cool. Hab ich gestern kennen gelernt.“
„Na dann… Wir kommen wohl erst am Abend so gegen 7 Uhr wieder. Brauchst du nen Schlüssel?“ Bill stand auf und holte aus seiner Jacke seinen Schlüssel.
„Danke.“, sagte ich, als er mir seinen Schlüssel zuwarf und ich den auffing.
„Aber keinen Blödsinn machen!“, kicherte Tom und stupste mich wieder an.
„Ich doch nicht!“, kicherte ich zurück.
„Der Engel in Person!“, lachte Bill und mein Kichern hörte sofort auf. Ich hatte mich voll erschrocken, bis ich erst mal merkte, dass das eh nur ein Scherz war.
„Jaja!“, sagte ich dann.

Am Nachmittag ging ich in das Kaffee, in dem ich mit Larissa schon gestern war und schaute mich um.
Genau so verraucht wie gestern und genau so voll. Larissa war schon da und saß an einem Tisch im Eck und winkte mir zu.
„Na du.“, begrüße sie mich und Umarmte mich.
„Hey. Wie lange bist du schon hier?“
„Gerade erst gekommen. Sollen wir was trinken oder direkt wo anders hin gehen?“
„Wohin woanders schlägst du vor?“
„Wir können zu mir gehen.“
„Okay.“ Also ab zu Larissa.
Sie wohnte gar nicht mal so weit weg in einer kleinen Wohnung mit ihrer Mutter, die nicht Zuhause zu sein schien.
„Hast du eigentlich viele Freunde?“, fragte ich Larissa.
„Nicht sehr wirklich… Ich bin nicht so beliebt.“ Und als wir in ihr Zimmer kamen, war alles voller Tokio Hotel.
„WOW!“, entfuhr es mir. Ich sah mich genauer um. Tokio Hotel Bettwäsche, Tokio Hotel Poster, Tokio Hotel Aufkleber…
„Du hast ja einiges von Tokio Hotel!“
„Jopp, stört es dich?“
„Nein, überhaupt nicht Aber jetzt muss ich mir die ganzen Poster und Bilder mal angucken, das kenn ich alles gar nicht.“
„Okay… Also auf dem Poster sind Bill und Tom noch 15 und auf dem sind sie sogar erst 14… Dass hier ist gerade mal ein paar Monate alt und dass da ist wo Bill und Tom noch 16 waren.“ Larissa zeigte mir alle ihre Poster, wobei noch längst nicht mal die Hälfte von ihnen an der Wand hing.
„Was würdest du eigentlich tun, wenn es Tokio Hotel nicht mehr gäbe?“, fragte ich, denn Larissa schien sehr an ihnen zu hängen.
„Ich würde… Keine Ahnung. Vielleicht mir ein neue Lieblingsband suchen oder… Keine Ahnung. Es gibt bestimmt genügend Fans, die dann weinen würden, aber ich denke nicht, dass ich das tun würde.“
„Hast du auch Videos von denen?“
„Ja klar, die letzte Tokio Hotel DVD. Sollen wir die gucken?“
„Öhmm, ja.“ Etwas überrascht war ich schon. Es gab sogar DVD’s von Tokio Hotel? Mann, waren die beliebt…
Als wir die DVD geguckt hatten, fing sie sofort wieder an von Tokio Hotel zu schwärmen.
„Ich fand die Szene mit Jumbi dem Flugzeug so süß!“
„Ja, ich hatte selbst keine Ahnung, dass Bill noch so ein Kind sein kann.“, sagte ich leicht gelogen. So, wie der immer lieb grinste, sah man ihm einfach an, dass er ein wenig verspielt war.
„Hattest du eigentlich schon mal einen Freund?“, wechselte sie das Thema.
„Wie meinst du das?“


13. Kapitel


„Naja… Einen Freund mit dem man kuschelt und sich küsst… Den man halt liebt.“
„Nein. Und du?“ Ich und liebe? Lach! Das konnte ich mir gleich abschminken... Wobei, ich schminkte mich ja noch nicht mal.
„Ja, der sah fast genau so aus wie Bill, echt mal, voll der Tokio Hotel Freak! Aber so süß.“
„Und wieso seid ihr jetzt nicht mehr zusammen?“
„Er ist umgezogen… Unser Kontakt hat sich auch verloren. Aber wegen dem bin ich keine Jungfrau mehr.“, lächelte sie.
„Erzähl mal genauer.“ Jungfrau? Wie konnte man sein Sternzeichen ändern?
„Naja… er war halt am Abend bei mir und wollte bei mir übernachten. Da meine Mutter so wie so die ganze Nacht weg war, war das kein Problem und er lag halt so neben mir im Bett und wir haben uns so geküsst, auch mit Zunge und dann hat er mir mein T-Shirt ausgezogen und ich ihm seines… Dann hat er mir so an die Brüste gefasst… Und dann die Hose ausgezogen und so und dann keine Ahnung, aber das war voll schön…“
„Wie an die Brust angefasst. Als das mal einer bei mir gemacht hat, hat das wehgetan!“
„Wenn man’s richtig macht, dann tut das gar nicht weh.“
„Echt? Cool… also ich kuschle immer nur… mehr nicht.“
„Ich hab ne lustige Idee, die ist aber voll… naja, also wenn du nicht willst, müssen wir das nicht machen…“
„Was den?“
„Einen Porno gucken.“ Larissa lachte.
„Also von mir aus können wir das gucken.“ Was auch immer ein Porno sein soll… Bestimmt nichts Schlimmes und Larissa verschwand kurz im Zimmer ihrer Mutter. Als sie wieder kam, setzte sie sich neben mich aufs Bett und hatte ein paar Filme in der Hand.
„Also, wir können gucken >Erotisches Geflüster< oder >Fortpflanzung auf Umwegen< und dann hab ich noch >Seitensprünge<…“
„Lass uns Fortpflanzen auf Umwegen ansehen.“, entschied ich mich. Dann würde ich auch mal sehen, wie Menschen sich fortpflanzen…. War doch interessant.
Der gesamte Film ging nur über… Naja und anscheinend machen das so ziemlich alle… Zwischendurch sah man sogar die Geburt eines Kindes. Das war ziemlich… Außergewöhnlich, ungewohnt und anders.
„Handeln alle Pornofilme von so was?“
„Nicht direkt um Babys und Geburten, aber um Sex halt. Und wie fandest du den?“
„Interessant.“
„Ich finde das voll lustig, dabei lernt man voll was.“
„Stöhnen den alle Mädchen immer so?“ Zumindest hatte ich jetzt eine leise Ahnung von dem, was Tom mit den Mädchen anfing…
„Nein… Also ich zumindest nicht.“, lachte sie. Wir waren jetzt eigentlich beide am Lachen, bis ich fragte:
„Und gehört das so, dass man einfach mit jedem schlafen kann… Die im Film haben ja wirklich… Jeder mit jedem.“
„Nein… Also eigentlich soll man nur miteinander schlafen, wenn man sich liebt, sonst ist das nicht so toll.“
Über Liebe gibt es viel zu lesen, darüber weiß ich einiges.
„Und was ist mit Leuten, die dann trotzdem miteinander…“
„Die können das auch schön finden, aber längst nicht so toll und die zwei Personen bleiben dann auch meistens nicht länger als eine Nacht zusammen.“
„Also so wie die das nennen One night Stands?“ Das was wohl Tom immer hatte…
„Genau… Hast du keine Ahnung von dem?“
„Ich hatte noch nie Sex…“
„Sag mal, kennst du das Wort ficken?“
„Ja, aber das ist eigentlich kein so tolles Wort“
„Ich weiß, deshalb sage ich immer sexen dazu. Kling doch viel besser.“
Ich kicherte leise… Sexen. Klang wirklich besser.
„Sag mal, woher hast du eigentlich deine Augenfarbe?“
„Ähmm… Von meiner Mutter…“ Was sollte ich den sonst sagen.
„Wow… Wohnst du noch bei ihr?“
„Sie lebt nicht mehr…“, log ich und versuchte traurig aus zu sehen.
„Oh, das tut mir Leid.“ Sie nahm mich in den Arm.
Es war gerade mal 6 Uhr am Abend und ich wollte eigentlich schon wieder nach Hause.
„Ich muss dann mal gehen.“, sagte ich und stand von dem Bett auf.
„Ich begleite dich noch nach Hause.“
„Wenn du drauf bestehst.“, lächelte ich und zog mir meine Schuhe an, die ich seit meinem ersten Tag auf der Erde noch immer hatte.
„Coole Schuhe.“, sagte Larissa.
„Danke.“
„Das sind BK, Skater- Schuhe nicht?“
„Japp…“ Von Schuhen verstand ich echt nichts aber wenn sie meinte…
„Wir gingen dann so durch die Stadt bis hin zu mir, was gar nicht mal so weit war und ich schloss die Wohnung auf.
„Wohnst du hier etwa alleine?“ Larissa setzte sich auf das Sofa.
„Ähmm… Nein…“ Eigentlich wollte ich nicht, dass sie mit rein kam, aber sie ist einfach an mir vorbei gelaufen ins Wohnzimmer. Ein bisschen unhöflich.
„Hast du Durst?“ Hauptsache ich war höflich…
„Nein… Wer wohnt den sonst noch hier?“
„Zwei gute Freunde von mir…“ Ich setzte mich neben Larissa.
„Du hast schöne lange blonde Haare.“, bemerkte ich.
„Ja, aber die Locken mag ich nicht so. Ich wünschte, sie wären glatter.“
„Darf ich sie dir mal flechten?“
„Ja klar…“
Ich holte aus dem Bad ein paar Haargummis, die ich gesehen hatte, als Bill mir die Haare geflochten hatte, und stellte mich hinter Larissa hinters Sofa.
„Wie lange wohnst du schon hier?“
„Ehrlich gesagt noch nicht so lange. Gerade mal ein paar Tage so… Ich wohnte vorher in Bonn. Und du?“
„Ich wohne schon so ziemlich mein ganzes Leben hier.“
Wir redeten noch so ein bisschen und sie redete echt wie ein Wasserfall, was mich aber überhaupt nicht störte. Ich flocht ihr zwei Zöpfe über den Kopf ein, die ihr dann über ihre Schulter hingen.
Als Larissa dann in den Spiegel sah, kam ein: „Wie süß! Dankeschön!“, von ihr und sie umarmte mich. Dann war ein Schlüsselklappern an der Tür zu hören und Larissa sah mich etwas erschrocken an.
- Wer jetzt wohl kommt? -, rätselte sie in ihren Gedanken.
Wir gingen aus dem Bad und ich vor ins Wohnzimmer, wo ich Bill und Tom zur Begrüßung umarmte. Larissa stand noch immer im Türrahmen zum Bad und sah nur schüchtern herüber.
„Das ist Larissa!“, machte ich Bill und Tom auf sie aufmerksam.
„Hey.“, sagte sie leise, kaum hörbar, was mich zum lächeln brachte.
„Larissa… Öhmm… Das sind Bill und Tom.“ Sie schien fast in Ohnmacht zu fallen. Sie war hier Zuhause bei Bill und Tom. Sie konnte es gar nicht glauben.
„Wie war’s bei eurer Mutter?“, fragte ich um die Stille, die sich gerade ausbreiten wollte zu verhindern.
„Schön, du hättest mitkommen müssen. Mann, hab ich unsere Haustiere vermisst.“ Bill schaute Larissa noch immer prüfend an, genau so wie Tom.
„Ist das schlimm, das ich sie mitgebracht habe?“ Mir fiel auf, dass Tom total verunsichert war.
„Nein… Sollte nur nicht jeder wissen, dass wir hier wohnen.“ Gab Tom zur Antwort. Larissa nickte verstehend und trat nun dicht hinter mich, als wollte sie sich verstecken.
„Nicht so schüchtern!“ Ich zog sie am Arm hervor neben mich und sie starrte immer wieder zwischen Bill und Tom hin und her.
Die Zwillinge wendeten sich dann ab, zogen ihre Jacken aus und gingen in die Küche.

„Wo schläfst du eigentlich?“ Larissa war noch immer voll hin und weg.
„Ich teile mit Bill ein Bett…“
„Und du schläfst nicht mit dem?“
„Nein, wir kuscheln nur ein bisschen.“
„Wow!“
Erst jetzt machte es Klick in ihrem Kopf. Sie war wirklich, wirklich, wirklich hier bei Bill und Tom?
Tausend Fragen fielen ihr ein und tausend Sachen, die sie sagen und erzählen wollte.
Sie lief in die Küche und ich hinterher.
„Ich dachte, ihr seid im Urlaub?“, kam es dann von ihr und sie blickte abwechselnd zwischen Bill und Tom hin und her.
„Sind wir ja auch… Nur halt hier in Magdeburg.“ Bill sagte das mehr abwesend, weil er sich gerade etwas zu trinken machte, genau wie Tom. Tom lächelte Larissa kurz an: „Wir machen schon noch richtigen Urlaub. Wir fahren aber erst in unserer letzten Urlaubswoche weg.“
„Wohin denn?“ Larissa, die Neugier in Person.
„Verraten wir nicht.“ Bill sah mich kurz an und ging dann an mir vorbei ins Wohnzimmer.
Larissa fing doch jetzt nicht an zu nerven, oder? Mich störte ihre aufdringliche Art ja nicht, aber was hielten Bill und Tom davon?
Ich natürlich dann hinter Bill her und ließ Larissa und Tom alleine.
Bill setzte sich mit seinem Glas aufs Sofa.
„Du magst sie nicht, oder?“, fiel mir auf.
„Hm, ich weiß nicht, ob sie jetzt allen sagen wird, dass wir hier wohnen… Oder ob sie mich und Tom jetzt mit Fragen durchlöchern wird… Sie kommt wie eine Klette rüber und ist total hysterisch.“
„Sie wird nichts sagen… Und sie durchlöchert jetzt vielleicht allerhöchstens Tom, weil die Zwei alleine in der Küche sind aber naja… Ich werde mit ihr reden.“
„Hmhm… Sollen wir heute Abend noch wo hin gehen?“
„Wohin denn?“
„Wie wär’s mit einem Club…“
„Willst du Tom und Larissa hier alleine lassen? Ich will nicht, dass Tom mit Larissa dasselbe macht wie mit den anderen Mädchen, wenn er sie nicht liebt.“
„Wieso?“
„Weil ich sie mag.“
„Bist du bi oder lesbisch?“
„Wenn du mir sagst, was das ist…“
„Öhmm…“, Bill lachte.


14. Kapitel


„Das ist wenn du auf Frauen oder andere Mädchen stehst und dich in sie verliebst, genau so wie eigentlich in Jungs halt.“
„Ich denke nicht.“
„Okay… Gut, dann nehmen wir Tom und Larissa halt mit. Weißt du, was mir bei Tom heute aufgefallen ist? Der hat gar keine Schrammen mehr über seiner Augenbraue.“
„Ähmm, ja stimmt… Ich geh sie dann mal fragen!“ Schnell stand ich auf und ging in die Küche, noch ehe Bill mich auf Toms verschwundene Wunde weiter ansprach.
Tom und Larissa schienen sich sichtlich gut zu verstehen und waren vollkommen in ein Gespräch vertieft, sodass sie noch gar nicht merkten, dass ich in der Küche stand, bis: „Wollt ihr mit mir und Bill heute auch noch in einen Club?“
„Also ich ja…“ Larissa nickte sofort.
„Dann komm ich auch mit. Alleine Zuhause ist öde.“, grinste Tom.
Und so machten wir uns schon eine halbe Stunde später auf.

In einem großen Club, der ziemlich voll war, setzten wir uns direkt auf eine Couch, die mehr in der Ecke stand.
„Soll ich euch was mitbringen?“ Tom steuerte auf die Bar zu.
„Dasselbe wie immer.“, sagte Bill laut, damit Tom ihn über die Musik hören konnte.
„Ich Red Bull Wodka.“ Larissa lächelte Tom süß entgegen, der dann auch direkt lächeln musste.
„Saurer Apfel.“ Ich musste schon fast schreien, weil die Musik so laut spielte und Tom einfach immer weiter und weiter der Bar entgegen ging.
Kurze Zeit später kam Tom dann auch schon wieder und es lief gerade ein Song, der mir relativ gut gefiel.
„Wer sing das?“ Ich musste meine Lippen dicht an Bills Ohr halten um nicht schreien zu müssen.
Bill überlegte kurz: „Christina Stürmer.“
Er musste sich ebenfalls zu mir rüber beugen und als er mir das ins Ohr sagte, kitzelte sein Atem in meinem Ohr.
Ich hörte dem Song weiter zu und wippte mit einem Fuß mit…

Weißt du wie die Engel fliegen
Hast du je einen geseh’n
Engel fliegen einsam

Weißt du wie ich mich jetzt fühle
Hast du je daran gedacht
Du und ich gemeinsam

Engel fliegen einsam
Du und ich gemeinsam


Nachdem wir noch ein paar Lieder gehört hatten und uns im ganzen Club umgesehen hatten, hatten wir auch schon einiges an Alkohol rein gekippt.
„Lass und mal tanzen gehen!“ Bill zog mich an der Hand hoch und schleppte mich auf die Tanzfläche…
Im Moment lief gerade ein etwas fetzigeres Lied und alle Leute tanzten ziemlich ausgelassen. Ich wusste gar nicht, wie Tanzen überhaupt ging, und schaute die Leute um mich herum an. Hilflos stand ich kerzengerade und ziemlich auffällig da und schaute Bill an.
Bills Bewegungen gefielen mir ziemlich gut, locker und keine Ahnung...
Die waren so wie auf der DVD von dem, wo er auf der Bühne stand und sich auch mit dem Mikrophon in der Hand etwas zur Musik bewegte.
Ich musste lächeln und versuchte mich auch zur Musik je nach Gefühl zu bewegen… Und das klappte sogar besser, als ich dachte, und ich strahlte Bill an.
Er tanzte nach einer Zeit ziemlich knapp vor mir und da er größer war als ich, musste ich die ganze Zeit hoch gucken, um ihn in die Augen sehen zu können.
Das nächste Lied verfolgte Bill in seinen Gedanken genau und sang es sogar mit.

Da bleib ich kühl
Kein Gefühl.

Bloß deine blauen Augen machen mich so sentimental
So blaue Augen
Wenn du mich so anschaust wird mir alles andere egal
Total egal
Deine blauen Augen sind so phänomenal
Kannst du glauben
Was ich dabei fühle, ist nicht mehr normal
Das ist gefährlich, lebensgefährlich dieses Gefühl


Er war voll fasziniert von meinen blauen Augen und merkte gar nicht, dass er mich schon richtig anstarrte.
Schließlich kamen auch Larissa und Tom auch die Bühne und tanzten dicht neben Bill und mir genau so ausgelassen.
Wir stupsten und schubsten uns auch hin und wieder leicht und hatten total viel Spaß, bis ein langsameres Lied kam.

Wenn meine Seele grau ist und nichts macht mehr Sinn
Ich bin ganz oben und weiß nicht mehr wohin ich gehn soll

Wo viele Schatten sind, da ist auch Licht
Ich laufe zu dir, ich vergess dich nicht
Du kennst mich
Und mein wahres Gesicht

Du erinnerst mich an Liebe
Ich kann sehen wer du wirklich bist
Und erinnere mich daran
Wie es sein kann


Das Lied hatte was und Bill legte seine Arme um mich und zog mich noch weiter zu sich hin, so wie es nun viele Paare auf der Tanzfläche taten.
Ich schlang ebenfalls auch meine Arme um ihn und legte meinen Kopf auf seine Brust.
Sein Brustkorb hob und senkte sich noch relativ schnell vom Tanzen und wir bewegten und langsam Arm in Arm zum Tackt.

Wozu der ganze Kampf um Macht und Geld
Was soll ich sammeln hier auf dieser Welt
Wenn ich doch gehen muss
Wenn mein Tag gekommen ist


Diese Zeilen waren nur zu wahr… Menschen waren sehr komisch.
Besonders, weil sie sich so leicht verliebten und mit ihren Gefühlen nicht umgehen können. Dann machen sie das totale Drama darum.
Ich verstand das nicht…


15. Kapitel


Als das Lied zu Ende war, hatte ich keine Lust mehr zu anzen und nahm Bill an der Hand und ging mit ihm wieder zu dem Sofa, auf dem wir vorher schon saßen. Tom und Larissa hatten anscheinend noch nicht genug.
Bill und ich bestellten uns während des ganzen Abends einen Haufen Drinks mit Alkohol. Und zum Schluss hatte ich so ein wohlig warmes Gefühl im Bauch. Mein Körper war etwas angespannter und meine Wangen leicht gerötet. Auch Bill hatte schon einiges getrunken und gestikulierte witzig mit seinen Händen, während er redete: „Und da sind Tom und ich ins eiskalte Wasser gesprungen und haben voll viel lachen müssen. Der Besitzer des Hotels war voll sauer auf uns und fand das eher nicht zum Lachen.“
Er erzählte von einem Sommerurlaub mit Tom… Ich musste zugeben, ich habe ihm nicht richtig zugehört. Ich war eher davon abgelenkt ihn anzusehen. Wie seine Haare schon etwas verwuschelt waren und wie niedlich er beim Reden seine Lippen verzog.
Später dann kamen auch Tom und Larissa außer Atem von der Tanzfläche wieder zurück und setzten sich neben Bill und mich.
Wir beschlossen dann bald auch zugehen, weil der Alkohol schon mehr und mehr seine Wirkung tat und sich bei mir schon einiges drehte.
Auf dem Weg nach Hause, hatte Bill seinen Arm um mich gelegt gehabt, obwohl ich leicht am Schwanken war… Oder vielleicht gerade deshalb?
Ich hatte auf jeden Fall auch einen Arm um seine Hüften geschlungen und Tom und Larissa gingen ebenfalls so Arm in Arm neben uns.
Larissa musste sich wohl schon auf halben Weg von uns trennen, da sie ja auch irgendwann wieder nach Hause musste und verabschiedete sich von einem Kuss auf die Wange von Tom.
Mir und Bill gab sie eine Umarmung und war dann weg. Tom war die ganze Zeit schließlich wie in Gedanken verloren… lag bestimmt am Alkohol.
Zuhause angekommen ließ ich mich in Bills Bett fallen. Er wollte noch unbedingt duschen, so war ich schon halb weggedöst, als er sich dann ins Bett neben mich legte.
Ich lag Seitlich mit dem Rücken zu ihm und er umschlang mich mit einem Arm und zog mich näher zu sich hin. Das machte mich wieder etwas wacher und ich drehte mich auf den Rücken.
Straßenlaternenlicht drang schwach durchs Fenster. Ich konnte wieder nur seine Umrisse erkennen und merkte, dass er grinste: „Warum grinst du denn?“
„Muss am Alkohol liegen.“, sagte er nur. Als ich mich näher an ihn kuschelte, hatte er gar kein T-Shirt an, nur eine Boxershort und ich schmiegte mich nahe an ihm und legte wieder meinen Kopf auf seine Brust. Seine Körperwärme war furchtbar angenehm und er streichelte mir unter meinem T-Shirt über meinen Rücken was ein wenig kribbelte.
„Ich hab dich voll lieb.“, sagte er kaum hörbar.
Ich tat einfach so, als sei ich schon eingeschlafen… Wenn ich ‚ich dich auch’ sagen würde, würde er vielleicht denken, dass ich ihn lieben könnte oder so… aber das stand mir als Engel nicht zu. Man durfte sich nicht in einen Menschen verlieben… Engel verlieben sich eigentlich nie, aber das heißt nicht, dass sie es nicht können. Wenn ich mich in Bill verlieben würde, würde ich auch nicht mehr zurück in den Himmel wollen, oder?

Bill schien wirklich gedacht zu haben, dass ich schon geschlafen hätte, denn kurze Zeit später war er schon eingeschlafen.
Ich hingegen konnte gar nicht mehr schlafen, nachdem er gesagt hatte, dass er mich voll lieb hat… Also beschloss ich mir noch ein Marmeladenbrot zu machten… Doch der Gedanken an Bill ließ mich nicht los. Ich betete, dass er sich nicht in mich verlieben würde. An den Worten ‚ich hab dich lieb’ war ja nichts auszusetzen… Aber es verunsicherte mich ungemein.
Ich blieb noch lange wach auf dem Sofa im dunklen sitzen… Ich war schon fast Gedankenleer, als ich wieder an meinen Bruder dachte. Ich hatte die Menschen noch immer nicht verstanden, also würde ich so bald nicht zurückkommen können.
Ich fragte mich schon, ob sie stets über mich wachten. Aber ich glaube, dass nur mein Bruder die Aufgabe hatte auf mich aufzupassen…
Ich beschloss also jetzt nicht anzufangen zu weinen. Es würde eh nichts bringen. Ich war traurig, na und? Passierte schon mal, wenn man plötzlich Gefühle hatte.
Schließlich war ich auf dem Sofa eingeschlafen…

Am nächsten Morgen hörte ich die Dusche laufen. War das Bill oder Tom?
Ohne daran zu denken, dass derjenige nackt sein könnte, ging ich ins Bad und starrte auf die Dusche. Jetzt wäre ich gerne schnell wieder nach draußen geschlichen, doch ich konnte nicht aufhören die Dusche an zu starren. Bill stand mit dem Rücken zu mir und wusch sich gerade den Schaum aus seinen Haaren. Die kleinen Luftblasen schlitterten mit dem Wasser seinen Rücken hinunter und er machte dann das Wasser aus. Dann wuschelte er sich durch die Haare… Wieso war die Duschwand auch aus durchsichtigem Glas? Ich sollte jetzt irgendwie gehen, aber ich starrte ihn immer noch an. Er sah so richtig gut aus und schaute ein wenig schielend über seine Schulter, um sich das Handtuch neben der Dusche zu greifen. Er schielte nicht so weit bis zu mir herüber, als dass er hätte mich sehen können. Zum Glück!
Verdammt, wenn ich jetzt nicht in die Hufe kam würde er mich nich sehen, wieso starrte ich ihn noch immer an?
Natürlich drehte er sich dann um und sah mich dann direkt und endlich löste ich mich aus meiner Starre und lief praktisch aus der Tür raus, die ich hektisch wieder hinter mir schloss.
Ob er was sagen würde? Ich merkte, wie rot ich wurde, und knallte leicht meine Stirn gegen den Türrahmen.
Schließlich kam er nur in Boxershort aus dem Bad und trocknete sich noch mit einem Handtuch seine Haare, als ich auf dem Sofa saß.
„Tut mir Leid…“, brachte ich nur schüchtern hervor und spielte an meinen Fingernägeln herum, als ich mich auf dem Sofa hingekniet hatte um über die Rückenlehne zur Badezimmertür sehen zu können.
„Schon gut.“ Er hatte ein total breites Grinsen auf seinen Lippen und legte sein Handtuch über einen Stuhl. Mit den Händen strich er sich dann seine Haare zurück und sagte: „Guten Morgen.“
Dabei sah er mich total süß an und ging dann in sein Zimmer.

Ich sollte mir mal Gedanken darum machen, wieso ich ihn immer so süß fand? Das war doch nicht mehr normal.
Er dachte zwar auch des öfterem mal daran, wie hübsch er mich fand, das wusste ich. Aber ich bin ein Engel und er nur ein Mensch…
Nachdem Bill wieder aus seinem Zimmer kam, machten wir Frühstück. Wir sagten kein Wort zueinander, ich sah ihn noch nicht mal an… Es war mir immer noch einfach zu peinlich. Kakao konnte ich mir diesmal selber machen und als wir dann am Tisch saßen, unterbrach Bill endlich die Stille zwischen uns: „Kommst du nachher mit?“
„Wohin, was tun?“
„Tom und ich wollen schwimmen gehen, weil es so warm ist. Wir dachten an einen See, weil im Freibad zu viele Leute sind.“
„Ähmm… müssen wir da auch ins Wasser?“
Bill lachte: „Dafür fahren wir doch an den See!“
„Ich...kann aber nicht…schwimmen.“
„Echt nicht?“
„Doch natürlich kann ich schwimmen, ich verarsch dich nur, damit du mich nicht alleine lässt!“ Der Sarkasmus war aus meiner Stimme nicht zu überhören.


16. Kapitel


„Ich zeig dir schon, wie das geht. Schwimmen ist leicht.“
„Ich weiß nicht…“
„Zier dich nicht so. Ich denke, du brauchst auch noch ´nen Badeanzug oder Bikini, also gehen wir gleich noch mal in die Stadt“, beschloss er.
Mitten im Frühstück kam dann auch Tom und ging mit uns auch in die Stadt, weil er eine neue Badehose haben wollte.
Bill suchte direkt ein riesiges Klamottengeschäft aus, in das wir gingen und Tom suchte sich gleich ein paar Sachen zusammen. Ich hingegen stand hinter Bill und sah mich nur um. Tom hatte einiges an Sachen zusammen gefunden, doch was sollte ich mir suchen? Wo waren überhaupt die Badesachen für Mädchen?
Der Laden roch nach neuem Plastik oder so und war ziemlich bunt gestaltet worden. Überall Sachen zum Anziehen, Preisschilder, andere Leute und Umkleidekabinen. Ich konnte mir kaum vorstellen, dass man sich die ganzen Sachen einfach so nehmen und anprobieren durfte.
„Worauf wartest du?“ Bill drehte sich um und lächelte mich an.
„Ich ähmm… soll mir einfach so ein paar Sachen nehmen?“
„Warst du schon mal einkaufen?“
„Ähmm…“
„Sag nichts.“ Er fragte sich wieder, wo ich nur aufgewachsen sei, aber er fand das unheimlich süß und dass ich so plötzlich in seinem Leben aufgetaucht war, irritierte ihn ein wenig. Einkaufen… Dass das etwas Besonderes für mich war, oder etwas Neues, konnte sich Bill kaum vorstellen. So etwas war für ihn alltäglich.
Er ging zu einem Ständer hin und suchte mehrere Teile zusammen: „Wenn die Sachen dir gefallen, kannst du sie mal Anprobieren.“
Er hielt mir Bikiniteile entgegen, die ich misstrauisch entgegen nahm. Das waren keine Bikinis mehr, sondern Stoffteile, die man sich an den Körper kleben musste, damit sie halten… Zumindest sahen sie so aus.
„Danke.“ Schüchtern drückte ich ihm einen Kuss auf die Wange und ging in einer der Umkleidekabinen.
Das erste was ich anprobierte war ein Bikini in schwarz mit blauen Blumenmuster. Ich drehte mich im Spiegel und eigentlich gefiel mir das schon… Es passte auch, also musste ich das andere doch nicht auch noch anziehen… Zumindest hatte ich keine Lust das andere anzuprobieren, da dass mit dem blauen Blumenmuster noch am meisten Stoff besaß. Es sah akzeptabel und normal aus. Überhaupt nicht zu knapp oder zu wenig Stoff.
Ich drehte mich dann noch mal und Bill stand vor meiner Umkleide und klopfte an die Tür: „Und hast du schon was an?“
Ich machte einfach die Tür auf und er schaute mich von unten nach Oben an.
„Süß!“, er zog eine Augenbraue hoch und grinste mich an, als habe ich gerade etwas total unglaublich tolles geschafft.
„Willst du noch andere Sachen anprobieren?“
„Nein… Ich mag das haben. Hat Tom seins auch schon?“
„Nein, der braucht immer etwas länger. Wenn du dich umgezogen hast, gibst du mir dann den Bikini, damit ich mich an die Kasse stellen kann?“
Ich nickte und strahlte ihn so an, wie er mich anstrahlte. Wir strahlten schon fast um die Wette, bis er dann anfangen musste zu lachen, weil ich ihn ein wenig nachäffte beim Strahlen.
Als ich mich dann angezogen hatte und ich Bill meinen Bikini gab, schaute ich mich nach Tom um.
Der war irgendwie noch nicht ganz fertig und Bill und ich setzten uns auf eine Couch vor den Umkleiden.
„Wie hast du in Bonn eigentlich gelebt?“, fing Bill an. Irgendwie wollte er halt wissen, wie man so unwissend wie ich sein konnte. Alles über die Erde wusste ich ja nun auch nicht.
„Ich hab in einem Internat gewohnt…“ Fieberhaft überlegte ich was zu erfinden… Internat… und weiter? Eingesperrt? Misshandelt?
Sollte ich Bill wirklich so anlügen? Oder wurde ich einfach nicht aufgeklärt über die Welt?
„Wie war’s da, war das ein geschlossenes Internat? Habt ihr da nicht Schwimmen oder Kochen gelernt?“
Nein, Bill! Hör auf zureden! Fragen sind böse!
„Frag bitte einfach nicht. Ich weiß einfach nicht, wie manche Dinge funktionieren…“ Stur starrte ich auf die Kabine uns gegenüber, in der Tom war. Meine Hände hatte ich auf der Couch jeweils neben meinen Beinen liegen gehabt und Bill griff nun nach meiner Hand, die zwischen uns lag und umfasste sie mit seiner.
„Ist okay, wenn du nicht drüber reden willst.“, sagte er liebevoll.
Er dachte wohl, dass ich irgendwo eingesperrt gewesen sein musste oder so.
Dann kam Tom endlich wieder raus. Er hatte es geschafft sich zu entscheiden, welche Badehose ihm besser stand.
Direkt dann noch mal kurz nach Hause, Schwimmsachen drunter anziehen, Sachen wie Handtücher und frische Unterwäsche einpacken und dann auf zum See.

Wir kamen dann bei einem See an, der ein Sandufer hatte und ziemlich groß war. Einige Leute lagen schon dort und sonnten sich und Kinder spielten im Wasser. Der See wurde noch von einem halben Wald umschlossen.
„Hier ist es richtig schön!“, sagte ich und zog meine Sachen aus.
„Deshalb sind wir ja hier.“ Tom stürmte direkt aufs Wasser zu, nachdem er sich seiner Sachen entledigt hatte. Kopfschüttelnd sah ich ihm nach. Wie er gleich ins Wasser sprang und abtauchte, total lustig.
Ich stellte mich ans Ufer, sah meine Füße knapp vor dem Wasser an und beobachtete, wie es kleine Wellen schlug und so ruhig da lag. Nur wenn einige der Kinder durchs Wasser liefen, spritze das Wasser wild umher und es glänzte so schön in der Sonne.
Bill stand dann neben mir und beobachtete die Leute im Wasser: „Sollen wir rein gehen?“
„Ist es nicht zu kalt?“
„Hast du Angst?“ Er sah zu mir und ich lächelte ihn an, als er mir einen schiefen Blick zu warf. So von wegen, du hast doch nicht im ernst Angst vor Wasser? Nein… ICH DOCH NICHT!!! Hilfe? …
Er nahm mich dann einfach bei der Hand und wir gingen gemeinsam immer tiefer und tiefer ins Wasser, bis es mir bis zur Brust reichte. Ein kalter Schauer ging mir den Rücken hinunter und meine Haut wurde wie Schmirgelpapier.
„Kalt.“, sagte ich mit zitternder Stimme.
„Gewöhn dich dran, dann ist es nicht mehr kalt.“ Bill ließ meine Hand los und tauchte einmal ganz ins Wasser ein.
„Nicht! Bill lass mich nicht alleine, tauch wieder auuuuuf!“, quietschte ich fast und wollte gar nicht Bills Hand los lassen. Er schien mich unter Wasser nicht hören zu können.
Als er wieder hoch kam, strich er sich die Haare zurück und seine schwarze Schminke verlief unter seinen Augen, über seine Wangen.
Ich stellte mich knapp vor ihm und wischte ihm mit meiner Hand die Schminke weg, so dass es wieder besser aussah.
„Danke.“, sagte er und zog mich noch ein ganzes Stück tiefer ins Wasser.
„Ich warne dich, wenn ich untergehe, bist du es Schuld!“
„Kein Angst, ich rette dich dann.“ Er blieb erst stehen, als mir das Wasser bis zum Hals ging und ich tauchte auch mal kurz mit meinen ganzen Kopf unters Wasser. Eisig durchdrang das Wasser meine Haare und legte sich auf meine Kopfhaut, die fast einen Kälteschock bekam und schnell tauchte ich wieder auf.
„Zeig mal wie du schwimmst.“, forderte Bill mich auf.
„Ich habe keine Ahnung, wie ich mich bewegen soll…“
„So wie ich!“, sagte Tom, der plötzlich an uns vorbei paddelte. Tom schwamm auf dem Rücken und schien das kühle Nass richtig zu genießen. War Schwimmen wirklich so toll?
Ist wahrscheinlich wie Tanzen. Ich ahmte also Tom nach und das ging wirklich. Ich versuchte mich ein wenig so wie er zu bewegen, nur halt nicht auf dem Rücken sondern richtig herum.
„Du kannst es ja.“ Bill schwamm neben mir her. Von wegen ich konnte es, Bill schwamm ganz anders als ich, wie musste dass komisch aussehen! Ich bemühte mich dann Bills Bewegungen nach zu machen und das klappe dann wesentlich besser!
„Abgucken ist einfach.“, schnaufte ich leicht und schwamm hinter Tom her, der tiefer ins Wasser schwamm. Bill überholte mich und tauchte ein paar Mal. Wir schwammen noch ein ganzes Stück und Bill und Tom alberten die ganze Zeit nur herum, während ich mich mehr darum bemühte, dass ich mich gleichmäßig bewegte. Ich konnte nicht so schnell schwimmen, wie die beiden, bemühte mich aber trotzdem. Ich gewann dummerweise immer mehr und mehr Abstand zu Bill und Tom.
Dann schon nach kurzer Zeit konnte ich nicht mehr und wollte zurück schwimmen, aber das Ufer war nun schon zu weit weg und ich fing an zu strampeln. Meine Arme wurden schwer wie Blei und ich konnte mich kaum noch über Wasser halten. Ich wollte nach Bill und Tom schreien…
„Bi-.“ Ich brachte kein ganzes Wort mehr zustande, weil ich vom Wasser verschluckt wurde. Als ich mich wieder hoch strampelte, sah ich, dass Bill und Tom noch nicht gemerkt hatten, dass ich nicht mehr hinter ihnen war und ich schrie noch mal: „BILL!!!“
Wieder ging ich unter, weil ich mich einfach nicht mehr halten konnte und die Wasseroberfläche breitete sich über mir aus. Diesmal blieb ich unter Wasser und reine Panik stieg in mir hoch. Was jetzt? Das Wasser um mich herum schien mich zu erdrücken und ich spürte Algen, die sich um meine Füße wickelten. Ich versuchte mich da heraus zu strampeln, doch meine Beine verhedderten sich immer mehr und mehr in das Gewirr.
Ein stechender Schmerz machte sich in meinem Brustbereich bemerkbar und alles wurde schwarz. Mein Herz schien durch meinen ganzen Körper zu pochen, als wollte es mir entweichen. Ich wollte noch nicht sterben… Noch nicht…


17. Kapitel


Als ich wieder aufwachte, lag ich auf Bills Schoß und sein Gesicht war über mich gebeugt, knapp vor meinem Gesicht: „Boa, du hast mir voll Angst gemacht!“ Ich stieß ihn weg und er sah mich total perplex an.
Ich beugte mich ruckartig nach vorne und würgte so einiges an Wasser aus.
Dann Atmete ich tief durch, als wäre ich gerade gestorben und wieder zum Leben erwacht… Ich war wirklich nah dran zu sterben. Meine Lungen schmerzten bei jedem Atemzug, indem ich die Luft tief in meine Lungen aufnahm.
Ich hustete wie wild und Bill klopfte mir fest, aber dennoch vorsichtig auf den Rücken.
„Ich hab doch gesagt, ich rette dich!“ Bill schloss mich in seine Arme und drückte mir einen dicken Kuss auf die Stirn.
Ich merkte nun, dass wir noch immer am See waren und Tom neben Bill saß und mich erleichtert ansah. Ich schnallte das alles im Moment noch gar nicht. Was war denn passiert?
Mehrere Menschen standen um uns rum. Schaulustige, was ich überhaupt nicht mochte. Wie sie mich anstarrten, als hätte ich gerade meine Flügel wieder zurückbekommen! Bill drückte mich noch immer an sich und ich löste mich langsam wieder von ihm.
Ich schlug mir gegen die Stirn. Ich wäre ja eben fast ertrunken, deshalb glotzen die Leute so!
„Lass uns nach Hause fahren.“, sagte ich etwas benommen und noch leicht hustend und Bill zog mich auf meine Beine. Tom versuchte die ganzen Leute zu verscheuchen, die immer noch total blöd guckten. Bill und Tom kamen denen nämlich auch schon ziemlich bekannt vor.
Ich hätte gleich wieder umfallen können, als ich stand, denn meine Beine waren wie Gummi, also nahm Bill mich auf seine Arme. Die Menschen verteilten sich wieder und Tom packte unsere Sachen zusammen.

Zuhause legte Bill mich auf die Couch und setzte sich vor mich hin auf den Boden.
„Wie lange war ich weggetreten?“ Ich hielt mir den Kopf.
„Nicht lange. Aber ein paar ganz schön lange und erschreckende Minuten!“
„Wieso fühle ich mich so müde?“ Meine Arme waren noch immer so schwer… Aber mittlerweile, war das irgendwie mein ganzer Körper und das stille Liegen auf dem Sofa entspannte.
„Dein Körper hat seine ganze Kraft darauf versetzt, dich am Leben zu halten. Ich hab irgendwie das Gefühl, dass du das alles zum ersten Mal durchlebst, als wärest du vorher gar kein Mensch gewesen.“
„Wer weiß…“, sagte ich mehr in Gedanken als sonst wie. Ich schloss meine Augen und Bill entschied mich in Ruhe zu lassen. Stattdessen half er Tom die Handtücher und alles weg zu räumen.
„Wie geht’s ihr?“, hörte ich Tom noch fragen.
„Hmm… Kann man nicht sagen. Sie sollte jetzt viel Ruhe haben.“ Bill klang sehr nachdenklich.
Ich bin dann auch schon wieder eingeschlafen.

Beim Aufwachen stellte ich fest, dass ich in Bills Bett lag. Ich wälzte mich ein paar Mal und streckte mich genüsslich, wobei ich merkte, dass Bill nicht mal neben mir lag. Ich hatte gar nicht mehr meine Bikinisachen an, sondern ein viel zu großes T-Shirt… Von Tom also.
Bill hat mich doch nicht etwas umgezogen? Hat er mich etwa wirklich ganz ausgezogen? Dann hat er mich ja auch nackt gesehen… Oh nein! Wie peinlich!
Ich vergrub mein Gesicht im Kissen und schreckte plötzlich auf, als jemand über meinen Rücken streichelte.
„Wie geht’s dir?“ Bill war ins Zimmer gekommen und saß neben mir im Bett.
„Gut.“ Ich drehte mich wieder auf den Rücken und sah ihn an.
„Danke.“, sagte ich noch.
„Wofür?“
„Dass du mich gerettet hast.“
„Ist doch selbstverständlich. Für dich tu ich doch alles.“
Ein Kribbeln zog durch meinen Magen. Aber keineswegs unangenehm, im Gegenteil, es war als würde gerade etwas total Aufregendes passieren. Woher kam dass den jetzt?
Bill hatte sich schon angezogen und geschminkt und legte sich nun neben mich ins Bett und sah mir wieder so verloren in die Augen.
- Wie ein Engel siehst du aus. Manchmal glaube ich echt, dass du einer bist.-
Wie gerne hätte ich es ihm jetzt gesagt. Aber wieso eigentlich? Wieso sollte ich ihm sagen, was ich bin? Komische Gefühle…
- Ich frag mich immer noch, was das gestern war… als hättest du Flügel gehabt, als ich nach dir getaucht habe. Aber durch das trübe Wasser, sah das bestimmt nur so aus… -
Schock? Ich hatte Flügel? Wollten die mich ernsthaft schon wieder in den Himmel holen? Die glaubten wohl, ich würde es nicht überleben…
Ach Bill… Du bist echt das süßeste, dem ich je begegnet bin. Er hatte mich echt vor dem Tod bewahrt… Hmm… Ich hatte wirklich Flügel? Scherz? Das sollte mir nicht noch mal passieren.
Ich gähnte: „Wie spät ist es?“
„Halb 4.“
„Nachmittags?“
„Ja… Du hast so süß geschlafen, da wollte ich dich nicht wecken.“
„Ich sollte duschen gehen…“, sagte ich schnell. Bevor der Moment auch nur eine kleine Chance bekommen sollte sentimental oder so zu werden, stieg ich aus dem Bett.
„Ähmm… warte!“ Bill hielt mich an der Hand fest.
„Ich hab dir noch mal neue Sachen gekauft, während du geschlafen hast. Die einen da reichen ja niemals aus.“
Ich zog ihn an der Hand, mit der er mich immer noch fest hielt, zu mir in eine Umarmung.
„Ich hab dich lieb!“, entfuhr es mir. Ach verdammt, das wollte ich doch nicht sagen.
„Ich dich auch.“ Irgendwie glücklich sah er mich an, als hätte er nur gewollt, dass ich das sage. Also zurücknehmen konnte ich es ja jetzt nicht mehr… Oder?
„Die Sachen sind draußen im Wohnzimmer auf dem Esstisch. Such dir was raus, was du nach dem Duschen anziehst.“, fügte er noch hinzu.
Ich nickte zustimmend und packte mir dann vom Sofa ein rotes, weiß gepunktetes und langes T-Shirt mit einer schwarzen Jeans.
Als ich die Unterwäsche sah, wurde ich wieder rot. Das gibt’s doch nicht. Jungs suchen aber echt immer einen Vorwand um zwischen der Unterwäsche schnüffeln zu können.
Wie ich mir das vorstelle, Bill in einem Laden zwischen BHs und Strings…
Witzig.
Ich lachte leise.
Unter der Dusche entspannten sich meine Muskeln unter dem warmen Wasser und ich genoss es, wie es mich umgab.
Die Sachen, die mir Bill mitgebracht hatte, passten mir und mit nassen Haaren ging ich wider ins Wohnzimmer.
„Wo ist eigentlich Tom?“ Ich sah Bill auf dem Sofa sitzen. Er guckte fernsehn.
„Larissa hat heute mal vorbeigeguckt und hat nach dir gefragt. Aber weil du noch geschlafen hast, hat sich Tom mit der ins Kino aufgemacht. Deine Anziehsachen habe ich in meinen Schrank geräumt, ich hab da ein bisschen aufgeräumt und Platz für deine Sachen gemacht.“
Ich setzte mich neben Bill.
„Ich kann nicht oft genug danke sagen. Du bist so lieb zu mir.“
„Waren das andere etwa nicht?“
Ich musste an den unheimlichen Mann denken, vor dem mich Tom gerettet hatte und an die Zicke, die Tokio Hotel nicht mochte… Dabei fiel mir ein Grund perfekt ein, um der Frage von Bill auszuweichen: „Was heißt eigentlich schwul?“


18. Kapitel


Bill schaute mich ziemlich komisch an: „Das ist wen… Also wenn…“ Er stotterte. War es etwa etwas Schlimmes?
„Das ist … Also wenn sich ein Mann in einen anderen verliebt oder sich generell nur für andere Männer interessiert und nicht für Frauen. Dann ist er schwul.“
„Ach so.“
„Woher hast du das?“
„Nur mal so gehört…“ Ich konnte ihm ja kaum sagen, dass ein Mädchen meinte, Bill würde sich nur in Jungs verlieben… Oder war Bill wirklich ein bisschen schwul?
„Bist du… schwul?“ Schüchtern sah ich ihn an.
„Das denken viele, aber nein, ich bin’s nicht.“ Er sah wieder in den Fernseher. Da liefen so gezeichnete Figuren rum und machten immer Blödsinn. Das war lustig sich das an zu gucken.
„Was guckst du da?“
Er schaute mich wieder an, aber ich sah weiter in den Fernseher. Er fragte sich gerade wieder bestimmt, wie man so was nur nicht kennen konnte…
„Das sind die Simpsons.“
„Guckst du dir das immer an?“
„Wenn’s gerade läuft und ich Zeit habe…“ Er sah wieder in den Fernseher.
Wir guckten uns die Serie an und direkt danach kam noch eine Folge. Wir lachten hin und wieder und machten uns gegenseitig auf verschiedene Sachen in der Serie aufmerksam.
Danach kam Galileo.
„Das ist ja mal interessant.“, sagte ich mitten in der Serie.
„Was?“
„Na Galileo, wie die zeigen, wie das mit dem Körper eines Menschen funktioniert wie Schwitzen, Rülpsen, Gähnen und alles was Menschen eigentlich total ekelig finden, ist wichtig für den Körper.“
„Hmhm… Stimmt. Aber trotzdem ist es eklig.“
„Und Küssen ist gesund? Das wusste ich jetzt mal echt nicht…“
„Tja, siehste mal.“
Dann ging die Haustür auf und Tom und Larissa kamen lachend durch die Tür in den Flur gestolpert zu Bill und mir. Sie setzten sich neben uns und beruhigten sich langsam.
„Warum lacht ihr so?“ Bill wendete sich an Tom.
„Ach, nur ein Witz über den Film, den wir gerade gesehen haben.“
„Ich wollte heute eigentlich zu dir, aber du hast geschlafen.“, sagte nun Larissa.
„Ich weiß, hat Bill mir erzählt. Aber ich kann selber nicht glauben, dass ich so lange durchgeschlafen habe.“
„Ich denke, wir sehen uns dann vielleicht morgen, wenn du Zeit hast.“
„Ich denke schon… Was macht ihr den Morgen?“ Ich sah zwischen Bill und Tom hin und her.
„Bis jetzt noch nichts, ist ja Urlaub…“
„Dann können wir doch auch zu viert etwas machen oder?“, schlug ich vor. Ich wusste nicht wieso, aber ich wollte bei Bill bleiben.
„Okay, dann komm ich morgen irgendwann noch mal. Ich muss jetzt eh wieder gehen.“ Larissa verabschiedete sich von uns und war dann weg.
Wir guckten alle noch Galileo zu Ende und bestellten uns eine Pizza.
„Und wie findest du Larissa?“, fragte ich Tom, während ich guckte, wo ich in meine Margherita zuerst hineinbeißen sollte.
„Sie ist total nett und ich mag sie.“, die Antwort war ehrlich und er hatte anscheinend nicht vor, sie wie die anderen Mädchen nur flachzulegen. Fand ich auch gut so. Braver Tom! In Gedanken tätschelte ich ihm auf den Kopf. In Wirklichkeit sollte ich es besser lassen.
Nach der Pizza war ich dann doch schon wieder müde, obwohl ich doch gerade erst so lange geschlafen hatte und ließ mich in Bills Bett fallen.
Er kam natürlich direkt mit mir und zog sich bis auf die Boxershorts aus.
Als er sich dann knapp neben mich legte, hatte ich auch schon einen Arm um ihn gelegt und lag so halb auf dem mit meinem Kopf wieder auf seiner Brust.
Ich hörte sein Herz gleichmäßig und ruhig schlagen, während Bill mir wieder über meinen Rücken streichelte. Seine Nähe tat mir irgendwie gut. Das gab mir das Gefühl nicht allein zu sein.

Der nächste Tag war total entspannt. Aufstehen, Frühstücken, mit Larissa treffen und da sind wir dann zu ihr gegangen.
Bill und Tom bewunderten ihre ganzen Tokio Hotel Sachen und staunten nicht schlecht, obwohl es ihr aus den Gedanken herauszulesen war, dass es ihr peinlich war. Aber Bill und Tom waren total fasziniert, als hätten sie sich ihre ganzen eigenen Sachen noch nie angesehen. Dann lachten Bill und Tom sich gegenseitig aus, wie sie sich auf manchen Bildern total scheiße fanden.
„Beim Reden fotografieren, Bill, steht dir nicht!“, lachte Tom, als er von Bill ein Poster sah, wo er die Lippen lustig verzog.
„Aber du Quasimodo!“ Bill zeigte auf ein Poster wo Tom mit seiner Gitarre auf der Bühne stand und seinen Rücken krümmte. Bill und Larissa unterhielten sich dann unheimlich viel, weil Bill sich ja auch in die unmöglichsten Diskussionen verstricken konnte. Daher redete ich nur etwas mit Tom so und er erzählte mir auch viel von den peinlichen Sachen und den tollen Momenten, die sie bisher in ihrer Karriere erlebt hatten.
Den ganzen Nachmittag haben wir bei Larissa verbracht und sind am Abend noch durch den Park spazieren gegangen, was mich wieder daran erinnerte, wie Tom mir geholfen hatte. Ein kalter Schauer jagte durch meinen Magen, als ich an den unheimlichen Mann dachte.

„Ich bring Larissa mal nach Hause.“, sagte Tom, nach einem kurzen Blick auf seine Uhr und riss Bill und Larissa aus ihrem Gespräch über das Lackieren von Nägeln… Wobei Tom und ich überhaupt nicht mitreden konnten.
Dann spazierten schon Minuten später nur noch Bill und ich alleine im dunklen durch den Park… Irgendwie Hand in Hand. Komisch… ich sah in Richtung Himmel und fragte mich, was die da oben wohl gerade machten.
„Guck mal die Sterne.“ Machte ich Bill auf den Himmel aufmerksam.
„Voll schön.“, schwärmte er und drückte meine Hand etwas fester. Mit dem Gesicht in den Himmel gerichtet gingen wir ein paar Schritte weiter, was keine so gute Idee war. Ich erschrak, als ich über etwas Hartes stolperte und umklammerte Bills Hand fest, als ich mein Gleichgewicht verlor. Ich zog Bill mit mir zu Boden und landete auf den Rücken im Gras und Bill flog auf mich drauf. Wie schnell dass ging, ich konnte kaum realisieren, das sich nun schon lag und… Und Bill auf mir.
„Sorry.“, sagte ich und lächelte leicht. Das Gras war nicht gerade weich und der Aufprall hallte noch durch meinen Körper.
Er sah mich wieder so verloren und verträumt an, was ich durchs fahle Licht von der Straße erkannte.
Er hatte sein Gesicht so dicht über meinem, dass ich seinen warmen Atem auf meinen Lippen spüren konnte, der schwer zu sein schien. War er nervös? Anscheinend schon… Wieso nur? Ich war doch nichts, was ihn gleich auffressen könnte… Oder etwa doch? Unsicher sah ich ihn an.


...more coming soon...