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Die Clique, die niemand kannte oder Shit, sie haben Kenny getötet



Autor: Lara <3 und Vivi [Partner-FF]
Hauptpersonen: Tokio Hotel, Nivea Bébé, Yves Rocher, Keith Meyer und Kenny Schulz, sowie eine Menge Nebenrollen
Inhaltsangabe: Nivea und Yves, zwei Mädchen aus Berlin, hassen Tokio Hotel über alles. Sie beschließen kurzerhand einen Auftragskiller zu engagieren um Tokio Hotel endgültig ins Grab zu schicken. Doch es läuft nicht alles so wie geplant…
jugendfrei!
Kategorie: Humor (sehr viel sogar!)
Warnung: Tokio Hotel Fanatiker brauchen eine Menge Humor fürs lesen! Bitte nicht alles zu ernst nehmen, die Geschichte soll unterhalten und niemand diskriminieren!


Trailer


"..." Jemand sagt etwas.
*...* Etwas passiert.

*Die Vorhänge der Leinwand gehen auseinander und eine weiße Schrift erscheint auf dem schwarzen Hintergrund*

>>Das Grauen naht… Lara & Vivi United present:<<

*Die Schrift verschwindet und die Leinwand wird wieder dunkel und schaurige Kirchenmusik schallt durch den Raum.*
*Wie aus dem Nichts wird ein Streichholz angezündet und man sieht das Gesicht einer jungen Frau, sie sieht müde aus*
*Sie schließt die Augen. Irgendwo draußen gewittert es.*
*Man sieht kurze Szenen in schneller Abfolge*

„Und ich sage dir, es ist falsch! Das können wir nicht bringen! Alle werden uns hassen!“ Wild gestikulierend redet ein Mädchen auf ein anderes ein.
„Das tun doch eh schon alle, also halt den Rand!“

*Wechsel*

„Wir zerstören ihr Leben! Mensch, willst du es dir nicht noch einmal überlegen?“ – „Nein! Wenn du aussteigen willst, dann geh. Aber erwarte nicht, das wir dann noch Freunde sind!“ Wütend knallt jemand eine Tasse auf den Tisch.

*Wechsel*

„Ich kann das nicht mit ansehen! Ich werde das nicht zulassen!“ Ein rothaariges Mädchen verschwindet wütend um eine Ecke. „Dann geh doch! Hoffentlich verreckst du!“ Ein Knall ertönt…*

*Die Leinwand wird wieder schwarz. Die Musik spielt weiter*
*Die junge Frau öffnet wieder die glänzenden Augen.*

Es war ein Plan…

*Eine Szene erscheint*

„Boa! Ich hasse sie so! Am liebsten würde ich sie umbringen!“ Zwei Mädchen laufen durch eine Fußgängerzone. „Mach doch“, sagt die andere belustigt. Das Mädchen bleibt kurz stehen und grinst süffisant. „Wir bestellen ’nen Auftragskiller.“

*Szene verschwindet wieder*

…der ihr Leben komplett verändern sollte!

*Das Streichholz flackert und geht aus.*
*3 Szenen erscheinen schnell hintereinander.*

Erschrocken fällt ein Mädchen auf die Knie und hält sich den Bauch. „Es tut mir Leid“, flüstert sie lächelnd.

*Wechsel*

Ein schwarzhaariger schreit verzweifelt als der Kopf eines Mädchens auf seinen Knien zur Seite sinkt.

*Wechsel*

Ein grünhaariges Mädchen steht unter Schock und beobachtet das Geschehen.

*Ein immer lauter werdender Herzschlag übertönt die Musik, die schließlich ausgeht.*

„Sagen sie bitte ihren Namen.“

*Abrupt wird das Licht eingeschaltet und man sieht eine große Gesprächsrunde. Eine Frau im weißen Kittel klopft auf ihr Schreibbrett und sieht die junge Frau interessiert an*


„Mein Name“, flüstert sie und lächelnd. „Mein Name ist Nivea Bébé. Und das ist meine Geschichte…“

*Die Leinwand wird wieder schwarz*

>>Das worauf ihr alle gewartet habt naht.<<

*Schrift wechselt*

Die Clique die niemand kannte – Oder „Shit, sie haben Kenny getötet!“

*Schrift verschwindet wieder*

+*Coming Herbst 2006*+

Kapitel 1


Es war ein Freitag wie jeder andere, als diese Geschichte begann.
Niemand hätte geahnt was sich in der nächsten Zeit alles hier in Berlin abspielen würde, am allerwenigsten 2 Mädchen, die gerade ihre 5te, und somit vorletzte Stunde eben jenes besagten Freitags absaßen.
Auf den ersten Blick, sah die 10te Klasse wie jede andere aus. Aber eben nur auf den ersten Blick, hinten rechts, am Fenster saßen 2 Mädchen, wie sie anders nicht hätten sein können.
Eine von ihnen war gerade über ein Stück Papier gebeugt auf dem sie eifrig kritzelte.
„Yves“, zischte sie und schob ihr vom Lehrer unbemerkt den Zettel zu.
Stirnrunzelnd nahm das rothaarige Mädchen den Zettel entgegen und faltete ihn auseinander.
Gieb mahl Englischhäft.
„Moah nee, Nivea!“ Über die Rechtschreibfehler hinwegblickend sah sie ihre grünhaarige Freundin an und rollte genervt die Augen.
„Du schreibst jedes Mal Englisch ab und wenn wir beide vorlesen müssen bin ich immer die, die abgeschrieben hat. Wie willst du das in den Arbeiten machen?“
„Ganz einfach, du schreibst in mein Heft ich in deins.“
Entsetzt riss Yves die Augen auf.
„Samma geht’s dir noch gut?
„Gib mir jetzt dein Englischheft verdammt, oder es setzt Schläge. Du hast doch keinen außer mir!“
Resignierend seufzte Yves und zog ihr Englischheft aus der Tasche. Wo Nivea Recht hatte, hatte sie Recht.

In der Tat waren die beiden alles andere als beliebt. Man konnte es fast schon verdammt nennen. Zum Glück waren bald Sommerferien, das hieß ade Schule, ade Berlin und hallo Welt!
Ein „Geht doch“ von Nivea brachte sie unsanft in die Realität zurück und Yves widmete sich wieder dem todlangweiligen Geschichtsunterricht.
Amerikanische Geschichte, was interessierte sie das?
Sie war Deutsche, sie hatte nie vor nach Amerika auszuwandern, geschweige denn Geschichtslehrerin zu werden.
Ein paar Minuten später der erlösende Gong.

„Nivea ich würde mich mal beeilen, die Schmidt ist schon da und du hast noch nicht mal die Hälfte abgeschrieben!“
„Jaja sofort…“ Nivea hielt abwehrend die linke Hand in die Luft und bekam gar nicht mit, wie sich ihre Englischlehrerin schon längst vor ihr aufgebaut hatte.
„Ja verdammt ich bin doch gleich fertig…“
„Ich glaube du bist schon fertig, Nivea.“
Das grünhaarige Mädchen sah kurz auf, blinzelte ein paar Mal und wandte sich dann wieder unbekümmert dem Englischheft von Yves zu.
„Nivea!“
„Mein Name“, zischte die Angesprochene, schrieb aber weiter.
„Du legst jetzt bitte den Stift hin, sonst…“ Die Lehrerin stockte und Nivea schraubte gemütlich den Füller zu und schob Yves ihr Heft zu.
„Sonst was?“
Ihre Augen mit den lila Kontaktlinsen blitzten gefährlich auf, gemischt mit den giftgrünen Haaren eine tödliche Mischung, die junge Lehrerin erschauderte.
„Schon gut, ich, das war das letzte Mal, Nivea, sonst muss ich einen Brief an deine Eltern schicken.“
„Denen ist eh egal ob ich da bin oder verrecke.“
Frau Schmidt atmete empört ein.
„Schon gut Frau Schmidt, sie hat es nicht so gemeint. Sie steht im Moment unter Stress“, sagte Yves schnell und trat ihrer Freundin unterm Tisch gehörig auf den Fuß.
Und mal wieder musste sie ihre Lehrer davor bewahren ein wahres Wortgefecht mit Nivea austragen zu dürfen.
Darin war sie ungeschlagener Champ.

Kapitel 2


Das erlösende Klingeln der letzten Stunde brachte die gesamte 10. Klasse zum hektischen einpacken ihrer Utensilien. Nivea hatte schon ihre gesamten Sachen zusammen, noch ehe Yves überhaupt das Englischbuch in ihrer Tasche verstaut hatte. „Beeil dich mal nen bisschen…“, drängelte Nivea und tippelte von einem Fuß auf den anderen.
„Ja, ja!“, murmelte Yves und strich sich eine Haarsträhne ihrer langen Haare aus dem Gesicht. Zugleich wollte ein Mitschüler an Nivea vorbei die mitten im Gang stand und immer noch ungeduldig wartete. Dieser besagte Mitschüler rempelte im vorbeigehen Nivea an und streifte sie mit seiner Tasche. „Ey du Idiot!“, zischte sie sofort und gab dem Kerl einen Schlag auf den Hinterkopf. Dieser wollte gerade etwas erwidern als Yves dazwischentrat. „Wir können!“ Nivea nickte, warf dem Typen noch einen letzten ärgerlichen Blick zu und verließ dann zusammen mit Yves den Klassenraum.

Draußen machten sich die beiden Mädchen auf den Heimweg. „Ich wette der Alte liegt gleich wieder betrunken auf dem Sofa…“, murmelte Nivea während sie die Straßen von Berlin entlang gingen.
Wie jeden Tag!, dachte Yves, brachte aber nicht mehr als ein „Hmm…“ über die Lippen. „Ja was ’Hmm‘ is das alles was de dazu sagst?“, keifte Nivea, „Interessiert es dich nicht wie es deiner besten Freundin zu Hause geht?“
„Öhm…“, machte Yves. „Was heißt des denn schon wieder?“ Nivea funkelte Yves böse an, diese nickte daraufhin rasch und meinte: „Natürlich interessiert es mich wie es dir zu Hause geht! Aber ich kann es ja auch nich ändern wenn dein Vadder immer so kacke drauf is!“ Nivea lachte bitter. „Na ja…schlimmer als deine Eltern kann’s ja gar nich kommen!“
Yves Augenbrauen schossen in die Höhe. „Du brauchst gar nicht so blöd zu gucken.“, sagte Nivea der Yves Gesichtausdruck nicht entgangen war, „Lieber nen Alki zu Hause als zwei so verspießte etepetete Personen!“ „Wenn du meinst...“, seufzte Yves und kickte einen herumliegenden Stein vom Weg. Widerspruch war zwecklos!
An der nächsten Kreuzung mussten sich die beiden schließlich voneinander verabschieden, jeder müsste nun in eine andere Richtung. „Ich hab hier übrigens noch was für dich…“, murmelte Nivea ehe sie ihren Weg einschlug. Sie kramte in ihrer Schultasche herum. Yves wurde neugierig was Nivea ihr wohl geben würde. Ein Geschenk? Das wäre mal was Neues… Doch es war kein Geschenk, es war nicht mal ansatzweise etwas was Yves gefreut hätte. Es was Niveas Englischheft! „Hier!“, sagte diese und drückte es Yves in die Hand, „Kannste gleich zweimal machen und ich muss morgen nicht noch abschreiben!“ „Aber…“, sagte Yves. „Tschüssi!“ Nivea winkte ihr zum Abschied und lief die Straße hinunter. Ließ Yves mit dem Englischheft in der Hand zurück.

Rums!
Mit einem lauten Knall flog die Haustür bei Familie Rocher auf. Sofort kam Agatha Rocher, Yves Erzeugerin, aus dem Wohnzimmer gestürmt und sah wie ihre Tochter mit den dreckigen Schuhen in die Küche tapste. „Schätzchen! Du machst alles dreckig…Ich habe doch heute Morgen aufgeräumt!“ Aufgebracht stöckelte Agatha hinter ihrer Tochter her in die Küche. Diese war gerade dabei ein Schluck Wasser zu sich zu nehmen. „Ist gut Mum… das wird der Teppich schon mal aushalten!“ Yves stellte ihr Glas auf der Küchentheke laut ab und ging dann ohne weitere Bemerkungen an Agatha hoch in ihr Zimmer.
Dort knallte sie das Englischheft von Nivea, welches sie immer noch in der Hand hielt, auf ihren Schreibtisch und hätte es im nächsten Augenblick auch schon gerne in tausend Fetzen zerrissen. „Was bildet die sich eigentlich ein?“, redete Yves mit sich selber und wuselte in ihrem Zimmer auf und ab. „Bin doch nicht ihr Neger!“ „Als würde sie das nicht selber können…“ „Warum lasse ich mir das überhaupt gefallen?“ Yves fiel in ihrer ganzen Aggressivität prompt eine Vase hinunter. Diese zerbrach und der gesamte Inhalt, Wasser und Rosen die sie von ihrem Vater letzte Woche für eine vier in Deutsch bekommen hatte, verteilte sich auf dem Boden. „Scheiße!“, fluchte Yves und trat auf die Scherben wodurch sie diese noch ein kleinwenig zerkleinerte.
„Scheiße! Scheiße! Scheiße!“ Immer weiter hüpfte sie auf den Scherben herum bis sie urplötzlich von ihrer Mum unterbrochen wurde die, ohne anzuklopfen, ins Zimmer stürmte. „Ich hab dir doch schon tausend Mal gesagt du sollst ank-“ „Was hast du denn hier gemacht?“, unterbrach Agatha ihre Tochter. „Kleiner Unfall…“ Genervt rieb sich Yves die Schläfen. Allmählich bekam sie Kopfschmerzen. „Was willst du?“, fragte Yves spitz da Agatha noch immer in ihrem Zimmer stand. „Ach ja… Telefon für dich!“ Agatha streckte ihr das schwarze Telefon, welches sie in der rechten Hand hielt, entgegen.
„Ja?“, sprach Yves in den Hörer.
„Hab ich nach Hause telefoniert?“ Drang ihr eine langsame, piepsige Stimme entgegen. Yves lachte. „Hi Kenny!“ „Woher wusstest du dass ich es bin?“ Empörung seinerseits.
„Na hör ma… der Spruch ist doch inzwischen out du kleiner E.T.!“
„Wenn du meinst…“
„Ein bisschen!“, grinste Yves deren Laune schlagartig besser wurde, „Was gibt’s denn?“
„Wurde gerade von Keith kontaktiert und dieser wiederum von Nivea! Heute um drei Eis essen?“
„Joa könnte passen!“
„Das muss passen…soll dir von Keith ausrichten, der dies wiederum von Nivea hat das du ihr noch etwas schuldest?!“
„Ich tu was?“
„Hast schon richtig gehört. Sie meinte wohl irgendwas mit Englischunterricht.“
Yves Augenbrauen schossen augenblicklich wieder in die Höhe. Der schulde ich gar nichts! Wenn dann sie mir und nicht umgekehrt!, dachte sie. Sagte aber nur: „Hmm… bis um drei Kenny! Bye!“

Kapitel 3


Total genervt legte Yves auf und drückte ihrer Mutter, die mal wieder das ganze Gespräch mit angehört hatte, das Telefon in die Hand. „Alles in Ordnung, Schätzchen? Du wirkst so verspannt. Soll ich meinen Masseur anrufen, der –“
Doch bevor sie den Satz zu Ende bringen konnte, war ihre Tochter auch schon im Badezimmer verschwunden und hatte die Tür hinter sich zugeknallt.
Das ist das letzte Mal!
Yves sorgte dafür, dass die Türe auch wirklich abgeschlossen war und drehte sich mit geschlossenen Augen zum Spiegel, der sich die komplette Wand des Badezimmers entlang zog.
Sie liebte die Stille, keine nervenden, wie Nivea sagte, spießigen Eltern, keine Nivea und kein Drang irgendwelche Hausaufgaben für andere Leute zu machen.
Langsam öffnete sie die Augen. Wie sehr hatte sie sich mit ihren Eltern gestritten, damit sie ihre eigentlich dunkelblonden Haare rot färben durfte, knallrot, sie hatte Blut und Wasser geschwitzt. Aber warum hatte sie sich die Haare noch mal färben wollen? Nivea. Sie seufzte, dunkel erinnerte sie sich an ein Gespräch das die Beiden ganz am Anfang ihrer „Freundschaft“ geführt hatte. Yves hatte keinen, Nivea hatte, oder wollte keinen mit dem sie reden konnte und irgendwann hatte Nivea zu ihr gesagt, dass sie sich die Haare Rotfärben muss, wenn sie nicht irgendwo verprügelt in der Ecke liegen wollte.
Achja, und die Englischhausaufgaben nicht zu vergessen.
Yves schüttelte leicht lächelnd den Kopf, es war so absurd, so surreal, so anders halt…

Sie setzte sich auf den Badewannenrand und kramte in der Schublade, die sich unter der Wanne befand, nach etwas ganz bestimmtem.
Endlich hatte sie es gefunden, die Rasierklinge schimmerte in dem dämmrigen Licht des Badezimmers und machte die ganze Situation noch bescheuerter als sie eh schon war.
Yves krempelte den Ärmel ihres Oberteils hoch und setzte die Rasierklinge an.
Es gab ihr was Befreiendes. Nur wenn sie sich ritzte, fühlte sie sich glücklich, es gab ihr Halt. Alle ihre Sorgen, schienen mit dem Blut, das sich immer ihren Arm entlang lief weg zu fließen. Sie seufzte und setzte erneut an.

„Yves!“
Die Stimme ihrer Mutter riss das rothaarige Mädchen aus ihren Gedanken und sie schreckte auf. „Ja?“
„Kenny ist da!“
Scheiße! Yves sprang auf und warf die Rasierklinge ins Waschbecken. War es wirklich schon kurz vor 3. Sie schaute auf die Uhr. Jep. Na prima!
Hastig hielt sie ihre Arme unter den Wasserhahn um das getrocknete Blut abzuwaschen und säuberte danach auch die Rasierklinge. Die schmiss sie schließlich zurück in die Schublade, die sie mit dem Fuß zu machte, öffnete die Badezimmertür und verschwand mit einem „Sofort“ in ihrem Zimmer.
Schnell zog sie sich ihre Schuhe an, die hatte sie während des Telefonats mit Kenny nämlich ausgezogen, zog sich ihren Kajalstrich nach und polterte dann laut die Treppe runter.
„Naa!“
Grinsend umarmte sie ihren besten Freund der ihre Begrüßung mit einem „Peace!“ erwiderte.
„Ich bin dann weg, bin heute Abend wieder da!“ Keine Reaktion. Ihr Vater war eh am Arbeiten und ihre Mutter schaute sich wahrscheinlich eine der unzähligen Gerichtsshows im Fernsehen an.
Sie schlossen die Türe hinter sich und schlenderten also Richtung City.
„Und wie geht’s dir?“, fragte Kenny und strich sich eine Strähne seiner Pink gefärbten Haare aus dem Gesicht. „Ja ganz okay, bis auf die Tatsache das Nivea sich mal wieder zuviel erlaubt.“
Kenny seufzte. Ständig war es das gleiche, sie konnten nicht mit- aber auch nicht ohneeinander. Ein Wink des Schicksals.

An der Eisdiele angekommen, setzten sie sich erstmal hin und warteten auf Keith und Nivea. Die kamen kurz darauf auch und sie bestellten zusammen das Eis.
Nivea hatte Kenny begrüßt, gegenüber Yves verlor sie kein Wort und sie zeigte auch, dass sie sauer war.
„Nivea, ich hab das Englischheft nicht mit…“, versuchte Yves ein Gespräch aufzubauen. Was war sie auch so eine gute Seele und konnte keinen Streit mit jemandem haben. Nivea rümpfte nur die Nase. „Man, ich hab noch gar keine Hausaufgaben gemacht, ich bring dir das Heft dann morgen vorbei!“
Soviel zu, ich schulde der gar nichts… Yves rollte mit den Augen, was Nivea selbstverständlich total falsch aufnahm.
„Du kannst dir das Heft sonst wohin schieben, entweder liegt das heute Abend in meinem Briefkasten oder du kannst dir neue Freunde suchen!“
Der Kellner kam mit dem Eis und frustriert steckte sich Yves den Löffel in den Mund. Ihre Augen schwollen kurz darauf auf Tellergröße an und sie versuchte verzweifelt den Löffel wieder aus ihrem Mund, von ihrer Zunge los zu bekommen, der anscheinend festklebte.
Nivea brach daraufhin in schallendes Gelächter aus.
„Du bist sogar zu doof zum Eis essen, maa, und mit so was bin ich befreundet. Ich glaub’s nicht“
„Nivea komm es reicht!“ Kenny zog Yves von ihrem Stuhl hoch und verschwand mit ihr im Lokal.
„Das war wirklich nicht nötig, Ni…“ Keith runzelte die Stirn, beäugte seinen Eislöffel und aß dann sein Eis.
Als die Beiden wiederkamen, aßen dann alle und nach und nach redeten Nivea und Yves auch wieder. Sie konnten halt nicht ohneeinander!
„Wie wär’s mit DVD-Abend heute bei mir?“, fragte Kenny und sah seine Freunde fragend an.
„Fänd ich gut“, murmelte Nivea und schloss die Augen.

Kapitel 4


An diesem besagten Nachmittag war Nivea ziemlich sauer nach Hause gekommen. Sie konnte sich selber nicht mal so genau erklären warum sie so sauer war- es war einfach so! Ihren Vater fand sie schlafend auf dem Sofa vor, auf dem Boden standen leere Bierflaschen. Alter Säufer, dachte Nivea und stürmte in die Küche um sich schnell etwas zu Essen zu machen. Nach einem schnellen Mittagessen, es bestand nur aus einem Käsebrot, stürmte Nivea hinauf in ihr Zimmer.
Ihr Blick fiel auf ein Foto von ihr und Yves welches auf ihrem Schreibtisch stand und sofort war sie wieder sauer. „Warum wollte sie mich eigentlich zuerst nicht abschreiben lassen?“, fragte sie sich laut und schmiss das Foto vom Schreibtisch sodass der Bilderrahmen zersprang.
„Das macht sie doch sonst immer!“ Schreiend hob das Mädchen mit den giftgrünen Haaren den zerbrochenen Bilderrahmen wieder auf. Da sie dies so ungeschickt bewerkstelligte schnitt sie sich auch noch prompt in den Finger.
„Was für ein behinderter Tag!“, rief sie und packte sich ihren Schreibtischstuhl, der dann erstmal durch das halbe Zimmer flog. Krachend fiel er gegen ihren Kleiderschrank.
„Was verdammt ist hier los?“, brüllte da jemand von unten und Nivea erkannte die Stimme ihres Vaters. Uuups…da hatte sie ihn aufgeweckt. Nicht gut!
Schnell ging Nivea zur Tür und streckte ihren Kopf heraus. Unten am Treppenende stand ihr Vater, leicht schwankend da die Wirkung des Alkohols noch nicht vollkommen nachgelassen hatte. „Sorry Paps!“, entschuldigte sich Nivea schnell.
Ihr Vater, Gunther, blinzelte nur schwach und drehte sich dann wankend wieder um, um wieder ins Wohnzimmer zu gelangen.
Nivea schüttelte den Kopf und verschwand dann auch wieder in ihrem Zimmer. Dort fiel ihr Blick auf den zersprungenen Bilderrahmen. Scheiße!, dachte sie und hob ihn auf. Das Foto von Yves und ihr nahm sie heraus und legte es behutsam auf den Schreibtisch. Nivea fand das Foto verdammt hübsch. Keith hatte es mal von den beiden gemacht und sie, Nivea, hatte lange darum betteln müssen es zu bekommen. Deswegen wäre es nun eine Tragödie wenn es ihr kaputt gegangen wäre. Aber bis auf einen kleinen Knick war es vollkommen intakt.
Sie atmete erleichtert auf und ging dann hinunter ins Esszimmer wo alle Familieportraits standen. Ob man es glaubte oder nicht- Niveas Familie ging einmal im Jahr zum Fotographen um Familienportraits machen zu lassen.
Ab Niveas sechstem Lebensjahr hangen im Esszimmer an der Wand die Portraits. Nivea hatte sich schon oft bei ihrer Mutter, die übrigens eine tüchtige Geschäftsfrau war, beschwert das dort noch so alte Bilder von ihr hangen. Denn selbst Nivea sah einmal vollkommen normal aus. Giftgrüne Haare und lila Kontaktlinsen- das hatte heutzutage schließlich nicht jeder! Die Haare trug sie seit anderthalb Jahren grün, die Kontaktlinsen seit zwei Jahren. Vor den grünen Haaren waren Niveas Haare blau, pink, lila und auch mal knallrot. An ihre genaue Grundhaarfarbe konnte sich Nivea gar nicht mehr so genau erinnern. Schon zu lange färbte sie sich diese- je nach Lust und Laune! Und das beste Gedächtnis hatte sie eh noch nie gehabt…
Nur von den Familienfotos konnte sie ableiten das ihre eigentliche Haarfarbe irgendeine Mischung aus dunkelblond und hellbraun war. Doch darum kümmerte sie sich jetzt wenig. Schnell schnappte sie sich eins von den Familienfotos, welches die gleiche Größe wie das Bild von ihr und Yves hatte, und öffnete den Bilderrahmen. Nachdem sie das vorherige Foto auf den Esstisch gelegt hatte, ging sie wieder nach oben in ihr Zimmer um in den heilen Bilderrahmen das Foto von Yves und ihr einzurahmen. Anschließend stellte sie es wieder auf den Schreibtisch und ließ sich daran nieder.
Erneutes Kopfzerbrechen warum Yves so anders heute zu ihr war stand wieder an.
„Hab ich etwas falsch gemacht?“, flüsterte sie, „Hab ich die falsche Wortwahl gewählt?“ Jeder Mensch hätte darauf vermutlich mit „Ja!“ geantwortet. Aber nicht so Nivea. Sie fand nie Fehler bei sich- sondern hielt sich für perfekt! „Ja ich bin perfekt…“, sagte sie grinsend und betrachtete nochmals das Foto.
Urplötzlich war ihr so als würde sich das Foto bewegen. Nein nicht das ganze Foto…sondern nur Yves!
Und zwar streckte Yves ihr die Zunge raus und grinste unverschämt! Nivea wurde wieder sauer und da…ganz langsam bewegte sie sich auf dem Bild nun auch! Die reale Nivea rieb sich die Augen, doch das Bild bewegte sich weiter. Die Fotonivea ging mit einer großen Schere auf die Fotoyves, die obszöne Gesten gegen die reale Nivea machte, zu und zack! war Yves Zunge ab. Die Fotonivea lachte und die richtige Nivea grinste. „Geht doch!“

Die Klingel der Tür ließ Nivea dazu veranlassen nach unten zu gehen. Sie öffnete die Haustür wo ihr daraufhin Keith halb ins Haus hinein fiel. „Hey Ni!“, sagte er und umarmte das Mädchen mit den lila Kontaktlinsen. „Na!“ Nivea ließ ihren Kumpel eintreten und zusammen gingen sie nach oben. „Du glaubst nicht was ich eben erlebt hab…“, lachte Nivea und nahm das Foto von ihr und Yves in die Hand.
Darauf bewegte sich gerade die Fotoyves völlig hysterisch um die Fotonivea herum. „Hier schau mal!“ Sie hielt das Bild Keith unter die Nase. „Ja… das Foto kenne ich Nivea!“, er grinste, „Das ist echt hübsch!“ „Aber schau doch mal was darauf passiert.“, Nivea lachte, „Siehst du wie Yves um mich herumrennt und keine Zunge mehr hat? Siehst dus?! Siehst dus?!“ Keith beäugte das Bild und sah dann misstrauisch Nivea an.
„Was hast du genommen?“ Nivea schüttelte den Kopf: „Nichts!“ „Sicher?“ „Ja man!“ Allmählich wurde sie wieder wütend. Warum glaubte ihr Keith nicht? „Siehst du nicht wie Yves keine Zunge mehr hat?“, wiederholte sie. Keith lachte: „Ne du! Ich seh da gar nix außer dich und Yves in dem Wald indem ich euch fotografiert hab! Ihr bewegt euch nich…“ Nivea runzelte die Stirn und warf dann wieder einen Blick auf das Bild.
Es war völlig unbeweglich. „Öhm…“ Sie rieb sich über die Augen und stellte das Bild dann wieder auf den Schreibtisch. Wurde sie allmählich schon verrückt?! „Und du hast hier wirklich keine Drogen versteckt?“, fragte Keith sicherheitshalber noch mal. „Nein! Ganz sicher!“ Nivea schlug ihrem Kumpel spielerisch gegen die Stirn und ließ sich dann neben ihm aufs Bett fallen.
„Was machen wir heute?“ „Keine Ahnung!“ Keith gähnte. „Wie wärs mit Eis essen? Da hätte ich Lust zu…“ Nivea zwinkerte. „Wäre ma ne Idee!“ „Ja dann lass ma Kenny anrufen…“ Nivea ging hinunter und holte sich das Telefon. „Hier du darfst!“ Sie schmiss es Keith zu und ließ sich dann auf ihrem Schreibtischstuhl nieder. Dieser tippte die Nummer seines besten Kumpels ein und wartete dann auf das Freizeichen.
Dieses ertönte keine drei Sekunden später.
„Jo Kenny am Apparat!“, nahm Kenny dann auch schon ab.
„Hey Alter!“
„Na! Alles fit?“
„Klar…Was machst du heut?“
„Bisher noch nicht viel…“
„Jo das gut! Ich sitze hier gerade bei Nivea… Lass heut ma Eis essen gehen!“
„Okay. Das wäre ne Möglichkeit!“
„Er soll Yves bescheid sagen…“, flüstere Nivea vom Schreibtischstuhl.
„Und sag der Ollen bescheid!“ Keith lachte.
„Der Ollen?“, grinste Kenny.
„Na Yves mensch…“
„Ja ist klar…“
„Und er soll ihr sagen dass sie mir das Eis ausgeben soll.“, flüsterte Nivea in dem Moment. Keith runzelte fragend die Stirn, richtete es Kenny aber aus. „Dann bis drei…“, verabschiedete er sich. „Jo bis drei!“

Kapitel 5


„…Okay, dann ist ja alles paletti, Nivea?“
Yves schüttelte ihre Freundin an der Schulter. „Was bist du so abwesend?“ Genervt schlug die grünhaarige Yves’ Hand weg und setzte sich aufrecht hin.
„Hast du überhaupt irgendwas mitbekommen?“, fragte Kenny und Nivea schüttelte den Kopf.
Keith und Yves seufzten gleichzeitig auf, was ihnen einen mit Abneigung getränkten Blick Nivea-seits einbrachte.
„Was ist denn nun?“ Nivea warf die langen Haare zurück und sah ihre Freunde aufmerksam an. „Ja, also wegen dem DVD-Abend… Wir haben besprochen – als du gedanklich ganz weit weg warst – das jeder was mitbringen soll. Kenny will…“
„Ja mir ist egal, was ihr mitbringt“, unterbrach Nivea Yves. „Ich will nur wissen was ich mitzubringen habe, du hast dir ja wahrscheinlich eh wieder das Einfachste ausgesucht.“
Kenny atmete tief durch und sah Nivea eindringlich an. „Ni, es ist langsam echt gut. Du könntest Yves mal wie deine beste Freundin behandeln, nicht wie deine Sklavin oder so… Du bringst Zeug mit um Pizza zu backen.“
„Jaja…“, meinte Nivea legte die 3 Euro für ihr Eis auf den Tisch und stand auf.
„Ich werde dann mal gehen. Wie spät Treffen?“
„So halb 8 denk ich, oder?!“ Kenny runzelte die Stirn.
„Gebongt, Yves du bist um 7 fertig wenn ich komm, und wehe ich muss warten.“
Sie verabschiedete sich von Keith mit einer Umarmung, winkte noch mal bevor sie im Menschengetümmel der Fußgängerzone verschwand.
„Sie ist so schwierig“, murmelte Yves. Sie musste den Popcornmais besorgen, das war wirklich das einfachste, Nivea hatte halt immer Recht, auch wenn sie es nicht wusste.

Nivea durchfegte genervt einen Gang des Supermarktes in dem sie sich gerade befand, mittlerweile hatte sie schon aufgehört zu zählen, in wie vielen sie schon war.
Es konnte doch nicht so schwer sein, Pizzateig für unter 2 Euro zu bekommen.
Nicht das Nivea geizig war, sie hatte einfach nur kein Geld.
Pizzateig…
Frustriert zog sie schließlich eine Packung für 3.45€ aus dem Regal und machte sich mit düsterem Gesicht auf den Weg zur Kasse.
Irgendwer würde büßen, irgendwer.
„Das macht dann 3 Euro und 45 Cent, bitte!“ Die Verkäuferin sah Nivea erwartungsvoll an und diese bezahlte schweren Herzens.
„Verdammter Schmarotzerladen“, kommentierte die grünhaarige als sie den Laden verließ und sich auf den Weg nach Hause machte. Sie hatte noch gut 2 ½ Stunden Zeit für sich, ohne Yves. Sie schnaubte. Das Mädel war echt nicht mehr normal im Kopf. Oft fragte sie sich, ob Yves nicht von einem anderen Stern kommen würde.
Von weiter weg, drang aufgeregtes Stimmengewirr an ihr Ohr, sie sah sich um. Um eine Litfasssäule herum standen ca. 20 Mädels, die wild gestikulierend aufeinander einredeten, auf die Säule zeigten und anfingen zu kreischen.
Ahja.
Nivea runzelte die Stirn, ging aber nicht näher heran, sie könnte natürlich, aber sie wollte den kleinen Kindern ja keine Angst einjagen. Natürlich nicht, sie doch nicht, sie war die Liebe in Person.
Nivea rutschte die Tüte aus der Hand und der komplette Inhalt (Pizzateig und Belag) wurde auf dem Boden verstreut.
Nivea fluchte. Das konnte doch nicht wahr sein, immer musste alles schief gehen. Sie fing an aufzusammeln.
„Soll ich helfen?“
Nivea sah auf und ihr Gesicht verdüsterte sich sofort, als sie sah wen sie da vor sich hatte.
„Yves verpiss dich, bis nachher!“
Yves seufzte, machte kehrt und ging, was Nivea mit einem zufriedenen Seufzen kommentierte. Zum Glück tat sie was sie wollte, Yves war so naiv.
Ein paar Tauben kamen angeflattert und ließen sich neben den Pizzasachen nieder und fingen an darauf einzupicken.
„Ey ihr Scheißer!“
Wütend sprang Nivea auf und trat auf die Tauben ein, bis sie eine erwischt hatte und diese kreischend davonflog, die anderen hinterher.
„Haste davon!“, murmelte Nivea, packte die restlichen Beläge wieder zurück in die Tüte und machte sich auf den Weg nach Hause.
Das was sie jetzt gebrauchen konnte, hatte sie leider nicht dabei, und noch mehr Geld ausgeben wollte sie nicht.

Zu Hause fand sie ihren Vater sturzbesoffen auf dem Sofa vor, er schaute sich irgendeinen Porno an, ihre Mutter war wie so oft nicht zu Hause, Nivea kümmerte es nicht.
Sie ging zielstrebig in ihr Zimmer und holte aus einer Schreibtischschublade eine Flasche Uhu Kleber hervor und schraubte den Deckel ab.
Seufzend ließ sie sich auf ihr Bett fallen und inhalierte den seltsam riechenden Stoff, wie sehr hatte sie sich danach gesehnt.
Die befriedigende Wirkung hielt nicht lange an und Nivea atmete noch mal, die für sie, lebenswichtige Substanz ein.

Um kurz vor 7 machte sich Nivea samt Tüte auf den Weg zu Yves.
„Hey“, sagte Yves als sie die Tür hinter sich schloss. „Tach!“, murmelte Nivea, sie war in Gedanken immer noch bei der Uhuflasche die sie auf ihrem Schreibtisch zurück gelassen hatte.
So bekam sie auch nicht mit, wie sie bei Kenny ankamen und die Tür von eben jenem geöffnet wurde.

Kapitel 6


„Na Mädels!“ Kenny grinste Yves und Nivea an und umarmte die beiden. Anschließend gingen sie allesamt in Kennys Zimmer wo Keith bereits saß und Kennys DVD Sammlung durchstöberte. „Hi Keith!“, sagte Nivea und umarmte ihn, „Nach was schaust du?“ Keith zuckte mit den Schultern während er auch kurz Yves drückte. „Nach ner DVD die wir schauen können…“ Die Grünhaarige ließ sich neben ihm nieder und lugte ihm beim DVD durchstöbern über die Schulter.
„Hier Kenny! Da ist der Popcornmais…“ Yves drückte Kenny ihre Tüte in die Hand. „Ach und hier ist der Pizzakram!“ Nivea schleuderte ihre Tüte quer durch das Zimmer. Dabei verfehlte sie Yves haarscharf. „Gut, gut Leute!“, lächelte Kenny, „Dann lasst uns doch auch gleich mal anfangen Pizza zu backen!“
Die vier verschwanden in der Küche von Kennys Eltern, diese waren nicht zu Hause. Nachdem sie gehört hatten das Nivea auch kommen würde hatten sie schnell das Weite gesucht. Kennys Eltern kannten Nivea nur zu gut. Sie war schließlich immer diejenige die durchs ganze Haus brüllte, immer irgendetwas verschüttete oder zerbrach, immer ihren Willen bekommen wollte und einfach immer irgendein Chaos anstellte. Man konnte auch schon behaupten Kennys Eltern flüchteten jedes Mal vor Nivea!
„Hmm…und wie macht man das jetzt?“ Nivea lehnte sich gelangweilt gegen den Tisch. „Na das steht doch auf der Verpackung drauf…“, murmelte Keith und angelte sich den Pizzateig um die Verpackung ausführlich zu studieren.
Nach und nach machten sich die vier an die Arbeit.
Keith und Nivea rollten den Pizzateig aus, während Kenny und Yves den Belag bereit legten. „Also…was wollen wir drauf machten?“, fragte Kenny und klatschte freudig in die Hände als Nivea und Keith mit dem ausrollen fertig waren.
„Ich bin für Salamipizza…die mag ich am liebsten!“, sagte Yves lächelnd.
„Ich mag aber keine Salami…“, widersprach Nivea, „Ich bin Vegetarierin!“
„Seit wann das denn?“ Kenny legte leicht misstrauisch seinen Kopf schief. Die Angesprochene zuckte mit den Schultern. „Seit gerade eben…mir ist klar geworden das Tiere dabei sterben!“ „Und das fällt dir erst jetzt auf?“, Yves.
„Ja!“, erwiderte Nivea, „Hast du etwa ein Problem damit?“ Ihre lila Kontaktlinsen funkelten Yves böse an. „Ich möchte aber nicht nur Grünzeug futtern!“, widersprach Yves.
„Dann isst du halt gar nichts! Hab ich auch kein Problem mit…“
„Ey…“
„Verhungere meinetwegen doch!“
„Ne… den Gefallen tu ich dir nicht!“
„Wäre ja auch zu schön gewesen…“
„Nivea! Yves! Ihr seid jetzt alle beide Mal ruhig…“, ging Kenny dazwischen, der sich darüber wunderte das Yves heute Nivea sooft widersprach, „Wir teilen das gerecht auf! Auf die eine Hälfte kommt Salami drauf und auf die andere eben nicht…“ Seufzend gaben die beiden Mädchen nach. So belegten sie allesamt den Teig und schoben dann das Blech in den Ofen. Anschließend gingen sie wieder in Kennys Zimmer. Während die Jungs überlegten was sie gucken könnten flüsterte Nivea Yves ins Ohr: „Wenn du noch mal Widerworte hast setzt es Schläge!“ Yves Magen zog sich ein kleinwenig zusammen. Was Nivea sagte, das würde sie auch in die Tat umsetzen! Und Yves hatte keine Lust von ihr verhauen zu werden. So nickte sie einfach nur und wand dann den Blick von Nivea ab. Er schweifte durch Kennys Zimmer, welches durch und durch mit Astronautenkram voll gestopft war. An der Decke hing eine große Rakete und an der Wand hatte Kenny ein Poster von dem Universum und seinen Planeten. Auch hang an der Wand das Sonnensystem und in der Ecke seines Zimmers stand eine große E.T. Puppe. Yves grinste… Kenny wollte unbedingt Astronaut werden und setzte alles daran sein Ziel zu verwirklichen. Das gefiel ihr an ihm! Wenn er etwas vorhatte dann setzte er es auch durch…
„Okay…wir haben uns nun entschlossen Mädels!“, sagte Kenny und hielt eine DVD in die Höhe. Seine Lieblingsdvd. E.T ! „Oh Kenny bitte verschone uns…“, murmelte Nivea mit gekräuselter Stirn. „Ey! Keith und ich haben Schnick-Schnack-Schnuck gespielt und er hat verloren…“ Der Pinkhaarige erhob sich und schob die DVD und den Player. „Keith!“, wand sich Nivea so an ihren besten Freund. „Hey! Er hat gerecht gewonnen…“ Keith hob entschuldigend die Arme. Er selber mochte den Film ebenso wenig wie Nivea.
„Ist doch egal Leute…“, murmelte Yves und machte es sich bequem, „Irgendwas müssen wir schließlich gucken!“ „Das du wieder mal auf Kennys Seite stehst war ja klar…“ Niveas Augen wurden zu Schlitzen. „Mensch Nivea! Bleib ma easy…“ Kenny schmiss sich auf sein Bett und startete mit der Fernbedienung den Film.
Sofort wurde es ruhiger in seinem Zimmer. Auch wenn nur Kenny vollkommen begeistert war. Wenn die vier einen Film sahen war es ruhig und friedlich!

„So Leute…lasst mal nach der Pizza gucken!“ Kenny machte nach einer dreiviertel Stunde den Film auf Pause da die Pizza nun allmählich fertig sein musste. Keith, Yves, Kenny und Nivea trotten so in die Küche von Familie Schulz, wo Yves den Ofen öffnete und hinein spähte. „Die Szene erinnert mich gerade an Hänsel und Gretel !“, lachte Nivea hinter ihr, „Ich brauch dich jetzt nur schubsen und du landest im Ofen…“ „Nivea laber nicht so nen Scheiß!“, murmelte Kenny und wand sich dann an Yves, „Und fertig?“ „Ja…“, seufzte diese, schnappte sich die Topflappen und holte das heiße Blech heraus. Sie stellte es auf dem Herd ab und warf dann die Topflappen beiseite. „Sieht gut aus!“ „Ja dafür das du mitgeholfen hast…“, murmelte Nivea und warf einen missbilligenden Blick auf das Pizzablech. „Mensch Nivea! Es reicht langsam…“ Kenny war inzwischen schon richtig genervt von ihr. Er holte ein Messer und schnitt die Pizza in viele Stücke, anschließend stapelte er diese auf einen großen Teller und trug sie in sein Zimmer. „Nivea!“, rief er noch über die Schulter, „Holst mal die Cola aus dem Kühlschrank?“
Die vier saßen kurze Zeit später mit leckerer Pizza wieder vor dem Fernseher und sahen sich E.T weiterhin an. „Mensch Nivea du isst alle Salami-Stücken…“, bemerkte Yves nach kurzer Zeit als sich Nivea wieder ein Stück von der Salamipizza angelte. „Na und?“ „Ich dachte du seiest nun Vegetarierin?“ „Nö…“ „Warum haben wir dann die Hälfte mit Grünfraß belegt?“ „Keine Ahnung…. Ich wollt’s abwechslungsreich!“ „Ahhhhh!“ Yves raufte sich die Haare. „Ruhig Mädels…“, schlichtete Keith und nahm einen Schluck von seiner Cola…

Nach E.T machten sich Kenny und Yves daran aus dem Popcornmais Popcorn zu machen. Nach einigem hin und her gelang es ihnen auch und so hatten sie für den nächsten Film eine ganze Menge Popcorn. Saw stand nun auf dem Plan! „Yves gib mir ma was von dem Popcorn…“ Nivea krallte sie die Schale die Yves soeben aus der Küche mitgebracht hatte und nahm sich eine handvoll. Keith tat es ihr gleich!
Nivea steckte sich etwas davon in den Mund, kaute kurz und spuckte es dann wieder in ihre Handflächen. „Bäääh das schmeckt ja eklig!“ Keith musste ihr darin zustimmen. „Ich glaub ihr habt die gesalzen!“ „Ach was!“, murmelte Yves und steckte sich auch etwas in den Mund. Dies landete auch gleich darauf in Kennys Mülleimer… „Die sind wirklich eklig!“ „Na toll!“, Kenny ließ sich aufs Sofa plumpsen, „Jetzt ham wa keine Knabbereien mehr!“ „Toll…“, murmelte Nivea, „Hier Yves kannste wiederhaben!“ Sie schmiss ihr Popcorn in Yves Richtung. „Ey!“, sagte diese daraufhin und warf auch mit Popcorn nach der Grünhaarigen. Diese lachte und wich dem fliegenden Popcorn geschickt aus. „Popcornschlacht!“, schrie sie und krallte sich noch etwas Popcorn welches daraufhin Keith und Kenny im Gesicht hatten. Auf dem Film wurde schon gar nicht mehr geachtet. Das Popcorn flog durch die Lüfte bis alle vier lachend auf dem Boden lagen. „Leute?“, murmelte Kenny irgendwann, „Ist ja wohl klar das ihr morgen zum Aufräumen wiederkommt!“

Kapitel 7


Sonnenstrahlen stahlen sich durch Fenster und kitzelten Yves an der Nasenspitze. Grummelnd drehte diese sich auf die andere Seite und zog sich Kennys ET-Decke über den Kopf.
Nivea neben ihr fing auch langsam an sich zu bewegen. Draußen läutete die Kirchturmuhr, 11 Uhr. „Mach ma Platz, Fettsack“, murmelte Nivea.
Kurz darauf lag Yves auf dem Boden. Schmerzvoll verzog sie ihr Gesicht und rieb sich die linke Hüfte. „Aua, Mensch Nivea pass doch mal auf!“ – „Geh kacken, Yves!“
Die rothaarige holte tief Luft, bloß nicht überreagieren. „Wasen los?“, nuschelte Kenny in sein Kissen und drückte seine ET-Plüschfigur noch enger an sich. „Nix…“
Yves sah sich um. Anscheinend hatte hier gestern eine Bombe eingeschlagen, überall lagen leere Flaschen, Chipstüten und vereinzelt noch ein bisschen Popcorn. Stöhnend rieb sie sich den Kopf und stand schließlich auf. „Leg dich nicht auf’de Fresse“, knurrte Nivea, als sie fast über Keith gestolpert wäre und sich im letzten Moment noch an Kennys Schreibtischkante abgefangen hatte. „Jaja“, sagte Yves und schloss die Türe hinter sich. „Und sei verdammt noch mal nicht so laut, hier schlafen noch welche!“, schrie Nivea ihr noch hinterher und Yves seufzte. Jetzt waren eh alle wach.
Mit knurrendem Magen ging sie in die Küche und fing an das Frühstück vorzubereiten, kurz darauf gesellte sich auch Kenny zu ihr. „Morgen“, murmelte er verschlafen und fuhr Yves durch die Haare. „Auch schon wach?“ Yves grinste und Kenny lächelte vage. „Nach dem Geschrei was Nivea da grad abgezogen hat, natürlich. Nur Keith bekommt mal wieder nichts mit, der würde sogar verpennen, das nebenan das Haus einkracht.“ Sie lachten und Kenny setzte den Kaffee an.
„Hast du dir mal angeguckt wie dein Zimmer aussieht?“ Kenny stöhnte. „Hör bloß auf, wenn ich daran denke dass wir das noch aufräumen müssen, bevor meine Eltern wieder kommen, wird mir übel.“
Zusammen deckten sie den Frühstückstisch und kurz darauf kamen auch Nivea und Keith die Treppe runter und gesellten sich zu ihnen.
„…danke noch mal fürs Wecken Yves!“, knurrte Nivea und biss von ihrem Toast ab. „Bitte? Ich hab mich nur umgedreht!“ – „Eben…“ Yves sog feste Luft ein. „Also…“ – „Ruhig Mädels“, unterbrach Kenny sie. „Wir werden jetzt aufräumen. Keith und ich werden den ganzen Kram wegpacken und ich staubsaugt einfach den Boden und schmeißt die Tüten und so inne Mülltonne!“
Gesagt, getan. Alle standen auf und begaben sich in Kennys Zimmer. Nivea begann erstmal die Betten abzuziehen und alles im Flur auf einen Haufen zu schmeißen, danach zog sie sich an und sah Yves zu, wie sie die ganzen Flaschen und Chipstüten in einen Korb legte um sie dann nachher nach draußen zu tragen. „Du könntest mir ruhig helfen, anstatt da faul rum zu sitzen!“, maulte Yves und wischte sich den nicht vorhandenen Schweiß von der Stirn.
„Pass du ma lieber auf das du dich nicht überanstrengst, und zieh dich an, das ist ja eklig dich den ganzen Tag im Schlafanzug beobachten zu müssen.“ Nivea beschmiss Yves mit ihren Klamotten und Yves zog sich um. Auf Stress mit Nivea hatte sie im Moment überhaupt keinen Bock, ihre Laune war auch nicht die beste, was wahrscheinlich nicht nur am Schlafmangel lag.
„Seid ihr fertig?“, Keith streckte seinen Kopf durch die Lücke zwischen Tür und Türrahmen und sah den beiden Mädels entgegen.
„Yves kommt nicht inne Pötte!“ – „Nivea hilft mir gar nicht!“ Wütend sprang die grünhaarige auf. „Ich hab genug von dem Scheiß hier, ich gehe!“ Demonstrativ sprang sie auf und schnappte sich ihre Jacke.
„Du gehst? Yves sah Nivea geschockt an, darauf hatte sie jetzt eigentlich nicht hingearbeitet, sie wollte eigentlich das alles wieder in Ordnung war, sie wusste wozu Nivea fertig war, wenn sie mal schlecht drauf war, das hatte sie schon oft genug mit ansehen und am eigenen Leibe erfahren müssen. Sie schüttelte sich.

Nivea war unterdessen schon die Treppe runter und hatte noch ein „Adieu“ gerufen.
„NIVEA!“, Yves zog schnell ihre Schuhe an rief Kenny und Keith ein „Bis dann!“ zu und eilte hinter ihrer Freundin hinterher.
Die war gerade auf dem Weg zur Kreuzung, Yves rannte so schnell sie konnte, und hatte ihre Freundin auch bald eingeholt. „Nivea warte doch“
„Halts Maul verdammt!“, zischte diese und lief über die Kreuzung.
„Nivea bist du bekloppt! Es ist ROT!“ Der Rest ihres Satzes ging in dem Quietschen eines schwarzen Vans unter.
Yves hielt sich ängstlich die Augen zu, wartete auf das Geschreie, doch es passierte nichts. Fast nichts. Das Geschrei kam, aber anders als sie es erwartet hätte.
„Was ist denn hier los?“ Ein Mann mittleren Alters streckte wütend den Kopf aus dem Fenster. „Mädel es ist ROT! Bist du farbenblind?“
Nivea blieb mitten auf der Fahrbahn stehen und streckte dem Mann den Mittelfinger entgegen. „Scheiße“, entfuhr es Yves.
Der Van wollte gerade wieder Anfahren, kam aber wieder ins Quietschen da Yves auch über die Straße gerannt war.
Wieder streckte der Mann, diesmal um noch einiges wütender, seinen Kopf aus dem Fenster. „Wohnen in Berlin denn nur Asoziale?“, schrie er. „Jaaa!“, schrie Nivea wütend zurück. Yves klatschte sich gegen die Stirn. Da hatten sich ja 2 gefunden. „Komm Nivea wir gehen“, zischte sie und zog ihre Freundin über den Rest der Straße.
Der Mann setzte sich wütend wieder auf seinen Platz und trat aufs Gaspedal. „David pass auf“, sagte ein Junge mit Dreads. So kam der Van zum dritten Mal quietschend zum Stehen. „Was denn nun noch?“, zischte er aggressiv.
Der Junge lachte. „Ja, das ist ne Katze…“
Stumm folgte David mit seinem Blick der Katze und haute letztendlich seinen Kopf verzweifelt aufs Armaturenbrett.
„Das ist heute echt nicht mein Tag…“

Kapitel 8


Die beiden Mädchen sahen wie der schwarze Van davonfuhr. Sofort wand sich Yves an ihre Freundin. „Mensch bist du verrückt geworden bei Rot über die Straße zu laufen?“, sagte sie aufgebracht, „Dir hätte was passieren können…“
„Na und?“, erwiderte Nivea zickig, „Als würde dich das interessieren!“ „Mensch Nivea!“ Yves raufte sich genervt die Haare. Sie verstand Nivea im Moment einfach nicht… Nivea schnaubte. „Lass mich einfach in Ruhe Yves!“ Sie wirbelte herum und verschwand mit schnellen Schritten. Yves blieb zurück…
Diese verschwand dann nach einigen Minuten, mit Nerven die auf 180 waren, auch nach Hause. Dort verkrümelte sie sich augenblicklich in ihr Zimmer und hörte gar nicht erst auf ihre Mum die mal wieder alles über den vergangenen Abend wissen wollte. „War es nicht gut?“, drang ihre Stimme durch Yves Zimmertür, welche sie abgeschlossen hatte. „Mensch Ma!“, erwiderte die Rothaarige, „Lass mich doch mal für ein paar Minuten in Ruhe…“
Agatha entfloh vor der Tür ein Seufzen. „Okay! Aber wenn was ist, ich bin unten!“ „Ja, ja!“ Yves hörte wie ihre Mum die Treppen wieder hinunterging. Sie mochte ihre Erzeugerin ja eigentlich richtig gerne, aber dass sie immer so überaus besorgt war nervte sie gewaltig.
Wie hatte Nivea doch gleich gesagt? Spießer? Ja das war es…Yves Eltern seien, laut Nivea, Spießer!
Nivea… , dachte Yves bösartig. Dieses Mädchen ging ihr momentan übelst auf den Piss! So wie die momentan drauf war, war sie vorher noch nie gewesen. Klar war Nivea schon immer ein Fall für sich. Aber das hatte sich in den letzten Wochen noch um einiges verschlimmert.
Yves zog ihre Knie an und bettete darauf ihren Kopf. Warum lasse ich mir das eigentlich alles immer noch gefallen? , dachte sie, Wieso habe ich nicht den Mut dazu meinen Willen durchzusetzen?
Die Antwort lag Yves klar auf der Hand: Nivea saß einfach am längeren Hebel!
Sie war schon immer die Stärkere gewesen und konnte alles und jeden beeinflussen. Widerspruch war zwecklos. Entweder man machte das was sie wollte oder man war raus… und Niveas Fäuste spielten meist auch eine große Rolle darin!
Yves kannte die Geschichten die Nivea ihr erzählt hatte!
Wenn sie sich mit jemanden ’angefreundet‘ hatte und dieser nicht nach Niveas Pfeife tanzte, gingen sie schneller wieder getrennte Wege als sie welche überhaupt zusammen gegangen waren.
Yves ließ sich auf ihrem Bett zurückfallen und starrte die Decke an. Das Leben war doch einfach kompliziert…
„Yves?“ Agatha stand plötzlich wieder vor der Zimmertür ihrer Tochter. „Hmm?“, machte das Mädchen welches auf dem Bett lag. „Telefon für dich!“ Yves erhob sich, schloss ihre Zimmertür auf und ließ sich das Telefon geben.
„Ja?“, ging sie ran.
„Hey Kleine!“ Kenny war am Apparat.
„Was gibt’s?“
„Wieso bist so einfach abgehauen?“
„Hatten keinen Bock auf Stress mit Nivea…“
Kenny seufzte am Ende der Leitung. Dieses Gezanke zwischen den beiden Mädchen nervte ihn!
„Sei mir nicht böse…“, hörte er Yves sagen, „Aber ich hätte gerade gerne mal nen bisschen meine Ruhe!“
„Habt ihr euch dann doch noch gestritten?“
„Mehr oder weniger…“, seufzte Yves, „Wir sehen uns! Bye!“
Und dann legte sie einfach auf. Das Telefon landete achtlos auf dem Boden, während Yves sich wieder in die Kissen fallen ließ und weiter über ihre Freundin nachdachte. Sie waren Freundinnen- so viel war klar! Aber was war das für eine Freundschaft welche sie führten?!
Sie konnten wahrhaftig nicht mit und auch nicht ohne einander.
Ein erneutes Seufzen entfloh Yves als sie sich aufrappelte und dann im Badezimmer verschwand. Sie musste sich erstmal wieder ’abreagieren‘ und kramte in der Schublade unter der Wanne…

Kapitel 9


Total verpennt hastete Nivea die letzten Stufen der Treppe hoch, die zu ihrem Klassenraum führte. Die Uhr im Gang zeigte bereits 8:35 an.
Sie hatte glasklar verschlafen, aber in der ersten Stunde hatten sie eh English und da Yves ihre Hausaufgaben noch gestern Abend vorbeigebracht hatte, nachdem Nivea ihr mit ein paar Drohungen gekommen war, hatte sie nichts zu befürchten.
Müde öffnete sie ohne zu klopfen die Türe, ignorierte den verblüfften Blick der Lehrerin und quetschte sich in die hinterste Reihe durch, wo sie zusammen mit Yves saß.
„Wo warst du?“, zischte diese, als die grünhaarige sich glücklich seufzend neben sie hatte fallen lassen und nun bequem den Kopf auf ihrer Tasche platzierte.
„Lass mich in Ruhe, Yves!“, patzte Nivea rum und schloss gemütlich die Augen.
„Nivea Bébé? Wieso bist du zu spät?“ Die junge Lehrerin sah ihre schwierigste Schülerin an.
„Wonach sieht’s denn aus?“, fragte Nivea maulend und kratzte sich verschlafen am Hinterkopf.
„Wecker nicht gehört?“, fragte die junge Frau genervt.
„100 Punkte! Könnt ich jetzt bitte weiterschlafen?“
Geschockt ließ Yves den Blick zu ihrer Freundin gleiten.
„Was?“
„Du bist so… friedlich!“
Nivea rappelte sich hoch und sah die rothaarige mit einem undefinierbaren Blick an. „Sonst geht’s noch? Ich hatte den behindertsten Traum meines ganzen Lebens, bin zigmal aufgewacht und dachte E.T steht an meinem Fenster! Ich bekomm schon Wahnvorstellungen!“, schrie sie aufgebracht, nicht darauf achtend, das die ganze Klasse dem Gespräch der Freundinnen interessiert zu hörte.
„Was hast du denn geträumt?“, fragte Yves vorsichtig. Man wusste nie wie Nivea bei Fragen reagierte, einmal hatte sie einem kleinen Jungen fast einen Arm gebrochen, weil er nach einem Ball gefragt hatte.
„Könntet ihr so nett sein und euer Gespräch auf die Pause verschieben?“
Nivea patrouillierte und riss wortlos ein Blatt aus Yves Block und begann darauf herumzukritzeln.
Seufzend widmete Yves sich wieder dem Englischunterricht. Immerhin wollte sie ihre gute Note behalten.
Auf einmal stupste Nivea sie an und steckte ihr einen Zettel zu. Stirnunzelnd sah Yves ihre Freundin an, Deja-vue?!

Känst duh noch disse Blagän? Die „Everybody Chacha“ gesungen ham..
Cecil, Lauro un Johnny oda sooo..
In mein Traum stand ich auf einma inna Konzärthalle bei den un auf einma warn da dann aufa bühne die asiatisch jugnherbärge da weißßte.. un die sahn auß wie tälätaabys…
Un dann mußßßt ik auf das bühne weißtte…
Un ich solltä dannnn knallrotäs gumybööt singn..
Aba dann bin ijk zuummm glühck aufgewackt… weißte…


Angesichts der vielen Rechtschreibfehler bekam Yves Gänsehaut. Wie dumm musste man eigentlich sein, wenn man „Ich“ nicht mal richtig schreiben konnte?!
„Aha“, sagte Yves und zerknüllte den Zettel wieder. „Nix Aha, das ist ein Trauma“, fluchte Nivea leise.
„Nivea, hast du was zu sagen? Dann lese doch mal bitte deine Hausaufgabe für heute vor!“ – „Nichts lieber als das“, grinste Nivea und schlug ihr Heft auf.
Nichts.
Leere.
Weißes Papier.
Wütend sah Nivea zu Yves, die sie hilflos ansah. „Wo sind meine Hausaufgaben?“, zischte sie und die lila Augen blitzten gefährlich.
„Äh…“ – „Du solltest die machen!“
Irgendwer aus der ersten Reihe schmiss ein Stück Kreide nach Nivea und traf sie frontal am Hinterkopf.
Wütend sprang diese auf und begann zu zetern. „WER WAR DAS?“, keifte sie schmiss ihren Tisch, samt Sachen auf den Boden und sah sich wutschnaubend um.
„Nivea lass gut sein“, sagte Yves leise und wollte ihre Freundin wieder auf den Stuhl ziehen, aber diese legte nun erst richtig los.
„Ihr seid doch alle bloß Gesocks!“, schrie sie und scheuerte Yves eine.
Irgendwas in der rothaarigen klickte. Wütend sprang nun auch diese auf und klatschte ihrer Freundin getreu dem Motto „Wie du mir, so ich dir“, auch eine.
„Geht’s noch?“, rief das grünhaarige Mädchen außer sich und schmiss sich auf ihre Freundin und begann auf sie einzuprügeln.
„NIVEA! YVES! AUSEINANDER“, die junge Lehrerin zog die beiden Mädchen auseinander und schleifte sie aus dem Klassenzimmer zum Direktor.
„Das hat ein Nachspiel, das kann ich euch versprechen!“

10 Minuten später standen die Freundinnen vor dem Schultor.
„Suspendiert für 2 Wochen“, freute sich Nivea. „Keine Schule!“ – „Das freut dich?“, fragte Yves entsetzt.
„Ja, und jetzt halt die Klappe. Wir gehen in die Stadt!“

Kapitel 10


Yves und Nivea fuhren mit dem Bus in die Innenstadt wo sie dann gelangweilt durch die Fußgängerzone liefen. „Ich weiß gar nicht was meine Mutter sagen wird wenn die erfährt das ich 2 Wochen suspendiert bin…“ Yves starrte den Boden an. Nivea zuckte mit den Schultern: „Du bist ja nicht alleine suspendiert… Ich muss ja auch nicht mehr hin!“ „Ja!“, murmelte Yves, „Was werden denn deine Eltern dazu sagen?“ „Ich werde es meinem Vadder heute Abend erzählen, dann is der eh voll und wird sich morgen nicht mehr dran erinnern und meine Mudda is doch eh nie da. Von daher wird die das auch nich interessieren!“ Nivea grinste breit.
Warum sollte sie auch keine gute Laune haben? Sie muss 2 Wochen lang nicht in die Schule, keine Hausaufgaben, keine nervenden Lehrer und vor allem keine anderen Schüler die ihr auf den Keks gingen. Es war wie Urlaub!
„Ach ich weiß nicht…“, sagte Yves und blickte hinauf in den Himmel wo keine einzige Wolke zu sehen war. Der Sommer stand vor der Tür. Bald waren Sommerferien. Die beste Zeit des ganzen Jahres.
„Nimm es mal nicht so schwer Schätzchen!“, säuselte Nivea und harkte sich bei Yves unter, „Wir beide werden diese 2 Wochen schon überbrücken…“
Lachend schlenderten die beiden ineinander untergeharkt weiter.
Es war kaum zu glauben dass haargenau diese beiden Mädchen noch vor knapp einer halben Stunde aufeinander eingeprügelt hatten, wobei Nivea ganz klar die Überhand hatte.
„Und was machen wir nun noch so?“, fragte Yves die Grünhaarige mit einem amüsanten, unternehmungslustigen Lächeln auf den Lippen.
„Keine Ahnung! Wie wär’s mit nem Eis?“ „Ne danke…Davon hab ich vorerst genug!“ Yves dachte an vergangenen Freitag zurück, wo ihre Zunge am Eis kleben geblieben war.
Die beiden Mädchen liefen noch eine geraume Zeit durch die Fußgängerzone. „Wollen wir vielleicht noch bei Keith vorbeischauen?“, fragte Nivea irgendwann nachdem die beiden Mädchen keine Lust mehr hatten in der Stadt zu bleiben.
Yves stimmte zu und so liefen sie zur nächsten Bushaltestelle um mit dem Bus ins andere Stadtviertel zu kommen. An der Bushaltestelle erkundigte sich Nivea zu allererst nach dem Busfahrplan, während Yves auf der Bank des Bushaltehäuschens Platz nahm. „Der Bus kommt in einer halben Stunde!“, rief Nivea herüber die sich zugleich eine Zigarette ansteckte.
Yves nickte und starrte die Straße hinunter. Da fiel etwas in ihr Blickfeld, etwas was an der Wand der Bushaltestelle hing. Sie wand sich zu dem großen, rot/weißen Plakat um. Vier Gesichter grinsten ihr darauf entgegen, vier junge Gesichter, vier Jungengesichter, vier verhasste Gesichter. Schwarzer Schriftzug prangte darüber:

Tokio Hotel – Live in Berlin
Am 01. Juni 2007 in der Columbiahalle
Karten in allen Ticketshops

„Moa Nivea!“, rief Yves und sprang auf. „Was’n?“ fragte diese und zog an ihrer Zigarette. „Schau mal wer in Berlin ist!“ Die Rothaarige deutete auf das große Plakat und Nivea kam herüber um es sich genau anzuschauen. „Ach du Scheiße!“, sagte diese daraufhin, „Was wollen diese behinderten Schwuchteln denn hier?“ Mit einem Ruck riss sie das Plakat von der Bushaltehäuschenwand und kramte ihr Feuerzeug aus der Hosentasche hervor. „Die sollen mal ganz, ganz schnell wieder verschwinden. Und am besten ihre ganzen Groupies mitnehmen!“, sagte sie, „Hier halt mal!“ Sie drückte Yves ihre Zigarette in die Hand, zerknüddelte das Poster und zündete es mit ihrem Feuerzeug an. Mit heller Flamme verbrannte das Plakat vor den Augen der beiden Mädchen. „Darf man das eigentlich?“, fragte Yves vorsichtig während sie dabei zusah wie das makellose Gesicht des Sängers in den Flammen unterging. „Was?“, fragte Nivea grantig die diesen Moment eigentlich nur genießen wollte. „Na öffentliches Feuer…“ – „Keine Ahnung!“ – „Hmm…“ Die beiden bemerkten nicht wie eine ältere Dame gegenüber der Bushaltestelle gerade aus dem Fenster ihres Appartements geguckt hatte und mitbekam wie die beiden Feuer stifteten. Sofort war sie zum Telefon gegangen und hatte die Polizei alarmiert.
„Hörst du das?“, fragte Yves fünf Minuten später.
„Hör ich was?“, fragte Nivea.
„Na die Sirene… das ist doch sicherlich die Polizei!“ Nivea lauschte und hörte es schließlich auch. „Scheiße irgendwer muss die Bullen gerufen haben!“, rief Nivea panisch, „Komm lass uns lieber hier abhauen!“ Die beiden Mädchen packten sich an den Händen und flüchteten schnell vor der Bushaltestelle wo das Poster immer noch fröhlich zu Asche verbrannte.
In der Fußgängerzone kamen die beiden Mädchen erst keuchend zum stehen. Yves hielt sich die Hand vor den Bauch und Nivea hatte mit Seitenstechen zu kämpfen. „Verdammt!“, sagte sie, „Das war knapp!“ „Aber ziemlich…“, murmelte Yves und ging langsam weiter, „Los komm!“ Nivea folgte ihr flink.
„Wenn wir beide wegen diesen Schwulen von den Bullen erwischt wären, dann hätte ich echt Terror gemacht!“, murmelte die Grünhaarige während beide durch die Fußgängerzone liefen.
„Ich hasse die so…“, stimmte Yves zu und strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Ja… wenn ich schon ihr schwules Gehabe beim durchzappen der TV Kanäle sehe dreht sich bei mir der Magen um!“ – „Ich weiß was du meinst!“ Yves nickte Nivea zu und lief rechts die Straße hinunter. Kurze Zeit schwiegen sich die beiden Mädchen an, ehe Nivea plötzlich wütend hervorstieß: „Boa! Ich hasse sie so! Am liebsten würde ich sie umbringen!“ Belustigt grinste Yves: „Mach doch!“
Nivea blieb stehen, woraufhin sich Yves fragend zu ihr umdrehte. Die Grünhaarige grinste süffisant: „Wir bestellen ’nen Auftragskiller…“

Kapitel 11


Entsetzt starrte das rothaarige Mädchen ihre Freundin an.
„Bist du krank?“ Nivea runzelte die Stirn und ließ das Feuerzeug klacken. „Wieso? Du hast doch den Vorschlag gemacht, außerdem ist die Idee genial. Wir werden berühmt, stell dir das mal vor. Ich seh die Schlagzeilen schon vor mir…
Mutige Schülerinnen (beide 16) sorgten sich um das Wohl der Menschheit und brachten Teenie-Band-Schreck Tokio Hotel zur Strecke.
Wir danken Ihnen…"

Yves lachte. „Das glaubst du doch selber nicht. Die Bullen hetzen sie auf uns ja, davon werden wir vielleicht berühmt. Aber doch nicht gerade weil sie uns danken. Bescheuerter gings ja wohl nicht!“
„Ach du hast doch keine Ahnung.“, fauchte Nivea und zog ihre Freundin weiter durch die Fußgängerzone. „Mal im Ernst“, meinte Yves. „Willst du das wirklich machen?“
„Warum nicht?“, fragte Nivea schulterzuckend und steuerte einen Kiosk an um sich neue Kippen zu kaufen.
Yves seufzte und trottete ihrer Freundin hinterher. Was sollte sie auch anderes machen?!
„Einmal Camel…“, sagte Nivea zu dem Verkäufer am Tresen und kratze in ihrem Portmonee 4 Euro zusammen und wollte sie schon in das Schälchen legen, als der Verkäufer sie misstrauisch musterte. „Wie alt?“, fragte er.
Nivea verengte die Augen zu Schlitzen. „Alt genug um selbst bestimmen zu können, was gut für mich ist!“
„Ausweis“, verlangte der Verkäufer und grinste sich einen als Nivea wütend das Geld zurücknahm und Yves hinter sich her zog. „Schönen Tag noch“, flötete er.
„Hoffentlich ist Ihnen klar, das man auch an ’nem Automaten ziehen kann, Arschloch!“ Yves kicherte, was ihr eine Kopfnuss von Nivea einhandelte.
„Aua!“ – „Selber Schuld, was lachst du auch so doof.“
Yves schnaubte.
Wenn du deine Nikotinsucht nicht unter Kontrolle hast, dachte sie und strich sich über den Kopf, wo mit Sicherheit eine kleine Beule entstehen würde.
„Sop…“, meinte Nivea schließlich, streckte sich einmal kurz und hielt ihr Gesicht in die wärmende Sonne. „Sop?“
„Wir gehen jetzt zu ner Telefonzelle und gucken da mal nach, was es so an Killern in der Stadt gibt.“
Immer noch erschüttert über diese Idee folgte Yves ihrer Freundin, die fest davon überzeugt war, den Plan, der eigentlich nur als Scherz gedacht war, in die Tat umzusetzen.
„Hier muss doch irgendwo eine verdammte Telefonzelle sein!“, fluchte Nivea schon nach ein paar Minuten und bog in eine weitere Seitengasse ein, um schließlich am Alexanderplatz auszukommen.
„Hier ist sicherlich eine“, sagte Yves und versuchte ihre Freundin ein wenig aufzumuntern, die schon am Rande des Wahnsinns stand. Zum Glück war die Telefonzelle nicht weit, nach 5 Minuten hatten sie eine, gut versteckt hinter ein paar Leuten, gefunden und Nivea krallte sich das Telefonbuch aus der Zelle und ließ sich auf einem Stein nieder.
„So“, flüsterte sie. „K…“
„K?“
„K wie Killer verdammt…“, zischte die grünhaarige und blätterte weiter in dem Telefonbuch umher.
„Als ob in nem öffentlichen Telefonbuch, die Adresse von nem Killer stehen würde…“, murmelte die rothaarige vor sich hin und ließ sich neben Nivea nieder.
„Hier…“, rief diese ein paar Sekunden später erfreut und riss die Seite aus dem Telefonbuch. Yves sah sie mit großen Augen an.
„Komm, das ist nicht weit. Beweg deinen Arsch!“
Und wie so oft, folgte Yves ihrer Freundin einfach nur.

„Hier muss es sein“, meinte Nivea und blieb vor einem riesigen Gebäude mitten in der Fußgängerzone stehen.
Es war ein einfacher Betonklotz mit unzähligen Fenstern und einer schäbigen Eingangstür. Eigentlich wie gemacht für ein Killer-Institut.
Yves konnte nur noch den Kopf schütteln. Vor allem als ihr das Transparent ins Auge sprang, das über der Tür hing und fröhlich vor sich hin flatterte.
"Geht Ihnen ihre Familie auf den Geist?!"
"Wollten Sie auch schon immer mal ihre Freunde loswerden?!"
"Oder nervige Teeniebands ins Jenseits befördern?!"
Dann sind Sie hier genau richtig! Wir beseitigen all ihre Probleme auf Knopfdruck..

Was war das denn bitte. Ständig liefen hier Menschen hin und her, aber keinem fiel das auf. Die Polizeistation war quer gegenüber, aber keiner sagte was. Es war ja was ganz alltägliches das so was mitten in der Berliner City stand.
Komischerweise war ihr das Gebäude nie aufgefallen.
„Willst du hier Wurzeln schlagen?“ Yves schüttelte den Kopf und betrat zusammen mit Nivea das Gebäude.
Von innen erinnerte sie es ein wenig an ein Krankenhaus. Weiße Gänge, die Leute liefen mit weißen Kitteln durch die Gegend, hatten Klemmbretter unterm Arm und eine Tasse Kaffee in der Hand.
„Sucht ihr was?“, fragte die Frau an der Rezeption, da Nivea und sie wohl ziemlich verloren aussahen.
„Ähm ja“, begann Nivea. „Wir, ähm, also…“ – „Einfach eine Nummer ziehen. Hier!“ Die junge Frau hielt Nivea eine Schachtel hin und Nivea zog einen Zettel. „Du wirst aufgerufen, solange könnt ihr euch dahin setzten.“, sagte sie und deutete auf eine Gruppierung von Plastikstühlen.
Nivea nickte und die beiden setzten sich hin. Seufzend faltete Nivea den Zettel auseinander. „1102… BITTE? Das dauert doch Jahre.“
„Ganz ruhig… Vielleicht doch nicht.“ – „Glaubst du doch selber nicht.“ Yves seufzte und streckte die Beine aus. Ein Blick auf die Uhr verriet ihr, dass es bereits halb 2 war.
Eine halbe Stunde später waren sie immer noch nicht dran, obwohl sie die einzigsten waren die hier saßen.
„Das kann doch nicht wahr sein…“, meckerte die grünhaarige rum und stand schließlich auf und ging zur Rezeption.
„Entschuldigung“, fragte sie zuckersüß und beugte sich ein wenig vor. „Wann kommen wir endlich dran, hier ist schließlich keiner und irgendwie warten wir umsonst.“
„Immer mit der Ruhe, der Chef hat schließlich Termine.“
Niveas Gesichtsausdruck wechselte in sauer und sie zog die Frau am Kragen hoch. „Hören Sie mal, ich hab keinen Bock mir den Arsch hier platt zu sitzen, also hauen Sie mal rein, damit wir endlich drankommen sonst setzt es Schläge!“
Zitternd entriss sich die junge Frau und schluckte. „Ich werde gucken was sich machen lässt“, flüsterte sie und wählte eine Nummer und ließ es tuten.
Genugtuend ging Nivea wieder zu ihrem Platz, nahm sich ihre Tasche und zog Yves hinter sich her, zurück zu Rezeption.
„Also?“
„Ihr könnt durchgehen. Den Gang entlang, dritte Tür rechts“, sagte die junge Frau eingeschüchtert und blätterte weiter in ihren Akten herum.
„Danke sehr“, flötete Nivea und ging zusammen mit Yves den Gang entlang, zur besagten Tür.
Chef stand auf ihr.
Zögernd klopfte sie.

Kapitel 12


Ein großer, schwarzer Lederstuhl stand mit dem Rücken zu den beiden Mädchen gedreht. Yves blieb in der Tür stehen, während Nivea neugierig einen Schritt in das Büro setzte. „Kommt nur herein!“, sagte da eine Stimme die von dem Lederstuhl ausging. Nivea runzelte die Stirn. Diese Stimme kam ihr irgendwoher bekannt vor… „Nehmt Platz!“, ertönte da wieder die Stimme. Die beiden Mädchen ließen sich auf den Stühlen vor dem Eichenschreibtisch nieder. Nervös sah sich Yves in dem Büro um. Ihr kam diese Stimme ebenfalls ziemlich bekannt vor.
Der Schreibtischstuhl drehte sich langsam zu den beiden um und als sie dem Chef in die Augen sahen, schraken sie beide zurück.
Der Mann, falls man dieses Etwas dort als Mann bezeichnen konnte, konnte gerade so über den Schreibtisch gucken. Er saß auf Büchern um größer zu wirken und blinzelte die beiden aus seinen kleinen Augen an.
„Hi!“, sagte er und hob die Hand zum Gruß, „Ich bin Eric Cartman!“
Nivea und Yves tauschten einen Blick aus. „Okay wo ist die versteckte Kamera?“, flüsterte die Grünhaarige und sah sich in dem Raum um.
Das allerdings musste wirklich ein übler Scherz sein.
Immerhin saß vor ihnen eine Comicfigur aus South Park. Der kleine, dicke Eric Cartman allerdings zog sich seine blaue Wollmütze ein wenig tiefer ins Gesicht und lächelte hämisch.
„Ich glaube wir sind hier falsch!“, sagte Yves höflich, „Entschuldigung für die Störung!“
„Wieso falsch?“, sagte die Comicfigur, „Ich glaube ihr seit richtig. Ich bin Eric Cartman und Verwallter dieser Auftragskilleragentur. Ihr wollt doch jemanden umbringen oder? Oh man das ist echt geil so als Verwallter, großartig! Und die vielen Menschen die man so kennen lernt. Jo man voll geil!“
Ein erneuter Blicktausch seitens Nivea und Yves. „Ich glaube-“, setzte Yves erneut an, doch sie wurde von Eric Cartman unterbrochen: „Ich weiß ganz genau das ihr es wollt! Warum sonst solltet ihr hier sein wenn ihr nicht jemanden so abgrundtief hasst das ihr ihn umbringen wollt?“ „Ja nun-“ Wieder wurde Yves unterbrochen. Dieses Mal aber von Nivea. Deren Augen blitzen als sie sagte: „Ja wir sind hier weil wir einen Killer haben wollen der jemanden für uns umbringt!“
„Na geht doch!“ Eric Cartman lehnte sich selbstsicher in seinem Stuhl zurück.
„Kannst du uns nun also helfen?“, fragte Nivea. „Ich bin Verwallter! Also Sieze mich gefällig!“, ermahnte die Comicfigur die Grünhaarige. Yves warf einen panischen Blick auf ihre Freundin. Was wenn sie wieder einen ihrer Aussetzer bekommen würde?
Doch diese lehnte sich nur mit einem Grinsen zurück. „Okay! Dann können Sie uns doch bestimmt helfen!“
„Natürlich kann ich das!“, sagte Eric Cartman, „Ich bin Verwallter! Ich kann alles- ich bin der Größte!“ Er lachte und Yves schüttelte nur den Kopf. Wo war sie hier gelandet?
„Passt auf!“ Die Comicfigur sprang von dem Stuhl auf und war für einige Zeit gar nicht mehr zu sehen. „Ahh so eine verdammte Scheiße!“, fluchte er nach einiger Zeit. Die beiden Mädchen wechselten wieder einen skeptischen Blick. „Alles okay?“, fragte Yves. „Alles klar!“, vernahm sie die Stimme der South Park Figur. Diese war nach weiteren fünf Minuten wieder zu Sicht gekommen. Eric Cartman angelte sich auf den großen Stuhl und schob dann einen großen Katalog auf den Tisch. Vor lauter Anstrengung hatten sich kleine Schweißperlen auf seiner Stirn gebildet.
„Schaut euch den Katalog an!“, forderte er auf und schob ihn den beiden Mädchen rüber.
Neugierig zog Nivea ihn zu sich heran und überflog mit einem Blick den Umschlag.
Killer stand dort mit roten Buchstaben und eine Axt war abgebildet.
Sie schlug den Katalog auf und traf auf ein Inhaltsverzeichnis.
„Ihr müsst gucken unter welchem Anlass ihr einen Killer braucht!“, sagte Eric Cartman und deutete auf die lila Überschriften die im Inhaltsverzeichnis abgebildet waren.
Nivea las sie sich durch.
„Beseitigung von Familienmitgliedern: Seite 4-35“, las sie vor, „Beseitigung von störenden Tieren: Seite 36-45. Beseitigung von nervenden Nachbarn: Seite 46-68. Beseitigung von Freunden: Seite 69-120. Beseitigung von nervenden Teeniebands: Seite 121-200. Beseitigung von Schauspielern: Seite 201-250…Ich glaube wir müssen bei Teeniebands gucken!“ Nivea fuhr mit dem Finger erneut über das Inhaltsverzeichnis und sah noch mal nach ab welcher Seite sie gucken mussten. „Seite 121…“, murmelte sie und blätterte durch den Katalog.
„Wenn du mich fragst müssten sie hier auch noch eine Beseitigung von Schwuchteln anbieten!“, wand sie sich an Yves. „Oh die gibt es!“, warf Eric Cartman da ein, „Ich glaube das war gleich hinter der Beseitigung von alten Bekannten. Muss Seite 303 sein!“ Nivea sah von dem Katalog auf und blickte der Comicfigur ins Gesicht. Sie legte ihren Finger in die gerade aufgeschlagene Seite und blätterte dann noch mal zum Inhaltsverzeichnis. Tatsächlich kam nach der Beseitigung der Schauspieler, eine Beseitigung alter Bekannter und daraufhin folgte die Beseitigung von Schwulen auf Seite 303-365. „Wollen wir lieber unter den Homos gucken?“, fragte Nivea ihre Freundin. Diese schüttelte den Kopf: „Soweit ich weiß ist keiner von denen schwul! Also können wir auch nicht darunter gucken…“ „Was du alles so weißt!“, sagte Nivea und grinste. Dennoch hörte sie auf ihre Freundin und blätterte zur Seite 121. Eine große Überschrift prangte dort: Beseitigung von nervenden Teeniebands!
Yves konnte erst gar nicht glauben was sie da vorfand. Auf jeder Seite waren immer zwei Männer abgebildet die allesamt eine schwarze Maske trugen.
„Der hier zum Beispiel…“, Eric Cartman deutete auf einen der Männer, „Ist sehr gut wenn es ums erhängen geht…Wobei der“, Er blätterte eine Seite weiter, „Noch viel besser ist.“ Die Comicfigur starrte die Seite kurz an und dann sagte er: „Wobei der auch ziemlich gut ist…und der erst! Oder doch lieber den…“ So ging das geraume Zeit weiter bis Nivea die plappernde Comicfigur unterbrach: „Entschuldigen Sie! Aber ich denke das wir beide schon selber wissen werden welcher für uns der richtige ist!“ Sie zog den Katalog wieder zu sich heran und durchblätterte die Seiten. Eric Cartman plapperte währenddessen irgendwelches zusammenhangloses Zeug vor sich hin.
„Der hier scheint ganz gut zu sein…“ Nivea zeigte auf einen Mann der ebenfalls eine schwarze Maske trug. Eine kleine 26 stand neben ihm. Yves fühlte sich ein wenig als würde sie gerade im Otto-Katalog etwas bestellen als sie am unteren Rand die Beschreibung zu Nummer 26 las.

26 – Killer namens Maskenmann.
Maße: 1,90 m auf 88 kg
Waffe: eine Waffe von unbekannter Herkunft
Fazit: Er bläst jeden Auftrag weg. Mit 100% Treffgenauigkeit ist ihm noch nichts misslungen. Zur Sommerzeit gibt es 20% Rabatt.
Pro Tag: 50,99 €
Lieferbar auch mit weißer oder blauer Maske

Yves runzelte die Stirn und deutete dann auf Nummer 28. „Ich finde der hört sich besser an!“ Nivea überflog schnell die Beschreibung.

28 – Killer namens 007
Maße: 1,88 m auf 90kg
Waffe: besitzt ein ganzes Waffensortiment. Wahl erfolgt bei Kontaktaufnahme
Fazit: Bei Aufträgen gibt 007 alles, er hat eine Treffgenauigkeit von 99,99%, Rabatt von 30% gibt es bei einer Anstellung von über einer Woche.
Pro Tag: 43,89 €
Lieferbar nur mit schwarzer Maske

„Neee Yves!“, sagte Nivea, „Den nehmen wa nich!“ „Warum?“, fragte die Rothaarige. „Weil ich das sage!“ Nivea wand sich wieder an Eric Cartman der immer noch munter vor sich hinbrabbelte: „Wir nehmen den hier!“, sie zeigte auf die Nummer 26- den Maskenmann. Eric Cartman klatschte in die Hände: „Eine ausgezeichnete Wahl habt ihr da getroffen! Tja und das nur durch meine geile Beratung…“, Er zwinkerte selbstsicher, „Ich schreibe euch die Telefonnummer auf und ihr müsst ihn nur noch anrufen!“ Mit krakeliger, kindlicher Schrift schmierte er die Telefonnummer auf einen pinken Notizblock, riss den Zettel davon ab und drückte ihn Nivea in die Hand. Dann zog er noch etwas aus seiner Jackentasche hervor und überreichte es Yves. Es war eine Visitenkarte. „Danke dass ihr hier wart! Fröhliches Umbringen, beehrt uns bald wieder und denkt immer an mich, den heißen Verwalter!“, flötete die Comicfigur.
Nivea und Yves tauschten einen letzten Blick aus, erhoben sich dann und verließen das Gebäude. Draußen schien die Sonne hell und hier und da hörte Yves einen Vogel zwischtern. Sie hatte es noch nicht ganz verdaut was sich eben in dem großen Gebäude abgespielt hatte. Nivea aber war nun ganz heiß darauf diesen Auftragskiller anzurufen. Sie hakte sich bei Yves unter und sagte: „Und nun lass uns einen Kaffee trinken und diesen Maskenmann anrufen! Diese kleine Spinnerband wird schließlich nicht ewig in Berlin sein!“ Sie grinste und eilte dann voraus.

Kapitel 13


Bei einem Cappuccino und einem Latte Macchiato hatten sich die beiden Freundinnen im Cafe Zur Asiatischen Jugendherberge niedergelassen und stierten nun schon seit geraumer Zeit den Zettel an.
„Das ist doch genial!“, meinte Nivea irgendwann und strich sich die grünen Haare aus der Stirn. „Ich mein, wie oft kommt es schon vor, dass Schülerinnen ein Attentat auf Deutschlands beliebteste Teenieband planen.“
„Psst! Du bist viel zu laut!“
Nivea winkte ab. „Als ob, jeder will doch auch mal so einen genialen Plan entwickeln und die können sich an uns ihr Beispiel nehmen!“
Yves sah ihre Freundin nur stirnrunzelnd und total ungläubisch an. „Genial?“, fragte sie hysterisch.
„Wir zerstören ihr Leben, Mensch! Willst du es dir nicht noch einmal überlegen? Du stellst das hier alles vor vollendete Tatsachen, aber du denkst überhaupt nicht über die Konsequenzen nach, was wenn sie uns erwischen, raus finden, dass wir dahinter stecken?! Die lynchen uns. Die ganzen Fans, ihre Familien, was machst du mit denen? Auch umbringen? Überleg es dir doch bitte noch einmal!“
Niveas Gesichtsfarbe hatte sich bei jedem Wort, jeden Satz den das rothaarige Mädchen hatte verlauten lassen, dunkler gefärbt und nahm langsam ein dunkles kirschrot an. Wütend knallte sie ihre Tasse auf den Tisch, sodass der Cappuccino überschwappte und den halben Tisch nass machte.
„Nein! Wenn du aussteigen willst, dann geh. Aber erwarte nicht, dass wir dann noch Freunde sind!“
Yves schluckte und lehnte sich in ihrem Stuhl zurück. Was hatte sie auch anderes erwartet. Das Nivea auf einmal einen Gnadenstoß bekam, sich ihr Gewissen das sich erfolgreich aus ihrem Leben enthalten hatte, auf einmal melden würde?
„Wisch den verdammten Tisch sauber“, maulte Nivea und schmiss ihrer Freundin eine Packung Papiertaschentücher zu. Seufzend widmete sich Yves der Arbeit und schmiss kurz darauf die schmutzigen Taschentücher in den Mülleimer.
Als sie wiederkam hatte Nivea bereits ihr Handy in der Hand und wählte die angegebene Nummer, die Eric Cartman ihnen auf den Zettel geschrieben hatte.
Yves rückte an ihre Freundin ran um mithören zu können.
„Herzlichen Glückwunsch“, ertönte eine metallene Stimme. Nivea drückte sich das Handy näher ans Ohr um mehr verstehen zu können. „Sie haben sich für den Kauf eines unsere Modelle entschieden. Bitte geben sie nach dem Piepton die Bestellnummer ein und warten sie auf weitere Aufforderung.“
Ein schrilles Piepen ertönte und Nivea tippte die 26 ein und wartete auf weitere Reaktion.
„Die Datenbank hat erfasst das sie folgenden Auftragskiller bestellt haben:
26 – Killer namens Maskenmann.
Maße: 1,90 m auf 88 kg
Waffe: eine Waffe von unbekannter Herkunft
Fazit: Er bläst jeden Auftrag weg. Mit 100% Treffgenauigkeit ist ihm noch nichts misslungen. Zur Sommerzeit gibt es 20% Rabatt.
Pro Tag: 50,99 €
Lieferbar auch mit weißer oder blauer Maske
Wenn sie eine weiße Maske wünschen, drücken sie bitte die 1, andernfalls die 2.“
Yves drückte schnell auf die 1, was ihr einen Schlag auf den Hinterkopf von Nivea einhandelte. „Wieso weiß?“, zischte sie böse und hörte dann doch wieder zu.
„…geben sie nun bitte noch ihre Telefonnummer ein, wir werden sie innerhalb von 5 Minuten zurückrufen und alles weitere mit ihnen absprechen.“
Nivea gab schnell ihre Telefonnnummer ein, die Leitung knackte und ein Tuten ertönte.
Nivea legte auf und steckte das Handy wieder in ihre Hosentasche. „Jetzt heißt’s warten… Willst du immer noch kneifen?“
Yves biss ich auf die Lippen und schüttelte den Kopf.

Kapitel 14


Es dauerte, wie die metallene Stimme gesagt hatte, fünf Minuten bis Niveas Handy klingelte. Yves zuckte bei dem schrillen Klingelton den Nivea eingestellt hatte zusammen. Ihr Herz schlug bis zum Hals als sie ihre Freundin dabei beobachtete wie diese mit einem Grinsen den Anruf entgegennahm.
„Hallo?“ Stille. „Oh Mensch nein Keith!“ Nivea rollte mit den Augen und Yves musste sich ein Lachen unterdrücken. Anscheinend war Keith am Telefon und nicht irgendein Killer. „Du ich kann jetzt nicht weiter mit dir plaudern…Yves und ich warten auf einen Anruf! Tschüss!“ Nivea legte auf und warf ihr Handy wieder auf den Tisch. „Was wollte er?“, fragte Yves. „Keine Ahnung! Ich musste ihn ja schnell abwürgen…“, grummelte die Grünhaarige, „Wenn wir das nächste Mal jemanden umbringen wollen dann geben wir deine Handynummer an! Dich ruft doch sonst eh niemand an…“ Yves runzelte die Stirn. Anscheinend war ihre Freundin ganz schön angepisst das sie nun nicht mit Keith telefonieren konnte.
„Dann ruf Keith doch von meinem Handy aus zurück!“ Yves versuchte mal wieder alles um ihre Freundin zu beschwichtigen. „Nein!“, sagte Nivea scharf, „Ich hab nun auch keine Lust mehr zu telefonieren!“ Sie warf einen Blick auf ihr Handy welches keine Anstalten machte als würde es gleich klingeln. „Verdammt warum ruft der denn nicht an?“, schrie sie und die anderen Gäste in dem Kaffee sahen sich erschrocken nach den beiden Mädchen um.
„Sei doch bitte ein bisschen leiser…“, bat Yves. „Pfff…“, machte Nivea daraufhin nur, verschränkte die Arme vor der Brust und lehnte sich in ihrem Stuhl zurück. Es dauerte weitere fünf Minuten ehe das Handy wieder anfing zu klingeln. „Das ist er jetzt!“, sagte Yves aufgeregt, „Bestimmt!“
„Ich geh nicht ran…“, murmelte Nivea beleidigt, was Yves ein verstecktes Augenrollen entlockte. Mit zitternden Händen nahm sie nun Niveas Handy in die Hand.
„Hallo?“ Nivea warf ihrer Freundin einen missbilligenden Blick zu. Das war immerhin ihr Handy mit welchem sie gerade telefonierte! Und sie hatte es Yves nicht erlaubt damit zu telefonieren…
Yves aber übersah die scharfen Blicke von Nivea einfach und konzentrierte sich auf das Telefonat. „Sie werden verbunden…“, hatte ihr soeben eine Frauenstimme mitgeteilt und nun wurde die Melodie von „Eine Insel mit zwei Bergen“ gespielt. Eine Insel mit zwei Bergen und dem tiefen weiten Meer…, sang Yves in Gedanken mit als plötzlich die Musik verstummte und ein schrilles Piepen ertönte, abgelöst von einem „Guten Tag!“ einer tiefen, männlichen Stimme.
Vor lauter Schreck wäre Yves beinahe das Handy aus der Hand gefallen, aber sie durchrang sich schnell etwas zu sagen. „Hallo!“ Nivea wurde nun auch neugierig und rutsche näher an ihre Freundin heran. Die beiden Freundinnen pressten die Ohren an das Handy und warteten auf einen Laut. „Sind Sie noch dran?“, fragte Yves. „Ja…“, ertönte da. Yves lief einen Schauer über den Rücken, nach ihrer Meinung hatte dieser Kerl am Ende der Telefonleitung eine Angsteinflössende Stimme.
„Welche Band?“, krächzte der Typ da auch schon.
„ Tokio Hotel!“, antwortete Nivea und Yves war froh dass sich die Grünhaarige inzwischen wieder beruhigt hatte. Ein lautes Kreischen durchdrang nun die Telefonleitung und die beiden Mädchen schraken vor dem kreischenden Handy zurück.
„Bill ist geil!“, rief der Mann und setzte dann wieder in das hysterische, fanatische Kreischen ein. Die beiden Mädchen wechselten einen Blick aus und Yves zischte: „Ich hab dir ja gesagt wir hätte die Nummer 28 nehmen sollen!“ „Ach sei ruhig!“ Nivea presste ihr Ohr wieder an das Handy und fragte: „Können Sie sich bitte wieder beruhigen?“ Nur sehr langsam wurde der Killer am anderen Ende wieder ruhig.
„Also? Sind Sie nun bereit für den Auftrag?“, fragte Nivea die dieses Telefonat schnell beenden wollte, „Wir wollen Tokio Hotel umlegen! Ist das so schwer zu verstehen?“ Kurz war Stille am Ende der Leitung, dann heulte der Typ laut los. „I-Ich kann d-die doch n-nicht umb-bringen!“, schluchzte er und den beiden Mädchen wurde knallhart bewusst das sie es mit einem Fan dieser schrecklichen Teenieband zutun hatten. Das hätte ihnen schon auffallen müssen als er so gekreischt und „Bill ist geil!“ geschrieen hatte.
„Hören Sie…“, sagte Nivea die auf eine Idee gekommen war. Sie wollte auf alle Fälle diesen Killer haben, weil wenn nicht hätten sie Yves Vorschlag nehmen müssen und das wollte sie unter keinen Umständen! „Wir geben Ihnen die doppelte Bezahlung und sie legen die Band um!“
Das Weinen versiegte sofort und der Killer sagte: „Okay abgemacht! Doppelt hält besser….Aber nur unter der Bedingung das ich Bills Leiche bekomme!“ Nivea und Yves tauschten wieder einen Blick aus. Eins stand fest: Der Kerl war verrückt! Aber verrückt war genau richtig für diesen Auftrag!
„Okay meinetwegen! Sie können die Leiche dann gerne bekommen….wenn es Ihnen so am Herzen liegt!“, stimmte Nivea zu und Yves Augen wurden augenblicklich Murmelgroß. Die beiden am Telefon unterhielten sich über die Leiche eines jungen Mannes so, als würden sie sich über eine Packung Kaugummi unterhalten…
„Auf Wiedersehen!“ Nivea legte auf und grinste dann ihre Freundin an. „Und nun?“, fragte Yves. „Wir treffen uns in drei Tagen wieder!“ „Und wo?“ „Bei der Kirche!“ Yves schreckte auf: „Bei der Kirche?“ „Ja! Und jetzt lass uns gehen…“ Sie schmiss schnell das Geld für die beiden Getränke auf den Tisch, steckte ihr Handy ein und verließ dann zusammen mit Yves im Schlepptau das Cafe Zur asiatischen Jugendherberge .

Kapitel 15


Das Telefonat war nun schon 2 Tage her, morgen würde es soweit sein, sie würden sich das erste Mal mit dem Killer treffen.
Yves, die seit diesem Tag kein Auge mehr zu gekriegt hatte, saß total übernächtigt mit dunklen Ringen unter den Augen neben Kenny auf dem Sofa und schaute zum Hundertsten Mal mit ihm E.T an, wie jedes Mal wenn sie einen gemütlichen Abend veranstalteten.
Mittlerweile kannte sie den Film in- und auswendig, sie sprach die meisten Dialoge stumm mit und beobachtete Kenny der gespannt wie ein Flitzebogen dem Geschehen auf der Mattscheibe seine volle Aufmerksamkeit schenkte.
Ihr Blick fiel auf den Timer des DVD-Players, zum Glück nur noch 10 Minuten, dankbar sandte sie ein Stoßgebet gen Himmel.
„Sop“, sagte Kenny schließlich und schaltete grinsend den Fernseher aus. „Und was machen wir 2 Hübschen nun?“
„Brech mir ein Bein“, murmelte Yves und musste lachen als sie Kennys geschocktes Gesicht sah.
„Nur ein Scherz!“ – „Hm…“
Seufzend stand Yves auf und folgte Kenny in die Küche.
Sie hatte ihm natürlich von dem Telefonat erzählt, er war mehr als geschockt gewesen. Ebenso wie Yves es war.
„Ich versteh nicht wie man so kaltblütig über das Leben eines anderen Menschen entscheiden kann“, hatte er gesagt und seltsam melancholisch aus dem Fenster gestarrt.
Aber er konnte verstehen, dass Yves keinen Rückzieher gemacht hatte, er kannte Nivea zwar nicht so gut wie Yves oder Keith, aber immerhin doch gut genug um ihre Reaktion einschätzen zu können, wenn die rothaarige sie hätte allein dastehen lassen.

„Hast du nicht… Angst?“, fragte Kenny nach geraumer Zeit die sie sich gegenseitig angeschwiegen hatten.
„Du kannst dir gar nicht vorstellen wie viel!!“ Yves warf ihrem besten Freund einen verzweifelten Blick zu.
„Ich mein, ich kenne die Jungs nicht und ich habe auch keine besonders positiven Gefühle für sie, aber ich kann doch nicht zugucken wie sie einfach abgeknallt werden. Die haben doch genauso ein Recht auf ihr Leben wie ich es auf meins habe oder du auf deins. Klar, sie nerven tierisch mit ihrem Durch den Monsun und all den Kack, aber sie sind Menschen! Und genau das ist es was mich wurmt, ich würde auch nicht wollen, dass mich jemand mal so abknallt nur weil er mich nicht leiden kann. Dann geht man mir aus dem Weg…“ Sie verstummte.
Kenny atmete geräuschvoll aus.
„Das Problem ist“, begann er, „das Nivea nicht versteht, was es heißt Menschenleben auf dem Gewissen zu haben. Nicht das ich der Experte bin…“ – Er lachte kurz – „Aber ich glaube nicht, dass es ein tolles Gefühl ist, zu wissen, dass meinetwegen 4 unschuldige Menschen tot sind. 4 Menschen, die Freunde und Familie genau wie ich haben!“
Sie sahen sich an und seufzten synchron.
„Aber bring Nivea mal von was ab.“
„Yep. Genau das ist das Problem!“
„Sie würde das auf jeden Fall auch alleine durchziehen.“
„Da bin ich mir sicher.“
„Und was soll ich deiner Meinung nach machen?“
Kenny runzelte die Stirn und dachte angestrengt nach, während Yves unruhig hin und her lief.
„Was ist dir denn wichtiger?“
Verwirrt sah die rothaarige auf. „Was meinst du?“
„Ja, bleibst du lieber mit Nivea befreundet und hast 4 Menschen auf dem Gewissen, oder lässt du sie fallen und kannst mit reinem Gewissen dein Leben weiterleben.“
„Das will ich ja von dir wissen. Was soll ich machen?“

Kenny seufzte und fuhr sich durch die pinken Haare.
„Ich glaube nicht, dass ich dir diese Entscheidung abnehmen kann. Aber ich stehe hinter dir, nicht das du denkst das ich dich nicht mehr mögen würde, wenn du dabei bleibst.“
Yves tickte sich mit dem Zeigefinger gegen die Zähne und sah zu ihrem besten Freund.
„Ich schau mir das morgen mal an.“
Bei dem Gedanken schüttelte es sie.
Auftragskiller, aber Bill-Fanatiker.
Na Prost Mahlzeit!

Kapitel 16


An Morgen darauf erwachte Yves mit einem komischen Magengefühl. Heute war der Tag gekommen! Sie hatte noch bis um eins Zeit sich fertig zu machen, dann würde Nivea vorbeikommen und die beiden Mädchen würden sich auf den Weg zum Treffpunkt mit dem Auftragskiller machen. Yves wurde beim bloßen Gedanken schon allein übel…
Bloß nicht dran denken! , dachte sie unentwegt während sie unter die Dusche ging und sich anschließend fertig machte.

Die Uhr hatte gerade genau eins geschlagen als es an der Haustür von Yves klingelte und ihre Mutter Agatha diese öffnete. „Yves!“, rief sie im nächsten Moment und die Rothaarige machte sich auf den Weg nach unten. Agatha hatte die Tür angelehnt und formte mit den Lippen: „Nivea ist da!“ Yves nickte und öffnete dann schnell die Tür. „Hi!“, begrüßte die Grünhaarige sie auch gleich, „Fertig?“
Yves nickte, verabschiedete sich noch schnell von ihrer Mutter die den beiden Mädchen übertrieben „Viel Spaß ihr Süßen!“ wünschte und trat dann nach draußen ins Sonnenlicht. Während die beiden durch Berlin liefen, auf den Weg zur Gedächtniskirche, laberte Nivea munter vor sich hin.
Es war ganz so als würden sich die beiden gleich mit einem guten Freund treffen, aber nicht mit einem Killer. „Was bist du denn heute so ruhig?“, fragte Nivea irgendwann als die beiden Mädchen gerade an einer Ampel standen und darauf warteten dass diese grün wurde.
„Weiß auch nicht…“, murmelte Yves, „Ich hab bloß kein gutes Gefühl bei der ganzen Sache!“ „Hast wohl Schiss!“ Nivea kniff die Augen zusammen und beobachtete Yves ganz genau. Schnell schüttelte die Rothaarige den Kopf. „Ich hab keine Angst!“, sagte sie, was aber überhaupt nicht stimmte.
Aber Yves hatte in diesem Augenblick überhaupt keine Lust sich die Blöße vor Nivea zu geben indem sie sagte sie hätte Angst davor sich mit einem Killer zu treffen.
Nivea hätte diese Angst eh nicht verstanden.
Die beiden liefen am Bahnhof Zoo vorbei und dann auf die Gedächtniskirche zu. Am Straßenrand parkten einige Autos und schnell stellte sich heraus dass heute in der Kirche jemand heiratete.
Am Eingang standen einige Leute die Beutel voll Reis dabei hatten, damit sie das Brautpaar damit bewerfen konnten wenn es frisch getraut heraus kam, und von innen war die Kirchenorgel zu hören.
Nivea sah sich gespannt nach dem Killer um. Jeder der Anwesenden hätte es schließlich sein können. „Er ist sicherlich noch nicht da!“, murmelte Yves mit einem Blick auf die Uhr.
Es war viertel vor zwei. Um zwei wollten sich die drei erst treffen! Just in diesem Moment öffneten sich die Türen der Kirche und ein Brautpaar trat heraus. Sie in einem umwerfenden, weißen Kleid und er in einem hübschen Anzug. Die Leute vor der Kirche begannen zu Jubeln und warfen mit dem Reis.
Es war leider nicht zu verhindern dass die beiden Mädchen auch etwas von dem Reis abbekamen und schon begann sich Nivea aufzuregen. „Bleib ruhig…“, murmelte Yves leise die nicht wollte das die beiden noch mehr Blicke auf sich zogen. Wegen ihres außergewöhnlichen Aussehens zogen die beiden echt schon genug Aufmerksamkeit auf sich.
Die jubelnde Menge fand sich inzwischen zu einem Gruppenbild zusammen und ein Fotograph begann mit Fotos.
Eins
Zwei
Drei

Nivea wand sich von der Kirche ab und blickte die Straße hinunter und plötzlich sah sie ihn um die Ecke kommen. Es war ein Mann mit Bodyguardstatur, er trug eine schwarze Maske auf dem Kopf und hielt in der linken Hand eine Kettensäge. „Das ist er!“, sagte Nivea und ihre Stimme überschlug sich beinahe vor Aufregung.
Beim Anblick der Kettensäge entfloh Yves nur ein Keuchen! Was würden die Leute um sie herum nur denken?!
Der Killer kam direkt auf die beiden Mädchen zu und schüttelten ihnen mit einem groben „Hallo!“ die Hände. Die drei stellten sich etwas abseits von der Kirche und der Killer wollte gerade zum Sprechen ansetzen als Yves etwas auffiel.
Er trug eine schwarze Maske!
Die beiden Mädchen aber hatten eine weiße bestellt…
„Entschuldigung!“, sagte die Rothaarige deswegen, „Aber sie tragen die falsche Maske! Wir wollten die weiße…“ „Oh!“, sagte der Killer peinlich berührt. Er stellte die Kettensäge auf dem Boden ab und zog sich dann die schwarze Maske vom Kopf.
Herunter kam haargenau die gleiche Maske zum Vorschein. Bloß in weiß! Ehe Yves noch weiteres erwähnen konnte übernahm Nivea das Gespräch.
„Haben Sie eine Idee wie wir an Schwuchtel Hotel rankommen?“, fragte sie.
„Nun…“, sagte der Killer und griff in die Innentasche seiner Jacke, „Ich habe drei Karten für das Berliner Konzert und ich denke das es dort am besten sein wird die Band anzugreifen!“ Er drückte den beiden Mädchen jeweils eine Konzertkarte in die Hand. „Wir treffen uns dort eine Stunde vor Einlass!“, sagte der Killer.
„Sie scheinen das ja schon genau durchdacht zu haben!“, murmelte Nivea und wurde ein wenig misstrauisch.
„Das ist mein Job!“, erwiderte der Killer nur und fuhr dann mit seinem Plan fort. Als alles geklärt war verabschiedeten sich die drei mit einem weiteren Händedruck voneinander und der Killer verschwand genauso schnell wie er aufgetaucht war.
„Ging doch leicht…“, sagte Nivea dann und klatschte in die Hände. Dann verabschiedeten sich auch die beiden wieder voneinander und sowohl Yves als auch Nivea gingen nach Hause.
Nivea mit einem glücklichen Gefühl im Magen und Yves mit weiteren Gewissensbissen.

Kapitel 17


Der Tag des Konzertes war gekommen.
Nur zu gut rief sich Yves zum Tausendsten Mal an diesem Tag einen Satz ihres Englischlehrers ins Gedächtnis. Time is flying.
Ohja, die Time war am flyen.
In 5 Minuten war sie mit Nivea verabredet um dann gemeinsam zur Konzerthalle zu laufen. Sie konnte es nicht glauben, dass sie das wirklich durchzogen.
„Da bist du ja endlich“, zischte Nivea. Verwirrt sah Yves auf. „Ich steh hier doch schon die…“
„Ja, ich steh hier schon die ganze Zeit und jetzt kommst du endlich mal!“, fiel Nivea der rothaarigen ins Wort. Kopfschüttelnd folgte diese Nivea, die mit einer riesigen Tüte bepackt war.
„Was ist denn in der Tüte?“ – „Bekommst du noch früh genug zu sehen. Sei doch nicht immer so neugierig!“
Yves verstummte und zusammen trotteten sie weiter. Mit jedem Schritt den sie taten, wurden ihre Füße schwerer. Als würde eine unsichtbare Kraft sie am Gehen hindern wollen. Wahrscheinlich bekam sie jetzt auch noch Wahnvorstellungen und ein Riesenkaninchen würde über die Straße hüpfen.
Sie hörte nur noch ein „Eine Spende für einen wohltätigen Zweck, bitte?“, ehe sie in irgendwas Rosanes rasselte und den Boden sprichwortartig küsste.
„Auu…“ Stöhnend rieb sie sich den Kopf und sah auf.
„Da brat mir doch einer n Storch“, entfuhr es ihr. Über ihr stand ein Mann in einem rosanen Hasenkostüm und einem Umhängeschild von irgendeiner Stiftung für Kinder.
„Boa du kriegst auch nix hin wa…“, schimpfte Nivea drauf los, zog ihre Freundin hoch und schubste den Rosa Hasen mit der Hüfte zur Seite, der daraufhin taumelnd gegen ein paar Mülltonnen krachte.
Verwirrt sah er den Mädchen hinterher. Die Jugend von heute wurde auch immer dreister.
Kurz vor der ausgemachten Zeit kamen sie am Treffpunkt an. Überall standen kleine singende pubertierende Möchtegerngroupies in ihren kurzen Miniröcken und den viel zu kurzen Tops rum und schrieen sich die Seele aus dem Leib.
Einige von ihnen trällerten „Durch den Monsun“. Wieder andere „Schrei“. Die anderen Lieder kannte Yves gar nicht. Zum Glück.
„Maaan…“, motzte das grünhaarige Mädchen schon die ganze Zeit rum. „Was soll das… Kann hier nicht einmal was schneller laufen…“
„Ich bin doch da.“ Da war sie wieder, diese Stimme. Yves lief die Gänsehaut über den Rücken.
„Na endlich. Ich hab alles besorgt was ich holen sollte.“ Der Killer nickte erfreut und warf einen Blick in Niveas Tüte.
„Perfekt“, rief er. „Wirklich, perfekt.“ Nivea grinste breit. Genau das war es was sie hören wollte. Wie perfekt SIE doch war.
Das er ihren Einkauf meinte, ignorierte sie gekonnt.

Es verlief alles wie geplant.
Das Treffen war 2 Stunden her, das Konzert würde bald beginnen und Yves stand mit dem Killer und Nivea in der ersten Reihe, mittig.
Mit jeder Minute die das Konzert näher rückte verschnellerte sich ihr Puls. Verdammt noch mal!
„Alles wie geplant“, sagte der Killer, kurz bevor das Kreischen losging. Nivea nickte nur. Yves sah sie verwundert an. Wollte ihr nicht mal jemand sagen was genau jetzt Fakt war?!
Die ersten Takte eines Liedes wurden gespielt und irgendwann kam die Schwuchtel auf die Bühne gerannt.
Seufzend wartete Nivea den Zeitpunkt ab, bis der Killer ihr das Zeichen geben würde. So lange konnte das nun doch auch nicht dauern, bis er genug gesehen hatte.
Scheiß Fanatiker!
Mittlerweile war sie taub von dem ganzen Gekreische.
Sie wusste genau, warum sie diese Band so sehr hasste. Allein schon wie die da auf der Bühne standen. Als wären die das geilste auf Gottes Erden. Sie schüttelte sich vor Ekel.
Allein schon der Gedanken einen von denen berühren zu müssen brachte sie zum würgen, aber was tat man nicht alles für die Menschheit.
Das Jetzt bekam sie gar nicht so richtig mit. Sie merkte nur wie der Killer an ihrer Tüte riss und ihr etwas in die Hand drückte.
Millisekunden später schaltete sie, schmiss die Rauchbombe auf die Bühne und Sekunden später war die gesamte Bühne in dichten Rauch gehüllt.
Die Mädels kreischten. Klar, die dachte ja alle das wäre ein Special-Effekt.
Was sie nicht wussten, der Killer hatte zu einem Hechtsprung über die Absperrung angesetzt, hatte Bill an der Hüfte gepackt und ihn sich über die Schulter gelegt und war nun auf dem Weg nach draußen.
Das soll’s gewesen sein?, fragte sich Yves, als sie zusammen mit Nivea die Konzerthalle verließ.
Nein, dachte sie.
Es hatte gerade erst angefangen…

Kapitel 18


Es lief alles ganz schnell. Als die beiden Mädchen die Konzerthalle verlassen hatten wartete der Killer bereits mit einem kleinen, schwarzen Lieferwagen. „Komm schnell!“, schrie Nivea Yves zu und warf sie, mehr oder weniger, in den Wagen hinein. Yves fiel hart auf den Rücken und rieb sich diesen schmerzhaft als der Killer langsam mit dem Auto loszuckelte.
Nivea saß neben ihm auf dem Beifahrersitz, während sich Yves mit der Rückbank begnügen durfte. „Wo ist er?“, erkundigte sich Nivea mit einem Funkeln in den Augen. Mit er war Bill gemeint.
„Im Kofferraum!“, murmelte der Killer und bog scharf rechts ab. Yves, die noch nicht dazu gekommen war sich anzuschnallen, rutschte erstmal über die ganze Rückbank und fiel gegen die Tür. „Autsch!“, sagte sie und richtete sich wieder auf. Sie beugte sich nach vorne zu den beiden anderen: „Wo fahren wir eigentlich hin?“
„An den Stadtrand!“ Die Grünhaarige wand sich mit einem hämischen Grinsen zu ihrer Freundin um. „Und was machen wir da?“ Yves stand ein wenig auf der Leitung. Sie konnte immer noch nicht so ganz realisieren was in den letzten zehn Minuten passiert war.
Sie war auf einem Tokio Hotel Konzert, sie hatte mit angesehen wie man den Frontsänger gekidnappt hatte. Moment- sie war daran beteiligt gewesen! Gezwungenermaßen, dachte sie bissig.
„Na wir bringen den Trottel an einen sicheren Platz!“, riss Nivea da ihre Freundin aus den Gedanken, „Oder willst du die Schwuchtel etwa mit nach Hause nehmen?“ Yves schüttelte den Kopf und ließ sich dann auf ihrem Platz zurücksinken.
Sie fuhren nicht lange. Der Killer hielt mit quietschenden Reifen vor einem großen, alten Fabrikgelände an. „Aussteigen!“, grummelte er und die beiden Mädchen sprangen, wie von der Tarantel gestochen, aus dem Wagen.
„Ist er eigentlich noch bei Bewusstsein?“ Yves beobachtete jeden Schritt den der Killer tat. „Nein!“, sagte dieser, „Der ist bewusstlos, aber nicht lange schätze ich!“ Nivea verschränkte die Arme vor der Brust: „Die Zeit wird reichen um ihn einzusperren.“
Der Killer nickte, öffnete dann den Kofferraum und legte sich den schlaffen Körper von Bill über die Schulter. Zu dritt, bzw. zu viert, gingen sie auf das Fabrikgelände zu. Nivea öffnete die rostige Eisentür und schlüpfte in das Gebäude hinein.
Es roch darin muffig, alt und moderig. Dreck lag auf dem Boden. Alte Zeitungen, Laub, Erde… „Wo genau gehen wir hin?“ Yves klammerte sich an den Arm ihrer Freundin, welche ganz selbstsicher voranschritt.
Links, rechts, wieder links, einen langen Gang entlang, dann nochmals links, eine alte Steintreppe hinauf, einen weiteren Gang runter und dann rechts. Sie standen vor einer weiteren Eisentür worin ein kleines Fenster war. „Da rein!“, sagte Nivea, zog einen Schlüssel aus der Hosentasche und schloss die Tür auf.
Der Maskenmann nickte nur, trug Bill in den Raum hinein und legte ihn auf eine Decke die auf dem Boden lag. Der Raum war, nach Yves empfinden, schrecklich.
Eine alte Öllampe stand auf einem klapperigen Holztisch und warf somit ein schummeriges Licht in den Raum. Auf dem Tisch stand auch eine Wasserflasche und ein Brot. Es war wie im Gefängnis! Links war ein großes Fenster wo man die Lichter der Stadt sah, die Sonne war inzwischen untergegangen.
Yves erkannte dass die Wände giftgrün gestrichen waren, der Boden war nicht viel sauberer als im restlichen Gebäude und ein uralter, verrotteter Kamin war vorhanden.
„Hier willst du ihn lassen?“, fragte Yves schockiert. Das grenzte irgendwo schon an Misshandlung.
„Klar!“, sagte Nivea aber nur unbeeindruckt, „Oder hast du eine bessere Idee?“
Nein das hatte sie nicht und Yves wollte sich Nivea ja auch nicht widersetzen. Deswegen schüttelte sie nur mit zusammengepressten Lippen den Kopf und folgte dann ihrer Freundin wieder aus den Raum hinaus. Die Grünhaarige schloss ab.
„Okay!“, sagte die Grünhaarige dann, „Wir treffen uns morgen um zehn wieder hier.“ Yves und der Maskenmann nickten.
Dann machten sie sich auf den Weg. Der Killer verschwand mit seinem Lieferwagen und die beiden Freundinnen machten sich zu Fuß auf den Weg nach Hause. Nach einem Fußmarsch von über eine Stunde kam Yves zu Hause an.
Ihre Eltern schliefen bereits und so konnte sie unbemerkt zu Bett gehen. Kaum lag sie unter ihrer Bettdecke fielen ihr auch schon die Augen zu.

„Yves?“ Jemand strich der Rothaarigen über die Wange „Willst du nicht langsam mal aufstehen?“ Yves schlug flatternd die Augen auf und sah in das Gesicht ihrer Mutter. Oh Gott, dachte sie, Nivea! Bill! Zehn Uhr! „Wie spät ist es?“, fragte sie überstürzt. „Es ist bald elf!“, lächelte Agatha. „Was?“ Überstürzt sprang Yves aus ihrem Bett. Wie ein Wirbelwind suchte sie sich irgendwelche Sachen zusammen und stürzte dann aus dem Haus.
Sie hatte Glück und ergatterte noch den Bus der sie an den Stadtrand bringen würde sodass sie nicht so weit laufen bräuchte. Als sie eine halbe Stunde später schnaubend bei Nivea ankam war diese bereits vor Wut rot angelaufen.
„Wo verdammt warst du die ganze Zeit?“, schrie sie und haute gegen die Wand. „Entschuldige!“, keuchte Yves, „Ich hab total verschlafen.“ „Hast du schon mal das Wort Wecker gehört?“ Die Grünhaarige wirbelte wütend herum und eilte wieder den Gang hinunter wo ihre Geisel saß.
Yves folgte ihr langsam. Sie hatte Seitenstechen und wollte sich erstmal nur hinsetzen. Es war inzwischen viertel nach elf. „Findet ihr mich denn so scheiße?“, erklang da eine Stimme, „Ich hab euch doch gar nichts getan!“ Yves sah stirnrunzelnd ihre Freundin an. Diese zuckte nur gleichgültig mit den Schultern: „Das geht schon den ganzen Morgen so!“
„Hey Mädels! Ich kann euch viel Geld geben wenn ihr wollt…“, ertönte da wieder die Stimme von Bill, „Wenn ihr wollt kauf ich euch auch alles was ihr wollt. Ich geh mit euch Schoppen!“ „Halt endlich mal deine Klappe!“, schrie Nivea durch die verschlossene Tür. Der Junge dahinter seufzte. Kurze Zeit war stille.
Dann: „Ich müsste langsam mal auf Toilette!“ Nivea rollte mit den Augen und lugte in den Raum durch ein kleines Fenster welches an der Tür war: „Du kannst dir ja in die Hose pissen!“ „Bist du verrückt?“, empörte sich der Frontmann der Kinderband, „Das ist eine exklusive Designerhose! Da kann ich nicht einfach reinpissen!“ „Was erwartest du von uns? Das wir ein Hotel sind?“
„Wäre ganz angebracht! Ich bin immerhin der begehrteste Teenager Deutschlands! Ihr müsst mich gut behandeln…“ „Vergiss es Junge! Für uns bist du nur ne Schwuchtel also halte endlich deine Klappe! Wir beide haben auch noch besseres zutun und könnten dich hier drin auch verrotten lassen!“, Nivea grinste schief, „Hier gibt es bestimmt auch viele Ratten und Spinnen!“
„Was?“ Bill zuckte ängstlich zusammen. Alles was er auf dieser Welt hasste waren Krabbeltiere. Er würde umkommen. Gedanklich schrieb er schon sein Testament. Was waren das nur für zwei verrückte Mädchen? Groupies die ihm eigentlich nur an die Wäsche wollten?
Nivea lachte und wand sich dann wieder an ihre Freundin: „Ich hab Zeitungen dabei!“ „Wofür das denn?“ Yves, die das eben gehörte noch nicht wirklich verdaut hatte, sah Nivea etwas unbeholfen an. „Na wir müssen die anderen drei ja auch noch hierher kriegen!“, Nivea setzte sich auf einen kleinen Hocker der da stand, „Und so schreiben wir einen Drohbrief!“
„Und was wenn die, die Polizei rufen?“ Yves quetschte sich zögernd mit zu Nivea auf den Hocker. „Das werden sie schon nicht tun!“, murmelte die Grünhaarige, „Ansonsten sehen die ihren Sänger gar nicht mehr wieder!“
„Ich weiß ja nicht…“ Yves sah zu Boden. „Was ist?“, sagte Nivea laut, „Hast du Schiss oder was?“ „Ich finde das nicht richtig!“
„Was?“, Nivea sprang wütend auf, „Bist du nun von allen guten Geistern verlassen oder was?“ „Nivea! Wir können das nicht machen. Es ist falsch!“ „Ach quatsch! Wir tun doch nur was für die Menschheit.“ Yves schüttelte dolle den Kopf: „Nein! Wir bringen sie um. Wir morden!“ „Nein! Nicht wir morden sondern unser Killer.“ „Aber wir haben ihn auf die Jungs angesetzt!“
„Ja!“, Nivea grinste, „Weil wir genial sind. Wir sind eben Genies!“ „Sind wir nicht!“, hauchte Yves, „Und ich sage dir, es ist falsch! Das können wir nicht bringen! Alle werden uns hassen!“ Yves redet wild gestikulierend auf Nivea ein. „Das tun doch eh schon alle, also halt den Rand!“ Nivea drehte sich um und spielte gedankenverloren mit dem Schlüssel der die Tür zu dem Zimmer in dem Bill saß aufschloss.
„Ich mach da nicht mehr mit!“, schrie Yves plötzlich, stürmte auf Nivea zu und riss ihr den Schlüssel aus der Hand. Die Grünhaarige war mehr als überrascht und konnte nur zu sehen wie Yves blitzschnell die Tür öffnete und hineinschlüpfte.
„Yves!“, schrie Nivea, doch die Rothaarige hatte bereits die Tür hinter sich wieder geschlossen und den Schlüssel runtergeschluckt.
Bill stand ihr geschockt gegenüber. Ohne Schlüssel würden sie doch gar nicht rauskommen! „Oh Yves du bist so ein dummes Mädchen!“, tobte Nivea draußen vor der Tür, „Dann bringe ich dich halt auch um! Du wirst schon sehen was du davon hast.“
Die Grünhaarige schnaubte, ließ sich dann wieder auf den Hocker nieder und holte sich die Zeitungen.
Alles muss man selber machen!, dachte sie und fing an Buchstaben auszuschneiden.

Kapitel 19


Währenddessen saßen die Jungs von Tokio Hotel gerade beim späten Frühstück im Adlon Hotel und ließen es sich gut gehen.
Die nächsten Tage standen nur ein paar Fotoshootings und ein Interview mit der BRAVO an. Das würde im Handumdrehen im Kasten sein, also würden sie genug Zeit haben um mal ordentlich auf den Putz zu hauen.
Tom rieb sich schon freudig die Hände in Anbetracht der ganzen Mädels, die er flachlegen könnte und begann schon mal auf seiner Serviette eine Liste aufzustellen. Immerhin hatte er auch Ansprüche, die erfüllt werden mussten.
Auf so ne 0-8-15 Tussi hatte schließlich heutzutage keiner mehr Bock.
„Das Konzert gestern war ma derbe geil“, warf Gustav in die Runde. „Ja, vor allem das mit dem Rauch. Ich hab fast keine Luft mehr bekommen aber das hat bestimmt geil ausgesehen!“
Georg nickte zustimmend und versuchte einen Blick auf Toms Serviette zu erhaschen. „Ey Alter, machst du jetzt schon Listen?“
Tom grinste. „Klar, selbst ist der Mann.“ Gustav konnte nur den Kopf schütteln. Die beiden waren nicht normal zusammen, abgesehen davon das sie es alleine auch nicht waren. Er grinste und trank seinen Kaffee weiter.


Nivea verließ um kurz nach 11 das alte Fabrikgebäude und machte sich, wie mit dem Killer vereinbart, auf den Weg ins Adlon Hotel um den Drohbrief abzugeben, über dem sie die letzte halbe Stunde gesessen hatte.
Sowas machte sie auch nie wieder!
Warum musste Yves sich nur mit der Schwuchtel einschließen? Dann hätte diese die Drecksarbeit machen können. Wahrscheinlich fand Yves den auch noch gut aussehend. So wie die immer gegen den Mordanschlag war.
Tzz.
Nach einer guten Viertelstunde war sie da. Sie ging in das große Gebäude hinein und sah sich erstmal um.
Hier hauste also stetig die Prominenz. Anerkennend pfiff sie durch die Zähne und machte sich auf den Weg zur Rezeption. Dass ihr die meisten Menschen hinterher sahen, interessierte sie keinen Deut.
Sie war es ja gewohnt. Konnte ja keiner was dafür, dass sie so gut aussah.
„Hallo!“, sagte die Dame am Empfang und lächelte Nivea freundlich an. „Kann ich was für dich tun?“
Nivea setzte ihr umwerfendes Lächeln auf und legte den Briefumschlag auf den Tisch. „Ich hab hier eine wichtige Mitteilung für die Jungs von Tokio Hotel. Wenn sie so freundlich wären und sie ihnen sofort zukommen lassen, ich muss jetzt leider terminlich bedingt sofort weiter.“
Sie lächelte zum Abschied noch mal und drehte sich dann um zum gehen.

„Tom! Scheiße dreh dich schnell um und guck dir das mal an. Die alte dahinten!“ Tom drehte sich um und bekam innerhalb von Millisekunden Handtellergroße Augen.
„Holla die Waldfee“, keuchte er. „WAS ne Farbe!“
Sie konnten gerade noch beobachten wie das grünhaarige Mädchen die Hotellobby verließ und nach draußen ging.
„Was ist das denn für eine“, lachend schlug Georg sich auf den Oberschenkel und verzog gleich danach schmerzhaft das Gesicht. Er war ziemlich empfindlich an dieser Stelle, vergaß es aber immer wieder. Er war halt schusselig.
„Das wär doch was für Bill.“ Bevor er sich jedoch damit an Bill wenden konnte, war eine Frau an ihren Tisch getreten.
„Guten Morgen, ich hab hier eine Mitteilung für sie. Sie ist wohl dringend!“ Mit einem Zwinkern nahm Tom den Umschlag entgegen und starrte der Empfangsdame als sie ging auf den Arsch.
„Tom du Sau. Mach schon auf!“, quengelte Gustav. Er war doch so neugierig.
„Jaja, Moment. Ein geiler Hopper ist kein D-Zug!“ Beschwichtigend hob Tom die Hände und begann schließlich mit seinem Messer den Umschlag aufzschneiden.
Mit ehrfürchtiger Miene faltete er das Blatt auseinander, las und runzelte die Stirn.
„Leute hört euch das an. Das ist echt hammerhart:“ Er räusperte sich.

WIR HABEN BILL! KOMMT ZUM ALTEN FABRIKGEBÄUDE!!

Die Jungs brachen erstmal in Lachen aus. „Was ein Witzken“, schniefte Georg und wischte sich eine Lachträne aus dem Augenwinkel. „Das wirklich“, kam es von Gustav, der bereits vor Lachen auf dem Boden lag.
Tom lachte ebenfalls laut. „Was ein Scheiß, ne Bill. Da hat sich ja mal wohl einer einen riesigen Scherz erlaubt!“
Er drehte sich nach rechts um seinem jüngeren Bruder auf die Schulter zu klopfen aber seine Hand fasste ins Leere.
Ein Schrei erfüllte die untere Hoteletage.
BIIIILL!

Kapitel 20


Die beiden G’s starrten sich fassungslos an und Tom lief wie verrückt um den Tisch herum. „Wir müssen ihm helfen!“ Tom stützte sich mit voller Wucht auf den Tisch und warf dabei eine Kaffeetasse um. Keineswegs störte es ihn das Gustav der ganze Kaffee über die Hose lief.
„Beruhig dich mal!“, beschwichtigte Georg da den aufgebrachten Zwilling. Er drückte Tom in einen Stuhl und murmelte etwas von „Zähl bis zehn!“ vor sich hin. Als Tom sich beruhigt hatte gingen die drei, so unauffällig wie möglich, nach oben.
„Wie können wir ihn retten?“, fragte Tom als sie mit dem Fahrstuhl nach oben fuhren. „Na ganz einfach: Mit unseren Superkräften!“ Georg zwinkerte viel sagend und Tom stimmte begeistert zu. Die hatte er ja ganz vergessen gehabt.
Im Hotelzimmer dann wuselten alle drei vor dem Kleiderschrank herum. Georg suchte sich sein Batman Kostüm aus dem Schrank, während sich Tom in sein Superman Outfit quetschte und Gustav das Spiderman Outfit aus seinem Koffer hervorzog.
„Wir sehen gut aus!“ Die drei versammelten sich anschließend vor dem Spiegel. Georg fuhr sich über den Oberkörper: „Sexy!“
Er wand sich an seine beiden Kollegen die etwas hinter ihm standen und sich kritisch musterten. Tom fand das diese engen Hosen komisch an ihm aussahen.
„Lasst uns los!“, grinste Batman Georg da aber auch schon, „Spiderman! Superman! Folgt mir!“ Mit fliegendem Cape stolzierte er auf die Tür zu. „Warte mal!“, rief Tom ihn da zurück. „Was denn?“, Georg drehte sich wieder um, „Ich dachte wir wollen Bill retten!“ „Ja! Wollen wir auch…“ „Aber?“ „Ich will nicht dass du mich Superman nennst!“, Tom verschränkt die Arme vor der Brust, „Ich bin Rapman okay?“ „Öhm…was bitte?“ Die beiden G’s musterten ihren Bandkollegen kritisch.
„Ihr habt schon richtig gehört!“, Tom lief erhobenen Hauptes an den beiden vorbei auf den Flur, „Achtung Welt ein neuer Held ist geboren worden! Rapman!“ Er trommelte auf seiner Brust herum. „Jetzt könnte er eher King Kong sein!“, murmelte Gustav alias Spiderman da. Georg nickte nur: „Lasst uns zum Batmobil!“ Er und Gustav verließen nun ebenfalls das Zimmer, schlossen ab und gingen an Tom vorbei den Gang hinunter.
„Ey Jungs!“ Tom lief hinter ihnen her. „Was denn noch?“, fragte Georg, „Wir müssen uns beeilen!“
„Ja schon! Aber ich möchte nicht das wir in einem Batmobil fahren?“ „Wie?“ Die beiden G’s blieben so abrupt stehen dass Tom gegen die beiden knallte und zu Boden fiel. Als er sich wieder aufgerichtet und sich den Dreck von seinem Kostüm geklopft hatte sagte er: „Ich bin Rapman also fahre ich auch in einem Rapmobil!“
„Ja aber du hast keinen Führerschein und da ich Batman bin-“, fing Georg an.
„Ich bin aber der Bruder des Entführten! Also müsst ihr auch das machen was ich sage!“
„Du bist aber der Jüngste und hast somit kein Recht auf Ansprüche!“ Gustav unterstützte seinen Kollegen, Batman, tatkräftig. Tom zog eine Schnute: „Du bist gerade mal 357 Tage älter als ich! Also spiel dich mal nicht so auf!“ „Tzzz… du kannst mich mal Superman!“ Gustav lief weiter. „Rapman!“, schrie Tom und lief ihm hinterher.
Georg verdrehte die Augen und folgte den beiden. Er musste immerhin fahren!

Mit größter Mühe konnte Batman das Batmobil, oder wie Tom sagte, das Rapmobil aus der Tiefgarage fahren. Es waren tausende verschiedene Knöpfe darin und man musste erstmal gucken welche man drückte um vorwärts zu kommen.
„Was ist eigentlich das für ein Knopf?“ Tom deutete auf einen giftgrünen Knopf der ganz rechts außen hell leuchtete. „Drück da bloß nicht drauf!“, warnte Georg sofort.
„Wieso?“ Toms Finger kribbelten bereits und er wollte gerade nichts lieber als diesen Knopf berühren.
„Das ist der Schleudersitzknopf!“ Georg bremste scharf an einer Ampel die gerade auf rot gesprungen war. Seine Kollegen flogen nach vorne und landeten dann unweich wieder auf dem Hinterteil. „Kannst du nicht aufpassen?“ Gustav rieb sich den Kopf der bei der Bremsung mit Toms Kopf zusammen gestoßen war.
„Tut mir Leid!“, entschuldigte sich Georg gleich, „Ich weiß leider noch nicht so ganz wie das alles hier funktioniert!“
Die Ampel wurde wieder grün und Georg fuhr ruckartig los. „Wiiie funktioniert dieses Scheißteil?“, schrie er als in einer Kurve urplötzlich der Motor versagte. „Ich denke du musst ein bisschen schneller als nur 20kmh fahren!“ Tom deutete auf die Anzeige wo in roten Zahlen die Geschwindigkeit angezeigt wurde.
„Sei ruhig Superman!“, murmelte Georg nur und fuhr weiter.
„Rapman!“, schrie Tom und starrte dann beleidigt aus dem Fenster. Bald erreichten sie den Stadtrand Berlins. „Wo ist dieses Gebäude nun?“, erkundigte sich Georg und ließ seinen Blick über die verschiedenen Gebäude die hier vorhanden waren schweifen.
„Bieg da mal rechts ab!“ Gustav deutete auf eine Seitenstraße. Batman nickte und fuhr die Straße runter. Am Ende war eine Sackgasse.
„Habt ihr das Fabrikgebäude gefunden?“, erkundigte sich Georg als er wendete. „Nö!“ Spiderman schüttelte den Kopf und auch Rapman verneinte. „Es muss aber hier irgendwo sein!“ Sie fuhren die Straße wieder entlang und fanden wieder nichts.
„Noch mal umdrehen!“, ordnete Gustav an.
Georg wendete das Auto erneut. Wieder fanden sie nichts.
Insgesamt konnte man sagen dass die drei mit dem Rapmobil zehn Mal die Straße rauf und runter fuhren. Bis zu dem Zeitpunkt in dem Gustav plötzlich schrie: „Brems!“ Mit quietschenden Reifen kam der Wagen zum stehen. „Das ist es doch oder?“ Gustav deutete auf das Gebäude welches sich vor ihnen erstreckte. Es war ganz unverkennbar das Gebäude in dem sich Nivea mit Bill und Yves aufhielt.
Die rostige Eisentür war halb geöffnet.
„Mensch!“, Georg schlug sich gegen die Stirn, „Wir sind echt blind!“ „Allerdings!“, stimmte Tom nickend zu. Das Batmobil wurde am Straßenrand geparkt und die drei machten sich auf den Weg zu dem großen Gebäude. Die Eisentür quietsche in ihren Angeln als Georg diese öffnete und hineinschlüpfte. Er sah erstmal den Gang links und rechts hinunter. „Okay! Luft ist rein!“ Die drei liefen den Gang hinunter und durchsuchten erstmal das ganze Untergeschoss. Als sie wieder am Eingang standen fragte Tom weinerlich: „Wir finden ihn nie!“
„Doch! Bestimmt!“, Gustav schlug ihm kumpelhaft auf die Schulter, „Da vorne war doch eine Treppe! Lasst uns mal oben gucken!“ Die drei Helden schlichen die Steintreppe nach oben und liefen dann durch das Obergeschoss. „Ich finde dieses Gebäude echt faszinierend!“, murmelte Gustav der sich interessiert jeden Winkel ansah.
Bald erreichten sie den Gang in dem Nivea zusammen gesunken auf ihrem Hocker saß. Sie konnte das penetrante Gebrabbel von Bill schon gar nicht mehr hören.
Als sie Schritte hörte sah sie auf. Vor ihr standen die drei. Niveas Miene hellte sich sofort auf. „Schön dass ihr meiner Einladung gefolgt seid!“, grinste sie und richtete sich vor ihnen auf. „Ahhh! DU !“, schrieen die drei im Chor als sie erkannten das vor ihnen das Grünhaarige Mädchen stand.
Batman, Spiderman und Rapman wirbelten mit wehenden Capes herum und liefen den Gang wieder hinunter. Nivea grinste und hetzte ihnen hinterher. „Ihr entkommt mir nicht!“, schrie sie. Tom begann bereits nach ein paar Metern in seinem Kostüm zu schwitzen und zu japsen: „Scheiße! Ich hab die Orientierung vollkommen verloren.“ „Ebenso!“, murmelte Georg dem bereits Schweißperlen die Stirn herab liefen. Beide warfen einen Seitenblick auf Gustav welcher auch nur den Kopf schüttelte.
„Sorry!“, sagte er, „Aber ich weiß auch nicht wie wir hier rauskommen!“
Sie liefen um eine Ecke und konnten kurz verschnaufen. „Ich kann nicht mehr!“, japste Tom, „In diesem Kostüm ist es so heiß!“ Nach Luft schnappend nickte Georg. „Am besten wir ziehen sie aus!“ Gustav begann seinen Reißverschluss zu öffnen doch noch ehe er das ganze Kostüm ausziehen konnte hörten sie Nivea schon näher kommen.
„Schnell weiter!“, schrie Georg.
Während die drei weiter den Gang hinunterliefen zogen sie sich gleichzeitig die Kostüme aus. Sie warfen nach und nach Nivea diese an den Kopf und liefen dann in Schweinchenkostümen weiter. Diese hatten sie sich zuvor drunter gezogen. Immerhin gab es die so genannten Glücksschweine und ein wenig Glück könnten alle drei nun gut gebrauchen.
Als Georgs Batman Maske Nivea am Kopf traf musste dieser stark lachen. „Wenn ich euch in die Finger bekomme!“, drohte das Mädchen daraufhin und warf die Maske achtlos zur Seite. Georg währenddessen setzte sich die Schweinenase auf und folgte seinen beiden Bandmitgliedern die bereits einen Gang weiter waren. „Georg!“, hörte er da Tom von weiter vorne rufen, „Da ist ein Raum in dem wir uns verstecken können!“ Das älteste Bandmitglied blieb schlitternd vor den anderen beiden stehen.
Tom hatte Recht. Dort am Ende des Ganges stand eine Tür halboffen. Der Schlüssel steckte im Schlüsselloch. Es war ein perfektes Versteck! „Okay!, schrie Georg, „Five, Six, Seven, Eight!“ Auf Kommando begannen alle drei ihr Lied „Wir schließen uns ein“ zu trällern.

Wir schließen uns ein

Bis die Zeit uns vergisst

Bis ihr den letzten Tag vermisst

Ich weiss, dass keiner von uns geht
Ihr seid der letzte Weg

Die drei hetzten auf die Tür zu, Nivea war ihnen dicht auf den Fersen. Gerade rechtzeitig schafften sie es in den Raum. Gustav drehte den Schlüssel im Schloss herum und als sie das beruhigende Klicken der verschlossenen Tür hörten atmeten sie alle erleichtert aus.
„Geschafft!“ Tom hob seine Hände und gab ein paar freudige Schweinchengeräusche von sich ab. Draußen vor der Tür hörten sie Nivea, welche schlitternd vor der verschlossenen Tür zum stehen kam.
„Das werdet ihr noch bereuen!“

Kapitel 21


„Was war das denn?“, quiekte Bill als er auf dem Flur Stimmen vernahm. Yves zuckte die Schultern und ließ sich an der Wand runter gleiten. Wo drauf hatte sie sich da nur wieder eingelassen. Nen Schlüssel runterschlucken, sie schlug sich die Handfläche gegen die Stirn und beobachtete den schwulen Boygroupsänger.
„Das war Toms Stimme! Da bin ich mir ganz, ganz sicher!“ Er bekräftigte seine Aussage mit einem heftigen Nicken. „Glaubst du nicht?“ Er sah die rothaarige fragend an. Bevor diese jedoch antworten konnte brabbelte er schon weiter.
„Ich hab mir ja schon immer gedacht, dass ich mal irgendwann entführt werde. Aber ich hatte immer gehofft von so nem perversen der seine kranken Fantasien an mir ausleben will, aber du bist natürlich auch in Ordnung, dann besteht wenigstens nicht die Gefahr, dass meine Gene verloren gehen. Wir müssen uns fortpflanzen, auch wenn das ein bisschen komisch wäre. So, ich kenn dich ja nicht. Und ich glaub ja an die große Liebe…“
Yves schrie auf. „FORT-WAS?“
Bill schenkte dem Mädchen ein breites Lächeln. „Ja, wieso denn nicht?“
Das ist nur ein böser Traum, du wachst gleich wieder auf! Das ist nur ein böser Traum, … wiederholte sie wie ein Mantra und haute ihren Kopf immer wieder gegen die Wand. Bill beobachtete sie interessiert. „So was muss doch wehtun, oder?“
„Kannst du mal die Klappe halten?“, fuhr Yves ihn an. Bill sah sie ängstlich an, kauerte sich an der Tür zusammen und begann an seinem Daumen zu nuckeln. „Ich hab doch so eine Angst. Das ist wie SAW!“ Seine Augen wurden groß. „Was wenn ich hier drin sterbe? Oh mein Gott! Ich muss meine Haare schneiden, wie sähe das denn aus?“ Der schwarzhaarige begann damit ein paar Strähnen um seinen Zeigefinger zu wickeln und kaute auf der Unterlippe herum.
„Das ist doch wohl nicht dein Ernst, oder?!“
Bills Blick reichte und Yves stöhnte genervt auf. „Geh doch, wenn du mich nicht magst“, sagte Bill mit weinerlicher Stimme und schob seine Unterlippe vor. Yves rollte die Augen, holte einen Kugelschreiber aus ihrer Tasche und begann auf ihre Handinnenflächen zu malen. „Was machst du da?“, fragte Bill interessiert. „Moment“, sagte Yves und steckte den Stift schließlich wieder weg.
„Also“, sie setzte sich auf die Knie und sah Bill eindringlich an. „Das ist wichtig, dass du jetzt ganz genau aufpasst ja? Ich mach das auch nur einmal“, sprach sie langsam, wie mit einem Kleinkind und deutete auf ihre linke Handinnenfläche wo ein kleiner Bill gemalt war.
„Hee, das bin ja ich“, quiekte die große Version erfreut und strahlte Yves an. Diese ließ sich nicht beirren und begann mit ihrer kleinen Vorführung.
„Du kannst doch Englisch hoff ich?“ Bill nickte unsicher, auf das was ihn erwartete. „Also“, sie räsuperte sich. „This is Billchen“, sie deutete noch mal auf den Mini-Bill in ihrer Hand. „Billchen fly to the sky“, sie machte seltsame Verrenkungen, und ließ die Hände gen Decke wandern. Dann grinste sie böse. „Billchen Klatsch!“, sie klatschte die Handflächen zusammen was bei Bill einen kurzen Aufschrei auslöste. Lachend hielt sie ihm schließlich die rechte Handfläche hin, auf der ein paar undefinierbare Kringel gemalt worden waren, „Billchen Matsch!“

Nach, wie es Yves vorkam, Stunden hatte Bill sich wieder eingekriegt und musste nun nicht mehr weinen, wenn er Yves ansah. „Du bist gemein“, wiederholte er zum eintausenddreihundertfünfundzwanigsten Mal und sah Yves aus großen Augen an. „Ja, ok!“
Eine Zeit lang hingen beide ihren Gedanken nach, wie spät war es jetzt wohl? Yves sah auf ihre Handyuhr. 23:52 Sie seufzte. So spät also schon? Was Nivea wohl gerade machte? Und Kenny! Dem könnte sie ja mal eine kurze SMS schreiben. Grinsend öffnete sie das Nachrichtenprogramm und tippte drauf los.
Ich möchte…. Allein… Insel…, drang immer wieder an ihr Ohr und sie sah auf, als sie die SMS abgeschickt hatte.
Was sie sah, ließ sie auflachen. Der Frontmann der Schwulenband stand da, allen Ernstes, mit einer Dose in der Hand und war am Singen.
Als er bemerkte, dass sie ihn ansah, grinste er.
„Dieser Song ist für wen ganz besonderes!“ Er lächelte Yves an.
„Ich möcht’ so gern mit dir allein, auf einer kleinen Insel sein, eine Woche, oder ein Monat, oder ein Jahr! Oder auch länger!“
Stolz verbeugte er sich vor ihr und sah sie erwartungsvoll an. „Bist du krank?“, zischte Yves, sprang auf und rannte mit erhobener Hand hinter ihm her. „Nicht schlagen!“, kreischte der und versteckte sich hinter einem Stück Papier, was er sich vors Gesicht hielt.
Yves atmete tief durch. Bloß nicht aufregen! Sie war zwar mit der wohl größten Nervensäge der Welt in einem vielleicht 24 m ² großen Raum, ohne Schlüssel, eingesperrt. Das war doch zum Haareraufen!
Sie versuchte krampfhaft, sich selbst in den Arsch zu treten, aber es wollte und wollte nicht klappen.
„Soll ich dir helfen?“, kam es leise von Bill.
„Fresse Schwuchtel!“ Yves erschrak. Jetzt sprach sie schon auch schon so wie Nivea.

Kapitel 22


Frustriert hockte Nivea vor der Tür die zu dem Raum führte in dem nun die drei anderen Schwuchteln von Tokio Hotel saßen. Sie dachte angestrengt nach wie sie die drei überlisten konnte… Und da, ganz plötzlich, hatte sie die Idee!
Wie von der Tarantel gestochen sprang sie auf, schrieb Keith eine SMS und rannte dann hinunter zum Eingang.
Es dauerte eine halbe Stunde bis Keith ihr das brachte was sie brauchte. „Was willst du denn eigentlich damit?“, fragte dieser als er ihr den Karton in die Hand drückte.
„Ist für ein Theaterstück…“, murmelte Nivea, „Und jetzt kannst du wieder gehen!“ „Alles klar! Bye!“ Keith verschwand so schnell wieder wie er gekommen war und Nivea machte sich wieder auf den Weg in das Fabrikgebäude.
It’s showtime baby
Nivea zog sich das Kostüm an welches Keith ihr gebracht hatte. Ein Wolfskostüm welches passend zu den drei Schweinchen, die sich eingesperrt hatten, passte.
Mit schweren Schritten und verkleidet machte sie sich also wieder auf den Weg zu dem Raum worin Georg, Gustav und Tom saßen.
Sie klopfte an und sagte: „Liebe, gute, kleine Schweinchen, lasst mich doch zu euch hinein…“ Drinnen rutschten die drei zusammen. Georg flüsterte: „Das ist sicherlich der große böse Wolf!“ Gustav und Tom nickten ängstlich.
Georg aber stand auf und trat vor die Tür. Er musste die Verantwortung übernehmen, er war schließlich der Älteste. „Sind ganz allein, sind ganz allein und lassen dich nicht ins Haus hinein!“, sagte er und verschränkte die Arme vor der Brust.
Nivea legte draußen vor der Tür den Kopf schief und erwiderte dann mit tiefer Stimme: „Ich werde strampeln und trampeln, husten und prusten und euer Haus zusammenpusten!“
Und Nivea strampelte und trampelte, hustete und prustete und pustete die Tür auf. Quietschend öffnete sich diese und Nivea begann gehässig zu lachen.
Mit großen Schritten betrat sie den Raum, zog sich die Wolfsmaske vom Kopf und erstarrte mitten in der Bewegung.
„Was bitte macht ihr da?“, fragte sie entgeistert und starrte Georg und Tom an die gerade in diesem Moment voneinander abließen.
Kurz zuvor saßen sie da noch, eng umschlungen und am knutschen. Gustav hockte etwas abseits daneben und spielte auf seinem Handy herum.
„Wir haben halt Langeweile!“, rechtfertigte sich Tom da und gähnte demonstrativ.
„Macht ihr das öfters?“ Nivea beäugte alle drei kritisch und fühlte sich selber zutiefst befriedigt. Es stimmte also doch: Schwuchteln!
„Nö!“, meldete sich da Gustav zu Wort, „Nur wenn wir halt Langweile haben!“ Nivea, die aus einigen Zeitungen wusste das Gustav eigentlich der ruhige Pol der Band war und allen Anschein nach auch noch der normalste, starrte diesen nun vollkommen irritiert an: „Du etwa auch?“
„Klar!“, Gustav schenkte ihr ein breites Lächeln, „Tom, Georg, Bill und ich! Wer denn sonst? Auf Männerabenden kommt das auch öfters vor.“
Nivea schnappte erschrocken nach Luft und setzte sich erstmal auf den Boden um sich wieder zu beruhigen und diesen Schock, sie hatte immerhin zwei hässliche Gestalten miteinander rumlecken sehen, zu verdauen.
„Ach ja und David nicht zu vergessen!“, setzte Gustav dem ganzen jetzt noch die Krone auf. „David?“, fragte Nivea vorsichtig. „Unser Produzent…“, murmelte Gustav unbeeindruckt. „Ach so!“ Nivea nickte nur.
Irgendwie war sie geschockt, obwohl sie die Homosexualität der vier eigentlich schon lange wusste. Es nun aber auch noch persönlich von denen bestätigt zu bekommen war doch etwas schockierend.
„Apropos David!“, meldete sich da der kleine Checker, Tom, zu Wort, „Wo ist der eigentlich? Ich habe ihn schon länger als drei Stunden nicht mehr gesehen.“ Georg zuckte mit den Schultern: „Gute Frage! Ich habe ihn auch das letzte Mal gestern Abend gesehen.“
„Das kann ja wohl nicht wahr sein!“, regte sich Tom auf, „Bill wird entführt, wir eilen zu Hilfe, werden selber zu Gefangenen und David kriegt von all dem nichts mit?!“ „Ist echt nicht zu fassen!“, fügte Georg hinzu.
„Als wäre dieses Problem ein Weltuntergang!“, sagte Nivea, „Ich hab ein viel größeres Problem!“
„Ach ja?“, Georg rutschte näher an sie heran, „Erzähl uns von deinen Problemen!“ Mitfühlend nahm er ihre Hand, welche die Grünhaarige gleich darauf angeekelt wegzog. „Bitte fass mich nicht an!“, sagte sie aufgebracht und sprang auf.
Georg hob beschwichtigend die Hände: „Okay, okay! Entschuldige! Anscheinend hast du akute Berührungsangst.“
„Ich habe bitte was?“
„Berührungsangst!“, Georg legte die Stirn in Denkfalten, „Dieser Fall liegt echt klar auf der Hand. Hat dich vielleicht ein Freund mal auf übelste Weise verlassen? Oder wurdest du als kleines Kind in irgendeiner Weise misshandelt? Hat man dir nie Liebe geschenkt?“ „Ich glaube man hat dir ins Hirn geschissen!“
„Lass deine Aggressionen nur raus. Das ist gut, sehr gut!“
„Ahhhh!“ Nivea raufte sich die Haare und wäre am liebsten vor diesem Möchtegerntherapeuten davon gelaufen, doch dann hätte es passieren können das alle drei verschwinden würden, die Polizei alarmierten oder noch schlimmer: Bill befreiten!
„Georg jetzt lass sich doch erstmal ihr Problem los werden!“, sagte Gustav, „Du musst erstmal wissen was ihr Problem überhaupt ist!“
„Aber ich dachte wir haben die Diagnose schon festgestellt: Berührungsangst!“
„Ich leide nicht unter Berührungsangst!“, schrie Nivea und schlug mit der Faust gegen die Wand sodass sich die Haut abschürfte und begann zu bluten.
„Vielleicht leidet sie auch unter zu hoher Aggressivität oder aber sie hat das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom.“ Georg holte aus seiner Hosentasche Brille, einen kleinen Notizblock und Stift hervor und begann eifrig damit etwas aufzuschreiben.
„Wo bin ich hier nur gelandet?“, sprach Nivea mit sich selbst.
„Es ist alles okay…Kein Grund um auszuticken!“, sagte Georg mit einer so ruhigen Stimme das Nivea ihn am liebsten erschlagen hätte. Gustav übersah das eifrige Gekrakel von Georg einfach und fragte die Grünhaarige: „Was ist denn nun dein Problem?“
„Ja…“, Nivea setzte sich wieder auf den Boden, „Ich habe seit heute Morgen wo ich bei euch im Hotel war nichts mehr von meinem Killer gehört.“
„Oh…das ist natürlich doof!“ Mitleidig sah Gustav die Grünhaarige an.
„Ja!“, Nivea seufzte, „Und ohne ihn kann ich den ganzen Scheiß hier ja nicht hinter mich bringen. Leider besitze ich ja nicht all die Waffen die er hat um euch persönlich umzubringen.“ „Hmm… ich verstehe dich voll und ganz!“, sagte der blonde Junge mit der Cap, „Man wird in heiklen Situationen immer im Stich gelassen.“
„Oh ja!“, Nivea nickte eifrig, „Ich hab ihm schon drei Mal auf die Mailbox gesprochen aber es kommt einfach nichts zurück!“
„Ja… dann ergeht es dir so wie uns mit David! Der hat auch sein Handy aus und wir haben darauf gequatscht. Aber gemeldet hat der sich auch nicht.“, sagte Georg da und legte seinen kleinen Notizblock zur Seite. Gustav seufzte im nächsten Moment, holte sein Handy erneut hervor und wählte die Nummer.
Nivea hielt dies für eine gute Idee, holte ebenfalls ihr Handy hervor und rief beim Killer an. Es tutete kurz, was soviel hieß wie das Handy war wieder an, doch dann. „Besetzt!“, sagten Gustav und Nivea im Chor als sie das Besetztzeichen hörten.
„Oh wenn ich den in die Finger kriege!“, murmelte Nivea und packte ihr Handy weg. Genau diesen gleichen Gedanken hatten in diesem Moment auch Georg, Tom und Gustav. Wenn ich den in die Finger kriege…

Kapitel 23


Ungefähr zur selben Zeit saßen Kenny und Keith auf einer Bank vor dem Altersheim in dem Berliner Viertel in dem sie wohnten.
Sie hatten zusammen Kennys Oma besucht, die seit geraumer Zeit dort lebte, weil Kennys Eltern mit ihrer etwas anderen Art, wie Kenny sie nannte, nicht so gut klarkamen.
Im Moment waren die beiden damit beschäftigt, die Kekse zu vernichten, die Kennys Oma ihnen mitgegeben hatte. Sie schmeckten fantastisch, sie war eine herausragende Köchin!
„Das tut gut, mal wieder allein zu sein“, meinte Keith irgendwann und lehnte sich zufrieden zurück um die Ruhe auf sich wirken zu lassen. Kenny stimmte seinem Freund zu und schloss die Augen genießerisch. „Das hatten wir schon lange nicht mehr!“
Die Stille wurde allerdings kurz darauf von dem penetranten E.T. – Klingelton von Kennys Handy gestört.
„Moa!“ Genervt holte dieser sein Handy hervor, tippte kurz darauf rum und las die SMS die er soeben erhalten hatte.

hey kenny!
hilfe!
yves!

„Hör dir das mal an“, meckerte Kenny und las die SMS vor die seine beste Freundin ihm geschickt hatte. „Was hat die denn schon wieder?“ – „Ich hab keine Ahnung! Vielleicht verprügelt Nivea sie zu wenig und sie macht sich Sorgen!“ Die beiden Freunde lachten. „Ich mag die ja echt nicht wa!“ – „Ich auch nicht, Alter! Ich weiß echt nicht wie wir uns auf die einlassen konnten!“ – „Die anderen sind noch schlimmer!“
Kenny legte den Kopf schief. „Meinst du wirklich? Schlimmer als die 2 Hautcremes?“ Keith verkniff sich ein Lachen. „Okay, okay. Du hast gewonnen!“
Sie verstummten wieder und schwiegen sich an. Diese Ruhe musste man wirkich ausnutzen, wenn die Mädels dabei waren, konnte man einfach keine ruhige Minute haben. Dafür war Nivea zu streitsüchtig, und Yves zu aufbrausend.
„Wie spät ist es eigentlich?“, fragte Keith irgendwann. „Öhm, irgendwas mit 12 denk ich. Wir sollten gleich auch mal gehen.“ – „Antwortest du Yves?“ – „Morgen! Die kann warten.“
„Hallöchen ihr zwei Hübschen“, drang eine quäkende Stimme an ihr Ohr. Die beiden sahen sich erschrocken an. Oh nein!
„Oma!“, lächelnd ging Kenny seiner Oma entgegen. „Was machst du denn so spät noch hier? Wir haben schon nach 12. Du solltest reingehen!“
Hildegard tippte sich mit dem Zeigefinger an die Stirn und setzte sich ganz eng neben Keith auf die Bank. „Ach, ich hab noch für euch gebacken! Ich dachte ihr mögt noch, oder Keith?“ Sie klimperte verführerisch mit den Augen und zog ihren Ausschnitt noch ein Stück tiefer.
„Ähm. Ja, danke! Aber es ist viel zu spät für dich, oder?“ Hildegard winkte ab. „Ach was, ich bin doch eine junge Göre!“
Prustend fiel Keith von der Bank und rollte sich lachend über den Boden.
„Die ne junge Göre“, presste er immer wieder zwischen seinen Lachanfällen hervor. Enthusiastisch war Hildegard aufgesprungen und hatte sich zu ihrem Liebling hinunter gebeugt. „Alles in Ordnung, mein Junge?“, fragte sie besorgt nach.
Keith war ihr richtig ans Herz gewachsen und sie wusste, dass er auch sehr angetan von ihr war.
Sie war ja immerhin ein junges Gör, wie sie oft auch von ihrem Pfleger genannt wurde. Der war auch süß, aber halt nicht so süß wie Keith und sie wollte keinen Kerl Mitte 30 – der war doch viel zu alt!
Überhaupt fühlte sie sich nicht wie 83, sondern wie gerade Mal 17! Frisch und knackig, wie sie es gerne nannte.
Kenny betrachtete das ganze mehr amüsiert, als geschockt. Er wusste das seine Oma Vorlieben für jüngere hatte, sein Opa war auch 10 Jahre jünger gewesen als sie.
Aber das sie nun für Keith schwärmte, das juckte ihn schon ein wenig.
„Oma. Kannst du Keith bitte los lassen? Wir wollten eigentlich gehen, und du solltest auch ins Bett gehen. Es ist spät!“
Hildegard warf ihm nur einen bitterbösen blick zu und knuddelte sich enger an Keith, der langsam blau anlief.

„Hey Ihr! Habt ihr Patrick gesehen?“ Kenny drehte sich in die Richtung aus der die Stimme kam. „Jo Spongebob“, sagte er und schlug bei dem Schwamm ein.
„Ne tut mir Leid hab ich nicht!“ Der Schwamm verzog den Mund. „Verdammt! Taddäus sucht den schon überall! Und ich muss doch zu Mr. Crabs! Meine Schicht fängt gleich an!“
Die beiden wurden durch einen Aufschrei von Hildegard unterbrochen.
„Da ist ja mein Schwamm!“ Sie packte Spongebob und hob ihn hoch. „Wir gehen jetzt schön das Backblech sauber machen!“, sagte sie grinsend mehr zu sich selbst und verschwand mit dem schreienden Spongebob im Haus.
„Endlich“, keuchte Keith und stand auf.
„Eine Sekunde länger und ich wäre erstickt!“
Kenny lachte. „Ach so schlimm kann’s nicht gewesen sein!“ – „Das weißt du auch!“
„Ja…“

Kapitel 24


Bill und Yves saßen weiterhin eingeschlossen in ihrem Raum fest. Inzwischen konnte auch Yves mal in Ruhe durchatmen, denn Bill hatte sein Dauergebrabbel aufgegeben und saß nun auf dem Boden, mitten im Raum, wo er mit Yves Kugelschreiber auf der Rückseite eines Autogramms, von ihm selber welches er in der Innentasche seiner Jacke dabei hatte, eifrig drauf kritzelte.
Das rothaarige Mädchen saß gegen die Wand gelehnt und musste aufpassen das sie nicht einschlief. Sie war inzwischen so erschöpft und wollte wirklich nur für ein paar Minuten die Augen schließen. Doch sie hatte Angst auf was für Ideen Bill kam wenn dieser mal unbeaufsichtigt war.
Er war noch vollkommen topfit und summte während des Malens leise vor sich hin. Was ein Nachtkind! „Fertig!“, schrie er da auf einmal und Yves Kopfschmerzen, die auf dem besten Weg gewesen waren zu verschwinden, machten sich sofort wieder bemerkbar. Bill drehte sich breit lächelnd zu seiner Leidensgenossin um.
„Guck mal!“, sagte er und hielt ihr die Rückseite des Autogramms unter die Nase. Darauf abgebildet waren fünf einfache Strichmännchen und ein Haus. „Und was soll das darstellen?“, fragte Yves desinteressiert.
Bills Augen funkelten amüsiert und er deutete auf die beiden größeren Strichmännchen. „Das bist du!“, sagte er und deutete auf das Strichmännchen welches ein Kleid trug, „Und das bin ich!“ Sein Finger tippte auf das andere Strichmännchen mit der wilden Frisur.
Yves verzog das Gesicht zu einer angewiderten Grimasse. Sie wollte gar nicht erst wissen wer die anderen Strichmännchen waren. Doch Bill war nicht zu stoppen und brabbelte weiter: „Und weißt du wer die anderen drei Kleinen sind?“
„Du wirst es mir sicherlich gleich sagen…“, murmelte Yves und zog die Stirn kraus. Bill nickte überheblich: „Das sind unsere Kinder!“ „Unsere was bitte?“ „Ja!“, sagte Bill lächelnd, „Du weißt doch… Sollte ich hier drauf gehen, solltest du dafür Sorgen das meine Gene nicht verloren gehen. Und mit Kindern ist dies natürlich machbar.“, Er grinste, „Wir müssen uns also fortpflanzen und selbst wenn ich nicht drauf gehe, dann baue ich uns allen ein wunderschönes Haus!“
Er deutete grinsend auf das gemalte Haus. „Du machst mir Angst!“, erwiderte Yves, erhob sich und ging auf Sicherheitsabstand.
Der Schwarzhaarige zuckte nur mit den Schultern und kritzelte dann weiter auf einer neuen Autogrammkarte welche er aus der Innenjackentasche zog. Yves ließ sich nun an der anderen Wand hinunter gleiten und schloss genervt die Augen. Sie verfluchte alles und jeden für diesen bescheuerten Plan!
Es dauerte keine halbe Stunde da kam Bill wieder hinüber zu Yves. Er setzte sich neben sie und tippte an ihre Schulter. „Was?“, fragte Yves. „Hier!“, Bill hielt ihr die zweite Autogrammkarte hin, „Für dich!“ Yves musterte die Karte worauf Bills Gesicht groß abgedruckt war, seine Unterschrift drauf geschmiert hatte und ein „Für Yves! Die Person die in der schlimmsten Zeit bei mir war!“ drauf geschrieben stand. „Danke…“ Aus Höflichkeit steckte Yves die Karte in ihre Jackentasche. Nicht das Bill wieder anfing zu weinen.
Dieser gähnte gerade. „Yves?“, fragte er. „Hmm?“, erwiderte diese und bemerkte wie langsam die letzten seidenen Fäden ihrer Nerven zerrissen. „Ich bin müde!“, sagte Bill, „Darf ich mich bei dir anlehnen?“
Yves öffnete den Mund um zu Antworten doch der Schwarzhaarige hatte es sich schon einfach an Yves Schulter bequem gemacht und die Augen geschlossen. Kein Wort kam über seine Lippen! Immerhin ist er jetzt ruhig!, dachte Yves erleichtert und schloss selber wieder die Augen. Sie hasste es wenn sich jemand bei ihr anlehnte und Bill war da keine Ausnahme. Aber für ein wenig Ruhe nahm sie gerade alles in Kauf!
Leider machte das Problemkind Bill ihr da einen Strich durch die Rechnung. Im nächsten Moment richtete sich dieser nämlich wieder auf. „Yves?“, flüsterte er, „Yves?“ „Hmm?“ „Yves!“ Mit Nachdruck rüttelte Bill an der Schulter der Rothaarigen. „Was ist denn nun schon wieder?“ Sie öffnete die Augen wieder und starrte den Jungen neben sich an, dessen Augen hin und her rauschten.
„Alles okay?“, fragte Yves. Der Gesichtsausdruck von Bill gefiel ihr gar nicht. „Yves?!“, wiederholte er und begann nun auf und ab zu wippen, „Die Wände werden grün…Die Wände werden grün…“
Yves runzelte die Stirn während Bill weiterhin auf und ab wippend „Die Wände werden grün…“ murmelte. „Bill?“, Yves kniff die Augen zusammen, „Die Wände sind grün!“ „Was?“, Bills Gesichtsausdruck wurde wieder geschmeidiger und sein Blick streifte über die grünen Wände. „Oh!“, sagte er und kratzte sich peinlich berührt am Hinterkopf, „Sorry!“ Lächelnd nickte er kurz vor sich hin. Yves schüttelte nur den Kopf und entspannte sich dann wieder. Ruhe…
Urplötzlich sprang Bill auf und begann sich die Klamotten vom Leib zu reißen. Yves erschrak sich fürchterlich und beobachtete kritisch den Schwarzhaarigen unter dessen Klamotten das Catwoman Kostüm zum Vorschein kam.
„Spiderman, Rapman und Batman werden mich retten!“, stieß er hervor und hob die Hände gen Decke. Das entlockte Yves das erste Mal seit einigen Stunden ein Grinsen und sie schüttelte den Kopf. „Pass bloß auf!“, sagte sie, sprang ebenfalls auf und zog sich die Klamotten aus. Zum Vorschein kam ein schwarzer Overall worauf vorne in giftgrün Yves Name eingestickt war.
Auf dem Rücken stand der Slogan „Ich mag Katzen- Die Schmecken wie Hähnchen!“
Bill lachte los und musterte die Rothaarige neugierig: „Was stellst du denn da?“ „Ich bin die Katzenfängerin!“, sagte Yves und fuhr ihre Krallen aus.
Bill schreckte zurück, immerhin war er hier die Katze!
Yves leckte sich genüsslich über die Lippen und machte dann einen Schritt auf den Schwarzhaarigen zu. „Ahhhh!“, schrie dieser und begann vor Yves wegzulaufen. Das war nicht unbedingt einfach da der Raum einfach zu klein war, aber es reichte doch immerhin um im Kreis zu laufen.
Yves rannte ihm hinterher und musste sich ein Lachen unterdrücken. „Ich kriege dich!“, stieß sie hervor, „Ich habe Kräfte die du dir nie erträumen könntest!“
„Hah!“, sagte Bill da nur und steuerte die Wand vor sich an, „Ich kann dafür durch Wände gehen!“ Yves blieb stehen und sagte: „Seit wann kann Catwoman denn das?“
Bill aber lief weiter auf die Wand zu. Bis –klatsch- er dagegen lief.
„Aua!“, schrie er und fiel nach hinten um wo er bewegungslos liegen blieb. Auch Yves lag auf dem Boden. Vor Lachen!

Kapitel 25


Nivea saß unterdessen mit den 3 anderen Bandmitgliedern von Tokio Hotel in dem anderen Raum und überlegte, wie sie die vier Schwuchteln inklusive Yves nach draußen bringen konnte, ohne, dass einer abhaute.
Erst einmal würde sie Yves irgendwie aus dem beschissenen Raum rausbekommen müssen. Was die sich dabei wohl dachte.
Der grünhaarigen war ja schon immer klar gewesen, das Yves nicht ganz richtig im Kopf war, aber freiwillig mit dieser Schwuchtel in nen Raum setzen?! Wer käme denn auf so eine Idee.
Tzz.
Tom und Georg waren wieder ihrer Lieblingsbeschäftigung verfallen und knutschten nun schon seit gut 10 Minuten auf dem Boden liegend rum. Georg hat seine Hand mittlerweile schon unter Toms T-Shirt wandern lassen.
Angewidert wendete die grünhaarige den Blick ab und wandte sich an Gustav, der gelangweilt seine Fingergelenke knacken ließ.
„Wie lange müssen wir hier eigentlich noch warten?“, fragte der Drummer. „Ich hab keine Ahnung. Ich hoffe der Killer ruft bald mal an. Und Yves muss ich aus dem beschissenen Raum bekommen. Ohne Bill hat es ja eh keinen Sinn euch umzubringen!“
Der blonde blickte nachdenklich die Wand gegenüber von sich an. „Ich hab auch schon oft überlegt, nen Auftragskiller zu bestellen, also für Bill. Wie der manchmal abgeht, wenn jemand mal kurz seine Bürste benutzt! Das geht mal gar nicht, ich mein, als ob er die gepachtet hätte. Dabei hat er die nicht mal selbst gekauft.“
Er schwieg kurz und strich sich die Haare aus dem Gesicht, dann fuhr er belanglos fort: „Würdest du mir die Adresse geben, von dieser Agentur?“
„Ja klar, Moment!“ Nivea stöberte durch ihre Tasche und hielt dem blonden schließlich eine kleine Karte hin. „Ach die! Da hab ich schon viel von gehört. Die zuverlässigsten im ganzen Markt, stand letzte Woche zumindest in der BILD.“ Nivea zuckte die Schultern und kramte ihr Handy hervor.
Jetzt musste sie für dieses Etwas auch nach 20 Cent ausgeben. Wütend tippte sie die Kurzmitteilung in ihr Handy, suchte Yves’ Nummer raus und drückte auf Senden. „Was hast du geschrieben?“, Gustav sah sie neugierig an.
„Öhm.“ Nivea holte ihr Handy wieder hervor, öffnete die entsprechende SMS und hielt Gustav ihr Handy hin.

Bewehg deinen verdahmten
Arsch da rauhs!
Niviah

Der Drummer sprang entrüstet auf. „Das ist viel zu nett, Nivea! Du musst der dummen Sau richtig die Meinung geigen, wenn die nicht wäre, wären wir schon alle 4 tot und du hättest endlich deine Ruhe vor uns, aber nein, Yves macht dir ja diesen scheiß Strich durch die Rechnung. Ich würde der Mal zeigen was ne Harke ist!“
Nivea hob die rechte Augenbraue und nahm Gustav das Handy wieder ab. Dann sah sie auf die Uhr. „Oh fuck“, zischte sie. „Was denn nun?“ – „Ja, ich müsste eigentlich schon bei der Arbeit sein.“
Gustav sah sie verständnislos an. Kurzerhand stand das grünhaarige Mädchen auf und begann sich auszuziehen. Kurz darauf stand sie in einem Neon Orangenem Overall, wie Müllmänner sie immer anhatten, vor ihm und legte ihre anderen Klamotten sorgsam aufeinander gestapelt in die Ecke des Raumes.
„Du bist Müllmann?“, fragte Gustav interessiert. „Ja, also. Manchmal zumindest. Ich find das orange passt zu meinen Haaren!“
„Keine Ahnung.“, meinte Gustav nur.
Wieder schwiegen sich die Beiden an und die Stille wurde nur ab und zu von ein paar eindeutigen Schmatzgeräuschen durchbrochen. Irgendwann erhob sich Gustav und schälte sich aus seinem Schweinchenkostüm.
„Ich hab immer zur Sicherheit noch eins drunter“, meinte er an Nivea gewandt, als er wieder im Spiderman Outfit durch den Raum tigerte.
„Ich muss mein Revier noch markieren“, zischte er und flog daraufhin kurzerhand durch den Raum und machte hier und da ein Spinnennetz mit dem TH Logo in der Mitte.
Nivea beobachtete ihn nur genervt.
Konnte der Killer sich nicht endlich mal melden?
Düdeldüü…

Kapitel 26


Gleichzeitig klingelten die Handys von Gustav und Nivea. Sie kramten die bimmelnden Dinger aus ihren Hosentaschen und nahmen ab. Schon an der Nummer erkannte die Grünhaarige das es er war. Der Killer! Endlich!
„Wo verdammt waren Sie so lange?“, brüllte Nivea auch gleich sauer ins Telefon.
Gustav zog sich währenddessen mit seinem Telefonat ein wenig zurück. David sprach so leise das er ihn bei Niveas Geschrei einfach nicht verstand.
„Tut mir Leid!“, sagte der Killer da zu der Grünhaarigen, „Aber ich hatte einen wichtigen Termin!“
„Und dieser wäre?“ Nivea stand mitten im Raum und wippte aufgebracht mit ihrem Fuß. Das machte sie immer wenn sie ungeduldig und sauer zugleich war.
„Ich hab einen Kaffee bei meiner Mama getrunken! Die habe ich schon so lange nicht mehr gesehen gehabt und ausgerechnet heute hatte sie mich zum Kaffee und Kuchen eingeladen.“
Nivea schlug sich gegen die Stirn. Der Aufprall ihrer Hand auf der Stirn gab einen so lauten Laut von sich das Georg und Tom, die immer noch knutschend am Boden lagen, erschrocken von einander abließen und die Grünhaarige anstarrten.
Als die beiden aber nur bemerkten das Nivea mal wieder sauer war, inzwischen war ihnen bewusst geworden das der Hauptbestandteils von Niveas Leben darin lag sauer zu sein, wanden sie sich unbeeindruckt von ihr ab und gaben sich wieder ihrer Lieblingsbeschäftigung hin. Knutschen!
Gustav erfuhr währenddessen dass David mit seinen Eltern seine Oma im Altersheim besuchen musste. Das machten sie jeden Monat!
„Und was macht ihr so schönes?“, fragte er einen seiner Schützlinge.
„Och joa…“, sagte Gustav, „Bill wurde als Geisel genommen, wir haben ihn gesucht um ihn zu befreien und nun stecken wir hier selber fest. Ist aber halb so schlimm! Wir vertreiben uns die Zeit mit so einem vollkommen ausgeflippten Mädchen. Weißt du die hat so nen Auftragskiller besorgt der uns umbringen soll. Sie telefoniert gerade selber mit ihm und es kann sich eigentlich nur noch um Stunden handeln bis wir tot sind. Der Killer scheint ziemlich unzuverlässig sein und dann gibt es da noch irgendwelche Probleme mit ihrer Komplizin!“, Gustav seufzte, „Aber sie ist eigentlich ganz nett. Mal so völlig anders als all die, die wir sonst kennen lernen. Und es ist ziemlich spaßig sich mit ihr zu unterhalten.“
„Na das ist doch mal ein netter Zeitvertreib!“, sagte David mit einem breiten Grinsen.
Er freute sich das seine Jungs Spaß hatten!
„Auf jeden Fall! Weißt du sie ist sogar Müllmann. Das macht das ganze noch interessanter!“
„Ach ja? Du kannst sie ja mal fragen wann wieder Sperrmüll ist, ich hab so viele alte Möbel die dringend weg müssen!“
„Klar! Ich werde sie fragen wenn sie mit dem Killer fertig telefoniert hat.“
Nivea fragte währenddessen, mit vor Wut rotangelaufenem Gesicht: „Wann können Sie dann nun endlich hier sein? Ist das Kaffeekränzchen mit Muddan nicht endlich zu Ende?“
Der Killer sah am Ende der Telefonleitung auf seine Uhr: „Ich denke ich kann in etwa einer Stunde da sein!“
„Erst in einer Stunde? Wir bezahlen Sie hier dafür das sie ihren Scheißjob machen und nicht dafür das sie in Ruhe ne Tasse Kaffee mit der Familie trinken!“, schrie die Grünhaarige.
„Nur mit meiner Mama. Ich habe nur mit meiner Mama eine Tasse Kaffee getrunken, mit der ganzen Familie würde all das noch länger dauern!“
Nivea bemerkte wie sie allmählich auch ihre letzten Nerven verlor.
All das konnte doch wohl nicht wahr sein. War das ein schlechter Scherz den sich dieser Killer da erlaubte? Oder war all dies doch nur ein böser Alptraum?
Im Großen und Ganzen konnte sie eh nichts ändern und musste auf den Killer warten.
„Wehe Sie sind in einer Stunde nicht hier!“, drohte sie.
„Ich werde da sein!“, sagte der Killer, „Bis dahin kannst du ja die Jungs schon mal an die Leine nehmen, sodass sie uns nicht mehr weglaufen können.“
„Da muss ich aber erst noch mal nach unten gehen!“, erwiderte Nivea, „Die Leine liegt unten.“
„Ja, dann sieh zu! Wir sehen uns in einer Stunde!“
Der Killer legte auf Nivea hatte nur noch das Tuuut, Tuuut, Tuuut am Ohr. Sie packte ihr Handy weg und ließ einen Blick zu Gustav schweifen. Dieser telefonierte noch und schien vollkommen abgelenkt zu sein.
Georg und Tom taten nach wie vor nichts anderes als sich auf dem Boden herumzuwälzen und innige Küsse auszutauschen. Alle drei waren also abgelenkt. So konnte sie guten Gewissens schnell nach unten rennen und die Leine holen.
Tatsächlich fand sie keine drei Minuten später die Jungs immer noch nach so vor, wie sie sie verlassen hatte.
„Öhm Jungs?“, sagte sie da und legte die Hundeleinen vor sich auf den Boden. Die drei schenkten ihr aber absolut keine Reaktion.
„Leute!“, schrie sie da und hatte dann endlich die Aufmerksamkeit von Gustav, Tom und Georg. Die beiden Letzteren sahen sie, ganz außer Atem, wütend an. Immerhin wurden sie hier gerade bei etwas wichtigem gestört! „Was gibt’s denn Nivea?“, fragte Gustav und wimmelte schnell David am Telefon ab.
„Also ich habe nun den Auftrag euch an die Leine nehmen!“, Die Grünhaarige deutete auf das was vor ihr auf dem Boden lag, „Ich hoffe das ist okay für euch?!“
Gustav, der Nivea inzwischen als so etwas wie eine gute Freundin ansah, sprang erfreut auf: „Klar! Klasse Idee! Solange ich das grüne Halsband bekomme?!“ „Öhm…natürlich!“, sagte Nivea, „Es ist sicher für jeden eine Farbe dabei.“
Tom, der Nivea die Unterbrechung in punkto Georg schnell verzieh, sprang nun ebenfalls vom Boden auf: „Ich möchte bitte blau!“ „Und ich will das schwarze!“, schloss sich Georg ebenfalls an. Als alle drei nun ihr jeweiliges Halsband umhatten und angeleint waren grinste Nivea zufrieden. „Fehlt also nur noch Bill!“, sagte sie und nahm das pinke Halsband, welches nur noch übrig geblieben war, in die Hand, „Dann lasst uns mal los.“ Die drei Jungs krabbelten vor ihr her, wie Hunde eben, und Nivea hielt die Leine fest. „Ich bin ein Rottweiler!“, ließ Tom da verlauten. Er wand sich zu Georg um, der neben ihm ging: „Weißt du Rottweiler sind sehr bissig!“ Er öffnete den Mund und kam mit seinen Zähnen Georgs Arm gewaltig nahe, aber die Grünhaarige unterbrach ein Geraufe indem sie plötzlich an seiner Leine zog und ein „Tom aus!“ verlauten ließ.
Tom, der ganz der brave Hund in diesem Moment war, ließ von Georg ab und kroch weiter. „Wollen wir ein Wettrennen machen?“, fragte Georg da, „Wer zuerst bei Bill und Yves ist?“ Toms Augen begannen zu funkeln: „Au ja! Wir haben doch eh diese langen Hundeleinen die bis zu fünfundzwanzig Meter Reichweite haben.“
„Meint ihr das ist eine gute Idee?“, fragte Gustav da. Er wollte Nivea eigentlich nicht schon wieder auf die Palme bringen. „Klar! Du musst ja nicht mitmachen wenn du nicht willst.“ Georg und Tom rannten los, um die nächste Ecke.
Das nächste was Gustav nur noch von den beiden hörte war ein würgendes Geräusch, ein lautes Husten und ein Schrei. Nivea lachte. Sie hatte bei der Leine auf den Stop Knopf gedrückt gehabt, der die Leine auf Knopfdruck nicht mehr länger werden ließ.
So hangen Georg und Tom, die vollkommen überrascht worden waren von dem plötzlichen Ende der Leine, nach Luft ringend auf dem Boden.
„Ich hab’s euch ja gesagt!“, sagte Gustav kopfschüttelnd.
Der Raum in dem Yves und Bill saßen kam nun langsam in Sicht. Nivea hoffte das Yves inzwischen zur Vernunft gekommen war und die Tür aufgeschlossen hatte. Sie wollte dort gerade anklopfen als die Tür von alleine aufging. Nivea grinste: „HAH!“

Kapitel 27


Yves saß nun schon seit geraumer Zeit neben Bill, der irgendwie immer noch bewusstlos auf dem Boden zu liegen schien, und wartete darauf, dass er wieder wach wurde.
Sie musste kichern, als sie sich noch mal das Bild von Bill ins Gedächtnis rief, der gegen die Wand klatschte.
„Waschn losch?“, nuschelte Bill vor sich hin, rieb sich nebenbei die dicke Beule, die er nun hatte und setzte sich etwas missmutig auf.
Etwas genervt, das er wieder wach war, sah Yves den Sänger an und atmete einmal tief durch. „Das sah zu geil aus, wie du gegen die Wand geklatscht bist.“
„Ja wa?!“ Bill schmunzelte über sich selbst. „Ich sollte mal mit David darüber sprechen, vielleicht können wir das irgendwie in der neuen Bühnenshow einbauen. Als Special Effekt oder so, oder ich spring bei „Spring nicht“ von einem Hochhaus, das wäre doch was… Oder bei „Totgeliebt“ erschieß ich mich, oder…“ Yves hielt dem schwarzhaarigen die Hand vor dem Mund. „Ruhig Brauner!“
„Wie Brauner? Ich hab schwarze Haare!“
Das rothaarige Mädchen war nun vollkommen am Rande des Wahnsinns angelangt. Was sollte sie noch tun? Ihn bewusstlos prügeln, damit er mal den Mund hielt?
Sie stand auf und tigerte im Raum umher. Nivea konnte sich endlich auch mal ransetzen und ihren ach so tollen Plan in die Tat umzusetzen.
Das sie selbst daran Schuld war, das sie mit Bill hier eingesperrt war, übersah sie gekonnt.
„Wie lang sind wir eigentlich noch hier drin?“, fragte Bill prompt. „Keine Ahnung?!“ – „Wenn du uns mal nicht eingesperrt hättest“ Der Frontmann von Tokio Hotel wackelte mit dem Finger vor Yves Nase herum.
„Ach halt den Mund Catwoman!“, zischte diese. „Sag das nicht so abfällig“, nörgelte Bill und begann an seinem Daumen zu nuckeln.
Eine Zeit lang war es still zwischen den beiden. Yves nutzte die Zeit und schloss genüsslich die Augen.
„Ich muss mal!“, drang kurz darauf Bills Stimme an ihr Ohr. Entsetzt öffnete sie die Augen. „Bitte was?“
Bill sah das Mädchen peinlich berührt an. „Na, ich muss halt mal. Ganz nötig!!“ Er sah sie gequält an. „Ich halt schon die ganze Zeit auf, aber gleich geht nicht mehr.“
Die rothaarige schickte ein Stoßgebet gen Himmel, aber es nützte nichts. „Kannst du nicht noch n bisschen einhalten?“, fragte sie. Der schwarzhaarige zog eine Schnute und schüttelte weinerlich den Kopf. „Nää! Mama sagt auch immer, dass das ungesund ist!“
Yves knallte ihren Kopf gegen die Wand hinter ihr und verschränkte die Arme vor ihrem Gesicht.
Sie hörte wie Bill sich irgendwann schwerfällig erhob und in eine andere Ecke ging, wo er sein Geschäft verrichtete.
„Lass das nicht wahr sein“, murmelte Yves vor sich hin und betrachtete, als Bill sich wieder neben ihr niedergelassen hatte ihre Fingernägel.
„Baah! Du hast Dreck unterm Nagel“, quiekte Bill, sah Yves angewidert an und rückte ein paar Meter weiter weg. „Muss ich mir von dem sagen lassen, der in die Ecke pinkelt!?“, antwortete Yves sarkastisch.
Bill grummelte und summte schließlich vor sich hin. Yves suchte in ihrer Hosentasche nach etwas, womit sie den Dreck entfernen konnte und zog schließlich einen Schlüssel hervor.
Abwesend begann sie damit den Dreck zu entfernen. Wie spät es wohl mittlerweile war? Welcher Tag war heute eigentlich?
Sie hatte sämtliches Zeitgefühl verloren.
Außerdem hatte sie Hunger!
Ihr Magen rumorte, was Bills Aufmerksamkeit auf sich zog.
„Hey“, schrie dieser auf einmal. Yves sah genervt auf. „Du hast den Schlüssel zur Tür!“ Die rothaarige sah auf ihre Hand, in der sich tatsächlich der Schlüssel befand.
Fuck!
„Ich denk du hast den verschluckt?“
Yves lachte.
„Bin ich bescheuert?! NEIN!“
Bill quiekte.
„Dann hol uns hier raus, man!“
Der Sänger zog das Mädchen am Arm hoch und schleifte sie zur Tür. Widerwillig steckte Yves den Schlüssel ins Schlüsselloch und öffnete die Tür.
Entsetzt sah die das grünhaarige Mädchen vor sich an.
„HAH!“

Kapitel 28


Die beiden Jungs, Kenny und Keith, liefen währenddessen durch die Straßen Berlins und waren am überlegen wie sie am besten und schnell zum Fabrikgelände kommen könnten. Eine U-Bahn- oder S-Bahnstation war im Umkreis von einem Kilometer dort nicht. Das Gelände war wirklich weit ab vom Schuss.
„Du hast doch Nivea neulich dein Wolfskostüm gebracht oder?“, fragte Kenny irgendwann seinen Freund der sich zu seiner linken aufhielt, „Wie bist du denn da dahin gekommen?“ „Öhm…“, Keith kratzte sich nachdenklich am Hinterkopf, „Sowie ich mich noch dran erinnern kann hab ich einfach so ne Frau auf ’nem Penny Parkplatz angesprochen. Die hat mich dann freundlicherweise gefahren!“
„Hmm…“, machte der Junge mit den pinken Haaren, „Bloß doof das Penny schon lange geschlossen hat. Also was machen wir nun? Auf Laufen hab ich keine Lust.“
„Ich auch nicht. War jetzt schon wieder zu viel für mich!“ Demonstrativ presste Keith sich eine Hand in die Hüfte und hechelte ein paar Mal.
Kenny schüttelte den Kopf. Keine Kondition!, dachte er. Aber er selber hatte ja auch keine Lust noch einen weiten Fußmarsch hinzulegen, deswegen entschloss er sich spontan bei der Auskunft anzurufen. Laut Werbung wusste die 11880 immerhin alles!
Es tutete ein paar Mal ehe eine Frauenstimme laut in den Hörer schrie: „Jooo whaaaats uuuuup?“ Keith, der weiterhin neben seinem Kumpel stand, musste grinsen. Das ganze erinnerte ihn an Scary Movie.
„Jo man!“, sagte Kenny da, „Ich bräuchte mal ne Auskunft…“
„Jo what willste denn für ne Nummer?“
„Ja ne ich müsste wissen wie ich am besten zu dem Fabrikgebäude in der Tokiohotelkillgate 666 komme!“
„Alles klar Mann!“, sagte die Frauenstimme, „Einen Moment ich muss mal eben in meinem korrekten Computer nachgucken!“
Kenny hörte wie sie auf der Tastatur herumklapperte.
„Jo also mein PC sagt mir dass es am einfachsten wäre mit einem Taxi zu fahren!“, erneutes Klappern auf der Tastatur, „Ich hab hier auch so ein konkretes Taxiunternehmen. Die Schnell-Zum-Zielort GmbH!“
„Ja das hört sich gut an!“
„Soll ich durchstellen?“
„Auf jeden Fall!“
„Jo kein Ding man. Und immer dran denken: 11880 – da werden sie geholfen!“
„Ja klar, weiß ich doch!“ Kenny grinste.
„Jo! Weißte denn auch für was die Zahlen stehen?“, fragte die Tussi am Telefon.
„Na klar!“, erwiderte der Pinkhaarige, „Elf Mann die Fußballmannschaft, Achtundachtzig die Oma und Null- Null Ahnung!“
„Yeah Alter vollkommen richtig.“, feierte die Frau, „Ich stell nun durch. Tschüssikowski!“
„Jo bye!“ Kenny hatte kurz darauf auch schon das Taxiunternehmen, die Schnell-Zum-Zielort GmbH, am Apparat und bestellt ein Taxi zu Burger King, vor dem sie gerade standen.
Schnell war dieses dann auch da.
Der Name war auf jeden Fall schon mal recht passend gewählt.
Hinter dem Steuer saß Eric Cartman, erneut auf einem Stapel Bücher um über das Lenkrad gucken zu können, und begrüßte Kenny freundlich. Immerhin kennen sie sich schon seit Kindertagen.
„Yo Alter!“, sagte die Comicfigur, „Lange nicht mehr gesehen…Heute schon gestorben?“ Kenny nahm auf dem Beifahrersitz platz, während es sich Keith auf der Rückbank bequem machte.
„Ne Alter! Schon lange nicht mehr…“, erwiderte Kenny, „Ich glaube da ist irgendwas schief gelaufen!“ „Das ist natürlich ungewohnt.“ „Auf jeden Fall…“ Sie fuhren los. Kenny und Keith unterhielten sich lautstark über Nivea und Yves die immer noch im Fabrikgebäude waren und versuchten Tokio Hotel umzubringen.
„Yo sind das so zwei abgedrehte Mädchen?“, fragte Cartman irgendwann als sie langsam die Innenstadt verließen. „Joa schon! Grün- und Rothaarig!“, antwortete Keith. Die Haarfarben waren eben immer das auffälligste.
„Ey ich sag euch, das sind die beiden denen ich den Killer verkauft hab!“
„Ach du hast die Killeragentur nun also?“, fragte Kenny interessiert.
„Jo!“, Eric Cartman lachte dreckig, „Ohne mich wären sie ja schließlich Bankrott gegangen. Läuft aber momentan nicht schlecht.“
Der Blauhaarige lächelte freundlich: „Wie kommt es das du nun auch Taxifahrer bist?“ „Ja das ist halt so noch mein alter Nebenjob, vor meiner Zeit als Geschäftsmann.“, seufzte die Comicfigur, „Ich kann meinen Job als Taxifahrer einfach noch nicht ablegen. Der ist mir schon so sehr ans Herz gewachsen und ihr wisst ja sicher das es schwer ist etwas lieb gewonnenes wieder loszulassen.“
„Ja so geht es mir auch immer noch mit meinen Ernie und Bertkuscheltieren!“, seufzte Keith verständnisvoll, „Es ist echt schwer von denen loszukommen.“
„Ja!“, Eric Cartman bog in der nächsten Straße rechts ein, „Aber wisst ihr, ihr könntet mir einen Gefallen tun!“
„Welchen, Mann?“, fragte Kenny. Wenn sein Kollege Hilfe brauchte war er sofort bereit ihm diese so gut wie möglich zu geben. „Es wäre klasse wenn ihr nen bisschen Werbung machen würdet!“ Eric Cartman hielt mit quietschenden Reifen vor der Hausnummer 666 in der Tokiohotelkillgate.
Er kramte etwas aus dem Handschuhfach und drückte Kenny und Keith dann jeweils einen Stapel Flyer in die Hand. „Die könnt ihr ja mal verteilen und ein wenig Werbung machen!“, sagte Eric. „Klar!“, Keith sah sich begeistert die giftgrünen Flyer an, „Meine Tante arbeitet als Lehrerin in einer Grundschule. Die kann sicherlich in den Klassen ein paar verteilen und meinem Onkel gebe ich auch welche mit zur Arbeit! Der ist Postbote, so kann der auch gleich welche in die Briefkästen stecken.“
„Yeah! Geil!“, freute sich Eric Cartman.
„Und ich werde welche in der Kirche verteilen.“, grinste Kenny, „Die Konfirmanden werden nun am Wochenende konfirmiert. Da werde ich mich einfach mal an den Eingang stellen und jedem einen Flyer in die Hand drücken.“
„Jo Leute! Ihr seit echt scheißen geil!“ Eric Cartman ließ sich das Geld für die Taxifahrt geben, warf die beiden dann aus dem Taxi und fuhr davon. Kenny und Keith standen am Straßenrand, vor ihnen erstreckte sich das baufällige Fabrikgebäude und sie packten die Flyer in ihre Taschen. „Na dann lass uns mal die Mädels finden!“, sagte Kenny grinsend und lief voraus. Keith folgte ihm.


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