TH-Wonderland.de - Wir ziehen um...
zum neuen FF-Wonderland !
Gratis bloggen bei
myblog.de

Nelly, she's my little one





By: TwincestGirl
Hauptpersonen: Bill, Nelly, Kate
Nebencharaktere: Tom, Gustav, Georg, Saki, David
Story: Die vier jährige Nelly verliert bei einem Autounfall ihre junge Mutter und muss nun zu ihrem Vater - Bill Kaulitz -, den sie noch nie im Leben gesehen hat. Und der ist nicht gerade begeistert, doch schnell fängt er an sich für die Kleine zu interessieren und schließt sie bald ins Herz. Doch kaum haben die beiden sich an einander gewöhnt, da...
Jugendfrei?: nicht detaillierte Sexstellen, Gewalt zum Ende der Story


1. Kapitel


Nelly saß auf einem Stuhl in der Ecke und schaute zum Krankenbett ihrer Mutter Sabrina. Sie war an mehrere Geräte angeschlossen. Ein Arzt stand neben dem Bett. Obwohl Nelly erst vier war, hatte sie schon eine leise Ahnung, was passieren würde. Ihre Mutter hatte einen schlimmen Unfall gehabt. Wie durch ein Wunder blieb Nelly unversehrt, ihre Mutter hatte es jedoch umso schlimmer getroffen. Und nun lag sie schon seit vier Tagen hier im Krankenhaus. Nelly verstand die Worte vom Arzt nicht und auch die Worte ihrer Mutter waren unverständlich für sie.
„Wie heißt ihre Tochter?“
„Nelly...“, antwortete Sabrina schwach. Sie spürte, dass ihr leiden heute noch ein jähes Ende finden würde.
„Wie alt ist Nelly?“
„Vier...“, das Letzte, was sie noch erledigen musste, war Nelly in gute Hände zu geben. Dann konnte sie in Ruhe sterben.
„Wie heißt Nellys Vater? Wo wohnt er?“
„Ich weiß nicht, wo er heute wohnt...“, erklärte Sabrina. „Nelly war ein Unfall...aber der beste Unfall, der mir je passiert ist...sie ist aus einem One – Night –Stand entstanden...“
„Wissen Sie noch den vollen Namen von Nellys Vater?“. Sabrina nickte und sagte dem Arzt den Namen on Nellys Vater. Doch der Arzt zog nur die Augenbrauen zusammen und starrte sie verblüfft an.
„Sind Sie da ganz sicher?“
„Ja...aber er weiß nichts von seiner Tochter, ich habe es ihm nie gesagt. Wir hatten nach dieser einen Nacht keinerlei Kontakt mehr...! Bitte...bringen Sie Nelly zu ihrem Vater!“
„Tut mir Leid, das entscheide nicht ich. Das ist die Entscheidung vom Jugendamt! Aber ich werde den Leuten vom Jugendamt sagen, wie ihr letzter Wunsch war! Eigentlich machen die das, was man ihnen sagt!“
„Vielen Dank...“, Sabrina schloss die Augen und atmete schwer ein und aus. Das Ende war nah!
„Der Vater von Nelly...können Sie vielleicht ungefähr sagen, wo er zurzeit wohnen könnte?“
„Hamburg...er wollte immer nach Hamburg!“
„Okay...danke!“
„Nelly...komm mal her!“, das kleine Mädchen rutschte von dem Stuhl und kam auf ihre sterbende Mutter zu. Der Arzt hob das kleine Mädchen hoch und setzte es auf den Schoß ihrer Mutter.
„Nelly...du wolltest doch immer schon mal wissen, wer dein Vater ist, nicht wahr? Du wirst jetzt bald zu ihm fahren! Sei schon brav bei Papa...ja?“, Sabrina strich ihrer kleinen Tochter das dunkel blonde Haar aus dem Gesicht und lächelte etwas. Nelly nickte sofort.
„Gut...ich liebe dich!“, damit gab Sabrina ihr einen Kuss und lehnte sich zurück. Es war soweit! Sie atmete noch einmal tief ein und aus. Der Arzt nahm Nelly auf den Arm und mit einem letzten Blick auf ihre kleine vier jährige Tochter schloss Sabrina die Augen, dieses Mal für immer. Nelly fing an zu schniefen und schon bald kullerten kleine Tränen über Nellys blasse Wangen. Der Arzt setzte Nelly auf dem Boden ab, befreite die tote Sabrina von den vielen Geräten, die jetzt sowieso nicht mehr viel, eher überhaupt nichts, brachten und schrieb den Sterbezeitpunkt auf. Nelly saß immer noch weinend auf dem Boden. Als der Arzt fertig war, drehte er sich zu dem Kind um.
„So, Nelly, jetzt muss ich dich zum Jugendamt bringen“, er hielt ihren Kinderausweis hoch.
„Und die werden dich wohl zu deinem Vater bringen...! Komm!“, der Arzt hob die Kleine wieder hoch und brachte sie zu seinem Auto. Nachdem er sie angeschnallt hatte, stieg er selbst in den schwarzen Mercedes ein und fuhr los. Nelly schwieg noch immer. Der ziemlich junge Arzt wusste gar nicht, ob das Mädchen überhaupt reden konnte. In den vier Tagen, in denen Nelly nicht von der Seite ihrer Mutter geweicht war, hatte sie nie auch nur mal einen Ton von sich gegeben.
Nach einer Viertelstunde Fahrt hielt der schwarze Mercedes vor dem Jugendamt. Der Arzt schnallte Nelly wieder ab, nahm sie auf den Arm, holte ihren Kinderausweis und ging mit ihr. Eine Frau, die am Empfang saß, musterte die beiden fragend.
„Kann ich Ihnen helfen?“
„Ja...ich...ich bin Doktor Alexander Weiß und das hier ist Nelly Caspari. Ihre Mutter ist vor einer Viertelstunde im Krankenhaus gestorben...und ich soll ihren Vater suchen!“
„Wissen Sie den Wohnort oder den vollen Namen des Vaters?“
„Den Namen!“
„Und wie lautet der?“, der Arzt sagte der Frau den Namen und sie blickte ihn genau so verwirrt an, wie er vorhin noch Sabrina Caspari gemustert hatte.
„Ich weiß...aber so ist es!“
„Gut...äh...“, die Frau drückte auf einen kleinen Knopf und sprach in ein Mikrofon.
„Sascha, kommst du mal bitte an die Info!“, sie lehnte ich wieder zurück. „Sascha wird nach der Adresse von Nellys Vater suchen, lassen Sie Nelly bei uns, wir werden uns solange um sie kümmern, bis wir ihren Vater gefunden haben! Dann bringen wir sie ohne Umwege, zu ihrem Vater.“
„Okay, danke“, der Arzt reichte Nelly der Frau rüber, die das Kind freundlich anlächelte.
„Keine Sorge, Nelly, wir werden denen Vater schon finden!“, der Arzt ging. Nun saß Nelly alleine, mitten unter total fremden Leuten. Ohne Mutter und noch ohne Vater. Die Tränen fingen ihr wieder an über die blassen Wangen zu kullern.
„Och, nicht weinen, Kleine! Wir finden deinen Vater! Das wird sicherlich ganz einfach bei dem! Weißt du, dein Vater ist richtig berühmt!“, Nelly schaute die Frau an. Die Worte sagten ihr nicht viel. Sie verstand sie fast gar nicht.
Ein junger Mann kam an die Information.
„Na, hallo, wer bist denn du?“, fragte er und fischte einen Lolli aus seiner Jackentasche. Nelly griff sofort danach. Der Mann machte ihn auf und reichte ihm dem Kind.
„Was ist los, Tina?“
„Du musst jemanden finden! Ihren Vater. Wir brauchen den genauen Wohnort!“
„Hast du denn Namen?“
„Oh ja, den habe ich!“
„Und? Wie heißt er?“, fragte Sascha und schaute dem kleinen Mädchen zu, wie es traurig an dem Lolli lutschte.
„Was hat sie?“
„Ihre Mutter ist gestorben! Jetzt soll sie zum Vater! Aber Mutter und Vater hatten wohl keinen Kontakt mehr. Typisches One-Night-Stand-Problem!“
„Ja...das arme Kind. Wie heißt der Vater denn?“
„Hier!“, Tina gab seinem Kollegen die Informationen, die der Arzt ihr gegeben hatte.
„Was?! Willst du mich verarschen? Der hat doch nie und nimmer ein Kind!“
„Doch und das sitzt hier vor dir!“, Tina deutete auf Nelly.
„Oh je...die Arme!“
„Wieso? Der wird’s doch sicherlich gut gehen bei dem!“
„Aber der will doch keine Kinder...“
„Der war damals 16, als er das gesagt hat!“
„Einundzwanzig ist nicht gerade viel älter!“, sagte er und ging. Tina schaute zu Nelly runter.
„Mach’ dir keine Sorgen! Du bist schon bald bei deinem Vater.“


2. Kapitel


Es dauerte nicht mal zwölf Stunden, bis Sascha die Adresse von Nellys Vater herausgefunden hatte.
„So, hier haben wir die Adresse!“, meinte er und legte sie Tina vor die Nase.
„Gut, dann kannst du Nelly ja auch jetzt dahin bringen!“, Sascha blickte zu Nelly und nickte. Tina hob die Kleine hoch und gab sie ihm in den Arm.
„Na, hoffen wir mal, dass er sich freut!“, nuschelte Sascha.
„Hey, der ist doch jetzt erwachsen!“
„Ach, wirklich?!“, Sascha zog seine Augenbrauen hoch, nahm die Adresse, die er sich auf ein Blatt gekritzelt hatte, und den Kinderausweis von Nelly und ging zu seinem Auto.
„So, Nelly, jetzt kommst du zu deinem Vater! Ui...wir haben eine sehr weite Fahrt vor uns! Hamburg...mh...na ja, zwei Stunden!“, damit fuhr Sascha los. Nelly schaute stumm aus dem Fenster. Sie verstand das alles nicht so wirklich. Nur dass sie zu ihrem Vater sollte, das hatte sie verstanden. Aber sie kannte ihren Vater gar nicht. Ihre Mutter hatte nie von ihm geredet. Nelly wollte sie immer darüber ausquetschen, doch es war ihr nie gelungen. Ihre Mutter wollte einfach nicht über ihren Vater reden. Nelly hatte also irgendwann damit aufgehört. Doch nun musste sie sich als Vierjährige mit dem Tod der Mutter konfrontieren und zu einem wild fremden Menschen gehen, der sie aufnehmen sollte und so sein sollte wie ihre Mutter? Niemand konnte so sein wie ihre Mutter! Ihre Mutter war die netteste, die tollste und einfach großartigste Person der Welt gewesen, doch sie verstand schon, dass diese Person jetzt für immer aus der Welt verschwunden war. Sie seufzte leicht und schaute weiterhin stumm aus dem Fenster. Es wurde schon dunkel.
„Weißt du eigentlich etwas über deinen Vater?“, fragte Sascha. Nelly antwortete nicht.
„Er ist berühmt. Ziemlich sogar. Er ist ein Superstar! Er hat richtig viel Geld! Und der wohnt in der besten Gegend von Hamburg. Sicherlich in so einer richtig hübschen Wohnung...so eine riesengroße Suite!“
Nelly wusste immer noch nicht so wirklich, was dieser Mann von ihr wollte, doch er war nett und brachte sie zu ihrem Vater. Zu dem Menschen, den sie noch nie gesehen hatte, jedoch trotzdem sofort lieben sollte, dem sie sofort vertrauen sollte. Ihre Mutter hatte immer gemeint, dass sie für ein vierjähriges Mädchen schon richtig schlau wäre. Nelly wusste nicht, ob das stimmte. Sie hatte nie wirklich Zeit gehabt, darüber nachzudenken. Und nun konnte sie ihre Mutter nicht mehr fragen. Schon wieder fingen die Tränen an über ihre blassen Wangen zu laufen.
„Hey...nicht weinen. Du hast doch noch deinen Vater...ich weiß, dass du traurig bist, aber dein Vater wird sich garantiert gut um dich kümmern!“
Nelly seufzte wieder und schaute einfach weiter aus dem Fenster. Die Sonne war nun endlich ganz untergegangen und Nelly bekam Angst. Sie hatte Angst im Dunkeln. Diese Angst hatte sie, seit sie denken konnte.
Sascha blickte auf die Straße. Er hoffte nur, dass es stimmte, was er da über den Vater der Kleinen sagte. Bis heute hieß es, dass er selber immer noch sagen würde, dass er keine Kinder wollte. Niemals! Tja, dieses Niemals war hiermit wohl aus der Welt geschafft. Das kleine Mädchen tat ihm Leid und der Vater auch. Er wusste ja, wie so Nachrichten einen überrumpeln konnten, das hatte er schon so oft miterlebt. Manche schlugen ihnen einfach die Tür vor der Nase zu, andere waren total verzweifelt, brachen in Tränen aus. Und nur ganz wenige freuten sich. Zu welcher Sorte würde ihr Vater wohl gehören? Sascha schaute wieder kurz zu Nelly rüber und dann wieder auf die Straße. Konnte das Mädchen nicht sprechen oder wollte es einfach nicht? Auch egal, sie fuhren an einem Straßenschild vorbei, noch zehn Kilometer.
„Freust du dich denn?“, fragte Sascha. Das kleine Ding schüttelte den Kopf. Hören konnte sie also!
„Wieso denn nicht?“, aber eine Antwort bekam Sascha nicht. Nelly seufzte wieder tief. Die restliche Fahrt verlief ruhig, bis Sascha endlich nach einer weiteren Viertelstunde die Adresse gefunden hatte.
„Na, was hab’ ich gesagt? In der feinsten Gegend!“, er suchte die Klingeln nach dem Namen Kaulitz ab und fand ihn.
„Na, toll...er wohnt im letzten Stock...! Siehst du, die richtig große Suite!“, Sascha drückte auf die Klingel.
„Hallo?“, ertönte eine Stimme. Nelly horchte auf. Das war er! Ihr Vater!
„Hallo...äh...Herr Kaulitz? Hier ist Sascha Petersen, ähm...ich bin von Jugendamt. Kann ich hoch kommen!“
„Letzter Stock!“, er klickte und die Tür ließ sich aufdrücken.
„Okay, kommst du?“, fragte Sascha und nahm Nellys Hand. „Ich würde sagen, wir nehmen den Aufzug!“, doch da lief Nelly schon auf die Treppe zu.
„Na, wie du willst!“, Sascha hob die Kleine hoch und ging mit ihr bis in den fünfzehnten Stock.
Mit jeder Stufe schlug Nellys Herz etwas schneller. Ihr Vater! Am Ende dieser Treppe wartete ihr Vater! Auch wenn sie noch nicht ganz wusste, was das bedeutete, so war sie doch aufgeregt und fieberte dem Ende der Treppe entgegen. Sascha ging jedoch ziemlich langsam die Treppe hoch und so waren sie gerade mal auf Stockwerk zehn. Noch fünf Stück. Nelly konnte es fast nicht mehr aushalten. Sie war nicht alleine! Ihre Mutter war tot, sie hatte sie verloren. Aber es gab noch jemand, der sie liebte, der sich um sie kümmern würde! Ihr Vater! Der andere Teil von ihr! Wie er wohl sein würde? Wie er aussehen würde? Und endlich nahm Sascha auch die letzte Treppe. Im letzten Stockwerk, gab es nur eine Tür. Das Schild auf der Klinge, trug den Namen ‚Kaulitz’.
„So, da wären wir Nelly, hinter dieser Tür, wohnt dein Vater! Soll ich klingeln?“, fragte Sascha und lächelte das kleine Mädchen aufmunternd an. Nervös nickte das Mädchen mit dem Kopf. Sascha klingelte. Das Herz von Nelly schlug ihr bis zum Hals. Plötzlich bekam sie Angst und stellte sich hinter Saschas Beine. Sie klammerte sich an seiner Hose fest und wartete, bis die Tür aufging. Sascha schaute sie etwas verblüfft an, doch dann ging die Tür auf und er drehte sich wieder um. Nelly sah noch nichts, sie griff fest zu und Sascha meinte:
„Guten Abend, Herr Kaulitz!“


3.Kapitel


„Guten Abend, was kann ich für Sie tun?“, fragte Bill und schaute Sascha fragend an.
„Ähm...Herr Kaulitz, kennen Sie eine gewisse Sabrina Caspari?“, Bill überlegte kurz. Ja, er kannte sie, sehr gut sogar. Sabrina Caspari war damals, vor vier Jahren, das arme Mädchen gewesen, das Tom und ihm als „Wettopfer“ gedient hatte. Bill erinnerte sich nicht gerne daran. Er hasste diesen Teil seines Lebens.
„Flüchtig, wieso?“
„Nun...Sabrina Caspari ist vor einigen Stunden gestorben.“
„Oh...das tut mir leid. Aber...was hat das Ganze mit mir zu tun?“, fragte Bill und runzelte verwirrt die Stirn.
„Nun...Sabrina Caspari war Mutter!“
„Echt? Warte, die muss doch erst zwanzig gewesen sein!“
„Ja...Sie hat mit 16 ihr Kind bekommen!“, erklärte Sascha.
„Oh...ziemlich jung!“, meinte Bill.
„Ja! Das Kind muss jetzt zu seinem Vater!“
„Toll...aber...“, plötzlich verstand Bill. „Was?!“
Hinter Sascha zuckte etwas zusammen. Bill bemerkte das natürlich und ging einen Schritt auf Sascha zu. Nelly, die einfach zu neugierig war, blickte um Saschas Bein herum und sah in das Gesicht eines großen Mannes. Er sah nicht ziemlich alt aus. Er war dünn, groß, hatte lange schwarze Haare und war geschminkt.
„Ähm...“, machte Sascha, der merkte, wie angespannt die Situation war. „Das ist Nelly...sie...sie ist vier Jahre alt und...und Ihre Tochter!“, Bill schaute wieder von dem kleinen Mädchen auf in Saschas Gesicht.
„Das muss ein Irrtum sein!“, sagte er knapp und wollte die Tür schon wieder zuschlagen.
„Ist es nicht, Herr Kaulitz! Wenn Sie wollen, können wir kostenlos mit Ihnen einen Test machen!“
„Nein, schon gut...“, Bill drehte sich seufzend um und blickte Nelly wieder an. Die schaute ängstlich zu ihm rauf und versteckte sich wieder hinter Saschas Beinen.
„Mein Gott, bist du ängstlich, was hab’ ich dir denn jetzt getan?“
„Äh...Herr Kaulitz. Nelly kann wohlmöglich nicht reden!“
„Wie bitte?! Da jubelt man mir schon so ein Plagebalg unter und dann kann ich mich noch nicht mal mit ihr unterhalten?“, Bill schüttelte genervt den Kopf.
„Herr Kaulitz!“, mahnte Sascha. „Nelly ist vielleicht stumm, aber ganz bestimmt nicht taub!“
„Na, vielleicht ist sie ja taubstumm!“, Bill drehte sich um und ging in seine Suite.
Das Appartement war riesig und richtig luxuriös eingerichtet. Bill ging in die Küche, nahm drei Gläser, Cola und Orangensaft und kam zurück. Er schenkte Sascha Cola ein und Nelly bekam das Glas Orangensaft. Sie rührte es nicht an. Bill nahm einen großen Schluck von der Cola und meinte:
„Sabrina...Sie haben gesagt, sie wäre gestorben. Warum?“, Bill hatte zwar gemeint, dass er sie nur flüchtig kennen würde, doch das stimmte nicht. Er hatte sie nie vergessen. Das war der einzige One-Night-Stand in seinem Leben. Einmal und nie wieder hatte er sich gesagt und nun hatte er die Konsequenz von dieser bescheuerten Wette auf seinem Sofa sitzen. Ein Kind!
„Sabrina hatte einen Autounfall...das hat uns zumindest der Arzt gesagt, der uns auch Nelly vorbei gebracht hat“, Bill schluckte den Kloß in seinem Hals runter. Sabrina war ein hübsches Mädchen gewesen, dunkelbraunes Haar, strahlend braune Augen, schlank, groß, hübsches Gesicht. Und leider war sie an einem Abend zur falschen Zeit am falschen Ort. Bill erinnerte sich noch gut. Tom, Georg, Gustav und er waren nach einem Konzert noch ein bisschen feiern gegangen. An diesem Abend war wirklich eine Menge Alkohol geflossen, was eigentlich ziemlich untypisch gewesen war. Doch dann meinte Tom plötzlich, dem der Alkohol genau so zu Kopf gestiegen war, wie Bill: „Hey Bill. Ich wette, du traust dich nicht mit irgendeiner Schnecke hier einen One-Night-Stand zu haben!“ „Klar traut er sich nicht!“, hatte Georg gespottet und, unter Alkoholeinfluss hatte er selbst dann gemeint: „Natürlich trau’ ich mich! Los, Tom, such’ dir eine aus und ich schlepp’ sie ab!“ „Okay, die da!“, Tom hatte auf Sabrina gedeutet und Bill hatte die Wette gewonnen! Vier Jahre war das nun her.
Das hast du jetzt davon, dachte Bill und nahm wieder einen Schluck Cola.
„Nun, Herr Kaulitz, als allein erziehender Vater haben Sie jetzt eine Menge Verantwortung!“
„Wollen Sie das Kind adoptieren?“, fragte Bill und drehte sich zu Sascha. Der schaute ihn nur mit großen Augen an und von Nelly war ein Luftschnappen zu hören.
„A...Aber Herr Kaulitz! Das ist doch Ihre Tochter!“
„Ich bleibe bei den Sachen, die ich sage. Ich will keine Kinder! Noch nicht mal eins!“
„Können Sie sich das nicht noch mal überlegen? Nelly hat sonst niemanden mehr!“, das saß!
Bill biss sich auf die Unterlippe und schaute zu der Kleinen rüber. Die hielt nun endlich mal das Orangenglas in der Hand und nahm einen kleinen Schluck.
„Na ja...für ein paar Nächte kann sie ja hier schlafen. So lange bis ich einen Ersatz für mich gefunden habe oder ein anständiges Kinderheim“, Sascha konnte nicht fassen, was er da hörte! Das meinte Bill Kaulitz doch nicht ernst! Er konnte doch nicht wirklich so kaltherzig sein!
„Äh...Herr Kaulitz. Nelly hat wirklich keine Familienmitglieder sonst mehr! Gut, wenn Ihre Eltern noch leben, hat sie noch die Großeltern von Ihrer Seite aus, aber sonst hat sie niemanden mehr!“
„Und wieso sollte ich sie aufnehmen? Ich hab’ vier Jahre lang nichts von ihr gehört. Keiner hat es für nötig gehalten mir zu sagen, dass ich Vater geworden bin. Wieso sollte ich sie gerade jetzt aufnehmen? Wäre Sabrina nicht gestorben, wüsste ich ja immer noch nichts davon, also sehe ich keinen Grund, warum auf einmal ich das Kind da zu mir nehmen soll!“
„Herr Kaulitz, bitte!“
„Ich habe doch schon gesagt, dass ich sie für ein paar Nächte zu mir nehme! Aber leb’ dich nicht zu sehr ein, lange bleibst du nicht bei mir!“, meinte Bill und schaute zu seiner Tochter. Die senkte hastig den Blick und nahm wieder einen Schluck Orangensaft.
„Gut...also dann geh’ ich mal wieder...sollte es in den nächsten Tagen zu irgendwelchen Problemen kommen, können Sie mich gerne anrufen. Hier ist meine Dienstnummer!“, Sascha gab Bill eine Visitenkarte und stand auf.
„Guten Abend noch, Herr Kaulitz!“
„Danke sehr und auf Wiedersehen!“, Bill begleitete Sascha zur Tür, verabschiedete sich noch mal und schloss dann die Tür. Als er ins Wohnzimmer zurückkam, räumte er das Glas von Sascha und von sich selbst weg und kam wieder zu seiner Tochter. Die blickte immer noch zu Boden.
„Sorry, ich hab’ nur ein Bett...du musst also auf der Couch da schlafen! Ich kann dir ja noch eine Decke geben!“, die Kleine nickte. Bill verdrehte die Augen und setzte sich zum ersten Mal in seinem Leben neben seine Tochter.
„Sag mal...kannst du wirklich nicht reden?“, Nelly blieb stumm. Bill seufzte, stand auf und ging zu einem Schrank. Er öffnete und nahm eine weiße Fleecedecke, ging zum Sofa zurück und legte sie neben Nelly.
„Du hast ja gar kein Gepäck...hast du nur die Sachen, die du anhast?“, fragte Bill verblüfft. Nelly nickte.
„Mein Gott...das ist aber jetzt blöd...soll ich dir ein T-Shirt von mir zum Schlafen geben?“, das Mädchen zuckte mit den Schultern.
„Ich geb’ dir einfach eins!“, damit ging er in sein Schlafzimmer. Als er in seinem begebaren Kleiderschrank war, hielt er erst mal inne.
Sabrina war tot! Er hatte sie nie vergessen, obwohl er betrunken gewesen war, konnte er sich noch sehr gut an die Nacht erinnern. Die Nacht war wirklich schön und unvergesslich. Und nun so was! Sabrina hatte das Kind sicherlich geliebt. Bill suchte ein altes ziemlich großes T-Shirt und nahm ein altes, graues. Er kam zurück zu seiner Tochter.
„Hier, das kannst du ja anziehen!“, Nelly griff nach dem T-Shirt und Bill setzte sich wieder neben sie. Er bezweifelte, dass sie es schaffte, dass alleine anzuziehen. Deshalb zog er ihr ihr T-Shirt über den Kopf, knöpfte ihre Hose auf, zog sie aus und half ihr ins T-Shirt.
Bill warf einen kurzen Blick auf die Uhr. Halb elf. Er drehte sich wieder zu Nelly.
„Wenn irgendetwas ist, mein Zimmer ist am Ende vom Flur. Nacht!“, damit stand er auf, doch etwas hielt seine Hand fest. Verwundert drehte er sich um und sah, dass Nelly nach einer Hand gegriffen hatte. Er blickte sie fragend an.
„Was ist denn noch?“
„Gut...Gute Nacht...Papa!“, Bill zog verblüfft die Augenbrauen hoch. Sie konnte also doch reden.


4. Kapitel


Fünf Minuten später lag Bill selbst in seinem Bett und starrte nachdenklich die weiße Decke an. Lag jetzt wirklich trüben auf seinem Sofa ein vierjähriges Kind, das es wegen ihm gab? Wie konnte das nur passieren? Hatte er denn damals in seinem Rausch vergessen, ein Kondom zu benutzen? Oder war es gerissen? Er wusste es nicht mehr. Bill legte sich auf seine rechte Seite. Aber warum hatte sich Sabrina dann nie auch nur einmal gemeldet? Das wäre doch nur das Natürlichste von der Welt gewesen! Er hätte doch für das Kind aufkommen müssen. Aber Sabrina hatte sich nicht gemeldet! Wie auch? Sie hatte nicht mal seine Handynummer. Wieder drehte sich Bill auf den Rücken und starrte die Decke an. Und nun lag sein Kind im Wohnzimmer auf der Couch und schlief. Er konnte sich nicht um sie kümmern! Er wusste ganz genau, dass er ein ziemlich schlechter Vater sein würde, er hätte niemals Zeit für das Kind. Vielleicht war es wirklich besser, es weg zu geben. In eine Familie, die das kleine Mädchen liebte und für es sorgen könnte. Er konnte das nicht. Schon in zwei Wochen würde die Tour anfangen. Was sollte er dann mit der Kleinen machen? Mitholen? In den Tourbus? Das ging wohl schlecht! Irgendwie fand er keinen Schlaf. Er drehte sich auf seine andere Seite. Immer noch quälte ihn irgendwas. Plötzlich merkte er wie die Tür aufging. Bill setzte sich verwirrt auf und knipste die Nachttischlampe an. Nelly stand im Türrahmen.
„Was ist los?“, fragte Bill gereizt. Nelly kam etwas schüchtern auf ihn zu und stellte sich neben sein Bett. Bill schaute sie immer noch fragend an.
„Kann...Kann ich bei dir schlafen?“
„Nein, wieso?“, meinte Bill.
„Ich hab Angst im Dunkeln...und bei Mama durfte ich das früher auch immer...“
„Aber ich bin nicht deine Mama, also gute Nacht!“, Bill knipste das Licht wieder aus und drehte dem Kind den Rücken zu.
„Aber du bist mein Papa...“, hörte er ihre helle Stimme. Bill kniff die Augen zu. Das Kind hatte Recht! Sascha hatte Recht! Er hatte jetzt eine gewisse Verantwortung. Genervt schlug er die Decke zurück und knipste das Licht wieder an.
„Aber wehe, du machst ins Bett!“
„Nein...keine Sorge!“, Nelly krabbelte ins Bett und Bill machte das Licht wieder aus. Er dachte weiter nach. Was sollte er jetzt mit der Kleinen machen? Weggeben? Aber wäre das wirklich nicht zu gemein? Und wie käme das wohl in den Medien an?! >GRAUSAM! BILL KAULITZ STECKT EIGENES KIND IN HEIM!<, nein, diese Schlagzeile wollte er sich ersparen. Aber das hieße ja dann, dass er sie behalten musste. Und wenn er sie seiner Mutter geben würde? Nein, die war recht froh darüber mal, endlich ihre Ruhe haben zu dürfen. Das konnte er seiner Mutter wirklich nicht antun. Und Tom würde ihn wohl auslachen, wenn er ihn fragen würde. Es gab keine andere Lösung! Nelly müsste bei ihm bleiben. Er merkte, wie sich etwas Kaltes an ihn schmiegte. Verwundert drehte er sich um. Die Kleine war schon eingeschlafen und kuschelte sich nun regelrecht an ihn. Sie hatte sich zusammengerollt und schmiegte sich Wärme suchend an Bills Brust. Bill runzelte die Stirn. War das normal? Vorsichtig und langsam legte er einen Arm um das Bündel von Kind, was da an seiner Brust zitterte. Er zog sie näher an sich und versuchte sie irgendwie warm zu halten. Nach drei Minuten hörte Nelly auf zu zittern. Bill seufzte.
„Ich mach das für dich, Sabrina...“, flüsterte er und schloss die Augen.

Am nächsten Morgen klingelte um halb neun Bills Handywecker. Bill wachte sofort auf und erschrak, als er merkte, dass er jemand neben sich liegen hatte. Aber schon nach wenigen Sekunden riefen sich die Geschehnisse von gestern Abend wieder in seine Erinnerung. Neben ihn lag ein Kind! Nicht irgendein Kind, sein Kind!
„Ähm...äh...Nelly?“, die Kleine öffnete ihre blauen Augen und schaute Bill müde und fragend an.
„Ich...äh...ich muss arbeiten gehen!“
„Was arbeitest du?“
„Ich...ich bin Sänger von einer ziemlich erfolgreichen Band...was war denn deine Mutter?“
„Mum hat in einem Geschäft gearbeitet!“
„Ah...ähm...was soll ich jetzt mit dir machen?“
„Nimm mich mit!“
„Was?! Nein! Das mach’ ich nicht!“
„Mama hat mich aber auch ma...“
„Ich bin aber nicht deine Mama! Kapier’ das mal! Und Papa muss du mich auch nicht nennen!“, Nelly verstummte und schaute zu Boden.
„Ich kann hier bleiben...“
„Nein! Alleine kann ich dich auch nicht hier lassen! Dann komm’ halt mit!“, Bill stand auf. „Ich bin mal im Bad!“, die Kleine nickte und blieb liegen. Hier war also ihr neues Zuhause. Es war viel größer als die kleine Drei-Zimmerwohnung von ihrer Mutter. Nach einer halben Stunde ging die Tür wieder auf. Sie drehte sich um. Ihr Vater stand ordentlich gestylt im Türrahmen.
„So...am besten fahren wir vorher noch mal kurz einkaufen!“
„Warum?“
„Na, du brauchst doch ordentliche Klamotten...also, zieh’ dir das von gestern an, wasch’ dich und komm’ dann in die Küche!“, damit verschwand Bill in der Küche.
Nachdem Nelly nach einer Viertelstunde immer noch nicht fertig war, ging Bill ins Schlafzimmer gucken. Leise öffnete er die Tür und sah Nelly, die zusammengekauert auf seinem Bett lag und leise weinte. Bill wusste nicht, warum, aber er hatte das Gefühl, dass sich eine Faust in seinen Magen rammen würde, in seinem Hals steckte plötzlich wieder ein Riesen-Kloß. Er öffnete die Tür ganz und ging auf Nelly zu.
„Hey...“, vorsichtig strich er ihr über den Kopf. Doch Nelly zuckte nur ängstlich zusammen. Auch Bill zuckte zurück und setzte sich neben sie.
„Was ist denn los?“, Nelly drehte ihr Gesicht weg. Bill biss sich auf die Lippen. Wie sollte er denn jetzt bloß reagieren?
„Nelly...was hast du denn?“
Das Kind antwortete nicht. Es schluchzte einfach nur weiter in Bills Kissen.
„Hey...was ist denn los? Was hast du?“
„Ich will zu meiner Mama!“, wieder fühlte Bill diese Faust im Magen.
„Nelly...“, er schüttelte den Kopf. „Du kannst nicht mehr zu deiner Mama. Ich wünschte, du könntest, aber...deine Mama ist nicht mehr da!“
„Aber ich will zu ihr...“
„Du...“, Bill stockte. Sollte er das wirklich jetzt sagen? Dann wäre er wirklich für immer an sie gebunden! Denn das wäre so etwas wie ein Versprechen dem Kind gegenüber. Und eigentlich hielt er seine Versprechen.
Ach scheiß drauf, dachte er und vollendete seinen Satz.
„Aber du hast doch mich...deinen Papa!“


5.Kapitel


Nelly schaute ihn mit ihren feuchten Augen an. Bill schürzte die Lippen. Er konnte nur ahnen, was die Kleine jetzt dachte. Gestern noch hatte er gesagt, dass er sie sofort weggeben würde und heute? Heute meinte er, dass sie ihm vertrauen sollte.
„Aber du...“, fing sie an.
„Nelly...ich weiß, dass ich gestern Abend nicht so beeindruckt gewirkt habe. Aber das kam daher, dass ich so überrumpelt wurde! Weißt du...ich weiß einfach nicht, ob ich es schaffe, ein guter Vater zu sein. Ich hab’ Jahre lang nichts von dir gewusst...und jetzt soll ich auf einmal der Superdaddy sein! Weißt du, diese Umstellung ist auch nicht gerade einfach für mich!“
Nelly rannen immer noch Tränen über die Wangen. Bill lächelte sie an, schüttelte den Kopf und wischte sie ihr weg.
„Bitte nicht weinen...sonst bin ich erst recht überfordert!“, Nelly kicherte etwas, doch dann wurde ihre Miene wieder traurig.
„Was ist los?“, fragte Bill.
„Papa?“, Bill zuckte zusammen. Papa, an dieses Wort musste er sich erst noch gewöhnen.
„Was denn?“, fragte er und lächelte sie sanft an.
„Liebst du mich denn überhaupt?“
Bill stockte. Hatte sie das gerade wirklich gefragt? Habe viel mehr schwirrten seine Gedanken um die Frage. Liebst du mich? Bill konnte es nicht sagen. Er wusste nicht, ob er Liebe für das kleine Dinge vor ihm empfand, aber er hatte den Drang, dieses kleine Ding vor allem Bösen in der Welt zu beschützen. War das die Liebe, die sie meinte?
„Ich...ja. Ich denke schon.“
„Und warum warst du gestern so...“
Bill ließ die Schultern hängen.
„Hat deine Mutter dir jemals erzählt, wie sie und ich uns kennen gelernt haben?“, Nelly schüttelte ihren kleinen Kopf.
„Na ja..., meine Band und ich hatten ein Auftritt gehabt...dann haben wir danach noch etwas gefeiert...auf dieser Feier war auch deine Mutter gewesen. Ich hab mich etwas mit deiner Mutter unterhalten und dann...na ja, dann bist du gemacht worden und seit diesem Tag an habe ich deine Mutter nie wieder gesehen!“, ihm war klar, dass das Kind das noch nicht verstehen würde, aber er versuchte so gut wie möglich seine Situation kindergerecht zu erklären.
„Hast du Mama geliebt?“
„Ich habe sie nicht richtig gekannt...aber ich find’ sie wirklich richtig nett! Hätten wir uns öfters getroffen, wäre bestimmt eine feste Beziehung daraus geworden...aber meine Arbeit hat es nicht zugelassen!“
„Warum hat Mama dir nie von mir erzählt?“, Bill zuckte mit den Schultern.
„Ich kann mir höchstens vorstellen...dass sie Angst hatte es mir zu erzählen...! Weißt du, eigentlich wollte ich nie Kinder haben...ich hatte immer Angst, dass ich damit nicht klar komme! Wahrscheinlich hat sie gedacht, dass ich irgendwie etwas gegen das Kind, also gegen dich hätte...“
„Du hast doch auch was gegen mich“, Bill schüttelte hastig den Kopf.
„Nein! Nein ich hab nichts gegen dich nur...ich war gestern wirklich etwas überrumpelt...“
„Also behältst du mich? Du gibst mich nicht weg?“
„Nelly...ich...ich hab dich wirklich lieb, aber ich bin schwer beschäftigt. Ich habe keine Zeit für ein Kind! Wenn du bei mir bleibst, dann müsstest du ständig zu irgendwelchen anderen Leuten, weil ich keine Zeit für dich habe! Ich wäre die ganze Zeit über weg! Verstehst du?“
„Dann gibst du mich weg?“, sie schaute Bill traurig an und Tränen stiegen in ihre Augen.
„Ich glaube, ich muss! Wenn ich dich ständig alleine lasse, dann wird sich das Jugendamt irgendwann einschalten und dich mir wegnehmen!“
„Aber...aber ich kann doch...“
„Nelly...ich kann dich einfach nicht behalten!“, wieder schlug diese Faust zu und Bill schürzte die Lippen. Nelly nickte.
„Aber warum hast du mich nicht gleich zurückgeschickt?“
„Weil...ich weiß nicht...vielleicht wäre es besser gewesen...dann hättest du dir nicht so Hoffnungen machen können...aber ich dachte, dass du mich vielleicht kennen lernen wolltest!“
„Ich will dich auch kennen lernen...“
Bill lächelte wieder matt.
„Ich würde dich auch gern näher kennen lernen, aber uns fehlt wirklich die Zeit...“
„Okay...“, Nelly setzte sich auf.
„Sollen wir jetzt kaufen gehen? Du brauchst unbedingt neue Sachen!“
Nelly nickte. Bill lächelte und stand auf. Er drehte sich zu ihr und nahm sie auf den Arm.
„So...jetzt ziehen wir dich erst mal wieder an...Hast du eigentlich Hunger?“, Nelly nickte.
„Okay, was willst du denn essen?“
„Was hast du denn da?“
„Mh...ich glaube Cornflakes, Joghurt...na ja, mehr eigentlich nicht. Wie gesagt, ich bin nicht oft zu Hause! Du hattest gestern Glück, dass ich überhaupt zu Hause war!“
„Mh...dann will ich Joghurt!“
„Okay...welche Sorte?“, Bill ging mit ihr in die Küche und öffnete den Kühlschrank. „Mh...was haben wir denn da...? Also Erdbeere und...Pfirsich. Na ja, große Auswahl ist das ja nicht gerade...“, Bill schaute seine Tochter an. Die hatte die Arme um seinen Hals geschlungen und guckte in den Kühlschrank.
„Erdbeer!“, sagte sie.
„Okay, dann Erdbeer!“, Bill setzte sie hab, nahm einen Joghurt und einen Löffel. Nelly setzte sich mit großer Mühe auf einen Stuhl und Bill stellte ihr den schon geöffneten Joghurt hin.
„Bitte schön, guten Appetit!“, Nelly fing an sich den Joghurt rein zu löffeln und Bill schaute fasziniert zu. Plötzlich fand er das kleine Mädchen ganz interessant. Nach zehn Minuten war der Becher komplett mehr.
„Und, hat es geschmeckt?“
„Ja!“, lächelte Nelly.
„Gut...dann würde ich jetzt sagen, dass wir dich anziehen und dass wir dann einkaufen gehen!“
Gesagt, getan. Zwanzig Minuten später saßen die beiden im Porsche und fuhren in die City.
Bill fing an zu überlegen, wo er mit einer Vierjährigen hingehen sollte, aber sicherlich würde er schon irgendetwas Gutes finden.
„Sag’ mal, bist du eigentlich schon geimpft?“
„Mum hat gesagt, ich hätte alles...“
„Na okay, wo hast du vorher gelebt?“
„Köln...“
„Mh...vielleicht sollte ich mich mal mit dem Jugendamt zusammensetzten“, Nelly schaute traurig zu ihrem Vater.
„Warum?“
„Weil ich noch deine ganzen Sachen haben muss. Ich hab’ bis jetzt nur dich und deinen Kinderausweis. Aber da gehört ja noch mehr dazu!“
„Aber das ganz Zeug brauchst du doch gar nicht.“
„Hä, warum denn nicht?“
„Du behältst mich doch nicht lange!“, Bill schluckte.
„Ja...aber ich brauch die Sachen halt trotzdem! Wie hast du denn vorher gelebt?“
„Mum hatte nicht viel Geld...“, Bill biss sich wieder auf die Unterlippe. Hätte er davon gewusst, hätte sie mit Sicherheit mehr für das Kind gehabt.
„Wir haben in so einem ähnlichen Haus gewohnt wie du...aber unseres war nicht so hübsch. Das war eigentlich richtig dreckig“, Bill schluckte. Wo sollte denn bitte schön sein Kind aufwachsen?! Im Slum?
„Na ja, jetzt bist du ja hier. Gefällt dir mein Apartment denn?“
„Ja! Dein Haus ist schön!“, meinte das Kind.
„Danke...wann hast du denn Geburtstag?“
„Am 15. Mai.“
„Ui...das ist ja schon bald!“
„Ja...nur noch drei Wochen.“
„Dann muss ich wohl mal gucken, ob ich ein Geschenk für dich finde!“
„Wenn ich dann noch bei dir bin!“, Bill nickte. Da hatte sie Recht.
„So...sollen wir mal in das Geschäft gehen?“, er deutete auf ein Laden, der ziemlich teuer aussah. BABYSTORE. Nelly nickte. Also stiegen die beiden aus und Bill nahm seine Tochter wieder auf den Arm.


6. Kapitel


Die Verkäuferin schaute ihn verblüfft an, da sie natürlich wusste, wer da gerade mit einem Kind auf den Arm in den Laden spaziert kam.
„Guten Morgen!“, lächelte Bill und setzte Nelly ab.
„Guten Morgen...Herr Kaulitz?“
„Ja! Genau...ähm...könnten Sie mal gucken, ob sie etwas für die junge Dame hier finden...ich weiß leider nicht, welche Größe sie hat!“
„Das werden wir schon herauskriegen!“, meinte die Frau und kam hinter der Kassentheke hervor.
„Guten Tag, junges Fräulein und du bist?“
„Nelly!“, meinte Nelly.
„So...und wonach hältst du so Ausschau?“, Nelly drehte sich zu Bill. Die Verkäuferin blickte ebenfalls zu Bill. Da fiel ihm was ein.
„Haben Sie vielleicht diese Bon Jovi-Kinderkollektion?“
„Sie meinen Rockstar-Baby-Kids?“
„Ja genau!“
„Ja...da haben wir gerade die neusten Sachen rein bekommen! Kommen Sie!“, Bill nahm Nelly wieder auf den Arm und folgte der Frau.
„So...hier, bitte schön! Das ist unsere Rockstar-Baby-Kids-Mädchen-Abteilung!“
„Okay...willst du hier mal etwas rumgucken?“, fragte Bill und Nelly nickte. Er setzte sie ab und schaute ihr zu, wie sie sich die verschiedensten Sachen aussuchte. Die Sachen, wo sie nicht dran kam, holte Bill ihr runter. Nach einer Stunde hatte sie sich alles angesehen und Bill bezahlte alles, was sie wollte.
Die Kleine ist teuer, dachte er und schaute auf den Gesamtpreis. 659,98 Euro! Aber na ja, immerhin ging er im normal Fall für 2000 Euro shoppen.
„So...sollen wir wieder nach Hause Nelly?“, fragte er und nahm die Tüten.
„Ja!“, Nelly folgte ihrem Vater.
Doch schon nach zwei Schritten auf dem Bürgersteig blieb der stehen und schlitzte die Augen. Paparazzi!
„Nelly, komm’ her!“, meinte er und das Mädchen griff nach dem Saum seiner Lederjacke. Die Paparazzi kamen zielstrebig auf ihn zu und knipsten ihn schon von weitem. Es waren nicht nur vier oder fünf, nein, es war gleich eine ganze Meute!
„Was ist?“, fragte Nelly.
„Ich hab’ dir doch erzählt, dass ich berühmt bin und dass mich sehr viele Leute kennen! Siehst du die Leute, die auf uns zu kommen, mit den Kameras? Das sind Paparazzi, die verfolgen einen und machen ständig Fotos! Das nervt einfach auf Dauer...“
„Wieso fotografieren die dich?“
„Die verdienen ihr Geld damit! Komm’“, Bill schloss per Fernverriegelung das Auto auf, doch noch bevor die beiden den Porschen erreicht hatten, schlugen die Paparazzi zu und umzingelten Bill. Bill starrte sie wütend an.
„Eh Leute, kommt es reicht!“
„Wer ist das Mädchen, Bill?“
„Ist das dein Kind?“
„Seit wann hast du ein Kind?“
„Wer ist die Mutter?“
„Ich beantworte euch Assgeiern keine Fragen! Haut ab!“, meinte Bill und drängte sich zu seinem Auto durch. Er riss die Beifahrertür auf und setzte Nelly rein. Er schnallte sie an und schlug die Tür zu. Zum Glück hatte das Auto abgedunkelte Scheibe, so konnten diese Fotografen wenigstens jetzt keine Bilder mehr von der Kleinen machen.
„Ist das wirklich dein Kind?“, fragte ein Paparazzo.
„Lasst mich in Ruhe!“, Bill öffnete den Kofferraum, legte die Einkauftüten rein und schloss ihn wieder. Er setzte sich genervt ins Auto und fuhr los. Erschrocken sprangen die Paparazzi ihm aus dem Weg und knipsten trotzdem immer noch so viel, sie konnten. Als sie endlich diese Fotografen hinter sich gelassen hatten, seufzte Bill.
„Geschafft...alles in Ordnung?“, Nelly nickte nur stumm, doch es sah so aus, als hätte sie das furchtbar erschreckt.
„Ich sag’ ja, ziemlich berühmt! So, jetzt hast du aber viele Sachen...“, Nelly nickte wieder stumm.
„Ist wirklich alles in Ordnung?“
„Ja...wieso haben die dich geknipst?“
„Ich bin ein Star, ich steh’ in der Öffentlichkeit, verstehst du?“
„So wie Bob, der Baumeister?“, fragte Nelly. Bill lachte auf und grinste.
„Ja, so ungefähr! Und die Menschen wollen nicht nur das sehen, was ich mache, wenn ich arbeite, sondern auch mal in mein Privatleben gucken.“
„Gehöre ich auch in dein Privatleben?“
„Jetzt auf jeden Fall schon!“, Nelly lächelte, doch ihr fielen wieder die Worte von vorhin ein. Er würde sie weggeben. Ein paar Tage konnte sie bei ihrem Vater bleiben und dann wäre sie alleine. Dann hätte sie weder Mutter noch Vater.
„Was wünschst du dir denn eigentlich zu Geburtstag? Wenn du in drei Wochen schon fünf wirst, dann brauch ich wirklich ein Geschenk!“
„Ich will Mama wieder haben...“.
Bill schluckte. So etwas hatte er befürchtet.
„Tut mir wirklich Leid, Nelly, diesen Wunsch kann ich dir nicht erfüllen...willst du dir nicht etwas anderes wünschen?“
„Mal sehen...“
Bill nickte und fuhr in die Tiefgarage von dem Appartement. Er schnallte Nelly ab und nahm die Tüten aus dem Kofferraum.
„Jetzt muss ich mich aber wirklich beeilen...ich muss noch arbeiten!“
„Was denn?“
„Och...ich muss mit meiner Band ins Studio.“
„Und was soll ich jetzt machen?“
„Mh...ich denke, ich nehm’ dich mit!“
„Wirklich?“, Nelly schaute ihn begeistert an.
„Ja!“, Bill blieb vor dem Aufzug stehen und drückte den Knopf.
Die Aufzugtür glitt mit einem ‚Zisch’ auf und Bill ging rein. Nelly zögerte erst, doch dann folgte sie ihrem Vater. Als die Aufzugstür wieder zuging, klammerte sie sich ängstlich an den Saum von seinem T-Shirt.
„Ähm...ist alles in Ordnung? Hast du Angst vor Aufzügen?“
„Ich mag so enge Räumen nicht!“, Bill schmunzelte und hob sie hoch.
„Also Platzangst?“, die Kleine nickte.
„Keine Sorge...wenn ich bei dir bin, musst du keine Angst haben, okay?“, wieder nickte sie. Der Aufzug hielt an und die Tür glitt im letzten Stockwerk auf.
„Na siehst du, schon oben.“, er ließ sie runter, griff sich die Tüten und ging zur Wohnungstür. Als die beiden am Telefon kamen, sah er, dass sein Anrufbeantworter blinkte. Sicherlich war das schon die Presse. Die Nachricht, dass Bill Kaulitz ein Kind hat, würde sich sicherlich rasend schnell rum sprechen. Er drückte auf Abspielen und hörte zu.
„Sie haben drei neue Nachrichten! Erste Nachricht von der Kurzwahlnummer eins, David Jost!“, ein Piepton war zu hören.
„Guten Tag Bill. Sag’ mal, ich hab gehört man hätte dich beim Shoppen mit einem kleinen Kind auf den Arm gesehen, kannst du mir das mal erklären? Ruf’ mich einfach zurück, wenn du da bist!“
„Zweite Nachricht von der Kurzwahlnummer eins, David Jost!“, ein weiter Piepton war zu hören.
„Jetzt hat mich gerade die BILD angerufen, sie haben Fotos von dir und dem Kind! Sie haben noch einem sofortigem Interview gefragt!“
„Dritte Nachricht von der Kurzwahlnummer zwei, Tom Kaulitz!“, ein dritte Piepston war zu hören und Bill seufzte.
„Hey, Bill, ich bin’s Tom. Sag’ mal, was ist denn das mit dem Kind für ein Gerücht? Stimmt das etwa? Bin ich Onkel? Bis heute Mittag im Studio!“, Bill drehte sich zu Nelly, die gerade ihre neuen Sachen begutachtet. Er musste etwas unternehmen. Und zwar schnell!


7. Kapitel


Eine halbe Stunde später klingelte Bill beim Tonstudio. Ein Klick war zu hören und er drückte die Tür auf.
„Hey, Bill!“, hörte er schon aus der Küche.
„Hey, Leute, ich hab euch wen mitgebracht!“, rief er und ging in die Küche.
„Hä? Was?“, Tom, Georg, Gustav und David drehten sich zu Bill und machten große Augen, als sie das Kind an Bills Hand sahen.
„Hallo...wer bist denn du?“, David war der Erste, der seine Stimme wieder gefunden hatte.
„Das ist Nelly, meine Tochter!“
„Deine Tochter?!“, platze es aus Georg raus.
„Ja!“
„Du...du hast ein Kind?“, fragte Gustav.
„Ja, Gustav!“
„Von wem?“, fragte Tom total verdattert und schaute seine Nichte an.
„Weißt du noch, vor vier Jahren...Sabrina?“, meinte Bill und nahm sich ein Glas Wasser zum trinken. Tom riss die Augen auf.
„Von Sabrina?“
„Ja!“, Bill nickte.
„Und...und wieso hast du sie jetzt auf einmal...“, Bill schaute zu Nelly, räusperte sich und meinte.
„Sabrina hatte einen Autounfall...“
„Oh...wie geht es ihr?“, fragte Tom weiter. Bill schüttelte den Kopf und Tom verstand endlich.
„Oh...und jetzt?“
„Jetzt lebt meine Tochter bei mir!“, erklärte er und setzte sich. Nelly kam zu ihm und er hob sie auf seinen Schoß.
„Und, freust du dich, dass du bei deinem Papa bist?“, fragte der 22-jährige Gustav.
„Ja!“, lächelte Nelly und lehnte sich an ihren Vater. Bill schlang die Arme um ihren Bauch und drückte sie noch etwas an sich.
Georg und Gustav lächelten, nur Tom und David ahnten schon was. Und während Bill sich am Einsingen war und Nelly unten Gustav beim Schlagzeugspielen zuschaute, kamen Tom und David zu Bill.
„Hey!“, meinte David, der als Letztes in den Raum kaum und die Tür hinter sich schloss.
„Hey, was ist?“, fragte Bill.
„Bill, wir müssen mit dir reden!“, sagte Tom.
„Dann schieß’ los!“, Bill legte die Kopfhörer zur Seite.
„Du wirst Nelly doch nicht etwa behalten, oder?“, fragte Tom.
„Nein, natürlich nicht! In drei Wochen hat sie Geburtstag, danach kommt sie in eine Pflegefamilie!“, erklärte Bill und schaute auf seine Textblätter.
„In zwei Wochen fängt die Tour an!“, meinte David. „Sie kann nicht so lange bleiben!“
„Sie muss so lange bleiben!“, erklärte Bill und schaute zu David. „Das habe ich ihr versprochen!“
„Willst du sie mit zur Tour bringen oder was?“, fragte Tom verwirrt.
„Was bleibt mir anderes übrig?“, meinte Bill.
„Aber Bill du kannst doch nicht ein vierjähriges Mädchen hinter dir her schleppen!“, sagte David.
„Du siehst doch, dass ich es kann!“
„Seit wann hast du sie?“, wollte Tom wissen.
„Seit gestern Abend!“
„Du kannst sie unmöglich behalten!“
„Ich behalte sie auch nicht, David, das habe ich doch schon gesagt!“
„Aber drei Wochen sind auch zu lange! Das geht nicht! Wer passt denn auf sie auf, wenn du weg bist?“
„Vielleicht finde ich ja schon schneller eine Adoptivfamilie!“, Bill zuckte mit den Schultern. David und Tom schauten sich an.
„Bill...willst du sie denn weggeben?“, fragte Tom behutsam. Bill nickte.
„Ja...ich denke, so ist es das Beste...ich meine...ich käme mit ihr ja...gar nicht zu Recht...also ich...versteht ihr…?“
„Oh, ja, Bill! Aber überdeutlich!“, meinte David. Fragend blickte Bill ihn an.
„Du willst Nelly gar nicht weggeben, hab’ ich Recht?“
„Nein! Ich will und werde sie auch weggeben! Ich hab’ aber dem Jugendamt gesagt, dass ich sie für ein paar Tage hole!“, erklärte Bill und schaute seine Fingernägel an.
„Lüg ‚dich doch nicht selber an! Du willst sie behalten!“, meinte David.
„Will ich nicht!“, beharrte Bill und griff wieder seine Kopfhörer.
„Bill, du...“, Bill schüttelte den Kopf und setzte seine Kopfhörer wieder auf. Tom stöhnte genervt.
„Bill, du bist so ein scheiß-egoistischer Dickkopf!“, Bill hörte ihn nicht mehr!

Unten kam Georg zu Gustav und Nelly. Gustav hatte Nelly auf den Schoß genommen und ließ sie jetzt etwas auf seinem Schlagzeug herumschlagen.
„Hey!“
„Hey, Georg!“, meinte Gustav und hielt Nelly fest.
„Wow, du hast ja richtig Talent!“, grinste Georg und setzte sich neben einen Hocker neben das Schlagzeug. Nelly grinste.
„Du magst deinen Vater, oder?“, fragte Georg. Nelly nickte.
„Ja...aber...er ist nicht so wie Mama.“
„Du vertraust ihm noch nicht so wirklich, richtig?“, fragte Gustav.
„Ja...ich kenne ihn ja noch nicht lange!“, antwortete das Kind.
„Na ja, aber dein Vater ist wirklich eine ganz liebe Person! Du wirst schon sehen!“, erklärte Georg und Nelly trommelte weiter.
Tom und David kamen die Treppe runter. Georg schaute sie verblüfft an, da sie sich ziemlich laut über etwas unterhalten.
„Wir können ihm nicht vorschreiben, was er tun oder was er lassen soll! Es ist seine Entscheidung!“, meinte Tom.
„Er kann doch gar nicht genug Zeit für sie aufbringen! Das geht nicht!“
„David, es ist seine Entscheidung und es ist seine Toch-“, Tom verstummte als er Georg, Gustav und Nelly sah.
„Lass uns das in der Küche weiterbereden!“, meinte er und schob David in die Küche.
Nelly ließ die Schultern hängen.
„Hat Papa Probleme wegen mir?“.
Georg nahm tief Luft, doch Gustav kam ihm zu vor.
„Nein! Natürlich nicht!“, sagte der Schlagzeuger und schlug etwas auf seinen Drums.
„Hier gibt es keine Probleme wegen dir!“
„Na ja...Papa hat ganz schon geschockt reagiert, als ich gestern vor ihm stand...er hat gesagt, wer würde mich weggeben!“, Georg und Gustav warfen sich einen viel sagenden Blick zu.
„Ähm...“, meinte Georg schließlich. „Na ja...also...ich weiß nicht, ob er das wirklich machen würde...aber...“
„Vorstellen könnte ich es mir schon!“, meinte Gustav. Nelly schaute die beiden fragend an.
„Na ja, wir sind viel unterwegs. Ich könnte mir vorstellen, dass er dich in eine Pflegefamilie weggibt und immer, wenn wir dann frei haben oder so, dich zu sich nimmt. Also dass du nur teilweise bei einer anderen Familie lebst.“
„Keine schlechte Idee Gustav!“, meinte David, der mit Tom gerade den Raum betreten hatte.
„Sagt mal, spinnt ihr?“, fragte Tom und nahm seine Nichte auf den Arm. „Bill wird doch sein eigenes Kind nicht weggeben!“, Nelly lächelte Tom an.
„Ich bin übrigens dein Onkel Tom! Und dein Vater wird dich nicht weggeben! Glaub’ mir!“,
nun strahlte Nelly über das ganze Gesicht.

Oben legte Bill seine Kopfhörer wieder hin. Er schüttelte den Kopf. Aus irgendeinem Grund konnte er nicht singen. Etwas beschäftigte ihn. Er traf keinen einzigen Ton. Woran lag das nur?


8. Kapitel


Um sechs Uhr saßen die beiden wieder in Bills Porsche.
„Und, was hast du so den ganzen Tag lang gemacht?“
„Ich hab’ mit Gustav Schlagzeug gespielt!“
„Und, hat es dir Spaß gemacht?“
„Ja! Das war toll!“
„Na, also schön, dass der Tag dir gefallen hat...aber jetzt bist du sicherlich müde!“, Nelly nickte und gähnte.
„Ja...“
„Gut, dann fahren wir jetzt nach Hause!“, Bill startete den Motor und fuhr los.
Nach zwanzig Minuten ging Bill mit Nelly die Treppe seines Haus hoch.
„Morgen holen wir aber wieder den Aufzug, okay? Du musst wirklich keine Angst haben! Das Apartment hier ist ziemlich neu! Hier funktioniert noch alles!“
„Ich mag so Aufzüge trotzdem nicht!“
„Na ja, wir können ja auch laufen!“, Nelly nickte und nahm gleich zwei Stufen auf einmal. Unglücklicherweise waren ihre Beine dafür noch etwas zu kurz und so stürzte sie nach hinten. Bill schnellte mit einer unglaublich schnellen Reaktion nach vorne und fing sie auf.
„Ist dir was passiert? Hast du dir wehgetan?“, fragte er und hob die Kleine hoch.
„Mir geht’s gut...danke.“
„Danke? Wofür denn?“
„Dafür, dass du mich gefangen hast!“
„Hey, ich bin dein Vater, ich muss doch auf dich aufpassen!“, Nelly lächelte und ließ sich bis ins Wohnzimmer tragen. Da stellte sie sich wieder auf ihre eignen Beine.
„So...und jetzt?“, fragte Bill und schaute auf die Uhr. Wann kam noch mal das Sandmännchen?
„Willst du noch irgendwie was im Fernsehen gucken? Ähm...guckst du das Sandmännchen?“
„Ja...danach musste ich eigentlich immer ins Bett.“
„Gut...das Sandmännchen kommt aber erst in einer halben Stunde...ähm...hast du denn Hunger?“, Nelly schüttelte den Kopf. Bill setzte sich neben sie auf die Couch.
Nelly rückte zu ihm. Sie wollte mit jemandem kuscheln, denn plötzlich war sie wieder so traurig. Sie musste an ihre Mutter denken. Bill merkte plötzlich, wie viel Nähe das kleine Ding da vor ihm brauchte. Er seufzte und wickelte sich mit ihr in die Fleecedecke ein und drückte das Kind an sich.
„Alles in Ordnung?“
„Mir fehlt Mami so sehr...“
„Das kann ich verstehen...“, meinte Bill und schmiegte seine Wange an ihrer.
„Und bald bist du auch weg!“, nuschelte Nelly und Tränen stiegen in ihre Augen. Bill schürzte die Lippen und zog sie noch näher an sich.
„Nelly...es geht nicht anders...“
„Aber Onkel Tom hat doch gesagt...dass du...“
„Aber Tom ist nicht dein Vater...“
Nelly schnieft und Bill schloss die Augen.
„Bitte nicht weinen...“
„Aber ich will nicht weg von hier...“
„Ich kann dich einfach nicht behalten...versteh’ mich doch...“
„Aber...aber ich bin doch dein Kind...“
„Ich weiß aber...ich wollte nie Kinder und ich hab auch gar keine Zeit für Kinder...“
„Dann war ich also nur ein Fehler?“, Bill stockte der Atem. Wie konnte ein vierjähriges Mädchen schon so scharfe Schlüsse ziehen?
Er geriet in Erklärungsnot. Ja! Sie war ein Fehler! Ein Fehler, den er zutiefst bereute, aber auch irgendwie nicht so schlimm fand! Er wusste nicht, ob er es heute noch als Fehler sehen sollte. Hätte Sabrina nach dieser einen Nacht sofort angerufen und gesagt ‚Bill ich bin schwanger von dir’, ja, dann wäre Nelly ganz klar ein Fehler gewesen, aber heute wusste Bill es wirklich nicht mehr. Heute war er älter, reifer. Doch der Sänger fühlte sich immer noch nicht reif genug um die Verantwortung für ein anderes Lebewesen zu übernehmen. Damals in Loitsche hatte er ja auch schon Schwierigkeiten gehabt, sich täglich um seinen Hund und um seine Katze zu kümmern. Und nun sollte er sich gleich um ein vierjähriges Kind kümmern? Er konnte das einfach nicht. Er schaffte das nicht! Nicht ohne Hilfe! Und Bill hatte einfach keine Zeit für eine Beziehung, um eine Mutter für Nelly zu finden.
„Nelly...du bist das Ergebnis von einem One-Night-Stand. Das sagt dir sicherlich nicht viel, aber...die meisten Ergebnisse von One-Night-Stands sind Fehler...aber ich bin mir sicher, dass deine Mutter dich sehr geliebt hat...“
„Dann liebst du mich also nicht? Aber ich dachte...“
„Nein! Nelly, hör’ mir zu! Ich mag dich schon...ich hab’ dich lieb und alles aber...ich konnte mich nicht auf meine Vaterschaft vorbereiten. Weißt du, ein Kind entsteht nicht einfach so. Normalerweise hat man neun Monate Zeit, bis ein Kind geboren wird! Neun Monate, in denen man sich sehr gut auf eine Vater- oder Mutterschaft vorbereiten kann. Bei mir waren es gerade mal neun Sekunden! Verstehst du! Ich traue es mir einfach nicht zu!“
„Aber ich traue es dir zu...ich hab’ dich lieb und ich will dich nicht wieder verlieren!“, Bill wischte seiner Tochter eine Träne weg.
„Nelly...ich kann mir vorstellen, dass du bei mir bleiben willst...ich bin dein Vater, aber...aber für mich bist du einfach nicht mein Kind!“, Nelly blieb stumm. Das verstand sie nun überhaupt nicht.
„Wie meinst du das?“
„Nelly...“, Bill legte seinen Kopf leicht auf ihre Schulter. „Ich bin nicht bereit für ein Kind...ich kann nicht auf dich aufpassen, ich kann dich nicht erziehen. Ich weiß gar nicht, wie ich das machen soll...“
„Du musst doch nur...“
„Ich kann einfach nicht!“, unterbrach sie Bill. „In einer Adoptivfamilie wärst du sicherlich besser aufgehoben! Die hätte Zeit für dich, die könnte dich richtig erziehen!“
„Aber du hast doch auch Zeit für mich!“
„Aber nicht mehr lange...in zwei Wochen gehen wir auf Tour. Eine Woche kann ich dich mitnehmen...aber nach deinem Geburtstag werde ich eine Pflegefamilie für dich suchen!“
„Dann gibst du mich wirklich weg?“
„Ja, Nelly!“
„Und...und wirst du mich mal besuchen kommen?“, Bill öffnete den Mund, um etwas zu sagen, doch er schloss ihn wieder, ließ die Schultern hängen und startete noch male einen neuen Versuch.
„Nelly...ich werde keine Zeit haben, um dich besuchen zu kommen...ich...“
„Du willst mich überhaupt nicht mehr sehen...“
„Das darfst du nicht falsch verstehen...ich wünschte, ich könnte dich besuchen kommen, aber...“
„…du willst einfach nicht!“, setzte die Kleine seinen Satz fort.
„Nelly...“, Nelly befreite sich aus Bills Griff. Bill schürzte die Lippen.
„Vielleicht ist es doch besser...wenn ich in ein Heim komme. Da bin ich wenigstens niemandem mehr im Weg!“
„Nelly ich...ich mein das wirklich nicht böse, aber...ich kann das einfach nicht!“, eine kurze Stille.
„Es ist sieben Uhr...“, Bill griff nach der Fernbedienung und schaltete das Sandmännchen an.
„Schlaf’ gut, meine Süße...“, Bill beugte sich zu ihr rüber und gab ihr einen flüchtigen Kuss, dann ging er in die Küche.


9. Kapitel


Nach einer halben Stunde ging Bill zurück ins Wohnzimmer. Nelly schlief. Bill seufzte und machte den Fernseher aus. Er dämmte das Licht mit einem Lichtregler. Ein wenig Licht strahlte immer noch durch das Zimmer. Gerade noch hell genug, damit ein kleines Kind keine Angst haben musste. Bill spürte wieder diese Faust im Magen, den Kloß im Hals und dieses Mal spürte er auch Tränen, die ihm sofort über die Wangen liefen. Er legte die Decke über Nelly und strich ihr über das dunkelblonde Haar, was seiner Naturhaarfarbe so glich und ging zurück in die Küche. Er setzte sich ans Fenster und starrte nach draußen. Es war schon dunkel, von hier oben sah die Stadt total schön aus. Überall Lichter und Leuchtanzeigen. Unten fuhren die Autos vorbei und gaben auch ein witziges Lichtspiel von sich. Normalerweise mochte Bill diese Momente, doch heute Abend ging es nicht. Die Faust in seinem Magen wollte nicht mehr verschwinden und schlug immer wieder zu. Bilder tauchten in seinen Gedanken auf. Bilder aus der Vergangenheit. Er dachte an den Abend, der erst jetzt sein Leben so verändert hatte. Der Abend, an dem er Nelly gezeugt hatte.

*Flashback*
~Vor vier Jahren~
Bill grinste und ging von der Bühne. Die letzte Zugabe war gespielt. Schnell kamen ihm Tom, Georg und Gustav hinterher.
„So...ich hätte ja irgendwie noch Bock zu feiern!“, meinte Tom und rückte seine Cape zu Recht.
„Ich will jetzt erst mal eine Dusche!“, meinte Bill und wischte sich den Schweiß von der Stirn.
„Dann fahren wir jetzt ins Hotel, machen uns fertig und gehen noch in irgendeinen Club.“, zählte Gustav auf. Tom nickte und die vier setzten stiegen in den Tourbus. David kam zu ihnen.
„Jungs, ihr wart mal wieder super!“, grinste er und der Bus fuhr los. „Und jetzt geht’s ab ins Hotel!“
„Wir wollen noch in einen Club!“, sagte Georg sofort.
„Klar, von mir aus!“, David zuckte nur mit den Schultern und setzte sich. Bill steckte sich etwas.
„Na, müde, Bruderherz?“, grinste Tom.
„Nö...überhaupt nicht!“, Bill schüttelte den Kopf und ging nach oben zu seinem Bett. Er kniete sich hin und nahm seine Reisetasche um sich ein neues Outfit zu holen. Tom kam zu ihm.
„Wir sind gleich schon am Hotel...“
„Schön...“, murmelte Bill und legte das Outfit auf sein Bett um es zu begutachten. „Und, willst du wieder eine abschleppen?“, Bills Ton war schon fast herablassend.
„Keine Ahnung...mal gucken!“, Tom grinste. Bill schüttelte nur den Kopf.
„Auf jeden Fall will ich so richtig feiern!“
„Wieso? Wir haben doch keinen besonderen Tag, oder?“, Bill blickte Tom fragend an. Der schüttelte nur den Kopf.
„Nö, ich will halt einfach nur ein bisschen feiern. War doch ein klasse Auftritt! Darüber kann man sich doch freuen!“
„Aber nicht, dass du später irgendwo kotzend in der Ecke liegst!“
„Redest du von dir?“, Tom duckte sich, denn in dem Moment flog ihm beinahe ein Bündel Socken von Bills ins Gesicht.
„Hey, das war doch nur ein Witz!“
„Ich weiß!“, grinste Bill und ging seine Socken aufsammeln.
Nach einer Stunde im Hotel fuhren die vier samt Saki und David in einen exklusiven Club, der Türsteher ließ sie mit größtem Vergnügen rein, denn er wusste ja, wie gut diese Band als Werbung für den Club diente.
Im Club war es sehr laut, man verstand fast sein eigenes Wort nicht. Georg zog es sofort zu einem Mädel auf die Tanzfläche. Bill, Tom, Gustav und Saki setzten sich hingegen an die Bar und David besprach etwas mit dem Sicherheitsdienst des Clubs.
„Boah, ist das voll hier...“, meinte Tom. Saki nickte.
„Ich bestell’ mal was!“, meinte Gustav und bestellte für jeden einen Drink. Eigentlich war der erst ab 18, doch dafür, dass die beiden Zwillinge erst noch 17 waren, interessierte hier keinen.
Die beiden sind Stars und bekommen, was sie verlangen, ließ sich der Barkeeper durch den Kopf gehen und schenkte den drei noch mal nach. Saki trank nichts. Er müsste schließlich zurückfahren. Georg kam von der Tanzfläche zurück, ohne das Girl.
„Boah...die konnte verdammt gut tanzen! Hey, ich will auch was trinken...Gustav?“
„Du kannst dir das selbst bestellen!“, meinte Gustav und nahm wieder einen Schluck von dem Bacardi.
„Boah...Blödmann!“, maulte Georg und bestellte sich einen Bacardi. Der Barkeeper schenkte noch mal jedem etwas ein und lachte sich ins Fäustchen. Das würde Kohle geben!
Saki schaute nicht gerade amüsiert zu, wie die Jungs immer und immer mehr Hochprozentiges zu sich nahmen. Bill und Tom, durften das noch nicht! Das würde nur wieder schlechte Schlagzeilen geben!
David kam zu ihnen.
„Für mich bitte auch einen!“, meinte er. Saki verdrehte die Augen. Nach zwei Stunden hatten die vier Jungs schon einen Haufen gekippt. Und Tom und Georg fingen an miteinander zu tuscheln.
„Wer flüstert, der lügt Jungs!“, grinste Gustav.
„Ja...ja! Das wissen wir!“, Tom drehte sich zu Gustav und zu seinem Bruder.
„Was heißt das jetzt?“, fragte Gustav weiter.
„Dass wir euch sagen, was wir so getuschelt haben!“, meinte Georg.
„Und worum ging’s?“, wollte Gustav wissen. Bill trank gerade den letzten Schluck aus seinem Glas.
„Hey, Bill. Ich wette, du traust dich nicht mit irgendeiner Schnecke hier einen One-Night-Stand zu habe!“
„Klar traut er sich nicht!“, spottete Georg schon los.
„Natürlich trau’ ich mich! Los, Tom, such’ dir eine aus und ich schlepp’ sie ab!“, grinste Bill. Tom und Georg hoben die Augenbrauen.
„Na, dann müssen wir es dir aber auch schwer machen!“, grinste Georg. Tom nickte und schaute sich suchend in dem Club um.
„Okay...mh...mal sehen. Ah! Die da!“, Tom deutete auf ein hübsches Mädchen mit dunkelbraunen Haaren und braunen Augen, die gerade auf die Tanzfläche kam. Sie war nicht älter als 16!
„Okay!“, grinste Bill und glitt von seinem Stuhl. Er kämpfte sich durch die Masse.
‚Dirrty’, von Christina Aguilera lief gerade an.
„Das passt ja!“, grinste Georg und schaute Bill zu, wie er sich bis zu dem Mädchen ran kämpfte. Überraschenderweise konnte Bill richtig gut tanzen.
„Sagt der nicht immer, er hasst Tanzen, und könnte es nicht?“, fragte Gustav.
„Mh...der Kleine macht dir Konkurrenz!“, grinste Georg und stieß Tom seinen Ellenbogen in die Rippen. Tom verschränkte die Arme vor der Brust.
„Die bekommt er nie!“
„Sieht aber ganz so aus!“, meinte Gustav und schaute zu Bill, der nun schon richtig intim mit dem Mädchen wurde. Tom riss die Augen auf.
„Der macht das ja wirklich!“
„Das Entscheidende kommt aber erst noch!“, meinte Georg.
„Tja, sicherlich macht er einen Rückzieher!“, Tom war sich schon siegessicher. Doch nach dem nächsten Lied griff Bill nach der Hand von dem Mädchen und schleppte sie in einen Nebenraum.
„Hat der eigentlich ein Kondom?“, fragte Georg und lehnte sich zu seinen Kumpels rüber.
„Shit! Hoffen wir es mal!“, meinte Gustav. Tom stand auf.
„Wo willst du hin?“
„Ich bringe ihm ein Kondom!“
„Was?! Spinnst du? Das ruiniert dem Kleinen doch alles!“, grinste Georg und wollte Tom aufhalten. Doch Tom war schneller.

~Währenddessen bei Bill und dem Mädchen~
Bill sprach mit einem Sicherheitsmann. Dass er nicht gestört werden wollte und keiner diesen Raum betreten sollte, bis die beiden wieder rauskommen würde. Der Sicherheitsmann, dem klar war, wieso, grinste nur blöd, nickte aber. Bill und das Mädchen verschwanden in dem Raum.
„Ich muss da rein!“, meinte Tom.
„Sorry, kein Einlass!“
„Ich muss da aber wirklich rein!“, beharrte Tom. Doch der Sicherheitsmann schüttelte nur den Kopf.
Bill drückte das Mädchen an die Wand und schob ihr die Träger ihres lila Satinstops runter. Die beiden gaben sich einen wilden Zungenkuss und das Mädchen fummelte an Bills Gürtel rum. Bill öffnete ebenfalls den Knopf von ihrer Hose und das Mädchen ließ sich langsam zu Boden sinken. Bill folgte ihr und gab ihr wieder einen leidenschaftlichen Zungenkuss. Das Mädchen legte sich auf den Rücken und öffnete Bills Hose. Bill griff in seine Hosentasche und nahm ein Kondom raus. Das Mädchen zog ihm die Hose endgültig ganz aus und Bill riss auch ihr die Hose vom Leib. Das Mädchen grinste und zog an seiner Boxershorts, die sich schon bald zu Bills Hose gesellte und auch der Tanga des Mädchens fand bald den Weg zu ihrer Hose. Hastig und mit zittrigen Händen vor Erregung riss Bill das Kondom auf und streifte sich über.
Nach zehn Minuten kam Bill zum erlösenden Orgasmus und zog sich erschöpft wieder aus dem Mädchen raus. Das Mädchen, das nur paar Sekunden früher gekommen war, lächelte ihn glücklich an.
„Wie...wie heißt du eigentlich?“, fragte Bill, der total verschwitzt war.
„Sabrina...Sabrina Caspari.“
„Hey...ich bin Bill.“
„Ich weiß!“, das Mädchen küsste ihn wieder. Bill stand auf und schmiss das Kondom weg, was er nicht bemerkte, weil er die Verpackung von dem Kondom so hastig aufgerissen hatte, hatte er einen kleinen Riss rein gemacht. Sabrina hatte sich mittlerweile wieder angezogen und auch Bill, sah wieder einigermaßen normal aus. Die beiden gingen zurück und Bill erklärte stolz, dass der die Wette gewonnen hatte.
*Flashback Ende*

Bill drehte sich vom Fenster weg und ging ins Wohnzimmer. Diese verdammt blöde Wette! Wieso hatte er sich nur darauf eingelassen? Gut, er war betrunken. Als er am nächsten Morgen erfahren hatte, was er getan hatte, hatte er ein unglaublich schlechtes Gewissen gehabt, doch es war halt nicht mehr zu ändern. Und nun? Nun war auch Nelly nicht mehr zu ändern.


10. Kapitel


Die Tour hatte begonnen und die Jungs waren nicht alleine im Bus. Bill hatte David dazu überredet bekommen, die Kleine doch noch für die letzte Woche, die sie bei ihm war, mitnehmen zu dürfen. Der Bus war zwar nicht dafür gebaut, noch eine Person, auch wenn es nur ein kleines Kind war, zu transportieren, aber das war kein Problem. Nelly schlief einfach neben Bill in seinem Bett. Es war der 14. Mai, morgens halb neun. Alle außer Bill und seiner kleinen Tochter waren schon wach.
Tom sollte Bill wecken gehen, also ging er nach oben zu den Betten und zog die Vorhänge auf, die vor jedem der Betten hing.
„Och, wie süß...“, meinte er. „Hey, Leute, kommt euch das mal angucken!“, Georg, Gustav und David kamen die Treppe hoch und schauten sich das Bild an, was Tom so süß fand.
Bill lag mit dem Rücken an die Wand gelehnt und hatte einen seiner Arme schützend um die kleine Nelly gelegt, die sich neben ihm zusammen gerollt hatte und sich an seine Brust schmiegte.
„Mein Gott, das ist wirklich süß!“, flüsterte Gustav.
„Ich wusste gar nicht, dass Bill so behutsam sein kann!“, wisperte David und schloss den Vorhang wieder.
„Dann lassen wir die beiden noch etwas schlafen!“
Georg, Gustav und Tom nickten und die vier gingen nach unten.
Nach einer halben Stunde, wachte Bill auf. Er merkte sofort, dass Nelly noch schlief, also blieb er liegen und musterte seine kleine Tochter. Ein sanftes Lächeln breitete sich auf seinen Lippen aus. Doch so schnell es gekommen war, so schnell verschwand es auch schon wieder. Gestern hatte er die Bestätigung der Pflegefamilie bekommen. Am 16. Mai, schon übermorgen, nach Nellys Geburtstag würde er sie nach Oberhausen bringen und dort bei ihrer neuen Familie zurücklassen. Sein Herz wurde ihm schwer bei dieser Gewissheit und er drückte seiner Tochter einen leichten Kuss auf die Stirn auf. Er seufzte leise und Nelly öffnete langsam die Augen.
„Oh...hab’ ich dich geweckt?“.
Das Mädchen schüttelte den Kopf und schmiegte sich weiterhin an ihren Vater. Bill legte seine Stirn an ihre.
„Hast du Hunger oder sollen wir noch ein bisschen liegen bleiben?“
„Liegen bleiben...“, murmelte sie und schloss die Augen. Bill schmunzelte und gab ihr wieder einen Kuss.
„Du hast mir immer noch kein Geburtstaggeschenk gesagt!“
„Ich überleg’ mir noch eins...“
„Ja, das muss ich bis morgen dann nur noch organisiert bekommen!“, lachte Bill und schloss die Augen.
„Das schaffst du bestimmt...“, sie kuschelte sich an ihn und er zog sie näher an sich.
„Glaubst du? Gut...Morgen und übermorgen haben wir frei! Nur heute Abend noch ein Konzert...mh...viel Zeit bleibt da nicht um ein Geschenk zu besorgen!“
„Ich weiß...“, Nelly atmete tief ein und aus und schien wieder einzuschlafen. Bill hörte, wie jemand zu seinem Bett kam.
Tom zog die Vorhänge etwas auseinander und blickte in Bills Gesicht. Der legte rasch den Zeigefinger auf seine Lippen und deutete auf seine Tochter. Tom nickte und ließ den Vorhang wieder zu fallen.
„Nelly?“, fragte Bill leise. Nelly öffnete wieder ihre Augen.
„Willst du noch schlafen?“, die Kleine nickte. „Okay...ich steh’ aber jetzt auf. Wir sind da!“. Bill küsste seine Tochter und stieg dann aus dem Bett. Er ging sich ins Bad fertig machen und ging dann zu den anderen.
„Ihr beiden habt da eben gerade voll süß gelegen!“, meinte Georg. Bill lächelte etwas und holte sich Cornflakes zum Frühstück.
„Wirklich, das hätte man knipsen müssen!“, erklärte Gustav.
„Ja...is’ gut Jungs!“, murmelte Bill und fing an sich sein Frühstück reinzuschaufeln. Die anderen hatten keine Ahnung, wie schlecht es ihm im Moment ging. Bill wusste, dass er die Kleine einfach weggeben musste! Doch wirklich wollen, tat er das nicht. Er stellte die Schüssel weg, obwohl er fast noch nichts gegessen hatte.
„Was ist los, Bill? Sonst bist du doch so ein Vielfraß!“, grinste David.
„Ach...ich hab’ einfach keinen Hunger!“
„Na, wenn du meinst!“

Nach einer Stunde steckten sie mitten im Soundcheck, als David mit Nelly auf dem Arm in die Halle kam. Bill lief sofort zu ihr und gab ihr einen Kuss.
„Na, kommst mal so gucken, was wir so machen?“, fragte er und nahm sie selbst auf den Arm. Nelly nickte.
„Das ist aber schön!“, grinste Tom und spielte ein Solo auf seiner Gitarre. Nelly lächelte und schaute ihren Vater wieder an.
„Ist denn alles okay?“
„Ja...hört sich doch alles ziemlich gut an, oder?“, die Kleine nickte und lehnte sich an Bill.
„Du bist doch nicht immer noch müde, oder?“
„Nein...“, Nelly schüttelte den Kopf.
„Dann geh’ doch jetzt wieder zu David...ich muss noch ein bisschen proben!“
„Okay...“, David nahm Bill Nelly vom Arm und verschwand mit ihr wieder hinter die Bühne.
„Eigentlich ist es ja total traurig, dass du sie weggeben musst!“, meinte Georg. Bill seufzte und fing mal wieder an zu lügen.
„Na ja...aber es ist ja besser so! Ich kann das echt nicht!“
„Ach ja?“, fragte Tom und dass er gereizt war, war nicht zu überhören. „Bis jetzt finde ich, machst du das alles ganz gut!“
„Trotzdem! Die Kleine muss weg!“, meinte Bill und die Proben gingen weiter.
Als das Konzert anfing, schlief Nelly schon längst wieder und träumte ihrem Geburtstag entgegen.

Die anderen schliefen schon längst alle, als Bill noch in der Bandlounge im Bus saß und seine stummen Tränen wegwischte. Er schaute auf sein Handy. In einer Stunde hätte seine Tochter Geburtstag. Der erste Geburtstag seiner Tochter, den er erleben würde und er hatte so ein grässliches Geschenk für sie. Wusste sie es überhaupt noch? Ob sie es wirklich noch wusste, dass sie er sie weggeben würde? Eigentlich war es auch egal, denn spätestens übermorgen, würde sie es wieder wissen. Er konnte sie schon weinen hören. Sein Herz wurde wieder schwer und er rang nach Luft. Die Faust schlug wieder auf seinen Magen ein. Stärker und gewaltsamer als je zuvor. Doch Bill hatte seine Entscheidung schon längst getroffen und die Familie zu der Nelly gehen würde, schien wirklich eine sehr nette Familie zu sein. Bei ihr würde es Nelly viel besser gehen als bei ihm. Bill seufzte noch mal und legte sich dann neben Nelly in sein Bett.


11. Kapitel


~Am Abend vom 15. Mai~
Bill hatte seiner Tochter einen richtig schönen Geburtstag gemacht. Er hatte eine riesige Geburtstagstorte organisiert und hat sie dann doch noch mit Geschenken überhäuft.
Nun lagen die beiden zu Hause bei Bill in seinem Bett und kuschelten.
„Papa?“
„Was denn?“
„Ich hab ‚dich ganz dolle lieb!“, Nelly gab ihm einen Kuss auf die Wange und Bill spürte wieder dieser Faust im Magen.
„Ich dich auch...“
„Weißt du, was ich mir noch wünsche?“
„Was denn?“, fragte Bill und schmiegte seine Wange an ihre. Nelly lehnte sich zurück und lächelte ihn an.
„Ich wünsche mir, dass ich dich nie mehr verlier’!“
Bill schluckte und blickte sie traurig an.
„Was ist Papa...?“
„Nelly...ich...weißt du noch, ich hab dir gesagt, dass ich dich weg geben muss...nun...“
„Was? Was ist?“, Nellys Stimmung schlug sofort um.
„Nelly, ich habe vor ein paar Tagen die Bestätigung von deiner Adoptivfamilie bekommen, dass sie dich holt!“
„Und...und wann muss ich dahin?“
„Ich bring’ dich morgenfrüh dahin!“
„Morgen?“, Nelly fingen an Tränen über die Wangen zu laufen. „Schon morgen?“
„Du warst jetzt drei Wochen bei mir! Ich kann dich nicht länger behalten!“
„Dann war alles gelogen? Dann hast du ‚Ich hab’ dich lieb’ einfach nur so gesagt?“
„Nein! Nelly! Auf keinen Fall! Ich liebe dich...ich liebe dich wirklich...“
„Dann würdest du mich behalten!“
„Nelly...ich...kannst du es denn wirklich nicht verstehen? Ich kann dich einfach nicht gebrauchen!“, Bill schlug sich die Hand vor den Mund. Hatte er das gerade wirklich gesagt? Nelly blickte ihn lange stumm an, bis sie dann aufstand und aus dem Zimmer ging.
Bill sprang sofort auf und lief ihr hinter her.
„Nelly!“, er packte sie, im Wohnzimmer und hob sie hoch. Sie weinte, schluchzte und drängelte, dass sie wieder runter wollte.
„Nelly! Hör’ mir zu...bitte ich...“
„Ich will zu Mama! Warum ist Mama nicht mehr da...?“, sie schluchzte fürchterlich und klammerte sich an Bill. Er legte ihr die Hand auf den Rücken und strich ihr tröstend darüber.
„Nelly...es tut mir so Leid...bitte...verzeih’ mir...aber ich kann einfach nicht anders...“
„Wieso tust du das? Warum gibst du mich weg...? Ich hab’ dich doch lieb!“
„Ich dich auch, aber, Nelly, ich...wie soll ich das denn erklären? Ich bin nicht reif genug für ein Kind! Ich bin doch selbst kaum erwachsen!“
„Aber...aber Mama war doch noch jünger als du und...“
„Nelly!“, brachte Bill sie zum Schweigen. Nelly schnieft leise und Bill küsste ihr zärtlich die Tränen weg.
„Vielleicht finde ich irgendwann mal Zeit, dich besuchen zu kommen. Ich werde die Adresse von deiner Familie auf jeden Fall behalten!“
„Das ist nicht meine Familie...du bist meine Familie!“, erklärte das Kind. Bill schüttelte den Kopf.
„Ab Morgen nicht mehr!“
„Ich will aber nicht hier weg...ich hab’ dich doch lieb!“. Bill küsste ihr eine letzte Träne weg und stellte sie wieder auf den Boden.
„So ist es wirklich besser, Kleine, für dich und für mich!“, Bill drehte sich um und ließ seine Tochter einfach im Wohnzimmer stehen.
Nelly sank zu Boden und blieb einfach dort sitzen, wo sie war. Sie würde sich nicht einfach so weggeben lassen. Irgendetwas musste sie doch dagegen tun können. Doch ihr Vater hörte sich ziemlich entschlossen an. Die Kleine merkte gar nicht, wie sie einschlief und Bill sie kaum fünf Minuten später auf Sofa legte und sie zudeckte. Er setzte sich vor das Sofa und drehte den Kopf zu Nelly. So war es wirklich besser! Er redete es sich eher ein, anstatt er wirklich an seine Wörter glaubte. Doch er konnte es nicht ändern. Nelly passte überhaupt nicht in seine Welt, auch wenn er sich das über alles wünschen würde. Doch manche Wünsche, gingen halt nie in Erfüllung.

Am nächsten Morgen brachte Bill die immer noch schlafende Nelly zum Wagten in die Tiefgarage. Ihre Sachen hatte er schon alle in den Kofferraum gepackt und schon fuhren sie los.
Nach einer Stunde Fahrt wachte Nelly auf.
„Papa?“
„Ja, meine Süße...“
„Was...was machst du?“, ruckartig schlug sie die Augen auf.
„Ich hab’ deinen Eltern gesagt, dass ich dich spätestens um zehn bei ihnen abgebe. Die Fahrt dauert dreieinhalb Stunden. Deshalb dachte ich mir, fahren wir um sechs schon mal los!“
„Aber...Papa...du kannst doch nicht!“
„Ich möchte darüber nicht mehr diskutieren, Nelly!“, schnitt Bill ihr das Wort ab. Wenn auch nur, damit er weiterfahren konnte, ohne Gefahr zu laufen wegen Tränen in den Augen ein Unfall zu bauen.
„Okay...“, gab Nelly kleinlaut auf und schaute auf ihre Finger. „Sie sehen deinen sehr ähnlich, nicht war?“
„Was?“
„Meine Hände!“
Bill runzelte die Stirn und schaute kurz auf die Finger seiner Tochter.
„Na, ich weiß nicht...das kann man noch nicht sagen! Du bist ja noch im Wachstum! Vielleicht veränderst du dich ja noch über die Jahre hinweg!“
„Darf ich dich, wenn ich groß bin besuchen kommen?“, Bill schürzte die Lippen. Was sollte er denn jetzt sagen? Er wollte nicht, dass sie ihn besuchen kommen würde. Er wusste jetzt schon, dass der Schmerz, sie nach all den Jahren wieder zu sehen, zu groß für ihn wäre. Er wollte sie nicht mehr wieder sehen. Nicht, wenn er es geschafft hatte, sich wieder von ihr loszureißen. Auch wenn er das Gefühl hatte, dass er sein Herz mit rausreißen würde und es hier bei ihr zurück lassen würde.

Nellys Frage fand keine Antwort die letzten zwei Stunden der Fahrt, schwiegen die beiden sich an und irgendwann fand Bill dann auch in Oberhausen die Adresse.
Vor der Tür stand schon ein Ehepaar mittleren Alters und zwei Söhne, beide schon weit über fünf Jahre alt. Der eine sah aus wie ein Boxweltmeister. Groß, viele Muskeln und ein Gesicht, als hätte er zu viele Schläge auf die Nase bekommen. Der andere Junge, sah aus wie eine Ratte. Schmal, spitzes Gesicht, vorstehende Zähne und Rattengraues Haar. Bill nahm tief Luft, und schaute aus dem Auto heraus die Eltern an.
Die Frau hatte blassblondes Haar, das ihr auf die Schultern fiel, große grüne Augen und war ansonsten recht hübsch. Der Mann war dick. Sehr dick sogar! Damit seine Hose unter seinem Schwabbelbauch nicht einfach wegflutschte, trug er graublaue Hosenträger.
„So...das ist deine neue Familie, Nelly.“
„Ich mag sie nicht!“
„Du kennst sie doch noch gar nicht!“, meinte Bill.
„Egal! Sie sind hässlich!“. Bill musste etwas grinsen.
„Und ich? Bin ich nicht hässlich?“
„Du bist...wie hat Onkel Tom gesagt zu der Frau...hexy?“
„Sexy?“, fragte Bill und drehte sich zu seiner Tochter.
„Ja! Du bist sexy!“, nun musste Bill lachen und die Tränen stiegen in seine Augen.
„Lass’ uns jetzt lieber aussteigen!“
„Ich will aber nicht...“
„Mach’ jetzt bitte kein Theater, Nelly!“
„Aber...“
„Nein, Nelly!“, Bill stieg aus und schnallte sie ab. Er nahm sie auf den Arm und kam auf die Leute zu. Die Frau nahm tief Luft und stellte sich gerade hin.
„Guten Morgen, Herr Kaulitz!“, sie lächelte freundlich. „Ah...und du musst die kleine Nelly sein!“, die Frau kam Bill entgegen und nahm sie ihm ab. Nelly wehrte sich, doch die Kleine hatte keine Chance. Bill machte einen Schritt zurück und lächelte. Die Tränen in seinen Augen drohten über seine Wangen zu laufen. Er musste hier weg! Schnell!
„Ich hole mal ihre Sachen!“, Bill ging zum Kofferraum und holte die zwei Tasche von Nelly.
„Also...ich fahr’ dann wieder...tschüss, Nelly...“
„Nein...Papa!“, Nelly fing an zu weinen und streckte die Arme nahm ihm aus. Bill strich ihr übers Gesicht, küsste ihr ein letztes Mal die Tränen weg und ging. Er hörte Nelly weinen und starrte den Motor.
Das war das Ende von seiner Vaterschaft!


12. Kapitel


~Sechs Wochen später~
Zitternd kroch Nelly in einen Schrank im Badezimmer. Sie hörte den Mann, der sich selbst ihr Vater nannte, wütend nach ihr rufen.
„Nelly! Nelly, verdammt noch mal komm’ hierher!“
„Geh’ weg...geh’ weg...“, betete Nelly leise und wich noch weiter in den Schrank zurück, bis sie an die Wand stieß.
„Wenn ich dich finde, schlag’ ich dich windelweich! Komm’ jetzt her!“
Nelly stockte der Atem, als sie hörte wie die Badezimmertür aufgeschlagen wurde. Ihr Puls raste und ihr Herz schlug dreimal so schnell wie normal. Sie schluckte und hoffte, flehte, betete, dass Frank nicht im Schrank gucken würde.
Es half nichts!

Bill ging nach der letzten Zugabe von der Bühne, er schnappte sich kurz über die Stirn und ging dann in Richtung Tourbus.
„Bill...ist alles in Ordnung?“, fragte Georg. Bill nickte.
„Ja...ich bin nur etwas müde!“
„Okay...“, damit ließen die Jungs ihn ohne weitere Worte gehen.
Im Bus verzog er sich sofort in sein Bett, zog sich bis auf die Boxershorts aus und zog die Vorhänge vor, damit niemand auf die Idee kam, ihn in ein Gespräch verwickeln zu wollen. Seit sechs Wochen ging das nun so. Er fühlte sich schwach, krank, müde, schlecht! Aber vor allem fühlte er sich leer.
In seinem Bett kauerte er sich zusammen und fing leise an zu schluchzen. Er vermisste Nelly, das hatte er sich schon vor sechs Wochen auf der Heimfahrt eingestehen müssen. Er war froh gewesen, als er endlich eine Autobahnraststätte gefunden hatte, wo er halten konnte und erst mal richtig weinen konnte. Bill hatte keinem davon erzählt, wie schlecht es ihm ging, seit dem Nelly weg war. Er wollte sie wieder haben! Er wollte sie zurück! Mit ihr hatte er auch ein Stück von sich weggegeben. Ein Stück, was er brauchte, um überleben zu können. Nelly war nicht nur seine Tochter geworden, die er über alles liebte. Sie war auch zu seiner Stütze geworden, zu seinem Lebenssinn, zu seinem Lebenszweck. Alles, was er getan hatte in diesen drei Wochen, hatte er nur noch für sie gemacht und nun war sie weg. Weg, einfach nicht mehr da. Wieder drangen neue Tränen in seine Augen, überfluteten sie und liefen schon bald wieder über seine Wangen. Plötzlich hörte er, wie jemand den Gang entlang kam und sofort verstummte er. Die Tränen liefen immer weiter.
„Spiel’ mir nichts vor, Bill! Ich weiß, dass du wieder weinst! Ich weiß es seit sechs Wochen!“, Tom riss die Vorhänge auf und blickte seinen Bruder an. Bill hatte ihm den Rücken zu gedreht und tat so, als würde er schlafen. Tom zog eine Augenbraue hoch.
„Ich weiß, dass du nicht schläfst!“
Keine Regung von Bill.
„Ich will mit dir reden!“
Immer noch keine Regung von Bill.
„Nelly ist tot!“
„WAS?!“, ruckartig drehte Bill sich zu seinem Bruder. Der grinste.
„Siehst du, ich wusste doch, dass man dich damit locken kann!“
„Du verdammtes kleines Arsch...“
„Sch!“, Tom legte Bill seinen Zeigefinger auf die Lippen und sein Bruder verstummte.
„Rede doch lieber mit mir über deinen Kummer!“
„Ich habe keinen Kummer!“
„Nelly!“, sofort schniefte Bill und die Tränen, die er mit Mühe und Not zurück gehalten hatte, liefen los.
„Siehst du, Bill! Ich weiß doch, wann es dir schlecht geht! Also rede jetzt mit mir darüber!“, Tom setzte sich neben Bill, der blickte nur stumm zu Boden.
„Bill!“
„Es...es ist...so anders...so still! Ich hatte sie nicht mal einen Monat, aber trotzdem...sie ist zu einem so wichtigen Teil meines Lebens geworden...zum wichtigsten Teil überhaupt! Was dachte ich mir dabei, sie wegzugeben...was bin ich für ein Vater?!“, Bill vergrub sein verheultes Gesicht in seinen Händen und Tom legte ihm den Arm um die Schulter.
„Bill...hast du schon mal was vom Rückforderungsrecht gehört?“, Bill schaute verwirrt auf zu seinem Bruder und schüttelte den Kopf.
„Wenn eine Mutter...oder ein Vater, sein Kind einer anderen Familie zur Adoption frei gibt, dann hat der Vater oder die Mutter acht Wochen lang, noch das Recht sein oder ihr Kind ohne Kompromisse zurück zu holen!“
„Aber ich kann nicht...“
„Bill!“
„Ich kann aber wirklich nicht...ich hab doch gar keine Zeit und...“
„Willst du jetzt den Rest deines Lebens Trübsaal blasen oder willst du dir dein Kind zurückholen?!“, Tom schrie fast. Bill zuckte zusammen und schaute wieder zu Boden.
„Sie hätte es nicht gut bei mir...ich bin kein guter Vater...“
„Vielleicht hat sie es in Oberhausen ja auch nicht gut!“, erklärte Tom. Bill blickte auf, in seinem Blick lag Angst. Genau diese Gedanken schwirrten schon seit einer halben Ewigkeit in seinem Kopf rum. Was, wenn Nelly nicht gut behandelt wurde? Wenn es ihr schlecht ging? Würde er es als Vater spüren? Würde er es tief in seinem Inneren spüren?
„Tom...was, wenn ich...wenn ich sie wirklich zurück haben wollte?“
„Dann würden wir dich alle unterstützen! Wir wissen doch, dass so ein kleines Kind keine leichte Aufgabe ist!“
„Aber was mache ich dann mit ihr, in der Zeit, wo ich nicht da bin! Ich will sie nicht ständig bei irgendeiner Nanny oder so abgeben müssen!“
„Dann nimm sie doch einfach mit! Jutta freut sich bestimmt!“, grinste Tom. Bill schaute wieder auf seine nackten Füße und seufzte.
„Ich will sie zurück...über alles in der Welt...“
„Dann verdammt noch mal Bill, verlier’ keine Zeit und hol’ dir deine Tochter wieder!“
„Aber geht das denn so schnell?“
„Du musst das nur beim Jugendamt melden, dass du dein Kind wieder zurückwillst! Die werden das dann alles in die Wege leiten!“
„Dann ruf’ ich gleich morgen früh da an!“, Bill legte sich wieder um. Tom blickte zu seinem Bruder runter, der schloss die Augen.
„Bill?“
„Mh?!“, machte der, ohne die Augen zu öffnen.
„Ich finde übrigens, dass du voll der gute und süße Vater bist!“
Bill lächelte und formte stumm ein ‚Danke’ mit den Lippen. Tom stand auf, zog die Vorhänge wieder zu und ging.

Nelly sank zu Boden und wimmerte. Frank holte wieder aus, um sie zu schlagen, und es knallte wieder. Nellys Kopf flog hin und her und landete schließlich aus dem Badezimmerboden. Sie regte sich nicht mehr. Hatte nicht mehr die Kraft und den Mut aufzustehen. Sie wusste, dass Frank wieder aus diesen komischen Flaschen getrunken hatte, die ihn immer so aggressiv machten. Immer wenn er daraus trank, wurde sie anschließend halb tot geprügelt. Und wenn dann noch Bruno und Lars zuschauten, lachten die noch darüber. Denn die beiden tranken selbst schon aus diesen komischen Flaschen.
Marie, die Mutter, ging den ganzen Tag über arbeiten und bekam nicht soviel davon mit, doch auch sie wurde von Frank und sogar ihren beiden Söhnen geschlagen, wenn die aus den Flaschen tranken. Was sie jeden Tag im Überfluss taten!
Nelly amtete schwach und hoffte, dass Frank sie genug gequält hätte für heute.
>Papa, hol’ mich hier raus...<, dachte sie und Tränen rannten über ihre blassen, eingefallenen Wangen.

13. Kapitel


„Gut, Herr Kaulitz. Wir freuen uns sehr, dass Sie es sich noch mal anders überlegt haben! Es ist wirklich besser wenn ein Kind bei seinen richtigen Eltern aufwächst! Wir werden Ihnen in den nächsten drei Tagen die Geburtsurkunde zuschicken und das Sorgerecht, wird Ihnen wieder überlassen! Sie können Ihre Tochter dann ohne weiteres bei der Familie abholen gehen!“, erklärte eine Frau am Telefon. Bill war nun schon seit einer Stunde mit dem Jugendamt am telefonieren. Es war alles geregelt und Bill legte beruhigt auf.
„Und?“, fragte Tom, der die ganze Stunde nicht von seiner Seite gewichen war.
„In ein paar Tagen bekomme ich alles zu geschickt...dann kann ich Nelly ohne Probleme holen gehen!“
„Gott sei Dank!“, Tom setzte sich auf Bills Couch und legte die Füße auf den Tisch. Bill zog viel sagend die Augenbrauen hoch und Tom nahm die Füße mit einem entschuldigen Grinsen runter.
„Nelly freut sich sicherlich!“
„Das denke ich auch...sie hat so geweint als ich gefahren bin...“
„Na hör mal, was würdest du denn sagen, wenn Mum dich damals irgendwo bei irgendwelchen fremden Leuten einfach so zurück gelassen hätte? Gerade nett war das von dir ja nicht!“
„Ist ja gut Tom! Ich weiß es ja! Du musst mir nicht noch extra Vorwürfe machen!“
„Es stimmt aber Bill!“
„Weiß David eigentlich schon bescheid?“
Tom schüttelte den Kopf.
„Aber ich denke er wird es verstehen!“
„Er war doch von Anfang an gegen meine kleine Nelly!“
„Aber ich denke, wenn er merkt, dass du sie wirklich liebst, dann wird er es zulassen, außerdem, würde ich mir von ihm nicht sagen lassen: Hey, schaff deine Tochter ab!“
„Wegen dem würde ich das ja auch nicht machen!“
„Wirklich?!“
„Ja!“
„Dann ist dir Nelly wichtiger, wie deine Karriere?“
„Ja! Um Längen Tom! Wie gesagt...Nelly ist das wertvollste, was ich besitze!“
„Die Erkenntnis kommt aber ein bisschen verspätet!“, meinte Tom.
„Sei froh, dass sie überhaupt noch gekommen ist!“
„Tja, und das auch nur wieder durch meine Hilfe...ach Billy, was würdest du nur ohne mich tun!“
„Gut...wenn man es mal so nimmt, du bist ja eigentlich der Grund dafür, dass Nelly heute auf der Welt ist!“
„Ich?! Wieso denn ich?“
„Weil du mich zu dieser Wette gebracht hättest! Hättest du mich nicht so angestichelt, hätte ich niemals eine Nummer mit Sabrina geschoben! Dann hätte ich sie niemals schwängern können!“
„Und? Vielleicht hättest du dann jetzt irgendwas anderes!“, erklärte Tom und verschränkte die Arme hinter dem Kopf.
„Du verstehst nicht wirklich was ich meine, oder?“
„Ach Bill! Das ist doch jetzt egal! Was geschehen ist, ist halt geschehen! Und heute bereust du es doch nicht Nelly zu Stande gebracht zu haben, oder etwa doch?“
„Nein! Niemals!“, schnellte es aus Bill und er setzte sich neben seinen Bruder.
„Also...was regst du dich denn so auf?“
„Keine Ahnung...ich freu mich nur darauf Nelly wieder sehen zu können.“. Tom nickte, doch dann fragte Bill ihn etwas, was ihm schon die ganze Zeit auf der Seele brannte.
„Tom...“
„Mh?“
„Was mach ich denn, wenn sie gar nicht mehr zu mir will?“
„Bist du blöd?“.
Bill rammte seinen Bruder den Ellenbogen sachte in die Seite und funkelte ihn sauer an.
„Ich meine das ernst, Tom! Was wenn sie mich dafür hasst!“
„Die wird sicherlich überfroh sein, dass du sie wieder abholst! Sicherlich hat sie dich total vermisst!“
Bill seufzte.
„Ich hoffe es ist so...Sag mal, willst du was trinken?“
„Was hast du denn da?“
„Was willst du denn?“, fragte Bill.
„Mh...Cola...“
„Die hab ich immer!“, Bill stand auf und brachte seinem Bruder etwas zu trinken.
„Eigentlich sollten wir eine Flasche Sekt aufmachen!“, fiel Tom auf und nippte an seinem Colaglas.
„Hä?! Wieso das denn?“
„Na, weil du ja eigentlich noch mal Vater wirst!“
„Mh...da hast du eigentlich Recht...aber weißt du, was mir da gerade einfällt!?“
„Nee, was denn?“, Tom drehte sich zu Bill.
„Wie wäre es mit einem Kinderzimmer? Bis jetzt hat Nelly immer nur auf der Couch oder bei mir geschlafen. Ich meine, dass kann ja nicht für immer so bleiben!“
„Mh...hast du denn noch einen Raum übrig?“
„Ja...er ist zwar nicht gerade so groß, aber groß genug für ein Hochbett, einen Schrank und ein paar Spielzeuge allemal!“
„Zeig doch einfach mal!“, Tom und Bill standen auf und Bill zeigte seinem Bruder das Zimmer.
„Mh...also als Kinderzimmer reicht das sicher...“
„Gut, dann komm!“
„Wohin?“, fragte Tom total verdattert.
„Wir gehen einkaufen!“
„Hä? Und was?“
„Tapete, ein Hochbett, ein Schrank, Spielzeug, Kuscheltiere! Ich will meine Tochter überraschen wenn sie wieder nach Hause kommt!“
„Ich denke, dann wird sie das erste Mal richtig nach Hause kommen!“, erklärte Tom und Bill lächelte. Die beiden zogen sich Jacken an und gingen zum Porsche.
„Mh...ich denke wir sollten dann doch lieber mein Auto nehmen, oder?“, Tom drehte sich fragend zu Bill. Dem sein Blick schweifte vom Porschen zum riesigen Hummer und er nickte.
„Ja...ich denke bei diesem Einkauf, wäre der Hummer besser!“
„Gut...dann muss ich auch wenigstens nicht neben dir sitzen wenn du fährst! Du rast ja wie so ein Irrer!“
„Stimmt doch gar nicht!“, bestritt Bill, doch er wusste, dass Tom Recht hatte.

Nelly saß in ihrem Zimmer. Ihr war kalt und sie schaute auf einen riesigen blauen Fleck an ihrem rechten Arm. Es tat höllisch weh! Unten hörte sie, wie Bruno wieder seine Mutter als verdammte Schlampe und Hure beschimpfte. Nelly wusste nicht, was das für Wörter waren, doch es waren schlimme Wörter. Denn immer wenn Bruno, Lars oder Frank sie zu Marie sagten, lief sie weinend aus dem Zimmer. Nelly stand auf und hörte, wie jemand die Treppen hoch kam. Ihr Herz fing wieder an zu rasen und schon ging die Tür auf.
„Hey, Schwuchtelkind!“, grinste Lars. Nelly verstand es nicht und blickte ihn nur fragend an.
„Willst du mal was echt Geiles sehen?“, der Rattenjunge, hielt eine DVD hoch. Nelly konnte noch nicht lesen, doch schon allein das Bild darauf gefiel ihr nicht.
„Das ist ein echt geiler Porno! Komm mit!“, Lars schnappte sich Nelly und zog sie mit in sein Zimmer. Er schloss die Tür zu und legte die DVD in den DVD-Player ein. Nelly schaute verwirrt auf den Bildschirm. Nelly fand den Film ziemlich langweilig, sie verstand nicht, was Lars daran toll fand.
„Ich will in mein Zimmer!“, meinte sie plötzlich und drehte sich zu Lars. Mit einem verstörten Blick sah sie, wie Lars seine rechte Hand in seine Hose getaucht hatte. Seinen Kopf hatte er lustvoll ins Genick gelegt und er stöhnte leise. Nun wollte Nelly erst recht hier raus! Sie sprang vom Bett, doch mit der anderen griff Lars nach ihr und hielt sie fest.
„Lass mich los!“, quiekte Nelly ängstlich und wollte sich los reisen, doch der Griff von Lars verstärkte sich. Nelly sah, wie die Hand des fünfzehn jährigen Jungen, in seiner Hose immer schneller wurde und sie hörte, wie er immer lauter stöhnte. Panik machte sich in ihr breit. Sie wollte hier weg! Sie wollte nicht von Lars berührt werden.
„Lars! Ich will das nicht mehr gucken!“
„Klappe...“, das Wort ging in einem lautenden Stöhnen unter. Nelly schaute ihn angewidert an und wollte sich losreisen, doch das kleine Mädchen kam nicht gegen den zehn Jahre älteren an. Sie schaute sich Hilfe suchend in dem Zimmer um und erstarrte plötzlich, als sie auch eine Hand an ihrer Hose spürte. Lars knöpfte sie auf und zog sie zu sich. Nun fing Nelly an, laut zu schreien. Panisch und voller Angst.
„Ruhe!“, zischte Lars, doch es war zu spät. Er hörte schon die schnellen Schritte auf dem Gang. Blitzschnell, nahm Lars die Hand von Nelly, drückte den Porno aus und zog die Hand aus seiner Hose.
„Lars! Lars mach’ die Tür auf!“, hörte er die wütende Stimme seiner Mutter. Mit einem zornigen Blick ging Lars an Nelly vorbei, drehte den Schlüssel um und riss die Tür auf.
„Was?“, blaffte er seine Mutter an. Nelly sauste zu Marie und klammerte sich ängstlich an ihren Rockzipfel.
„Was ist los? Was hast du gemacht?“
„Gar nichts! Ich hab sie nur ein bisschen geneckt und dann hat sie plötzlich angefangen zu schreien wie am Spieß!“
„Ich glaub dir nicht!“, sagte Marie kurzerhand. „Guck dir die doch mal an, die ist ja völlig verstört!“
„Bei dem Vater wäre ich das auch!“
„Lars!“, Marie schaute ihn sprachlos an, schüttelte den Kopf und ging. Nelly ließ ihren Rock dabei nicht los und folgte ihrer Adoptivmutter.
„Keine Sorge meine Kleine...“, seufzte die plötzlich traurig. Nelly schaute sie fragend an.
„Dein Vater kommt bald!“. Nellys Mund klappte auf und sie sah, wie Marie zwei kleine Tränen verdrückte.


14. Kapitel


Nach dreieinhalb Stunden Möbel, Tapete und anderen Sachen kaufen, kamen Tom und Bill völlig erschöpft wieder bei Bill zu Hause an.
„Bill...warum wohnst du im letzten Stock?“, fragte Tom und die beiden fingen an, die Sachen in die Wohnung zu bringen.
„Na ja, da oben hat man eben die schönste Aussicht!“.
Nach einer weiteren Stunde, hatten die Zwillinge alles nach oben gebracht.
Bill drehte sich zu Tom um und wollte etwas sagen, als ihm etwas auffiel.
„Mh...da hat wohl jemand angerufen!“, meinte er und ging zum Telefon.
„Ich wette es war David!“
„Mal gucken!“, Bill schaltete auf abhören und hörte eine verängstigte Stimme.
„Guten Tag Herr Kaulitz...hier ist Marie Wüst...die Pflegemutter von Nelly...es tut mir sehr leid...aber ich denke es wäre besser, wenn Sie Nelly so schnell wie möglich abholen kommen würden...ich kann sie nicht länger behalten...mein Mann und meine Söhne...die bringen die Kleine noch irgendwann um und...“, im Hintergrund war eine wütende Stimme zu hören.
„Was machst du da Marie...“
„Ich muss auflegen...verzeihen Sie mir!“. Damit war der Anruf beendet. Bill schaute erschrocken zu Tom und Tom dachte das gleiche wie er.
„Scheiß auf die Papiere vom Jugendamt! Wir müssen Nelly helfen!“, meinte Tom. Bill nickte.
„Aber wie sollen wir jetzt so schnell dahin kommen? Wir haben in drei Stunden ein Pressetermin!“
„Bill verdammt, deiner Tochter geht es schlecht! Sag den blöden Termin ab!“
„Aber...“
„Bill!“, Tom schaute ihn durchdringend an.
„Okay...“, Bill nahm sein Handy und wählte Davids Nummer. „David? Ich bins Bill...sag den Pressetermin ab!“
„Was wieso?“
„Weil ich zu meiner Tochter fahre! Es geht ihr nicht gut, ich hole sie wieder zu mir!“
„Was? Bill dass kannst du doch nicht...“
„Doch David ich kann und ich werde auch!“, meinte Bill und legte schon auf.
„Okay, los komm!“, die beiden gingen zu Bills Porsche. Das Auto war eindeutig schneller!

Es war schon halb zehn, als Nellys Schlafzimmertür aufging. Nelly wachte sofort auf. Keine einzige Nacht, hatte sie in diesem Haus so gut geschlafen, dass sie nicht schon vom kleinsten Geräusch wach wurde. Ängstlich zog sie sich die Decke über den Kopf und dachte an ihren Vater. Doch sie wusste, dass ihr Vater ihr nicht helfen konnte. Jemand stieg zu ihr ins Bett. Sie fing an ängstlich zu zittern, als sie spürte, wie jemand die Decke von ihr weg zog.
„Na Schwuchtelkind...“, hauchte ihr wer ins Ohr. Sie verkrampfte sich und dachte an den Film, den sie gestern gesehen hatte.
„Schläfst du auch schön?“
„Nein...“, stotterte das kleine Mädchen und drückte sich von dem Jungen weg.
„Na, dann ist ja gut!“, grinste der und griff nach ihrem Schlafanzugoberteil.
Nelly quiekte vor Schreck auf, doch schreien konnte sie nicht mehr. Lars drückte ihr seine dürre Hand auf den Mund.
„Weißt du, ich habe seit fünf Monaten nicht mehr gefickt...da kommst du mir gerade recht!“
Die Tränen schossen Nelly in die Augen. Sie hatte Angst. Sie wollte ihr weg. Sie wollte nicht, dass Lars sie anfasste. Lars fing an ihren Körper abzutasten. Zwischen ihren Beinen machte er halt. Nelly erstarrte und schürzte die Lippen. Sie schaute im Dunklen hoch zu Lars Gesicht, sie wusste nicht, wesen Ausdruck es zeigte, doch sie musste es gar nicht sehen. Nelly spürte regelrecht seine Gier. Er ließ seine Hand da, wo sie war, nur sein Griff verstärkte sich etwas und er zog sie an sich. Nelly regte sich nicht mehr. Sie war wie versteinert und verstand nicht was passierte.

Mit einem quietschen kam der Porsche vor dem Haus stehen und Bill riss die Tür seines Autos auf.
„Beeil dich Tom!“, meinte Bill und lief zur Haustür. Er klingelte Sturm. Die Tür wurde aufgerissen.
„Wissen Sie wie spät es ist?!“, blaffte ihn Frank an.
„Nicht zu spät um meine Tochter abholen zu kommen!“
„Wie bitte?“, der Mann rock stark nach Alkohol und Bill verzog angewidert das Gesicht.
„Ist Ihre Frau da?“
„Ja! Marie!“. Eine ängstliche Frau kam an die Tür.
„Herr Kaulitz! Gott sei Dank! So schnell habe ich sie gar nicht erwartet...kommen Sie. Ihre Tochter schläft bereits. Aber ich bin sicher, sie wird sich freuen, Sie zu sehen!“. Bill nickte und trat ein. Er hing seine Jacke auf und Marie führte Tom und ihn nach oben.
„Es tut mir wirklich leid...ich habe wirklich gehofft, dass mein Mann nicht mehr soviel trinken würde, wenn wir wieder ein kleines Kind im Haus haben...aber leider, war genau das Gegenteil der Fall! Ich kann Nelly nicht zumuten in so einem Verhältnis und in so einer schlechten Familie, wie wir es sind aufzuwachsen! Bitte schön!“, Marie drückte die Klinke runter, doch die Tür war verschlossen.
„Mh...merkwürdig...“, murmelte Marie und drückte die Klinke noch mal runter. Die Tür blieb zu.

Lars schaute erschrocken zur Tür, grinste jedoch, als ihm einfiel, dass er die Tür zwei Mal verschlossen hatte. Mit einem gierigen Grinsen, drehte er sich wieder dem kleinen Kind zu.
„Hast du schon mal mit jemandem gefickt?“, flüsterte er ihr ins Ohr. Nelly rührte sich immer noch nicht, sie wusste nicht mal was das Wort >>gefickt<< überhaupt bedeutete!
„Nein? Hast du schon mal jemanden eine geblasen? Bestimmt nicht...na ja...“, Lars flüsterte und hörte, wie die Türklinke wieder runter gedrückt wurde. Er kicherte hämisch und leise und drückte seine Erregung gegen Nelly. Die schnappte nach Luft. Was wollte Lars nur? Der Junge fing an sein Becken rauf und runter zu Bewegen und drückte Nelly immer mehr an sich. Dem kleinen Mädchen fingen an stumme Tränen über die Wangen zu laufen. Sie wollte das nicht! Er sollte aufhören! Doch Lars machte immer weiter und eine Hand, fand den Weg zu Nellys Hintern.
„Boah ist das geil...“, flüsterte er und zog an Nellys Hose.

„Haben Sie das gerade auch gehört?“, fragte Bill vor der Tür.
„Was?“
„Eine Stimme...eine Jungenstimme!“, sagte Tom und nickte Bill zu.
„Genau...“
„Mh...Bruno und Lars sind nicht zu Hause. Sie sind auf einer Party, von einem Freund!“
„Sind Sie sicher?“, fragte Tom und Marie nickte.
„Ich hab die beiden selbst hingefahren...und zurückkommen habe ich sie noch nicht gehört!“
Nelly spürte, wie Lars ihr über den Hintern strich und ein Schauer lief ihr über den Rücken.
„Boah...ah...“, fing Lars an zu stöhnen und rieb sich immer schneller an der Kleinen.
„Jetzt hab ich aber ganz deutlich etwas gehört!“, meinte Bill und schlitze die Augen.
„Entschuldigen Sie Frau Wüst, ich komme auch für den Schaden auf!“. Bill trat knapp über dem Schlüsselloch gegen die Tür und sie krachte auf. Und nun hörten sie ganz deutlich das Stöhnen von Lars.


15. Kapitel


„LARS! WAS TUST DU DA!“, schrie seine Mutter.
„Lass sie in Ruhe!“, Bill riss den Jungen von seiner Tochter weg, als der Handgreiflich werden wollte, drehte Bill sich um und schlug dem Jungen mitten ins Gesicht. Lars taumelte und kippte nach hinten. Seine Mutter kümmerte es nicht. Sie kniete sich zu Nelly. Das arme kleine Ding zitterte. Bill kam zu ihr und zog ihr ihre Hose wieder hoch.
„Papa...“, schluchzte sie und fiel ihm um den Hals.
„Keine Sorge, Nelly...jetzt wird wieder alles gut...das verspreche ich dir!“
„Holst du mich nach Hause?“
„Ja...ja und ich werde dich nie wieder weggeben! In meinem ganzen Leben nicht!“, Bill drückte sie zärtlich an sich und strich ihr beruhigend über den Hinterkopf. Nelly vergrub ihr verweintes Gesicht in seiner Schulter und Bill hob sie hoch. Er drehte sich zu Marie, die ihren Sohn angewidert anstarrte.
„Es reicht mir langsam mit euch drei! Ich werde dich in eine Klinik einweisen lassen! Ihr seid doch nicht mehr ganz normal...“, Marie drehte sich zu Bill und Tom und blickte die beiden entschuldigend an.
„Es tut mir leid...vielleicht, hätte ich schon früher reagieren sollen...“
„Ich bin froh, dass Sie überhaupt reagiert haben!“, meinte Bill und gab seiner Tochter einen flüchtigen Kuss auf die Wange.
„So...Tom, packst du ihre Sachen? Ich bringe die Kleine runter ins Auto.“. Nelly klammerte sich ängstlich an ihren Vater. Der lächelte sie sanft an.
„Keine Sorge Nelly...bei mir passiert dir nichts mehr!“.
„Ich hab dich so vermisst...“
„Ich dich auch!“, Bill küsste ihr eine Träne weg und brachte sie runter ins Auto. Tom packte ihre ganzen Sachen zusammen und brachte sie in den Porschen. Nelly saß auf dem Beifahrersitz, also ging Tom nach hinten. Bill ging noch mal zu Marie, die an der Tür stand.
„Danke dass wenigstens Sie auf meine Tochter aufgepasst haben...für die Tür werde ich natürlich bezahlen und...“
„Sie sind mir nichts schuldig! Versprechen Sie mir einfach nur, dass sie Nelly ein schönes Leben bereiten...“
„Okay, versprochen...aber ich kann wirklich die Tür...“
„Es ist gut...Fahren Sie jetzt. Ich denke Ihre Tochter will nach Hause!“. Bill schaute über seine Schulter in den Wagen. Nelly blickte sehnsüchtig zu ihm rüber. Er lächelte sie an und drehte sich wieder zu Marie.
„An Ihrer Stelle würde ich mich scheiden lassen und die Jungs bei ihrem Vater lassen!“
„Ich werde darüber nachdenken!“, Marie schüttelte Bill die Hand und schloss dann die Tür.
Bill drehte sich zu dem Wagen um und stieg ein.
„So...und jetzt kommst du wieder zu mir nach Hause! Onkel Tom und ich, wir sind übrigens dabei dir ein eigenes Zimmer einzurichten!“
Nelly sagte nicht. Bill schluckte, er hoffte so sehr, dass diese Erlebnisse sie nicht negativ geprägt hatten. Doch wie sollte das ein fünf Jähriges Kind verkraften?
Tom schien dieselben Gedanken zu haben, denn im Rückspiegel fand Bill den Blick seines Bruders, der Bände sprach!
Bill seufzte, startete den Motor und fuhr los.

Auf der Fahrt wurde wieder kaum geredet. Und nach drei Stunden anschweigen, waren sie auch schon wieder da.
„So...du musst aber leider noch auf der Couch schlafen...dein Zimmer ist noch nicht fertig!“, erklärte Bill und trug Nelly die Treppe hoch. Die Kleine nickte und lehnte sich an Bill.
„Hey...alles in Ordnung...ich bin ja jetzt wieder bei dir!“, er gab ihr einen Kuss und schloss die Wohnungstür auf.
„Magst du Prinzessin Lillifee?“, fragte Bill und setzte sie auf dem Sofa ab. Ein leises >>Ja<< war zu hören.
„Oh gut...dann gefällt dir dein Zimmer ja hoffentlich.“, grinste Bill.
„Wir haben nämlich Prinzessin Lillifeetapete gekauft!“, meinte Tom.
„Wirklich?“, Nellys Miene hellte sich etwas auf.
„Ja...willst du mal gucken?“, fragte Bill und Nelly nickte.
„Na dann komm mit!“, Bill nahm ihre Hand und führte sie zu ihrem baldigen Zimmer.
„So...und hier ist die Tapete!“, Tom gab ihr eine der Rollen. Da Tapete war pink und hatte kleinen Lilllifeenfiguren darauf.
„Die ist schön!“
„Toll, dass sie dir gefällt!“, meinte Bill.
„Jap, dein Vater hat dir aber auch noch was gekauft“, erklärte Tom. Nelly schaute Bill fragend an. Der lächelte, nickte und ging aus dem Zimmer.
„Was denn?“, Nelly drehte sich zu Onkel Tom. Der grinste.
„Das siehst du ja jetzt gleich!“
Bill kam zurück und versteckte etwas hinter seinem Rücken.
„Was hast du da?“, fragte Nelly und lief zu ihrem Vater.
„Ich hab hier...Prinzessin Lillifee!“, Bill hielt ihr eine Stoffpuppe hin. Nellys Augen fingen an zu strahlen und sie drückte die Puppe liebevoll an sich.
„Danke schön Papa!“, lächelte sie glücklich. Bill schaute Tom an, der ebenfalls lächelte und ihm zu nickte.
Gut gemacht Bill!, dachte Tom und wandte sich zur Tür.
„So...ich denke ich fahre dann mal nach Hause! Ihr beide kommt sicherlich alleine zurecht!“
„Natürlich...Tschüss Tom!“
„Tschüss ihr beiden!“, Tom winkte den Beiden zu und ging.

Diese Nacht schlief Nelly wieder bei ihrem Vater. Es war ruhig und nicht ganz dunkel, weil Nelly sich sonst sicherlich fürchten würde. Nelly lag ganz still da und Bill hörte ihrem Atem zu. Er war heilfroh, dass dieses Erlebnis sie wohl nicht allzu sehr mitgenommen hatte. Bill schloss gerade seine Augen, als er eine Hand an seiner Boxershorts spürte. Sofort griff er ihre Hand.
„Ähm...was hast du vor?“
„Ich will wissen ob du auch so was wie Lars hast!“.
Bill riss erschrocken die Augen auf, setzte sich auf und knipste die Nachttischlampe an.
„Hast du das etwa gesehen?!“, fragte er schockiert. Seine Tochter schüttelte den Kopf.
„Aber ich hab es gespürt! Er hat es an mich gedrückt und sich bewegt...das schien ihm zu gefallen! Hast du so was auch?“
„Ich...ähm...nun...ja, ich hab so was! Aber ich will dich damit ganz bestimmt nicht berühren!“
„Wieso nicht...Lars hat es gefallen!“
„Mir würde es nicht gefallen! Lars durfte das eigentlich mit dir gar nicht machen! Es ist verboten mit einem so jungen Menschen wie dir so etwas Perverses zu tun!“
„Was heißt pervers?“
„Mh...na ja...das ist nicht so leicht zu erklären! Es heißt so viel wie Verdreht und...na ja, man sagt es, wenn jemand etwas macht, dass nicht der Moral entspricht...“
„Versteh’ ich nicht...“
„Das musst du auch noch nicht! Aber du musst wissen, dass ich niemals das machen werde, was Lars getan hat! Sicherlich wolltest du das auch gar nicht!“
„Nein! Ich wollte das nicht...“
„Siehst du!“
„Warum hat es ihm gefallen?“
„Äh...“, Bill blickte seine Tochter angestrengt an. Sollte er ihr das jetzt erzählen?
„Sag’ schon, Papa!“


16. Kapitel


Bill seufzte.
„Lars hat das ganze gefallen, weil er...na ja...“
„Was?“
„Hat deine Mum dir jemals etwas von den Bienchen und den Blümchen erzählt?“
„Nein...ich hab aber Biene Maja mal geguckt.“. Bill lächelte sanft.
„Ich meine aber etwas ganz anders!“
„Was meinst du dann?“
„Ich glaube, dafür bist du noch zu jung!“
„Och Papa...sag’!“
„Nein!“
„Sag’!“
„Nein!“
„Sag’, sag’, sag’, sag’, sag’!“
„Du willst es also wirklich wissen?“
„Ja!“, grinste Nelly und setzte sich auf Bills Bauch. Bill winkelte die Knie an und Nelly lehnte sich entspannt dagegen. Bill fühlte sich gar nicht so wohl. Wie sollte er denn bloß einem fünf Jährigen Kind das mit dem Sex erklären?
„Also?“, fragte Nelly. Bill nahm tief Luft und fing an.
„Na ja...mit Bienchen und Blümchen, werde ich dir das nicht erklären können. Der Vergleich hinkt etwas! Na ja...auf jeden Fall. Weißt du das...Teil...was du bei Lars gespürt hast das...“
„Was ist das?“, fragte Nelly sofort. Bill seufzte wieder und verdrehte die Augen.
„Wie soll ich das sagen...Das ist...ein...ein...“, Bill suchte nach Worten. „Das ist halt ein...“
„Ein?“
„Ein...ein...ein Pippimann! Genau! Das ist ein Pippimann!“
„Hab ich auch einen Pippimann?“
„Äh...nein! Du hast...äh...ja also...du hast...genau! Du hast eine Pippifrau! Weil du ja ein Mädchen bist!“
„Ah...okay.“
„Na ja...auf jeden Fall, der Pippimann ist ziemlich empfindlich und reagiert schon auf die kleinste Berührung. Und die Berührung durch dich...das fand der Pippimann von Lars halt...ziemlich, ziemlich schön und...na ja...“. Bill beendete den Satz. Er hatte keine Ahnung, wie das Gespräch weiterlaufen sollte.
„Und was ist das jetzt mit den Bienchen und den Blümchen?“
„Oh, Gott, du stellst Fragen!“, seufzte Bill und lächelte seine Tochter an. Die lächelte nur entschuldigend.
„Na gut...also...wenn ein Mann und eine Frau sich sehr mögen, wenn sie sich lieben und am besten, dass ganze Leben mit einander verbringen wollen, dann gibt es manchmal so Moment, wo Mann und Frau ein heftiges Verlangen nach extremer Nähe haben! Meistens fängt es mit kleinen Berührungen an. Und irgendwann...na ja, führt der Mann seinen Pippimann in die Pippifrau von der Frau. Und dann finden sie das beide sehr schön! Das macht sie glücklich! Aber natürlich darf man das nur tun, wenn es auch beide wirklich wollen! Ansonsten macht man sich strafbar! Denn wenn die Frau es zum Beispiel nicht will und sich...mal angenommen verkrampft, tut ihr das alles unglaublich weh! Oder wenn ein Mann, dass mit einem so kleinen Kind wie dir macht! Du bist noch im wahrsten Sinne des Wortes zu klein dafür! Das würde dir höllisch wehtun.“
„Wieso?“
„Weil...weil du einfach zu klein bist und dich sicherlich auch verkrampfen würdest!“
„Und was passiert dann mit dem Mann und der Frau?“
„Wenn die beiden es wollen, dann kann aus diesem Geschehen ein Baby werde!“
„Wie denn?“
„Ähm...na ja...der Pippimann bringt etwas mit sich...hast du schon mal Froschbabys gesehen?“
„Ja! Die sehen total süß aus!“
„Und so was ähnliches bringt der Pippimann mit sich! Nur ganz, ganz, ganz, ganz klein! Das können wir mit bloßem Auge gar nicht sehen, so klein ist das! Und...diese kleinen Tierchen, wenn du so sagen willst, die schwimmen dann in der Pippifrau rum, bis sie irgendwann...eine...eine gemütliche Blase finden und sich da einnisten!“
„Bin ich auch so entstanden?“
„Ja! Wir sind alle so entstanden!“
„Und was...wenn man kein Baby will?“
„Dann gibt es verschiedene Methoden, dass zu verhindern!“
„Zum Beispiel!“
„Du bist echt neugierig!“
„Tut mir leid...“, meinte Nelly entschuldigend.
„Na ja...schon gut, irgendwann müsste ich es dir sowieso erklären, wenn ich nicht will, dass das Fernsehen das macht...okay. Also...es gibt zum Beispiel das Kondom...“
„Was ist das?“
„Ich zeig dir gleich mal eins!“
„Wirklich?“
„Ja...aber zu erst erklär’ ich dir das mal. Also, ein Kondom ist so was wie ein Anzug für den Pippimann und wenn der Pippimann dann in der Pippifrau seinen Tierchen freilassen will und der Pippimann, hat seinen Anzug an, dann können die Tierchen nicht durch den Anzug und können sich nicht in der gemütlichen Blase einrichten!“
„Ah...zeigst du mir jetzt den Anzug?“
„Wenn es denn sein muss...“, Bill öffnete eine Schublade von seinem Nachttischen und nahm ein Kondom raus.
„Das ist aber ein komischer Anzug...“
„Das ist ja auch nur die Verpackung.“, grinste Bill, nahm es seiner Tochter aus der Hand und öffnete die Verpackung.
„Das ist der Anzug.“
„Das sieht aber auch komisch aus...“
„Es ist halt ein Spezial-Anzug!“
„Ziehst du es deinem Pippimann mal an?“
„Was?!“, Bill schaute sie verdattert an.
„Zeigst du es mir?“
„Nein! Dafür bist du jetzt aber wirklich noch zu jung! Das kann dir irgendwann mal dein Freund in so zehn Jahren zeigen, aber nicht ich!“
„Wieso denn nicht?“
„So etwas ist verboten! Ich darf das nicht vor dir machen! Aber auch wenn es erlaubt wäre, würde ich das nicht machen!“
„Warum denn nicht? Sag’!“
„Na ja...es hat etwas mit der Privatsphäre zu tun und außerdem, bist du noch zu jung um so etwas zu sehen! Also...“
„Okay...schon gut.“
Bill legte das Kondom weg und seufzte. Er legte seine Beine wieder hin und seine kleine Tochter legte sich auf seinen Bauch, verschränkte die Arme auf Bills Brust, legte ihren Kopf drauf und schaute Bill ins Gesicht.
„Was ist?“, fragte Bill.
„Mama hat immer gesagt, mein Vater hätte schöne Augen gehabt...jetzt will ich gucken, ob das stimmt.“. Bill lächelte.
„Deine Mutter hatte auch sehr schöne Augen...deine sehen fast genau so aus wie ihre. Nur einen Hauch dunkler...ich glaube, das ist die Schuld von meinen braunen Augen!“
„Deine Augen sind aber wirklich schön...“
„Danke! Wollten wir nicht eigentlich schlafen?“
„Ich bin noch nicht müde...“
„Ach ja? Da weiß ich aber einen Weg, wie man das ändern kann!“
„Wie denn?“
„Hat Mama dir mal vorgesungen? Also, hat sich dich mal in den Schlaf gesungen?“
„Manchmal...“
„Soll ich das auch mal probieren?“
„Oh ja...“, meinte Nelly, rollte sich von ihrem Vater und schaute ihn gespannt an. Bill setzte sich auf, stützte sich mit den Armen nach hinten ab und drehte sein Gesicht zu seiner Tochter. Er lächelte und deckte sie behutsam zu.
Nelly schaute ihn immer noch gespannt an.
„Du kannst schön singen!“
„Findest du?“, fragte Bill und setzte sich gerade hin.
„Bei deiner Arbeit singst du immer schön!“. Bill lächelte sie dankbar an und fing an ein ruhiges, sanftes Schlaflied zu singen, was früher immer seine Mutter für ihn und Tom gesungen hatte.
Schon bald fing Nelly an zu gähnen und schlief bald.
„Schlaf gut, meine süße Kleine...“, flüsterte Bill und gab ihr einen gute Nachtkuss. Dann legte auch er sich schlafen.


17. Kapitel


Am nächsten Morgen, weckte ein verdächtiges Geräusch Bill auf. Er setzte sich rasch auf und sah, dass das Bett neben ihm leer war. Bill sprang aus dem Bett und lief in die Küche. Er sah gerade noch so, wie Nelly auf einem wackeligen Hocker stand und in einem Schrank wühlte. Schon kippte der Hocker. Bill schnellte vor und riss Nelly schützend an sich. Einige Schüsseln und Töpfe, fielen zu Boden und hätten Nelly mit Sicherheit erschlagen.
„Nelly!“, schrie Bill wütend. „Spinnst du?“
„Ich...ich...“, stotterte die Kleine und schaute ihren Vater ängstlich an.
„Weißt du denn eigentlich was da hätte passieren können?!?“
Nelly bekam Tränen in die Augen. Sie hasste es angeschrieen zu werden. Bill wollte gerade wieder anfangen zu schreien, als er bemerkte, was er da tat.
„Tut mir leid Nelly...“, nun drückte er sie sanft an sich und strich ihr über den Kopf.
„Ich wollte dich nicht so anschreien...ich hab mich nur so erschreckt...fehlt dir auch nichts?“
„Mir...mir geht’s gut!“, meinte Nelly. Bill atmete hörbar auf und küsste seine Tochter.
„Tut mir wirklich leid...“
„Nicht schlimm...“, Nelly legte ihre Arme um Bills Hals.
„Was wolltest du denn da oben?“, fragte Bill und bahnte sich den Weg zum Schrank.
„Ich wollte mir etwas zum naschen holen!“
„Vor dem Frühstück?“, fragte Bill und griff ins oberste Regal des Schranks.
„Ja...“, Nelly nickte.
„Aber nur eine Kleinigkeit!“, Bill gab ihr ein kleines Päckchen Gummibären und Nelly freute sich riesig darüber. Bill ließ sie seufzend runter.
„Und wenn du das nächste mal etwas willst, dann frag mich einfach!“, Bill fing an die Töpfe und die Schüsseln aufzuheben.
„Aber du hast noch geschlafen!“
„Na und...dann weckst du mich eben! Ich stehe lieber früher auf, anstatt ich dich später tot hier liegen sehe. Erschlagen von Pfannen und Töpfen!“.
Nun kicherte Nelly etwas.
„Ich meine das ernst!“, meinte Bill und stellte die Sachen zurück. Nelly aß inzwischen genüssliche ihre Gummibärchen.
„So...und was willst du frühstücken?“
„Mh...ich weiß nicht.“
„Willst du wieder Müsli?“
„Ich hab ja eigentlich gar keinen Hunger.“
„Aber naschen kannst du?“
„Naschen kann man immer.“. Bill schmunzelte. Das konnte man wirklich immer gut.
„Na gut...dafür ist du aber heute Mittag was!“
„Mach ich doch sowieso immer. Machen wir jetzt bei meinem Zimmer weiter?“
„Da müssen die Anderen erst mal kommen!“
„Die Anderen? Wer kommt denn alles? Kenn ich die?“
„Ja!“, antwortete Bill und machte sich einen Kaffe. „Onkel Tom, Onkel Georg und Onkel Gustav! Die helfen uns beim renoieren!“
„Ui...dann hab ich ja bald mein neues Zimmer!“, Nelly lächelte. Bill grinste.
„Genau! Freust du dich denn schon?“
„Ja! Das muss ganz, ganz schnell gehen!“
„So schnell wird es wohl nicht gehen. Schließlich soll es später ja auch gut aussehen!“
„Och mäno...“. Bill lächelte und hob die Kleine hoch.
„Aber wenn du willst, können wir schon mal die Tapete auspacken!“
„Jaaa!“, Nelly schlang die Arme um seinen Hals und Bill druck seine kleine Tochter in ihr baldiges Zimmer.

Es war halb drei, als es an Bills Tür klingelte. Bill, der sich in zwischen Zeit auch mal angezogen hatte, ging an die Tür und drückte die Haustür auf. Er hörte seine Jungs durchs ganze Haus lachen.
„Die sind so laut wie eine Herde Elefanten!“, meinte Bill und schüttelte den Kopf.
Nelly nickte kichernd.
„Onkel Tom!“, sie sprang ihrem Onkel um den Hals, als der die Tür rein kam.
„Hey...und, schon etwas gemacht?“
„Papa hat schon mal ein Regal aufgebaut...das steht aber noch im Flur!“
„Oh...super! Wenn wir alle zu viert arbeiten, dann werden wir mit der Tapete sicherlich schnell fertig!“
„Was heißt denn wir vier?“, fragte Nelly eingeschnappt. Bill lachte etwas und nahm sie Tom auf den Arm.
„Du kannst nicht bei den Tapeten helfen! Du kannst nur eins machen!“
„Und was?“, Nelly schaute ihren Vater fragend an.
„Du musst aufpassen, dass wir auch alles richtig machen!“
„Dann bin ich die Anführerin?“
„So zu sagen ja!“, grinste Bill und gab ihr einen Eskimokuss. Nelly grinste und gab ihm schließlich einen richtigen Kuss. Georg und Gustav lächelten und die fünf fingen mit der Arbeit an.
Die fünf hatten viel zu lachen. Besonders als Bill seiner kleinen Tochter eine Zeitungsmalermütze bastelte und sie ihr aufsetzte.
„So, willst du auch mal?“, Bill hob sie hoch und Nelly pappte vorsichtig ein Stück Tapete an die Wand. Gustav, machte den unteren Teil an die Wand.

Nach vier Stunden Arbeit, ließen sich die vier müde auf Bills Sofa fallen.
„Na ja, die Wände sind wenigstens fertig!“, sagte Georg ausgepowert und legte den Kopf zurück. Nelly kletterte auf Bills Schoß. Der legte müde seine Arme um sie und gab ihr einen Kuss.
„Bist du mit dem Ergebnis denn zu frieden?“
„Oh ja...danke!“, Nelly gab ihm einen Kuss auf die Wangen und lehnte sich an seine Brust. Auch sie war müde, obwohl sie gar nicht viel gearbeitet hatte. Sie gähnte ausgiebig und Bill lächelte.
„Heute Abend kannst du da aber noch nicht schlafen! Soll ich dich ins Bett bringen?“. Nelly schüttelte heftig den Kopf.
„Wieso denn nicht? Du bist doch müde...“
„Nein...stimmt doch gar nicht...“, wieder gähnte sie. Bill grinste.
„Ach nein?“
„Nein!“
„Gut...dann halt nicht!“.
Nach fünf Minuten Erwachsenengespräch, war das kleine Ding auf Bills Brust eingeschlafen. Er lächelte und legte behutsam seine Hand an ihren Hinterkopf.
„Bringst du sie jetzt ins Bett?“, fragte Tom.
„Wenn ihr nichts dagegen habt, wollte ich das jetzt machen...“
„Okay...“, Tom nickte und Bill stand mit der Kleinen auf dem Arm auf. Er ging in sein Zimmer, drehte den Lichtregler auf und zog seine Tochter um. Die Kleine war so müde, dass sie dabei nicht mal aufwachte. Dann deckte er das Mädchen zu und gab ihr einen gute Nacht Kuss.
„Schlaf gut meine Süße...“
„Gott du bist so ein süßer Vater Bill!“, Bill drehte sich um. Tom, Georg und Gustav standen in der Tür und lächelten zu ihm rüber.
„Danke schön...ich gib mir auch wirklich Mühe!“
„Wann sollen wir morgen denn wieder kommen?“
„So wie heute um den Dreh rum!“, meinte Bill.
Georg nickte.
„Okay...“
„Dann fahr ich jetzt mal nach Hause!“, meinte Gustav und zog seine Jacke an.
„Ich auch...“, Georg ging ebenfalls zur Tür. Nur Tom blieb noch etwas.
„Mein Gott...ich bin so froh, dass sie wieder bei mir ist!“, meinte Bill und schenkte Tom ein Glas Wein ein. Der nickte und nahm sofort einen Schluck.
„Das ist auch wirklich besser so. Du warst ja völlig verstört ohne sie!“


18. Kapitel


~Vier Tage später~
„Fertig!“, Bill ließ sich aufs Sofa fallen. Nelly kam ihm hinterher und kuschelte sich an ihn.
„Na...zufrieden? Heute Nacht kannst du das erste Mal in deinem eigenem Zimmer schlafen!“
„Das ist toll...“, lächelte Nelly und Bill legte den Arm um sie. Er gab ihr einen Kuss. Nellys Zimmer war endlich fertig. Die letzten Sachen hatte er allein gemacht. Es war ein richtiges Prinzessinnenzimmer geworden. Alles in rosa und pink, mit Prinzessin Lillifee und vielen Kuscheltieren in der Kuschelecke.
„Das ist viel größer als mein anderes in Köln...“
„Wirklich?“, fragte Bill überrascht, denn Nellys Zimmer war das kleinste in der Wohnung.
„Ja...unsre alte Wohnung war total klein!“, erklärte das Mädchen.
„Na ja, aber jetzt wohnst du ja bei mir!“
„Genau...und ich will dich nie mehr verlieren!“, sie schmiegte sich an ihn und Bill gab ihr einen Kuss.
„Das werde ich niemals zu lassen!“, erklärte er.
„Darf ich jetzt schlafen gehen?“, fragte Nelly. Bill lachte.
„Klar darfst du das!“, er schaute auf die Uhr. Halb neun.
„Es wird ja auch langsam mal zeit!“, damit hob er sie hoch und brachte sie zu ihrem Zimmer.
„Nächstes Jahr muss ich in die Schule!“. Bill runzelte die Stirn. Sie hatte Recht! Darüber hatte er noch gar nicht nachgedacht. Wie sollte das denn gehen? Wenn er ständig unterwegs wäre, er konnte sie ja schlecht das ganze Jahr über alleine lassen. Na ja, dann bekam sie eben einen Privatlehrer.
„So...schlaf gut!“, meinte Bill, als es sich Nelly unter ihrer Decke schon gemütlich gemacht hatte. Er beugte sich zu ihr runter und küsste sie.
„Papa...“
„Mh?“
„Was ist mit dem Licht?“. Bill lächelte triumphierend und steckte etwas in eine Steckdose. Nelly lächelte, als sie die Nachtlampe erkannte.
„Du bist der Beste!“, meinte sie und gab ihm noch mal einen flüchtigen Kuss.
„Danke...“, Bill zog noch etwas an der Decke und löschte dann das große Licht.
„Also...schlaf gut in deinem eigenen Zimmer!“
„Mach ich...gute Nacht!“.
Bill schloss die Tür und ging zurück ins Wohnzimmer. Er seufzte. Wie konnte er bisher nur ohne das kleine Ding auskommen? Er wusste es nicht mehr. Er fühlte sich ja jetzt, wo sie nur im Raum neben an schlief, so einsam, als würde kein Mensch ihn lieben. Wie konnte er es nur so lange so einsam aushalten? Er setzte sich auf einen Sessel und zog die Knie an. Plötzlich kam ihm ein fürchterlicher Gedanke. Was, wenn er das kleine Würmchen dahinten irgendwie verlieren würde? Er schüttelte den Kopf. Daran wollte er gar nicht denken. Das wäre furchtbar! Das wäre sein Ende! Aber wie er schon gesagt hatte, er würde niemals zu lassen, dass noch mal jemand ihr etwas antun würde! Wenn nötig, würde er ihr einen eigenen Bodyguard zuteilen. Aber ob das reichen würde? Er griff nach einem Stapel Zeitschriften, die auf dem Glastisch lagen und schaute ihre Covers durch. Bei Bravo blieb er hängen. Er war auf dem Titelblatt:
SO SÜß IST BILL ALS VATER!
Schnell blätterte er das Jugendmagazin durch, bis er die Seite über Nelly und sich gefunden hatte.
>>Vor ungefähr zwei Wochen gingen diese Bilder um ganz Europa! Bill Kaulitz mit einem kleinen Mädchen an der Hand. Sofort wurden Fragen gestellt. Wer ist dieses Mädchen? Ist sie Bills Tochter? Wer ist nur die Mutter? Böse Zungen behaupteten, Bill wäre ein pädophilier Mensch. Doch es stellt sich vor kurzem heraus, es ist wirklich Bills kleine Tochter. Das süße Mädchen ist fünf Jahre alt und heißt Nelly. Wer die Mutter ist, und überhaupt wo die Mutter ist, ist bis heute noch nicht geklärt. Doch auch bei Bill scheint sich die kleine Nelly wohl zu fühlen, wie diese neuen Bilder zeigen!<<
Bill blickte sich die Fotos an und schüttelte den Kopf. Wieso mussten die Paparzzie nur so aufdringlich sein. Es waren brandneue Fotos. Noch nicht mal eine Woche alt! Bill sah sich selbst, wie er ganz behutsam mit Nelly auf den Arm aus dem Haus kam und zum Auto brachte. Wie er mit ihr ein Eis aß oder wie er mit ihr Schuhe kaufen ging. Ein altes war dabei. Er stieg mit ihr in den Tourbus.
>>Jedoch ist fraglich ob Bill die Kleine wirklich mit auf Tour nehmen sollte, denn sicherlich ist so viel reisen für so ein kleines Kind nicht gut.<< Bill warf die Zeitung wütend zurück auf den Tisch. Er hasste die Presse. Sie dachte immer, sie könnte sich überall einmischen, ohne Konsequenzen. Nelly ging sie doch überhaupt gar nichts an! Trotzdem stürzten sich die ganzen Paparazzie sich nun doppelt so oft auf ihn, als wenn er ohne Nelly rum ging. Er versuchte ihnen dann immer klar zu machen, dass Nelly kein Star wäre. Nelly war ein normales Kind, was unglücklicher Weise, einen berühmten Vater hatte, doch das war kein Grund, sie nun schon so unter das Blitzlichtgewitter zu stellen. Er stand auf und ging in seine Küche, wo er sich erst mal ein Glas Cola einschenkte. In den nächsten Wochen hatte er wieder verdammt viel zu tun und, auch wenn er es nicht wahr haben wollte, die Bravo hatte Recht. Er konnte Nelly nicht überall hin mitschleppen. Es blieb ihm wohl keine andere Wahl, er brauchte für die nächsten zwei Wochen einen Babysitter. Sofort kam ihm jemand in den Sinn. Zwei Stockwerke unter ihm, wohnte eine etwas ältere, dickliche Dame. Frau Halle. Nett, Führsorglich, einfach halt so wie eine Oma. Sie mochte Nelly, dass hatte er schon längst gemerkt und warum sollte sie nicht mal ein zwei Abende auf die Kleine aufpassen? Sicherlich wäre das eine gute Lösung. Er lächelte, und so hatte er auch mal wieder dieses Problem gelöst. Jetzt musste nur noch Frau Halle mitspielen. Aber sicherlich, würde sie sich riesig freuen und sofort zu sagen.
Bill schluckte seinen letzten Rest Cola und spülte schnell noch das Glas, bevor er sich umzog und ins Bett ging. Morgen müsste er unbedingt Frau Halle fragen, ob sie Lust hätte, ab der nächsten Woche ein paar Abende auf Nelly aufzupassen. Bill gähnte, streckte sich etwas und drehte sich auf die Seite. Da fielen ihm wieder die Zeilen aus der Bravo ein. Ein Wort hatte ihn besonders wütend gemacht. Pädophil! Ein Schauer lief seinen Rücken runter. Nicht er war das, sondern dieser Lars. Lars hätte Nelly fast vergewaltigt.
„Aber du hast sie gerettet Bill...du hast das geschafft...“, nuschelte er und schloss die Augen. Er würde auch noch die anderen Sachen schaffen, die seine kleine Tochter mit sich brachte.


19. Kapitel


„Guten Morgen, Nelly...“, Bill machte langsam die Tür auf und lugte durch den Türspalt, ob Nelly wach wäre. Die Kleine setzte sich auf und strahlte ihren Vater an.
„Na...gut geschlafen?“
„Oh ja...“
„Hast du auch etwas schönes geträumt?“, Bill kam ins Zimmer und hob sie vom Bett hoch.
„Ja!“
„Und was?“
„Ich hab mit Bob dem Baumeister einen Bauernhof gebaut und dann kamst du und hast uns geholfen!“
„Ah ha! Und, wurden wir fertig?“
„Ja! Vor allem als du da warst!“, Nelly kuschelte sich an ihren Vater und küsste ihn. „Ich hab dich lieb!“
„Ich dich auch meine Süße!“, Bill küsste sie und trug sie in die Küche.
„Hast du Hunger?“
„Ja!“
„Und was willst du?“
„Eine Banane!“
„Ich wusste ja gar nicht, dass du das ist!“, grinste Bill, nahm eine Banane, machte sie auf und hielt sie seiner kleinen Tochter hin. Nelly griff freudig die Banane und verschlang sie.
„Mein Gott, du musst aber hungrig sein. Willst du noch eine?“
„Nein...das reicht. Was machen wir heute?“. Bill seufzte.
„Ich hab heute ein paar wichtige Sachen zu erledigen und kann dich leider nicht mitnehmen...“
„Du gibst mich doch nicht wieder weg, oder?“
„Nein! Nein! Um Gottes Willen nein! Aber ich dachte vielleicht, könnte ich ja einen Babysitter organisieren, der heute etwas auf dich aufpasst.“
„Wann kommst du denn wieder?“
„Heute Abend so um halb elf, dann müsstest du schon eigentlich im Bett sein.“
„Aber du kommst zurück?“
„Großes Ehrenwort! Wenn nicht, dann soll mich der Teufel holen!“
„Okay...wer soll den auf mich aufpassen?“
„Ich hab da an Frau Halle gedacht! Weißt du, die nette Frau, die ein paar Stockwerke unter uns lebt!“
„Ach so...okay.“
„Sollen wir sie mal fragen gehen? Dann kann sie um zwölf ja hier hoch kommen.“
Nelly nickte und Bill ging mit ihr zwei Stockwerke tiefer, bei Frau Halle klingeln. Frau Halle machte auf und war überrascht, als sie Bill und Nelly sah.
„Äh...kann ich Ihnen irgendwie helfen!“
„Ja, das können Sie!“, lächelte Bill und schaute auf Nelly runter. „Ich...ich muss heute echt viel Arbeiten und ich dachte, dass Sie vielleicht Zeit hätten, heute mal einen Tag auf Nelly aufzupassen!“.
Frau Halle lächelte.
„Aber natürlich pass ich auf die Kleine auf. Wann müssen Sie denn weg?“
„So um viertel nach zwölf. Vielleicht können Sie ja um zwölf in meine Wohnung kommen, dann zeig ich Ihnen alles!“
„Gerne!“
„Okay, dann bis zwölf Uhr!“, Bill und Nelly verabschiedeten sich und gingen zurück.
„Die Frau ist doch nett!“, meinte Bill zu Nelly. Die nickte.
„Ja...aber du bist netter!“, Nelly sprang ihrem Vater an den Rücken, der fing sie auf und ging mit ihr auf dem Rücken, Huckepack das letzte Stockwerk nach oben.
„Boah...das ist gemütlich...“, meinte Nelly und machte es sich auf Bills Rücken bequem.
„Ja, ja...Papa der Packesel, richtig?“
„Nein...“, Nelly schüttelte den Kopf. „Papa, der Träger!“.
Bill schmunzelte und setzte sie vor der Wohnungstür ab.
„Papa, was musst du denn alles arbeiten?“
„Och...ich muss von einem Termin zum anderen hetzen...Fotoshoot, Interview, ein Auftritt...“
„Und warum kann ich nicht mit?“
„Weil das ziemlich anstrengend ist und für dich dann auch ziemlich langweilig!“
„Ich finde nichts langweilig was du machst.“
„Doch, dass würdest du langweilig finden!“, erklärte Bill und schloss die Tür auf. Nelly sprang aufs Sofa.
„Aber sicher wird der Tag auch ohne dich lustig!“
„Genau, du kannst ja was mit Frau Halle spielen!“, er schaute zu, wie sein Tochter auf dem Sofa auf und ab hüpfte.
„Ähm...Nelly?“
„Ja?“, Nelly drehte sich zu ihm.
„Kannst du bitte aufhören auf der Couch rum zu springen, ich denke nicht dass das so gut ist für das Sofa...“
„Oh...okay.“
„Ich kann dir ja ein Trampolin kaufen.“
„Ein was?“
„Darauf darf man so viel rum springen wie man will!“
„Oh ja...“, Bill ging in die Küche und machte sich einen Kaffe.
„Wie viel Uhr ist es denn?“
„Viertel vor elf!“
„Müsstest du dann nicht schon bald zurückkommen?“, Nelly legte den Kopf schief. Bill drehte sich lächelnd zu ihr um.
„Nein, nein! Ich komme erst um 23 Uhr zurück. Das ist wenn der kleine Zeiger das nächste Mal auf der Elf steht.“.
Nelly schaute zur Uhr hoch.
„Also noch mal die ganzen Zahlen bis zur Elf?“
„Genau!“, meinte Bill und hob sie auf die Küchenzeile hoch.
„Und wann gehst du?“
„Wenn der kleine Zeiger eine Zahl weiter auf der Zwölf steht und der große Zeiger auf der drei!“
„Wann ist das?“
„Um viertel nach zwölf!“, erklärte Bill und stupste ihr auf die Nasenspitze.
„Und wie lange ist das noch?“
„Das dauert noch ein bisschen. Sollen wir noch was machen?“
„Ja!“
„Und was?“. Nelly glitt von der Küchenzeile und ging in ihr Zimmer. Bill blickte ihr fragend hinterher und schon kam das kleine Mädchen wieder. In der einen Hand, hatte sie ein Buch, und wie konnte es anders sein, es war ein Buch von Prinzessin Lilliffee.
„Liest du mir etwas vor?“
„Klar...aber komm, dann setzten wir uns lieber ins Wohnzimmer!“, Bill hob sie hoch und sie gingen ins Wohnzimmer. Wo die beiden sich wieder aneinander kuschelten und Bill anfing vorzulesen. Nelly schmiegte sich an ihn und Bill legte die Fleecedecke über Nelly und sich.
Irgendwann klingelte es an der Tür. Verwundert blickte Bill auf sein Handy. Es war schon zwölf Uhr.
„So...komm!“, Bill nahm Nelly auf den Arm und ging die Tür öffneten.
„Guten Tag Herr Kaulitz...hallo Nelly.“
„Hallo, kommen Sie doch rein!“, Bill ließ die Frau rein und Frau Halle blickte sich um.
„So...also, das hier ist das Wohnzimmer, hier ist...mh...ja eigentlich alles so was im Wohnzimmer halt so ist! Da drüben ist die Küche, wenn Nelly was essen will fragen Sie am besten was sie will. Um halb zehn muss Nelly spätestens ins Bett...sie schläft aber mit einem kleinen Steckdosenlicht, dass müssten Sie dann noch in die Steckdose stecken. Das ist Nellys Zimmer.“, Bill öffnete die Tür und Frau Halle schaute sich alles genau an.
„Gut...ich glaube das kann ich mir alles machen!“. Bill nickte und schaute Nelly an.
„So...und jetzt sei schön brav. Wenn du morgen wach wirst, bin ich wieder da!“, er küsste sie auf die Stirn und reichte sie Frau Halle, die sie vorsichtig auf den Arm nahm.
„Okay, ich muss dann jetzt fahren. Tschüss Nelly, bis morgen! Ähm...wie viel Geld wollen Sie denn für den Tag?“
„Sind Sie verrückt? Ich mache das kostenlos!“
„Oh...ähm...na gut. Dann auf wieder sehen und viel Spaß!“, Bill zog sich eine Jacke an, nahm seine Schlüssel und ging. Nelly blickte ihm traurig hinterher.
„So...und was machen wir beide jetzt?“, fragte Frau Halle. Nelly drehte sich lächelnd zu ihr.
„Sollen wir was spielen?“
„Na von mir aus, was denn?“
„Irgendwas!“
„Okay...“, Frau Halle ging mit Nelly in ihr Zimmer.


20. Kapitel


Es war zehn nach elf, als Bill die Wohnungstür aufschloss. Vor ein paar Stunden, hatte er noch mit Frau Halle telefoniert. Sie würde so lange in der Wohnung bleiben, bis Bill wieder da war. Aber nun, hatte sie die Tür nicht aufgemacht!
„Frau Halle?“, rief Bill leise, damit er Nelly nicht weckte. Es kam keine Antwort.
Bill ging in die Küche. Keiner war da. Plötzlich fiel ihm etwas auf. Die Küche war total verwüstet und auch das Wohnzimmer. Aber nicht auf die Art, die Nelly anstellen würde, sondern auf eine ganz andere.
NELLY!
Bill raste in ihr Zimmer und riss die Tür auf.
„Nelly?“, er lief zum Bett, doch es lag niemand drin. Bill wurde schlecht! Nein, das durfte nicht wahr sein. Er lief ins sein Zimmer, doch auch hier war sie nicht.
„Nelly! NELLY!“, schrie er und lief ins Bad. Auch hier war sie nicht. Wo war sie nur? Und wo war Frau Halle? Er lief zwei Stockwerke runter und klingelte Sturm bei Frau Halle, hämmerte und trat gegen die Tür. Doch keiner machte auf, nur ein Nachtbar von Frau Halle.
„Kann ich Ihnen irgendwie behilflich sein?“
„Ja...ist Frau Halle heute noch mal hier gewesen?“
„Sein! Sie war den ganzen Tag bei Ihrer Tochter.“
„Danke!“, damit hechtete Bill wieder nach oben.
Also war Frau Halle noch da! Sie musste noch da sein! Aber wo war sie nur? Wo war diese Frau mit seinem Kind.
Er machte die Tür auf.
„NELLY?“, schrie er wieder und durchsuchte noch mal jeden Raum. Doch überall fand er nur Verwüstung. Er ließ sich zitternd auf die Couch sinken und Tränen rannten ihm über die Wangen. Das konnte nicht wahr sein! Das musst einfach ein Alptraum sein. Er schloss die Augen.
„Wach auf Bill! Wach endlich auf!“, flüsterte er und öffnete die Augen wieder. Plötzlich hörte er ein Geräusch. Er schrak auf. Hatte er sich das eingebildet?
„Nelly?“
Wieder hörte er das Geräusch. Es kam aus der Küche. Bill sprang auf.
„Nelly?“, fragte er wieder und betrat die Küche. Wieder hörte er das Geräusch. Es hörte sich an, als würde etwas Dumpfes, gegen Holz schlagen. Sein Blick fiel auf die Tür zum Vorratsraum. Er sprang an die Tür und drückte die Klinge runter. Abgeschlossen! Er hatte diese Tür noch nie abgeschlossen! Hatte sie überhaupt einen Schlüssel? Er schaute an seinem Schlüsselbund nach, doch da war kein passender. Also schaute er am Schlüsselbrett nach. Einer hing noch da. Er schickte ein Stoßgebet zum Himmel und ging zu der kleinen Kammer. Mit zittrigen Händen drehte er an dem Schlüssel. Es klappte. Hastig riss er die Tür auf, und was er da sah, ließ ihm den Mund aufklappen. Das Licht brannte in dem kleinen Raum. Die nackte Glühbirne, verteilte das Licht in alle Ecken. In der Mitte, kauerte, geknebelt und gefesselt, eine total verängstigte Frau Halle.
„Oh mein Gott...“, flüsterte Bill und befreite die Frau.
„Sie...sie haben die Kleine...“, stotterte die verstörte Frau.
„Wer? Was ist passiert? Wo ist Nelly?“
„Sie haben sie entführt! Ich wollte noch...aber dann haben sie...und ich...es...“
„Schon okay! Wer war hier?“
„Drei Männer! Schwarze Kleidung...alles samt maskiert...“
„Was haben sie mit Nelly gemacht?“
„Zwei haben mich gefesselt und geknebelt und der dritte ist mit einer Pistole ins Kinderzimmer! Ich weiß nicht mehr...danach wurde ich hier rein gesperrt...“
„Haben Sie einen Schuss gehört?“, fragte Bill und versuchte ruhig zu bleiben, doch es ging nicht wirklich.
„Nein! Aber ich habe gehört wie Nelly geschrieen hat, dass sie nicht hier weg will, dass sie runter will, dann war plötzlich alles still!“.
Bill half der Frau hoch, sie zitterte wie Espenlaub.
„Wir müssen die Polizei rufen!“, meinte Bill.
„NEIN!“, Frau Halle schüttelte heftig den Kopf. „Die Typen meinten, wenn Sie die Polizei rufen, dann bringen sie Nelly um!“
„Wie kamen die überhaupt rein?“, fragte Bill und schloss die Tür hinter sich von der Kammer.
„Sie meinten, sie hätten ein Paket für Bill Kaulitz...ich dachte, dass ich sie ruhig reinlassen könnte, aber als ich dann die Tür aufgemacht habe da...“.
Bill sah es schon. Frau Halle hatte eine Wunde am Kopf.
„Sie bluten!“
„Das ist nicht so schlimm...wir müssen etwas tun!“
„Aber wenn ich die Polizei nicht rufen kann...was soll ich dann machen?“
„Ich weiß es nicht...es tut mir so leid!“
„Das ist doch nicht Ihre Schuld!“, meinte Bill und schüttelte den Kopf. Er schaute sich das Chaos in Raum an. Wieder stiegen ihm Tränen in die Augen. Er ging ins Wohnzimmer, dort kniete er sich hin und zog etwas unter dem Glastisch hervor. Die tränen fingen an über sein Gesicht zu laufen. In der Hand hielt er die kleine Puppe von Prinzessin Lillifee.
„Herr Kaulitz ich...ich weiß nicht wie ich das wieder gut machen kann...es...“
Bill stand auf und drehte sich um.
„Zum letzten Mal! Es war nicht Ihre Schuld! Versprechen Sie mir was?“
Frau Halle nickte.
„Ja...natürlich.“
„Alarmieren Sie unter keinen Umständen die Polizei!“
„Okay...versprochen.“
Bill setzte sich auf die Couch und schaute die Puppe an. Er strich mit den Daumen über das Gesicht der Puppe und schloss die Augen.
Das durfte nicht wahr sein!
Frau Halle seufzte.
„Kann ich noch etwas für Sie tun?“.
Langsam, wie betäubt, schüttelte Bill den Kopf. Frau Halle nickte.
„Gut...dann...dann gehe ich jetzt...es tut mir so leid...Herr Kaulitz ich...“
„Schon gut...gehen Sie nach Hause! Der Tag war ja auch nicht leicht für sie...“. Frau Halle nahm noch mal Luft um etwas zu sagen, doch ging dann einfach zur Tür und ging nach unten. Bill fing an zu schluchzen. Das durfte doch einfach nicht wahr sein.

Bill merkte, gar nicht, wie die Zeit verging. Er saß einfach nur weinend auf seiner Couch, mit Prinzessin Lillifee in den Händen, da klingelte plötzlich das Telefon. Es war schon fast zu spät, als er hastig den Anruf entgegen nahm.
„Bill Kaulitz?“
„Ah...hallo du Schwuchtel! Vermisst du nicht irgendetwas?“
„Wer sind Sie? Wo ist meine Tochter?“
„Deiner Tochter geht es gut...noch! Wenn du schön tust, was wir dir sagen, dann wird ihr auch ganz bestimmt nichts passieren!“
„Und was wollt ihr? Geld?“
„Das auch...aber wir wollen noch etwas viel besseres und witzigeres!“
„Ach und was?“, fragte Bill.
„Wieso so aggressiv? Wir wollen doch nur ein kleines Spiel mit dir spielen!“
„Wie krank seid ihr eigentlich? Wo ist Nelly?!“
„Nelly, die ist bei uns...aber jetzt zur ersten Aufgabe! Wir wollen, dass du bei der nächsten Bravoausgabe, wieder auf dem Titelblatt bist!“
„Das ist ja wohl nicht schwer, wenn die spitzbekommt, dass meine Tochter entführt wurde!
„Damit sollst du aber nicht die Covers füllen!“
„Womit dann?“, fragte Bill.
„Wie wäre es denn mit dem Satz: Ich war schon immer schwul?!“
Bill klappte der Mund auf. Das meinten sie nicht ernst?
„Soll das ein Scherz sein?“
„Nein Bill! Das soll kein Scherz sein! Also, entweder du gehst zur Bravo, kommst damit auf die Titelseite und bekommst so von uns einen Hinweis auf den Aufenthaltsort deiner Tochter, oder du sagst, nein, ich werde das nicht tun und bist schuld daran, dass deine süße, kleine Tochter einen ihrer süßen, kleinen Arme verliert!“.
Bills Augen weiteten sich.
„Also, überleg es dir! Wir rufen dann am Mittwoch an, wenn wir den Bericht über dich durchgelesen haben! Tschüss...“.
Die Leitung knackte und der Typ legte auf. Bill fiel das Telefon aus den Händen. Das musste wirklich ein Alptraum sein!


21. Kapitel


Schon am nächsten Morgen saß Bill im Flugzeug nach München. Keiner wusste wieso er dort hinflog, nur Tom hatte er gesagt, dass er etwas ziemlich wichtiges mit der Bravo zu besprechen hatte. Tom hatte nachgefragt, was denn, doch Bill hatte einfach aufgelegt und war ins Auto gesprungen. Nun flog er gerade über Hannover hinweg und fragte sich, wie er der Bravo erklären sollte, dass er homosexuell war, was eigentlich ja gar nicht stimmte. Doch Bill hatte keine Wahl. Wenn er nicht wollte, dass seine Tochter ihr junges Leben verlor, musste er tun, was die Entführer verlangten. Plötzlich blieb jemand vor ihm stehen.
„Bill?“. Er zuckte zusammen und schaute auf. Seine Augen weiteten sich.
„Kate?“, fragte er verblüfft. Vor ihm stand die Tochter vom Chefredakteur der Bravo.
„Wo willst du denn hin?“, fragte Kate und setzte sich neben Bill, wo ein Platz frei war.
„Ich will zur Bravo!“, erklärte Bill.
„Wieso?“
„Ein Interview!“
„Oh...worüber denn?“
„Das kann ich dir leider nicht sagen!“
„Doch, du kannst, weil du wirst von mir interviewt werden.“
„Seit wann arbeitest du bei deinem Vater?“
„Ich fange heute an!“
„Na toll...“
„Ja nicht.“, grinste Kate und schaute Bill weiterhin an. Bill schaute aus dem Fenster.
„Du hast doch irgendetwas, was ist los?“, fragte Kate, die nur ein paar Jahre jünger war als Bill.
„Nicht...“
„Was willst du mir denn erzählen? Schließlich, wolltest du ja das Interview!“
„Wenn du doch weißt, dass ich das Interview angefordert habe, warum fragst du mich dann, worüber ich interviewt werde?“
„Och...nur um mich mal vorzubereiten!“, Kate grinste und schob ihre schwarzen Haare hinter die Ohren.
„Na ja, ich möchte mit dir über etwas wichtiges reden!“
„Wieso fang ich nicht einfach hier damit an!“
„Hier hören zu viel zu! Das ist sehr privat das Interview!“
„Dir ist aber schon klar, dass die Bravo ziemlich oft verkauft wird?! Das ist dann nicht mehr privat!“
„Ja...ich weiß...“, seufzte Bill.
„Mh...und wieso willst du es mir dann erzählen? Wenn es doch eigentlich so privat ist?“
„Weil ich muss...“, Bill schaute weiter aus dem Fenster.
Ich muss, sonst ist Nelly tot!, dachte er und schloss die Augen. Dieses Interview würde wohl mit einem Schlag seine Karriere beenden.
„Irgendetwas stimmt mit dir nicht...seit wann bist du so aufgeregt, wenn du ein Interview gibst?“
„Nun ja, das Interview bedeutet mir halt viel!“, meinte Bill. Kate nickte und holte ihr Diktiergerät raus.
„Okay Bill, wieso ist es so wichtig für dich?“
„Kate...ich beantworte dir jetzt hier keine Interviewfragen!“
„Das hier kommt nicht ins Interview, das ist nur Übung für mich!“
„Na gut...“
„Also, wie so ist das so wichtig für dich?“
„Weil es um viel geht!“
„Um was denn zum Beispiel?“
„Um...um...um meine Tochter und über meine Richtung!“
„Richtung, wie meinst du das denn?“
„Na ja, wie ich mich orientiere!“. Kate riss die Augen auf. Verstand sie das gerade richtig?
„Moment, du willst mit mir über deine Sexual...“
„Ssch!“, machte Bill und hielt ihr den Mund zu. Manche Leute drehten sich schon zu ihnen um. Kate war schockiert. Sie hatte Recht.
„Das klären wir dann in München, okay?“. Kate nickte und schaltete das Diktiergerät aus.

Nach einer halben Stunde, kamen sie an und mit einem Taxi fuhren die beiden gemeinsam in die Redaktion von Bravo, wo Kate gleich ganze alleine mit Bill in ein Zimmer ging.
„So! Und jetzt raus mit der Sprache! Worum geht’s?“
Bill blickte auf den Tisch. Dort lag schon ein Diktiergerät und es war an. Er nahm tief Luft und gab sich einen Ruck.
„Es geht ganz einfach darum, dass ich endlich allen sagen will, wie ich wirklich bin! Ich habe keine Lust mehr, auf ein Versteckspiel!“
„Welche Art von Versteckspielen meinst du denn?“
„Die Art, nicht zeigen zu dürfen, oder zu können, wer man wirklich ist!“
„Und wer bist du wirklich?“
„Ich bin in Wirklichkeit ein...“
Kate schaute ihn fragend an.
„Ein?“
„Ein...ein Homosexueller!“.
Kate schluckte. Die Karriere war beendet!
„Okay, und warst du das schon immer oder erst seit ein paar Jahren?“
„Nein! Ich war schon immer schwul! Seit ich 14 bin, stehe ich auf Männer. Und deswegen habe ich auch nie wie Tom von meinem Sexleben gesprochen!“
„Hattest du Sex mit Männern?“
„Ja! Mit 15 hatte ich mein erstes Mal!“
„Wie war es?“
„Es war...toll! Der Junge war zwei Jahre älter als ich und ich habe den Part des Mädchens übernommen, aber es war wirklich toll!“
„Hattest du als die Karriere mit Tokio Hotel anfing auch noch Sex mit Jungen?“
„Ja! Ich habe mir immer Callboys aufs Zimmer bestellt, oder wenn ich einen männlichen Groupie gesehen habe, bin ich mit ihm aufs Hotelzimmer!“
„Wieso sagst du das erst jetzt?“
„Ich bin jetzt 21 Jahre alt und ich denke, dass unsere Fans das mittlerweile verkraften können!“
„Aber was ist mit deiner Tochter? Du bist doch wirklich ihr Vater, oder etwa doch nicht?“
„Natürlich ist Nelly meine eigene Tochter, und ich liebe sie auch! Aber sie war ein Fehler! Wir kamen damals von einem Konzert und wollten noch ein bisschen feiern. Da ist ziemlich viel Alkohol geflossen und Tom und die anderen, haben mich dann eben verarscht, dass ich mich nicht trauen würde auch mal ein Mädchen abzuschleppen. Nun, ich hab es halt gemacht, doch leider riss das Kondom und so ist halt Nelly entstanden.“
„Und wieso hast jetzt du die Kleine?“
„Nelly Mutter kam vor ein paar Monaten, bei einem Autounfall ums Leben!“
„Oh...das tut mir leid.“, meinte Kate und schaute Bill in die Augen.
„Wie läuft den dein Sex so ab?“
„Na ja, meistens über nehme ich den Part von der Frau, also dass jemand in mich eindringt, aber manchmal über nehme ich dann auch mal den anderen Part. Aber es ist egal wie, immer schön!“
„Und was ist mit der Romantik? Du sagtest doch immer, dass ohne Liebe bei dir nichts liefe!“
„Tja...das war halt auch wieder nur so eine Rolle, die ich gespielt habe!“
„Also hast du die ganzen Jahre über gelogen?“
„Ja...aber nicht freiwillig! Ich wurde dazu gezwungen!“
Kate stellte das Diktiergerät aus und nickte.
„Okay Bill. Das war’s...“
Bill seufzte und schaute traurig zu Boden.
„Stimmt etwas nicht?“
„Was? Nein, nein, alles klar...ich hab nur Angst, vor der Reaktion unsrer Fans...sicherlich hassen sie uns jetzt dafür!“
„Als Fan ist so was wirklich schwierig zu verkraften!“
„Und, kommt die Story aufs Cover?“
„Ganz sicherlich! Das ist DIE Titelstory!“
„Okay, ich geh dann wieder...“
„Warte!“, Kate drehte den Schlüssel um. Bill schlitzte die Augen und schaute sie misstraurig an.
„Ich glaube dir nicht!“
„Was? Wieso denn nicht?“
„Weil du einfach nicht schwul bist! Du hast zwar etwas Androgynes, aber schwul bist du ganz sicher nicht! Erinnerst du dich noch an den Sommer 2008? Erinnerst du dich an deine Katty? Du bist nicht schwul Bill!“
„Oh doch! Ich bin so schwul das glaubst du gar nicht!“
„Bill! Was ist los? Sag es mir!“
„Nein!“
„Ah ha! Du hast also wirklich was zu verbergen!“
„Nein ich meine ich...ich...ähm...“
„Bill, sag es doch einfach! Stimmt etwas bei dir nicht? Hast du Schwierigkeiten? Setzt dich wer unter Druck?“. Nun stiegen die Tränen in Bills Augen.
„Ich hab also Recht?!“. Bill nickte.
„Dann sag es mir jetzt!“
„Ich kann nicht...“
„Wieso denn nicht?“
„Wenn ich es dir sage Kate...wenn ich es dir erkläre dann...“
„Was dann? Bill sag es mir!“
„Ich kann nicht...Kate...Katty, versteh es doch! Ich kann es dir nicht sagen!“
„Bill du hast mir früher fast alles erzählt!“
„Aber früher ging es auch nicht um Leben und Tod!“, Bill liefen die Tränen über die Wangen und Kate verstand.
„Oh nein...Nelly?“. Bill nickte.
„Was ist mit ihr? Wo ist sie?“
„Das weiß ich ja selber nicht...Ich kam gestern Abend nach Hause und da war meine Wohnung völlig verwüstet. Den Babysitter habe ich gefesselt und geknebelt in der Vorratskammer gefunden. Sie hat mir erzählt, dass Nelly entführt wurde. Sie wollte noch helfen. Aber sie sagt, da wären drei große Männer gewesen und sie ist eine Frau von 57 Jahren!“
„Oh Gott Bill...und wieso sagst du jetzt, dass du schwul bist?“
„Weil ich gestern Abend noch einen Anruf bekommen habe...ich müsse der Bravo erzählen, dass ich homosexuell wäre...dann würde ich einen Tipp auf Nellys Aufenthaltsort bekommen!“
„Aber Bill! Du kannst dich nicht so unter Druck setzten lassen! Du musst zur Polizei damit!“
„Nein!“, Bill schüttelte heftig den Kopf. „Wenn ich zur Polizei gehe, dann töten sie Nelly!“
„Dann werde ich dir helfen!“
„Dann lass das Interview drucken und bring es auf die Titelseite!“
„Keine Sorge Bill! Das mache ich, aber ich werde mit dir nach deiner Tochter suchen.“
„Dass kannst du nicht!“
„Hast du meine andere Ausbildung schon vergessen?“, fragte Kate und verschränkte die Arme vor der Brust. Bill blickte zu ihr.
„Die hast du vor drei Monaten abgebrochen!“
„Ja! Aber ich habe noch alles im Kopf! Glaub mir, ich bin eine fast vollwertige Kriminalpolizistin! Ich werde deine kleine Tochter schon finden! Verlass dich drauf!“
„Aber...“
„Kein aber Bill! Ich werde dir helfen! DU musst mir nur bescheid geben, sobald du etwas weißt!“
„Na gut...“, gab Bill kleinlaut nach.
„Gut, dann lasse ich jetzt mal die Bravoseiten hier drucken! Und glaub mir Bill, die Entführer werden zu frieden sein! Ich bastle noch etwas am Text herum!“
„Aber meine Karriere ist damit trotzdem zu Ende!“
„Nein! Wenn wir deine Tochter haben, werde ich selbst ein Bericht darüber schreiben!“
„Ich werde aufhören!“
„Womit?“
„Ich werde Tokio Hotel verlassen, dass wollte ich damit sagen!“
„Wieso das denn?“
„Wenn ich Nelly zurückbekomme, dann steige ich sofort aus! Ich will dann für meine Tochter da sein! Wäre ich bei ihr gewesen, dann wäre sie jetzt nicht in den Händen dieser drei Hirnkranken!“
Kate versuchte noch Bill umzustimmen, es klappte nicht.
Am Ende des Tages wurden die Exemplare von der Bravo gedruckt.
Titelstory:
Bill Kaulitz: Ich habe Sex mit Männern!


22. Kapitel


~Samstag~
Ganz Deutschland wusste nun, dass Bill Kaulitz schwul war! Bill traute sich fast nicht mehr vor die Tür. David hatte hysterisch bei ihm angerufen, was er sich dabei gedacht hätte, zu Mal das gar nicht stimmte! Bill konnte ihm die Sache nicht erklären! Es war schon ein Fehler gewesen Kate einzuweihen! Doch genau die, saß jetzt neben ihm.
„Okay, was haben die Entführer gesagt?“
„Das sie mich wieder anrufen würden, wenn sie den Bericht in der Bravo gelesen hätten!“
„Okay, die Bravo kam heute raus...also gehen wir mal davon aus, dass sie heute noch anrufen...“
„Du musst mir nicht helfen Kate...“
„Doch! Bill...du bist ein Freund von mir und ich lasse es nicht zu, dass dir jemand dadurch dein Leben versaut! Weder als Freundin noch als Polizistin!“, Kate starrte auf das Telefon was Bill in den Händen hielt.
„Nur doof, dass wir den Anruf nicht zurückverfolgen können...“
In diesem Moment klingelte es. Bill schaute zu Kate, die nickte und meinte.
„Mach es auf Lautsprecher!“. Bill nahm den Anruf an und drückte den Lautsprecher an.
„Ja?“
„Hallo du Homofrosch!“, hörte er eine hämische Stimme.
„Wo ist meine Tochter?“
„Immer mit der Ruhe!“, meinte die Stimme. „Du hast unsre erste Aufgabe also erfüllt...mh...gut, gut. Na ja, dann kommt jetzt die zweite unsrer Aufgaben!“
„Und die wäre?“
„Wir wollen für jeden sechs Millionen!“
„Seid ihr verrückt? Wo soll ich das ganze Geld herbekommen?“
„Na du bist doch berühmt!“
„Denkt ihr wirklich ich habe mal so eben 18 Millionen Euro, oder was?!“
„Tja...dann kann ich leider für nichts garantieren...“
„Nein! Wartet! Gut, ihr bekommt das Geld...wo soll ich es hinbringen!“
„Das ist die zweite Aufgabe! Heraus zu finden, wohin!
Wo die Rache des Papst steht, und die Pferde um Pause flehen, wo der Masken Mann die Maske trägt und der Bär die Tatzen prägt, dort wollen Papageien dich belehren!
Wenn du es in zwei Tagen nicht geschafft hast, dann wird Nelly einen Kopf kleiner gemacht.“
„Was...das...Hallo?!“
Aufgelegt! Bill blickte Kate nervös an. Kate überlegte.
„Wie viel Geld hast du?“
„Also ich kann höchstens vier Millionen locker machen!“, erklärte Bill.
„Dann fehlen uns immer noch 14 Millionen.“
„Woher soll ich denn soviel Geld herbekommen?“, fragte Bill und schlug die Hände vors Gesicht.
„Hey...nicht verzweifeln! Auf meinem Konto sind um die zehn Millionen, dann haben wir schon mal 14...dann brauchen wir nur noch vier...den Bruder?“
„Mein Bruder spricht nicht mehr mit mir!“
„Dann müssen wir es mit 14 Millionen versuchen!“, erklärte Kate und schnappte sich ihr Handy.
„Aber was wenn...“
„Die brauchen sicherlich ein paar Tage bis die das merken! Glaub mir, Entführer sind überheblich! Sehen sie ein Koffer voller Geld, denken sie, dass es die gewünschte Summe ist! Bis dahin haben wir Nelly sicherlich gefunden!“
„Und wenn nicht?“
„Wenn nicht muss ich zu ein paar Freunden!“
„Freunden? Welche Freunde?“
„Spezielle Freunde!“, Nelly tippte hastig auf ihrem Handy rum und hielt es sich ans Ohr.
„Hey, ich bins! Ich brauche zehn Millionen! Wofür? Ist doch jetzt mal egal! Ich brauche sie...schnell! In einer Stunde? Okay! Bis dann!“. Kate klappte ihr Handy wieder zu.
„Gut...vierzehn Millionen haben wir. Jetzt müssen wir nur noch herausfinden, wo die Übergabe stattfindet! Was hat er gesagt?“
„Wo die Rache des Papst steht, und die Pferde um Pause flehen, wo der Masken Mann die Maske trägt und der Bär die Tatzen prägt, dort wollen Papageien dich belehren!“
„Was soll das denn bitte schön bedeuten?!“, fragte Kate und drehte sich zum Fenster.
„Keine Ahnung...welche Rache des Papstes?“
„Ich weiß es nicht Bill! Aber wir müssen uns beeilen! Zwei Tage...das ist nicht gerade besonders viel!“
„Hast du eine spontane Idee?“
„Nein!“, Kate schüttelte den Kopf. „Was soll der Masken Mann da?“
„Vor allem welcher Masken Mann?“, fragte Bill. „Ich kenne nur zwei! Der Typ aus >>Scream<< und der Sensenmann! Den bezeichnet man auch manchmal als Maskenmann.“
„Ja...aber der Sensenmann ist ziemlich unwahrscheinlich. Aber...wo wohnten die Typen aus Scream?“
„Irgendwo in den USA. Ich denke das ist ziemlich unwahrscheinlich!“, erklärte Bill.
„Was haben wir noch? Pferde, die eine Pause wollen, Papageien die dir was sagen wollen und ein Bär, der seine Tatzen prägt! Das ergibt doch alles keinen Sinn!“
Kate seufzte und drehte sich wieder zu Bill.
„Ich denke das wir mal über die Rache des Papst nachdenken sollten. Irgendwas muss das ja sein!“
„Papst...da fällt mir spontan immer Rom ein!“, erklärte Bill.
„Schon ja...aber Rom?! Gut mal überlegen. In Rom gibt es auch viele Pferdestaturen. Aber was ist mit dem Masken Mann und dem Bär?“
„Ich weiß es nicht!“, Bill schüttelte den Kopf und seufzte schwer. „Wir müssen das rausbekommen...“
„Ich weiß Bill...deswegen...“, Kate setzte sich neben ihn und schaute auf die neue Bravo.
Was wollte dieses Rätsel ihnen nur sagen? Normaler Weise war Kate ziemlich gut im Rätsel und Code knacken, aber dieses Mal, wo es zum ersten Mal wirklich um Leben und Tod ging, schienen ihre Gedanken zu streiken. Die Rache des Papstes...Pferde, die eine Pause wollten...Der Masken Mann...der Bär. Wie hing das alles zusammen? Ihr Blick war immer noch auf die Bravo gerichtet. Sie fing an auf ihrer Unterlippe rumzukauen und zermarterte sich das Hirn.
Der Masken Mann...der Mann mit der Maske...Wer sollte das nur sein? Die Rache des Papsts, die irgendwo stand. Wo stand die Rache des Papsts? Sie schüttelte den Kopf. Wenn sie den Anruf doch nur zurückverfolgen könnte, dann wüsste sie jetzt schon, wo sie hin müsste. Kate kaute weiter auf ihrer Lippe rum. Bill stand auf und machte sich einen Tee.
„Willst du auch etwas trinken? Oder was zum essen?“, fragte er und lehnte sich an die Fensterbank.
„Nein...nein danke!“, Kate schüttelte den Kopf und blickte weiter auf die Bravo. Bill nahm einen kräftigen Schluck und verschränkte die Arme vor der Brust. Er schaute über seine Schultern und seufzte wieder. Wie ging es Nelly? Ob sie in Ordnung war? Bis jetzt hatte er noch keinen Beweis dafür, dass diese Anrufer die Entführer waren. Vielleicht, waren es ja nur Trittbrettfahrer, die etwas Geld haben wollten und seine Karriere ruinieren wollten.
Kate seufzte und las sich die Bravo Schlagzeilen durch. Ihre Augen weiteten sich und ihr Mund klappte auf. Da war er!
Der Masken-Mann!


23. Kapitel


„Ich hab ihn Bill!“
„Wen?“, fragte Bill verwirrt und drehte sich zu ihr.
„Den Masken-Mann! Der Mann, der seine Maske an dem Ort trägt, wo deine Tochter steckt!“
„Und wer ist es?“
„Sido!“
„Sido?! Bist du dir sicher?“, fragte Bill skeptisch und zog eine Augenbraue hoch.
„Klar!“, Kate schlug sich gegen die Stirn. „Jetzt ergibt alles einen Sinn!“
„Was? Was meinst du Kate?“, fragte Bill nach.
„Berlin Bill! Berlin! Sido trägt seine Maske in...“
„Berlin!“
„Der Bär ist auf dem Wappen von...“
„Berlin!“
„Die Pferde auf dem Brandenburger Tor wollen eine Pause in...“
„Berlin! Aber was ist die Rache des Papst?“
Kate runzelte die Stirn und schlug die Bravo auf. Sie suchte sich den Artikel über Sido raus und grinste.
„Da haben wir sie!“
„Wo?!“ Bill beugte sich über den Tisch um das Bild zu sehen, auf das Kate deutete.
Sido, auf einem Berliner Hochhaus.
„Ähm...Kate. Ich seh da aber keine Rache!“
„Schau mal im Hintergrund vom Bild nach!“, erklärte Kate. Bill drehte den Kopf etwas und suchte den Hintergrund ab. Es waren Dächer von Hochhäusern zu sehen und der Berliner Fernsehturm.
„Tut mir leid...ich seh da nichts!“
„Und was ist das?“, Kate deutete auf die Kugel vom Fernsehturm.
„Der Fernsehturm!“
„Ja...aber siehst du die Reflexion dort auf der Kugel?“
Bill blickte die Kugel an und sein Mund klappte auf. Kate lehnte sich triumphierend zurück.
„Immer wenn die Sonne die Kugel der Blechprismen aus rostfreiem Stahl anstrahlt, erscheint eine Reflexion in Form eines Kreuzes. In Anspielung auf die atheistische Grundeinstellung der sozialistischen Regierung und die Diskriminierung kirchlicher Einrichtungen in der DDR bezeichneten Berliner dieses leuchtende Kreuz als Rache des Papstes oder auch, nach dem damaligen evangelischen Bischof Otto Dibelius, als Dibelius’ Rache. Eine beliebte – allerdings nicht gesicherte – Anekdote in diesem Zusammenhang besagt, der Architekt sei nach Fertigstellung von der Stasi vernommen worden, um herauszufinden, ob er das Kreuz absichtlich mit eingeplant habe. Nach einer weiteren Anekdote beendete ein Regierungsmitglied die Diskussion mit dem Ausspruch: „Das ist kein Kreuz, sondern ein Plus für den Sozialismus!“ Die dritte Anekdote schließlich besagt, die Stasi habe anfänglich versucht, das reflektierende Kreuz mittels großer Spiegel vom Boden aus wegzublenden. Schließlich gibt es das Gerücht, dass in der Volkskammer der Abriss des Turmes diskutiert wurde.“
„Schön und gut...aber, was ist mit dem Papagei?“, fragte Bill. Kate runzelte wieder sie Stirn. Hatte Berlin irgendetwas mit einem Papagei zu tun. So weit sie wusste nicht!
„Vielleicht, ist es ein Hinweis auf den genauen Ort! Liegt zwischen dem Brandenburger Tor und dem Fernsehturm eine Tierhandlung?“
„Was fragst du mich das?“, fragte Bill und zuckte mit den Schultern.
„Wir müssen nach Berlin und das sofort untersuchen!“
„Toll, wie sollen wir nach Berlin kommen?“
„Flugzeug?“, schlug Kate vor und sprang auf. „Los Bill, wir müssen uns beeilen! Jede Sekunde kann über das Leben deiner Tochter entscheiden!“
„Ich denke das die 18 Millionen, die wir immer noch nicht zusammen haben über Nellys Leben entscheiden werden.“.
Kate hielt inne und drehte sich zu Bill. Er sah mitgenommen aus. Müde und abgemagert. Richtig krank.
„Du solltest Tom anrufen!“, sagte sie schließlich. Bill schürzte die Lippen.
„Bill du bist sein Bruder, er wird dir zu hören!“
„Ich weiß nicht, seit dem Bericht in der Bravo, ignoriert er mich.“
„Das ist es doch, was die Entführer wollen! Du musst dagegen ankämpfen! Bill, ruf Tom an und bitte ihn um vier Millionen!“
Bill seufzte und schnappte sich wieder das Telefon. Er wählte Toms Nummer und wartete.
Nach fast einer Minute, ging jemand dran.
„Ja?“
„Tom...“
„Was willst du?“, blaffte Tom ihn an.
„Tom ich...ich bitte dich um einen Gefallen!“
„Der wäre?“
„Kannst du mir vier Millionen leihen?“
„Bist du betrunken?“, fragte Tom.
„Nein...“
„Dann tschüss...“
„Nein! Halt! Warte!“
„Was ist denn?“
„Ich...ich brauche die vier Millionen wirklich!“
„Dann hol deine eigenen vier Millionen!“
„Die hab ich schon dazugeholt!“
„Sag mal was hast du denn für Probleme?! Bist du Spielsüchtig? Alkoholprobleme? Drogen?“
„Nein Tom! Ich kann dir nicht sagen warum aber ich...“
„Dann kannst du es vergessen! Gute Nacht Bill!“
„Nein! Tom ich flehe dich an!“
„Wenn du es nicht mal für nötig hältst, mir zu sagen, wofür du mein Geld brauchst, dann leih ich dir auch kein Geld!“
„Bitte Tom! Ich brauch es wirklich! Ich kann dir im Nachhinein alles erklären!“
„Ich würde es aber gerne jetzt schon wissen, im Voraus!“
„Tom bitte! Vertrau mir doch!“
„Du bist schwul!“
„Ich...ja ich weiß aber...“
„Du bist ein Schwuler mit einer Tochter!“
„Ich weiß es ja aber...“
„Und du hast es nie mal für nötig gehalten, mir das zu sagen? Was waren denn dann deine ganzen Freundinnen? Waren die Attrappen oder was?“
„Tom, dass erkläre ich dir irgendwann anders aber...bitte ich flehe dich wirklich an! Was muss ich denn machen damit du mir sie gibst?“
„Mh...lass mich überlegen...zu erst müsstest du mir mal sagen wofür! Dann müsstest du mir diesen Bravo Artikel erklären und dich rechtfertigen und dann...“
„Das kann ich alles machen wenn das hier vorbei ist!“
„Wenn was vorbei ist Bill? Erklär mir das mal!“
„Das...das kann ich noch nicht! Ich wünschte ich könnte aber...“
„Aber?“
„Aber ich kann das einfach nicht!“
„Gut, dann habe ich dir nichts mehr zu sagen!“.
Es piepte und Tom hatte aufgelegt.
„Tom? TOM! Nein...“, Bill schmiss das Telefon auf die Couch und ließ sich zu Boden sinken.
Kate kam zu ihm, kniete sich vor ihn und legte ihm eine Hand auf die Schultern.
„Hey...es wird alles gut, das verspreche ich dir! Wir werden Nelly zurück bekommen!“
„Wie denn? Die wollen 18 Millionen und wir haben nur 14 Millionen!“
„Mach dir mal keine Sorgen! Die letzten vier kriegen wir schon irgendwo her! Wir haben ja noch zwei Tage!“
„Wo soll ich in zwei Tagen noch vier Millionen her bekommen!“
„Frag doch mal Georg oder Gustav, die reden doch bestimmt noch mit dir!“
Bill schaute sie mit einem eindeutigen Blick an und Kate nahm tief Luft.
„Oh...dieser Artikel hatte es ja wirklich in sich...und hat auch garantiert das erfüllt, was die Entführer erreichen wollten!“. Kate stand auf und nahm ihr Handy wieder.
„Hallo Papa! Sag mal...könntest du mir einen Gefallen tun? Ja...ja...ja ich will ein Projekt starten! Wie viel? Äh...vier Millionen um genau zu sein! Was? Das ist ja super! Okay, ich komm das Geld dann Morgen abholen!“. Kate legte auf und drehte sich zu Bill.
„Wir haben die 18 Millionen! Morgen Mittag fliegen wir nach Berlin und suchen eine Tierhandlung in der Nähe vom Brandenburger Tor und dem Fernsehturm, die Papageien verkauft und finden deine Tochter!“
Bill schaute auf und lächelte.
„Danke...“
„Hey, ich hab dir doch versprochen dass alles gut wird!“
Die beiden lächelten sich an und Bill seufzte erleichtert. Ja, jetzt würde vielleicht alles gut werden.


24. Kapitel


Es war schon spät, als Kate nach ihrem Mantel und nach ihrer Handtasche griff.
„Ich komm dann morgen früh wieder...“, meinte sie und zog ihren Mantel an. Bill brachte sie zur Tür und nickte.
„Okay...bringst du die 14 Millionen dann mit?“
„Klaro!“, Kate hob ihren Daumen und Bill lächelte.
„Danke Kate.“
„Wofür?“, verwunderte drehte sie sich um und schaute Bill fragend an.
„Dafür dass du mir hilfst!“
„Hey...ist doch ganz selbstverständlich!“
„Nein...ist es nicht!“
„Für mich schon! Denn schließlich...hätte Nelly auch meine Tochter sein können!“.
Bill biss sich auf die Lippe. Er hatte den Sommer nicht vergessen. Das war auf einem Musikfestival in Köln. Eine Veranstaltung der Bravo. Auch Tokio Hotel waren da mit ein paar neuen Songs aufgetreten und auf der Aftershowparty, hatte Bill Kate kennen gelernt. Ein hübsches Mädchen, 16 Jahre alt und die Tochter vom Chefredakteur der Bravo. Sie waren damals ziemlich schnell ins Gespräch gekommen und hatten dann die ganze Aftershowparty mit einander verbracht. Die Telefon- und Handynummern wurden getauscht und an freien Tagen trafen die beiden sich. So ging das einen ganzen Monat, bis dann endlich der erste Kuss kam. Von da an waren die beiden ein Paar. Bill hatte sein Versprechen gehalten und es den Fans erklärt. Doch schon drei Monate danach war auch schon wieder Schluss, denn der Druck auf Kate wurde zu stark. Aber es war eine schöne Zeit gewesen.
Bill schaute kurz zu Boden und dann wieder zu Kate.
„Also dann...gute Nacht!“
„Gute Nacht Bill!“, Kate lächelte ihm zu, doch rührte sich nicht vom Fleck.
„Ähm...“, meinte Bill, dem die ganze Situation etwas peinlich war.
„Ja...ähm...also...dann sehen wir uns morgen wieder...ich bring das Geld mit und...soll...soll ich mich schon um die Tickets kümmern, oder willst du das machen?“
„Mir ist das egal! Wenn du es unbedingt machen willst, mach es ruhig!“
„Okay...“, Kate blickte Bill in die Augen und drehte sich wieder um.
„Bis Morgen Kate!“, Bill machte die Tür zu und seufzte.

Als Bill dieses Mal in allein in sein Bett ging, ging es ihm schon etwas besser. Er hatte das Geld zusammen und er wusste so grob, wo er nach Nelly suchen sollte. Vielleicht würde er ja, morgen schon wieder seine Tochter in den Armen halten. Er hoffte es so sehr und schon kamen wieder die Tränen. Was wenn Nelly gar nicht mehr am leben war? Was wenn die Entführer nur Geld wollten und Nelly schon längst tot war?
Daran wollte er gar nicht erst denken.
„Sie lebt! Sie lebst, das weiß ich!“, flüsterte er und versteckte sein Gesicht in dem Kissen um die Tränen aufzuhalten. Doch das ganze half nichts. Innerhalb von wenigen Minuten war Bills Kissen komplett mit seinen Tränen durchgeweicht.
Wieso hatte man ihm sein Kind weggenommen? Er hatte es doch erst wieder bekommen! Wütend setzte Bill sich auf. Er konnte keinen Schlaf finden. Nicht solange er nicht wusste, wo er nach Nelly suchen sollte. In Berlin, schön und gut, irgendwo wo es Papageie gab. Aber wo gab es Papageie in Berlin? Und wie sollte ihm das weiterhelfen? Was wenn diese kranken Irren, wieder ein Rätsel auf Lager hätten, eins, was dieses Mal wirklich schwer wäre?
Bill stand auf und ging in die Küche. Er schenkte sich ein Glas Wasser ein und trank es mit einem Schluck leer. Wenigstens hatte er das Geld.
„Es wird alles gut...“, sagte er leise und ging ans Fenster. Wieder spielten die funkelnden Lichter von Hamburg ihr Spiel und wieder konnte Bill es nicht genießen.
Wenigstens hast du Kate an deiner Seite!, ging es ihm durch den Kopf und er musste schon wider seufzten.

Nelly schaute zu den drei Fremden rüber. Sie waren ihr unheimlich, vor allem, weil sie so nett waren.
„Ich bring die Kleine mal ins Bett!“, meinte einer der drei Männer und kam zu ihr rüber.
„Na Kleine!“
„Wo ist Papa?“
„Dein Papa kommt schnell, da bin ich mir ganz sicher!“
„Ich will zu ihm!“
„Du kannst aber noch nicht zu ihm! Erst wenn er uns was gegeben hat!“
„Ich will aber jetzt zu ihm! Wo ist er? Bring mich hin!“
„Nein Kleine, dass kann ich leider nicht. Jetzt wird erst mal geschlafen!“
„Ich will jetzt aber nicht schlafen!“
„Du musst aber jetzt schlafen! Sonst muss ich dich leider...“.
Nelly machte große Augen, sie wusste, dass es dieser Typ ernst meinte. Sie hatte mit bekommen, wie er mit einer Waffe auf jemanden gezielt hatte und sogar abgedrückt hatte.
„Sonst muss ich dich leider durchkitzeln!“, damit stürzte sich der Mann auf die Kleine und fing an sie zu kitzeln. Nelly lachte, doch wollte sich von dem Kerl wegstoßen. Der jedoch, hörte schon ganz von alleine auf.
„Also, schläfst du jetzt, oder muss ich dich weiter kitzeln!“
„Ich will zu meinem Papa...“. Der Typ seufzte wieder.
„Dein Papa kommt! Er muss uns nur etwas bringen!“
„Aber wieso darf ich denn jetzt noch nicht zu ihm!“
„Weil es wichtig ist, dass wir das bekommen, was dein Vater uns geben wird, wenn er dich zurück will!“
„Und wenn er das nicht macht?“
„Dann musst du bei uns bleiben!“
„Ich will aber nicht bei euch bleiben!“
„Wieso denn nicht? Haben wir dir je etwas getan?“
„Ich habt mich hier hin gebracht!“
„Gut...mh...okay, dass ist schon ein Argument, aber, wir versorgen dich doch gut!“
„Aber ich will zurück zu meinem Papa!“
„Mach dir keine Sorgen! In ein paar Tagen ist der ganze Spuk vorbei!“
„Denkst du das wirklich Jan?“. Der Typ drehte sich zu seinem Kumpel um.
„Hast du doch gesagt Hendi! Wenn wir das Geld haben, lassen wir die Kleine wieder frei!“
„Ach...ich habe mir noch ein Spiel ausgedacht!“, grinste Hendi.
„Was?! Hey, so war das aber nicht abgemacht!“
„Keine Sorge Jan! So schlimm ist das nicht. Ich muss jetzt noch ein paar Papageien wegbringen! Kommst du mit?“
„Nein ich bleib hier! Die Kleine hat Angst allein im Dunkeln!“
„Oh mein Gott, denkt sie es kommt jemand und drückt ihr eine Waffe gegen die Schläfe!“, Hendi kam auf Nelly zu und nahm eine Pistole aus seiner Tasche. Jan stockte der Atem, als sein Freund dem kleinen Mädchen den Lauf der Pistole gegen die Schläfe drückte.
„Fang an Schäfchen zu zählen, Kleine!“, Hendi drückte ab, doch keine Kugel löste sich. Die Waffe war nicht geladen.
„Spinnst du!“
„Hey, war doch nur ein Scherz!“, grinste Hendi und packte die Waffe wieder weg. Nelly weinte und Jan stellte sich schützend vor sie.
„Wir haben gesagt, dass wir niemanden töten!“
„Ich habe ihrem Vater angedroht, sie zu töten, wenn wir das Geld nicht bekommen oder wenn er meine Rätsel nicht löst! Ich halte meine Versprechen!“
„Das ist kein Versprechen! Das ist doch voll das kranke Spiel!“
„Eben! Und ich halte mich an die Regeln!“, damit ging Hendi. Jan drehte sich zu Nelly, die immer noch weinte.
„Keine Sorge Kleines, dein Vater schafft das schon!“


25. Kapitel


Eine Durchsage drang durch das Flugzeug. Die Passagiere schnallten sich an und Bill schaute auf den Koffer, der auf Kates Schoß lag. Er schluckte.
„Flugangst?“, fragte Kate.
„Quatsch!“, meinte Bill und schüttelte den Kopf. „Ich habe ganz andere Sorgen!“
„Das glaube ich dir!“, Kate schaute sich im Flugzeug um und sah eine Sitzreihe Jugendlicher, die kichernd auf Bill deuten. Kate verstand nicht alles, doch die wichtigsten Wortfetzen hörte sie.
„Da...Bill Kaulitz...der...schwules Arsch...Homofrosch!“. Die Jugendlichen fingen wieder an hämisch zu lachen und deuteten auf Bill. Kate runzelte die Stirn und meinte dann.
„Bill?“
„Mh?“, Bill drehte ihr den Kopf zu und schon nahm Kate Bills Kopf in ihre Hände und drückte ihre Lippen auf seine. Sie hörte richtig, wie es den Jugendlichen die Sprache verschlug und war recht zufrieden mit ihrer Aktion, da Bill auch nun eine seiner weichen Hände an ihre Wange, die andere Hand an ihren Hals legte und den Kuss erwiderte. Nach ein paar Minuten löste sie sich wieder von Bill und schaute über ihre Schulter zu den Jugendlichen, die mit offenen Mündern, sprachlos auf ihren Plätzen saßen und rot anliefen, als sie die Blicke von Bill und Kate entdeckten.
„Was...äh...Kate, geht’s dir gut?“
„Bestens!“, grinste Kate Bill an. Und auch Bill ging es in diesem Moment ungemein gut, auch wenn er im Hinterkopf ständig Nellys Gesicht im Kopf hatte.
„Wie lange fliegen wir?“
„Ähm...ich glaube nur so eine halbe Stunde!“, erklärte Kate.
„Ah...okay...Kate, wieso hast du das...“
„Erkläre ich dir später, okay?“, fragte Kate und lächelte etwas.
„Okay...“, Bill nickte und schaute weiterhin aus dem Fenster. Die Stuerdess ging herum und schauten, ob alle auch angeschnallt waren. Als alles seine Ordnung hatte, ging es los. Bill seufzte und schaute weiter hin aus dem Fenster. Draußen war es noch dunkel. Es war gerade mal halb fünf morgens. Die beiden hatten den ersten Flug nach Berlin genommen.
„Hast du schon irgendeine Ahnung, wonach wir suchen müssen?“, fragte Bill.
„Na ja, ich hab mir da mal so einen Plan gemacht?“
„Ach wirklich?“
„Ja! Also, es könnte der Berliner Zoo sein, Bahnhof Zoo, der Tierpark oder irgendeine Tierhandlung!“
„Na klasse, das wären dann ja wohl so um die 20 Stellen, wo wir suchen können!“
„Na ja...aber immerhin schon etwas!“
„Okay, sind wir mal optimistisch! Wie hoch stehen die Chancen, dass wir das schaffen?“
„Bill! Wir schaffen das! Ganz sicher!“
„Gut, wenn du das sagst!“
„Wir müssen nur die Papageien finden und das Geld abgeben, dann bekommst du deine Tochter sicher zurück!“
„Okay...wenn du das sagst!“, Bill lächelte Kate an. Kate lächelte zurück, bis sie irgendwann rot wurde und wieder nach unten auf den Koffer auf ihrem Schoß gute. Ihre Finger verkrampften sich. Es machte sie nervös mit fast 20 Millionen Euro zu reisen.
„Alles in Ordnung bei dir?“
„Ja...ja!“, meinte sie und lächelte wieder.
„Schön...Wann sind wir denn ungefähr da?“
„Bill, ich habe dir gerade eben gesagt, dass wir eine halbe Stunde fliegen, streng doch mal ein bisschen dein hübsches Köpfchen an!“
„Mein HÜBSCHES Köpfchen? Was meinst du denn damit?“
„Ähm...also, na ja, schlecht siehst du ja wohl nicht gerade aus.“
„Ah ha...“, Bill grinste. „Also war der Kuss echt?“
Nun wurde Kate fast so rot wie eine Tomate.
„Das...das hat doch damit gar nichts zu tun!“
„Okay, wenn du meinst!“, Bill grinste etwas und blickt wieder aus dem Fenster. Kate zwang sich auf den Koffer zu gucken. Wenn sie jetzt jemand überfallen würde, wären sie geliefert!
„Hey, du wirkst angespannt!“, flüsterte Bill, der Kate in dem kleinen Flugzeugfenster beobachtet hatte.
„Was...ähm...na ja...denk mal nach was ich hier auf dem Schoß habe!“
„Stimmt...aber denk mal warum du das auf dem Schoß hast!“
„Na ja...ähm...“
„Schon okay.“, Bill drehte sich zu ihr und das Flugzeug, hatte seine Flughöhe erreicht. Ein Piep sagte den Passagieren, dass sie sich abschnallen könnten. Bill fand das Klick seines Anschnallgurtes irgendwie beruhigend und drehte sich nun ganz zu Kate.
„Du bist blass!“
„Du auch! Und du hast Augenringe unter den Augen!“
„Ich hatte nicht viel Zeit heute im Bad!“, erklärte Bill.
„Na ja...siehst trotzdem gut aus!“
„Danke schön!“, Bill versuchte Kate etwas aufzulockern. Auch wenn seine eigenen Nerven blank lagen. Kate fing an mit den Füßen aufzutippen.
„Bill...was wenn wir es nicht schaffen?“
Bill blieb stumm. Diese Frage beschäftigte ihn schon seit er gestern Abend nicht einschlafen konnte. Kate blickte zu ihm und schaute ihn fragend an.
„Bill...ich...ich weiß nicht ob ich...“
„Hey! Keine Sorge! Irgendwie bekommen wir das schon hin!“
„Meinst du wirklich?“
„Ja! Ich habe größtes Vertrauen in deine Ausbildung!“
„Die ich abgebrochen habe!“
„Trotzdem, über die Hälfte hast du doch mitgemacht und auch mit Bravur bestanden...oder?“
„Ich war die Beste...aber...“
„Aber?“
„Na ja, ich hab sie halt abgebrochen!“
„Aber du warst schon immer gut in Rätsel lösen!“
„Ja ja...aber...“
„Hör doch mal auf mit deinem aber!“, maulte Bill und blickte wieder aus dem Fenster.
„Okay Bill. Ich habe noch nie in so einer Sache dring gesteckt! Das ist das erste mal das es für mich wirklich um Leben und Tod geht! Und es gefällt mir überhaupt nicht, dass das gerade bei deiner Tochter der Fall sein muss!“.
Bill schürzte die Lippen. Was sollte er denn darauf antworten?
„Es...es ist auch für mich das erste Mal, dass ich mit so Sachen etwas zu tun habe...aber...aber ich werde alles tun, um meine Tochter zu retten!“
Kate lächelte.
„Und ich werde auch alles tun, um dir dabei zu helfen!“

Zwei Stunden später, saßen die beiden schön sichtlich abgehetzt in einem Taxi und fuhren zum Brandenburger Tor. Sie waren schon in beiden Zoos gewesen und auch Bahnhof Zoo, war die falsche Adresse gewesen.
„Tja, bleiben uns nur noch ein paar Tierhandlungen!“, meinte Kate.
„Ein paar ist gut gesagt!“, meinte Bill.
„Na ja...wir schauen erst mal, ob wir irgendwo zwischen dem Brandenburger Tor und dem Fernsehturm eine finden!“, erklärte Kate und öffnete die Tür. Bill bezahlte den Taxifahrer und stieg aus.
„So und jetzt zu Fuß zum Fernsehturm?“
„Ja...so hab ich mir das gedacht!“
„Gut, dann komm!“.
Die beiden gingen los. Keiner von den zwei, sprach auch nur ein Wort. Sie suchten nach irgendwelchen Tierhandlungen. Doch beim ersten Spaziergang fanden sie nichts.
„Mh...vielleicht ist es gar nicht hier in der Nähe!“, meinte Bill.
„Doch ganz sicherlich!“, antwortete Kate und zog Bill den ganzen Weg noch mal zurück.
Plötzlich blieb sie wie angewurzelt stehen.
„Da vorne!“, sie streckte ihre Hand aus und deutete ein paar Meter weiter auf ein Schild.
Müller’s Tierhandlung.
„Komm schon!“, Kates Griff um den Koffer verstärkte sich und sie ging mit Bill in den Laden.
Der Ladenbesitzer kam auf sie zu.
„Guten Tag! Kann ich Ihnen behilflich sein?“
„Sehr gerne!“, lächelte Kate. „Wir suchen nach ein paar besonderen Papageien, haben sie welche?“
„Oh ja...einige sogar!“
„Können Sie uns die Tiere mal zeigen!“
„Sie sind etwas weiter hinten im Laden, kommen Sie! Wir haben sie gestern erst bekommen! Wohl von einem Züchter! Das sind sie!“.
Bill schob sich an Kate vorbei. Jeder der Tiere hatte einen eigenen Käfig.
„Können sie sprechen?“, fragte er und drehte sich um.
„Ja! Jedes Tier spricht einen anderen Satz!“
„Was sagen sie so?“, fragte Kate sofort.
„Einer von ihnen meint: Ich bin Robin Hood, ich nahmen meinen Bogen, meinen Besten! Mein Pfeil flog 100 Schritt gen Westen!“. Kates Augen weiteten sich.
„Das ist ein Scherz!“
„Keines Wegs! Wollen Sie einen?“
„Wir nehmen alle!“, meinte Kate sofort.
„Aber Kate, wir wissen doch nicht ob...“
„Doch Bill! Das sind sie!“
„Aber woher...“
„Wie viel wollen Sie?“
„Nun ja...der Züchter wollte, dass ich ihm das Geld gebe und er meinte, dass diese Papageien höchst wertvoll wären! Er meinte, wenn ich alles verkaufen wollte, sollte ich 18 Millionen fordern!“
„Bitte schön! 18 Millionen Euro!“, erklärte Kate und drückte dem Mann den Koffer in die Hand. Der öffnete ihn verwundert und blickte mit großen Augen das viele Geld an.
„So...könnten Sie jetzt dafür sorgen, dass die Papageien unversehrt in unser Apartment kommen?“, Kate gab ihm die Adresse und zu dritt, brachten sie die Papageien in ein Luxusapartment.


26. Kapitel


Kate saß vor einem der Papageien. Er schlug mit seinen Flügeln und knallte dabei gegen die Gitterstäbe des eisen Käfigs.
„Was sagst du Papagei...rede doch mit mir! Robin Hood? Bist du Robin Hood?“
„Ich bin Robin Hood! Ich nahm meinen Bogen, meinen besten mein Pfeil flog hundert Schritt gen Westen!“
„Schreib das auf Bill!“, befahl Kate und Bill suchte sofort einen Stift, einen Zettel und fing an den Satz aufzuschreiben. Kate wandte sich an den nächsten Papagei.
„Und wer bist du?“
„Lucius et Licinius et Lucullus! Kopf oder Zahl!“
„Schreib das auch auf!“, meinte sie und Bill raste mit dem Stift über das Blatt Papier.
„Und du mein hübscher, was willst du uns sagen?“.
Der Papagei schwieg.
„Mh...du willst wohl nicht. Na komm, sag was!“, Kate schlitzte die Augen.
„Jetzt sag was oder du landest heute Abend in der Pfanne!“
„Ich glaube nicht, dass das ihn schwer motiviert Kate!“, erklärte Bill und griff in die Tüte Sonnenblumenkerne, die der Tierhändler ihnen geschenkt hatte. Er hielt sie dem Papagei in. Der pickte sie auf.
„So...jetzt sag was!“
„Weis wie Schnee, rot wie Blut und blond wie Stroh! Ist Sherlock Holmes zu Hause?“
„Das ist doch unmöglich!“, flüsterte Kate und schrieb es auf.
„Was gibt es nicht?“
„Lass mich mal etwas ausprobieren!“
„Okay...“
„Sherlock Holmes?“, fragte sie.
Ein Papagei meldete sich.
„Du kennst meine Methoden Watson. Drei Rosen und die 13!“
„Schreib es auf!“, meinte sie und Bill schrieb es auf das Blatt.
„Woher wusstest du dass das...“
„Sei ruhig!? Alca...“, wollte Kate sagen, doch der Vogel sprach schon.
„Ich hab noch jeden reingelegt. Da guckst du in die Röhre, was?!“
Wieder schrieben die beiden es auf.
„Schau unter die Steine, jenseits der Gebeine, hol den Schatz ans Licht, ein schloss wert sich nicht!“
„Jetzt fehlt nur noch Blackbeard der Pirat, mein Schatz vergrub ich in finsterer Nacht, wo die Toten halten ewig wacht.“
„So...da hätten wir die ganze Botschaft! Hast du sie schon raus?“, grinste Kate.
„Wie denn?“
„Na, hier mit!“, Kate deutete auf den Zettel mit den Sätzen.
„Du weißt was das bedeuten?“
„Natürlich! Es ist zwar schon um die zehn Jahre her, aber so ganz vergessen habe ich das nicht!“
„Wo von sprichst du?“
„Von der Lösung! Bill! Das hier ist nicht von den Entführern erfunden! Mir war es doch gleich komisch vorgekommen! Na ja...hat Berlin eine Beckerstreet?“
„Wie bitte? Ich würde eher sagen eine Beckerstraße!“
„Auch gut! Ist in der Nähe ein Friedhof?“
„Woher soll ich das denn wissen?“, fragte Bill.
„Wir müssen dahin!“
„Okay, aber wie kommen wir dahin?“
„Taxi!“, meinte Kate und sprang auf.
„Erklärst du mir mal, was du vorhast!“
„Gleich!“
Die beiden liefen auf die Straße und Kate hielt ein Taxi ein.
„Wo soll es denn hingehen?“
„Gibt es in der Nähe der Beckerstraße einen Friedhof?“
„Ja...“
„Welchen?“, fragte Bill.
„Den Evangelischen Friedhof Alt-Schöneberg!“
„Dann müssen wir sofort dahin!“, meinte Kate.
Der Fahrer nickte etwas verdattert, wieso die beiden so gehetzt schienen, doch er fuhr los.
„Okay, eine Erklärung bitte!“, forderte Bill.
„Bill, hast du in deiner Jugend jemals ein Buch angefasst?“
„In der Schule, wieso?“
„Hast du jemals die drei Fragezeichen angefasst?“
„Nein! Wieso?“
„Bill...hier spielt jemand mit uns! Dieses Rätsel war nicht von denen selbst! Sie haben es den drei Fragezeichen geklaut! Die drei Fragezeichen und der Superpapagei! Dort war das Bild, worum es ging in einer Röhre auf einem Friedhof versteckt! Die Papageien haben die drei Fragezeichen zu dem genauen Ort geführt!“
„Du meinst die haben das Rätsel von den drei Fragezeichen aufgegriffen um uns jetzt zu Nelly zu führen?“
„Das könnte doch durchaus möglich sein, oder etwa nicht?“
„Doch...kann es!“, erklärte Bill und schaute auf den Zettel.
„Womit sollen wir auf dem Friedhof beginnen?“
„Mit Robin Hood!“
„Wieso?“
„Weil das die ersten Schritte sind! Hundert Schritte nach Westen! Dann geht’s weiter mit Sherlock Holmes!“
„Okay...und dann?“
„Mh...dass müssen wir dann sehen. Das weiß ich nicht mehr!“, gab sie zu.
„Na ja...wenigstens etwas!“, Bill zuckte mit den Schultern und schaute aus dem Fenster.
„Was wenn wir falsch liegen?“
„Denke ich nicht Bill! Das hier ist so einfach! Das hättest du früher oder später selber rausbekommen! Was mir sorgen macht ist, dass das hier vielleicht nur der Anfang war!“
„Der Anfang? Der Anfang von was?“, fragte Bill nach.
„Bill...die Entführer spielen mit dir! Sie haben sicherlich nicht vor, dir Nelly jetzt schon wieder auszuhändigen!“
„Was?! Aber...“
„Aber ich bin mir sicher solange du schön mitspielst, passiert deiner Tochter nichts!“
„Meinst du?“
„So ist es meistens...ganz genau sagen kann ich dir das natürlich nicht!“
„Ich frag mich nur, was die drei dazu gebracht hat Nelly zu entführen...“
„Keine Ahnung, vielleicht steckt da ja viel mehr dahinter! Hast du Feinde?“
„Willst du nur einige Beispiele oder die ganze Liste?“
„Bill!“
„Klar! Aber ich glaube, so etwas würde ein Hater nie machen und...na ja...ansonsten!“
„Wie weit ist es noch?“, fragte Kate den Fahrer.
„Nicht mehr weit!“, erklärte der und bog ab.
„Bill...sobald wir auf den Friedhof sind...musst du aufpassen, dass keiner hinter uns mit einer...“, Kate senkte die Stimme. „Pistole auftaucht!“
„Was? Wie soll ich das bitte schön machen?“
„Hier mit!“. Bill klappte der Mund auf. Er spürte wie Kate ihm etwas kaltes in die Hand drückte und er wusste schon längst, was das war.
„Du hast eine...“
„Ssh! Klar hab ich das! Ich hab ja immer noch meinen Waffenschein und das war ein Geschenk, meines Ausbilders! Und solange ich niemanden damit umlege, darf ich die behalten!“
„Okay, jetzt habe ich riesen Respekt vor dir!“, zischte Bill.
„Das will ich aber auch hoffen!“, grinste Kate und Bill steckte die Waffe ein.
„Ich mag die Dinger nicht!“
„Wieso? Sie können die richtig gut schützen!“, erklärte Kate.
„Ja...sie können dich aber auch RICHTIG GUT töten!“, meinte Bill und musste an Nelly denken. Sein Magen verkrampfte sich und die Jackentasche, in der die Pistole steckte, schien ihn nun nach unten ziehen zu wollen.
„Wenn jemand mit einer Waffe in der Hand auf dich zielt Bill, dann wirst du mir noch sehr dankbar für das Ding sein!“
„Entschuldigen Sie bitte, aber...wir sind da!“


27. Kapitel


Bill krümmte in seiner Tasche zitternd die Finger um die Pistole.
„Ist die geladen?“
„Ja! Und geschärft!“
„Was?“, fragte Bill empört.
„Ruhe!“, zischte Kate und blickte sich um. „Okay...na klasse, wie im Buch!“
„Was wie im Buch?“
„Im Buch befindet sich der Eingang glaube ich auf der Ostseite! Also müssen wir einfach nur gerade ausgehen!“
„Okay...dann los! Wie war das, Hundert Schritt gen Westen?“
„Genau! Also nehmen wir jetzt hundert Schritte!“
„Dann los!“, die beiden fingen an zu zählen.
„Eins...zwei...drei...“
Nach hundert Schritten blieben sie stehen und schauten sich um.
„Und jetzt?“
„Mh...drei Rosen und die 13! Siehst du irgendwas was mit Rosen zu tun hat?“, fragte Kate. Bill blickte sich um.
„Da stehen drei Grabsteine!“
„Was steht drauf?“
„Keine Ahnung! Komm!“, Bill und Kate gingen zu den Grabsteinen.
„Da steht das...Maria Rosenfeld, Hilde Rosenfeld und Gustav Rosenfeld alle im Jahr 1902 an Gelbfieber gestorben sind!“
„Mein Gott...wirklich wie im Buch!“, Kate schüttelte den Kopf.
„Das Wappen zeigt eine Rose...die drei Rosen!“
„Richtig!“, Kate schaute die drei Grabsteine entlang, die etwas parallel nach hinten versetzt waren.
„Und dahinten ist unsre 13! Komm schon Bill!“, Kate schnappte Bills Arm und lief los. An einem alten ziemlich verwitterten Grabstein blieben sie stehen.
„Hier Ruhen 13 namenlose Soldaten aus dem ersten Weltkrieg...mh...im Buch waren es namenlose Reisende, erschlagen von Indianern!“
„Schön und gut. Und jetzt?“
„Jetzt...suchen wir die Steine jenseits der Gebeine!“
„Also kein Grabstein?“
„Richtig!“. Bill blickte sich um
„Aber hier sind keine Steine!“, meinte er und drehte sich wieder zu Kate.
„Und was ist das?“, ein Stück weiter, war eine alte Steinmauer, die zusammengestürzt war.
„Wie gesagt, wie im Buch!“, die beiden gingen zur Mauer und Kate fing an zu wühlen. Bill half ihr die schweren Steine wegzulegen und schon bald hatten sie eine Kiste in der Hand.
„Nehm den Schatz ans Licht, ein Schloss, wert sich nicht!“, meinte Bill.
„Schon, aber du vergisst Alcapone!“, erklärte Kate und wühlte weiter.
„Was sagte der noch mal?“, fragte Bill.
„Ich hab noch jeden reingelegt...“, Kate zog an etwas und hielt eine Rohr in der Hand. „Da guckst du in die Röhre, was!“
Bill runzelte die Stirn und schaute wieder auf den Kasten.
„Öffne du ruhig den Kasten! Ich mach die Röhre auf!“, Kate schraubte an einem Verschluss und Bill machte sich daran, die Kiste aufzubrechen. Er hatte keinen Erfolg.
„Da da!“, meinte Kate und zeigte die offenen Röhre. Sie stellte sie auf den Kopf und etwas kam ihr in die Hand gefallen. Ein kleines Hölzernes Kästchen, mit einer Rose drauf.
„Sag mal wollen die uns verarschen?!“, wütend und empört stand Kate auf und machte das Kästchen auf!
Bill streckte seinen Hals um zu sehen, was dort in dem Kästchen war. Sorgsam in die üppige rote Seidenpolsterung eingepasst, lag ein Gegenstand, der Bill Rätsel aufgab. Es war ein aus poliertem weißem Marmor gefertigter Steinzylinder, ungefähr doppelt so groß wie eine Getränkedose. Der Zylinder bestand jedoch nicht aus einem Stück, sondern war aus mehreren dicken Scheiben zusammengesetzt: Fünf Marmorscheiben von der Größe eines Camemberts waren aufeinander gesetzt und mittels eines zierlichen Bronzerahmens miteinander verbunden. Das Ganze sah aus wie ein Kaleidoskop aus mehreren kurzen Röhren.
Nachdem Bill es im Inneren des Zylinders gluckern gehört hatte, hielt er ihn für hohl, doch beide Enden des Zylinders waren durch marmorne Deckel verschlossen, die den Blick hinein verwehrten.
So geheimnisvoll wie die Konstruktion des Zylinders, waren auch die auf den fünf Segmenten ringsum eingravierten Buchstaben die Bill besondere Aufmerksamkeit erregten. In jeder der fünf Scheiben, war sorgfältig die gleiche Buchstabenfolge graviert – das vollständige Alphabet von A bis Z.
„Äh...Kate...was ist das?“
„Das mein lieber Bill, ist eine Erfindung von Leonardo da Vinci! Würdest du mal mehr lesen, wüsstest du das!“
„Woher?“
„Aus Sakrileg! Diese verdammten Bastarde spielen ein ganze ekelhaftes Spiel mit uns!“
„Das wusste ich schon lange! Was ich nicht weiß, ist was das da ist!“
„Das hier ist ein Kryptex!“
„Ein was?“
„Ein Kryptex! Das Kryptex ist ein Zylinder, der aus fünf Messing-Ringen besteht, ähnlich einem Zahlenschloss. In jeden Ring sind umlaufend Marmorplättchen eingelegt, in die jeweils ein Buchstabe aus einem Alphabet eingraviert ist. Da die Ringe einzeln gedreht werden können, kann man sie zu fünfbuchstabigen Wörtern anordnen. Deckel an den Enden verhindern einen Blick in das Innere des hohlen Zylinders.
Wenn das richtige Passwort eingestellt ist, lässt sich der Zylinder öffnen. Im Inneren ist eine geheime Botschaft versteckt, die auf einer Rolle aus dünnem Papyrus geschrieben steht. Die Rolle ist um eine zerbrechliche, mit Essig gefüllte Phiole gewickelt. Wenn man versucht, das Kryptex mit Gewalt zu öffnen, ohne das Passwort zu kennen, zerbricht die Phiole, und der Essig zersetzt das Papyrus, bevor man die Botschaft lesen kann. Das Geheimnis darin ist dann für immer verloren!“
„Ah ha...und...wie sollen wir das Passwort wissen?“
Kate fing an die Ringe zu drehen.
„Was machst du?“
„Ich gebe ein Wort ein...mist, klappt nicht!“
„Was hast du versucht?“
„Nelly!“
„Nelly? Wieso Nelly?“
„Weil hier kein Rätsel ist um auf irgendein Wort zukommen! Es wäre wohl ziemlich gemein ein Wort als Passwort zu benutzen, was mit der ganzen Sache nichts zu tun hat, wenn man keinen Hinweis auf dieses Wort zurück lässt!“
„Mh...vielleicht ist in der Röhre noch eine Botschaft?“, Bill schüttelte die Röhre, doch das Rosenkästchen, war das einzige, was darin war.
„Mh...lass mich überlegen...wie kamen Landgon und Sophie an das Passwort?“
„Bitte wer?“
„Mein Gott Bill! Fang an zu lesen!“
„Wieso?“
„Weil das bis jetzt alles Rätsel aus Büchern und Geschichten waren!“
„Ach wirklich?“
„Ja! Außer das erste! Das wie wir auf Berlin gekommen sind! Aber die Papageien waren ein Rätsel aus den Romanen der drei Fragezeichen, dass hier...“, sie hob das Kryptex. „Gehört in den Roman Sakrileg, the Da Vinci code! Würdest du die Bücher kennen, wärst du mir eine größere Hilfe!“
„Es tut mir leid...“, Bill seufzte und schaute auf das Rosenkästchen. „Ich hab leider nur den Film gesehen!“
„Toll, dann denk!“
„Ja...schon gut!“
„Verdammt, ich muss in eine Bücherei!“
„Wieso?“
„Ich habe Lust Sakrileg zu lesen! Komm!“, Kate steckte das Rosenkästchen mit dem Kryptex in ihre Manteltasche und ging. Bill kam ihr hinterher. Die Finger immer noch um die Pistole verkrampft.


28. Kapitel


In einer Berliner Bibliothek ließen sie sich nieder.
„Okay...“, Kate blickte das Kästchen an. „War damit nicht irgendwas?“
„Frag mich nicht! Es ist Jahre her, dass ich den Film gesehen habe! Ich kann mich noch nicht mal mehr an die Schauspieler erinnern!“
„Tom Hanks!“
„Oh...okay.“
„Mh...verdammt, ich such jetzt mal den Roman!“, Kate sprang auf und ließ Bill alleine. Bill griff in seine Tasche. Wie entschärfte man dieses verdammte Ding? Raus holen konnte er die Pistole hier auf keinen Fall! Das würde wohl eine Massenpanik verursachen. Bill seufzte und schloss die Augen. Er versuchte sich an ein paar Szenen aus den Film zu erinnern. Doch es fiel ihm nur eine ein. Er riss die Augen wieder auf und suchte in seinen Taschen nach einem Stift. Er fand keinen.
„Mist...“, er schnappte sich das Kästchen und sprang auf und ging an die Theke, hinter der gelangweilt eine ältere Dame herum stand und auf einem Kaugummi rumkaute. Die Frau sah aus wie ein Kamel.
„Äh...entschuldigen Sie?“. Völlig verdattert, dass sie jemand ansprach, zog die Frau eine dicke Brille auf und glubschte Bill nun mit riesigen Augen an. Sie sah aus wie ein zu groß geratenes Insekt.
„Kann ich Ihnen helfen?“, fragte sie mit einer krächzenden Stimme.
„Ja...könnte ich einen Ihrer Kugelschreiber haben? Den dünnsten, den Sie haben?“
„Wofür? Sie wollen doch nicht etwa ein Buch verunstalten?!“
„Nein! Nein ich will...“
„Was haben Sie denn da?“, die Frau langte nach dem Rosenkästchen.
„Das...dafür brauche ich den Stift!“
„Na ja...okay, weil Sie es sind!“, die Frau griff nach ein paar Stiften und suchte Bill den dünnesten Kugelschreiber heraus, den sie finden konnte.
„Vielen Dank!“, Bill ging wieder zurück, wo Kate mit einem wütenden Gesichtsausdruck saß.
„Ist alles in Ordnung mit dir?“
„Ja! Nur das so ein hochnäsiger Herr meinte, dass er mir einfach so das letzte Exemplar von Sakrileg vor der Nase wegschnappen könnte und mich dann auch noch nach meiner Handynummer fragen könnte!“
„Mh...na ja, ich hab was herausgefunden!“
„Ach wirklich?“, fragte Kate nicht gerade interresiert.
„Ach wirklich!“, meinte Bill, ließ den Stift aufschnappen und öffnete das Kästchen. Er nahm das Kryptex heraus und drückte mit der Mine in ein kleines Loch, hinter der aufgezeichneten Rose. Die Scheibe, auf der die Rose aufgemalt war, wurde aus dem Kästchen gedrückt.
„Bill!“, strahlte Kate. „Du bist ja ein Genie!“
„Ja...ein Genie der den Film gesehen hat!“, Bill drehte die Scheibe um und stöhnte auf.
„Sag mal kannst du das lesen? Das steht auf dem Kopf und es ist Spiegel verkehrt!“
„Wir brauchen einen Spiegel!“, erklärte Kate und schnappte sich ihre Handtasche. Sie kramte etwas darin herum und fand schon bald, wonach sie gesucht hatte.
„Tatatataa! Die Handtasche einer Frau! Alles immer dabei!“, sie hielt einen Spiegel hoch und legte ihn an die Scheibe.
„Kannst du das jetzt lesen Bill?“.
Bill drehte den Kopf.
„Moment...warte...da steht. Oh Gott! English!“
„Les!“
„Okay, okay... In London lies a knight a Pope interred.
His labor’s fruit a Holly wrath incurred.
You seek the orb that ought be on his tomb.
It speaks of Rosy flesh and seeded womb.
Ah ha…Übersetzung?”
„Also Bill...soviel English solltest du als Internationaler Star aber können!“
„Ich bin mir aber nicht sicher ob ich das richtig deute! Kann ja auch falsch sein!
In London liegt ein Ritter, den ein Papst begraben.
Sein’ Werkes Frucht hat heil’gen Zorn ihm eingetragen.
Such die Kugel, die auf dem Grab sollt’ sein.
Mit rosig Fleisch und samenschwerem Leib.“
„Na siehst du! Du kannst es doch!“
„Schön, und was bedeutet das jetzt!“
„Das wir uns die DVD besorgen müssen! Bis morgen früh um sechs!“, Kate deutete auf etwas, was Bill im Spiegelbild noch nicht gesehen hatte.
Er drehte seinen Kopf und las.
„Wenn du bis morgen früh, das Rätsel nicht gelöst hast, dann stirbt Nelly!“
„Was...aber...“
„Beruhig dich Bill! Wir haben noch fünf Minuten, bis die Läden in Berlin schließen! Wir müssen uns beeilen! Pack die Sachen ein!“, Kate sprang auf und Bill packte die ganzen Sachen ein. Die beiden gingen an der Theke vorbei.
„He Moment mal!“, krächzte die alte Frau.
„Ach ja...hier Ihr Stift.“, Bill gab ihr den Stift und die Frau schüttelte nur den Kopf. „Tut mir leid!“
„Tztz, die Leute von heute!“
„Es tut mir doch leid!“
„Bill, komm jetzt!“
„Sorry...“, Bill entschuldigte sich noch mal und rannte Kate hinterher.
„Wir müssen zum nächsten DVDleihgeschäft oder die DVD kaufen! Oh...verdammt! Wir müssen wohl zu Fuß gehen! Die Straßenbahn ist vor zwei Minuten gefahren!“
„Klasse und woher weißt du jetzt, wo hier ein DVDladen ist?“
„Wir müssen irgendwen fragen!“, Kate schaute sich um. Doch kein Mensch, der auch nur den Anschein machte, zu wissen, wo ein solches Geschäft hier in der Gegend war. Kate schaute auf ihre Uhr.
„In vier Minuten ist zehn Uhr! Dann machen hier alle Geschäfte die Schotten dicht! Entschuldigen Sie...“, Kate lief einem Mann entgegen. „Könnten Sie uns vielleicht sagen, wo hier ein DVDladen ist?“
„Da müssen Sie etwas weiter! Über die nächsten zwei Kreuzungen und dann links in die Straße rein!“
„Danke schön!“, Kate machte auf dem Absatz kehrt, packte Bill am Kracken und rannte los.
„Hey...hey nicht so schnell!“
„Bill! Es geht um das Leben deiner Tochter!“
„Die hat nichts mehr von mir, wenn du mich umgebracht hast!“, Bill befreite sich aus dem halben Würgegriff und rannte Kate hinterher.
Er konnte nur dafür beten, dass der Laden nicht schon früher zu machen würde, dass war noch ein ganzes Stück bis zum beschrieben Laden und Bill hatte da so seine Zweifel, dass sie es überhaupt rechtzeitig schaffen würden. Kate jedoch, schien fest entschlossen, die Zeit zu besiegen und legte noch einen Schritt zu. Bill hatte mühe da mitzuhalten. Kate rannte sogar bei rot über die Straße und Bill, der wirklich den Kopf einzog, um sich irgendwie zu schützen, falls jemand gegen sie fahren würde, folgte ihr mit rasendem Herzen.
„Schneller Bill!“, rief sie und konnte schon die Straße sehen, in der das Geschäft lag.
Schneller?! dachte Bill und keuchte. Ihm war jetzt schon schwindelig.
Doch endlich, nach einem schier unendlichen Sprint, standen sie vor dem Laden und es war...
Geschlossen!


29. Kapitel


Kate schlug mit den Fäusten gegen die geschlossene Türe.
„Hey! Hey verdammt macht auf!“
Bill griff nach ihren Hände und zog sie von der Tür weg.
„Das bringt doch nichts...“, meinte er und Kate wollte sich wieder losreißen.
„Das ist nicht fair! Wir haben uns so beeilt! Wir wären fast überfahren wurden! Das ist nicht fair wir müssen dass wissen!“
„Hast du das Buch zu Hause?“, fragte Bill. Kate schüttelte den Kopf.
„Ich hatte es mir ausgeliehen...aus einer Bücherei. Hast du die DVD?“
„Nein...“, Bill schüttelte den Kopf.
„Dann gibt es nur einen Weg!“
„Der wäre?“, fragte Bill. Kate schnappte sich ihr Handy und wählte eine Nummer.
„Wen rufst du an?“
„Eine gute alte Bekannte von mir!“
„Und wie soll uns das helfen?“
„Ganz einfach! Meine Freundin wohnt in London!“
„Wie bitte?“
„Ssh! Hello Susann...ist auch schön mal wieder etwas von dir zu hören. Sag mal, könntest du mal sagen, welcher Ritter von einem Papst begraben wurde? Wie...kein Ritter? Was? Sorry, aber die Verbindung ist ziemlich schlecht...was...wer? Susann? Newton? Von einem...hallo?“, Kate schaute verblüfft ihr Handy an.
„Mh...die Verbindung ist abgekackt! Aber...Newton...da fällt mir was ein...“
„Ach und was?“
„Newton...Newton...Sir Isaac Newton...Ein Ritter! Begraben von...Oh mein Gott ja! Newton ist unser Mann!“
„Newton? Wieso?“
„SIR Isaac Newton, ein Ritter, wurde von einem Freund begraben! Alexander Pope! Nicht A Pope, also ein Papst, sondern A. Pope! Alexander Pope!“
„Was hilft uns das jetzt? Wir müssen eine Kugel finden die sich auf Newtons Grab befindet!“
„Irrtum Bill! You seek the orb that ought be on his tom…die die auf dem Grab sein sollte!”
„Du meinst die Kugel ist gar nicht da?“
„Genau! Oh man, wieso hab ich mir das Buch bloß nicht gekauft...“
„Weißt du wie Newtons Grabmal aussieht?“
„Nein...wann fliegt das nächste Flugzeug nach London?“
„Du willst doch nicht jetzt nach London? Dafür bleibt uns keine Zeit!“
„Wenn wir glück haben schon! Es dauert höchstens zwei Stunden! Wenn wir denen genug Geld bieten, dürfen wir mit Sicherheit in die Kirche! Dann können wir in aller Ruhe das Grab begutachten und ich wette, dann kommen wir drauf!“
„Ich hab kein Geld mehr!“
„Ich schon! So teuer wird das schon nicht!“
„Du hast gut reden!“
„Bill! Es geht um deine Tochter!“
„Aber wie sollen wir es schaffen nach London zu fliegen, die Leute von dieser blöden Kirche zu überzeugen, dass wir da rein dürfen, diese verdammte Kugel finden und dann wieder rechtzeitig zurück zu kommen, bis morgen früh um sechs Uhr? Weißt du, wie viele Stunden das nur noch sind?“
„Noch genug! Wenn wir uns beeilen und glück mit dem Flugzeug haben!“
„Kate...das schaffen wir mit Sicherheit nicht!“
„Willst du Nelly also einfach sterben lassen?“
„Nein! Aber wir haben ein Apartment mit Internetzugang! Entweder suchen wir nach Sakrileg, irgendwo wird die Lösung schon stehen oder wir suchen nach Sir Isaac Newton!“.
Kate strahlte plötzlich über beide Ohren.
„Bill...du bist ein Genie!“
„Du machst immer zu viel Panik...dann übersiehst du die einfachsten Lösungen!“, Bill lächelte.
„Das hast du früher mal gemocht...“
„Ich mag es immer noch!“, erklärte Bill und nahm Kates Hand. Er ging zur Hauptstraße zurück und setzte sich in ein Taxi. Er sagte die Adresse und der Fahrer fuhr los.
Bill nahm das Rosenkästchen aus seiner Tasche und spürte dabei die Pistole, die er immer noch mit sich trug. Kate öffnete das Kästchen und nahm das Kryptex raus.
„Wer schafft es so was zu bauen?“
„Jemand mit viel Geld!“, erklärte Kate und drehte und wendete es um es von allen Seiten sehen zu können. Plötzlich fiel ihr etwas ein. Sie blickte zu Bill.
„Bill...was wenn er...“
„Nein!“, meinte Bill sofort. „Er würde das nicht tun! Er weiß wie sehr ich sie liebe...er liebt sie auch. Sie ist seine Nichte!“
„Aber wieso blockt er so ab? Wieso will er dir nicht mal mehr zu hören?“
„Ich...ich weiß es nicht...aber...ich habe mich fälschlicher Weise als homosexuell geoutet!“
„Du musstest es tun! Das muss er doch erkennen...nur nicht wenn...“
„Nein! Ich glaube einfach nicht das Tom...“
„Aber Tom wüsste auch, dass du diese Rätsel niemals hinbekommen würdest!
„Tom ist mein Bruder!“
„Ich weiß aber...vielleicht will er Nelly auch einfach nur von dir weg haben, damit du dich auf deine und SEINE Karriere konzentrierst!“
„Aber Tom...nein...er würde niemals...“, Bill schüttelte den Kopf. Das konnte nicht sein! Das war unmöglich! Doch je mehr er darüber nach dachte, desto mehr schien es Sinn zu ergeben. Nein! Das war einfach unmöglich.
„Kate...das...er würde das wirklich niemals tun!“
„Na ja...ich bin mir dabei nicht so sicher!“, Kate schaute wieder auf das Kryptex. „Weißt du was ich mich frage?“
„Was?“, fragte Bill.
„Was uns für eine Antwort hier drin erwartet! Ich meine, die können ja schlecht die Antwort vom Buch darein gesteckt haben!“
„Wieso nicht?“
„Weil wir dann nach England oder nach Paris müssten! Und ich glaube nicht, dass Nelly dort steckt!“
„Oh...na ja, wer weiß!“
„Nein! Nelly ist noch in Deutschland, da bin ich mir sicher!“
„Okay...“, Bill schaute auf das Kryptex. „Ist Essig denn überhaupt effektiv genug, um Papyrus aufzulösen?“
„Keine Ahnung...aber ich will es lieber nicht testen...vor allem nicht hier mit!“
Bill nickte und der Taxifahrer hielt an. Kate bezahlte ihn und die beiden stiegen aus.
„So...wo könnten wir jetzt nach Sakrileg gucken?“
„Wikipedia!“, erklärte Kate und ging in das Hotel. Sie stieg in den Aufzug und drückte auf den Knopf. Bill lehnte sich müde gegen die Wand.
„Du machst doch nicht schon schlapp?“
„Nein! Ich muss nur gerade an Nelly denken...ich verzeih es mir nie, wenn ihr was passiert ist!“
„Die Entführer werden ihr sicherlich nichts tun solange du die Regeln befolgst!“
„Die Regeln sind ziemlich schwer ein zu halten!“
„Ich weiß...aber du darfst nicht aufgeben!“
„Noch gebe ich nicht auf!“
„Gut so!“ Kate schaute auf den Display. Noch vier Stockwerke. Sie kam der Lösung dieses verdammten Rätsels immer näher.
„Hoffentlich finden wir die Kleine bald!“, seufzte sie.
„Ich bin echt froh...dass du mir dabei hilfst!“
„Och wieso, das hättest du sicher auch alleine geschafft!“
„Sicherlich nicht!“
Noch ein Stockwerk!
Plötzlich hielt der Aufzug und das Licht ging aus.
„Ähm...okay...“, Kate schaute nach oben. Die Tür ging nicht auf.
„Sag jetzt nicht, dass der Aufzug stecken geblieben ist!“
„Doch...scheint so.“


30. Kapitel


Kate seufzte und drehte sich zu dem Display mit den Knöpfen.
„Gibt es nicht eigentlich immer einen Notrufknopf? Oder ein Telefon?“
„Keine Ahnung...eigentlich schon!“
„Dann hilf mir mal bitte suchen.“, erklärte Kate und fing an verschiedene Knöpfe zu drücken, da sie im Dunklen nichts sah.
Nach zehn Minuten gab sie es auf und ließ sich seufzend zu Boden singen.
„Ist alles in Ordnung?“, fragte Bill und folgte ihr. Er tastete sich die Wand zu ihr entlang.
„Ja...geht schon.“
„Nelly hat die selben Probleme!“
„Welche Probleme? Ich weiß nicht wovon du redest!“
„Komm schon Kate...ich weiß ganz genau das du Platzangst hast! Das ist doch nicht schlimm!“, Bill spürte, wie Kate sich etwas an ihn lehnte und lächelte ins Dunkle hinein.
„Bill...“
„Mh?“
„Sag mal...seit dem wir uns damals getrennt haben...hast du da an mich gedacht? Irgendwann?“
„Fast ständig...ich meine, wir haben uns ja nur getrennt, um die Leben wieder etwas sicherer zu machen. Das war ja nicht mehr normal...“
„Also hast du noch oft an mich gedacht?“
„Wie gesagt, fast ständig! Klar, als Nelly dann plötzlich vor meiner Tür stand, habe ich auch oft an Sabrina gedacht, aber sie kannte ich nicht wirklich. Das war...na ja...ein One-Nigt-Stand.“
„Aber daraus ist jetzt dein Kind entstanden. Bereust du das?“
„Nein! Auf keinen Fall! Nelly ist mein ein und alles...ich kann mir ein Leben ohne sie nicht mehr vorstellen. Es war so schlimm sie weg zu geben und dann...dann wurde sie dort auch noch so schlecht behandelt. Wenn ihr hierbei etwas Schlimmes passiert, dann...dann könnte ich mir das niemals mehr verzeihen...oder wenn ich dieses Rätsel nicht schaffe und sie sie deswegen umbringen...“.
Kate hörte dass Bill den Tränen nah war.
„Hey...keine Sorge...wir schaffen das schon, da bin ich mir ganz sicher. Du bekommst deine Tochter zurück...“
„Wenn wir weiter hier rum sitzen, ganz bestimmt nicht. Verdammt wir müssen hier raus!“
„Ich bin mir sicher, dass der Aufzug gleich wieder losfährt!“, Kate lehnte ihren Kopf auf Bills Schultern.
„Hey, du bist doch nicht müde, oder?“
„Nein...ich hab nur Angst!“
„Keine Sorge...wir kommen hier raus!“
„Okay, wenn du das sagst.“, plötzlich kicherte Kate etwas.
„Was? Was ist so lustig?“
„Ich kann mir schon ganz genau vorstellen, was Tom jetzt tun würde!“
„Im Dunkeln?“
„Wieso nicht? Der ist bestimmt zielgenau!“
Bill lachte etwas doch das Lachen ging in einem Seufzen über.
„Denkst du er hat sie?“
„Ich weiß nicht. Es kommt mir komisch vor, dass er dir nicht mal wirklich zuhören will. Eigentlich, sollte er das doch, oder?“
„Eigentlich schon aber, ich kann ihm die Story ja auch nicht erklären. Stell dir mal vor, er wäre es wirklich und ich würde es ihm erzählen!“
„Dann wüsste er als Entführer, dass du es wohlmöglich der Polizei sagen würdest und Nelly wäre innerhalb von zwölf Stunden tot!“
„Woher weißt du das so genau?“
„Lehrzeit Erfahrung!“
„Du hast während deiner Lehrzeit einen Mord mitbekommen?“, fragte Bill verblüfft und überrascht.
„Ich habe in meiner Lehrzeit so einiges mitbekommen!“, erklärte Kate und seufzte. „Schön war das nicht gerade. Aber heute bin ich dankbar dafür.“
„Wieso?“
„Sonst hätten wir bestimmt schon irgendeinen Fehler begonnen!“
„Na ja...wer weiß, ich hätte darauf gehört, dass ich die Polizei nicht rufen sollte.“
„Und du hast es trotzdem gemacht!“
„Aber du bist keine Polizistin!“
„Mh...na ja, du hast Recht. Ich bin eine dreiviertel Polizistin!“. Bill lachte wieder etwas.
„Dreiviertel Polizistin?! Entweder ganz oder gar nicht! Du bist einfach nur eine Freundin, die mir hilft mein Kind zurück zu bekommen!“
„Okay!“, Kate schmiegte sich etwas an Bill.
„Das erinnert mich irgendwie an früher!“, meinte der und legte den Arm um ihre Schulter.
„Ja! Wir haben früher ja auch fast jeden Tag in einem Fahrstuhl festgesessen, wo wir doch eigentlich dein Kind retten sollten!“
„Na ja, natürlich nicht, aber früher waren wir auch oft alleine unterwegs!“
„Ja...das war schön. Als noch keiner über uns bescheid wusste!“
„Ja...“
Kate seufzte und schmiegte sich an ihn. Sie schloss die Augen, auch wenn das nicht viel brachte, da es ohnehin dunkel war.
„Bill...“
„Mh?“
„Wir schaffen das!“
„Jo, wir schaffen das!“
„Bob, der Meister...“, sang Kate.
„Das läuft übrigens noch!“
„Echt?“
„Ja...Nelly hat das immer geguckt!“.
Kate schmunzelte. Wie sehr sie sich auch eine kleine Tochter wünschte.
„Nelly muss ja richtig süß sein!“
„Ist sie auch! Du musst sie unbedingt mal sehen!“
„Werde ich ja, wenn wir sie wiederbekommen!“
Ein Schweigen breitete sich aus. Die Antwort hatte eine Frage in den winzigen Aufzugraum geschleudert. Was, wenn wir Nelly nicht zurück bekommen? Bill wollte gar nicht daran denken. Sein Leben war zu Ende, wenn er Nelly nicht mehr bekommen würde. Und Kate wollte die Kleine auch retten. Bill zu Liebe.
„Bill...“
„Kate...“, meinte Bill und räusperte sich.
„Ich...ich ähm...“
„Was denn?“
„Ach nichts, ich hab nur gerade über das Passwort von dem Kryptex nach gedacht.“
„Und?“
„Nichts...“
„Na ja, sobald wir hier raus sind, fang ich an zu surfen. Im Internet findet man so ziemlich alles.“
„Wir hätten die Treppe nehmen sollen! Vielleicht, wären wir dann jetzt schon einen Schritt weiter.“
„Mit ziemlich hoher Sicherheit!“, antwortete Bill und lehnte seinen Kopf gegen ihren.
„Bill ich...“, fing Kate wieder an.
„Was denn? Sag es doch...“
„Wären deine Fans nicht gewesen, wären wir dann noch ein Paar?“.
Bill schürzte die Lippen und fing an zu überlegen. Sicherlich, er hatte damals keinen Grund gehabt sich von ihr zu trennen. Doch die Fans spielten wirklich verrückt. Kate hatte jeden Tag über fünfzig Morddrohungen bekommen.
„Vielleicht!“, antwortete Bill und zog sie noch etwas näher an sich.
„Und, würdest du es noch mal mit mir versuchen? Einfach so?“
„Vielleicht!“, antwortete Bill wieder.
„Und, machst du es?“
„Vielleicht!“, plötzlich gingen die Lichter wieder an und der Aufzug setzte sich in Bewegung.
„Na also, geht doch!“, grinste Bill und stand wieder auf. Er schaute zu Kate runter und stellte erschrocken fest, dann sie total blass war.
„Ich weiß, so sehe ich immer aus, wenn ich Angst habe!“, meinte sie, die den Blick bemerkt hatte und sich wieder aufgestellt hatte.
„Ich finde du hast dich tapfer geschlagen!“. Der Aufzug hielt und die Tür glitt mit einem leisen Zisch auf.


31. Kapitel


„Okay komm!“, meinte Kate und zog Bill aus dem Aufzug. Die beiden liefen zu ihrem Apartment und Kate schloss mit zittrigen Händen die Tür auf.
„Ich geh an den Computer!“, meinte sie und setzte sich prompt an den Schreibtisch. Bill warf seine Jacke aufs Bett und stellte sich zu ihr.
„Also...Wikipedia...“, tippte Kate ein und die Startseite von Wikipedia baute sich auf.
„Okay und jetzt...Sakrileg (Roman)“, Kate tippte auf Eingabe und eine Seite baute sich auf. „Hier müsste das irgendwo stehen!“. Bill war immer wieder überrascht, wie schnell Kate lesen konnte.
„Da! Apfel! Oh ich hätte doch selbst drauf können kommen!“, zischte sie wütend und griff nach dem Kryptex, was sie neben sich auf den Schreibtisch gelegt hatte.
„Fragt sich nur...English oder Deutsch?“
„Wieso?“
„Im Roman ist es English...Apple! Aber...wir sind in Deutschland!“
„Das Rätsel ist ja auch auf English!“
„Dann also English?“, fragte Kate und schaute Bill fragend an. Der nickte.
„Gut...es ist ja eigentlich dein Kryptex!“, Kate fing an, an der ersten Scheibe zu drehen. Bis dort A stand. So ging das immer weiter bis das englische Wort >>apple<< dort stand.
„Okay...also dann!“
Kate zog an beiden Enden und das Kryptex ging auf. Bill griff nach der Papyrosrolle und rollte sie aus.
„Und, was steht da?“
„Mh...kein Rätsel!“
„Wieso nicht? Les vor!“
„Da steht...ähm...Hä...was?“
„Boah du Depp, gib mal her!“, Kate nahm Bill den Zettel aus der Hand und las ihn.
„Das ist eine Bibelstelle! Jetzt hab ich keine Bibel hier...“
„Welcher Stelle?“
„Ijob 38, 11!“
„Kenn ich nicht!“
„Du kennst die Bibel doch sowieso nicht!“
„Ja...ja! Und du kennst sie sicherlich besser!“
„Lass uns jetzt bitte nicht streiten Bill! Das hier ist extrem wichtig!“
„Schon okay...tut mir leid...es ist nur...“
„Hey, kann ich verstehen...ich hätte auch Angst um meine Tochter.“
„Willst du später mal Kinder?“
„Ja!“
„Wie viele denn?“
„Keine Ahnung...Ich freu mich auf alles was kommt!“
„Ah ha. Würdest du dich auch über Vierlinge freuen?“
„Wenn ich dann noch genug Geld habe um ihnen ein gutes Leben bieten zu können, ja!“
„Du wärst sicherlich eine tolle Mum!“
„Na ja, ich weiß nicht!“
„Jedenfalls wärst du besser als ich als Dad!“
„Wieso?“
„Mein Kind wurde entführt! Ich weiß nicht wo es ist, wie es ihr geht...ich weiß nicht mal, ob sie überhaupt noch lebt!“
„Keine Sorge Bill! Wir finden sie sicherlich schnell!“, Kate stand auf und ging zur Tür.
„Wo willst du hin?“
„Ich muss die Rezeption etwas fragen gehen!“
„Nehm aber lieber die Treppe. Ich denke das ist besser so!“
„Das hatte ich auch vor! Bin gleich zurück!“, Kate schloss die Tür hinter sich und Bill seufzte. Wie viele Rätsel müsste er denn noch lösen, bevor er Nelly zurück bekommen würde?
Er setzte sich aufs Bett und schaute aus dem Fenster. Draußen war es dunkel. Ob Nelly das jetzt auch sah? Ob sie wirklich irgendwo hier in Berlin war? Er wusste es nicht, und er wusste auch nicht, wann er dieses Rätsel lösen konnte und ob er es überhaupt lösen könnte.
„Nelly...wo bist du?“, flüsterte er und spürte schon wieder, wie ihm Tränen über die Wangen liefen. Er wischte sie sich weg und legte sich auf den Rücken. Wo war sie nur? Was wenn sie an irgendwelche pädophile Perverse geraten war? Was wenn Nelly genau jetzt im Moment von irgendeinem kranken Irren vergewaltigt wurde? Was wenn sich jetzt jemand an den Schmerzensschreien der Kleinen aufgeilte. Bill schüttelte den Kopf. Er wollte nicht mehr weiterdenken. Aber immer mehr solcher Gedanken überschwemmten ihn. Die Medien waren voll von so Fällen. Wieso sollte Nelly also eine Ausnahme sein. Doch Bill betete dafür, dass sie eine Ausnahme war. Er würde es sich niemals verzeihen können, wenn die Kleine vergewaltigt würde.
Die Tür klickte wieder und Kate kam rein. In der Hand hielt sie ein dickes Buch.
„Hey...“, meinte sie und hielt das Buch hoch. „Wir hatten Glück! Die Hauseigene Hoteloma, hatte eine Bibel! Ist alles in Ordnung?“
„Meine Tochter wurde entführt! Glaubst du es ist noch irgendetwas für mich in Ordnung?!“, fauchte Bill sie an und versteckte das Gesicht in seinen Händen.
„Hey...mach dir keine Sorgen...“
„Ich mach mir keine Sorgen...ich mache mir Vorwürfe. Wenn ich Nelly doch nur mitgenommen hätte! Wenn ich sie nur...ich hätte sie niemals zu Hause lassen sollen! Sie war doch auch bei der Tour mitgekommen! Wieso hab ich sie an diesem einen Tag nicht mitgenommen!“
„Es konnte doch keiner wissen, dass so etwas passiert Bill!“
„Ich hätte es doch spüren müssen. Wenn ich ein guter Vater wäre, dann hätte ich doch ein Gespür gehabt dafür, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist! Aber ich habe rein gar nichts gespürt...es ist alles meine Schuld!“
„Jetzt gehst du aber zu weit Bill! Dich trifft rein gar keine Schuld! Du tust alles was du kannst um sie zurück zu bekommen! Ich möchte mal wissen, welcher Vater noch quer durch Deutschland reist, sich als homosexuell outet, achtzehn Millionen Euro weggibt und diese verdammten Rätselspiele mit spielt, um das Leben seiner Tochter zu sichern! Viele hätten schon längst aufgegeben!“
Bill schaute zu Boden. Kate hatte Recht, er wusste es. Aber trotzdem fühlte er sich so schuldig. Wenn er sich vielleicht frei genommen hätte an dem Tag, dann hätte er selbst sie beschützen können.
„Bill...hör auf! Wir suchen jetzt diese blöde Bibelstelle und sehen dann weiter, okay?“
„Was wenn Nelly schon tot ist? Wenn die Entführer nur noch mit mir spielen wollen?“
„Dann...ach das glaube ich einfach nicht! Die meisten Entführer die Lösegeld fordern, die trauen sich meistens gar nicht, ihr Opfer zu töten!“
„Wieso habe ich Nelly dann nicht schon wieder? Ich hab die 18 Millionen doch übergeben! Was soll ich denn noch alles machen?“
„Keine Ahnung. Aber im Moment ist es besser, wenn wir dieses Spiel mitspielen! Ich wette diese Rätsel führen uns zu deiner Tochter!“
„Und wenn sie nur zur Leiche führen?“
„Bill!“
„Was?“
„Hör auf so zu denken! Nelly ist noch nicht tot! Das spürst du doch, oder?“
„Ich...ich weiß nicht. Ich spüre im Moment nur den Drang diesen Entführern den Hals um zudrehen und Nelly endlich wieder bei mir zu haben!“
„Bill...es wird bestimmt alles gut...Komm, lass uns die Bibelstelle suchen!“. Bill nickte und blätterte zusammen mit Kate die Bibel durch. Bis sie besagte Stelle gefunden hatten.
Bill keuchte auf und ach Kate riss die Augen auf.
„Das kann nicht wahr sein...“, stotterte Kate.
Ijob 38.11: Bis hier her sollst du kommen und nicht weiter!


32. Kapitel


Nelly zitterte. Ihr war kalt und sie hatte Angst, denn es war dunkel. Sie konnte nicht mal ihre eigene Hand vor Augen sehen. Kein Lichtstrahl, drang in den Raum und sie war alleine. Eigentlich, war sie in letzter Zeit immer froh, wenn sie alleine war. Denn die zwei Typen machten ihr Angst. Den dritten hatte sie noch nie gesehen. Aber sie hatte seine Stimme gehört und sie kannte die Stimme irgendwoher. Doch ohne das Gesicht, konnte sie die Stimme niemandem zu ordnen. Jan war nett, aber Hendrik, oder auch Hendi, wie er genannt werden wollte, fuchtelte immer mit einer Pistole vor ihrem Gesicht rum, zielte auf sie und drückte ab. Bisher war die Waffe nie geladen gewesen, doch Nelly wusste schon genau, was passieren würde, wenn die Waffe irgendwann mal einen echten Schuss los lassen sollte. Dann waren da noch die anderen Sachen, die Hendi machte. Sie erinnerten Nelly an die Zeit bei der anderen Familie. Die Zeit im Zimmer von diesem Ratten Jungen. Nelly hatte immer Angst wenn Hendi das tat, doch bis jetzt, hatte er sie dabei nie angefasst, oder angerührt. Er befriedigte sich selbst und stöhnte dabei immer nur ihren Namen. Nelly...wie gerne würde sie diese fünf Buchstaben wieder mit Bills Stimme hören. Nelly...ihr Name klang so fremd, wenn Bill ihn nicht sagte. Nelly...Nelly...Nelly...sie hasste ihren Namen, wenn Hendrik den sagte. Der Name hörte sich dann eher wie ein schmutziges kleines Ding an. Nicht wie ein Name. Nelly kroch zurück auf ihre Matratze. Die zwei Typen, hatten zwei dünne Matratzen über einander gestapelt und bezeichneten das ein Bett. Mit einer von Motten zerfetzten Decke und einem Kissen, aus dem schon die Hälfte der Federn hinausgepufft war, machte diese Zusammenstellung dann ihr ganzes Bett aus. Jede Nacht kam einer der beiden Typen die Rund um die Uhr in diesem alten Haus waren zu ihr. Wenn Jan da war, konnte sie beruhigt schlafen. Doch Hendi kroch immer zu ihr ins Bett und ließ seine Hand in seine Hose gleiten. Nelly wusste genau was er da tat. Das selbe wie der Ratten Junge. So lange er sie dabei nicht anrührte, machte ihr das nicht all zu viel aus. Doch es war ihr manchmal auch unangenehm. Plötzlich hörte sie Schritte auf dem Gang. Ihr kleines Herz begann mächtig zu rasen. Sie drückte sich ängstlich an die Wand und zog die Decke bis zur Nasenspitze. Die Eisentür wurde geöffnet.
„Nelly?“.
Nelly atmete auf. Es war Jan!
„Schläfst du schon?“
Nelly gab keine Antwort und kniff die Augen zu. Sie hörte wieder, wie die Tür geschlossen wurde und jemand auf sie zu kam. Jan hockte sich vor sie und strich ihr über die Stirn.
„Du bist so heiß...du wirst doch kein Fieber bekommen...“, flüsterte er wohl eher zu sich selbst, als zu Nelly.
„Oje...das wird noch ein Problem mit dir!“. Nelly hustete und öffnete die Augen.
„Du bist ja doch wach...“, lächelte Jan und setzte sich zu ihr auf die Matratze.
„Ich will zu Papa...“
„Bald!“
„Wieso nicht jetzt?“
„Dein Papa hat uns schon eine Menge Geld überwiesen.“
„Was heißt das?“
„Er hat uns Geld geschenkt. Weißt du wir spielen ein Spiel. Ein paar Sachen muss er noch erfüllen, dann bekommt er dich wieder!“
„Welche Sachen? Wieso wurde ich nicht gefragt ob ich mitspielen will! Papa und Mama haben mich immer gefragt.“
„Das hier ist ein besonderes Spiel! Da wird man nicht gefragt! Da spielt man einfach mit...weil...weil es eine große Ehre ist mit zu spielen! Und du bist der Jackpot in diesem Spiel!“
„Jackspot?“
„Jackpot! Der Hauptgewinn!“
„Ach so...Und wie nah ist Papa schon am Jackpot?“
„Na ja...ich denke mal, er ist schon recht nach dran!“
„Kann ich ihm nicht irgendwie helfen?“
„Nein! Das hier ist fast so wie Verstecken! Du kennst doch Verstecken, oder?“.
Nelly nickte.
„Aber zu Hause hatte ich immer schönere Verstecke...“
„Nun...das Versteck hier ist aber recht gut...und eigentlich total simpel...ich versteh auch nicht, wieso dein Vater hier noch nicht gesucht hat. Es sei denn, er weiß noch nicht, wer der Entführer...äh...ich meine der Versteckmeister ist!“
„Wer ist denn der Versteckmeister?“
„Das darf ich dir leider nicht sagen! Das ist gegen die Regel!“
„Oh...kenn ich den Versteckmeister denn?“
„Ja...ja ich denke schon!“
„Kennt man Vater ihn?“
„Sehr gut sogar!“
„Ist es Onkel Tom?“

Bill schreckte aus dem Schlaf. Er zitterte und war Schweiß gebadet. Wo war er? Er suchte nach einer Nachttischlampe, aber er fand keine. Erst jetzt bemerkte er, wo er war und dass jemand neben ihm lag. Er schaute zur Seite. Kate. Sie lag dicht neben ihm und musste mit ihrem Kopf an seiner Brust gelegen haben. Die hob sich jedoch jetzt rasch und Kates Kopf, war neben ihn geplumpst. Gott sei Dank, war sie nicht aufgewacht. Er erinnerte sich nur halb an das Geschehene. Das Kryptex, der Fahrstuhl, der Computer, die Bibelstelle, die Hilflosigkeit, der Sex! Moment! Bills Augen weiteten sich. Er schaute zu Kate. Auch wenn sie eine Decke über sich hatte und es fast stockdunkel war, konnte er wegen dem wenigen Mondlicht, was durch die halb herunter gelassene Jalousie drang erkennen, dass Kate nichts trug. Er schluckte als ihm klar wurde. Das auch er nichts trug und nun schlugen die Erinnerungen an die vergangen Stunden auf ihn ein.
Nach dem sie die Bibelstelle mehr als zehn Mal versucht hatten, als Anagramm zu entschlüsseln, hatten sie aufgegeben und Bill war auf dem Bett zusammen gebrochen. Er konnte nicht mehr. Kate, hatte alles versucht um ihn zu trösten, hatte ihn gestreichelt und geküsste. Irgendwann, muss eine Sicherung bei Bill durchgebrannt sein und er war auf diese Art von “Trösten“ angesprungen.
Das hätte er nicht tun sollen! Seine Tochter wurde entführt und steckte in Gefahr und er hatte nichts Besseres zu tun, als mit seiner Ex zu schlafen. Auch wenn es nur wahr, um das Schlimmste zu vergessen. Um neuen Mut zu fassen, um nicht in ein Trauerloch zu fallen und die Hoffnung aufzugeben. Bill schaute Kate an und runzelte die Stirn. Bereute er es? Bereute sie es? Er wusste es nicht. Es war schön gewesen, keine Frage. Doch nun fühlte er sich schlecht. Als hätte er Nelly verraten. Er schaute auf sein Handy. Es war halb vier morgens.


33. Kapitel


Kate saß in dem hauseigenen Restaurant des Hotels unten in der Lobby und schlürfte an einem Espresso herum. Bill war schon vor Stunden abgehauen. Ein Angestellter des Hotels, hatte ihr einen Brief an den Tisch gebracht. Wieder und wieder las Kate sich den Brief durch.
Tut mir Leid, Kate, wenn ich heute Morgen nicht da war, als du aufgewacht bist, aber ich brauch ein paar Stunden für mich alleine. Ich hoffe du kannst das verstehen.
P.S. die Nacht gestern war wunderschön!

Kate verstand Bill, aber sie hätte ich heute Morgen viel lieber an ihrer Seite gehabt. Sie fühlte sich einsam ohne ihn. In den letzten zwei Jahren hatte sie nie gemerkt, wie einsam sie doch gewesen war.
„Darf ich Ihnen noch was bringen?“, fragte ein Kellner und räumte die Tasse weg.
„Ähm...haben Sie die Zeitung von heute?“
„Natürlich! Ich bringe sie Ihnen gleich“, der Kellner verschwand und Kate drehte den Brief von Bill um und schrieb etwas drauf.
„Bis hier her sollst du kommen und nicht weiter...mh...“
Was hatte das zu bedeuten? Sie las sich den Satz immer wieder durch. Denn er musste etwas zu bedeuten haben! Die Entführer hatten sicherlich nicht vor, sie einfach hier so hängen zu lassen! Sie wollten dass Bill seine Tochter bekommen würde, doch erst, wenn Bill ganz unten war!
„Bill ist dadurch schon tief genug gefallen...es wird Zeit, dass diese Rätsel ein Ende finden!“. Sie seufzte und schlug die Hände über den Kopf zusammen.
„Stimmt etwas nicht?“, fragte die Stimme des Kellners. Kate blickte auf und schüttelte den Kopf.
„Nein, nein! Alles in Ordnung.“
„Mh...“, der Kellner warf einen Blick auf den Satz, der auf das Briefpapier gekritzelt war.
„Ijob?!“, fragte er verwundert.
„Sie kennen diese Stelle?“
„Natürlich! Ich habe mich früher sehr für die Bibel und Religion interessiert!“
„Ach so...“
„Ijob 38, 11. Hab ich recht?“
„Ja, haben Sie...“, seufzte Kate und starrte wieder auf die Buchstaben.
„Mh...wieso haben Sie diesen Satz aufgeschrieben?“, der Kellner legte ihr die Zeitung auf den Tisch.
„Ach nicht so wichtig...“
„Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass in diesem Satz, noch andere Wörter versteckt sind?!“
„Sie meinen also ein Anagramm?“
„Richtig!“
„Und...welches?“
„Möchten Sie es nicht erst mal selbst herausfinden?“
„Mh...na wenn Sie mir helfen, wenn ich nicht weiter weiß!“
„Sehr gern. Aber schauen Sie doch erst mal!“
„Kind...Schule...Bill...Oh mein Gott.“
„Bis jetzt war alles richtig! Machen Sie weiter!“
„Sie müssen mir den Satz sofort sagen!“
„Einen grammatisch richtigen Satz ergibt es nur sehr schwer! Aber die Wörter Kind, Schule, Westen, Ort, Herr und die Name Bill, Tom und Kim stechen deutlich heraus! Aber natürlich geht auch Osten, Norden. Nur Süden geht von den Himmelsrichtungen nicht!“
„Können Sie mir eine Auskunft über verschiedene Schulen hier in Berlin geben?“
„Oh mein Gott...da gibt es sehr viele!“
„Können Sie mir eine Sagen die ein Ort oder ein Herr im Namen hat sagen?“
„Na ja...es gibt die Schule am Tegelschen Ort...aber, was wollen Sie denn damit?“
„Etwas suchen!“, Kate sprang auf und gab dem Mann reichlich Trinkgeld.
„Für die gute Hilfe!“, Kate zog ihre Jacke über und zückte ihr Handy. In Windeseile hatte sie Bills Nummer gewählt und war aus dem Hotel gerannt.
„TAXI!“, schrie sie und ein Taxi bremste so stark, dass der Fahrer beinahe einen Unfall gebaut hatte.
„Komm schon Bill, geh ran!“, murmelte sie, während sie einstieg.
„Wo soll es denn hin gehen hübsche Frau?“, fragte der Taxifahrer und grinste sie verschmitzt an.
„Grundschule Tegelort!“
„Das wird aber teuer!“
„Egal!“, zischte Kate. „Fahren Sie schon!“
„Okay...“, der Fahrer fuhr los und Kate wählte noch mal Bills Nummer. Doch er ging nicht ran.
„Oh verdammt Bill geh an dein Handy ran!“, flüsterte Kate und drückte noch mal auf wählen. Immer noch hob keiner Ab.
„Wen versuchen Sie denn da anzurufen?“
„Das ist ja wohl meine Sache!“, blaffte Kate den Fahrer an und gab es auf Bill anzurufen. Sie fieberte der Ankunft entgegen. Der Taxifahrer versuchte ständig, vergeblich, mit ihr zu flirten. Aber Kate hatte ganz andere Sorgen. Was, wenn das die falsche Antwort war? Aber es musste einfach stimmen! Sakrileg war auf Anagrammen aufgebaut!
„Können Sie nicht schneller fahren? Ich habe es etwas eilig!“
„Tut mir leid gute Frau! Das ist die morgendliche Rushhour! So ist Berlin eben...“
„Ich weiß wie Berlin ist...aber trotzdem! Es geht so zu sagen um Leben und Tod!“
„Da kann ich leider nichts dran ändern!“. Kate schüttelte den Kopf und versuchte ein letztes Mal Bill zu erreichen. Es klingelte wieder. Einmal, zweimal...fünfmal...zehnmal...
„Was ist denn so wichtig Kate? Ich hab dir doch gesagt dass ich...“
„Anagramm Bill! Es war ein Anagramm!“
„Was?“
„Die Bibelstelle! Rate mal welche Wörter oder eher, welcher Name!“
Bill schwieg für einen Moment. Kate war klar, dass er in Gedanken jeden Buchstaben für sich durch ging.
„Oh mein Gott!“
„Genau! Und in dem Satz ist nicht nur dein Name versteckt! Sondern auch die Wörter Schule, Kind, Ort, Herr und noch ganz andere! Ich bin jetzt gerade auf den Weg zur GrundSCHULE TegelORT!“
„Ich komme sofort dahin! Wie lange brauchst du noch?“
„Keine Ahnung...Moment warte mal...Äh...entschuldigen Sie, wie lange dauert das noch?“
„Wollen Sie mir wieder die Ohren voll meckern?“
„Nein! Aber ich würde gerne wissen, was ich meinem Freund sagen soll!“
„Sagen sie Bill, dass er ruhig langsam machen kann, je nach dem wo er ist. Wir haben nämlich noch gut zwanzig Minuten zu fahren!“
„Zwanzig Minuten brauchen wir ungefähr noch!“
„Gut...ich setz' mich dann auch in ein Taxi...bis gleich!“, Bill leckte auf.
„Muss ja mächtig wichtig sein!“
„Ist es auch!“, antwortete Kate und schaute weiterhin aus dem Fenster. Ob sie etwas finden würde? Aber was nur? Welches Buch, hatte denn noch ein Rätsel? Oder würde es bei den zwei Büchern bleiben? Das aber, bezweifelte Kate. Es würde bestimmt noch mindestens ein Buch kommen. Aber welches? Kate schüttelte den Kopf. Darüber wollte sie jetzt erst nachdenken, wenn sie vor dem Rätsel stand, oder wenn sie es in den Händen hielt. Der Fahrer blieb an einer Ampel stehen und pfiff eine Melodie.
Kate verdrehte die Augen. Dieser Fahrer war ja ätzender als...ihr viel gerade niemanden ein.
Als der Fahrer in eine Straße einbog, die eine Sackgasse zu sein schien, fiel Kate auf, welche Melodie der Fahrer da pfiff. Mit einem ekelhaften Grinsen, drehte er zu sich um und pfiff die letzten Töne von >>Spiel mit das Lied vom Tod<<
„Tut mir wirklich Leid! Aber wir haben Bill verboten, Hilfe zu bekommen!“
„Was?“
„Sag' gute Nacht!“, damit schloss die Fahrer das Auto von innen zu und zog eine Pistole. Das letzte was Kate sah, war die Mündung eine Pistole, dann wurde es schwarz um sie.



34. Kapitel


Bill stand nun schon seit 40 Minuten vor der Grundschule. Wollte Kate nicht schon längst da sein? Er schaute die Straße entlang. Kein Taxi und auch keine Kate zu sehen.
„Kate...wo bleibst du denn nur...komm schon!“, flüsterte er und verschränkte die Arme vor der Brust. Er drehte sich zur Grundschule. Sollte er alleine reingehen? Aber er wusste ja nicht mal, nach was er suchen sollte. Wieder nach einem Kryptex? Bill schüttelte den Kopf und machte sich bereit um zu gehen. Kate kam wohl nicht mehr. Doch in genau diesem Augenblick ging die Tür auf und ein etwas älterer Mann kam auf ihn zu.
„Herr Kaulitz, nehme ich an?!“, Bill nickte.
„Guten Tag Herr Kaulitz, war haben Sie schon erwartet!“
„Ach...haben Sie das?“
„Natürlich! BRAVO hat uns gestern eine Mail zukommen lassen, dass Sie in den nächsten Tagen unsere Schule besuchen kommen würden. Im Rahmen der „Schau nicht weg“ Aktion. Erinnern Sie sich denn nicht?“
„Doch...natürlich...klar!“
„Dann ist ja alles in bester Ordnung...kommen Sie doch mit rein in mein Büro.“. Der Direktor ging auf das Schulgebäude zu.
„Ich bin übrigens Herr Houben!“
„Freut mich Sie kennen zu lernen!“, meinte Bill und schaute sich aufmerksam um.
„Suchen Sie etwas?“
„Nein...ich ähm...ich will mir nur ein Bild der Umgebung machen.“
„Wenn Sie wollen, kann einer meiner Kollegen Ihnen später mal das Gelände zeigen.“
„Dürfte ich mich auch alleine umsehen?“
„Natürlich Herr Kaulitz!“, antwortete der Direktor. „Unsre ältesten Schüler haben übrigens noch etwas für Sie vorbereitet!“
„Was denn?“
„Mh...sagen wir mal so was wie ein Quiz...“. Bill blieb wie angewurzelt stehen.
„Ein Quiz? Ein Rätsel?!“
„Ja...Mögen Sie keine Rätsel?“
„Doch! Sehr gerne sogar!“
„Na dann ist doch alles wunderbar, kommen Sie!“, Herr Houben öffnete die Tür und die beiden Männer traten in die Schule.

Die schwere Eisentür wurde aufgerissen. Nelly setzte sich hastig auf. Ihr Herz hämmerte vor Angst schmerzhaft gegen ihren kleinen Brustkorb, sie atmete rasch und bekam kaum Luft durch ihre Panik. Sie schnürte ihr regelrecht den Hals zu. Jan kam ins Zimmer und musterte sie mit ernster Miene.
„Ist Papa da?“, fragte Nelly und versuchte sich zu beruhigen.
Jan schüttelte den Kopf und Nelly schaute betrüb zu Boden.
„Wann darf ich wieder zu ihm...das Spiel wird doof.“
„Du hast Recht Nelly! Das Spiel ist ganz, ganz doof geworden.“, Nelly blickte auf. Sie schaute Jan fragend an.
„Es ist etwas ganz Schlimmes passiert Kleine!“
„Was?“
„Dein Vater hat gegen die Regeln verstoßen!“
„Und jetzt?“
„Jetzt müssen wir das ganze wieder einrenken...“, Nelly schaute Jan immer noch fragend an, doch plötzlich bemerkte sie, was Jan da in der Hand hatte. Es war eine Pistole. Fast genau so eine, wie Eric, ein Junge aus ihrem Kindergarten in Köln, an Karneval hatte. Er hatte auf sie gezielt und gefeuert. Klar, damals hat es nur einen lauten Knall gegeben, doch Nelly wusste, dass aus dieser Pistole nicht nur ein Knall kommen würde! Daraus, würde etwas viel Schlimmeres kommen.
„Und...und wie machen wir das wieder gut?“, fragte Nelly und schaute wieder in Jans Gesicht. Er schaute sie traurig und entschuldigend an. In diesem Moment ging die Tür etwas weiter auf und Nelly sah, dass Hendi schon die ganze Zeit hinter der Tür stand. Hendi grinste und kam auf sie zu.
„Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“, grinste der. Nelly musterte Hendi. Er war ganz schwarz angezogen.
„Niemand...“, flüsterte sie.
„Und wenn er kommt?“, fragte Hendi, packte Nelly und hob sie hoch. Nelly fing an mit den Beinen zu strampeln. Jan hob die Pistole und richtete sie gegen Nelly.
„Beeil dich aber Hendi...ich hab keine Lust dass mir das Trommelfeld platzt!“
„Dann würde ich lieber gehen!“
„Darf ich nicht...Befehl vom Boss!“
„Na dann musst du ihre Schreie mit anhören.“
„Na hoffentlich hört dich keiner!“
„Wir sind mitten in der Pampa, wer soll uns hier hören außer der Boss?“
„Keine Ahnung...mach trotzdem schnell!“, meinte Jan, die Waffe immer noch auf Nelly gerichtet. Hendi grinste und drehte das Gesicht wieder zu Nelly. Die Kleine war ganz blass geworden und zitterte vor Angst.
„Also Kleine...hat dein Vater dir schon mal was über die Bienchen und die Blümchen erzählt?“.
Nelly nickte und Hendi schaute sie ungläubig an. Das schien ihn etwas aus dem Konzept zu bringen. Doch nach ein paar Sekunden hatte er sich wieder gefasst und grinste.
„Na dann wird es Zeit, dir auch mal die Praxis beizubringen!“
Drei Minuten später konnte man Nellys Schmerzenschreie durchs ganze Haus hören.

Ein Schauer fuhr durch Bill als er durch die Klasse blickte und in seinem Kopf tauchte ein Bild auf. Nelly! Nelly wie sie auf grausamste und perverseste Weise gequält wurde. Er blickte wieder auf und legte ein nettes Lächeln auf die Lippen, obwohl er innen drin zitterte. Wo war Kate nur? Er schaute aus dem Fenster. Kein Taxi, keine Kate.
„Haben Sie früher auch Leute verschlagen?“, riss ein Kind Bill aus seinen Gedanken. Er blickte wieder zur Klasse und schüttelte den Kopf.
„Ja! Aber heute finde ich das nicht mehr so toll, weil ich jetzt weiß, dass Gewalt keine Lösung ist!“
„Wieso haben Sie es dann früher gemacht?“
„Keine Ahnung. Manchmal um mich zu verteidigen, andere Male um mich stark zu fühlen. Aber glaubt mir, dass ist wirklich keine Lösung!“
„Und wenn wir angegriffen oder gemobbt werden!“
„Dann müsst ihr mit jemanden darüber reden! Es ist nicht feige so etwas zu erzählen! Sondern das einzig Richtige!“, das war wohl so sein Schlusswort. Die Schüler und Schülerinnen klatschten und Bill wurde in die Turnhalle geführt.
„So...hier haben unsre Schüler nun ein kleines Theaterstück vorbereitet. Es ist eine Szene aus dem aller ersten Harry Potter!“, erklärte die Klassenlehrerin und die Schüler fingen an zu spielen. Bill passte auf und endlich kamen sie an die Rätsel stelle. Bill fiel es wie Schuppen von den Augen.
„Die Gefahr liegt vor euch, die Rettung zurück.
Zwei von uns helfen, bei denen habt ihr Glück,
Eine von uns sieben, die bringt euch von dannen,
Eine andere führt den Trinker zurück durch die Flammen,
Zwei von uns enthalten nur guten Nesselwein,
Drei von uns sind Mörder, warten auf eure Pein.
Wählt eine, wenn ihr weiterwollt und nicht zerstäuben hier.
Euch helfen sollen Hinweis’ und davon ganze vier:
Erstens: so schlauch das Gift versteckt mag sein, es ist immer welches zur Linken vom guten Nesselwein.
Zweitens: die beiden an den Enden sind ganz verschied’ne Leut, doch wenn ihr eine weitergeht, so ist keine davon euer Freund.
Drittens: wie ihr deutlich seht, sind alles verschieden groß, doch weder der Zwerg noch der Riese enthalten euren Tod.
Viertens: die zweiten von links und die zweiten von rechts werden Zwillinge sein, so verschieden sie schauen auf den ersten Blick auch drein.“.
Bill schlug die Augen auf und schaute auf die Bühne. Anstatt irgendwelche Flüssigkeiten, waren kleine Zettelchen in den Flaschen. Nun stoppten die Kinder und eines, wohl das größte und älteste, kam zu Bill und übergab ihm den Zettel mit den Hinweisen.
„So, und Sie müssen nun heraus finden, in welchem der Fläschchen der richtige Zettel steckt. Aber sie dürfen nur eine Einzige holen!“.
Bill schaute unsicher zu der Lehrerin doch die nickte. Wussten diese Leute hier etwa bescheid? Oder hatten die Entführer diese Leute nur ausgenutzt? Bill tippte auf Letzteres und ging auf die Bühne zu den Flaschen. Er ging vor dem Tisch auf und ab, blickte auf den Zettel und überlegte. Nach knapp fünf Minuten blieb er stehen und sagte mit lauter fester Stimme.
„Die Kleinste!“
„Richtig!“, damit überreichten die Kinder ihm das kleinste aller Fläschchen und Bill machte es auf. Ein Papyrus Zettel fiel ihm in die Hand. Er rollte es aus und las:
>>Beside your love you will never find the name of the one who reveres you<<*

* Neben deiner Liebe wirst du niemals den Namen der Einen finden, die dich verehrt.




35. Kapitel


Bill saß in seinem Hotelzimmer. Er war sich nun sicher, dass Kate irgendetwas passiert sein musste, denn das Zimmer, war komplett verwüstet. Ein Kellner aus dem Restaurant kam zu ihm.
„Ich habe Ihre Freundin als letztes gesehen...ich habe mit ihr über die Bibelstelle gesprochen...dann ist sie in ein Taxi gestiegen. Kurz darauf kamen zwei maskierte und bewaffnete Männer ins Hotel gestürmt und wollten in das Zimmer von Bill Kaulitz...wir mussten sie rein lassen. Fehlt etwas?“
„Nur meine Freundin!“, erklärte Bill und ballte eine Faust. Das Blatt in seiner Hand zerknitterte.
„Wir haben natürlich sofort die Polizei alarmiert. Doch als die kam, waren die beiden Männer schon beide wieder weg.“. Bill schürzte die Lippen und drehte sich zu dem Kellner.
„Sie haben den Bibelsatz gelöst...können Sie mir dann auch vielleicht hierbei helfen?“, Bill zeigte ihm den schon heftig zerknitterten Zettel.
„Oh...der Satz...mh...der ist ziemlich lang und vor allem auf English...soll jetzt eine englische Antwort herauskommen?“, der Kellner runzelte die Stirn.
„Ich weiß es nicht!“, erklärte Bill und setzte sich auf das völlig verwüstete Bett. „Ich weiß nur das erst meine Tochter verschwindet und jetzt auch noch eine Freundin von mir...irgendwer scheint etwas gegen mich zu haben!“
„Ich habe nichts gegen schwu...ähm...ich meine Homosexuelle!“.
Bill lachte sarkastisch auf.
„Ja...ich bin auch so ein Homo...“
„Sind Sie nicht? Aber Sie meinte doch in dem Interview...“
Bill schüttelte den Kopf. Er musste es erzählen. Nelly war ohnehin schon tot, denn die Entführer hatten heraus gefunden, dass Kate ihm geholfen hatte.
„Meine Tochter wurde entführt...die Entführer sagten mir, ich solle in Bravo bekannt geben, dass ich schon lange homosexuell wäre und das ich Sex mit Männern hätte, dann würden sie mich wieder anrufen. Ich tat es und wurde hier gelockt. Ich erzählte das alles meiner Freundin, sie arbeitete bei der Bravo und hat das Interview mit mir durchgeführt. Nun ja, ohne Kate hätte ich diese ganzen Rätsel wohl nie geschafft...aber jetzt haben die Entführer sie und ich weiß nicht...ob sie...ob beide, meine Tochter und Kate noch leben...“
„Nelly! In diesem Satz ist Nelly versteckt!“. Bill blickte auf zu dem Kellner.
„Wirklich?“
„Ja! Nelly...bei...ist...Wir müssen einen deutschen Satz finden!“. Bill seufzte und ging zum Schreibtisch. Er suchte einige Sachen zusammen und fand unter einem Stapel Papier, etwas, was seinen Magen zusammenzucken ließ. Kates Pistole. Ein schneller Blick über seine Schulter verriet ihm, dass der Kellner ganz auf den Zettel fixiert war. Er steckte die Pistole schnell in seine Tasche und kam mit einem Stift zu dem Kellner zurück.
„Danke!“, meinte der Kellner und fing an einzelne Buchstaben zu verdrehen und durch zu streichen.
Bill schaute dabei zu und runzelte die Stirn. Woher wusste dieser Kellner so etwas? Ob er etwa einer der Entführer war, der es sich nun doch noch einmal anders überlegt hatte und ihm helfen wollte? Oder ob der Kellner einfach nur sehr schlau war? Bill wusste es nicht. Er wusste nur, dass jetzt jede Sekunde zählte.
„Ich hab einen Satz raus!“
„Und welchen?“
„Ich denke mal, der wird Ihnen überhaupt gar nicht gefallen!“
„Jetzt zeigen Sie ihn mir doch endlich mal!“, Bill riss ihm das Blatt weg und seine Augen weiteten sich. Nein, das war unmöglich! Das konnte nicht sein!
„Das kann unmöglich die richtige Lösung sein! Prüfen Sie bitte noch einmal nach!“, Bill gab ihm das Blatt zurück und der Kellner fing noch mal von vorne an.
„Wieso halten Sie das für unmöglich?“
„Weil das einfach nicht sein kann!“
„Was wäre denn so schlimm daran?“
„Einfach alles!“
„Wieso?“
„Da kann das einfach nicht raus kommen! Tom würde das nie tun!“
„Nun...aus dem Buchstaben hier ergibt sich aber >>Nelly ist bei Tom!<<“
„Da muss einfach etwas anders heraus kommen! Ich glaube nicht, dass Tom Nelly entführt hat! Tom redet zwar nicht mehr mit mir, weil er denkt, dass ich ihm über Jahre hinweg meine Homosexualität verschwiegen habe, aber Nelly ist seine Nichte und er liebt sie! Er liebt sie fast soviel wie ich! Und was hätte er denn auch davon? Tom hat genug Geld!“
„Sie haben schon Lösegeld bezahlt und Ihre Tochter trotzdem nicht zurück bekommen?“
„Nein! Und jetzt will ich nicht mehr darüber reden! Lösen Sie lieber dieses Rätsel, bitte...“, Bill fing an nervös im Raum hin und her zu gehen.
Der Kellner schüttelte nur seinen Kopf und blickte wieder auf die Buchstaben. Er stich wieder welche durch, schrieb den englischen Satz noch mal ganz auf, strich wieder Buchstaben durch, dieses Mal andere und fing dann noch mal von vorne an.
„Es kommen auch Sätze heraus, die gar keinen Sinn ergeben!“
„Zum Beispiel?“
„Na ja...okay, der hier ergibt sind! Liebe Nelly! Oder...Tom liebt Nelly...oder...Moment mal...“
„Was? Was?!“, Bill drehte sich zu dem Kellner und fing an ihn mit Blicken zu erdolchen. „Nun sagen Sie doch endlich was los ist!“
„Seien Sie doch endlich mal still!“, herrschte der Kellner ihn an. Bill schürzte die Lippen und ging an Fenster. Er biss sich nervös auf die Unterlippe und drehte sich nach kurzer Zeit wieder zum Kellner. Der hatte inzwischen Zeit den Satz noch mal ganz neu aufgeschrieben und wieder Buchstaben durchgestrichen. Er runzelte die Stirn und Bill seufzte.
Wieso spannt der mich denn so auf die Folter?, fragte er sich und drehte sich wieder zum Fenster. Bill tippte nervös mit dem Fuß auf und warf einen kurzen Blick über seine Schulter. Der Kellner war immer noch am grübeln.
„Brauchen Sie noch lange?“, Bill kniff die Augen zu. Das hatte sie schärfer angehört, als er wollte. Aber Bill konnte nicht mehr warten. Jede Sekunde mehr, könnte das Leben seiner Tochter beenden.
„Mh...“, der Kellner ließ sich noch mal alles durch und kritzelte etwas auf das Papier.
„Kennen Sie den?“, er hielt Bill das Papier vor die Nase und Bill las sich den Satz durch. Er dachte seine Augen würden ihm raus fallen. Das konnte nicht wahr sein! Doch je länger er darüber nach dachte, desto mehr Sinn ergab es.
„Was anderes fällt mir bei diesem Satz nämlich nicht mehr ein.“
„Oh Gott...danke schön...Sie...Ich muss weg!“, Bill schnappte sich seine Jacke und rannte aus dem Hotel. Draußen auf der Straße rief er sich ein Taxi.
„Ich muss sofort zum Flughafen!“
„Okay...“, der Taxifahrer fuhr los und nach einer dreiviertel Stunde, kam Bill auf dem Flughafen an. Er rannte so schnell es ging zum Checkin.
„Wann fliegt der nächste Flieger nach Hamburg?“
„In zehn Minuten!“, erkläre die Frau total verdattert, dass Bill so abgehetzt war.
„Gibt es noch Tickets?“
„Ja...“
„Gut!“.
Kaum zwanzig Minuten später, war Bill schon in der Luft. Er schaute aus dem Fenster und erblickte sein Spiegelbild.
Du warst so dummm Bill! Darauf hättest du selbst kommen müssen! Es war doch so einfach!, meinte er zu sich selber und bemerkte plötzlich, dass er immer noch den Zettel in der Hand hielt und seine rechte Jackentasche fühlte sich plötzlich so schwer an. Wie war er damit eigentlich durch die Kontrolle gekommen? Er wusste es nicht mehr. Irgendwie, war die Waffe wohl nicht aufgefallen. Jetzt musste er seine Tochter retten!


36. Kapitel


Es war kalt, als Bill am Hamburger Flughafen über den Parkplatz zu einem Taxi rannte. Gewitterwolken türmten sich auf und alles erinnerte Bill irgendwie, an einen Horrorfilm, oder einen Thriller.
Tja, ein Thriller alla Dan Brown!, dachte er und musste dabei an Kate denken. Nur weil sie soviel über Bücher wusste, kam er bis hier her. Und dass in weniger als vier Tagen.
„Wo soll es denn hin gehen?“, fragte ein Taxifahrer. Bill sagte ihm die Adresse und der Fahrer nickte.
„Bitte anschnallen!“. Bill schnallte sich an und schaute auf den Zettel. Er schüttelte den Kopf. Wieso hatte er es nicht gleich gemerkt? Wieso nicht? Es war wirklich einfach! Die Lösung hatte eigentlich ständig genau vor seiner Nase gelegen. Bill schürzte die Lippen. Ob er zu Hause war? Die Pistole in seiner Tasche fühlte sich immer noch schwer an. Sie schien ihn erdrücken zu wollen und Bill musste sich echt anstrengen um nicht irgendwie auszurasten. Seine Fingernägel gruben sich in sein Fleisch von der Handfläche und seine Zähne zerbissen seine Unterlippe fast völlige. Tränen stiegen in seine Augen. Was wenn er Nelly schon umbringen gelassen hatte? Wozu war dieser Mensch nur fähig? Das hätte er nie gedacht! Wieso hatte er das getan? Bill schüttelte wieder den Kopf. Er wollte nicht mehr darüber nachdenken. Er wollte lieber darüber nachdenken, was er mit ihm machen würde, wenn er ihn in die Finger bekommen würde.
In der Elbe ertränken?
Mit Kates Pistole erschießen?
Ihn eigenhändig erwürgen?
Bill wusste es nicht! Wahrscheinlich würde das ganz spontan kommen, aus dem Bauch heraus.
Wenn du ihn tötest, bist du wohlmöglich nicht besser, als er selbst!, sagte ihm eine Stimme.
Und?! Der Arsch hat Nelly entführt und Kate wahrscheinlich kalt gemacht!, sagte eine andere Stimme.
Okay, jetzt reichts Bill! Hör auf mit dir selbst zu reden!, sagte er sich nun selbst und schaute wieder auf den Zettel. Zum hundertsten Mal, las er sich die vier Wörter durch. Er schüttelte den Kopf schon wieder. Wenn das stimmen sollte, dann wäre >>das Tokio Hotel<< sicherlich am Ende seiner Karriere. Der Taxifahrer blickte ab und zu in den Rückspiegel. Bill bemerkte seinen Blick und der Fahrer blickte schnell wieder auf die Straße.
„Haben...Haben Sie ein Problem?“, fragte der Fahrer von vorne.
„Was? Äh...nein! Alles in Ordnung.“
„So sehen Sie aber nicht aus!“
„Ich hab nur einen stressigen Tag hinter mir, dass ist alles!“
„Ah...okay...“, der Fahrer nickte und bog ab. Bill schaute weiter aus dem Fenster. Wieso hatte er ihn nach Berlin gelockt? Wenn er sie doch sowieso hier in Hamburg hatte? Wieso musste Bill nach Berlin? Sicherlich wollte er noch etwas mit ihm spielen und ihn einfach nur an der Nase herum führen. Bill biss die Zähne zusammen und ballte wieder die Fäuste.
Es würde alles gut werden! Er hatte das Rätsel gelöst! Er hatte den Entführer gefunden! Jetzt musste er nur noch Nelly und Kate zurück bekommen.
Der Taxifahrer, hielt vor einem Haus. Bill bezahlte ihn und stieg aus. Jetzt würde er es gleich wissen, ob er Recht hatte, oder nicht. Mit einem letzten Blick auf den Zettel klingelte er und wartete. Die Sekunden zogen sich in die Länge und Bills Magen verkrampfte sich. Niemand war da! Er war nicht da! Er hatte sie wo anders versteckt! Seine Befürchtungen hatten sich bewahrheitet.
„Okay...wo könnte er sein...“, er blickte sich um und schaute auf den Zettel. Auch der englische Satz stand noch darauf. Ob da noch ein versteckter Hinweis war? Das wäre gut möglich. Immerhin, hatte der Mistkerl bis jetzt immer nur mit Tricks gehandelt. Bill las sich jedes Wort durch. Doch er fand kein Wort.
„Mist...verdammt...“, er steckte den Zettel in die Tasche und sein Magen zog sich wieder zusammen, als seine Finger an die Pistole stießen. Ob er sie brauchen würde? Er hatte keine Ahnung. Vielleicht sollte er erst mal nach Hause gehen. Bill seufzte. Sein letztes Geld was er bei sich hatte, hatte er für den Flug und das Taxi ausgegeben. Wenn er nicht schwarz Fahren wollte, musste er wohl oder übel laufen. Also machte er sich auf den Weg. Einige Leute schienen in gar nicht zu beachten, andere schienen ihn extra anzurempeln und er hätte schwören können, dann noch eine leise Beleidigung wie >>du schwuler Hurensohn!<< zu hören. Aber im Moment waren ihm all die gaffenden, spottenden, bewunderten Blicke und den ganzen Rest egal. Er hatte größere Sorgen! Nelly war immer noch in den Händen dieses Psychopaten und wer wusste auch schon, was der mit ihr anstellte? Er blieb stehen und die Augen fielen ihm beinahe raus. Da vorne an der Straßenecke – kaum 30 Meter weiter- stand, in einem schwarzen Mercedes seine Rettung. Bill dachte gar nicht mehr nach und rannte einfach los. Er hatte nur wenige Sekunden, denn sicherlich würde die Ampel bald wieder auf grün springen und dann wäre seine Rettung weg! Nun stieß er selbst Leute bei Seite und drängte sich durch die Massen. Erschöpft kam er an dem Mercedes an und riss die Beifahrertür auf. Der Fahrer zuckte zusammen und blickte ihn erschrocken an.
„Bill?!“, fragte sein Bassist ungläubig.
„Georg...“, keuchte Bill und schnappte erst mal wieder Luft. Er schlug die Tür zu und die Ampel sprang auf grün um. Georg fuhr nicht weiter.
„Was tust du hier?“, die Autos fingen an zu hupen.
„Fahr weiter!“
„Wo warst du?“
„Fahr weiter!!!“, drängte Bill und endlich fuhr Georg los.
„Also...wo warst du und wieso springst du mitten in Hamburg in mein Auto?“
„Ich war in Berlin!“
„Wieso?“
„Geschäftlich!“
„Ohne uns?“, fragte Georg verwundert.
„Ohne euch! Ja! Es war ziemlich privat! Ich bin eben erst zurück gekommen.“
„Und wo ist Nelly?“, fragte Georg.
„Die...eine Nachbarin von mir passt auf sie auf!“, es tat weh, dass zu sagen. „Ähm Georg...ich...ich hab leider kein Geld mehr bei mir. Fährst du mich nach Hause!“
„Aber natürlich...wieso hast du uns es nie erzählt?“
„Was?“
„Dass du auf Männer stehst!“
„Ich...ich steh nicht auf Männer!“
„Aber du hast doch...“
„Georg...ich hoffe, dass ich dir das in ein paar Stunden alles erklären kann! Jetzt muss ich erst mal nach Hause.“
„Du hoffst?“
„Ja! Noch kann ich es dir und den anderen nicht erklären...Tom wird mir sowieso nicht zuhören.“
„Es geht ihm nicht besonders gut!“
„Was? Wieso nicht?“
„Es geht ihm nie gut, wenn ihr euch streitet!“
„Ich habe doch versucht mit ihm zu reden, er wollte doch nicht!“
„Bill...erst sagst du, du bist schwul und dann willst du dir vier Millionen Euro von ihm leihen?! Was ist los? Hast du Probleme?“
Wenn du nur wüsstest Georg!, dachte Bill und schüttelte den Kopf.
„Nein...es ist alles in bester Ordnung!“, erklärte Bill und Georg hielt vor Bills Wohnblock.
„Bitte schön!“
„Danke...ach und Georg...ich werde euch alles erklären, sobald sich alles wieder geregelt hat!“, damit stieg Bill aus und ging in sein Haus.
Georg schüttelte verblüfft den Kopf und fuhr davon.


36. Kapitel


Irgendetwas war anders als Bill in seine Wohnung trat. Es war so leise, aber trotzdem war noch irgendetwas anders. Es waren nur ein paar Tage vergangen, doch trotzdem fühlte er sich fremd am Platz. Jetzt wurde ihm erst so richtig bewusst, dass er sehr einsam gewesen war damals, ohne Nelly und dass Nelly eine Mutter brauchte! Das ER wieder jemanden an seiner Seite brauchte. Er konnte nur dafür beten, dass Kate noch am Leben war, dass Nelly noch am Leben war. Er zog die Jacke aus, leckte die Pistole mit einem erleichterten Seufzer auf den Wohnzimmertisch ab und ließ sich auf sein Sofa fallen. Wie sollte er dieses verdammte Arschloch nur finden und wie sollte er Nelly zurück bekommen? Er schüttelte den Kopf und schaute wieder auf den Zettel.
Vielleicht musste er den Satz auch in Deutsch übersetzten, damit er eine Antwort auf seine Frage bekam. WO Nelly genau war.
„Neben deiner Liebe wirst du niemals die Eine finden, die dich verehrt...Mh...“, Bill schrieb den Satz auf und las ihn sich mehrmals durch. Er runzelte die Stirn. Wie sollte er das nur alleine raus bekommen? Nicht mal das letzte Anagramm hatte er ohne Hilfe gelöst. Und jetzt hatte er weder Kate noch den Kellner.
„Moment mal...hat er nicht irgendwo einen alten Bungalow?! Ja genau!“, Bill sprang auf und ging zu seinem Adressbuch. Er blätterte so schnell es ging alles durch und fand bald die Adresse von dem Bungalow. Der stand mitten in der Pampa. Irgendwo zwischen Hamburg und Lauenburg. Bill zog sich wieder die Jacke an und nahm seinen Autoschlüssel. Er war schon fast aus der Tür raus, als ihm noch etwas einfiel. Schweren Herzens drehte er sich zum Wohnzimmertisch um und blickte auf die Pistole. Vielleicht, aber auch nur vielleicht bräuchte er sie. Sein Magen verkrümmte sich, als er nach der Waffe griff und sie wieder einmal in seine Jackentasche steckte. Wie sehr er dieses Teil doch hasste, obwohl sie ihm vielleicht ziemlich nützlich werden könnte.
Bill ließ den Motor von seinem Porsche aufheulen und fuhr aus der Garage. Lauenburg lag ungefähr dreißig Kilometer von Hamburg entfernt, irgendwo auf einer Landstraße, lag etwas abseits von aller Zivilisation, der Bungalow. Bill trat aufs Gas und er hoffte, betete dafür, dass die Polizei ihn nicht anhalten würde. Er hatte Pech! An der Ausfahrt von Hamburg, stand die Polizei mit einem Blitzer und Bill musste rechts ran.
„Ah...Herr Kaulitz! Guten Tag...“
„Tut mir leid, aber ich habe wirklich keine Zeit!“
„Die Zeit werden Sie sich nehmen müssen!“, meine ein älterer Polizist.
„Ich habe aber wirklich keine Zeit!“
„Sie sind 120 gefahren! Finden Sie das gut?“, fragte der jüngere und fing an zu rechnen. Der Lappen war weg!
„Nein! Überhaupt nicht! Aber ich muss...“
„Sie müssen jetzt eine ziemlich lange Zeit den Bus oder ein Taxi nehmen!“
„Was?!“, Bill riss die Augen auf.
„Ja...tut mir leid! Aber 120 ist einfach zu schnell! Also, bitte geben Sie mir Ihren Führerschein!“ Bill seufzte.
„Ich kann nicht!“
„Doch, Sie können!“
„Ich kann aber wirklich nicht!“
„Denken Sie nur, weil Sie reich sind, ein protziges Autofahren und berühmt, müssten Sie nicht auf die Straßenverkehrsordnung achten?! Ich kann Sie einbuchten lassen, wenn Sie das wollen!“
„Ich will überhaupt nichts! Ich will nur zu einem guten alten Freund! Und zwar sehr schnell, weil er etwas hat, was mir gehört?!“
„Das kann warten!“
„Nein! Kann es nicht!“
„Was hat Ihr Freund denn?“, fragte der ältere Polizist.
„Etwas, was mir wirklich sehr wichtig ist und was vielleicht bald...bald kaputt ist!“
„Herr Kaulitz, wenn Sie uns keine richtige Erklärung für diese Fahrverhalten geben können, dann werde ich Ihnen nicht nur ihre Fahrerlaubnis rauben!“
„Sondern?!“, fragte Bill genervt.
„Ich werde Sie auch noch einbuchten und ihnen mindestens 100 Punkte in Flensburg geben!“
„Hören Sie mal! Ich habe keine Zeit führ Ihre Spielchen!“
„Wollen Sie mich etwa beleidigen? Dafür kann ich sie noch mal doppelt so lange wegsperren lassen!“. Bill krümmte die Finger um das Lenkrad.
„Es tut mir wirklich leid Herr Kaulitz, aber Sie müssen jetzt mitkommen!“
„Ja...und mir tut das hier jetzt auch leid! Keine Sorge, ich werde mich noch mal melden! Dann können Sie mich ruhig ein paar Tage einbuchten!“, damit trat Bill wieder aufs Gas und fuhr weiter.
„HEY! HEY! BLEIBEN SIE STEHEN!“, schrie der junge Polizist und war außer sich vor Wut. Der alte stieg ganz gelassen ins Auto.
„Wie kannst du da so ruhig bleiben Günther?!“, schnaubte der jüngere.
„Der kommt nicht weit!“
„Ach ja...und wieso nicht?!“
Günther deutete auf den Boden. Sein Kollege lächelte.
„Na dann müssen wir ja nur noch warten, bis der Wagen stehen bleibt!“, nun stieg auch er ins Auto und fuhr ganz langsam los.

Bill raste über die Bundesstraße. Bald müsste er abbiegen. War er nicht schon mal in diesem Bungalow? Hatte er das nicht mal mit Tokio Hotel eine Party gefeiert? Er wusste es nicht mehr! Er wusste nur eins: Das er Nelly so schnell wie möglich daraus bekommen wollte. Er hoffte nur, dass er die Waffe, die sich immer noch in seiner Jackentasche befand, nicht gebrauchen müsste, doch er hatte so ein ungutes Gefühl im Magen. Außerdem war da jetzt noch die Sache mit der Polizei. Er wusste, dass das ein schlechtes Nachspiel haben würde. Aber sicherlich, würde die deutsche Polizei, Freund und Helfer der Deutschen, alles verstehen, wenn er es erst mal erklärt hatte. Hoffentlich würden die anderen es auch verstehen. Georg, Gustav, Tom und seine Fans. Wie konnte er das nur tun? Bill schüttelte den Kopf. Aber eigentlich konnte es doch nur er sein? Wie konnte er auch nur eine Sekunde lange daran denken, dass Tom Nelly entführt haben könnte? Tom war der Einzigste gewesen, der Nelly von Anfang an nicht weg geben wollte. Selbst Bill hatte sie weg geben wollen. Bill schürzte die Lippen. Er wollte gar nicht daran denken, wer die anderen beiden waren. Aber sicherlich waren dass nur bezahlte Entführer. Wie es Nelly wohl ging? Schließlich hatten die Entführer doch mitbekommen, dass er Hilfe hatte. Zwar nicht wirklich von der Polizei, aber immerhin Hilfe. Bill wurde schlecht. Was wenn Nelly schon tot war? Wenn er nur noch ihre kalte, blasse Leiche aus dem Bungalow tragen konnte.
Denk nicht so negativ! Sicherlich lebt sie noch! Und du bekommst sie wieder!
Bill sah die Abbiegung schon von weitem. Jetzt war es nur noch ein halber Kilometer. Bill ließ wieder den Motor aufheulen und bog ab. Und kaum fünf Minuten später, parkte sein Porsche vor einem alten, ziemlich verwahrlosten Bungalow. Die Tür war offen und heraus kamen zwei Männer. Beide schwarz gekleidet und grinsten ihn an.
„Ah...hallo Schwuchtel Bill!“
„Wo ist er?!“, zischte Bill.
„Wer?“
„Wo ist der Entführer meiner Tochter?“
„Ich weiß gar nicht wen du meinst!“, sagte Hendi und lachte dreckig.
„Wo ist David?!“



37. Kapitel


„Da bist du ja Bill!“, hörte er diese Stimme, die er nur zu gut kannte.
„David du verdammter Hurensohn, wo ist meine Tochter?!“
„Glaubst du wenn du mich so beschimpfst, dann sage ich dir das?“
„Ich habe dein verdammtes Rätsel gelöst! Ich habe dir 18 Millionen geben, jetzt gib mir gefälligst meine Tochter wieder!“
„Hast DU mein Rätsel gelöst, oder war es deine kleine Freundin...wie hieß sie gleich noch?! Kate?!“
„Sie hat mir geholfen! Wo ist sie, was hast du mit ihr gemacht?!“
„Oh...glaube, Hendrik hier hat sich um sie gekümmert...frag ihn!“
Hendi grinste und zog aus seiner Tasche eine Pistole. Bills Augen weiteten sich.
„Ups...tut mir leid Bill...ich glaube deine Freundin treibt irgendwo in der Spree rum!“, meinte der Typ und steckte die Pistole wieder weg. Bill schaute wieder fassungslos zu David.
„Jetzt guck nicht so wie Bambi das sieht, wie seine Mutter auf die Ladefläche eines Pickup gespannt wird!“, meinte David und dreht Bill den Rücken zu.
„Krieg...Krieg ich jetzt meine Tochter wieder?“, fragte Bill und seine Stimme hörte sich plötzlich schwach und klein an.
„Mh...ich weiß nicht...Du hast mein Rätsel ja nicht wirklich alleine gelöst! Ich weiß nicht, ob ich sie nicht doch erschießen soll!“
„Nein!“, Bills Stimme fing an zu zittern. „Tu das nicht!“
„Wieso denn nicht?“, fragte David und drehte sich wieder um. „Hendi hat sie schon vergewaltigt, wieso sollte er nicht seine Tat beenden.“
Bill schaute David noch fassungsloser an und die Wut kochte in ihm auf. Seine Hände ballten sich zu Fäusten.
„Du hast was?“, zischte er Hendi zu. Der grinste wieder nur doof.
„Ihre Schreie waren wie Musik in meinen Ohren!“
„Du perverser...“, Bill biss sich auf die Lippen, als er sah, dass alle drei Waffen trugen.
Hendi grinste und spielte wieder mit seiner Pistole.
„Soll ich ihn erledigen Boss?“
„Nein Hendrik! Ich brauche ihn noch!“
„Du brauchst mich noch? Wofür? Denkst du ich werde noch einmal für dich auch nur einen Ton singen?!“
„Das wirst du allerdings! Sonst könnte es sein, dass ich Nelly wirklich töte!“
„Ich will sie sehen!“, meinte Bill.
„Wen?“
„Nelly, wen sonst?“
„Kannst du gerne haben! Jan, Hendrik!“, noch bevor Bill überhaupt realisierte, was geschah, hatten die beiden Männer ihn schon fest im Würgegriff und zehrten ihn in den Bungalow. David knallte die Tür hinter den Beiden zu und schloss ab.
„Lasst mich los!“, meinte Bill und versuchte sich zu wehren, doch Hendi verdrehte ihm so den Arm, dass Bill schon Angst haben musste, dass der Typ ihn das Gelenk auskugelte. ER zog scharf die Luft ein.
„Halt jetzt besser die Klappe!“, meinte Jan und führte ihn zu einer Treppe.
„Und abwärts!“, grinste Hendi und gab Bill einen Fußtritt. Bill stolperte die Treppe herunter, wobei Hendi und Jan ihn festhielten und er so noch schmerzhafter auf die Steinstufen fiel. Sie rappelten ihn wieder auf und brachten ihn nach unten, wo sie einen langen Gang entlang gingen und vor einer schweren Eisentür stehen blieben.
„Und hinter, dieser Tür, steckt deine Tochter!“, David schloss die Tür auf und seine beiden Gehilfen, schmissen Bill hinein. Blitzschnell drehte Bill sich zur Tür um, doch in diesem Moment, hörte er auch schon, wie der Schlüssel im Schloss umgedreht wurde.
„Lasst mich raus! Hey! Schließt die Tür wieder auf!“, Bill hämmerte wie verrückt, doch plötzlich, hörte er ein leises Schluchzten. Langsam drehte er sich wieder um und sah endlich wieder seine Tochter.
Nelly saß ängstlich und zitternd auf zwei übereinander gestapelte Matratzen. Eine ziemlich zerschlissene Decke, lag über ihren Beinen und sie weinte. Ihre Augen hatte sie geschlossenen und die Stirn auf die angezogenen Knie gelegt.
„Nelly...“, keuchte Bill überglücklich und ging auf sie zu.
HENDI HAT SIE SCHON VERGEWALTIGT, WIESO SOLLTE ER NICHT SEINE TAT BEENDEN, rief sich Bill Davids Worte in Erinnerung und seufzte. Was hatten sie nur getan.
„Hey...Nelly...“, vorsichtig, setzte er sich neben sie und strich ihr ganz zärtlich über ihre Haare. Sie zuckte zusammen und blickte auf. Ihre Augen wurden riesig, als sie ihren Vater erkannte.
„Papa?“.
Bill nickte.
„Oh...Papa!“, sie fiel ihm um den Hals und fing wieder an zu weinen.
„Tut mir Leid Nelly...es tut mir so leid...“, meinte er und verstärkte den Griff um sie noch etwas.
„Ich hab dich so vermisst...“
„Ich dich auch...aber jetzt bin ich ja beider...wie geht es dir?“
„Ich will nach Hause! Können wir jetzt nach Hause? Können wir aufhören zu spielen?!“
„Nein...leider noch nicht...noch sind wir nicht über das Ziel gerannt...“
„Aber warum nicht...du hast mich doch gefunden...“
„Ich weiß...aber wir müssen noch etwas warten.“
„Mein Bauch tut so weh...“.
Bill schürzte die Lippen. Das konnte er sich vorstellen. Er wollte gar nicht wissen, wie sehr Nelly gelitten haben musste. Sie war doch noch so klein. Das muss qualvoll gewesen sein.
Bill legte seine Hand auf ihren Bauch und fing an ihn zu massierne.
„Das geht vorbei...“.
Nelly blickte in seine Augen.
„Hat das auch zu dem Spiel gehört?“
„Ich wusste nicht dass die Regeln so streng sind...“, Bill schüttelte den Kopf. „Ich wünschte, ich hätte dich früher gefunden...“
„Ich wollte gar nicht mitspielen...“, erklärte Nelly.
„Ich auch nicht...“
„Wieso hören wir dann nicht einfach auf?“
„Weil das nicht so leicht ist...wer dieses Spiel spielt, kann nur selten dann aufhören, wann er möchte.“
„Dann müssen wir das Spiel zu Ende spielen?“
„Ja...leider...“
„Aber ich will nicht mehr spielen...das Spiel hier tut weh.“
Bill rieb ihr weiter zärtlich über den Bauch. Er wusste noch genau, dass seine Mutter das auch immer getan hatte, wenn er Bauchweh hatte. Das waren zwar andere Schmerzen gewesen, aber vielleicht half das hier ja auch.
„Ich weiß...das Spiel tut verdammt weh...“, meinte Bill und dachte an Kate. Die Tränen stiegen in seine Augen und Nelly musterte ihn fragend.
„Was tut dir denn weh?“
„Mein Herz Nelly...mein Herz!“. Nelly legte den Kopf schief, schniefte kurz und legte dann ihren Kopf genau an die Stelle unter der Bills Herz schlug. Bill lächelte matt und streichelte Nelly über den Kopf.
„Wieso tut es dir weh?“
„Weil man mir etwas was mir sehr lieb war geraubt hat...und mir es keiner mehr zurück geben kann...“
„Was denn?“
„Eine gute alte Freundin von mir...“, Bill schloss die Augen und nun fingen die Tränen an stumm über seine blassen Wangen zu laufen. Nelly wischte sie ihm hastig weg, doch schon fingen die nächsten an, über seine Wangen zu wandern.
„Nicht weinen Papa...“, meinte Nelly und lehnte sich an ihren Vater. Bill schluchzte etwas und legte die Arme um seine Tochter. In diesem Moment, hörte er von der anderen Seite des dunklen Raumes ein gequältes Stöhnen. Bill blickte auf. Hier war also noch jemand! Noch ein Gefangner?!


38. Kapitel


Kates Kopf tat unglaublich weh, als sie langsam wieder wach wurde und ihr war schlecht. Ihr Magen fühlte sich an, als würde darin etwas leben und versuchen sie von innen zu zerfressen. Sie versuchte die Augen zu öffnen. Was war nur passiert? Das letzte woran sie sich erinnern konnte, war dass sie in ein Taxi gestiegen war.
„Ah...was ist passiert...“
„Das kann ich dir sagen Kate...“, meinte jemand und strich ihr das Haar aus dem Gesicht. Kates Augen flogen auf.
„Bill?! Was machst du hier? Wo bin ich? Wie kommen wir hier her?“
„Shh...beruhig dich Kate...“, Bill strich ihr sanft über das Gesicht. Kate Kopf lag in seinem Schoß. Neben Bill saß ein kleines Mädchen. Blass war es und ganz verweint. Das musste dann wohl Nelly sein.
„Was...was ist passiert?“
„Du bist in das Taxi gestiegen und hast mich angerufen...der Fahrer war einer der Entführer. Er hat gehört, was du zu mir gesagt hast und hat dich in eine Sackgasse gebracht...er wollte dich wohl erschießen aber...ich glaube du bist vorher ohnmächtig geworden und so hat er dich halt hier her gebracht.“
„Oh...und...und wie kommst du hierher?“
„Ich habe den letzten Teil des Rätsel heraus gefunden!“
„Und?“, Kate setzte sich rasch auf, aber Bill drückte sie mit sanfter Gewalt wieder nach unten.
„Bleib lieber liegen! Die Kinder aus der Grundschule, haben mir ein Stück aus Harry Potter und der Stein der Meisen vorgetragen!“
„Der Stein der Weisen!“
„Mein ich doch!“, Bill lächelte etwas. „Na ja...du kannst dir sicher denken welches Rätsel!“
„Das Flaschenrätsel! Natürlich!“, Kate klatschte sich mit der flachen Hand auf die Stirn und blickte wieder zu Bill. „Und wie hat dich das hierher gebracht?“
„Beside your love you will never find the name of the one who reveres you!”
„Ein Anagramm?“
„Zwar kein perfektes...aber Nelly ist bei David kam schon raus!“
„Und wie hast du genau hierher gefunden?“
„Als ich bei David die Bude stürmen wollte, war dort keiner und irgendwie war mir klar, dass David Nelly nicht bei sich zu Hause versteckte. Da fiel mir der alte Bungalow von ihm ein. Also bin ich vor nicht ganz einer halben Stunde hier her gefahren.“
Kate nickte.
„Ich wusste doch, dass du es kannst Bill!“
„Na ja...wirklich alleine habe ich das nicht geschafft. Der Kellner hat mir geholfen!“
„Na ja...mir hat er auch mit der Bibelzeile geholfen...“, Kate schloss wieder die Augen und seufzte.
„Wie geht es dir?“
„Nicht gut...ich fühle mich...irgendwie...ich weiß nicht...“
„Na ja...Hauptsachte du lebst...ich habe schon befürchtet dich für immer verloren zu haben!“
Kate seufzte und blickte zu Bill auf. Wie oft hatte sie sich gewünscht, dass aus seinem Mund zu hören? Wie oft hatte sie sich gewünscht, ihn wieder küssen zu können, ihn wieder spüren zu können? Von ihm so angeblickt zu werden, wie jetzt gerade? Und trotzdem würde es nicht von all zu langer Dauer sein. Wenn sie überhaupt noch mal lebend hier raus kommen sollte.
„Ich dachte auch...jetzt ist es aus mit mir...aber zum Glück und wurde bewusstlos...“
„Vielleicht hat dir das ja das Leben gerettet!“, meinte Bill. Kate nickte und blickte zu Nelly.
„Du musst Nelly sein...“
Das Mädchen nickte stumm. Bill lachte etwas.
„Wieso so schüchtern? Keine Sorge Nelly...die ist einer von den Guten, die ist in unsrem Team!“.
Kate lachte bitte. Das war ein abscheuliches Spiel.
„David also?“
Bill nickte.
„Aber wieso?“
„Frag mich was leichteres, das würde ich nämlich auch, nur zu gerne wissen!“
„Was hat er denn davon? Er verdient mit eurer Band doch eine Menge Geld! Ist er denn wirklich so blöd und denkt, dass dein “Geständnis“ dass du schwul wärst, einen Karriereschub mit sich bringt?!“
„Keine Ahnung...und was das ganze mit Nelly zu tun hat...“, Bill zuckte nur mit den Schultern und fuhr seiner Tochter wieder über den Kopf.
„Und wie kommen wir jetzt hier raus?“, fragte Kate nach. Bill runzelte die Stirn.
„Hier raus?! Kate, dass da hinten ist eine massive Stahltür, wie willst du denn HIER RAUS kommen?!“
„Keine Ahnung...irgendwie müssen wir hier doch irgendwie wieder raus kommen, oder denkst du ich will hier vergammeln?“. Endlich hatte Kate genug Kraft, um aufzustehen. Sie tastete sich an der Wand entlang und blieb vor der Tür stehen.
„Die muss irgendwie aufgehen! Die können uns doch nicht einfach so einsperren! Was ist denn, wenn uns hier die Luft ausgeht!“
„Die kommen wieder!“, meinte Nelly plötzlich, mit leiser Stimme. Bill blickte zu ihr runter und schaute sie fragend an.
„Jeden Tag mehrmals...eigentlich müssten sie gleich wieder kommen!“
„Na also...sicherlich holen die uns gleich alle hier raus!“, meinte Bill.
„Und dann?!“, Kate drehte sich um. „Was denkst du werden die dann mit uns machen?“
„Was sollen sie schon groß mit uns machen?“, fragte Bill nach.
„Bill! Für David bist nur du wichtig! Nelly und ich sind dem völlig egal!“
„Er soll sich wagen und euch beide auch nur anrühren!“
„Denkst du kannst ihn zurückhalten?!“
„Ja! Allerdings!“
„Ach...und wie, wenn ich fragen darf?“, Kate zuckte zusammen und drehte sich um. Vor ihr stand David. An seiner Seite Hendi und Jan. Jan schaute Nelly aufmunternd an. Das brachte jedoch nicht viel, denn Hendrik lächelte hämisch und gierig an. Bill stand auf und stellte sich schützend vor Nelly. Kate kam zu ihm und stellte sich ängstlich an seine Seite.
„Lass die zwei gehen!“, meinte Bill. David schüttelte den Kopf.
„Nein!“
„Wieso nicht? Sie haben dir nichts getan! Lass sie gehen!“
„Und mein Druckmittel freigeben? Nein Bill, so doof bin ich nicht!“
„Was willst du denn von uns drei? Wieso hast du Nelly entführt?!“
„Merkst du denn überhaupt noch was du Idiot!“, schrie David ihn an. Bill blickte ihn wütend, aber auch fragend an.
„Was soll ich merken?“
„Seit du Nelly hast, kümmerst du dich gar nicht mehr um Tokio Hotel!“
„Was soll dass denn bedeuten?! Natürlich tu ich das!“
„Nein! Seit du Nelly hast, dreht sich bei dir nur noch alles um Nelly!“
„Sie ist meine Tochter! Ich liebe sie!“
„Und?! Vorher hast du Tokio Hotel geliebt!“
„Ich liebe Tokio Hotel immer noch! Aber Tokio Hotel ist meine Arbeit! Mein Job! Nelly ist meine Tochter, meine Familie!“
„Du hast nur eine Familie und das ist die Band!“
„Tom gehört zu meiner Familie! Georg und Gustav sind meine Freunde und ich dachte, du wärst auch einer meiner Freunde, aber da hab ich mich wohl geirrt!“
„Ich bin dein Freund Bill, deswegen tu ich das alles hier! Du hast doch früher immer gesagt, du wolltest keine Kinder!“
„Und?! Denkst du Nelly war geplant? Klar, es war eine große Veränderung und eine große Umstellung, aber verdammt ich liebe Nelly! Und wenn ich mich zwischen Nelly und Tokio Hotel entscheiden müsste, dann würde ich Nelly nehmen! Denn sie braucht mich du Ruhm ist vergänglich! Nelly wird für immer meine Tochter sein!“
„Nicht wenn ich sie töte!“, David hob eine Pistole. Bill wich zurück und Kate stellte sich auch noch vor Nelly.
„Wenn du sie tötest, dann musst du auch mich töten!“, erklärte Bill.
„Sei nicht albern Bill! Ich werde dich nicht töten! Du bist mein kleines Goldkehlchen! Na ja...jetzt geh weg!“
„Niemals!“, zischte Bill und spürte, wie Nelly anfing rasch zu atmen.
„Mach jetzt keine Zicken Bill! Darauf habe ich jetzt wirklich keine Lust!“
„Und ich habe jetzt wirklich keine Lust darauf, dass du Nelly umbringst!“
„Geh aus dem Weg!“, ein Schuss löste sich aus David Pistole und Bill schrie schmerzvoll auf, als die Kugel seine linke Schulter zerfetzte.
„Geh aus dem Weg! Die nächste trifft wo anders hin!“
„Du bringst mich nicht um...schon vergessen? Ich bin dein Goldkehlchen!“
David schnaubte verächtlich.
„Denkst du ich finde nicht einen Ersatz für dich?!“
„Einen Ersatz, der so beliebt ist, wie ich?!“
„Du bist nicht mehr beliebt! Du bist schwul, schon vergessen?“
„Wieso eigentlich?“
„Das waren die beiden hier!“, David nickte mit dem Kopf zu Jan und Hendi. „Sie wollten sich einen kleinen Spaß mit dir erlauben!“
„Und du hattest nichts dagegen? Schließlich ist dein so genanntes Goldkehlchen, jetzt so gut wie nichts mehr wert!“
„Du hast recht, warum sollte ich dich also noch am leben lassen?“, David zuckte mit den Schultern. Zwei weitere Schüsse lösten sich aus dem Kaliber und Bill sank auf die Knie. Kate schrie auf und hielt Bill fest. Die Schüsse hatten nur sein Bein und sein Arm getroffen, doch wirklich stehen konnte er nicht mehr.
„So...“, David richtete seine Pistole wieder auf Nelly. Das kleine Kind wurde noch blasser, als es ohnehin schon war und David grinste.
„Leb wohl, Nelly!“.
Ein Schuss löste sich, doch dieses Mal, war es David, der aufkeuchte.
Kate hielt zitternd die Pistole von sich in der Hand.
„Du verdammtes Ekel!“, mit diesen Worte, half sie Bill auf und packte Nelly. Jan und Hendi kümmerten sich um David, während die anderen drei davon liefen.
„Schnappt sie!“, knirschte David zwischen den Zähnen hervor. Jan und Hendrik nickten sich zu, zogen die Waffen und liefen den drei hinterher.
Kate lief aus dem Bungalow, wo Bill fast wieder zusammen brach.
„Nein Bill...nur noch ein Stück...guck da steht den Auto!“, Kate zog ihn weiter und setzte ihn auf den Beifahrersitz. Nelly schlüpfte nach hinten durch und schaute ängstlich auf die Tür. Jan und Hendrik stießen die Haustür auf und schossen auf den Wagen.
Kate zog den Kopf ein und drehte den Schlüssel um. Nichts tat sich!
„Scheiße...“, meinte sie und versuchte es noch mal. Nichts! Das war ihr Ende!


39. Kapitel


Die Fesseln um Bills Handgelenke schnitten ihm tief ins Fleisch. Er zog scharf die Luft ein und drehte den Kopf etwas zur Seite als David ihm den Lauf seiner Pistole gegen die Schläfe drückte.
„Ich könnte jetzt alles beenden!“, grinste er und drückte den Lauf noch etwas fester gegen die Schläfe.
„Wieso tust du das?“, fragte er.
„Du redest nur wenn ich es sage!“, er schlug Bill mit der Pistole und zog die Fesseln noch etwas strammer. Bill schrie auf vor Schmerz. Kate schürzte die Lippen. Sie saß mit gefesselten Beinen und Händen auf dem Boden und wurde von Hendrik angegrinst. Nelly saß zitternd auf Jans Schoß. Ein Messer an den Hals gehalten. Jan gefiel das ganze nicht. Es hieß doch von Anfang an, dass keiner umgebracht werden sollte. Aber hatten sie denn auch damit gerechnet, dass Bill sich wehren würde? Wohl sicherlich nicht!
„Also...was mach ich jetzt mit dir und deine ach so lieben Tochter...“
„Lass Kate und Nelly gehen...was du mit mir machst ist mir ziemlich egal!“
„So? Ist es dir das?“, David spielte an der Pistole rum und Bill spürte, wie sein Puls stieg. Ihm wurde schlecht, denn so egal war ihm das nicht wirklich.
„Wie wäre es denn, wenn ich Kate eine Kugel durch den Bauch jagen würde?“
„NEIN!“, Bill versuchte sich auf zu setzten, doch die Fesseln hielten ihn zurück und trieben ihm die Tränen in die Augen. David grinste.
„Oder deiner Tochter ein paar Finger abschneiden, na wie wäre das?“
„Lass die beiden gehen, ich flehe dich an! Lass sie gehen!“, Bill schaute David flehend in die Augen. Nicht wie ein Fremder, der um sein Leben flehte, sondern wie ein alter Freund, der um einen Gefallen bat. David zog unbeeindruckt die Augenbrauen hoch.
„Was wird das Bill? Die >>Komm-lass-uns-wieder-Freunde-sein<< Tour? Nein Billy, das zieht bei mir nicht! Jan! Bring die Kleine mal her!“. Jan schürzte die Lippen.
„Nun mach schon!“, schrie David wütend. Jan stand auf und brachte Nelly zu Bill an den Stuhl.
„Auf die Knie mit dir!“, meinte David zu dem kleinen Mädchen. Nelly verstand überhaupt nichts mehr und blickte Bill einfach nur ängstlich an.
„Ich sagte auf die Knie!“, David drückte sie zu Boden. Nelly fing an zu zittern.
„Was tust du David...lass sie gehen, sie ist noch ein Kind...sie wird dir nichts tun können und sie wird auch nichts sagen...“
„Halt die Klappe!“, David drehte sich zu Bill und der verstummte sofort, als der die Pistole auf seiner Brust spürte. Wie gesagt, er hasste diese Dinger!
„Hör auf David!“, meinte Kate plötzlich.
„SEID JETZT VERDAMMT NOCH MAL ALLE STILL!“, David schaute die anderen wütend an und blickte dann wieder zu Nelly.
„Die Kleine da, wird als erstes sterben!“
„Nein! David bitte ich...ah...“, David rammte Bill seinen Ellenbogen in die Rippen und Bill verstummte. Nelly fing an zu zittern und zu weinen. Kate schaute verzweifelt zu Hendrik und zu Jan. Hendrik schien nur darauf zu warten Nellys Blut vergießen zu gönnen. Aber Jan...Jan war so blass. Man sah ihm regelrecht an, dass er das alles hier nicht wollte.
Hilf uns doch..., flehte Kate ihn stumm an. David richtete die Waffe auf Nellys Kopf.
„David...lass uns doch darüber reden...ich...ich werde für dich singen nur...töte Nelly und Kate nicht!“
„Was nützt du mir jetzt noch?“, fragte David gelangweilt und ging etwas um Nelly. Die Kleine schluchzte und Bill wollte sie so gerne in den Arm nehmen, doch er konnte nicht. Er lehnte sich nach vorne, doch in diesem Moment, zerschnitten ihm die Fesseln die Haut ganz und dunkel rotes Blut lief ihm über die Hände und fiel zu Boden. Bill kniff die Augen zu und zog scharf die Luft an.
„David...bitte...“, flehte Bill und schüttelte den Kopf. „Tu es nicht...“
„Bill, wir waren einmal richtig gute Freunde...aber dann kam zwischen unsre Freundschaft plötzlich etwas...um genau zu sein zwei Sachen! Und beide Sachen muss ich auslöschen!“
„Moment...sagtest du zwei Sachen?“
„Genau Bill! ZWEI Sachen!“
„Und...“, Bills Blick fiel auf Kate und plötzlich wusste er, was die zweite Sache war.
„Damals habe ich gehofft, es reicht wenn ich euch auseinander bringe. Ich schrieb ein paar Fans aus dem Fanclub an, sie sollten Drohbriefe schreiben! Sie taten es mehr als genug!“
„Du bist schuld das wir damals Schluss gemacht haben?“, fragte Kate fassungslos.
„Oh ja...“
„Und hast du auch dafür gesorgt, dass Tom jetzt nicht mehr mit mir redet?!“
„Er hat mich angerufen, als er den Bericht in der Bravo gelesen hat. Der Arme war total durch den Wind, wusste nicht, wie er sich dir gegen über verhalten sollte! Ich sagte ihm, dass er dich erst mal in Ruhe lassen soll, nicht mit dir reden soll. Einfach gar keinen Kontakt mehr zu dir haben soll! Tja, er hat auch auf mich gehört!“, grinste David. Bill ballte die Fäuste, was die Fesseln nur noch tiefer in sein Fleisch trieb. Er biss die Zähne zusammen.
„Du kannst dir vorstellen wie sauer ich war, als du plötzlich mit Nelly ins Studio kamst!“
„Schon damals hast du es geplant?“, fragte Bill.
„Natürlich...ich musste nur noch auf den richtigen Moment warten! Du hast dieses Miststück ja nie aus den Augen gelassen!“, David gab Nelly einen Tritt. Bill starrte ihn wütend an.
„Aber irgendwann, hast du dann Gott sei Dank einen Babysitter besorgt. Die Arme Frau...hast du sie überhaupt schon gefunden? Oder ist sie in deiner Wohnung schon verhungert...wie auch immer! Es war so einfach Nelly aus ihrem Kinderzimmer zu entführen und jetzt...jetzt sind wir hier und genau hier, wird dieser Alptraum jetzt für uns enden Bill!“
„Dieser Alptraum endet erst wenn du für immer hinter Gittern sitzt!“
David lachte.
„Und denkst du, dass wird jemals passieren?“
„Wieso nicht?!“, schnaubte Bill. „Als ob das so ungläubig wäre!“
„Wenn ihr erst mal alle tot seid...apropos tot...“, David richtete wieder die Waffe auf Nelly und krümmte den Finger um den Abzug. Bill reagierte in Sekundenschnelle. Er gab Nelly einen heftigen Tritt, so, dass sie durch den Raum schlidderte und neben Kate zum Stehen blieb. David fluchte, als die Kugel den harten Boden traf und drehte sich zu Bill. Der lächelte angestrengt, doch dann hörte er einen Schuss und spürte plötzlich, einen heißen Schmerz in seiner Brust. Seine Augen wurden schwer, das Atmen fiel ihm schwer und ihm war, als wäre plötzlich ein Feuer in ihm entbrannt. Er verbrannte! Er verbrannte wirklich! Bill sank auf dem Stuhl zusammen. Kate schrie panisch auf und Nelly riss die Augen auf.

Draußen vor dem Bungalow lauschten die Polizisten auf.
„Das...das war ein Schuss!“, meinte Tom und der Hauptkommissar nickte.
„Wir stürmen das Haus Leute!“. Damit liefen die fünfzehn Polizisten rein. Dicht gefolgt von Tom.
Vor etwa eineinhalb Stunden, war Tom zu David gefahren. Er wusste genau, wo ihr Manager und Produzent den Haustürschlüssel versteckt hatte. Tom dachte, dass David ihn nur wieder nicht hören würde, doch er war wirklich nicht da gewesen. Tom wollte mit ihm, über Bill reden. Er hielt es nicht mehr aus, seinen Bruder einfach zu ignorieren, denn irgendetwas stimmte mit Bill ganz gewaltig nicht. Doch anstatt David zu finden, fand er etwas viel Schrecklicheres heraus. In Davids Büro hingen über all Fotos von Nelly, Bücher mit seltsamen Rätseln und irgendwelche Papiere auf denen drauf stand, wohin er am besten mit einem entführten Kind fliehen könnte und plötzlich war Tom klar geworden, wieso er nicht mich Bill sprechen sollte! Er hatte sofort die Polizei gerufen. Zwei der alarmierten Polizisten, schienen Bill schon zu kennen, er hätte eigentlich seinen Führerschein abgegeben müssen, wäre aber einfach weiter gefahren. Tom erklärte dem Hauptkommissar wieso und der schickte sofort ein paar Einsatzkräfte zu dem Bungalow.
Jetzt hatten sie einen Schuss gehört. Tom konnte nur dafür beten, dass dieser Schuss nicht Bill getroffen hatte.


40. Kapitel


Kate schaute mit vor Schreck weit aufgerissenen Augen auf Bill, der auf dem Stuhl zusammensackte. Sein T-Shirt färbte sich an der Stelle wo die Kugel ihn getroffen hatte rot und wurde feucht.
„Nein...Bill...“, keuchte sie und sprang auf. Hendrik packte sie und drückte sie an die Wand.
„BILL!“, schrie sie und die Tränen fingen ihr an über die Wange zu rollen. „NEIN! BILL! WACH AUF!“. Doch Bill reagierte nicht mehr.
„ALLE DIE HÄNDE HOCH! HIER SPRICHT DIE POLIZEI!“, schrie ein Polizist und die Tür fiel mit einem lauten Krach zu Boden. David wirbelte herum und schoss wild um sich. Kate spürte wie eine Kugel ihren linken Arm durchbohrte und hörte Nelly aufschreien.
Nelly!, ging es ihr durch den Kopf und sie drehte sich zu dem kleinen Kind. Sie zog ihr Knie hoch und Hendrik knickte keuchend ein. Kate befreite sich aus seinem nun ziemlich schwachen Griff und lief zu Nelly.
„Nelly...Nelly...“. Nelly weinte bitterlich und hielt sich die rechte Bauchhälfte zu.
„Wo tut es weh Nelly? Sag mir wo es dir weh tut!“, Nelly nahm die Hände weg. Ihre kleinen Finger waren voller Blut, doch Kate atmete auf, es war nur ein Streifschuss.
„HÄNDE HOCH!“, schrie wieder eine fremde Stimme und Kate spürte, wie ihr jemand auf die Beine half. Sie hörte jemanden Nellys nahmen murmeln und sah, wie jemand die Kleine hoch hob.
„Tom...“, strahlte sie glücklich und die Tränen rannten ihr vor Freude über die Wangen, doch da viel ihr etwas Schreckliches auf. Sie sah, wie Bill von seinen Fesseln befreit wurde. Er fiel leblos zu Boden.
„Nein...Bill...“, sie schüttelte den Kopf und wollte zu Bill, doch Tom und ein Polizist hielten sie zurück.
„Nein...helft ihm! Ihr müsst ihn retten er...“
„Draußen stehen ein paar Ärzte bereit! Sie werden ihn sofort ins nächste Krankenhaus bringen!“, erklärte Tom. „Kommt jetzt erst mal hier raus! Nelly und dein Arm müssen versorgt werden!“, Tom zog Kate wieder auf die Beine und trug sie samt Nelly aus dem Bungalow, draußen war es mittlerweile schon dunkel, trotzdem stürzten sich gleich zwei Ärzte auf Nelly und Kate. Die beiden waren schnell behandelt. Nellys Wunde wurde ausgewaschen und sie bekam ein Verband um den Bauch. Kate wurde ebenfalls verbunden und stabilisiert. Drei Rettungskräfte gingen mit einer fahrbaren Trage, in den Bungalow.
Tom wurde blass, als er seinen Bruder auf der Trage sah, mehr tot als lebend.
„Onkel Tom...“, schniefte Nelly. Tom drehte sich zu seiner Nichte um.
„Was ist Nelly?“
„Geht Papa zu Mama?“.
Tom blieb ein Kloß im Hals stecken. Die Kleine wusste es! Die Kleine wusste, dass Bill nicht mehr zurück kommen würde.
„Ich...ich weiß es nicht!“, antwortete er wahrheitsgemäß.
„Mama sah fast genau so aus.“. Kate schluchzte und schaute zu, wie der Krankenwagen geschlossen wurde und er los fuhr. Tom umarmte sie vorsichtig.
„Hey...bleib ganz ruhig...“
„Er stirbt Tom...er stirbt...“, sie versteckte ihr verheultes Gesicht auf Toms Schulter und ihr wurde wieder so schlecht.
Nelly zupfte an ihrer Jeans und Kate hob sie hoch. Nelly kuschelte sich Schutzsuchend an Kate, die schaute wieder den Weg entlang, wo der Krankenwagen gerade abgefahren war.
„Sollen wir ins Krankenhaus? Zu deinem Papa?“, fragte sie. Nelly nickte und drehte den Kopf zu Tom.
„Kommst du mit?“
„Ich komme nach...ich muss noch ein paar Sachen erledigen...fahr mit Kate! Du kennst sie ja schon gut!“, Tom küsste Nelly auf die Stirn und ging zu dem Oberkommissar. Der hatte derweil David, Jan und Hendrik in Handschellen gelegt.
Tom warf einen letzten Blick über seine Schulter und sah, wie Kate und Nelly von einem Arzt mitgenommen wurden, dann drehte er sich wieder zu David.
„Du mieses kleines Schwein...“, zischte er. David warf ihm einen wütenden Blick zu.
„Was hätte ich denn tun sollen?! Nelly hat Tokio Hotel ruiniert!“
„Du spinnst doch! Wieso sollte die Kleine denn Tokio Hotel ruinieren?!“, schrie Tom wütend und hörte, wie der Arzt mit Nelly und Kate hinter ihm losfuhr.
„Bill hatte nur noch Augen für dieses Mistst...“
„Wage es ja nicht sie so zu nennen David! Der einzige, der hier ein Mistkerl ist, bist doch du! Deinetwegen stirbt Bill vielleicht! Du hast Tokio Hotel zerstört, nicht Nelly! Hast du es eigentlich nicht gemerkt?! Seit Nelly da war, ging es mit Tokio Hotel nur noch steiler bergauf! Die Leute haben Bill als Vater gemocht! Sie haben Nelly gemocht! Und du hast dem allem so ein hässliches Ende verpasst! Du bist ganz alleine Schuld, am Ende von Tokio Hotel!“, Tom drehte sich um, und hörte wie David unter Protest von ihm, in ein Polizeifahrzeug gezwängt wurde.
„DU LÜGST TOM! ICH! ICH HABE TOKIO HOTEL GERETTET!“.
Tom schloss die Augen und ging zu seinem Wagen. Er musste ins Krankenhaus, so schnell wie möglich!“

Kate und Nelly, saßen schon lange vor der Intensivstation, als Tom die Tür öffnete und sich wortlos zu ihnen setzte. Nelly blickt auf ihre Füße, die hin und her schwangen. Ihr liefen immer noch Tränen über die Wangen. Verständlich! Tom schaute zu Kate. Sie hatte ein völlig zerknittertes und nasses Taschentuch in ihren zittrigen Händen.
„Hey...“, flüsterte Tom und Kate schluchzte wieder auf.
„Es ist meine Schuld...hätte ich ihm nicht geholfen dann...“
„Dann hätte Bill Nelly sicherlich niemals gefunden!“
„Aber wegen mir ist das so ausgeatmet! Ich habe nicht zu dem Spiel dazu gehört...ich war eine Monopolyfigur...in einem Mensch-ärger-dich-nicht Spiel! Verstehst du?“
„Nein! Kate...du hast dazu gehört. Ich bin mir sicher, dass Bill dir tausend mal dafür danken wird, wenn er wieder gesund ist!“
„Und was wenn er nicht mehr gesund wird?! Tom, deinem Bruder wurde ins Herz geschossen! Es ist ein Wunder, wenn die Kugel sein Herz verfehlt hat...oder wenn er das überlebt!“
„Ich kann nicht glauben dass die ganze Zeit David dahinter gesteckt hat...“, Tom schüttelte den Kopf.
„Ich auch nicht...teilweise habe ich sogar gedacht du hättest sie!“
„Ich?!“, Tom schaute überrascht zu Kate.
„Ich weiß...ziemlich blöd he?“
„Ja ziemlich!“, meinte Tom und blickte zur Intensivstationstür. Bis jetzt, hatte sich noch kein Arzt blicken lassen. Plötzlich bekam Kate Hunger, wie lang hatte sie eigentlich nichts mehr gegessen? Sie wusste es nicht, doch sie hatte Hunger, als ob sie seit Tagen nichts mehr gegessen hatte.


41. Kapitel


Drei Stunden vergingen und immer noch keine Rückmeldung von den Ärzten. Tom tippte schon über zwanzig Minuten ungeduldig mit dem Fuß auf den Boden. Kate knete nervös ihre Hände durch. Ihr war ganz schlecht. Sie hasste diese Krankenhausluft. Es lag immer so ein leichter Geruch von Tod in der Luft.
„Tom...ich geh mal raus frische Luft schnappen, okay? Ruf mich sobald du Neuigkeiten hast!“, Kate stand auf und sofort griff Nelly nach ihrem Hosenbein. Kate kniete sich zu der Kleinen.
„Keine Sorge Süße! Ich komm wieder. So lange musst du hier bei Onkel Tom bleiben. Vielleicht wacht dein Papa ja jetzt gleich auf. Dann könnt ihr schon mal ins Zimmer rein, ich muss nur ein bisschen an die frische Luft.“
„Aber du kommst wieder?“, fragte Nelly. Kate nickte.
„Großes Indianerehrenwort!“, sie zeigte das Peacezeichen und ging. Nelly schniefte wieder und Tom nahm sie auf seinen Schoß.
„Die kommt gleich wieder, mach dir da mal keine Sorgen!“

Kate atmete tief durch, als sie in der kühlen Nachtluft stand. Klar, die Luft in Hamburg, war natürlich nicht die beste Luft die es gab, doch im Moment war ihr alles lieber wie diese Krankenhausluft. Sie machte ein paar Schritte und merkte sofort, dass sie sich hinsetzten musste. Ihre Beine trugen sie nicht mehr, was ja nach diesen paar Tagen verständlich war. Hatte sie überhaupt mal Pause gehabt. Und plötzlich fiel ihr diese eine Nacht mit Bill ein. Sie war wunderschön gewesen. Wie lange hatte sie sich danach gesehnt. Es war nur ein komischer Zeitpunkt. Aber Sex um jemanden zu Trösten, war ja nichts Ungewohntes und sie spürte, dass das mehr als nur Sex gewesen war. Da war ein Gefühl, ein so starkes Gefühl, dass sie schon seit Ewigkeiten nicht mehr gespürt gehabt hatte. War es Liebe? Kate seufzte und setzte sich auf eine Bank. Mit müden Augen schaute sie auf den Verband an ihrem Arm. Wie lange sie den wohl tragen sollte? Eigentlich war es auch egal, dass Einzige was im Moment zählte war, dass Bill gesund aufwachen würde, dass er das ganze Drama hier überleben würde. Kate war sich da immer noch nicht so sicher, doch was sie wusste war, dass sie bald wieder auf den Beinen sein musste. Schließlich würde sie in zwei Wochen umziehen. Sie seufzte schon wieder, als sie daran dachte und dachte an die Worte ihres Vaters zurück.
>>Du wirst die Top Korrespondentin von uns sein! Überleg doch nur mal! Du wirst die größten Stars überhaupt treffen!<<
Was brachte ihr das? Sie wollte nicht die größten Stars überhaupt treffen, sie wollte nur einen Star treffen, und das war Bill! Sie seufzte schon wieder. Ihr war schlecht, vielleicht sollte sie einfach mal etwas essen. Gerade als sie aufstand klingelte ihr Handy. Genervt ging sie dran.
„Ja? Oh...hallo...was? Schon am Montag? Aber...wie? Oh...L.A?! Ich dachte New...ah...okay...gut...schon bestellt? Okay...und...ah...gut...Tschüss...“, Kate nahm wie betäubt das Handy vom Ohr und drückte den Anruf weg.
Montag!
Am Montag würde sie nach L.A. ziehen! Ihr wurde noch schlechter und sie hatte das Gefühl, sich übergeben zu müssen. Vielleicht sollte sie mal etwas essen oder so. Zumindest etwas trinken. Sie stand wieder auf und ging zurück in das Krankenhaus. Sie setzte sich in die Cafeteria, wo auch Nachts immer einer wahr und bestellte sich einen Kaffee.
„Geht es Ihnen nicht gut? Sie sehen blass aus?“, meinte die Verkäuferin und stellte ihr den Kaffee hin.
„Nein...mir ist nicht wirklich gut.“
„Wir sind hier doch in einem Krankenhaus, wieso lassen Sie sich denn nicht kurz mal untersuchen!“
„Es ist alles in Ordnung...es ist nur...mein Freund kämpft hier gerade um sein Leben und...ich weiß nicht ob er es überlebt!“
„Dann sind Sie also nur nervös?“
„Ja...“, Kate rührte abwesend in ihrer Tasse Kaffee herum. L.A...L.A. das war so verdammt weit weg von Bill! Sie seufzte und nahm einen Schluck Kaffee.
„Wer ist denn ihr Freund?“
„Bill...“, murmelte Kate und nahm wieder einen Schluck, damit diese Frau ihre Tränen nicht sah.
„Bill? Der Bill? Der schwule Bi...“
„Er ist nicht schwul!“, schrie Kate die Frau wütend an. Die Verkäuferin zuckte zusammen.
„Aber...aber er hat sich doch selbst geou...“
„Das musste er machen! Damit sein Gehirnkranker Manager nicht seine kleine Tochter tötete!“
„Wollen Sie mich veräppeln?“
„Sieht das hier, nach einer Verarschung aus?!“, Kate machte ihren Verband auf und deutete auf die Schusswunde. Die Verkäuferin pfiff.
„Ui...das sieht ja nicht gerade schön aus!“
„Ist es auch nicht!“, Kate fing an zu schluchzen. „Und jetzt muss ich in einer Woche nach L.A. ziehen...weit, weit weg von Bill! Wahrscheinlich werde ich ihn die nächsten Jahre überhaupt nicht mehr sehen und...“, Kate nahm wieder ein Schluck Kaffee.
„Ich hab Hunger...was haben Sie denn so zum Essen?“
„Mh...wollen Sie sich nicht doch mal lieber untersuchen lassen?“
„Mir fehlt nichts! Ich habe einfach nur Hunger!“
„Gut...dann kommen Sie doch einfach mal mit an die Theke, das Ganze geht aufs Haus!“. Kate stand auf, nahm ihre Tasse und ging mit der Frau zur Theke. Kate aß erst mal alles was ihr so in die Quere kam. Verdammt, wieso hatte sie nur so einen Hunger?!

Die Tür zur Intensivstation ging auf. Nelly war derweilen auf Toms Schoß eingeschlafen. Tom blickte auf und starrte den Doktor fragend an. Der Doktor nickte und Tom atmete auf.
„Dürfen wir zu ihm?“
„Er schläft im Moment, dass war alles ziemlich anstrengend...aber Sie können ruhig rein gehen...bitte wecken Sie ihn aber nicht auf!“. Tom weckte Nelly.
„Hey...sollen wir zu deinem Papa?“. Nelly nickte verschlafen. „Du musst aber leise sein, dein Papa muss jetzt erst mal etwas schlafen, okay?“, wieder nickte das kleine Mädchen und Tom ging mit Nelly zu Bill.
Bill war ein einige Geräte angeschlossen. Er war blass, aber er lebte und atmete selbstständig. Bill hatte es geschafft! Er war über den Berg!
„Oh Gott sei dank...“, flüsterte Tom und Nelly lehnte sich etwas nach vorne.
„Papa?“, flüsterte sie ängstlich. Auch ihre Mutter hatte so da gelegen. Sie hatte es nicht vergessen. Genau so hatte sie auf genau so einem Bett gelegen, bevor sie für immer die Augen geschlossen hatte.
„Psst...Nelly! Lassen wir ihn schlafen, okay?“. Nelly nickte und Tom ging wieder aus dem Zimmer. Er sollte Kate bescheid sagen gehen, sicherlich, wollte sie auch wissen, dass es Bill gut ging.
„Sollen wir jetzt Kate suchen gehen?“
„Ja...“, Tom festigte den Griff um Nelly noch mal und ging mit ihr durchs Krankenhaus. Er fand sie. Sie saß weinend in der Cafeteria. Neben ihr eine völlig überforderte Verkäuferin, die ihm einen Hilfe suchenden Blick zuwarf.


42. Kapitel


~Vier Tage später~
Bill war wieder zu Hause. Die paar Tage, in denen er im Krankenhaus bleiben musste, hatte sich Kate wirklich rührend um Nelly gekümmert.
Bill machte Nelly gerade was zu Essen. Der Kleinen ging es schon wieder recht gut. Ein Kinderpsychologe meinte, dass sie vielleicht das große Glück hatte, dass alles zu vergessen, da sie ja noch so jung war. Aber Bill glaubte fest daran, dass irgendwo tief in ihr drin immer etwas von diesem grauenhaften Ereignis hängen bleiben würde. Bill stellte ihr gerade den Teller mit den Fischstäbchen und dem Kartoffelpüree hin, als es an der Tür klingelte. Bill seufzte, strich Nelly über den Kopf und ging zur Hörer der Sprechanlage.
„Ja?“
„Hey Bill...“,
Kate!, ging es Bill durch den Kopf und drückte die Tür auf. Nach ein paar Minuten klingelte es auch schon an der Wohnungstür. Bill machte sie auf und Kate fiel ihm um den Hals. Sie weinte! Schon wieder?
„Hey Kate...was ist denn los...“, Bill brachte sie rein und setzte sie vorsichtig auf der Couch ab. Er hörte wie Nellys Stuhl zurück gerückt wurde und schon bald stand Nelly neben ihn.
„Was ist los?“, fragte sie und schaute Kate verwirrt an.
„Weiß ich selber noch nicht...“, Bill zuckte mit den Schultern und hockte sich vor Kate, die total in Tränen aufgelöst war.
„Hey Kate! Beruhig dich doch mal, was ist denn los? Wir haben doch alles überwunden! Wir haben Nelly wieder, wir haben das Geld wieder! Deutschland weiß dass mein “Geständnis“ gelogen war und Tokio Hotel ist auch gerettet...was hast du denn?“. Kate schüttelte nur den Kopf. Bill seufzte und fuhr ihr übers Gesicht um die Tränen weg zu wischen.
„Hey...hör mal zu, du brauchst keine Angst mehr zu haben...David ist weg...es wird uns niemand mehr etwas antun können!“
„Darum...Darum geht es doch auch gar nicht!“, schniefte Kate. Bill blickte sie verwirrt an.
„Worum denn dann?“
Kate schüttelte wieder nur den Kopf und weinte weiter.
„Hey...Kate...sag mir doch was los ist...“, meinte Bill und nahm ihre Hände in seine.
„Bill...Bill ich...“, meinte sie, doch brach ab und weinte wieder.
„Was ist denn los?“, fragte Bill, der langsam nervös wurde.
„Ich...“, sie blickte auf Nelly. „Billichbinschwanger.“
„Wie bitte? Ich hab dich nicht verstanden!“, meinte Bill.
Kate seufzte nahm all ihren Mut zusammen und meinte.
„Bill...ich...bin...schwanger!“.
Bill ließ sie ruckartig los und wich zurück.
„Wie bitte was?!“, seine Stimme zitterte und war etwas lauter. Wütend war er nicht, eher überrumpelt.
„Ja...“
„Von...von mir?“
„Ja...“
„Aber, aber wie denn?“
„Na ja...“
„Oh warte...“, Bill hielt sich die Stirn und fing an zu denken. Natürlich! Fast der gleiche Fehler, war ihm wieder passiert. Aber anstatt das Kondom dieses Mal gerissen war, hatte er gar keins Benutzt.
„Und du hast nicht die Pi...“
Kate schüttelte den Kopf.
„Herje...schon mein Zweites!“
„Was ist denn jetzt?“, fragte Nelly verwirrt. Bill drehte sich zu ihr, lächelte und hob sie hoch.
„Weißt du was Nelly? Du bekommst vielleicht eine Schwester oder einen Bruder.“. Nun strahlte Nelly.
„Echt?“
Bill blickte zu Kate, die nickte und Nelly strahlte noch mehr.
„Das ist ja toll...das ist super, wie nennen wir es?“. Bill lachte etwas.
„Das können wir jetzt noch nicht sagen, ist dass denn überhaupt okay Kate? Willst du das Kind?“
„Ja...eigentlich schon...“
„Eigentlich?“, fragte Bill und ein ungutes Gefühl beschlich ihn. Kate nickte.
„Es gibt da noch etwas, was ich dir vielleicht sagen sollte...“
„Und was?“, fragte Bill nervös. Kate schaute zu ihm auf und schniefte.
„Ich werde in zwei Tagen nach L.A. ziehen!“. Jede Farbe wich aus Bills Gesicht und er ließ Nelly wieder runter.
„Was? Nach L.A. ziehen? In zwei Tagen?“. Kate nickte und wischte sich ein paar Tränen weg.
„Ja aber...und was ist mit dem Kind?“
„Es...es wird wohl in L.A. aufwachsen müssen...ich werde mindestens zwanzig Jahre da arbeiten.“
„Wieso? Wieso so lange, wieso weißt du das so genau?“, fragte Bill, dem jetzt langsam die Tränen kamen. Nelly merkte, dass sich etwas schlimmes zusammenbraute und so ging sie lieber in ihr Zimmer.
„Mein Arbeitsvertrag läuft zwanzig Jahre als Auslandskorrespondentin so lange läuft...zwanzig Jahre in den USA.“
„Aber...aber wieso?“
„Bill...ich habe diesen Vertrag schon vor einem Monat unterschrieben...wenn ich gewusst hätte, dass wir uns noch mal treffen...das wir zusammen ein Kind bekommen, dann hätte ich doch niemals...und ich möchte meinen Vater nicht enttäuschen.“, Kate senkte wieder den Kopf.
„Hey...“, Bill setzte sich neben sie. „Bitte wein nicht!“
„Kommst du mit mir? Kommst du und Nelly mit mir?“. Bills Magen verkrampfte sich. Nein! Er würde nicht mitkommen! Er konnte nicht! Amerika...nein, das ging nicht!
„Ich muss hier bleiben...man braucht mich hier...ich kann die Band nicht im Stich lassen...ich müsste ganz neu Anfangen...und mein Leben hier gefällt mir...“
„Ich versteh das...“, Kate schluchzte wieder. „Aber...aber was ist...“
„Mit unsrem Kind?“, Bill legte eine Hand auf ihren Bauch. Noch war er flach, aber Bill wusste ganz genau, wie Kate in neun Monaten aussehen würde.
„Kannst du den Vertrag denn nicht mehr kündigen? Ich meine...“.
Kate schüttelte den Kopf.
„Ich darf erst nach 12 Monaten kündigen...“
„Also ein Jahr...“, Bill seufzte und zog seine Hand von ihrem Bauch.
„Was tun wir jetzt Bill? Ich will nicht wegziehen.“
„Sieht aber ganz so aus, als müsstest du es...aber...“, Bill seufzte schwer. Was sollte er denn jetzt tun? Er wollte nicht das Kate ging, das Kate mit seinem zweiten Kind ging!
„Kate ich kann nicht mitkommen...ich kann dich höchstens mal besuchen kommen. Mehr aber auch nicht. Ich habe hier Verpflichtungen...Nelly muss hier bald zur Schule gehen...ich kann mit ihr jetzt nicht in ein anderes Land...geschweige denn auf einen anderen Kontinent!“
„Dann werde ich alleine weg ziehen...“, Kate stand auf. „Das wollte ich dir nur sagen kommen...ich...ich muss jetzt wieder...ich muss packen!“, erklärte sie und ging zur Tür. Bill sprang auf, griff nach ihrem Arm, drehte sie um und drückte sie mit dem Rücken gegen die Wand, jedoch ganz zärtlich. Kate wusste, dass sie keine Angst haben musste. Er gab ihr einen leidenschaftlichen, zärtlichen Zungenkuss.
„Kommst du wieder?“
„In zwanzig Jahren...“, erklärte Kate. „Ich will nicht so tun, als ob ich diesen Job nicht möchte! Ich will ihn! Ich freue mich auf ihn...ich hätte mich halt nur mehr gefreut, wenn ihr mitgekommen wärt...ich schreibe dir...“, meinte Kate und ihre Lippen langten wieder nach seinen. Bill erwiderte ihren Kuss sofort und schlang die Arme um sie.
„Ich werde zu dir kommen...ich werde dich besuchen kommen wenn es soweit ist, dass verspreche ich dir...“, meinte Bill und gab ihr wieder einen Kuss. Kate merkte wie ihr Tränen über die Wangen liefen und sie stieß Bill sanft nach hinten.
„Leb wohl Bill!“, damit riss die Tür auf und knallte sie wieder hinter sich zu. Sie rannte so schnell sie konnte das Treppenhaus runter und setzte sich in das Taxi, was unten gewartet hatte.
Oben sank Bill auf die Knie und fühlte sich plötzlich so leer.


43. Kapitel


Bill wachte auf. Viel zu früh und viel zu traurig. Er fühlte sich so krank, obwohl er bei vollster Gesundheit war. Er fühlte sich schwach, obwohl Tom sagte, dass er schon wieder sehr stark aussehen würde seit diesem Vorfall. Er fühlte sich nutzlos, obwohl er jeden Tag aufs Neue entdeckte, wie sehr Nelly ihn brauchte. Er fühlte sich klein, obwohl er der größte in der Band war. Er fühlte sich einfach leer. Er war in eine Art Ohnmacht gefallen. Alles was er tat, tat er nur noch aus Gewohnheit, weil er das machen musste. Wenn er Freizeit hatte, Nelly im Kindergarten war und er alleine in seiner Wohnung war, lag er meistens in seinem Bett oder auf dem Sofa und starrte über Stunden hinweg ins Leere. Es war schon drei Woche her, dass Kate das letzte mal bei ihm war und seit dem, hatte er rein gar nichts mehr von ihr gehört. An dem Tag, an dem sie nach Amerika geflogen war, hatte er wie gebannt vor dem Fernseher gesessen und dafür gebetet, dass in den Nachrichten nichts über einen Flugzeugabsturz kam. Es kam nichts! Gott sei Dank, sonst wäre Bill vor Sorge umgekommen. Wieso hatte er sie gehen lassen? Wieso war er nicht mit? Kate war schwanger! Schwanger von ihm! Und er war so ein schlechter Vater, er kam nicht mal mit seinem ungeborenen Kind. Was, wenn sie es alleine auf die Welt bringen müsste, ohne ihn an seiner Seite? Das würde er nicht ertragen. Er hatte schon Nellys Geburt nicht mit bekommen. Er musste bei der Geburt des anderen Kindes dabei sein! Bill richtete sich auf und schaute auf seinen Wecker. Es war noch nicht mal fünf Uhr in der Früh. Seufzend stand er auf und ging in seinen begehbaren Kleiderschrank. Eigentlich sollte er doch froh sein. Er hatte alles überlebt. Er hatte einen Schuss in die Brust überlebt! Nur ganz knapp war die Kugel an seinem Herzen vorbeigeschossen, dass Bill keine Probleme mit dem Rücken hatte, war heute schon fast ein Wunder. Er nahm sich ein paar frische Sachen und ging ins Bad. Er ließ sich Wasser in die riesige Eckbadewanne ein und zog sich aus. Mit müden Augen drehte er sich dem Spiegel zu. Er sah wirklich gesund aus. Nur etwas müde, da er schon Nächte lang nicht richtig schlief, aber sonst. Nichts, aber auch wirklich nichts, konnte einem anderen Menschen sehen lassen, wie er wirklich fühlte. Sogar seinem Bruder Tom, konnte Bill etwas vorspielen. Den glücklichen Vater, ja, den spielte er jetzt schon lange. Es waren zwar nur drei Wochen, doch jede Sekunde ohne Kate, war eine verlorene Sekunde und fühlte sich an, wie ein Jahr. Bill drehte den Wasserhahn zu und stieg in die Badewanne. Das Wasser war angenehm warm und Bill lehnte sich zurück. Er schloss die Augen und dachte wieder an Kate. Wo war sie gerade? Was tat sie? Sicherlich war sie noch auf den Beinen. In L.A. war es schließlich erst viertel vor acht am Abend. Sicherlich interviewte sie gerade Orlando Bloom oder sonst einen Weltstar. Bill ließ sich etwas tiefer in die Badewanne sinken.
L.A...
USA...
Amerika...
Kate war so unglaublich weit weg...und er würde sie für eine lange, lange Zeit nicht sehen. Bills Hand rutschte vom Rand der Badewanne und viel ins Wasser. Bill war unter gegangen. Doch das war kein Versehen. Er öffnete seinen Mund und atmete aus.
Tut mir leid Nelly..., dachte er und machte sich gerade bereit dazu tief einzuatmen, als er erschrocken die Augen aufriss und auftauchte. Er strich sie die Haare aus dem Gesicht und blickte sie um. Was war denn das jetzt?! Er wollte sich doch nicht wirklich umbringen! Bill klammerte sich an den Rand der Badewanne und obwohl das Wasser immer noch angenehm warm war, zitterte er. Bill griff nach einem Handtuch und stieg aus der Badewanne.
Er war immer noch am zittern, als er vor seinem Kamin im Wohnzimmer saß und leise ein Feuer prasselte. Er hörte wie Nellys Tür aufging und die Kleine zu ihm getapst kam.
„Hey...“, lächelte er und winkte sie zu sich. Nelly kam auf ihn zu und kuschelte sich an ihn.
„Bist du schon wieder so früh wach?“, fragte sie und schmiegte sich zärtlich an ihn.
„Ich konnte nicht schlafen...“, erklärte er.
„Wieso? Wegen Kate...“.
Bill blieb stumm. Woher wusste sie das schon wieder?
„Ja...“
„Du vermisst sie...richtig?“
„Ja...sehr sogar...“
„Und das Baby!“
Bill blickte zu ihr auf und seufzte.
„Ja...“
„Hast du es mehr lieb als mich?“
„Nein! Ich liebe euch beide gleich! Ich würde für beide für euch mein Leben geben...für euch alle drei! Für dich, Kate und für das Baby was bald kommt...Um das Baby muss sich nur etwas mehr gekümmert werden. Weißt du...es kann noch gar nichts. Es kann nicht reden, nicht gehen, nicht krabbeln...eigentlich muss es alles lernen, was du schon kannst! Das braucht seine Zeit und in dieser Zeit, müssen die Eltern sehr gut auf das Baby aufpassen...“
„Wieso warst du nicht da als ich das alles lernen musste?“, Bill hörte wie gebrochen Nellys Stimme klang. Sie war traurig darüber, sehr, denn schon spürte er, wie ihm kalte Tränen auf die Hand tropften.
„Nelly...glaub mir, wenn ich über dich bescheid gewusst hätte, dann hätte ich mich um dich gekümmert. Aber Sabrina, deine Mutter, sie hat mich nicht einmal angerufen in den Jahren...heute wünsche ich mir natürlich, sie hätte es getan...aber ich hab dich jetzt...und das ist doch besser als gar nichts, oder?“. Nelly nickte und Bill wischte ihr vorsichtig die Tränen weg.
„Wieso ist Kate denn mit dem Kind weg gegangen?“
„Kate hat jemandem ein Versprechen gegeben, dass sie dahin geht...sie musste es halten.“
„Aber was ist jetzt mit dem Kind. Wird es genau wie ich nichts von dir wissen.“
„Kate hat mir versprochen, dass sie mich anruft, wenn sie genaueres weiß und wenn sie das Kind auf die Welt bringt. Und wenn sie das Kind auf die Welt bringt, dann setzten wir uns beide in den Flieger und fliegen zu ihr, ja?“
„Ja...Papa?“
„Mh?“
„Glaubst du Kate kann meine neue Mama werden?“. Bill lächelte.
„Ich hoffe das sie das wird!“
„Glaubst du sie wird böse, wenn ich sie Mama nenne?“. Bill schüttelte den Kopf.
„Ganz bestimmt nicht. Ich denke sie wird sich freuen, wenn du zu ihr Mama sagst.“
„Denkst du wirklich?“
„Du kannst sie ja fragen, wenn wir sie das nächste mal sehen.“
„Wann sehen wir sie denn wieder?“
„Ich...das weiß ich nicht...aber das wird sicher noch etwas dauern.“, Nelly kuschelte sich an Bill.
„Ich vermiss Mama...“
„Ja Nelly...das tu ich auch!“



44. Kapitel


Um drei Uhr klingelte es an der Tür. Bill machte auf und ließ seinen Bruder rein.
„Hey...du siehst nicht gut aus!“, meinte Tom und drückte ihn aufs Sofa. Bill schaute ihn verwirrt an.
„Was wird das denn wenn’s fertig ist?“
„Du musst ihr nach!“
„Wem?“
„Kate!“
„Kate? Kate ist in Amerika!“
„Genau! Und du bist hier! Das macht euch beide kaputt und du weißt, was das in Kates Fall bedeutet!“. Bill musterte ihn verwirrt. Wusste er etwa das Kate schwanger war?
„Bill! Denkst du nicht ich hab nicht gemerkt, was los ist?! Kate hat es mir erzählt! Kurz bevor sie wegflog! Sie dachte, dass sie sich bei mir verabschieden sollte, wo ich euch doch alle drei gerettet habe. Da ist sie in Tränen ausgebrochen und hat es mir erzählt! Verdammt Bill flieg ihr hinterher!“
„Und Nelly?“, fragte Bill.
„Hol sie mit! Oder lass sie bei mir! Bring Kate nach Hause!“
„Nach Hause? Sie ist zu Hause! Sie ist jetzt halt in L.A. zu Hause!“
Tom schüttelte den Kopf.
„Man ist da zu Hause, wo das Herz zu Hause ist! Und Kates Herz ist nur bei dir und Nelly zu Hause!“
„Ich hab schon mit ihr darüber gesprochen! Sie kann nicht einfach so zurück kommen!“
„Sie muss aber! Denn sonst werdet ihr beide doch nicht mehr glücklich!“
„Und wie soll ich das machen? Soll ich sie wie David entführen und hier festhalten bis das Jahr rum ist!“
„Kein Vertrag, kein Versprechen kann sie daran binden, wo sie arbeiten muss!“
„Es geht nicht Tom! Ich habe mir schon Tage lang den Kopf darüber zerbrochen. Es geht einfach nicht!“, Bill stand auf und ging den Flur entlang.
„Willst du sie überhaupt zurück?“, fragte Tom.
„Sei still! Nelly schläft!“, zischte Bill und öffnete leise und vorsichtig Nellys Tür. Die Kleine lag in ihrem Bett, an ihre Prinzessin Lillifee Puppe gekuschelt und schlief so vor sich hin. Sie war heute so früh wach gewesen, da sie einfach wieder eingeschlafen war um zwei Uhr. Bill ging an ihr Bett, hockte sich davor und strich ihr über die Stirn. Er küsste sie und seufzte.
„Sag mir doch was ich machen soll Tom...“
„Ich hab es doch gesagt! Hol sie zurück!“
„Das geht nicht...“
„Bill, Kate trägt ein Kind von dir in sich!“
„Und? Sabrina hat das auch...und sie hat nicht ein Wort gesagt! Nie! Wäre sie nicht gestorben, dann hätte ich wohl nie etwas von Nelly erfahren...“, Bill stand wieder auf und ging zu Tom an die Tür. Tom blickte ihn an.
„Weißt du noch, vor ein paar Jahren, da hast du noch Felsenfest behauptet, dass du niemals Kinder haben willst und niemals heiraten willst...wie lange ist das her?“
„So um die vier, fünf Jahre!“
„Na ja, ein Kind hast du ja jetzt schon und das zweite ist unterwegs...was wird also aus deiner Hochzeit?“
„Ich werde Kate nicht heiraten!“
„Nicht?“
„Nein! Die beiden Kinder waren nicht geplant. Ich hab nichts gegen die beiden, ich werde das neue Kind genau so lieben wie ich es bei Nelly tue, aber mir wäre es auch recht gewesen, wenn Nelly in ein Heim gekommen wäre und Kate das Kind nicht bekommen würde!“
Tom schaute seinen Bruder mit einem unverständlichen Blick an.
„Hast du das gerade wirklich gesagt? Bist du so kalt?“
„Ich bin nicht kalt...mir schwirren nur Davids Worte im Kopf herum...er hat schon irgendwie recht. Ich bekomm das nicht mehr unter einen Hut Tom! Wenn ich mich um Nelly kümmere, dann vernachlässige ich die Band, kümmere ich mich um die Band, vernachlässige ich Nelly!“
Tom schüttelte den Kopf.
„Bis jetzt warst du ein wunderbarer Vater!“
„Ja klar...ein wunderbarer Vater der es zu lässt, dass seine Tochter entführt, vergewaltigt und fast auch noch ermordet wird...nein Tom, ich bin alles andere als ein guter Vater...“, Bill schloss die Tür zu Nellys Zimmer und Tom hörte an Bills Stimme, wie sich die Tränen in seinen Augen breit machten.
„Das kann jeden treffen Bill! Aber jetzt denk doch mal daran, was du alles daran getan hast, Nelly wieder zu bekommen! Du wärst dabei beinahe selbst mit draufgegangen! Nicht jeder hätte das für seine Tochter gemacht!“
„Was hätte ich denn sonst auch schon tun sollen? Einfach denken, ach komm, ist doch eh egal?“, Bill schüttelte den Kopf.
„Bill, du bist ein guter Vater und...
„Und was? Soll ich Kate hinterher mit einem Ring in der Tasche, vor ihr auf die Knie fallen und sagen: heirate mich? Was bin ich denn schon für ein Ehemann? Ich bin doch eh fast nie da!“
„Aber...es geht doch um...“
„Um was Tom? Um was geht es? Kate ist schwanger von mir, sie liebt mich und ich liebe sie. Das war es aber auch schon!“, Bill ging ins Wohnzimmer. Er wollte nicht mehr darüber sprechen. Er hatte es endlich geschafft, einen Schutzpanzer um sich zu bauen, da wollte er nicht mehr darüber sprechen.
„Bill!“
„NEIN!“, schrie Bill und kniff die Augen zu als er an Nelly dachte. Tom schürzte die Lippen.
„Gut...du willst nicht. Dann ist ja auch okay. Ich wollte dir nur das hier von Kate geben!“, Tom zog aus seiner Tasche einen Brief. Bills Magen verkrampfte sich. Dieser Brief war von ihr?! Von Kate?!
„Sie hat ihn mir gegeben bevor sie abgereist ist. Er ich für dich!“, er hielt ihn hoch und Bill konnte ganz deutlich Kates feine, geschlungene Schrift erkennen.
>>Bill<<
Er schluckte und riss Bill den Brief aus der Hand.
„Und? Was soll ich damit?“, fragte er.
„Lesen!“, meinte Tom und griff nach seinem Autoschlüssel, der auf dem Wohnzimmertisch lag. Bill schaute ihm dabei zu.
„Du gehst?“
„Ja...ich wollte noch mit Pat über die Situation jetzt sprechen!“
„Situation?“
„Das wir einen Manager und Produzenten weniger haben!“. Bill nickte und schaute wieder auf den Brief.
„Les ihn Bill! Und dann denk noch mal darüber nach, was du mir gerade so alles ins Gesicht geschrieen hast! Bis bald!“, damit schloss Tom die Wohnungstür und Bill war wieder alleine.
Alleine mit der Leere! Alleine mit der Schwäche! Alleine mit der Ohnmacht! Alleine mit der Sorge Kate und das Baby!
Alleine mit seinem schmerzendem Herzen!


45. Kapitel


~Brief~
Lieber Bill,
ich bin mir sicher, dass schon einige Tage, vielleicht schon Wochen vergangen sind, wenn du diesen Brief liest. Ich habe ihn dir geschrieben, weil ich dir manche Sachen einfach nicht ins Gesicht sagen konnte. Ich weiß selbst nicht warum. Vielleicht war es, weil einfach alles auf einmal kam. Das Baby, der Umzug...es war zu viel! Deshalb, schreibe ich dir diesen Brief. Ich möchte, dass du weißt, dass ich dem Kind nichts von seinem Vater erzählen werde, solange du es nicht willst. Ich möchte, dass du weißt, dass ich dich liebe. Ich habe nie aufgehört dich zu lieben nach unserer Trennung und ich werde auch jetzt nicht, da uns tausende von Kilometern trennen aufhören dich zu liebe. Ich weiß, dass hört sich an, als wäre ich ein kleines dummes naives Kind. Ein Teenager, der noch nicht weiß, wie die Welt funktioniert. Aber so ist es nicht! Ich denke, es wird das Beste sein, wenn wir einfach per E-Mail oder Briefen Kontakt behalten. Die Telefonrechnung, würde sonst wohl auch für uns beide zu teuer. Ich denke, dass du Recht hattest. Du kannst einfach nicht aus Europa weg. Dort ist dein zu Hause, dein Leben. Und vor allem deine Familie. Nelly braucht dich, sie würde sicherlich ziemlich viele Schwierigkeiten in Amerika bekommen, denn für ein kleines Kind, was gerade mal so Deutsch sprechen kann, ist Amerikanisch, sicherlich nicht gerade leicht. Natürlich gebe ich dir das Recht, deinen Sohn oder deine Tochter jeder Zeit zu dir zunehmen. Ich werde dann mit dem Kind nach Deutschland fliegen und es bei dir ab liefern.
Ich liebe dich Bill...
Deine Kate.

~Brief Ende~

Bill senkte den Blick.
„Wieso weinst du?“, fragte eine müde Stimme. Er zuckte zusammen und drehte sich zu Nelly. Ihm war gar nicht aufgefallen, dass ihm Tränen über die Wangen gerannt waren.
„Wieso schläfst du nicht?“, fragte Bill mit zittriger und schwacher Stimme.
„Ich bin wach geworden...wieso weinst du?“, fragte sie wieder. Bill seufzte.
„Ich vermisse Kate so schrecklich...sie...“, Bill schniefte und setzte sich auf das Sofa. Nelly kam ihm nach und kuschelte sich an ihn.
„Sie kommt doch wieder, oder?“
„Ich weiß es nicht...“, gab Bill zu und strich Nelly über den Kopf.
„Liebst du sie mehr als mich?“
„Ich liebe euch gleich viel!“
„Kannst du das denn?“
„Ja...das kann ich! Ich würde für euch beide mein Leben geben, hab ich das dir nicht schon mal gesagt?“
„Doch...ich glaube das hast du...“, Nelly schloss die Augen und Bill legte die Fleecedecke um sie und sich selbst.
„Bist du müde?“
„Nein...“, gähnte Nelly und schüttelte den Kopf.
„Lügnerin...“, schmunzelte Bill und gab ihr einen Kuss auf die Stirn.
„Ich bin aber...wirklich nicht...müde.“, wieder gähnte sie und Bill schüttelte den Kopf.
„Nein, überhaupt nicht. Soll ich dir ein Schlaflied singen?“
„Nein...“
„Wirklich nicht?“
„Wirklich nicht! Ich bin nicht müde!“, Nelly schmiegte sich an ihren Vater und der legte den Arm um sie. Auch wenn Nelly es nicht wollte, fing er leise an ein Schlaflied zu singen. Doch Nelly werte sich mit aller Mühe, gegen die Müdigkeit. Bill seufzte, als er merkte, dass es nicht klappen würde.
„Das macht die Nerven kaputt!“
„Nerven?“
„Die stecken in dir drin!“
„Oh...dann ist das sicherlich nicht gut, wenn die kaputt gehen.“
„Nein...überhaupt nicht gut!“
„Papa...“
„Mh?“
„Hol Mama zurück! Ich meine Kate...“.
„Wieso sagt ihr mir das nur alle!“
„Bitte...hol sie zurück!“
„Wieso? Sie hat mir doch selber gesagt, dass sie mit dieser Stelle glücklich ist und...“, Bill seufzte und dachte an heute morgen zurück.
Du wolltest dich umbringen! Du wolltest dich wirklich umbringen...
„Nelly...willst du sie denn als Mutter? Willst du ein Geschwisterchen haben?“
„Jaaaaa!“, strahlte Nelly und lächelte.
„Gut...dann holen wir uns Mama zurück...“, Bill küsste sie noch mal und nun siegte endlich die Müdigkeit von Nelly.
Bill brachte die Kleine zurück in ihr Bett und ging in sein Wohnzimmer. Er schaute auf den Brief, der auf dem Wohnzimmertisch lag. Er würde sie zurück holen! Er würde es tun! Egal, was es ihn kostet! Tom hatte recht! Diese Trennung, machte sie beide kaputt! Kate brauchte ihn und er brauchte Kate und vor allem das Baby und Nelly, brauchten zwei Elternteile!

Schon zwei Tage später, hatte Bill ein Ticket nach Los Angeles gekauft und würde noch heute nach Los Angeles fliegen um Kate endlich wieder zurück zu holen. Er musste sie einfach wieder zurück nach Deutschland bringen, koste es, was es wolle. Wenn es nötig wäre, würde er sie sogar entführen! Nelly hatte er solange zu Tom gegeben.
„Glaubst du Papa holt Mama zurück?“, fragte Nelly ihren Onkel, der gerade dabei zu spülen.
„Äh...deine Mama?“
„Ja!“
„Aber...aber ich dachte deine Mutter wäre...“
„Kate wird meine neue Mama!“
„Ach so...mh...ja...ich bin mir absolut sicher dass das dein Vater schafft! Hundertprozentig!“
„Wirklich? Glaubst du auch, dass ich zu Kate Mama sagen darf?“
„Bestimmt! Sie wird sich sicher freuen!“
„Das hat Papa auch gesagt!“
„Ja...dein Papa und ich, wir sind uns ziemlich ähnlich.“
„Finde ich nicht!“
„So?“, fragte Tom und grinste das kleine Mädchen an, was auf einem Stuhl saß und mit den Beinen in der Luft herum schwang.
„Ja! Du siehst total anders aus wie mein Papa!“
„Soll ich dir mal was sagen?“
„Was denn?“, fragte Nelly und schaute ihren Onkel fragend an.
„Dein Papa und ich...eigentlich sehen wir fast genau identisch aus!“
„Was heißt identisch?“
„Gleich!“
„Aber ihr seht nicht gleich aus!“
„Würde man uns die Haare abrasieren und uns ausziehen, dann würdest du uns nur noch an den Piercings und den Muttermalen erkennen...und natürlich an den Tattoos von deinem Vater!“
„Wieso seht ihr euch denn so ähnlich?“
„Ganz einfach!“
Nelly blickte Tom immer noch fragend an.
„Wir sind eineiige Zwillinge! Wir wurden am gleichen Tag, zur gleichen Zeit geboren. Unsre Mutter war gleichzeitig mit uns schwanger.“
„Ah ha...“, Nelly verstand das zwar nicht wirklich, doch in ungefähr konnte sie sich vorstellen, was ihr Onkel damit meinte.

Bill kam auf dem Flughafen an. Er blickte auf die Anzeigetafel, die ihm zeigte zu welchem Gate er musste. Gate 23! Er musste sich beeilen. In zehn Minuten ging sein Flug. Bill hastet mit seiner Reisetasche zum Sicherheitstor. Und schon wieder piepte alles an ihm.
„Piercings!“, meinte er und die Sicherheitsleute, die ihn natürlich kannten, nickten und ließen ihn durch. Drei Minuten noch! Bill hastete zum Gate, doch eine Menge Leute versperrten ihm den Weg und als er endlich am Gate an kam, schaute ihn ein Mitarbeiter vom Flughafen fragend und entschuldigend an.
„Ähm...wollen Sie etwa ins Flugzeug nach L.A.?“
„Ja...“, keuchte Bill, der völlig außer Atem war.
„Oh...tut mir leid...das ist vor drei Minuten gestartet!“
„Was?“, Bill blickte den Mann ungläubig an.
„Tut mir leid! Das nächste Flugzeug fliegt erst in einer Woche!“. Bill ließ die Schultern hängen und schlurfte zurück in die Eingangshalle, wo er sich auf einen Metallsitz fallen ließ. Das durfte doch alles nicht wahr sein!


46. Kapitel


Bill ließ den Kopf sinken und zündete sich eine Zigarette an. Wieso war er nicht früher losgefahren? Wieso startete das nächste Flugzeug erst in einer Woche? Das war ja wohl ein Witz! Es müsste doch jeden Tag ein Flugzeug fliegen. Bill hörte wie ein paar Amerikaner an ihm vorbei gingen. Touristen die nach Deutschland gekommen waren. Wieso durfte er nicht in ihr Land? Traurig schüttelte er den Kopf. Er konnte das alles nicht verstehen. Tränen drangen in seine Augen und er schniefte. Plötzlich zog ihm jemand die Zigarette aus dem Mund. Verärgert blickte Bill auf.
„Anstatt diese Zigarette zu küssen, solltest du lieber mich küssen!“. Bill sprang auf. Bildete er sich das ganze jetzt nur ein? War er am träumen? Das war doch unmöglich...das konnte doch gar nicht...
„Hab ich dir die Sprache verschlagen?“
„Kate...“, hauchte er und ohne zu überlegen, fiel er ihr um den Hals und küsste ihre Lippen, ihre Stirn und ihre Augenlider. Kate lachte und öffnete die Augen.
„Aber...ich dachte...“, meinte Bill und küsste sie wieder.
„Ich habe noch mal mit meinem Arbeitsgeber gesprochen. Im Angesicht der Tatsachen dass ich ein Kind von dir erwarte, durfte ich noch einmal kündigen!“
„Du hast gekündigt? Aber…aber das war doch dein Traum, du wolltest doch unbedingt...“
„Mein Traum Bill...“, meinte sie und strich zärtlich über Bills Gesicht. „Ist es bei dir zu sein. Bei dir zu leben, mit dir zu leben...mit dir eine Familie zu gründen...Für Nelly eine neue Mutter werden...und...“
„Das reicht!“, damit drückte Bill ihr seine Lippen auf die ihre und die beiden gaben sich einen zärtlichen Zungenkuss.
„Kate...“
„Ja?“, fragte sie mit leiser Stimme und ließ die Augen geschlossen, sie lehnte sich an Bills Brust.
„Kate willst du...willst du mich heiraten?“
„Ja! Nichts lieber als das!“, und wieder gaben die beiden sich einen Zungenkuss.

~Ein Jahr später~
Kate schaute sich im Spiegel an.
„Boah Kate...du siehst so hübsch aus!“, meinte ihre Mutter und schaute an ihrer Tochter herab. Kate atmete tief durch und schaute an sich herab. Heute war der große Tag. Ihre Hochzeit! Sie steckte in einem umwerfenden Kleid, das nicht gerade billig war. Sie wollte eine Traditionelle Hochzeit. Deswegen trug sie etwas geliehenes, das Diadem auf ihren Kopf, etwas blaues, das Strumpfband, was sie unter dem langen Rock trug, etwas altes, die Ohrringe und etwas neues, das Armband, was um ihr Handgelenk gelegt wurde.
„Freust du dich schon?“, fragte ihre Freundin Stefanie.
„Was?“, fragte Kate, die nicht ganz bei der Sache war.
„Ob du dich freust?!“, wiederholte Stefanie und schaute ihre Freunde schwärmend an.
„Oh...ja natürlich!“
„Immerhin, heiratest du heute Bill Kaulitz! Den Mädchenschwarm überhaupt...“. Nelly kam in den Raum.
„Mama!“, sie blieb stehen und schaute Kate mit großen Augen an.
„Hey Süße...was ist denn?“
„Boah Mama...du siehst wunderhübsch aus!“
Kate lächelte, strich Nelly kurz über die Haare.
„Danke meine Kleine. Was macht Evelyn?“
„Schläft!“
„Ruf mich wenn sie aufwacht!“
„Das kannst du aber mal schön vergessen!“, widersprach ihre Mutter und schüttelte den Kopf. „Heute kümmere ICH mich mal um die Kleine! Du heiratest heute!“.
„Ja...“, seufzte Kate und drehte sich wieder dem Spiegel zu.
„Mama...“
„Mh?“, Kate drehte sich zu Nelly.
„Du bist wirklich voll hübsch. Ich geh mal zu Papa!“
„Mach das! Aber kein Wort darüber wie ich aussehe, okay?“
„Okay!“, meinte Nelly und hielt den Daumen hoch. Damit lief sie weiter zu ihrem Vater.
„Das wird der schönste Tag in meinem Leben!“, erklärten Kate leise sich selbst und drehte sich mit einem Lächeln zurück zum Spiegel.

Nelly klopfte an der Tür und Tom machte auf. Sie runzelte die Stirn, da sie Onkel Tom noch nie in so einem Anzug gesehen hatte. Ihrem Vater stand der eindeutig besser.
„Papa! Papa!“, Bill drehte sich zu ihr um.
„Hey Süße!“, er nahm sie auf den Arm. „Und wie seh ich aus?“
„Toll! Wie immer! Total hexy!“. Bill lachte nur und gab ihr einen Kuss.
„Sexy Nelly...das heißt sexy!“
„Ist doch egal! Hauptsache du heiratest Mama endlich!“
Bill lachte. Ja! Auch er wollte Kate endlich heiraten! Dafür hatte er sich extra noch taufen lassen. Denn Kate war katholisch und wollte unbedingt eine katholische Hochzeit haben. Da Bill ihr jeden Wunsch von den Lippen ablas, wollte er ihr auch diesen Wunsch erfüllen.

Kaum eine halbe Stunde später, legte Kate sich den Schleicher über das Gesicht und nahm den Brautstrauß in die Hand.
„Oh Kate...du siehst so hübsch aus!“, schwärmte ihre Freundin wieder. Es klopfte an der Tür und ihr Vater kam in den Raum.
„Wow...“, meinte er und lächelte. „Und? Bereit?“
„Ja...“, lächelte Kate durch den Schleier und legte ihren Arm um den Arm ihres Vaters.
„So...dann los!“, ihre Vater nahm noch mal tief Luft und führte Kate zum Altar. Bill lächelte sie an und schon fing die Messe an. Und dann kam endlich der Augenblick.
„Und so frage ich Sie, den hier anwesenden Bill Kaulitz, möchten Sie die hier anwesende Kate Junkersdorf zu Ihrer Frau nehmen, sie lieben und ehren, in guten so wie in schlechten Zeiten, bis das der Tod euch scheidet, so antwortet jetzt mit Ja, ich will!“. Kate hielt die Luft an. Würde Bill es sagen? Würde er sie jetzt für immer haben wollen? Oder würde er doch noch kalte Füße bekommen? Sie schaute Bill lächelnd an. Bill blickte kurz zu ihr rüber, drehte sich dann wieder zum Pastor und nickte.
„Ja...ich will!“
„Und nun frage ich Sie, die hier anwesende Kate Junkersdorf, möchte Sie den hier anwesenden Bill Kaulitz zu Ihrem Mann nehmen, ihn lieben und ehren, in guten so wie in schlechten Zeiten, bis das der Tod euch scheidet, so antwort jetzt mit Ja, ich will!“
Kate überlegte nicht eine Sekunde. Sie lächelte drehte sich zu Bill und meinte.
„Ja ich will!“
„Dann dürfen Sie die Braut jetzt küssen!“, damit gaben die beiden sich ihren Hochzeitskuss. Die Menge fing an zu klatschen und Bill lächelte Kate an. Die beiden küssten sich gleich noch mal. Bill drehte den Kopf etwas und sah Nelly, die in der ersten Reihe saß und ihn glücklich anstrahlte. Endlich hatten sie und er eine richtige Familie.



.THE END